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Reihe von Jahren hier zum erstenmal der Londoner Sammlung gelungen, ihren Schatz zu vermehre,!. Das eine der Blätter stellt einen Engel.in halbkniender Stellung dar, der die rechte .Hand cm» vorhebt und zweimal in derselben Pose gegeben ist: augenscheinlich liegt ein Studie für ein grösseres bisher noch nicht festgestelltes Werk vor. Die andere Zeichnung zeigt ein im Profil gesehenes stehendes Mädchen, das ein Kind in ihrem Arm hält. Beide Blätter tragen Spuren einer leichten vorbereitenden Ausführung der Zeichnung in schwarzer Kreide.
— Eine Taxe für Salvarsan. Man wird sich des unliebsamen Aufsehens erinnern, das seinerzeit das Belänn1werc<n der Ausbeutung des neuen Präparats „606" erregt. Man erfuhr, daß in Berlin bis zu 400 Mark für jede Einspritzung des Präparates verlangt wurden, allerdings nur von denen, die es hatten, heute meldet die Deutsche medizinische Wochenschrift, daß eine Spezialbehandlungsmethode zum erstenmal in die preußische Medizinaltaxe ausgenommen werden soll. Die Notiz lautet: „Tie schöne Zeit der Phantasiehonorare für Salvarsaninjektionen dürfte in Bälde vorüber sein: durch Ministe- rialerlaß (8. 4.) wird der Aerztekammerausschuß ersucht, sich zu äußern, wie er über die beabsichtigte Festsetzung des .Honorars von 3—9 Mark für eine intramuskuläre Salvarsaninjektion denkt."
— Sprachreinheit und Presse, ein Wort an unsere Mitarbeiter. Der Landesverband der Presse Württembergs und hohenzollerns hat Ende April in Stuttgart eine zahlreich besuchte Versammlung abgehalten und dabei, wie die Blätter übereinstimmend melden, mit lebhaftem Beifall einen Vortrag über die Fremdwörternot im Rackuichtendienst angebört. Der Vortragende, Dr. Klaiber aus Stuttgart, erkannte zunächst mit Recht an, daß sich auch die Presse um Reinigung der Sprache von entbehrlichen, also überflüssigen Fremdwörtern redlich bemüht, aber seine haupt- absiebt war, die anwesenden Berufsgenossen davon zu überzeugen, daß sie zur Erreichung des guten Zieles noch sehr viel beizutragen vermöchten.. Seine Ausführungen hatten den erfteulichen Erfolg, daß die Versammelten einstimmig kolgende Erklärung annahmen, um deren Beherzigung wir auch unsere Mitarbeiter bitten: „Die heute zur Landesversammlung zusammengelretenen Mitglieder des Lan- desverbands der Presse Württembergs und Hohenzollerns richten an die Mitarbeiter der im Verein vertretenen Zeitungen und Zeitschriften, sowie an die Stellen, die im Nachrichtendienst der Presse tätig sind, _ die Bitte, in ihren Nachrichten und Mitteilungen, wie es schon bisher in dankenswerter Weise geschah, nach Kräften unnötige und entbehrliche Fremdwörter zu vermeiden. Den Schriftleitungen, die möglichste Svracheinheit anslr u, wäre dadurch viel Mühe und Arbeit erspart und ihnen die Pflicht erheblich erleichtert, dem Leser den Inhalt der Zeitung in einem sprachlich möglichst sauberen Gewand zu bieten."
Deutscbes Reich.
Der Aeltestenrat des Reichstags trat am Freitag im Laufe der Sitzung zusammen und beschloß, den Montag für den Budgetausschuß frcizulasscn. Man hofft bestimmt, die zweite Lesung der Wchrvorlage in der Sitzung am
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zur Akademie angesehene Stellung, sondern trat auch so recht in den Mittelpunkt des deutschen Kunstlebens, das damals in Dresden am reichsten und regsten blühte. Jetzt begannen ihm denn auch die Aufträge zuzuströmen, und besonders war es der Leipziger Buchhändler Philipp Erasmus Reich, der ihn für die von ihm gebildete Galerie ihm befreundeter großer Zeitgenossen dauernd bescl)äftigte. Für ihn ging er nach Berlin, wo er Moses Mendelssohn, Spalding, Ramler und Sulzer malte. Damals entstand auch sein herrliches Lessingbildnis, dds die geistreiche Lebcns- fülle des Dichters so fein und frisch erfaßt hat. Der Besuch in Berlin hatte für ihn noch eine weitere glückliche Folge, daß er in der Tochter Sulzers eine Gefährtin für das Leben fand. In Dresden trat er auch dem Körnerchen Hause nahe, und so kam er dazu. Schiller, zu malen. Er berichtete von ihm: „Das war ein unruhiger Geist: der hatte, wie wir sagen, kein Sitzfleisch!"
