Ausgabe 
17.4.1913 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, kL April 191$

Erstes Blatt

165. Zahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten

Vor­recht

Galliersiege Attalos I. verherrlichten. Nach den weiten Räumen der Bibliotheken, des jonischen Tempels und des Theaters bildete den Beschluß der grop,c Zensaltar, der sich als alles bchcrrsdn-noer gewaltiger Prachtbau in der Mitte der oberen Marktterrassc er hebt. Von ihm befinden sich nur nocl^die Fimdamente und einige Treppenstufen an der alten Stelle. Sein l)errlicher Oberbau mit der berühmten Gigantomachia ist im Berliner Pergamon-Museum wieder ausgerichtet.

Reicher Beifall dankte den lichtvollen und bis zuletzt fesseln­den Ansftilwungeu des Redners, der selber begeistert feilte sehr zahlreichen Hörer für altgriechische Kunst und Kultur zu begeistern verstanden hätte. Unterstützt wurde der Vortrag durch 108 sorg­sam ausgewählte vorzügliche Lichtbilder des Kaiser!, arclmologischcn

Instituts.

Mit dieser Vorlesung schloß» die diesjährige erfolgreiche tragsserie des Lesehalle-Vereins. Möge sie bent Verein viele neue Freunde und Mitglieder gewonnen haben.

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NotatronsdrUck vnö Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und §1erndru6erei R. Lange. Redaktion, Expedition Md DruSerei: Vüdmßen: Zernfprscher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Der Vorfall in Nancy.

Rancp, 16. 9lpril. Der Direktor .der Kontrollabteilun^ im Ministerium des Innern, Staatsrat Ogier begab sich heute vormittag zur Prüfettur und empfing dort die Organe der staat­lichen Polizei in Nancy: Oberkommissar Defreane, Spezialkom­missar Weiß und den Polizeikommifsar des dritten Arrondisse- mcntS Raney, der die Untersuchung über den Vorfall am Sonntag abend geführt hat und den Spezialkommissar Peney, welcher an der Untersuchung teilgenommen hat, Ray und darauf verschie­dene Spezialkommissare verhörten nacheinander verschiedene Zeu­gen, deren Aussagen miteinander übereinstimmen.

Ter Generalrat des Rho n e d e par t e m e n t s sprach infolge des Vorfalles in Raney einstintMig den Wunsch aus, die Re-

densfrage verfolgte Politik, diese sei im Begleich zu der der anderen Mächte wohlwollender gewesen. Deutschland habe in der Frage der Grenzten und der Kriegs­entschädigung am meisten von allen Mächten das Interesse der Türkei verfochten und ihr gegenüber die gleicl/e Haltung bewahrt wie in Betreff Rumäniens., Nach­dem Hakki die Hoffnung ausgesprochen hatte, Deutschland < werde mit den anderen Mächten bei den Friedensverhand­lungen den Standpunkt der Türkei vertreten, zittert er die wohlwollenden Worte, die Staatssekretär v. I a g o w vor kurzem tu Hinsicht auf die §itfe gesprochen hat, die Deutsch­land der nach dem Kriege sich wieder aufraffenden Türkei zu leisten gedenkt. Haktt schließt:Die Türkei stößt nicht die helfende Hand zurück. Wir sind gewohnt, den kleinsten Freundschaftsdienst in bent größten Maße zu vergelten."

Ein türkisch-armenischer Streitfall.

Konstantinopel, 16. April. Das Ministerium des Innern veröffentlicht folgendes Communizue: Armeni­sche Blätter veröffentlichen ein dem. armenischen Patriar­chat zugegangenes Telegramm aus Bitlis, wonach sich der dortigen türkischen Bevölkerung eine große Erregung bemächtigt hat, verursacht durch ein üoit einem Unbekannten verübtes Verbrechen, das den Arme­niern zugeschrieben wird. Vier Armenier seien verwun­det worden. In der Stadt herrsche ein panikartiger Schrecken. Rach einem Telegramm des Walis von Bit­lis über diesen Vorgang wurde ein Türke in Bitlis aus unbekannten Gründen von neun Armeniern getötet. Dar­aufhin zogen die Verwandten des Gelöteten in größter Auf­regung an der Spitze eines Vokkshaufens vor den Regie- rungslonak und verlangten strenge Bestrafung der Schul­digen. An der Versicherung, daß die Regierung alles Mög­liche tun werde, kehrte sich die Menge nicht, sondern verlangte die sofortige Hinrichtung der Mörder. Schließ­lich brachten sie den Leichnam des Getöteten vor den Ko­nak und erklärtet!, die Leiche zurückzulassen, bis sie be­graben werde. Die Behörden ergriffen entsprechende Maß­nahmen, die Menge wurde zerstreut und der Leichnam von der Bevölkerung bestattet. Später wurden die Ver­wandten des Getöteten eines der Mörder namens AvediS habhaft, mißhandelten ihn, seine Frau, seine Mutter und noch eine Person, die ihm zu Hilfe geeilt war. Es sind strenge Maßnahmen ergriffen, um ihn sestzunehmen und die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Rach einem weiteren Telegramm des Walis von Bit­tis sind acht des Mordes beschuldigte Armenier verhaf­tet worden.

