Ausgabe 
18.6.1913 Erstes Blatt
 
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Wogen der Fischer, mit einem uejujen Netz bespannt: Fischeraesellen, als Matrosen gekleidet, trugen geschmückte Fischkästen und riesige Netze. Jede der 17 Gruppen zog vvrüver unter dem Vorantritt eines Musikkorps, ^re Glaser mit bunten Glasfenstern und einer zersprungenen Fenster- scheib-e, die Goldschmiede mit einem Festwagen, den Eyren- junafrauen in mittelalterlicher Kleidung schmückten,^Lehr- buben mit silbernen Pokalen flankierten die beiden ©eiten Ein wahres Kunstwerk war der Wagen der Klempner und .Kupferschmiede, dem zloei Ritter mit blitzendem Harnisch voranritten. Schier unabsehbar walzte sich der Zug heran und die Sonne brannte. Es folgten die Lackierer, die Köche mit Löffeln und Kelle. Großen Jubel unter dem Publikum erregten die weißigewaschenen Schornsteinfeger in schwarzer Tracht. Die Maler und Tapezierer zogen mit einem riesigen Sofa vorüber; die Schlosser erkannte man an Hämmern und Zangen und einer kunstvoll ge­arbeiteten Kassette. Ein von sechs Pferden gezogener Wagen führte einen fünf Meter hohen Schlüssel in der Mitte. Bei den Schlossern folgte in einem besonderen Wagen, von zwei Ehrenjungfrmleii begleitet, der 101 Jahre alte Meister Fritz sch. 'Den Schmieden wurde ein Hufeisen vorange­tragen. Die Schuhmacher zeigten an Stiefeln aus allen 'Jahrhunderten, darunter riesige Schnabelschuhe, die Ent­wicklung des Handwerks. Besonders glänzend war der.Zug der Tischler, dessen drei Festwagen auch bei dem Kurier große Freude erregten. Die Wanderburschen in den Trachten der Biedermaierzeit wurden viel bejubelt. Tie Wagenbauer zeigten an dem Miniaturmodell eines alten Reisewagens und eines modernen Automobils die Fortschritte der Zeit. Ein riesiges, mit einem Musikkorps besetztes Automobil leitete die Gruppe der Fuhrherren ein. Ein Frachtwagen von 1813 sowie die übrigen altmodischen Vehikel gefielen sehr; besonders aber erregte ein einsam dazwischen wan­dernder .Handwerksbursche überall stürmische Heiterkeit. Zwei girlandengeschmückte, moderne Autoomnibusse mit Beamten in Uniform brachten in die Gegenwart zurück und schlossen den Zug, der eine Stunde gedauert hatte. Nach einem von dem Publikum ausgebrachten Hurra auf den Kaiser verließen die Fürstlichkeiten den Balkon. Sofort begann die Anfahrt der Bundesfürsten in Ga'takarossen.

Ein Trinkjpritch des Königs von Sachsen.

Berlin, 17. Juni. Bei der Galatafel im königlichen Schlosse hielt der K ö n i g von Sachsen folgende An­sprache an den Kaiser:

