Ausgabe 
18.11.1913 Zweites Blatt
 
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(63. Jahrgang

Zweites Blatt

irr. 271

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

wöchentlich.

DieLandwirtschaftlichen Seit-

General-Anzeiger für Oberhefjen

tragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Aunst, WiflcidcbtiH und Leben

Dienstag, 18. November 19(3

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'fchen Universitäts - Buch- und Steindrnckerei.

9L Lange, Gießen.

Deutsche Kolonien.

Der südwe st afrikanische Diamanten han­del. Staatsseiretär Dr. Sols hatte am gestrigen Montag in Berlin eine Besprechung mit den südwestafrikanischen Diamantenförderern, wobei er erklärte, er sei z:r dem Ent­schlüsse gelangt, um möglichst hohe Preise für die Dia­manten dauernd zu erzielen, der Marktlage Rechnung zu tragen. Er hoffe, daß sich die Marktlage schon Anfang 1914 erhole, halte es aber für notwendig, kein zu starkes Angebot südwestafrikanischer Diamanten au den Markt gelangen zu lassen. Die zu treffenden Maßnahmen wurden mit den förderen des längeren er­örtert: im Prinzip wurde ein völliges Einverständnis er­zielt. Der Staatssekretär führte sodann aus, die Diamanten­regie habe sich in der jetziger: Zusammensetzung, wie es die Erfahrungen des letzten Jahres ergeben hätten, nicht zweck­mäßig organisiert. Im Aufsichtsrat wurde durch die überaus große Zahl seiner Mt-glieder und durch ihre Gruppierung eine gute uud schuekle Arbeit sehr erschwert. Da uach den bestehenden gesetzlicher: Vorschriftei: aber der Reichskanzler die Verantwortung für die 6eftmög(idyt Verwertung der Diamantei: trage, so habe er sich entschlösse:!, die ge­samten Regieanteile gemäß der Regiesatzung für den südwe st afrikanischen Fiskus einzu­ziehen. Er würde anstelle des zu schwerfälligen Apparates einen neuen Aufsichtsrat berufen. Die Förderer betonten, daß auch sie die Regie iu der jetzigen Berfasstrng nicht als richtig organisiert betrachten könnten.

$ Butzbach, 16. Nov. Die mit etwa 50 Mitgliedern im Anschluß an einen Vortrag des Hauptmanns Lcßner von: hiesi­gen Bataillon vor 8 Tagen hier gegründete Abteilung der Deutschen K o l o n i a l g e s e l l s ch a i t hat bis zum heutigen Tag bereit? eine Mitgliederzahl von 110 erreicht. Das ist eine Zahl, wie sie keine weitere Stadt von der Größe Butzbachs auf- weifen kann.

vezirlztag der mittleren Reichr-Post- unö Ttlegraphenhecimlen

h. Frankfurt a. M., 17. Nov.

Unter den: Vorsitz des Oberpostassistenten I e n c d (Frank. Tutt) hielt gestern teji sehr starker Beteiligung derBezirks- Verein der Oberpostdirektion Frankfurt der mittleren Reichs-Post- und Telegraphenbeamten" seine Hauptversammlung ab, an der

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=ää} 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

DieHiehener 5«mtlienblätter" werden dem .Anzeiger" biennal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblntt sür -en Kreis Liehen" zweimal

kommt), die Entsendung deutscher Kriegsschiffe ins Aus­land usw.

Die Fraktionen halten am 25. und 26. d. M. ihre ersten Sitzungen ab und werden sich in diesen Sitzungen über Anfragen, Spionagegesetz kommt an: 26. zur ersten Lesung) und die zu entsendenden Redner schlüssig machen und im weiteren Verlause der nächsten Woche Stellung zum Voranschlag nehmen.

