Ausgabe 
13.11.1913 Zweites Blatt
 
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m. 261

Zweiter Blatt

165. Jahrgang

Donnerstag, 13. November 1913

Gießener Anzeiger

Erschein« tßtzkch mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Gberhefjen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Universnäks - Buch- und Sreindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Dn,ckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^)51. Redaktion:b^M I12. Tel.-Adr.:AnzergeriSießen,

DieGietzener FamtlienlrlStter" werden dem .Anzeiger" vier-mal wöchentlich beigelegt, das Kreisblett fit den Kreis riehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftliche« Leit­fragen" erscheinen monatlich jwetmwL

Kirche und Schule.

Die Tuberkulose in hessischen Volksschulen.

Seit Jahren weisen hessische Lehrer immer wieder dar­auf hin, in welch bedenklicher Weise die Lungenschwindsucht in manchen Orten und vor allem in den betreffenden Schu­len um sich greift trotz der segensreichen Arbeit der ver- )^iedenen Lungenheilanstalten. Am schlimmsten haust die Krankheit in den Dörfern, in denen ein Teil der Arbeiter in den S a n d st e i n b r ü ch e n beschäftigt ist; aber auch in Or­ten mit Granitwerken hat sich diese Krankheit ausgebrei­tet. Es gibt im Odenwald Volksschulen, in denen längst die Mehrzahl der Schüler aus Voll- und Halbwaisen besteht. Eine Gemeinde des Wümlingtales mit etwa 580 Einwoh­nern hatte bereits vor 10 Jahren nicht weniger als 70 Wit­wen. Die Schul- und Gesundheitsbehörden ordneten die ver- lchfedenften Maßregeln an, damit nicht die Schulen zum schlimmsten Ansteckungsherde für die Schwindsucht würden, allein von einem durchgreifenden Erfolge konnte nicht die mede sein, da doch ein nicht geringer Teil der Familien seit einem Menschenalter an dieser Krankheit leidet. In H c u - bach (Kreis Dieburg) kam cs so weit, daß von den 1100 Einwohnern 122 Invalidenrente beziehen, und diese beträgt lährlich 19000 Mark. Unter diesen Umständen sah sich die Zandesversicherungsanstalt genötigt, einen Versuch zu wa­gen, der bis jetzt in Hessen vielleicht in ganz Deutsch­land einzig dafteht. Man ging an eine durchgreifende Sanierung der gesamten Gemeinde und be­ton dersder Sch u l c. Die Behörden nahmen Augenschein von den zum Teil recht ungünstigen Wohnungsverhältnis­sen; sie stellte eine zweite Krankenschwester an, die sich nur mit den Maßnahmen gegen die Tuberkulose beschäftigt. Dann wurde ein großer Teil der Einwohnerschaft einer ärztlichen Untersuchung unterzogen. Bei 400 Kindern im Alter bis zu 16 Jahren, wurde die Pirketprobe vorgenommen, wo­bei sich ergab, daß von diesen durchschnittlich 44,2 v. H. (8,9 D. H. im Alter von 19 Jahren, 75 v. H. im Alter von 4416 Jahren) positiv reagierten. Nun begann man mit den eigentlichen Sanierungsmaßnahmen bei den Schulkin­dern. Man gab an etwa 150 Kinder ein Milchfrühstück und richtete deshalb im Schulhause eine Milchküche ein. Bei besonders schwächlichen Kindern wird der Milch ein Nähr­präparat zugesctzt. Besondere Aufmerksamkeit schenkt man der Körper-- und der Zahnpflege der Kinder. Die Schüler müssen vor- und nachmittags unter Leitung der Lehrer Atem­übungen machen. Den Kindern, die auf die Pirketprobe po­sitiv reagiert haben, werden wöchentlich drei Sol­bäder verabreicht. An zwei Tagen der Woche stehen die Bäder auch der übrigen Bevölkerung zur Verfügung. Für Wohnungshygiene wird nach Möglichkeit gesorgt; bis jetzt schaffte man 21 Betten an, um in ärmeren Familien die Ansteckungsgefahr zu verringern. Ganz besondere Sorg­falt widmet man der Wäschereinigung. Während man Erwachsene nach den Lungenheilanftalten und den Jnvalidcn- heimen schickt, bringt man kranke Kinder in die Kinderheil­stätten und in die Solbäder. Die Ausgaben für die anfangs 1913 begonnenen Sanierungsmaßnahmen belaufen sich jetzt auf 20 000 Mk. Die Bevölkerung benutzt mit geringen Aus­nahmen die Einrichtungen und erkennt deren Zweckmäßig­keit an. Von einem dauernden Erfolg kann erst nach jahre­langer, planmäßiger Arbeit die Rede sein, aber bei der Schul­jugend treten die günstigen Wirkungen schon jetzt besonders hervor.