Euere Majestät haben uns schon heute vormittag gestattet. Euerer Majestät in feierlicher Form die Glückwünsche darzu­bringen, die wir deutschen Bundessürsten und Vertreter der Senate der Freien und Hansestädte bei dem 25jährigen Regierungsjubi­läum' Euerer Majestät für allechöchstderen Wohl an dem Herzen tragen. Seine Königl. Hoheit der Prinzregent von Bayern bat bierbei auck schon Gelegenheit genommen, in unser aller Namen dankbar der Segnungen zu gedenken, die dem Deutscljen Reiche aus der Fürsorge Euerer Majestät zugeflossen sind, und der Freude darüber^lusdruck gegeben, daß das Deutsche Reich unter Euerer Majestät weiser und gerechter Leitung sein Ansehen gewahrt und seine Wohlfahrt gemehrt hat. Wenn uns nun in dieser frohen, festlichen Stunde von neuem das Bedürfnis beseelt. Euerer Maje­stät unsere herzliche Liebe und hohe Verehrung zu bekunden, so kann auch ich zunächst nur Worte des Dankes dafür finden, daß der allmächtige Gott Euere Majestät in seinen gnädigen Schutz genommen und Euerer Majestät Leben und Handeln so sichtbar ge­segnet hat. Wir aber, die wir mit Euerer Majestät durch hei­lige Bündnisverträge zum Wohle unseres geliebten Vaterlandes unverbrüchlich verbünd en sind, dürfen es be­sonders dankbar rühmen, daß es Eurer Majestät Weisheit jederzeit gelungen ist, unter schwierigen Verhältnissen dem Reiche die Er­füllung seiner 'fortschreitenden Bedürsnisse zu sichern , den Einzel st aaten aber diejenige Selbständig- f c i t zu wahren, die sie zur Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben bedürfen. Wie wir aber in der uns verbürgten Selbständigkeit die Grundlage des inneren Friedens.Und eine Gewähr für die Wohl­fahrt des Reiches und seiner Glieder erblicken, so können auch Euere Majestät versichert sein, daß wir in gleicher Treue an den uns obliege nde Pflichten fest halten und daß das Wohl des Reiches der Leitstern unserer Handlungen und Entschließungen bleiben wird. So sind wir denn alle hierher geeilt aus dem Süden und Norden, von den Grenzen der Alpen und des Erzgebirges, vom Rhein, der Weser, der Elbe, vom Bodensee, der Nord- und Ost­see und von den deutschen Mittelgebirgen, um Eurer Majestät zu versichern, daß wir und unsere Länder in guten und bösen Tagen treu zu Kaiser und Reich stehen. Eure Majestät haben vor wenigen Wochen ein glänzendes Familienfest gefeiert. Unter der freundschaftlichen Teilnahme hoher Verwandter haben Eure Majestät unter den Glückwünschen des ganzen deutschen Volkes Ihre liebreizende und einzige Tochter vermählt. Möge das Familienfest, das diesen Lebens- und Regierungsabschnitt Eurer Majestät so glückhaft überstrahlt, von günstiger Vorbedeutung dafür sein, daß über der Politik des Friedens, die sich Eure Majestät gesetzt hat, auch fernerhin die Sonne des göttlichen Segens scheinen werde. Ich fordere die Anwesenden auf, mit mir in den Nus einzustimmen: Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin, sie leben hoch! Die Musik spielte die Nattonalhymne.

Die Antwort des Kaisers

Der Kaiser antwortete mit folgendem Trinkspruch:

Euere Majestät heben die Gnade gehübt, hier in weiterem Kreise den Ausdruck der gütigen Wünsche und herzlichen Ge­sinnungen zu wiederholen, die in der heutigen feierlichen Zu­sammenkunft mit Meinen hohen Verbündeten .als deren Wort­führer Seine Königliche Hoheit der Prinzregent von Bayern Mir kundzugeben geruht hat. Ich bitte Euere Majestät und alle anwesenden Fürsten und Vertreter der Freien und Hanse­städte, meiner tiefen Dankbarkeit für die zu Herzen gehenden Beweise der Liebe gewiß zu sein, die bei der Vollendung des 25. Jahres Meiner Regierung Mir in so reichem Maße von den Oberhäuptern der deutschen Bundesstaaten entgegengebracht inerten. Ich freue Mich dieser Ehrungen nicht mir für Meine Person. Ich erblicke darin ein neues Unterpfand für den Segen der Entwicklung, die uns das Reich, daS starke einige Deutschland, befdyert. Diese Gemeinschaft in dem unauflöslichen! Bunde, der das Eigenleben seiner Glieder nicht beeinträchtigt, ist uns allen in Fleisch und Blut über gegangen. Dazu mitgewirkt zu haben und für dieses Bestreben am heutigen Tage die Anerkennung Meiner hohen Verbündeten zu finden, gibt Mr das Bewußtsein, daß Ich metn kaiserliches Amt in dem Geiste der Verträge zu führen bestrebt bin, auf denen die Unantastbarkeit des Reiches und aller seiner Teil" beruht. Das Bekenntnis deutscher Bundestteue, das Mir aus Eurer Majestät beredten Worten so wcrrm entgegenklang, findet in Meinem Herzen starken und freudigen Widerhall. Ich nehme es als eine Bestätigung dafür, wie mächttg bei den Fürsten, der Regierungen und den Stämmen unseres Volkes der Wille zu einer nationalen Einheit lebt, in der wir das Heil für alle Zukunft erblicken. Eure.' Majestät geruhten auch, in freund lick'^r Anteilnahme des Glückes zu gedenken, das vor kurzem Ihrer Majestät der Kaiserin und Mir durch die Vermählung unserer Tochter beschieden wurde. Es war uns eine innige Eltern freute, diesen Herzensbund segnen zu können, und gern voll zogen wir die schöne Feier in diesem Jahre ernsten, aber auch freudigen Gedenkens. Möge sie von guter Vvrbeoeutung sein So sind es die Gefühle der Dankbarkeit, der Treue und des Gott vertrauend, in denen Ich den heuttgen Tag in der Mitte Meiner hohen Verbündeten begehe, und Ich lasse diese Gefühle zusammen- klingen in den Ruf: Tie deutschen Bundesfürsten und die Ver­treter der Freien und HansestDte. Huxra! Hurra! Hurra!