Zwei Novellen zur Gewerbeordnung befinden sich in der Beratung des Bundesrats, sie werden demnächst dem Reichstage zur Beschlußfassung zugehen. Wäh­rend die eine Novelle sich mit der Konzes sionierung der K:nematographen-T Heater beschäftigt und die Errichtung neuer Kinotheater von: Bedürfnisse abhängig macht, gleichzeitig auch eine Reihe von Sicherheitsbestim­mungen für solche Theater fordert und einige neue Bestim­mungen öffentlich - rechtlicher Natur für den allgemeinen Theaterbetrieb trifft, die in: neuen Theatergesetz keinen Platz fanden, wird die zweite Novelle sich in der.Hauptsache mit den Wan derlagern beschäftigen und den Landeszentral­behörden die Befugnis erteile«, die Errichtung von Wander­lagern nur zu gestatten, wenn citw dringende Notwendigkeit für einen bestimmten Bezirk vo^iegt. Die Erteilung der Wandergewerbescheine von der Bedürfnisfrage abhängig zu machen, hat der Bundesrat abgelehnt, weil diese Frage zahl­reichen Schwierigkeiten begegnen würde. Die Novelle ver­bietet ferner den Handel mit Rohbernsteinen, Pfandscheinen und mit Gemüse- und Blumensamen int Hausierhandel, Maßnahmen, die im Interesse des, Publikums liegen und Uebervorteilungen und Betrngsversuchen vorbeugen sollen.

als stmktionslos ansah, ist ganz im Gegenteil ein Organ, das im menschlichen Organismus eine wichtige Rolle zu versehen hat."

I m Deutschen K ü n st l e r 1 h e a t e r der Sozie- t ä t gab es am Sonnabend eine Premiere, die einem Pyrrhus­siege gleichkam: man spielte ein LustspielDie Affäre" von dem Dänen Natanson. Eine belanglose Nichtigkeit, der^ Stoff eines amüsanten kleinen Einakters, den der Fleiß des Schrift­stellers auf vier Akte answalzte. Ganz lustig werden die Büro­kraten irgend eines Ministerialbureaus verspottet, dieAffäre" entsteht durch einen von der Scheuerfrau entdeckten Liebesbrief einer reizenden kleinen Schreibmaschinenmamsel an den Herrn Bureauchef, worauf eine Palastrevolution erfolgt. Sie endet da­mit, das; das ganze Bureau mit der gleichen reizenden Heinen Sckneibmaschinenmamsell das gleiche Verbrechen begangen hat, schließt mit dem Ausblick, daß zum Abschluß auch der Herr Bureaudirektvr selber der gleichen Sünde verfallen wird. Sauber ist diese etwas dürftige Handlung aufgebaut, dichterische Werte beschweren sie nicht, e5 wurde gelacht, es gab ein paar lustige, auck, etwas plumpe Situationen: und zum Schluß war ein wohl­wollendes Publikum so höflich, dem Dichter die Möglichkeit zu geben, zu erscheinen. Prachtvoll spielte F o r e ft einen Schreiber­gesellen, neben ihm bestritten Hans Marr als Bürokrat und Tiedtke als Direktor die wenigen darstellerischen Lichtpunkte der Aufführung. Ein im ganzen rühmloser Abend, bereits der zweite der Saison: und sorgenvoll fragt man sich, ob auf diesen! Wegen die Reise des lKünstlertheaters zu Küsten führen kann, die es lohnen, sie mit der Seele zu suchen.

Gin Struwwelpeterbrunnen in Frankfurt. Mit der Ausführung eines Gedenkbrunnens für Dr. Heinrich Hoff­mann, den Verfasser desStruww.'lpeter", wurde der Frankfurter Bildhauer Peter Belz betraut. Der Brunnen erhält seinen Platz neben der Weißfrauenkrrche und trägt in mannigfacher Bezich-mg der Verehrung für den Dichter des .Struwwelpeter künstlerisch Rechnung. Aus einem breiten Brunnonbecken ragt ein Säulen schäft auf, der die eigentliche Brunnenschale trägt Diese enthält auf ihrem Rande einen Kinderreigen vierzig Zentimeter hohe Figürchen in Rundplastik der sich um das an der Vordericile des Brunnens angebrachte Medaillenporträt Honnmnns gruppiert. Aus der Schaleirmitte wächst ein 2,40 Meter hoher Säulen, chast mir Wasserspeiern und einem Kapitel auf, ra. den Struwwel­peter, auf einem Schaukelpferd reitend, in Bronze trägt, -i-er tn edlen Maßen und schwungvollen Linien ausgeführte Brunnen wird eine schöne Bereicherung der Frankfurter Denkmäler bilden.