Hauptversammlung

der Landwirtschaftlichen Cenofseirschastsbauk.

rb. Darmstadt, 12. Nov. In der heutigen Hauptversamm­lung der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank Tarniftadt, die von etwa 1000 Genossenschaftern aus allen Teilen des Landes besucht war und bis nachmittags 5 Uhr andauerte, erstattete der Vorsitzende des Revisionsausschusses O f e n l o ch - Finthen den Bericht über die Tätigkeit des 4kusschusses. Es haben 14 Gesamt­sitzungen stattgefunden. Der Tätigkeit des Ausschusses stellten sich die größten Schwierigkeiten entgegen. Die Büä>er der Bank waren in Ordnung, Unregelmäßigkeiten ließen sich darin nicht feststellen. Dagegen herrschte in der ganzen Verwaltung der Bank die größte Unordnung und Bertrauensduselei. Die Hauptschuld tragen Ihrig mit seiner Allmacht und zum Teil auch Zobel. .Hätte dieser soviel Rückgrat bewiesen, wie später Direktor Becker, so wäre vieles zu retten gewesen. Der Redner kritisierte scharf Pie Tätigkeit der Aussichtsratsmitglieder. Bei Regelung der Er- Hatzpslicht sind zwei Wege möglich: Entweder stellen sich die Herren mit ihrem Vermögen freiwillig zur Verfügung, oder wir beschneiten den Klageweg. Um die Bank vor dein Konkurs zu bewahren, mußten die cingeklagten Forderungen aufgekaust wer­den. Daß sich nur elf Genossenschaften von der Zustimmung zu dem Moratorium ausgeschlossen, ist an sich erfreulich, aber deren Verhalten ist jedenfalls nicht genossenschaftlich gewesen. Tie Ver­lustliste mußte leider noch erweitert werden; sie stellt sich jetzt auf 1588 910 Mk., ferner sind Verlustreservcn im Betrag von 1568998 Mk. zu verzeichnen, die als Rückstellung für die gc- ivaltigen Engagements bei der Frankfurter Reichsgenossenschasts- chank im Betrage von 8 Millionen dienen. Es ist zu hoffen, daß davon ein großer Teil gerettet und bei richtiger Verwal­tung der Verlust nicht zu übermäßig groß sein wird. Es dürfte aber lange Zeit vergehen, bevor die zweifelhaften Werte äbge- stoßen werden können. Den Gesanrtschaden, wofür Aufsichtsrat und Vorstand haftbar seien, schätzt der Redner bis jetzt auf 3 554 000 Mark. Man sei bei der Prüfung überall auf verworrenes Zahlen­material gestoßen und habe nirgends rechte Auskunft erhalten tonnen. Der Aufsichtsrat habe kritiklos alles genehmigt, was ihm vorgelegt wurde. Man habe da im vollsten Sinne des Wortes den Bock zum Gärtner gesetzt gehabt. Der angeforderte Verlust von 50 Proz. sei sehr wahricheinlich zu hoch gegriffen gewesen; erfreulich sei, daß wahrscheinlich bis zum 1. Januar 10 Proz. an die Genossenschaften zurückgezahlt werden könnten.