Graffs Stellung in Dresden war mit dem Wachstum seines Ruhmes immer glänzender geworden, und als er 1788 einen Ruf nach Berlin erhielt, kam man ihm in Dresden auf jede Weise entgegen, um ihn zu halten. Elbflorenz ist denn auch seine zweite Heimat geworden, doch hat er,der geliebten Schweiz nie vergessen und ihr durch wiederholte Besuche Zeichen seiner unverminderten Treue gegeben. Bis ins hohe Alter hinein war Graff noch recht rüstig und schaffenskräftig, aber seit 1810 begann er schnell hinfällig zu werden, auch war er,damals schon halb erblindet. 1812 verlor er die Gattin: die bösen Kriegszcitcn, in deren Mittelpunkt Dresden stand, beunruhigten den schwächlichen Greis in hohem Maße: damals schrieb er betrübt in die Heimat: „Seit einem Jahre bin ich kein glücklicher alter Mann" und dachte wirklich nock) an eine Rückkehr in die Schweiz. Am 22. Juni,1813 hat ihn der Tod dann abbcrufen. Seine dauernde kunstgeschichtliche Bedeutung liegt darin, daß er, ohne die Ueberlieferung des Ro- kokos in Stil und .Handwerk preiszugeben, sie doch durch unbefangenes Naturstudium und gesunde bürgerliche Auffassung verjüngt hat. Er hat in seiner Weise innerhalb der deutschen Kunst ähnliches geleistet, wie in größerem Maßstabe,die klassische englische Porträtrnalcrei, und die Namen Graff und Chodowieki werden immer in goldenen Lettern am Eingang der Geschichte der neuerer en deutschen Malerei prangen.
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Anton Graff.
Zu seinem 1OO. Todestage, 22. Juni.
Anton Graff kann man den Porträtisten unserer Klassiker nennen. Einzig Goethe ist von seinem Pinsel nicht verewigt worden, aber Lessing und Gellert, Wieland und Herder, Bürger und Schiller haben ihm gesessen. Und nicht nur sie — er war überhaupt etwa hier Jahrzehnte lang, von 1770 bis zu seinem Tode im Jahre 1813 der Mo dem aler der deutsck)cn Welt. Er hat die Fürsten und den Adel, er hat die Gelehrten und die Künstler, er hat das wohlhabende M'rrgertum und nicht zuletzt die schönen Frauen der deutschen Gesellschaft gemalt. Was Rang und ‘Daunen hatte, wollte sich damals gern durch Graffs Pinsel verewigt sehen, und diesen Wünschen kam der außerordentliche Fleiß des Künstlers entgegen, dessen Lebenswerk auf nicht weniger als 1655 gemalte Bilder angegeben wird — 322 Zeickprungen mit SUberstift nicht gerechnet! , , , . , ,
Daß sich unter einem so riesenhaften Lebenswert viel Mittelmäßiges, Handwerkliches findet, versteht sich am Mnde, aber eine große Reihe ganz vorzüglicher Schöpfungen hat Anton Gran den hohen Rang in der Geschichte der deutschen Malern gesichert, den die jüngsten Ausstellungen seiner Werke in Winterthur und Berlm nur bestätigt haben. Graff wurde zu Winterthur als Sohn,eines Zinngießers geboren, sollte gleichfalls des Vaters ehrsames Handwerk ergreifen, wurde aber, weil er von Jugend auf die größte Lust an Bildern hatte, Maler. Nach gutem alten Handwerksbrauch machte er erst in der schweizerischen Heimat seine Lehrzeit durch und ging bann zum Kupferstecher Johann Jakob Hau) nach Augsburg Dort schadete ihm aber seine Begabung, indem Augsburger Malermeister sich über die beschwerliche Konkurrenz des fleißigen und tüchtigen Fremden beschwerten, Graft setzte al,o lernen Wanderstab weiter und ging zum Hofmaler Schneider nach Ansbach, wo er beinahe jeden Tag, den der Herrgott imeiuen Uetz, eine Kopie nach dem Bild des alten Fritz ansertigen mutzte, das da- zmiial jedermann haben wollte. Ws ihm dann die Rückkehr nach Augsburg wieder frei stand, ließ er sich dort nieder, und von dort aus unternahm er 1763 mit lein em Meister Haid eme Reue nach München. Bei dieser Gelegenheit, und zwar tn Schleisherm, hat Graff zum ersten Male eine größere Anzahl von hervorragenden Werken der Malerei sehen und studieren können: bis dahin hatte ft außer seinen wackeren, aber doch mehr oder weniger im Kreiie tfiebtigen Handwerkertums stehen gebliebenen Meistem sich noch icicf)t weiter viel an Vorbildern schulen können.