Äcihc von Jnt'ensitätsstusen gleich stark erhält: bei hellerer oder schwächerer Beleuchtung tritt die Abnahme der ^ehstarle nach Ab­lauf der drei Stunden sehr deutlich hervor. Verwendete man die «rette Lichtform, so wurde ihre Wirkung bet allen Helligteits- . graben als gering seftgestellt, obwohl auch hier ein Maximum bei einer ganz bestimmten Stärke der Belichtung geiunden wurde Tic ,günitig)"ten Helligkeitsgrade, die für dw Sehstarke de» Auges die heften Ergebnisse ergaben und beim Seien am vorteilhaftesten wirk len, tagen weit unter der Lichtstärke, bei der die Schari e des sehens -m größten ist und sind geringer, als man im allgemeinen zu leder Arbeit, bei der die Augen auf einen nahen Gegenstand gerichtet sind, bisher für erforderlich gehalten hat. Nach der Ansicht des Gelehrten ist daher bei der Wahl des besten Lichtes mr die Augen roeitigcr die große Helligkeit als die günstige Form der Belichtung, Ivie sie sich im indirekten Licht darbietet, zu beobachte:: Die Er- g-bwic der Untersuchungen Prof. Ferrees wurden:n ihrer W:ch- tigfeü auf dem Kongreß für Schulhygiene anerkannt, und man

betonte, daß noch eine größere Anzahl von Beobachtungen ange­stellt werden müßte, um die günstigsten Lichtbedingungen für die verschiedenen Arien der Arbeit, nicht nur in Schulen, sonders auch in Kontors und Fabriken, fcstzuftellen.

Die Wichtigkeit des Blinddarms. In der letzten Sitzung der Pariser Akademie erstattete Edmond Perrier im Auftrage' des Dr. R. Robinson Bericht über eine Feststellung, die im Lager der zu Blinddarm-Operationen geneigten Chirurgen (nicht ohne Widerspruch und jedenfalls ahne besondere Freude ent- gegengenommen werden wird. Die Entfernung des Blinddarms ist'in den letzten Jahren fast zu einer Mode-Operation geworden, wobei man sich auf die Annahme stützte, daß der Blinddarm ein verkümmertes Organ sei, das seine eigentliche Funktion im mensch­lichen Organismus verloren habe und somit im Grunde über- flüssig sei. Die Untersuchungen und Versuche, die Dr. Robinson in langwieriger Arbeit in seinem Laboratorium vorgenommen hat, scheinen beftimmt, diese Anschauung zu widerlegen und als einen Irrtum der modernen Heilkunde zu enthüllen. Tie Ergebnisse der von dem .Gelehrten vorgenommenen Versuche er­bringen jedenfalls den Nachweis, daß dem Blinddarm im Gegen satz zu den bisher von der Chirurgie vertretenen Anschauungen eine wichtige und bedeutungsvolle Funktion im menschlichen Körper zukommt. Dr. Robinson hat aus operativ entfernten Blinddärmen ein Sekret gewonnen, oder, um den vor einigen Jahren von den englischen Physiologen Starling und Buvliß geprägten Fach- ausdruck zu benutzen, ein Hormon. Unter Hormon versteht man die von einem Organ abgesonderte Substanz, die geeignet ist, die Funktion der Organe an ;u regen. Das Hormon des menschlichen Blinddarms, dessen Wesen den Gegenstand von Dr. Robinsons Untersuchungen bildete, wurde von den Forschern in Laboratorien Versuchstieren zugeführt und die Beobachtung ergab, daß das Sekret des Blindärrms gesteigerte Muskelbewegungen des Groß- 4>arms heroorruft. Die Injektion von einem halben Kubikzenti­meter Blinddarm-Sekretes rief bei den Tieren eine völlige Darm--, cutlecrung hervor. Diese Feststellung ist Don hohem praktischem Interesse. Man weiß, daß Winddarmkranke oft unter langen Störungen der Darmtätigkeit zu leiden haben. Die Entfernung des Blinrckarrns beraubt die Verdauungsorgane eines Saftes, der ihre Fimktionen ,steigert; mit anderen Worten: die Legende von der Ueberflüssigkeft des Blinddarms ist erschüttert. Die Folge­rungen des französischen Gelehrten gipfeln auch in der Feststellung: Man soll es mit allen .Kräften vermeiden, den Blinddarm zu entfernen oder ju beschneiden. Der Blinddarm, den man bisher

