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21.2.1913 Erstes Blatt
 
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Zrettag, 2L Februar 1915

Erstes Blatt

165. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

,is vormittags 9 Uhr.

Die heuttqe Nummer umfafzt 10 Seiten.

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Bez«n4vrei »: monatlich?) BL, viertel- jährlich Bit. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstelle:: monatlich 65 "BL; burrf) die "Bost "Bit. 2.üiertet- jährl. ausschl. Beitellg. Zeilenpreis: lokal 15 BL, auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton",Veruiifchtes" und Genchtsfaal": 5L Bleu­rath; fürStabt unb Laitb": E.Heß; für ben Anzeigenteil: H. Beck.

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Hier herrscht erbittertster Fanatismus, und Ströme von Blut hat hier der Glaubenshaß schon erfordert.

Tie Albaner bildeten von jeher einen starken Wall gegen das von Norbcn und Nordostcn andrängende Slawentum. Ste wurden daher von den türkischen "Machthabern häufig nnt Gnadcn- bcweifen überschüttet und ihre Dienste in Staat und Heer hoch geschätzt. Dieser Vorzugsstellung lvarcn sich dre Albaner wohl bewußt. Als daher auf dem Berliner Kongreß (1878) Monte­negro durch albanisches Gebiet bis zu den Nordalbaniichcn Alpen vergrößert werden sollte, setzten sich die Bewohner dieser Gebirgs­gegend derartig zur Wehr, daß der Plan fallen gelaßen und Montenegro durch einen Küstenstreifen am Mriatstchen Meer bis zum Abfluß des Skutarisees, der Bojana, entschädigt werden mußte. Dabei hat sich das Volkstum der Albaner seit der Zer­trümmerung des altserbischen Reichs (durch die Schlacht auf dem Amselfeld 1389) langsam nach Osten und Nordosten ausgedehnt und die durch "Abwanderung nach Norden, namentlich nach Sud Ungarn, vom Slawctitum entblößten Gebiete in Be,itz genommen.

Die durch den Balkankrieg geschaffene Lage veranlaßt die slawischen Völkerschaften, ihre historischen Ansprüche auf Teile Albaniens anzumelden. Montenegro möchte gern Nordalbanien bis zur Trinmündung, Skutari cingeschlossen, seinem Gebiet cin- verlciben Dem widersprechen aber die Interessen Oesterreichs und Italiens. Denn Skutari ist die gegebene Hauptstadt des künftigen Albanerreichs, und starke Handelsintcreiien veranlaßen die genannten Mächte zu dem Wunsche, dieses Bollwerk gegen die Slawenmacht nicht in slawischen Händen zu wilseu Zar Nikolaus wird sich also wohl oder übel zum Verzicht aut die helßeriehnte Festung beguemen müssen. Aehnlich steht es Mit Serbien. Aiefc* wünscht die fruchtbare Niederung rnr Quellgebiet des >rui nut den Äaiiptortcn Ipek, Djakova und Prizren als Kamptpreis cm zubeimfen, ein Verlangen, das ganz unerfüllbar cr>chemt, wenn man bedenkt, daß das Land an entwickelungssähigen größeren Städten sehr arm ist. Mit der Wegnahme des fruchtbaren ^rin- tals märe aber dem neuzugrüiidenden autonomen Staat ,ede Entwickelungsmöglichkeit von vornherein abgcschnitten. Der Vor­tragende vermutet, daß auch hier ein Vergleich zustande käme, der Serbien zwänge, sich mit dem östlichen Teil Altserbiens, einschließlich der Orte Mitrowitza unb Uesküb, zu begnügen. Bul­garien ist durch dynastische Erinnerungen au Ochnda am gleich­namigen See interessiert, unb Griechenland hat durch jahrzehnte­lange Kolouisierungsarbeit feinen Einfluß auf die südlichen Teile Albaniens ausgedehnt. Erschwert wird die albanische Frage auch noch durch das Vorkommen vvn Inseln der Kützo-Walachen, deren Sonderrechte zu wahren Rumänien sich angelegen sein läßt.

