Ausgabe 
25.9.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 225

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Der Deutsche Naturforscher- und Aerztetag setzte heute seine -crottingen mit Gesamt'itzungen der medizinischen und natur- tviisenschastlicben Hauptgruppen sonne der ^cmoncn fort. ^n einer geschäftlichen Sitzung des Vorstandes wurde beichlonen, den nöthftcn Deutschen Naturforscher- und Aerztetag in Hannover > abnchaltcn. Gleichzeitig wurde eine Aenderring der Satzungen Ibefcn beschlossen, die Naturforscher- und Aei^teversammlung nur al le zwei Jahre tagen zu lassen.

Mit denk Kongreß ist auch die Tagung der Deutschen Gesell­test für Kinderheilkunde verbunden, auf der sick u. a. die A^ke Dr. Thomas und Dr. H o r n c m a n n (Berlin) über im Lii-rin-AugustL-Viktoria-Haus angestellte Versuche zur Frage von

Infektion und Crnährmig verbreiteten. Die Vortragenden wiesen darauf hin, daß sich ergeben habe, daß Tiere, ivelche reichlich mit Eiweiß gefüttert worden waren, eine größere Widerstandssähigkeic gegen Lubertulosc auswiesen als solche, welche eine andere, aber ebenio nährstoffreiche Nahrung erhalten hatten. Sieben glcick)- alterige Ferkel wurden zunächst in gleicher Weise ernährt, sodann mit Tuberkelbazillen infiziert und erhielten in genau dem Nähr­wert entsprechenden M/ngcn Eiweiß. Kohlehndrat und Fett zur Halbmilch zugcsctzt. .Hierbei ergab sich, daß die mit Eiweiß gc^ futterten Tiere übereinstimmend am günsttgsten gestellt waren.

In derselben Abteilung sprach der Kinderarzt Dr. Swoboda l^Wien, über d ie Zukunft der Impfung. Er vertritt den Standpunkt, daß das Ideal der Abwehr von Jnfeklionükrank-- Helten nicht für alle Zeiten in der Einimpfung von Sämtzstosfen, londern in der Verbesserung der sanitären und hygienischen Ein- richttlngen bestehen nruß: es wird also einmal die Zeit kommen, wo man von der allgemeinen Jmpßing in der blatternsreien Zeit wird absehen können. Dr. Swoboda tritt für eine strengere Aus- Ivahl^der zu Jinpscnden, besonders im ersten Kindesalter, ein.

-tie Behandlung der Epilepsie erörterte Dr. I a n u s ch k c (Wien).

In der Abteilung für Militärsanitätswesen wurde die Aus- tvrache über die Syphilisfrage fortgesetzt. Dr. Nonne ^Hamburg) behandelte dort das ThemaParalyse und Syphilis". >)ln Zusammenhang mit diesem Vortrag behandelte Prof. Bruck ^Breslau) die Hautreaktion der Syphilis, die neben der klinischen Beobachtung und der Blutreaktion ein wertvolles diagnostisches Hilfsmittel zu werden verspricht, lieber die Züchtung des Syphilis­erregers sprach in eingehender Weise Dr. Nognchi, Professor am Nockeseller-Institut in New Port. Der Vortragende kann ge- rneinsai" mit 9 anderen Forschern Anspruch darauf erheben, den ^Yphiliserreger in Reinkultur erhalten zu haben, und zwar ver- Niochtt er sie unter striktem Abschluß von Sauerstoff zu züchten.