Das b e ft e L i chi für die Augen. Interessante neue Experimente über die Art und Starke des Lickftes, die dem Auge am zuträglichsten ist, hat der amerikanische Professor C. F. Ferree angestellt und seine Resultate auf dem internationalen Kongreß für Schulhygiene in Buffalo bekannt gegeben. Für ein kurzes schar­fes Hinsehen, bei dem kleine Einzelheiten erkannt werden sollen, ist sehr Helles Licht notwendig: doch verursacht dieses leicht Er­müdung. Wenn man die Augen lange Zeit zu gebrauchen wünscht, so sollte die .Helligkeit schwach sein, viel schwächer, als man ge­wöhnlich für erforderlich zu einer guten Beleuchtung hält. Die Vcr- stche von Prof. Ferree gingen darauf hinaus, die Wirkungen des .Tageslichtes u. dreier küustlickter Lichteinrichtungen, die er als di re! "tes, indirccktes u. halbindirettes Licht klassifiziert, miteinander zu ungleichen. Diese 4 Formen der Beleuchtung wurden zunächst in der gleichen Lichtstärke beobachtet. Dabei ergab sich, daß am Ende einer Sauer von drei Stunden, während deren das Auge unter diesen besonderen Lichtbedingungen zum Lesen verwendet wurde, die Seh- f-liigkrit in dem Falle des Tageslichtes und des indirekten Lichtes nur wenig beeinträchtigt war, mährend bei den beiden anderen künstlichen Belcuchlungssormen eine starke Ermüdung und Abnahme uni) Abnahme der Sehkraft fonftatiert wurde. In einer zweiten Gruppe von Bevbachtuiigen wurde die Lichtstärke bei jedem der verschißenen Systeme in verschiedenen Graden angewendet. Auch hier waren die Ergebnisse bei Tageslicht am günstigsten unb bei indirektem Licht fast ebenso günstig. Bei dem sog. halbindirekten Liltst ergab sich, daß die Sehstärke sich nur bei einer sehr geringen

Hauptversammlung des hessischen Bauernvereins,

m. Nieder-Mörlen, 17. November.

I Unter dem Vorsitz des Landtagsabg. U e b e l - Dieburg fand Maite im ..Rosensaal" die ti.'Sjährige Hauptversammlung des liHessisckvn Bauernvereins Zentturn) statt. Vormittags faub im v.J-rauenwald" eine Delegiertenversammlung statt, welche von etwa 7n Vertretern aus dem ganzen Großlstrzoglum besucht war. Diese 'Versammlung leschäftigle sich hauptsächlich mit Abänderung der Statuten des Landesvereins. Als bemerkenswerte Aenderungen in dem Statut sind zu erwähnen, daß zukünftig Mitglieder des Hessischen Bauernverein^ Bekenner beider christlicher ftonfes- 'sionen werden können. A us n a h m e n hiervon bleiben dem Haupt­vorst ande überlassen. Der Jahresbeitrag beträgt pro Mitglied 1 Mark, wofür das Vereinsorgan derHessische Bauer" in Se­ligenstadt gratis an jedes Mitglied geliefert wird.

, In der Hauptversammlung begrüßte Landtagsabg. U c b c l die nach Hunderten zählenden Erschienenen. Nachdem der Redner -es.Vorkämpfers der Bauernbewegung, des verst. Bürgermeisters iTr. Frenay-Binsheim gedacht hatte, berührte er den Genosse n schastskrach in Hessen und hab besonders l>ervor, daß der Hessische Bauernverein direkt nicht davon betroffen worden sei, wenn auch viele einzelne seiner Mitglieder bart genug herhalten müßten. Aus die Erneuerung der Handelsverträge im Jahre 1917 lrnüsse jetzt schon hingewiesen und gearbeitet tverden, daß Inder eine Aufhebung noch einAbbau" der bestehenden Zölle eintrete, wie sie die iSozialdenwkratte unb die 'Linksliberalen planten.

Ter Vorsitzende des Ortsvereins Nieder-Morlen begrüßte so­dann die Versammlung und sprach seinen Dank für das zahl­reiche Erscheinen der Mitglieder des >H. B.-V. aus allen Teilen dcs Landes ans.