Dabei ist "Albanien nur etwa so groß wie das Königreich Sonern mit ungefähr 2 Millionen Einwohnern. Die Frucht­barkeit seiner Täler aber, die in Getreide, Mais, Wein unb

Obst besteht, in Verbindung mit dem Holzreichtum der Berge sowie die Bedeutung seiner Bodenschätze an Mineralien, Kohle und Petroleum bieten dem Land eine Entwickelungsfahigkeit,. die es begreiflich erscheinen läßt, daß jedes europäische Volk lich seinen Anteil daran zu sichern sucht.

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Näherer über die geheiterte kMexpedrlion für 5chröver-5trantz.

Aus Kristiania, 20. Febr. wird gemeldet: Wie ein Fiinkentelegramm von Spitzbcrgeii an die ZeitungenAsten- posten" unbTibenS Tegn" meldet, berichtete der Leiter der Hilfs- cxpcdition für die deutsche Expedition I. I e n ) e n Wer ben Verlauf der Expebition aus ber A d v e n t b a h folgenbes: Am 12. Februar ist bie Expedition nach furchtbaren Strapazen zurückgekehrt, schon am ersten Marschtage zerbrach der Schlitten. Am Auslauf der Ticksonbilcht trafen wir ungeheure Schneemassen. Em gewaltiger Schneesturm zwang die Expedition, sich drei Tage m den Zelten aufzuhalten. Nach dem Schneesturm mußten infolge des tiefen Schnees verschiedene Ausrüstungsgegenstäiide zurückgelassen wer­den Um die Strecke von vier Kilometern zurückzulegen, ge­brauchte man 48 Stunden. Bei Mount Sir Thomas er­froren Jakob Rognlies beide Hände und Füße, weshalb es notwendig war, zurückzukehren. Außer den Schlitten Schlassäcken unb bent notivenbigen Proviant mußte alles zurück- gelassen werden. Rognlies wurde an einem Schlitten festgeschnürt und so befördert. Arn ersten Tage der Heimreise wurde ununter­brochen 21 Stunden marschiert. Man kam aber nur 20 Kilo­meter vorwärts. Am 6. Februar erreichte die Expedition die Hütte am Kap Thord scn. Ein Mann ging von hier nach der Ad- ven t b a i, um Pferde zu holen, mußte aber des aufgebrochenen Eises wegen zurückkehren. Der Uebergang über den Fjord mit Schlitten wurde vergebens versucht. Am 10. Februar er­reichte man die Mitte des Fjords. Der Schnee war aber so weich, daß ein Vorwärtskommen mit Schlitten unmöglich war. Nach- mittags brachen zwei Mann nach ber Abventbai auf, um Hilfe zu holen. Infolge bes Schneestiirnis kamen sic bort erst am 11. Fe­bruar mittags an. Es wurde sofort Hilfe für die Zurückgebliebenen abgesandt, die man am 12. Februar mittags auf dem Este fand. Die Hunde waren in dem tiefen Schnee nur wenig nützlich; vier davon starben, einer entlief. Die Expedition litt nachts sehr unter der Kälte; sic war an den beiden letzten Tagen fast ganz« ohne Proviant. ~ c _

Die ZeitungAftenposten" erhält von Spitzbergen folgendes Telegramm, das infolge Leitungsstörung verspätet emgetroffen ist: In der letzten Zeit raste ein Unwetter auf Spitzbergen, das jeden Plan der Abfendung einer neuen Hilfsexpedition unmöglich machte. Sobald sich das Wetter wieder bessert, sollen von der

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Der «ietzener Anzeiger crfdieint täglich, außer Soin,tags. - Beilagen: viermal roöcbentlid SietzenerKamiUenblätter. Iipennnl mörtientLKieiS: Halt färben Kreis Sieben (Dienstag und Freitag); iircimal monatl. Land- virtfchaflliche Zeitfragen zenstprech - Anschlüsse: ür die Redaktion 112, , _

SLZZ" General-Anzeiger für Cberheffen

Hotationsöriid nnd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und SleindruSerei n. Lange. Redaktion. Expedition und vruilerei: Schulstratze 7.