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Schweizer Kunstausstellung in Wiesbaden Man schreibt uns: Die Wiesbadener Gesellschaft für bildend« Kunst, die sich schon vielfach durch die Güte ihrer künstlerischen Unternehmungen hervorgetan hat, bereitet für Mai und Juni eine Ausstellung der modernen Schweizer Schule vor, die unter absichtlicher Beschränkung in der Zahl der vorzuführenden Werke nur das Beste zu bringen gedenkt, worauf sieh der Ruhm der zeitgenössischen Schweizer Malerei gründet. Außer Hodler unk Buri soll die Gesamtheit der führenden Kräfte in einer Öualitä vertreten sein, wie sie bisher, als Ganzes betrachtet, in Deutsch land noch nicht gezeigt ivurbc.

Reue Funde bei der Saalburg. Aus Bad Homburg v. d. H., 16. April, wird gemeldet: Bei den Aus­grabungen, die augenblicklich in der Saalöurg stattfinden, ent­deckte man in der Südostecke des ältesten Erdkastells die Reste eines Hölzer iu* * n Wachturme s, dessen Pfosteulager zum Teil noch die Steinverpackung zeigen. Die Durchgrabuug des Erdioalles fördert täglich Münzen, Gebrauchsgegenstäude und Tom scherben zutage.

Kein Rücktritt Secbachs. Wie von zuständige» Stelle aus Dresden gemeldet wird, ist die Blättermeldung von einem bevorstehenden Rücktritt des Generaldirektors der König­lichen Theater Grafen Seebach völlig aus der Luft gegriffen.

festgesetzten Nord- und Nordostgrenze. Der Minister nahm von der Mitteilung Kenntnis, dankte und erklärte, er werde sie dem Ministerrate unterbreiten und sich mit den Ver­bündeten wegen der Antwort rns Einvernehmen setzen.

Eine serhisch-montenegrinifchc Schlägerei.

A n t i v a r i, 17. April. Die Kommandierenden zweier vor Skütari liegenden montenegrinischen und ser­bischen Bataillone gerieten in einen heftigen Wort­wechsel. Plötzlich nahmen die Truppen für ihre Offi­ziere Partei. Die Schlägerei artete in ein förmliches Bajo- n e t t g e m e tz e l aus, bei dem es zahlreiche Tote und Verwundete gab.

DieUntersuchung" der Greuel in Dschakowa.

Belgrad, 16. April. Das Preßburean meldet aus Tschukowa : Der gemischte Ausschuß, der den Fall Pa- lits ch untersucht hat, unterzeichnete am 15. April ein Pro­tokoll, in dem festgestellt wird, der Ausschuß habe keine überzeugenden Beweise gefunden, daß Palitsch im Gefängnis auf Veranlassung der montenegrinischen Be­hörden geschlagen und mißhandelt wurde. Auch sei kein Beweis dafür erbracht, daß Palitsch von seiner montene­grinischen Militäreskorte mit Vorbedacht ermordet worden sei. Der Ausschuß konnte nichts feststeilen, was die, An­gaben der montenegrinischen Behörden, daß Palitsch einzig und allein infolge "eines Fluchtversuches erschossen wurde, entkräftet hatte. Der Ausschuß verfolgt jetzt seine Auf­gabe weiter und die Angelegenheit der Bekehrungen zur Orthodoxie.

Ein englisch-türkisches Abkommen über den persischen Golf.