Tas Ausschußmirglied Arnold-Grüningen führte dann in seinem Bericht über die Tätigkeit von Vorstand und Aufsichtsrat aus, es sei ein Hauptfehler gewesen, daß in fast allen entschei­denden Instanzen Ihrig und Haas sen. und junior saßen. Der erstere habe geradezu einen Sanierungsfanatismus entfaltet. Tie Bilanz für 1911 war sehr verschleiert und falsch. Ber der L a n g s- dorfer Kasse beträgt der Verlust bei günstigem Abstoß der Immobilien 315 000 Mark, bei Ernsthofen 19 1 550 Mark oder mehr, bei L o l l a r beträgt der «Schuldposten 220 000 Mark, und die dortige Unterbilanz dürfte sich jetzt auf 500 000 Mark belaufen iittb 170 000 Mark dürften endgültig verloren sein. Der Auf- sichtsrat hätte diese Mißverhältnnie erkennen müssen, wenn er

seine Pflickst: getan hätte und er ist dafür haftbar zu machen. In seinem Hauptbericht schildert der Redner dann die Personal- Verhältnisse au der Bank und bezeichnet als eine der vielen vor- gekommenen Unkgreislichkeiten die Rückgabe der Kautionen. Tie schriftlichen Berichte der Revisoren hatten gar keinen Zweck, denn sie Wurden überhaupt nicht verlesen, geschweige denn beachtet. Nachdem der Redner noch die vielfack>en Geldgeschäfte Jhrigs näher erörtert, dessen Anträgen der Aufsichtsrat stets unbesel-en die Genehmigung erteilte, beantragte er namens des Revisions- ausschusses folgende Entschließung:

Tie Hairptversammlung wollte unter Vorbehalt der Fest­stellung des Gesamtverlustes dem zu wählenden Aussichtsrat Generalvollmacht erteilen für alle gerichtlichen und außer­gerichtlichen Rechtshandlungen für alte diejenigen, die er für haftpflichtig erachtet, und weiter die dafür nötigen Mittel be­willigen.

Ten Bericht über die innere Verwaltung der Landwirtschaft­lichen Genossenschaftsbank erstattet darauf das Mitglied W c t t er­höh n - Rinrbach, der nähere Angaben über die verschiedenen Gut­haben der ^Genossenschaften /macht und über die persönlichen. Verhält­nisse berichtet. Kommerzienrat Ihrig habe für seine Tätigkeit seit 1908 von der L. G. B. und von der Reichsgenossenschaft zu­sammen 105 727 Mk. bezogen (Entrüstungsrufe). Die Erben des Geheimrats Haas hätten alles Vermögen gerettet; es sei mir noch ein Guthaben von 15 Mk. 70 Psg. vorhanden, lieber eine Versicherung für Haas int Betrage von 100 000 Mk. bei der Nordstern" habe die Gesellschast jede Auskunft verweigert. Wahr­scheinlich habe auch Regierungsrat Bichmann sein Guthaben in Sicherheit gebracht. Infolge mehrerer Zwischenrufe stellt der Redner fest, daß er alles hier zum Vortrag zu bringen sich ver­pflichtet halte, was nicht direkt Geschäftsgeheimnisse der Bank betreffe. Für die erfolglos gebliebenen Sanierungsversuche der Nirder-Modauer Dank seien nicht weniger als 38 630 Mk. verausgabt worden. <

Der Vorsitzende der Versammlung, Wolf- Albig, gibt darauf bekannt, daß nach der Feststellung des Bureaus in der Versamm­lung 263 Aktionäre Mit 1 412 400 Mk. Kapital und 1938 Stimmen vertreten sind, während die 33 wegen zu später Anmeldung nicht stimmberechtigten Genossenschaften 247 Stimmen repräsentieren.