Die Musik spielteDeutschland, Deutschland über alles". Der Kaiser trank darauf den Bundesfürsten zu.

Die Kaiserin,

die am Montag abend wegen der 'großen Hitze die Vo^ stelluug im Königlichen Opernhause verließ, befindet sich wieder vollständig wohl und nimmt an den weiteren Jum- läurnsfestLichketten teil.

Der Fackelzuq der Studenten.

Berlin, 17. Juni. Um 93/4 Uhr begann der Fackel­zug , mit dem die akademische Jugend den Majestäten ihre Jubiläumshuldigung darbrachte. Von dem Denkmal Fried­richs des Großen her nahten die Fackeln. Die Studenten zu Roß, zu Wagen und zu Fuß in großem Wichs mit Mützen oder Hut zogen heran nach den Klängen des Preußen­marsches, in Schlangenlinien den Lustgarten füllend. In dem roten Schein der Fackeln wehten die Banner und Fahnen. Der Kaiser empfing eine Abordnung sämtlicher Berliner Hochschulen. Dann hielt eines der Ausschußmit­glieder eine Ansprache, die mit einem dreifachen Hoch schloß und nach der die Nattonalhymne gesungen wurde.________

Ausland.

Im schweizerischen Nationalrat wurde beim Bundesrat angefragt, welche Bewandtnis die militärischen Anlagen hätten, die Deutschland nördlich von Basel zur Sicherung einer Brücke im Gebiete des Hüninger Festungsservituts baue. Bundespräsi­dent Müller antwortete, die Anlagen hätten laut Bericht des Militärdepartements kein Schußfeld in der Richtung gegen die Schweiz. Der Bundesrat erachte die Bauten nicht als unter die Bestimmungen des Pariser Vertrages von 1815 fallend, so daß zurzeit kein Anlaß zu einer Retta- matton Deutschland gegenüber vorliege. Doch behalte der Bundesrat die Dinge im Auge.

Die dreijährige Dienstzeit in der französischen Kamme r..

In der Sitzung der französischen Kammer am Dienstag erklärte Jaures, daß er und seine Freunde bei dem Gesetz, be­treffend die Verlängerung der militärischen Dienst­zeit gegen die Dringlichkeit und gegen den Eintritt in die Diskussion stimmen würden. Bei der Abstimmung wird die Dringlichkeit mit 375 gegen 190 und der Eintritt in die Diskussion mit 381 gegen 189 Stimmen beschlossen. Es erhielt da­raus Vaillant das Wott, um den Gegenvorschlag der Gruppe der Vereinigten Sozialisten zu verteidigen. Die Mehrzahl der Deputietten nahmen die Ausführungen Vaillant, der die Schaf- ung eines Nationalheeres anregte, mit Spott entgegen, wäh­rend ihm seine Freuwde Beifall zollten. Vaillant sprach den Wunsch aus nach einer französisch-deutschen A nn ähe - tun? Und bedauerte es, daß die auswärtige Politik Frank­reichs es nicht verstanden habe, eine Einigung zwischen Eng­land, Frankreich und Deutschland zu verwirklichen, um so den Frieden und den Fortschtttt der Menschheit zu garantieren.

Der Geburtenrückgang in Fr ankre ich.

Der Leiter des französischen Statisttschen Amtes, Ber- tillon, teilt mit, daß int Jahre 1912 die Ziffer der Ge­burten in ganz Frankreich (750 651s die Ziffer der Todes- ätte (692 740) nur um 57 911 überstiegen habe. D i e Jahre 1911 und 1912 seien in dieser Hinsicht die chlechtesten seit dem Jahre 1880 gewesen.