Konstantinopel, 16. April. Tie Pariser Nach­richten, nach denen zwischen der Pforte und England ein Abkommen über den persischen Golf abge­schlossen worden sei, werden hier als verfrüht betrachtet. Sicheren Informationen zufolge telegraphierte unlängst der türkische Botschafter in London, Tewfik Pascha, daß bis zum Abschluß der gegenwärtig zwischen ihm und Haiti Pascha einerseits uno dem Foreign Office andererseits ge- sührten Verhandlungen betreffs der Küste des Wilajets Bassoral) und der einschläbigen Fragen der Statusquo oeb- behalteu Meibt und daß keine Konzessionen dort erteilt wer­den dürfen.

Ein Lob der deutschen Politik.

Ko n st a n t i n o p e l, 16. Adri(. Ismail H a k ki Bey Ba'bansahdeh wiomet im heutigenTanin" der Hal­tung Deutschlands warme Worte des Dankes und der Änerkennung. Die deutsche Regierung und die öffent­liche Meinung Deutschlands hätten sich durch ein besonders taktvolles Benehmen gegenüber dem Unglück der Türkei aus­gezeichnet. In der Zeit der großen Katastrophe fei es der Reichskanzler gewesen, der in entschiedener Sprache die dtotwendigkeit des Bestandes des osmanischen Reiches be­tont habe. Deutschland habe für die Türkei nicht das Schwert ziehen tonnen, es hätte seine Politik mit Rücksicht auf seine Interessen wählen müssen. Im Gegensatz zu ihm hätten aber die Mächte, die ältere Interessen im Orient besaßen, den Mund aufgetan, um die Türkei zu schmähen. Hakti bemerkt dann über die von Deutschland in der Frie-

Qnellenkreis ganz erheblich und geben eine durch die Berücksichtigung der spanischen Literatur, der Flugschriften und der Aeußerungen der europäischen Presse zuw erstenmal vollständige Sammlung aller Quellen zu dieser Frage. Sie sind eine willkommene Ergänzung zu Hcsselbarths Buch und zu FestersReuen Beb trägen zur Geschichte^ der Hohenzollernschen T h r o n ka n d i da t u r in Spanien", die zum erstenmal eine umfassende Geschichte der T l; r o n k a n d i d a t u r nach dein derzeitigen Stand des Materials bieten. Neben der Abweisung tendenziöser französischer Darstellungen berichtigt Fester nod? dem neuen Quellcnbefunü auch die deutsche Geschichtschreibung der letzten Jähre, die sich zu sehr gewöhnt hatte, in der Vorgeschichte von 1870 alles auf Bismarck zu beziehen, so daß darüber tbcr europäische Charakter dieser Vorgeschichte zu kurz gekornpuyi ist. Tie Hohen- zollernlandidatur gehört ebensosehr der spanischen wie der deulscknm Geschichte an, berührt ebenso stark die portugiesischen Interessen wie die sranzösischen, die italienischen noch stärker als die englischen. Hier wird der Versuch gemacht, das bisher verschobene Problem

zurecht zu rücken.

Auf die Septemberrevolution und ihre Entwickelung zurück« greifend, verfolgt Fester auf Grimd jener neu erschlossenen Quellen alle Stadien der spanischen Thronfolgeftage bis zum Ausbruch dec Krieges von 1870 und gelangt zu einer gerrauen Bestimmung des Anteils aller beteiligten Faktoren, die bisher unmöglich war Ueberall tauchen neue Probleme auf, die bisher kauni geprüft morden sind und die hier abschließend mit wissenschaftlichem Ernst behandelt werden.

Pergamon.

Gießen, 17. April.