Vie Marschrichtung Frankreichs.

Herr Poincarö hat dem französischen Parlament eine Botschaft zugehen lassen, in ber er seine Absichten kund- g-ckan hat. Seine Worte werden aber durch ein Ereignis illustriert, das ben Franzosen alles sagt, was der Diplö- raf nicht unumwunden aussprechen mag: die Ernennung Oelcassss zum Botschafter in Petersburg. Ist es ein bloßer Zufall, daß diese Ernennung so prompt mit dem Amts- (ritritt des Präsidenten veröffentlicht wird? Es heißt, schon fett 8 Tagen habe Delcasses Entsendung auf den Peters- b?wger Posten festgestandeir. Ter Botschafter Louis war schon lange amtsmüde, das heißt, in Petersburg unbequem ge- imben. Delcasss ist der Begründer des französisch-russi­schen Waffenbündnisses und der eifrige Förderer der gegen Deutschland gerichtetenTriple-Alliance". Die Vorgänge, trie seiner Ztnt zu seinem Rücktritt als Minister des Aeu- ßern führten, sind bekannt. Die neueste Ernennung sagt in§ gerade genug. Hand in .Hand damit geht die Ankün­digung neuer französischer Rüstungen. Der alteErbfeind" ist unermüdlich am Werk, die 1870 entstandene Scharte nisznwetzen.Der Friede wird nicht durch eine einzige Macht dekretiert"', so sagt der Präsident Poincare, und die Wahrheit dieses Satzes ist auch damals, 1870, bestätigt nmrdcn. In Petersburg hat man Deloassö mit offenen Ar­nim ausgenommen. Der neue Präsident hat vom Zaren hctie hohe Auszeichnung erhalten, und es wurden herzliche Detcgranrme gewechselt. Und wenn heute das deutsche Re- Igierungsorgan dem Hause Romanow zu seinem Jubiläum die Glückwünsche des deutschen Volkes ausspricht, so konnte les natürlich nicht feststellen, daß in die traditionelle deutzch- Irussische Freundsck)aft gerade durch das Wirken des Mannes, [ter demnächst als französischer Botschafter nach der Zaren- litcbt geht, ein Mißton hineingekommen ist. Wir müssen die Igrößte Vorsicht üben. Die Anbahnung besserer Beziehungen hu England, so erfreulich sie ist, darfwns nicht v er trauens - lielig werden lassen. Unser Kaiser ist nicht in der angenehmen »Loge, wie Herr Poincare, erklären zu können, daß er seiner Verbündeten Freunde ganz sicher sei. Wissen wir doch über Ibie russisch-österreichischen Beziehungen nur sehr wenig! lifTtenntnie darüber kann der deutschen Diplomatie vielleicht Demnächst aus dem Zusammenwirken der Mächte kommen. |Re den bulgarisch-rumänischen Zwist friedlich beizulegen Äeinüht sein wollen.

Wir erhalten folgenden Bericht:

Paris, 20. Febr. Die heute nachmittag im Parla- Iment verlesene Botschaft des Präsidenten Poin- rc-ar e stellte fest, daß sich der Uebergang der präsidialen »Aewalt in friedlicher, geregelter Weise vollzogen und von | n euem die Augen der Welt auf die unerschütterliche kz-estigkeit der Einrichtungen Frankreichs Igelenkt habe:

Tie Republik gab einen neuen Beweis ihrer Lebensfähigkeit, Ijnb Frankreich habe 'gezeigt, daß es sich endgültig an b;e Sitten I unb bie Freiheit gewöhnt habe. Poincare erklärte weiter, er jneerbe bei ber Ausübung des ersten Amtes des Landes sich ber Igllckck-cn, peinlichen Loyalität befleißigen, mit welcher fein aus- I ftaeidjneten Vorgänger bie hohe Stellung ausgefüllt habe. Er Irawrbc wie er, seine Ehre barein setzen, btc Verfassung zu ver- Iteibig-en, die nach den grausamen Prüftingen des Jahres 1870 IKrankreich in einem langen Zeitraum Ruhe und Arbeit ver- I schaffte, die es sich nicht unterbrechen lassen wolle Xie Bostchast Ib.äont weiter die Notwendigkeit einer festen, tlar-

. einer Funktionen seit mehreren Monaten. Die Abberufung omnit daher nicht unerwartet.

Petersburg, 20. Febr. Der Ka r s e r verlieh, um mn neuem seine 'freundschaftliche Gesinnung für Frank­reich und seine persönliche Zuneigung für Poincare aus- ;udrücken, dem Präsidenten den St. Anbrea^ jrben. Die Ordensinsignien werden durch den Kanzlei- direttor des Ministeriums des Aeußern, Kammerherrn Saron Schilling, nach Paris gebracht und Anfang nächster Woche überreicht werden. ,

Liberte" schreibt über dre Ernennung Delcassös.

" Diese Ernennung war bereits vor acht ^.agen entschieden. Sie steht demmgemäß in keinem un­mittelbaren Zusammenhang mit der Haltung Frank­reichs gegenüber den militärischen Maßnahmen Deutschlands. Die Wahl Delcasses für den Peters­burger Posten war logischerweise durch das innige fran­zösisch-russische Zusammenarbeiten in der Orrentfuage ar^ gezeigt. Die neue Stellung des ehemaligen Ministers des Aeußern, welcher die f ra!n s i s ch-r u s s i s ch e Allianz befestigte und die Entente Cordiale nut ins Leben gerufen hat, wird für die Bekäfttgung des franzöfisch-russischen Bündnisses und der Triple-Entente besonders nützlich sein. Ueberdies erhält die Entsenbuna. Delcasses nach Petersburg gerade jetzt, wo Rußland mit wachsendem Eifer die Reorganisierung der Flotte unternimmt, mit Rücksicht auf seine Erfah­rungen auf diesem Gebiet eine besonders erfreuliche Be­deutung. Auch von England wird die Ernennung Delcasses als icine ben gemeinsamen Interessen der ^riple- Entente sehr günstige Maßnahme angesehen.

Em Jubiläum des Haufk's Romanow.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Am 21 Februar begeht das russische Herrscherhaus die 800 Wiederkehr des Tages, an dem Michael Romanow auf den Moskauer Zarenthron er­st o b e n wu r d c. Der Uebergang der Herrschergewalt in Rußland auf das Haus Romanow bezeichnet den Beginn der großen Entwicklung des Zarenreiches. Mit dem An­fang der dauernden Tecknahme Rußlands an den Geschicken der europäischen Völkerfamilie knüpfen sich auch die ersten politischen Beziehungen zwischen Preußeii und der östlichen Nachbarmacht. Von einer kurzen Unterbrechung vm 1b. Jahrhundert abgesehen, bewahrten diese Beziehungen seit 200 Jähren das Gepräge eines friedlichen und sreurch)chafb lichen Verhältnisses und übertrugen sich nach Einigung der deutschen Nation unter Preußens Führung von Preußen auf Deutschland. Dieses traditionelle deutsch- russische Freundschaftsverhältnis wurde durch verlvandtschaftliche Bande zwischen den Herrscherhäusern nnd durch die Pflege vertrauensvoller persönlicher Be­ziehungen der Momirchen zueinander fortgesetzt und ge­festigt. SeineBewahrungentsp richt den großen dauernden Interessen der beiden Reiche, die aus der wechselseitig geübten guten Nachbarschaft Vorteil . ziehen und b-rd) keinen wesentlick)cn Gegensatz behindert sind, sich inn7rhalb ihrer Grenzen friedlich nebeneinander zu entwickeln. In der Zuversicht auf den..Fort- 1 bestand der deutsch-russischen Freundschaft : nehmen wir herzlichen Anteil an der Jubelfeier des Hauses ' Romanow mit dem Wunsche, daß Kaiser Nikolaus und seinen Nachfolgern es vergönnt sein möge, in glücklicher t Regierung weiterhin für Rußlands Wohlfahrt und Große \ zu wirken.