Generalsekretär H o f m a n n - Seligenstadt verlas sodann die neuen Statuten, welche ohne Aussprache genehmigt wurden. Rech­ner Martin-Viernheim erstattete den Kassenbericht. Wir ent- nehmen daraus, daß die tzstsamteinnahmen des Vereins 31 881,88 Mark, die Ausgaben 29 787,06 Mk. betrugen. Direktor Klimm- Lvrsch vom Geidvssenfck)aftslager Lorsch gab den jetzigen Lager- .bestand mit 56 674,78 Mk. an, das Reinvermögen mit 33 940,23 Mark, den Ueberschuß für dieses Jahr mit 18 000 Mk., mithin 5000 Mk. mehr als im Vorjahre. Generalsekretär Hofmann- Scligenftadt verbreitete sich nun nach Bekanntgabe der Milglieder- .zahl und Ortsvereine, jwclche von 4800 auf 5500, bczw. von 70 auf 83 gestiegen seien, in längeren Ausführungen über das Wirken des Hess. Bauernvereins im allgemeinen und in den . einzelnen Vereinen. Er besprach die bestehenden Versichernngs- gesetze und bemängelte die Gleichgültigkeit, welche noch immer bei einem großen Teile des Bauernstandes gegen die LandeSorga- nifation herrschst. Die Währscliaftssrage und die Bedingungen «der Süddeutt'chen Mühleneinkaufsgenossenschaft müßten so geregelt werden, daß auch der, Bauer bestehen könne und nicht die Haut zu Markt trage, wie dies jetzt geschehe. Vier Landwirtschasts- fammern, darunter auch die hessische, hatten sich für schleunigste Aenderuug der jetzigen Bestrmmungen ausgesprockstn. Eine solchst j sei aber nur zu erreichen, wenn die Bauern Mann -für Mann | in bem Verein hinter ihrem Vorstand stünden und dieser wisse, bau er eine geschlossene Masse hinter sich habe. Heute werde bet Bauer durch den Großhandel und das Großkapital nach allen Nichtungen ausgebentet, ohne daß er es merke. Das müsse unbe­dingt anders werden. Mit den Worten:Ter stärkste Hort fürs Roterland y.st und bleibt der Bauernstand", schloß der Redner aufDie vielen Anfeindungen, die der Bauer von allen Seiten zu erleiden habe, seine mit großem Beifall auf genommene Rede.

An Stelle des Reichs- und Landtagsabg. Gerftenberger- Wirzburg, welcher schwer erkrankt ist, roar der Generalsekretär )fcvpp vom mttersränkischen Bauernverein in WÄrzburg er­schienen, um den angekündigten Vortrag über diepolitische unb wirtschaftliche Lage Deutschlands" zu halten, sfn ausführlichster Weise ging der Redner auf die veränderten Ver­hältnisse seit 1870 bis heute ein, darlegend, wie allzeir der Bauern­sland die Hauptsttitze des Vaterlandes gewesen sei, in schlechten imb guten Zeiten, trotz aller Bekämpfungen, die er besonders in iicn letzten Jahren von oben und unten erleiden mußte. Unser Nauernstand ist noch in der Lage, das deutsche Volk mit Fleisch amb Brot zu versorgen, auch wenn wir 100 Millionen Einwohner Iptten, das beweise die intensipe Bearbeitung des heimischen ladens und der Fleiß der Bauern. Wenn von gewisser Seite 'gesagt werde, das deutsche Volk leide an Unterernährung, so sei das nicht wahr. Heute kämen auf den Kopf der Bevölkerung 53 Kg. Irisch und 230 Kg. Brot pro Jahr, Zahlen, welche von anderen SölTcrn auch nicht annähernd erreicht würden. Die neue W eh r- Vorlage ftreifeni), meinte der Redner, daß der Bauernstand früher 45 Prozent, jetzt aber 75 Prozent der Wehrpflichtigen

politische Ta-ersch^n.

Reichstags-Anfragen.

Die Entscheidung über die Einbringung von Anfragen wird in den Fraktionen sonst erst nach dem Wiederzusam- mentritt des Reichstags getroffen. Die Sozialdemokraten sind von diesem Brauche diesmal abgewichen und haben bereits in ihrer außerordentlichen Fraktionssitzung am 12. dieses Monats zwei Anfragen beschlossen und eingebracht. Die eine Anfrage über die Arbeitslos: cs keit lau­tet:Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den schlimmen Folgen der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, die durch immer wiederkehrende wirt­schaftliche Krisen verstärkt werden? Ist er insbesondere bereit, eine alle Arbeiter uud Angestellten umfassende, reichsgesetzliche Arbeitslosenversicherung in die Wege zu leiten,' sowie zur Bekämpfung der zurzeit besonders sich geltend machenden nachteiligen Folgen der Arbeitslosig­keit geeignete Ab Hilfsmittel zu ergreifen?"