Als Gräff dreißig Jalxre alt war, war er Ewerhtn noch nicht nnehr, als ein beliebter und fteitziger Proviiizkünstler.^ Die grotze Wendung seines Lebens trat ein, als er im-xZahre 1'06 von dem Ukademiedirektor Hagedorn nach Dresden berufen nmrda annt rr^elt er picht nur eine festbejoldete und durch dte Zugehörigkeit
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Nr. 145
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerMnilirnblötter; zweimal ivöchentl.Urels- blatl sürden Ureis Sieben (TienStag und Freitag): zweimal moiuuL rand- wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, __
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politische Wochenschau.
o Gießen, 21. Juni.
Das Vreskruer Festspiel Gerhart Lmnptmanns schwimmt nun, wie ein hilfloses Wrack, auf dem tosenden Ozean der öffentlichen Meinung. Die Stimme der Musen rst raum noch vernehmbar; der Welterschüttrer Poseidon, em ntoterner Gott der Politik, hat fast allein das Wort, und er spricht sowohl aus den Spalten der Kreuzzeitung> der Deutschen Tageszeitung, wie auch der Frankfurter Zeitung und des Berliner Tageblattes. Von der Parteien Gunst und Hast zerrissen, schwankt das Charakterbild der Breslauer „Festduhtung" in der öffentlichen Meinung, und wrr, die wir Hauptmanns Werk nur aus Andeutungen) kennen, müssen bei der Beurteilung dieses Streites uns doch einige Zurückhaltung auferlegen. Zweifellos, ein böser Mrstrlang ist es, der durch die sensationelle Einstellung der Aufführung an unser Ohr gedrungen ist. War es nicht möglich, früher zu entscheiden, ob tzie bestellte Dichtung allen Anforderungen genügte? Man wünschte von Hauptmann nicht nur ein Kunstwerk, sondern es sollte sich natürlich auch) aufbauen auf der vaterländischen Empfindung, mit der wir heute die Erinnerung an die großen Befreiungskriege feiern. Tast es schwer sein würde, mit einer solchen Gelegenheitsdichtung, zu der ja auch^ Klio, die Muse der Geschichte, zu Rate gezogen werden mustte, es aller, recht zu machen, mustte dem Dichter der „Weber" von vornherein klar sein. Die dichlerisckM Freiheit ist bei einem solchen Festspiel nicht ganz ungebunden, und wer dem Dichter Gerhart Hauptmann Respekt und Verehrung cntgegen- bringt, braucht noch lange nicht seine historischen Auf- fassungen oder seine Weltanschauung als unfehlbar anzusehen. Der Dichter konnte verschiedene Wege einschlagen: er konnte die lauten, aber innerlich armen Töne eines Hurrapatrioten anschlagen, konnte ein Trara ohne seelische Tiefe anstimmen — er konnte aber auch ins arrdere Extrem verfalllur und die Vorgänge des Jahres 1813 von der ,F)when" Warte eines national „objektiven" oder teilnahmslosen Betrachters behmrdcln. In beiden Fallen würde er den Widerspruch der Verständigen heraus fordern. Wir wissen es nun nicht, ob Hauptmann, wie seine Kritiker und Gegner behaupten, wirklich ein Festspiel gedichtet hat, das Kälte statt Wärme ausstrahlte und das den großen Korsen überschwänglick) verherrlichte, so daß! der Glanz des Befreiungsjahres den Breslauer Besuchern verblaßte. Das wäre nicht der Zweck Zeines solck?en Festspiels gewesen. Daß Fmedrich Wilhelm III. nicht als eine Heldenfigur erschien, nehmen wir Gerhart Hauptmann keinesfalls Wel. Tatsache aber bleibt: wen das Festspiel unbefriedigt ließ, wen es in seinem patriotischen Empfinden abstieß, der durfte das öffentlich sagen, so gut wie ein mrderer