In der 4. Volks Vorlesung des Lesehalle-Vereins sprach gestern abend Herr Bibliothekar Dr. Hepding über Pergamon und feine Ausgrabungen in dem stimmungsvollen Raum der Turnhalle der höhnen Mädchenschule. Er hatte seinen Vortrag als Wanderung durch die Rmnenstadt angelegt und be­gann nach einer kurzen Einleitung über die Bedeutung des Hellenismus mit einer Ansicht des gewaltigen Berges, der bic Burg mit der Oberstadt trägt. Unter der Annahme, daß der Ausgangspunkt von der Meeresküste genommen sei, gelangte er zunächst an die noch nicht lange ausgedeckten Graber m der Ebene, darunter das gewaltige Grab bc5 Attalas, das allen Ver- suchen, zur Grabkamwer vor,zudringen, seither gespottet hat, )o bn|: vorläufig von weiteren Grabimgen abgesehen werden mußte. Von da 'wurde die moderne Stadt Bergama durchchntten, bic sich auf den Trümmern der Römerstadt aufbaut. Am Fußendes Berges erhebt sich das durch Mächtige Ecktürme geichutzte £or, das Eumenes II. zugleich mit der den ganzen Burgberg um,chlreßen­den weitesteir der Umsassungsmauern errichtete iw Burgsttaße, die wir jeht betreten, ist mit großen Trachytplatten bedeckt, uno unter ihr liegen zahlreiche Wasserleittingsrohre und Kanäle chr die .Entwässerung. Tie Straße führt uns in die eigentliche Wohnstadt im Gegensatz zu der auf der Hohe liegenden Moin - tnentalstadt. Wir gelangen Uii^ chr zu dem untren Martt '(Agora), auf deut sich em gut Teil des Volkslebens abspnlte Hier finden mir auch das HauS des Konsuls Attalas, den Typus eines hellenischen Hauses, und den, Fundort der berühmten Herme des Mramenes. Es folgen der Stabtbrunnen und das aus drei Terrassen angelegte Gymnasium. Darüber ragt der 1011 ans- gedeckte Heratempcl mit seinen prachtvollen Statuen imd der nicht vrinder bmdicbeit Mosaik. Weiter westlich der heilige Bezirk ber TeLr deren Tempel ein Bau des Plületairos, des' ersten Belrern'chers ber Stabt auS dem Mtalideugeschlecht ist. TiescS ehr- würdiae Heiligtum bat die Königin Apollonis, die Mutter Attn- los ist, der ihrer Siebe später eine DenlMal setzte, aufs lferrlichste ausgebaitt Hier wurde auch eine Jwämst gesunden, die nemn dinas ü'ir bic Religionsgeschichte große Bedeutung gewinnt. Sie ift tiief) mnbXiitm Göttern" geweiht. Endlich führ uns die ^Hmiptstrasie in die Akropolis, die Hockchurg. VoM sog.

{Lrfro^ber Königin" ans gelangen wir zu beirr Bassin einer Äck^sserleittmg einer technischen Merkwürdigkeit Tra-

towTift e?n Bauwerk der römischen Zett, es war das Provin- ziaWeiligkum für die göttliche VerelMing des Karims Traian. Dast^i reiben sich an die Königspalaste und der Tempel der Attnma Ä ältejw auS dem Jahrhundert v. Ehr. stammende Sm dm Stadt, ein dorischer Peripteros. Er war aus grau- Trarblif errichtet und hatte zehn Säulen an den Lang- STJ Ä in S ryront, aber keine Giebelsknlpttiren. Ter S^irr tourbc von Eamenes II. mit prächtigen Hallen Um- -inst dic 6toü6mtcn Meistenfc bic bte

Kein waffenftillftand!

Ms Festrigs HavasMeldung über den Abschluß eines zehntägigen Waffenstillstandes war falsch, und heute liegt eine Meldung aus Konstantinopel vor, tvonach der Groß­wesir nur unbeskimmte Andeutungen gemacht haben soll. Mindestens steht fest, daß die Meldung vom Wa.ffenstill- stand in ihrer Atlgmneinheit falsch ist. Was bei der Tscha- laldscha-Linie vorgeht, ist kaum ersichtlich. Seit einigen Tagen stellt der amtliche Kriegsbericht immer wieder fest: Vor Tschataldscha ist alles ruhig. Vielleicht bahnt sich nun dort dock ein Waffenstillstand an, denn die bulgarischen Politiker und Diplomaten mögen sich die ernste Frage vorgelegt haben, ob es Zweck Hut, die Vermittlung der Mächte einfach beiseite zu schieben. Zwar waren in der allerletzten Zeit wieder aufregende Gerüchte im Umlauf, alarmierende Meldungen über dic an­gebliche Absicht Bulgariens, die Tschataldscha-Linie zu erstürmen und gegen Konstantinopel vvr zurücken. Es wird sogar von der Eventualität einer Blockade der bulgarischen Schwarze-Meer-Küste seitens der Mächte für diesen Fall gesprochen. Es sind das freilich ganz unkon­trollierbare GeÄchte, welche hofsentlick bald durck die Tat- fadpen widerlegt sein werden, denn nach allgemeiner Auf­fassung hat das Friedenswerk der Mächte in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht, so daß die Hoffnung aus einen baldigen Friedensschluß nach wie vor lebendig bleibcu muß. Rußland mag hinter den .Kulissen woh'l auch seine Fäden forffpinnen, und da es sich in der nächsten Zeit um die schwierige Frage der Verständigung innerhalb der Balkanverbündeten selbst handeln muß^ so weiß man nicht, welche Entschlüsse der Türkei gegenüber gegenwärtig fallen. Mit der Einigkeit der Balkanvölker ist es bekanntlich nicht weit her, und heute liegt ivieder eine Meldung vor über einen förmlichen Bajonettkampf zwischen Serben und Mon­tenegrinern. Der König Riffta hat nämlich noch immer nicht nach gegeb en und wird indirekt wohl die Ursache zu der blutigen Auseinandersetzung gegeben haben. In Lon­don und Petersburg finden noch ttnmer Konferenzen statt, aber die Wege, die eingesch'lagen werden sollen, sind vor­läufig in tiefes Dunkel gehüllt. |