. In der Abteilung für angewandte Chemie sprach Dr. Rudolf ^itmar (Graz) über Herstellung von Schiffskör­pern, welche sich nach dem Eindringen von Ge- 1 d) off en gegen das nachdringende Wasser ver­schließen. Er führte aus: Für die harzreichen Kautschuksorten ergibt sich jetzt ein ganz neues Absatzgebiet durch die von dem Redner gemachte Entdeckung, daß sich Kautschukmischungen tun­vulkanisiert und halbvulkanisiert) nach dem Durchgang von (Be­schüssen an der .durchschossenen Stelle wieder schließen, so das; keine tfjer mir ganz minimale Mengen Wasser durch das Schuß­loch durchdringen können. Am besten eignen sich für die Herstel­lung solcher Schiffskörpermäntel harzreiche und gleichzeitig elastische Kautschukmischungen mit einem größeren Gehalc an Fakiis und mtornanifeben Zusätzen. Das eindring ende Geschoß dehnt zuerst die Kautschukschicht in die Tiefe und erzeugt infolgedessen beim Durchschlagen nur ein ganz kleines Loch, welches sich durch die Elastizität des Kautschuks sofort wieder schließt. Durch das Harz kleben die Wandfransen wieder? fest zusammen und lassen kein Wasser nachdringen. Ein Zusatz von Teer macht derartige Mischungen noch wasserbeständiger. Die Stärke des Mantels richtet fick nach der Größe des Geschosses, dem der Mantel ausgesetzt ist. Je größer das Geschoß, desto dicker muß der Mantel fein. Der Kautschuk mantel kann aus den Schiffskörper einfach aufgelegt .oder auf- gekittet werden. Auch kann man ihn zwischen zwei Schiffswänden ernlegen oder in das Innere des Schiffes einbauen. Am besten bewährt sich die Auflage nach außen. Um den Gummimantel gegen Angriffe durch Seetiere zu schützen, bestreicht man ihn in derselben Weise wie den Schiffskörper. Durch den Kautschul mantel ist das Schrft auch gegc:< Strandungen wesentlich geschützt. Gibt man bem Mantel eine wellenförmige ober zellenförmige Konstruktion, fo kann man noch größere Sicherheit gegen das Eindringen von Waner nach dem Durchgang des (Schosses erreichen, wenn man die Wellenkörper und Zellenkörver übereinander anordnet. Nickt nv- günstig wirkt auch eine Gnttaperckamischung in dünner Schicht über dem Mantel. Der vulkanisierte Kautschuk leidet beim Ge­brauch nickt, da er unter Wasser nickt oxydieren kann. Die Gurnrni- masse läßt sich immer wieder vorn Schiffskörper abziehen und neuerdings verwenden.

In der Abteilung für Zoologie sprach Prof. Dr. Schil­lings (München) über Ausrottung vieler Tierarten und Gesetz­gebung zum Schutz berielben. Er erklärte im Interesse des Wildes in Afrika, von Raubtieren abgesehen, die Sperrung des Landes für nötig. In Nordamerika ist jetzt zum Zweck des Vogelschutzes ein Gesett in Vorbereitung, das die Einfuhr von Vogelleichen und Vogelsedern verbietet, soweit sie nicht von zahmen Tieren herrühren. Das Verbot richtet sich besonders gegen Mexiko und Südamerika. Aus Händlerinteressen war Deutschland leider genötigt^ gegen diese Maßregel zu protestieren: aber die zivili­sierten Staaten werden sich sämtlich genötigt sehen, internationale Sckutzgesetze für die Vogelwelt zu vereinbaren, besonders für die leicht in großen Mengen zu beschaffenden Vögel der Kolonien.

Auch in der Abteilung für Anthropologie sprach Privatdozent Dr. Swoboda (Wien) über die Bedeutung der siebenjährigen Periode für das Vererbungssystem.

politische Scrgesschcru.

Ein neues Truppcnlager an der französischen Ostgrenze.