Die zweite Anfrage fragt nach den Gründen für die Ablehnung des Llbg. Dr. Liebknecht zur Zulassung in der Kommission für Rüstungslieferungen. Eine dritte Anfrage wird erst nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags ein gebracht werden und zwar nach Rücksprache mit den reichsländischen Genossen über die Affäre in Za­ber n.

Von den bürgerlichen Fraktionen dürsten zu­nächst keine Anfragen zu erwarten sein, da Welfenfrage und mecklenburgische Vcrfassungsfrage bei der Etatsbera­tung besprochen werden sollen, dagegen werden, wie wir hören, einige kurze Anfragen über verschied7ne Materien gestellt werden, so über die Angestelltenversicherung, die ^esuitenfrage, den Streit zwischen Aerzten und Kranken­kassen (der :m übrigen auch beim Etat noch zur Besprechung

stellen müsse, ein Beweis, daß noch ein guter Kern in ihm sei Mit Spannung war die Versammlung den interessanten An gaben des Redners gefolgt unb lohnte ihn durch lebhaftes Bravo. Ter Vor ätzende U e b c l gedachte sodam: dem Gründer der Zentral Genosfensäwften in Süddeutsctzland, Pfarrer Heim in Regeiuwurg, und pries ihn vls den Wohltäter des Bauernstandes, dem er seine heutige Blüte zu verdanken habe. Die ausffchridenden Vorstands Mitglieder liebel-Ticburg, Pfarrer Blum-Gernsheim, Ermendiu gen-Kastel und Pfarrer .Bing-Oberelimbach wurden einüimmig wiedergewählt. Als Ort für die nächste Hauptversammlung wurde Heppenheim vorgeschlagen, doch wurde die Wahl dem Vor stand überlassen. Auch wurde dem Vorstand ein* Antrag über wiesen, demnächst für Oberhessen in Friedberg ein Lagerhaus zu errichten.

Mit der Hauptversammlung war eine sehr gut beschickte Gerste-, Hafer-, Kartoffeln-, Gemüse- Obst- uno Kons.erven Ausstellung verbunden, wobei eine Anzahl Aussteller Geld- und Ehrenpreise erhielten. Der vorgerückten Zeit wegen mußten mehrere Punkte der Tagesordnung zur nächsten Hauptversammlung zurückgeftellt werden. Mit einem breifadxm Hoch auf den Hessischen Bauernverein schloß Landtagsabg. liebel die Versammlung.

Es erhielten Preise:

Obst: 1. Preis Peter Joseph Kohl-Niedermörlen, 2. Presse PH. Georg Weitzel, M. Brann, Peter Joseph Fritz, Franz Hoffmann sämtlich in Obermörlen, Pfarrer Dr. Walö-Ockstadt, Philipp Schnorrenberger-Welgesheim: 3. Preise Anton Hahw-Niedermörlen, Peter Berg-Fehlheim, Karl Bolmer-Niedermörlen, Karl Scheibel- Niedermörlen, Adam Schaad-Ludwigshöhe.

Kartoffeln und Gemüse: 1. Preis I. Gröninger-Ock- ftadt. 2. Preis Gottfried Meußer-Ockstadt, 3. Preis Lorenz Val. Roßkopf-Münster.

Gerste: 1. Preis Peter Gottlieb König-Obermörlcn, 2. Preise Peter Berg-Fehll)eim, Pcttr Hugo Möbs Wwe.-Niedermörlen, 3. Preise Joseph Kr'imer-Niedcrmörlen, Hermann Rühl-Ober- mörlen.

H a ser: 1. Preis Georg Erbeldingen-Monzernhrim, 2. Preis Hcinricki Würz-Dornassenheim, Karl Volmcr-Niedermörlen, 3. Preis Josef Krämer-Nicdermörlen.

Korn: 1. Preis Nikolaus Lcmp-Fehlheim, 2. Preis Ehr. Möbs-Niedermörlen, Josef Krämer-Niedermörlen.

Weizen: 1. Preis Jean Gröninger-Ockstadt, Jakob Rack- Niedermörlcn, 2. Preise I. Wcitz-Domassenhcim, Heinrich Fisch- Niedermörlcn.