Ten vierten Bericht hat Generalrevisor Moll zu erstatten, über die Ergebnisse seines Prüfungsbefundes und die Frage einer Geltendmachung der Ansprüche der Bank und der Geschäftsfüh- 'runa gegen die Mitglieder t>c5 Vorstandes und Aussichtsrates der L. G. B. in Tarmstadt und der Reichsgenossenschaftsbank in Frank­furt a. M. gemäß 5 46, Abs. 2 des Gesellschaftsvertrages. Er greift dem Wunsch der Versammlung entsprechend dem Revisions­bericht nur das hcrafts, rvas die Vorredner noch nicht geftm.'i haben und betont, daß die L. G. B. zu Grunde gegangen sei nickst an den Verlusten durch die Genossenschaften, sondern weil sie sich festlegte durch Riesensummen für Spekulations­zwecke. Es sei Tatsache, daß weder Vorstand noch Ver­waltungsrat die Feststellungen und Bedenken der Revisionsbeamten irgendwie beachtet hätten. Ter Reichsgenossenschaftsbank wurde schon 1910 ein geheimes Mo­ratorium erteilt, trotzdem wurden die Beziehungen mit der L. G. B. unverändert fortgesetzt. Ter Aufsichtsrat habe namentlich bezüglich der Ucberwachung des Vorstandes nicht den vom Gesetz bestimmten Vorschriften entsprochen; er begnügte sich mit der Entgegennahme der mündlichen und schriftlichen Mitteilungen des Vorstandes. Hätte er pflichtgemäß gehandelt, so hätte er die gefährlichen Trans­aktionen und Manipulationen des Vorstandes erkennen müssen. Tie Hauptschuld liege in der falschen Bewertung der Außenstände der Reichsgenossenschaft mit 8 Millionen und der Verwaltungs­und Verwertungsgesellschaft mit 41/2 Millionen. An eine Reali­sierung dieser Werte könne jetzt nicht gedacht werden. Der Redner kennzeichnet zum Schlüsse die unglaubliche Vertrauensseligkeit des Aufsichtsrates Ihrig gegenüber und die gröbliche Pflichtverletzung, die sich der Aussichtsrat dadurch zu Schulden kommen ließ, daft .er nicht die nötigen Schnitte zur Klärung unternahm, trotzdem ihm die bedenkliche Lage längst bekannt war. Tcm Antrag der Vor­redner auf Geltendmachung der Ansprüche für die Verluste gegen Vorstand und Aufsichtsrat schließt er sich an.

Nach einer kurzen Pause kam es zu einer sehr lebhaf- ten Aussprache. Z obel erklärte es für eigentümlich, daß man hier jemand anklagc, ohne ihm das Material zur Verteidi­gung an die Hand zu geben und verwahrt sich entschieden gegen den Borwurf der Bilanzverschleierung. Beim Vorstand habe eine weit­gehende Arbeitsteilung geherrscht, die allgemeine Geschäftsführung 'habe in der Hand seines Kollegen gelegen und er habe sich bei leinen umsangreichen anderen Arbeiten auch nicht noch darum küm­mern können. Des weiteren sucht der Redner die verschiedenen, Unterstellungen der Vorredner zu entkräften. Gerade ihm könne man keine Vorwürfe darüber machen, daß er nicht versucht habe^ der Katze die Schelle umzuhängen. Ofenloch-Finthen und Ar- nold-Grüningen entgegnen dem Vorredner kurz. Rechtsanw. Gar­nier beantragt namens der Beschuldigten, nach dem Grundsatz des Audiatur et altera pars zu verfahren und die Beschlußfassung über den Antrag des Revisionsausschusses bis zur nächsten Haupt­versammlung zurückzustellen.

Bei der Abstimmung wird der Antrag ein­stimmig angenommen, der Antrag Garnier abgelehnt. Zu Idem Antrag, die Forderungen der nicht dem Moratorium bei­getretenen Vereine durch die Bank aufzukaufen, teilt O f e n l 0 ch - Iinthen mit, daß bereits für 95000 Mk. dieser Forderungen ge­sichert sind und nur noch für 60 000 Rhk. zu erwerben bleiben. Di­rektor Mager weist auf das vor einigen Iahten von den Raiff­eisen-Kassen gegebene glänzende Beispiel hin und ermahnt dringend zur 'Einmütigkeit. Danach wird die Beschlußfassung über die Jah­resbilanz für 1912 und über die Entlastung des Vorstands und Aussichtsrats für die nächste Hauptversammlung zurückgestellt.