Wir erhalten folgende Meldungen:

Konstantinopel, 17. Mril. Der Gooßwesir er­klärte die Nachricht von dem Abschluß eines Waffen still- standes für fassch, da aber seit Wiederbeginn der Feind­seligkeiten heute zum erstenmal kein amtlicher Kriegs­bericht erschienen ist, erhält sich in Stambul das Gerücht von dem Abschluß eines Waffenstillstandes.

Cetinje, 16. April. (Amtlich.) Die Vertreter der Großmächte unternahmen heute vormittag einen Kol­lektivschritt, indem sie die in Sofia, Belgrad und Athen bereits überreichte Antwortnote der Mächte auf den süngsten Gegenvorschlag der Verbündeten dem Minister des Aeußern übermittelten. Hierauf machten die Vertreter der Mächte dem Minister Mitteilung von der für Albanien

Nr. 89

Der Glehsner Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerFamilienb'.ätter: zweimal wöchenll.Ureir- blatt für den Kreis Sietzen (Dienstag und Freitag); zweimal inonntl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Anuahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Neuer zur Lntstehunazgcschichte des Krieges 1870 71.

Ter Fund von 28 Geheimdepcfchcu Bismarcks und Prims auläßlich ber Hoheuzolleriifchen Thronkandibatur 1870, der Pro feffor Hesfclbarth in Lippstadt geglückt ist, ist geeignet, wertvolle neue Ausschlüsse zur Geschichte der fpauischcii Throukaubidatur Leopolds von Hvlnaizollern, die als unmittelbarer Anlaß des Krieges 1870/1871 stets ein Gegenftano heftigster Polemik unb parteiischer Ausbeutung (besonders in der ftanzösischen GcschiäpS- sck-rcibung) war, zu geben. Tie bisherige Unsicherheit in ber Beurteilung der Geschichte der spanischen Thronkandibatur Leopolds von Hohenzolleru ivar auf Mangel an ausreichendem Quellen material zurückzuführen. Hier verbreitet Hesselbarths Fund neues Lieht: Tiefer Tepefchenwechsel zwischen Bismarck und Prim bezw. Salazar, bem spanischen Unterhändler, führt H. (Drei psychologische Fragen zur s p a n i f dp e it Thronkan- bibatur. Verlag von B. G. Tcubneri zur Lösung der Fragen: Was hat Bism'arck, was hat Prini und was haben die Hohen- zollern mit der spanischen Thronkandibatur Leopolds beabfirftfigt? H. kommt zu dem interessanten Ergebnis, daß bic von den jüngeren französischen Historikern (insbesondere von Dllioier) vertretene Auffassung, als fei Bismarck feit Frühjahr 1869 auf den Krieg ausgegangen und habe Prini gedrängt ober gar lwstochen, durchaus falsck) ist, daß Prim vieluiehr Bismarck ungestüm drängte und sich sogar sdpneichelte, Napoleon für seinen Plan ber Thron­kandidatur zu gewinnen.

Ter gleidren Absid)t, bic dürftigen Quellenbestände zu be­reichern und die tenbeuziöse Darstellimg Olliviers zu berichtigen, eutfpi'iugen zivei gleichzeittg ebenfalls im Teubncrsd)cn Verlag erscheinende dlrbeiten Prof. Ri.d). Festers. TicBriefe, A k t e n st ü ck e u n d R e g e st e n z n r G e s ch i ch t o d c r H o h c n zol lern scheu T hr o n ka n d i da t u r in Spanien (1866 bis 1870)", zwei Bändchen umfassend, erweitern den bisherigen

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