Das türkische Kabinett

jat sich folgendermaßen gebildet: Der Großwesir Said Halim Pasch a übernimmt, da Rifaat Pascha es endgültig abgelehnt hat, das Portefeuille des Aeußern. Ferner über­nehmen Izzet Pascha das Portefeuille des Krieges, Talaat Bey des Innern, der frühere Kammerpräsident Halil Bey das Präsidium des Staatsrates, Osman Nizarn i Pascha tnc öffentlichen Arbeiten, Senator Su­leiman el Postoni, ein christlicher Araber, den Handel und Ackerbau. Der Scheich ül Islam sowie die Minister der Marine, der Finanzen, des Eukafs, der Justiz, für Unterricht sowie für Post und Telegraphen behalten ihre Portefeuilles bei. Das Kabinett gewinnt so einen aus­gesprochen jungtürki scheu Chara kt e r. Es zählt zwei christliche Mitglieder, nämlich Postanio und den Postmini- ster Osman, einen christlichen Armenier.

Aus Stadt und iand«

Gießen, 18. Juni 1913.

** Von der Universität. Pros. Dr. jur. Wilhelm van Caller hat den Ruf auf den Lehrstuhl des Staats-, Verwaltungs-, Kirchen- und Völkerrechts an der Universität Kiel als Nachfolger von Prof. H. Triepel zum 1. Oktober d. I. angenommen.

* Die Großherzogin ist vorgestern nachmittag nach Berlin und von dort weiter nach Schlobitten gereist.

** GießenerStadttheater:Derliebe Augustin. Die sommerlichen Operettengastspiele des Bad-Naul>eimer Kür- theaters begannen gestern bei gut besuchtem Hause mit Leo Falls neuestem Schlager, wie man so sagt, mit tem, lieben Augustin. Auch in seinem neuen Werke bewährt ter erfolgreiche Kompo­nist seine Findergabe für leichtsaßliche Melodien, deren, sentimen­taler Einschlag vielleicht das letzte Geheimnis ihres Erfolges ist. Sorgfältig und wohlerwogen ist auch die Instrumentierung, die manche reizvolle Stellen aufweist, aber auch manchmal an längst Verklungenes erinnert. Der Inhalt des Werkes ist schwer zu er­zählen, beim wie bei allen modernen Operetten wird weniger ge­sprochen als getanzt, obwohl mitunter doch noch mehr geredet wird, als eben gut ist. Aus der Fülle heiterer und sentimentaler Szenen schält sich schließlich als des Werkes Kern: daß eine Fürstentochter und eine Kammerdienertochter bei der Taufe ver­tauscht werden, woraus sich aber nicht etwa eine Verwickelung, sondern 'eine Lösung ergibt. Denn es geschieht also, daß die Falschsürstin Feinen Gefallen am höfischen Leben hat und einen bescheidenen Musiker liebt, den lieben Augustin, während die falsche Kammerdienettochter nach dem Glanze des Hofes sttebt und endlich auch den für die Fürstin bestimmten Gatten heiratet, während diese ihren lieben Augustin nimmt. Die Aufführung, die von Herrn Kurt Harden geleitet wurde, erfüllte die Forderungen, die man an Operetten zu stellen sich gewöhnt hat, vollkommen. Es ist auch festzustellen, daß die diesjähttgen Kräfte durchweg achtbare Leistungen geboten haben, und daß sowohl das gesangliche als aroch das darstellerische Matettal ganz wesentlich besser ist, als in den früheren Jahren. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ Frl. Marie K o p p e n b e f c r als Helene, die nicht nur gut sang, sondern auch flott und sicher spielte. Frl. Grete Josepha ist ebenso zu rühmen, besonders als Sängerin; über ihr Spiel zu urteilen, halte ich für verfrüht, da sehr wohl kluge Bedachtsamkeit sein konnte, was mitunter als Befangenheit gedeutet werden könnte. Ein lustiger Regent, der zudem über eine erhebliche Stimme ver- fügt, war Herr Georg Schmidt. Herr Kurt Harden, ter von früheren Operettengastsvielen her noch in angenehmer Erinnerung steht, erledigte sich seiner Aufgaben mit Gefchinack und Schuerd, und Herr Ferdinand Ähnelt erwies sich als treuherziger Kammer­diener, wird aber seine besondere Befähigung noch zu erbangen haben. Von unseren einheimischen Darstellern war nur Herr Grosser in einer bedeutenden Rolle beschäftigt. Er löste seine Aufgabe als Napoleon in Westentaschenformat, der im Operetten leben Nieola heißt, ganz glänzend, und erwies aufs neue, welch vielseitigen, streb« fameu Künstler wir in ihm haben. Herr Gerhardt schien etwas gegen Leo Fall zu haben, denn er suchte ihn bei jeder Gelegenheit zu verbessern. Vielleicht begeistert er uns nächstens mit einer

Operette eigener Komposition. Der Beifall war sehr stark, und die meist schon allgemein bekannten Lieder wurden auf lebhaftes Ver­langen meist wiederholt. N.