Nachdem bann noch Direktor Becker und Öfenloch- Fintl-en falsche Mitteilungen in derFranks. Ztg." beklagt hatten ruft Iber letzte Punkt der Tagesordnung, Mahl von A u f s i ch t s- ratsMitgliedern, eine erregte Aussprache hervor. Ta die sechs im Frühjahr gewählten Mitglieder des Aufsichtsrats nicht zurücktreten, wird schließlich ein Antrag angenommen, die Mit­glieder des Revisi Ortsausschusses O fe n l 0 ch - Finthen und S ch rö­del decke r-Hochheim bei Morms (für Rheinhessen), Graf- Büttelborn, Wetterhahn -Rimbach und Brücher (für Star­kenburg > und Ar n old -Grüningen (für Oberhesseni zu den jetzigen Mitgliedern in den Aufsichtsrat zu wählen. Mit dem Ausdruck ber Hoffnung, daß die Durchführung des begonnenen Werkes ge­lingen werde, schloß der Vorsitzende die Versammlung.

Dar griechisch-türkische Uebereinlommen.

Athen, 12.'Nov. Der Inhalt des gestern para­phierten griechisch-türkischen Uebereinkom- m e n s ist folgender: Alle Verträge und Konventionen, welche vor dem Kriege bestehen, werden in vollem Umfange wie­der in Kraft gesetzt. Den durch die Kriegsereignisse kompro­mittierten oder in Beziehung dazu stehenden Personen wird voller Straferlaß gewährt. Die Einwohner der griechischen Gebiete werden griechische Untertanen, wenn sie nicht bin­nen dreier Jahre für die ottomanische Nationalität optieren und ihren Wohnsitz außerhalb Griechenlands nehmen. Die Einwohner der abgetretenen Gebiete behalten den in diesen

Gebieten gelegenen Grundbesitz. Das Protokoll sichert Ach­tung vor dem Eigentumsrecht. Privater Grundbesitz darf nur aus Gründen des öffentlichen Wohles und gegen eine Entschädigung enteignet werden. Das private Eigentum des Sultans und der kaiserlichen Familie wird als solches aner­kannt und bleibt im unangefochtenen Besitze der Eigentümer, während der Privatbcsitz des Dominialgutes in der dem Ver­trage beigefügten Liste aufgeführt ist und der Entscheidung des internationalen Schiedsgerichtes im Haag unterliegen soll. Die Frage des Unterhaltes der Kriegsgefangenen wird gleichfalls durch ein Schiedsgericht entschieden, während den kriegsgefangenen Offizieren das gezahlte Gehalt vergütet wird. Die Frage der Zurückgabe der fortgenommenen Schiffe und die Schadenersatzforderungen der Interessenten infolge Embargos oder Wegnahme von Schiffen werden einem Schiedsgericht unterbreitet. Die Frage der Muftis und ihrer richterlichen Befugnisse ist geregelt. Die Wakufgüter wer­den anerkannt, der Wakuszehnte ist aufgehoben, aber wenn die mohammedanischen Klöster, Moscheen und Seminare ihren Unterhalt nicht zu bestreiten vermögen, wird die griechische Regierung sie unterstützen. Die Frage der Wakufs ist in dem dem Vertrage angehängten Protokoll auf Grund der Ar­beiten des Unterausschusses im einzelnen geregelt.

vereinrnachrichterr.

Hassia-Vereine, Gießen. 2hN letzten Montag sprach in einer gut besuchten Versammlung Kam. Rechtsanwalt Kausmann überErbrecht und Testamcntserrich- t it n g". Einleitend bemerkt Redner, daß das Bürgerliche Gesetz­buch diese Frage einheitlich für baä ganze deutsche Reich geregelt habe. Er behandelte zunächst das Erbrecht, das bestimmt, daß mit bem Tode einer Person deren Erbschaft als Ganzes auf eine Per­son «oder pieljrerc andere Personen übergeht. Neben dem positiven Vermögen könnten auch Schulden vorhanden sein. Daher sei zu prüfen, ob man die Erbschaft ausschlagen solle oder nicht. Erbe werde derjenige, der durch Testament ober Erbvertrag bazu er­nannt worden sei. Der Erblasser habe das freie Verfügungsrecht über feinen Nachlaß. Abkömmlinge, Eltern und Ehegatten seien pflichtteilsberechtigt. Solange Erben in der niederen Ordnung vor­handen sind, schließen sie die Erben der höheren Ordnung aus. Bei sofortiger Annahme der Erbschaft hafte der Erbe für Nachlaß­verbindlichkeiten mit seinem ganzen Vermögen. Der Vortragende erläutert sodann, wie die Bestimmungen des Erbrechts in dcmi Testamente zusammengefaßt werden können. Die verschiedenen Testamentsformen werden besprochen und dabei wird an ber Hand von Beispielen gezeigt, daß die Errichtung eines Testamentes vov einem Amtsrichter ober Notar dem sog. selbstgeschriebenen Testa­mente vorzuziehen sei. Empfehlenswert 'sei es, schon bei der Er­richtung eines Ebevertrags auch die erbrechtlichen Bestimmungen aufzustellen. Nachdem noch kurz der Erbverzicht, Erbschein und Erbschaftskauf gestreift worden war, schloß der Vortragende unter dem lebhaften Beifall der Zuhörer. Kam. Staatsanwalt Trüm- p e r t sprach für die erschöpfende und klare Behandlung aller in Betracht kommenden Fragen den herzlichsten Dank der Versamm­lung aus. Eine sehr anregende und ausgiebige Aussprache schloß sich an den Vortrag an.