Sari®* Lagers

l ebenben Exekutivgewalt. Poincars werbe barübc. ( wachen, baß die Regierung ihr Ansehen unter ber Kontrolle bei Parlamente unversehen bewahre.

Tie Negierung müsse in schweren Stunden ber Führei unb Berater ber öffentlichen Meinung fein uni sich bemühen, herauszufinben, was neue Ideen an Lebendigem, für die Zukunft Fruchtbarem, enthielten. Die Botschaft erwähn! sodann die verschiedenen Reformen, durch die die Republik be^ ständig das beste suche, namentlich mehr Gerechtigkeit bei bei Verteilung ber Steuern unb der Vervollkommnung des W a h l- f y st e m s, das so sehr wie möglich den deutlichen genauen Aus­druck des Bolkswillens roiebergeben solle. Tic Republil offenbare Sympathien unb Interesse für bie Landleute, bereu Lasten sie erleichtern wolle, für bas Gebeihcn von Hanbel unb Industrie, indem sie sich bemühe, alle Quellen des wirtschaftlichen Reich tnms zu erschließen. Die Republik sehe vor sich, auch aus sozialem Gebiet, ein unermeßliches Feld von Hoffnungen unb Verbesserungen offen. Um fortschreitend ihre Aufgabe zu erfüllen, die ihr zu tun bliebe, habe die Republik die Pflicht, mit Festigkeit die innere Ordnung aufrechtzuerhalten unb eifersüchtig über bas Glcichgewickst bes Budgets und die Integrität ber Lnanziellen Macht zu wachen. Enblich müsse bie Republik, soweit b.es von ihr abhänge, alles tun, um Frankreich in bem allgemeinen An­sehen ber nationalen Würde bie Wohltaten bes äußeren Friebens zu sichern. Der Friebe werbe nicht burch den Willen einer einzigen Macht dekretiert. Daß ein Volk wirksam fried­fertig sei, sei nur möglich unter der Voraussetzung, daß es stets kriegsbereit sei. Ein vermindertes^, durch seine Schickd der Erniedrigung ausgesetztes Frankreich würde nicht mehr Frank­reich fein. Es hieße ein Verbrechen gegen bie Zivilisation be­gehen, wenn man Frankreich inmitten so vieler Nationen, bie un­aufhörlich militärische Kräfte entwickelten, in Vlwsall geraten ließe. Tie französische Armee und Marine gäben jeden Tag Beweise ihrer Ergebenheit unb Tapferkeit.Wenben wir ihnen/ fährt bie Botschaft fort,unsere Wachsamkeit zu unb schrecken vor fernem Opfer unb keiner Anstrengung zurück, um sie zu sichern und z>i stärken. In ihrer stillen Arbeit sind sie.die nützlichlten Hi ssmittel unserer Diplomatie. Unsere Worte um Frieden unb .Humanität werden umsomehr Ausckcht haben, gehört zu winden, ientehr man weiß, daß wir gut bewaffnet unb entschlossen sinb. Seit einigen Monaten arbeiten wir mit ganz Europa daran, bie Gefahren einer furchtbaren Krisis zu beschwören. Stark burch bas Dertrauen des Parlaments und. Landes, sicher ber Treue ber berbünbeten Freunde, wirb die Regierung beharrlich bie Politik ber Ofsenheit, Weisheit und Festigkeit verfolgen. _ Dieser Politik zu dienen unb dabei die Einigkeit zukünftig ausrechtzucrhalten, werde ich ohne Schwäche meine ganze Energie aufbieten.