Mit einer bemerkenswerten Fülle non Einzelheiten, die ihren Ursprung aus dem Nachrichtcnbureau des französi­schen Generalstabes deutlich verraten, sucht der französische Senator B er e n ge rbie Notwendigkeit der Errichtung eines neuen französisches Trttpvensammlungsplatzes eindringlich lich darzutun. Die Plätze Maubeuge, Verdun und Toul seien gegenwärtig,znr ersten Abwehr einer deutschen I n- v a s i o n absolut nicht mehr ausreichend gegenüber den von Trier bis zu dem deutschen TruppcnsammelplatzeAltes La­ger" bis ins kleinste getroffenen deutschen Angriffsvorbe­reitungen. Diesem kompliziert erscheinenden, aber i m Grunde sehr einfachen und für den künftigen Gegner furcht­baren System^ bei dem jeder Bastion, jeder Brücke und je­dem Schienenstrang und Feldwege die besondere Ausgabe ge­nau vorausbcstimmt sei, habe Frankreich absolut nichts cnt- gegenzustellcn. Berenger zitiert dann den Wortlaut des zwi­schen De u t s ch l a n d und dem Großherzogtum Luxem­burg bestehenden Eisen bahn Vertrages und kommt zu dem Schluß, daß dank dieser Abmachung Deutschland die uneingeschränkte Möglichkeit besitzt, auf der nur 68 Kilometer langen Strecke TrierLongwp binnen sechs Stunden die ersten Trttppen und das erste Kriegsmaterial nach Frank­reich zu befördern und b i n n e n 4 8 S t u n d e n c i n c v o l l ausgerüstete A rmee zur Bedrohung der Ar­dennen aufzustellen. Auch gegen die Gefahr einer Spren­gung einzelner Brücken auf den Bahnlinien KoblenzTrier, TrierMetz, TrierGerolstein, TrierLuxemburgLong­wp, Trier -Mannheim habe der deutsche Generalstab weis- lich vorgesorgt. Das ganze Brückenspstem zeige die Form der Ziffer 8 und gestatte den sechsmaligen rapiden Ersatz zerstörten Kriegsmaterials. Frankreich würde sich durch die absurde Erkläritng nicht abweisen lassen, daß der seit drei Monaten fieberhaft betriebene Ausbau des Lokalbahnnetzes EhrangTrierKarthaus durch den ungeahnt raschen Auf­schwung der metallurgischen Unternehmungen in diesem In dustricbezirk veranlaßt sei. Die mit so großem Geheimnis umgebenen deutschen Manöver, die in jüngster Zeit zwischen Wafscrbillig und Wasserlisch stattsanden, hätten keinen andc reu Zweck gehabt, als einen plötzlichen Uebcrfall Frank rcichs^vvrzubcreiten.

So viel über Verengers phantastische Ausführungen. Es kann schon heute als sicher gelten, daß in allernächster Zeit der oberste Kriegsrat sich mit dem Projekte der Schaffung eines neuen Truppensammelplatzcs befassen wird.

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Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion und der Massen­streik.

Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Jena ist bekannt­lick die eine neue Taktik in der Massenstlreiksrage fordernde Resolution Luxemburg mit 333 gegen 142 Stimmen abgelehnt worden und darauf die Resolution des Parteivorstandes, die eine Aenderung in der Haltung gegenüber dieser Frage nicht fordert, gegen zwei Stimmen angenommen worden. DerVorwärts" ver­öffentlicht heute die A b st i m rn u n g s l i st c bei der Entscheidung über die radikale Resolution Luxemburg. In dieser Uebersicht inter­essiert vor allem die Abstimmung der Reichstagsabgeordneten:

Mit Rosa Luxemburg gegen den Parteivor- stand haben 33 R e i ch s t a g sa b g e o r d n e t e, für die Ent­schließung des Parteivorstandes 57. Reichstagsabgeordnete ge­stimmt.

Mit Rosa Luxemburg haben für eine Aenderung der Massen- ßreiktattik gestimmt:

Die 33 Reichstagsabgeordneten Albrecht, Antrick, Bändert, Nock, Bohle, Büchner, Gölten, Dr. Cohn, Ditttn-nn, Emmel, jvtrchs. (datier, Grenz, Henke, Herzfeld, Hoch, Horn, Käpplcr, .(in­nert, Ledeliour, Bensch, Leutert, Liebknecht, Pinkan, Ranta, Reiß­baus, Rühle, Heinr. Schulz-Erfurt, Schwartz, Stadthagen, Stolle, Nogtherr, Zubeil. !

Bei der Abstimmung fehlten u. a. die Reichstagsabgeord- ncten Dietz, Landsberg, Legicn, Heine, Südekum, Wendel, v. Voll- mar.