vermischter.

Eine neue Theorie der Entstehung der Pest. Bisher hat man geglaubt, den Erreger der Pest bereits zu kennen, und hat den im Jahre 1894 von Dersin entdeckten Bazillus dafür gehalten. Nun will Prof. Dunbar, der Direktor des Hamburger Hygienischen Institutes, der zur Zeit auf Java zur Erforschung der Pest sich befindet, einen anderen Erreger in allen untersuchten Fällen gefunden haben, den er zu den Schimmelpilzen rechnet. Er soll sich übrigens nicht nur im Körper der Kranken nachweisen lassen, sondern auch in Nahrungsmitteln wie Reis. Damit würde vielleicht eine Erklärung für die Verbreitung der Seuche gegeben sein. Ob die Beobachtungen Prof. Dunbars sich bestätigen wer­den, Insbesondere ob der entdeckte Schimmelpilz nicht ein zu­fälliger und harmloser Gast ist, müssen erst Nachuntersuchungen an Reinkulturen und Ueberimpfungsversuchen ergeben.

C. K. Das Schwein der Polaire. Die bekannte Tänzerin und Schauspielerin Polaire hat die neue Welt mit den Gaben ihrer Kunst beglückt, und dabei wurde natürlich die Reklametrommel kräftig gerührt. Noch auf dem Schiss, bevor man in New Dort landete, wollte sie ihr Maneger oazu bestimmen, den Boden Amerikas mit einem juwelengeschmückten Schweinchen im Arm zu betreten. Diese Sensationsnachricht hatte et auch be­reits in die Blätter gebracht. Wie die Comödia erzählt, bekam denn auch die Polaire noch auf hoher See ein drahtloses Telegramm von einem Reporter mit der lakonischen Anfrage:Wie geht es Ihrem Schwein?" Schnell gefaßt telegraphierte sie zurück:All right. Dem Schwein geht es vortrefflich." Aber einige Stunden später zog sie sich dann geschickt aus der Affäre, indem sie ein neues Telegramm absandte:Schwein eben ins Meer gefallen." So ersparte sie sich die schwere Verpflichtung, die ihr ihr Im­presario auferlegt hatte.

* Der freigebige I0hnnie. Es ist ein Gast bei Tisch, und die süße Speise ist bereits gegessen. Da sagt der kleine Johnnie mit seiner liebenswürdigsten Miene:Möchten Sie nicht noch ein Stück Apfeltorte, Mr. Hobbs?" Der Besucher lacht: Na, Johnnie, weil du mich gar so freundlichst bittest, will ich noch ein Stück haben."Gut!" sagt Johnnie strahlend.Jetzt, Mama, denk' daran, was du mir versprochen hast. Du sagtest, wenn du vie zweite Torte auch noch anschneiden müßtest, dann sollte ich noch ein Stück kriegen."

Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.

Nov.

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Höchste Temperatur am 11. bis

Niedrigste , , 11. ,

Niederschlag: 13,4 mm.

12. November - + 11,2 C.

12. = + 9,1'C.

Kinder­mehl

Kranken­kost.

Hervorragend bewährte

Nahrung.

Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an

Verdauungsstörung.