seinen Beifall spenden konnte. Eine Tatsache ist ferner, daß der literarische Wert des .Hauptmannsä-ien Werkes von Blättern verschiedenster politischer Richtung scharf kritisiert worden ist. Gerhart Hauptmann hat, wie wir gestern ver- wähnten, geäußert, daß durch den Abdruck zweier Berliner P r e s s e st i m me n in der „Schlesischen Zeitung" die Angelegenheit ins Rollen gekommen sei. Nun wird heute von seinen Gegnern festgestellt, daß es sich dabei um die „Kreuzzeitung" und — „Die Welt am Montag" gel>andelt habe, zwei Blätter also, die politisch sehr wenig Berührungspunkte haben. Waren die Meinungen über den
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— Neue Zeichnungen von Leonardo da Vinci im Briti sch en Museum. Einen wichtigen Zuwachs hat die berühmte Sammlung von Hand Zeichnungen im Britischen Museum durch zwei mit Tinte und Feder ausgefübrte Zeichnungen Leonardos erhalten. Die kostbaren Blätter, deren Echtheit durch Zeugnis von Sachverständigen zweifellos erwiesen ist, bereichern die 20 Levnardo-Zeickmungen des Britischen Museums um zwei charakteristische neue Stücke; bekanntlich sind Handzeichnungen des großen italienischen Meisters äußerst selten, und so ist cs seit einer langen
künstlerischen Wert des Stückes so sehr geteilt, so tvaren natürlich die Kritiker von dem andern Gesichtspunkte aus um so weniger geneigt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Von einer Vergewaltigung und Kommandierung der Kunst aber, wie manche Blätter übereifrig schreiben, kann keine .Rede sein. Dem deutschen Kronprinzen steht das Recht einer offenen und freien Meinungsäußerung so gut zu wie jedem andern. Daß er ein Festspiel nicht protek- tieren wollte, das ihm nicht gefiel, kann man ihm eigentlich nicht übel nehrnen. Das „Berliner Tagebl." schreibt, es seien Versuche gemacht worden, „den einseitig unterrichteten Protektor besser z.u informieren". Daß die Haltung des Kronprinzen von einer solchen Ohrenbläserei abhängig sei, ift doch wohl unerwiesen. Verantwortlich für die bedauerliche Entwicklung der Sache find einzig und allein die Auftraggeber Gerhart Hauptmanns, die sich mit diesem offenbar unzulänglich geeinigt hattet! und nachher keine feste, entscheidende Haltung eingenommen haben. Sie hatten sich beizeiten klar darüber zu werden, ob das Festspiel zur Aufführung geeignet war oder nicht, und sie konnten, ivenn sie sich von einem fürstlichen Protektor abhängig machen wollten, dessen Meinung vor der Aufführung einholen. Daß das Werk Gerhart Hauptmanns geteilte Stimmungen Hervorrufen würde, hätte man wahrscheinlich voraussehen können.
Nun hat der Kaiser der Breslauer Jubiläumsausstellung neuerdings einen Zuschuß von 20 OOO Mark bewilligt. Sogleich l)aben einige Blätter es unternommen, diesen Sck)ritt des Kaisers in Gegensatz zu bringen mit dem Verhalten des Kronprinzen. Ebensowohl kann man aber doch auch behaupten, der Kaiser habe die Veranstalter für den finanziellen Ausfall der vier Festvorstellungen im Sinne seines Sohnes entschädigen nwllen. Daß der Kaiser von Anfang an die Auffül)-rung des Hauptmannschen Werkes formell genehmigt hatte, beweist doch höchstens, daß von einem Kommando der Kunst gegenüber keine Rede sein sollte; eine Genehmigung ist aber doch keine Anerkennung. Deren bedurfte der Dichter so wenig wie der Breslauer Rat, und darum soll man den Kaiser ganz aus dem Spiele lassen.