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Vom Fürsten Bülow schreibt dieWeser-Zeitung", deren Leiter dem Fürsten Bü­low bekanntlich nahesteht:

Fürst Bülow erhielt den TitelFürst" als Reichskanzler und in Anerkennung der großen Dienste, bic er dem Staate ge­lastet hatte. Nur ivenige wissen jedoch, so schreibt ein italieni­sches Blatt, daß der berühmte Staatsmann, als der Kaiser ihm jum erstenmal den Titel anbot, die hohe Ehre höflich aber bestimmt ablehnte. Wilhelm II. ging nach einem großen Kamps, den die Regierung mit Erfolg gegen die Sozialdemo­kraten geführt hatte, persönlich zu Bülow, um ihm den Fürst en­tfiel anjubieten. Der Kanzler dankte dem Monarchen mit warmen Sorten für j)ic ihm zu gedachte hohe Elwung, bat aber den Kaiser zu gleicher Zeit, von der Titelverleihung obsehen zu wollen. Sine Rangerhöhung nach einem solchen Kampf," sagte er,würde ben Anschein erwecken, als ob an dem Kampf auch die Krone teil genommen hätte. Und bann bin ick auch nicht reich genug (er batte damals noch nicht die große Erbschaft gemacht, die ihm später in die Hände fiel) und könnte daher nicht ein dem hohen Range entsprechendes Leben führen, so daß der Fürsten titel um seinPrestige" tarne."Ick habe aber bereits bas Telegramm an Donna Laura Mingltetti aufgesetzt, um ihr bic Rangerhöhung mitzuteilen," antwortete der Kaiser, indem er bas Telegramm hervorholte. Der Kanzler legte noch einmal die vielen Gründe dar, die einer Rangerhöhung in solchem Augen­blick widersprächen, und der Kaiser mußte schließlich zugeben, baß die Einwände berechtigt seien: er übergab dem Kanzler die bon ihm eigenhändig aufgesetzte Depescke, indem er sagte:Dann sticken Sie ihr diese Depcsckrc wemgftens brieflich: so wird sie «fairen, daß es nicht meine Schuld ift, wenn Sie nicht Fürft Morden sind . . ."

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: es© 51. Redaktion:e^All2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Kreis Lauterbach.

r. L a u t e r b a ch, 24. Sept. Oeffentliche K r e i s a u s- f ußiitzung. Der Flaschenbierhändler und Bierverleger Ehnstian Eirich in Grebenhain hat um Erlaubnis zum Be­triebe einer Schankwirtschast in seinem neuerbauten Hause am Bahnhofe Grebenhain-Crainfeld nachgesucht. Der Ge­meinderat hat zwar das Bedürfnis für Errichtung einer wei­teren Wirtschaft in Grebenhain verneint, jedoch gegen das Gesuch selbst nichts einzuwenden. Von der Bürgermeisterei wurde es befürwortet. Der Kreisausschuß hat sich in seiner Sitzung vom 26. Juni ds. Js. dem Beschluß des Gemeinde­rats angeschlosscn und das Gesuch mangels Bedürfnisses als unbegründet abgewiefen. Hierauf beantragte der Gesuchstel­ler mündliche Verhandlung vor dem Krcisausschuß. In der gestrigen Sitzung erklärte er, daß er wohl zugebe, daß ein Bedürfnis für Errichtung einer weiteren Wirtschaft in Gre­benhain,nicht vorliege, in feinem Geschäftsbetrieb käme es ledoch öfters vor, daß Leute eine Flasche Bier verlangten und es auch sofort trinken wollten, was jedoch unzulässig fei, da er keine Konzession besitze. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, habe.er das Gesuch, auch int Interesse seines Geschäfts als Flaschenbierhändler, beantragt. Der Wirt- chaftsbetricb soll jedoch nicht in dem Sinne ausgeübt wer­den, wie es den Anschein erweckt. Das Urteil lautet: Dem Gefuch wird aus.Billigkeitsgründen stattgegeben unter Ver­urteilung des Gesuchstellers in die Kosten des Verfahrens.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 24. Sept. Heute morgen um 11 Uhr fand in der Burgkirche die öffentliche Entlassung der an- didaten des hiesigen ev. Prediger-Seminars statt. Unter dem Geläute der Glocken begaben sich im geordneten Zuge Prälat Dr. Flöring, die Professoren und Lehrer der Anstalt, und die Kandidaten zur Kirche. Hier hatten sich die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, Vertreter der hiesigen Lehranstalten, die Geistlichen Friedbergs, verschiedene Dekane und Geistliche des Landes und Gemeindeglieder eingefunden. Ansprachen hielten Prälat Dr. Flöring, die Professoren und