Dre Botschaft des Präsidenten Poincare wurde von den Sozialistisch-Repüb li fei er n.trb den Sozi a listen mit Sckpveigen ausgenommen. Nur bei der Stelle über die Opfer für die Armee wurden bei den Sozialisten Protestrufe laut, während die gemäßigten Republikaner, die Konser­vativen und E Teil der Radikalen sehr lebhaft Beifall klatschten.

Delcaffe, Botschafter in Petersburg.

Paris, 20. Febr. Im Elyfee fand heute unter dem Vorsitze des Präsidenten Poincare ein M i n i st e r r a t statt, in welchem der Minister des Auswärtigen Jonnart die Mitteilung machte, daß der Kaiser von Rußland seine Zustimmung zur Ernennung De Masses als Bot­schafter in Petersburg gegeben habe.

Delcasfe wird seinen Posten bereits zu Beginn des nächsten Monats antreten. Er behält sein Dcputierten- mandat und erhält der Verfassung gemäß einen Urlaub auf

1 sechs Monate, der erneuert werden kann.

Der Gesundheitszustand des bisherigen Botschafters : in Petersburg Louis erschwerte ihm die Wahrnehmung

Albanien, sein Volkstum uns seine tünstige Abgrenzung.

Gießen, 21. Febr.

Mit dem jüngsten Sorgenkind der europäischen Diplomatie Mit Albanien, beschäftigte sich der 5^ Vortrag, derGesellschatt rir Erb- und Völkerkunde". Der Redner, Dr. iur. et phist Hugo Grothe aus Leipzig, war zu Begum des Balkankrieges m Montenegro unb Albanien unb gab nun «n Hanb von Karten iunb Bildern eine Ueberfidjt Über Land und feine Bewohner.

Will man Albanien und seine Bewohner verstehen, so. muß man sich seine Gliederung vergegenwärtigen. Unubersteigliche Qebiraszüac schließen bas Land nicht nur nach ben Nachbar- llindern hin ab, taubem zerfurchen es auch m nnc fcgc von Linzeltälem die mit Mauern vonemanber getrennt sind. Die Zlü fe d7e westwärts zur Adrig fließen und entweder wasstn:- rrm nher derartig reißend, daß ein Warenverkehr auf ihnen Möglich ist Selbst die Wegebaukimst^der Römer vermochte Siefen? wilden Lande nur eine einzige Straße Hurmgen, die iflon dem heutigen Durazzo über bas liebliche Elbasalm nach Saloniki führte. r. . .. ... <

c>»folac dieser Abgeschlossenheit hat,slch hier inmitten der tvechselvoltzni Geschichte ber Balkanhalbimel ezn Bo^ er- lialten ber als der Ucberreft der ^llyrer und Llxrawr an Sen Wöben kann, ffirt ibet M«* » ^ 'gwn

Don guter Gestalt, lichtem Haar, bad ^ufrg abra rert uno

'^0^unnberüonnemritgebenbftTt^®af^rmn^f^aft ^inb^ ^f^er

nebr Merkmale ber Verwilberung.°ls schlechter Charakterergen chasten. Der Natbalbaner dagegen griechnch-katholisch, wahrend ber x bic)-e verschic- 'andes bem Islam angehort. Doch vertrag i roneii Bekenntnisse innerhalb der Bolksgem sch . iezeichnct, wie der Albaner überhaupt kein C'Mglauviger Schon sein religiöser Wahrsprnch. --Das) Albaiier nicht Acmben" verrat bies. Unb in ber .^bt-der Albaner^mmt iur unter dem Zwang ber äußeren Zcrh.Ul 'J 1 rfniffC können bereitwillig auf, sondern auch.schon ^etNÜchf Z^wunnisse wnnen ,hn veranlassen, seiner angestammten Rel o n d^ ehren. Anders dagegen wirkt btc BcrieYleomyeii - _ iuf das Verhältnis der Albaner zu den benachbarten Boltern

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