Die innerpolitische Spannung ivegen der (Steuerfragen scheint sich in Wohlgefallen aufzulösen. Da die Reichsvermögenssteuer nach wie vor an dem Widerstande des Bundesrates scheitern würde, hat der Haushaltsausschust einen anderem Weg beschritt-eu: dieV e r/m öge n szu wa chssteuer> ist auf dem Marsche. Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer wäre zweifellos in ihrer Wirkung gerechter und zweckmäßiger geivesen, allein man ist bei den Einigungs- Versuchen ja leider auf das Zentrum angewiesen, das sich bekanntlich gegen die Erbschaftssteuer festgelegt hatte und auf die Konservativen Rücksicht zu nehmen geneigt ist. Ter Ausschuß hat mit Recht den Vorschlag der Regierung verworfen, die Regelung der Besitzsteuer den Bundesstaaten zu überlassen. So wird nun das von der Negierung für den Weigerungsfall der Einzelstaaten vorgesehene Eventualgesetz als Grundlage für eine dauernde Reick)ssteuer herangezogen. Die Hineinflechtung der Erbschaftssteuer macht den liberalen Parteien die Annahme dieses Vermögenszuwachssteuergesetzes möglich. Es bleiben aber sehr ernste Bedenken dennoch bestehen. Schon der einmalige Wehrbeitrag mit seiner Heranziehung der Einkommen, die in
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ungerechter Weise in Bermögensbesitz umgereckmet wurdet!, hat zu scharfem Widerspruch herausgefordcrt. Jetzt ist man aufs neue daran gegangen, eine Steuer auf Arbeit, Fleiß und Unternehmungslust zu legen, lvährend dem untätigen Rentner für sein Wohlleben geradezu eine Prämie ausgesetzt wird. Mau hemmt die Sparsamkeit und schafft der ,wirtsck)aftlichen und gewerblichen Entwicklung immer wieder neue Schwierigkeiten. Das liebet verspricht natürlich noch größer zu werden, wenn durch neue, »vachsende Bedürfnisse des Reiches wiederum an dieser Schraube gedreht werden sollte. Da wäre doch eine Erbschaftssteuer unbedenklicher gewesen. Was über die berechtigten Einwände hinaushilft, ist nur die Genugtuung darüber, daß die bürgerlichen Parteien in einer Saüw von weittragender Bedeutung einen gemeinfomen Weg eingeschlagen haben, daß eine nationale Aufgabe gelöst tvird ohne darauf folgendes Parteigezänk und Erschütterung der parlamentarischen Lage. Von einer Reichstagsauflösung kann kaum noch die Rede sein.
Die militäröebatte in der französischen Kammer.
• Paris, 20. Juni. (Kammer.) Charles Beuoist (Liberal) bekämpfte den Gegenentwurf Jaurös, wodurch die militärische Dienstzeit bis Oktober 1918 allmählich auf sechs Monate herabgesetzt werden soll, und bat die Kammer, keinen Unterschied zwischen Frankreich und der Republik herzustellen. (Beifall im Zentrum und auf verschiedenen anderen Bänken.) Ernest Roche bekannte, daß er allerdings zur Milizarmee neige. (Beifall auf der äußersten Linken.) Inzwischen aber müsse man sofort notwendige Maßnahmen für die Sicherheit des Landes treffen und sie von jeder Parteifrage freihalten. (Beifall im Zentrum und auf verschiedenen anderen Bänken.) Roche schloß: Alles andere ist mir lieber, als die Aussicht ttiif eine neue Niederlage Frankreichs! (Beifall im Zentrum, rechts und links, Rufe auf der äußersten Linken: Ja! Ja!) Laßt uns abrüsten! Gewiß! Aber nach den Deutschen! (Lebhafter Beifall auf denselben Bänken.) Der Redner will sich allen patriotischen Maßregeln, die vorgeschlagen werden, anschließen, bis die Völker der Monarchen ledig seien, deren Stirnrunzeln einen Krieg entfesseln könne, und sich verbrüdern könnten. (Langanhaltender lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und auf verschiedenen Bänken links. Der Kriegsminister applaudiert ebenfalls.)
Berichterstatter Pate stimmte der klugen Rede Roches zu und verwart den Gesetzentwurf Jaures trotz des großen Talentes, welches dieser zeigte. (Beifall.) Jaurös stellte fest, daß nach der Rede Roches sein Gegenentwurf heute vielleicht abgelehnt, aber in naher Zukunft durchgeführt werde. (Beifall auf der äußersten Linken.) Jaurös Gegenentwurf wurde dann mit 496 gegen 77 Stimmen abgelehnt.
R o gn on (Soz.) sprach für feinen Gegenentwurf, der eine Dienstzeit von 18 Neonaten versieht. Patö bekämpfte den Gegenentwurf, nach dessen Durchführung die Erziehung und das Training der Soldaten ungenügend sein würden. Trotz wiederholten Eintretens Rognons für feinen Entwurf wurde dieser mit 502 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Die Fortsetzung der Beratttng wurde alsdann auf Montag vertagt.
— Erstes Blatt 163. Jahrgang Samstag, 21. Juni 1913
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