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in Friedberg, dort wieder zu und mußte wieder unterstützt werden. S. selbst hatte feine Familie in Friedberg schon einmal verlassen, war in Mannheim wieder zu ihr zurückge ­kehrt, hatte sich aber dann von neuem von ihr entfernt und ist, unbekannt wo, abwesend. Der Ortsarmenverband Mann­heim begehrt nun Ersatz feiner Kosten in Höhe von 1300 Mk. vvu Friedberg mit der Behauptung, daß S. dort zur Zeit des Beginns der Unterstützung noch seinen Unterstützungs- wohnsitz besessen habe. Friedberg führte dagegen aus, Som­mer habe seine Familie vor deren Wegzug von Friedberg böswillig verlassen, er sei bei Beginn der Unterstützung übet 1 Jahr von Friedberg abwesend gewesen und habe somit dort den Unterstützungswohnsitz verloren. Hiergegen machte Mannheim geltend, daß S. seine Familie nicht verlassen, sondern nur auswärts Arbeit gesucht habe. Seinen Ent­schluß, nicht mehr nach Friedberg zurückzukehren, habe er erst später gefaßt. Die Klage sei somit begründet. Entgegen dieser Auffassung kam der Prooinzialausschuß heute zur ko- stcnfälligen Abweisung der Klage.

Naturforscher- und Aerztetag.

~ Wien, 24. Sept.

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TieGießener Zamilienblätter" werden dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Aus Stabt und taub»

Gießen, 25. September 1913.

** Gedächtnisfeier <in Leipzig in Gießen vor 50 Jahren. Am 18. Oktober 1863 wurde wie in ganz Deutschland auch in Gießen der 50 jährige Gedenk­tag der Völkerschlacht bei Leipzig festlich begangen. Am Vor­abend tvurde der Festtag durch Glockeugeläute eingeleitet. Der Festakt wurde am 18. auf demBrand", wo eine Tribüne aufgeschlagen war, abgehalten. 1200 Programme und 1100 Exemplare Festlieder wurden unter die Festteil­nehmer verteilt. Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Zug, darunter auch noch einige Veteranen von 1813, durch die festlich geschmückte Stadt nach demTrieb" bin. Auß der Höhe, wo jetzt die neue Kaserne steht, war ein Festplatz' hergerichtet worden. Am Abend lourbe ein gewaltiger Scheiterhaufen angezündet, dessen Flammen weithin leuch­teten. 660 Wellen Fichtcnreiser hatte man aus dein Stadt­wald, aus der Stadt selbst alles mögliche brennbare Ma­terial herbeigeschafst. Böllerschüsse verkündeten weithin die Bedeutung des Tages. Zur Deckung der Kosten waren von dem Gemeinderat 192 sl. bewilligt worden.

** Handarbeitsunterricht. Die Stadt Gießen läßt auch in diesem Jahre wieder Kurse für Papp- und Holzarbeiten abhalten, an denen Knaben aller hiesigen Schulen teilnehmen könnest. Annieldungen zum Besuche werden Samstag, 27. September, nachm. 3 Uhr, im alten Gewerbeschulhalis am Asterweg entgegengenommen. (Alles Nähere im Anzeigenteil.)