* Zeppelin über Gießen. Um 2.43 Uhr heute nacht flog ein Zeppelin-Luftschiff über Gießen. Schon längere Zeit kündigte es sich durch sein Geräusch an, kam aus Süden und flog nach Norden weiter. Wegen der Stille der Nacht mar es noch lange hörbar. Es handelt sich um das Luft­schiff Sachsen, das gestern abend mn 10.40 Uhr in Baden- Oos aufgestiegen ist und heute früh um 8 Uhr in Hamburg "glatt landete.

** Der Allgemeine Staats-Eisenb ahn- 93 er ein Gießen verunstaltete am Montag, 16. Juni, abends, im Felsenkeller zur Feier des 25 jährigen Regic- rungsjubiläums des Kaisers einen Kommers, dem Beamte aller Klassen beiwohnten. Der Festredner schilderte in längeren Ausführungen die Erfolge der kaiserlichen Re­gierung auf allen Gebieten und brachte zum Schluffe ein dreifaches Hoch aus. Im Laufe des Abends wurden, noch weitere patriotische Ansprachen gehalten sowie passende

** Der Geflügelzuchtverein Gießen veran­staltet Anfang Dezember eine große Allgemeine Aus­stellung, verbunden mit einer durch die Landwirtschafts­kammer unterstützten Bezirks aus stellun g in den Sälen der Liebigshöhe.

Landkreis Gießen.

Leihgestern, 17. Juni. In dem gestrigen Beacht übet die Erfolge des Turnvereins Frisch a u f in Berstadt sind einige Unrichtigkeiten unterlaufen. Es erhielt: Karl Grim m e l den c v st e n'Preis und Will). Jäger in der Unterstufe, den 30. Preis. «Es handelt sich dabei nicht um Druckfehler des Gießener Anzeiger sondern um Schreibfehler des vom Verein mit der Berichterstattung beauftragten Mitgliedes. Die Red.)

Kreis Büdingen.

h. Büdingen, 17. Juni. Amwilden Stein" trug .sich gestern ein schwerer Unfall zu. Junge auswärtig.' Wandervögel waren im Begriff, sich auf einem Spiritus­locher ein Mittagessen zn bereiten. Bei dem Versuch, dem Behälter frischen Spiritus zuzufühlren, entzündete sich selbstverständlich der Inhalt der Flasche und ergoß sich über den unvorsichtigen Koch. Schwer an den Händen und im Gesicht verbrannt, mußte der junge Mann dem hiesigen Krankenhaus zu.geführt werden.

Kreis Lauterbach.

Sickendorf, 17. Juni. Heute nachmittag kam in dem Anwesen des Landwirts Eifert hier ein Feuer zum Ausbruch, das trotz rascher Hilfe der hiesigen und Allmen- röder Feuerwehr die ganze Hofreitc samt Wohnhaus in kurzer Zeit in Asche legte. Zum Glück ist erst heute mit ter Heuernte begonnen worden, so daß wenigstens die Ernte ge­rettet ist. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt.

Starkenburg und Rheinhessen.

d. Mainz, 18. Juni. Der städtische Finanzausschuß beschäftigte sich gestern mit der Erhöhung der Steuer. Es wurden mit nicht ganz 10 Proz. bei der Einkommensteuer (116,4) und bei der Vermögenssteuer mit 10 Proz. (122,4) zugeschlagen. Bon der geplanten 20proz. Erhöhung tourte Ab st and genommen.

Kreis Wetzlar.

Hohensolms, 17. Juni. In der Bürgermeisterei Hohensolms sind zur Jubiläumsspente für Zwecke der Jugend­pflege insgesamt 300 Mk. gesammelt lvorden.