* Ba kofs Kammer-Lichtspiele bringen von Samstag bis Montag ein ganz besonderes Kinoereignis: Toni Splva, das ehemalige beliebte Mitglied unseres Stadttheaters, die sich auch als glänzende Kinoschauspielerin schnell die Gunst des Publikums erworben hat, ist nunntehr auch unter die Filmdichter gegangen, sie hat einen großen Filmroman in 3 Akten: ,Weiße Lilien^ verfaßt, in dem sie gleichzeitig die Hauptrolle darstetlt.

Landkreis Gießen.

Lollar, 23. Sept. In der letzten Versammlung de? sozialdemokratischen Wahlvereins tvurden zu der am 27. September stattsindenden (Lemeinderatswahl, wie verlautet, die Herren Christian Göttlich, Schneidermeister, und Ludwig Muth als Kandidaten ausgestellt.

X Langd, 23. Sept. Bei der heutigen Geuteinde- ratswahl wiirden iviedergewählt: Georg Dieterich und Wilh. Fril; mit je 42 Stimmen. Neu gewählt wurde Otto Georg Walther mit 39 Stimmen.

Kreis Alsfeld.

zz AuS dem Ohmtal, 24. Sept. In den HauS- gärten haben die Raupen des Kohlweißlings großen Schaden angerichtet. Die Kohlpflanzen, wie Kraul/ Wirsing und Winterkohl, sind kahlgefressen bis auf die nackten Rippen. Im Felde dagegen sieht man wenig oder gar nichts von Raupenfraß.

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Provinzial-Ausschus; der Provinz Obcrhesscn.

Gießen, 24. September.

Anwesend: Geheimerrat Dr. Usinger, als Vorsitzender, und 6 Mitglieder. Beginn 9, Ende 12Vs Uhr.

1. Gesuch des I. Kretschmer zu Bad-Nau- heim um Erlaubnis zum Betrieb einer Gast- w i r t s ch a f t. Die Stadtverordnetenversammlung von Bad- Nauheim hatte bei diesem Gesuch die Bedürfnisfrage ver­neint, nachdem das Polizeiamt mit Rücksicht auf die große Zahl der in Bad-Nauheim vorhandenen Wirtschaften sich gegen es ausgesprochen hatte. Das Kreisamt Friedberg trug deshalb Bedenken, die nachgesuchte Erlaubnis zu erteilen und legte die Akten dem Provinzialausschuß vor. Dieser beschicd den Gesuchsteller abschlägig.

2. Aufnahme d e s Flc ischbe sch au ers Fr. Ang. Maurer zu Friedberg in die Fürsorge- a s s e für G e m e i n d e b e a m t e. Maurer ist für ver­schiedene Gemeinden des Kreises Friedberg, darunter auch -ür die Stadt Friedberg, tätig. Er ist, wie olle Fleischbe- chauer in Hessen, vom .Kreisrat bestellt und erhält seine Be- oldung aus den entrichteten Gebühren, die in die Kreis- chse fließen. Da "Maurer der Ansicht war, daß er K r e i s-; beamtet- sei, beantragte er seine Aufnahme in die Fürsorge­kasse. Sie wurde aber von dem Verwaltungsrat dieser Kasse mit der Begründung abgelehnt, daß er Beamter der Stadt Friedberg sei. M. erhob hiergegen Klage, indem er seine Eigenschaft als städtischer Beamter bestritt. Sie wurde von dem Provinzialausschuß heute kostenfällig abgewiefen.

3. Klage des Ortsarmen Verbandes Mann­heim gegen denOrtsar men verband Friedberg wegen U n t e r st ü tz u n g d e s I. M. S. Die Familie S , die längere Zett in Friedberg gewohnt hakle, mußte in Mann­heim, wohin sie übergezogen war, unterstützt werden. Die Familie wurde wegen dauernder Hilfsbedürftigkeit aus Mannheim ausgewiesen, zog aber, nach kurzem Aufenthalt

Zweites Blatt 163. Jahrgang Donnerstag, 25. September 1913

vMK zA AA a a Rotationsdruck und Verlag der Brülil'fchen

B »S W Universität^ - Buch- und Sleindruckerci.

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General-Anzeiger für Cberheffen