/\ Krofdorf, 17. Juni. Beim Abbruch der Scheuer des W. Leib, welche durch einen Brand zerstört wurde, fand man einen interessanten Dachziegel. Er trägt bic Jahreszahl 1700 und ein Wappen, bestehend aus dem öster­reichischen Doppeladler, Löwen und Hahn; dazu trägt der Ziegel eine Umschrift, welche aber noch nicht entziffert ist.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 18. Juni. Heute findet stier der V o lkski n d ertag statt, der gestern mit einem Volksfest an der Gerbermühle eingeleitet tourte.

h. H ö ch st a. M., 17. Juni. Die seit Samstag vermißte 20jährige Tochter des Gastwirts Ziegler wurde gestern,mit ihrem Bräutigam, tein Buchhalter Funk aus Offenbach, itn Käfer­taler Walde bei Mannheim erschossen aufgefttiideu. Wie die sofort eingeleiteten Uiücrfudnutgen ergaben, hat sich Funk bei seiner Offenbacher Firma e r h e b l i ch e r ll n l e r s ch l a g u n g e it, deren Höhe »och iud)t feftgeftefll werden konnte, schuldig gemacht. Diese Verfehlungen haben t()n veranlaßt, den Tod 5 u suchen und seine Braut mit in das Verderben zu ziehen.

h. S iudlingen, 17. Juni. Beim Ueberschreiten der Gleise des im Bau begriffenen neuen Bahnhofes zwischen hier und Höchst geriet der Arbeiter Jakob au5 Nentershausen unter einen Kippwagen. Er erlitt dabei schwere Verletzungen, die seinen Tod zur Folge hatten.

Schwurgericht.

-th. Gießen, 18. Juni.

Gestern verhandelte das Schwurgericht der Provinz Oberhessen den einzigen in dieser Tagung zur Aburteilung gefontinenen Fall gegen den 19 Jahre alten unbestraften Steinbruchsarbeirer SB t V- helm Döll aus Uitterschmitten wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Hofmann. Tie Verteidigung führte Rechtsanwalt Kaufmann. Außer dem Geh. Medizinalrat Dr. H a b e r k 0 r u als Sach­verständiger ivaren 13 Zeugen zu hören.

Ter Tatbestand der Anklage war nach der Beweisaufnahme der folgende: In Uuterschmitten bestand bis Mitte Febrttar d. I. eine Spiimstube, in der aber Zwistigkeiten eulstandcii. Es bildeten sich zwei Spinnsiubeu, die eine bei Bäckermeister Buk, die andere bei Wilhelm Rncuif. Am Abend des 21. Febrttar hatten acht bis zehn Burschen der Buk'schen Spiimstube in dessen Hans ein Fäßchen uon 12'/, Liter Bier getrtmken und verließen zwischen 11 und 12 Uhr die Spinnstube, um noch einen Rundgang durcst das Dorf zu machen. Hierbei stießen sie auf der über den Mühlgraben führenden Brücke auf die Burschen der Knaufschen Svinustube. " Es kam zu Reibereien, bei denen fid) cmcst einzelne der Gegner hin- und herstießeu, schließlich ging mau aber auseinander. Der Angeklagte, der 'Mitglied der Butschen Spinn ftube ivar, war bei dieser Rempelei nicht dabei; er hatte sich viel mehr gemeinsam mit seinem Kameradeit Eckhardt von den Genossen getrennt. Beide waren einen andern Weg durch das Dori gegangen. Auf diesem Wege begegnete er bei der Brannschen Mühle den Biirschen der gegnerischen Spinustnbe, die gerade von der Brücke kamen. Eckhard äußerte:Da kommt auch Einer" womit er die Burschen der anderen Spinustnbe meinte. Ter Angeklagte äußerte daraus:Wenn einer von benen hcrankornrnt, sieche ich ihn zu- saininen." Darauf ging Rudolf Dechert auf den Aitgeklagten 2öl: zu und gab diesem einen Stoß. Er wehrte sich, ,vorauf er von seinem Gegner einen Schlag auf die Nase erhielt, so daß sce blutete. Döll war über den Schlag sehr erregt, und er beiden diesen Schlag dem Gegner nod) in derselben dchcht heimzuzahlai Döll traf aus seinem Weg die beiten Kameraden Ang. oainnM und Wich. Uhl III., mjt benot er in die väterliche Hofrarte des Uhl ging. Hier erwarteten die drei den Decl>ert, wobei Hfl1 Schmidt und im Hintergrund hielten. Ms Dechert heran kam, rief Döll ihm zU:tarn' einmal her, du roter Spunv, wenn du was willst!" (D. hatte rotes Haar.) vettert kam der Aufforderung nach, betrat den Hof und beide ftatten Iw