t 24| Erstes Blatt 16Z. Zahrgang Dienstag, u° Moder'913
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jcdemt täglich, außer Al V' f&tf ?--Ä monntlitf)75<ßi., viertel-
»riutags. - Beilagen: M yffl L a a a> a fv W AA jährlich Mk. 2.20; durch
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»atm VJlVIlVIlVl 41 lllvIUVIsssöwas irifchastliche Zeitfragen W M W Chefredakteur: A Goetz.
«riisprech-Anschlüsse: ■ V MM Verantwortlich für den
M die Redaktion 112* »WF polit. Teil: Ang. Goetz;
ZWk • General-Anzeiger für Oberhesien ZZM
Hi die Taqesnumnier «. w & Kurt Bendt; für den
k vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und 5teindruckerei R. Lange. Redaktion, Lxpedltlon und vruaerer: dchulsttatze 7. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
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Tageskalcnder aus dem Jahre 1813.
0 r. Reitergefecht bei Lieber twvlkwi tz unweit Leipzig, ^ie Reiterei der Verbündeten behauptet sich ruhmvoll gegen die französischen Reiterregimenter des im spaui Ichen Feldzug berühmt gewordenen Reitergenerals König Murat.
Zur Krisis im hessischen Genossenschaftswesen.
M<m schreibt uns:
Die Frage der Staatshilfe für die landwirtschaftlichen Miwssenichaften ist aus Anlaß des jüngst von uns mitge- dniten Antrags der drei Mitglieder d-er ersten Kanrmer Frhr. Mil zu Herrnsheim, Fürst Isenburg-Bir stein und Gras vlolberg-Roßla wieder in den Vordergrund der Erörterung gerückt worden. Die „Frkf. Ztg." kann sich natürlich mit hem Gedanken einer staatlichen Hilfe nicht befreunden; sie tfflbi-crt fü.r die Selbsthilfe der Genossenschaften, die schon, überall in erfteulicher Weise eingesetzt habe. Es ist ja nicht zu bezweifeln, daß nach der Katastrophe, die im März d. I. einer Zusammenbruch nicht nur finanzieller, sondern auch ideeller Art herbeiführte, sich der genossenschaftliche Gedanke pieder mächtig gehoben hat und sofort die Jnitative zu einer Uerxischen Selbsthilfe ergriffen worden ist. Es hat sich aber dich schon gezeigt, daß diese Selbsthilfe nicht ausreicht. Mußte doch die neugegründete Zentral-Darlchnskasse alsbald mit dem Ersuchen an die Regierung um die Gewährung eines Äluliehns von einer Million Mark herantreten. Diese Million sollte aber nur der Anfang von weiteren Forderun- fltit iicin. Die ganze Schwere der Genossenschaftskrisis lastet trft setzt mit voller Wucht auf der ländlichen Bevölkerung. Ai! dem Verlust der 21/2 Millionen Mark Aktienkapital ÖXittc man sich in diesen Kreisen schon einigermaßen abge- ifoiibt n, die Nachricht aber, daß außer dem Aktienkapital 50 Nrozemt der Forderungen an die Genossenschaftsbank heute iim als verloren betrachtet werden müssen, hat große Be- slürziung und Beunruhigung hervorgerufen. Wer die infolge idiesei Nachricht im Lande herrschende Stimmung beobachtet tat, der muß erkannt haben, daß viele kleine Gewerbetrei- Leiide, Landwirte und Arbeiter dadurch nahezu von Verzweif- ffimg ergriffen worden sind. Die Verpflichtung zur Einzahlung auf den Geschäftsanteil — in einzelnen Orten werden MH 500, 600, ja bis 900 Mark angefordert — ist für zahl- «eichc Genossen einfach unerfüllbar. Wo sollen diese Sum- Hflen Dort den kleinen Leuten, die ja doch das Gros der Ge- mossen bilden, hergenommen werden? Die meisten müssen nituc Hypotheken aufnchmen, sofern das überhaupt möglich ätz, nun nur einigermaßen ihren Verpflichtungen gerecht wer- btn zm können, und dabei sehen sich die Genossenschaften selber Wenfalls gezwungen, ältere Hypotheken zu kündigen, um iitrersieits Geld einzubringen.
Trotz dieser Kalamität ist aber der genossenschaftliche Zedamke: Einer für Alle, Alle für einen, noch kräftig rege En bcm Herzen der Genossen und der vorerwähnte Antrag Etz ebenfalls weit davon entfernt, diese wertvolle Empfindung irgendwie zu beeinträchtigen. Das Genossenschaftswesen ist fjiiiCL'- Struktur nach für einen engen lokalen Kreis geschaf- s'pi, Es soll Leute umfassen, welche sich gegenseitig kennen tinb iihre Verhältnisse überblicken können. Leute, bei denen i n Fiolge dessen das furchtbare Schwert der unbeschränkten Wring nicht mit voller Schärfeeänina't'herniedersausen kann. Dagegen erscheint es als eine unzulässige Ausdehnung der Anossenschaftsidee, wenn man große, zentrale Banken eben-
5ur Grundsieinlrciuna der deutschen Bücherei.
(Zum 19. Oktober.)
db. Leipzig, Mitte Oktober.
Nach schweren Kämpfen schreitet die buchhändlerische Industrie xi geeinten Deutschen Reiches zur gemeinsamen Großtat. Nach ,-Eiuwciluug des Vvllerschlachttzenkmals am 19. Oktober wird i Gegenwart des sächsischen Königs, der Reicks- und Bundes- qicrungen, des deutschen Buchhandels, des Bibliothelwesens und gleicher 'Ehrengäste auf mächtigem Baugrunde in Leipzig- Tnbcrg der Grundstein zur Bücherltadt gelegt werden, in der M zukünftigen Gcislesschätze, durch die Druckerpresse konserviert, Erratisch aufgcstapelt werden sollen. Schon seit dem 1. Januar
; war des Berlcgervflicht, die Neuerscheinungen deutscher und owrachiger Literatur des Inlands und der deutschen Literatur Auslands ins Leipziger Arsenal zu senden. So ward die ide Bibliographie der Zukunst geboren. Die wohlkatalogister- -r nach wissenschaftlichen Richtungen registrierten Exemplare Supern nunmehr zugleich einen stets sichtbaren Schrittmeßer -v Entwicklung unserer deutschen Kultur, und einen rZ-undplatz für
Tsn ben'kym Staaten hat di- Praxis die Schwarzsehcr hiseg-' vceben dem Reichsgericht erwachst nun nV neues Reichshaus im Leipzig die „Deutsche Bücherei" Eine gemeinsame Schöpfung k Dörsenvcreins der dcut.chcn Buchhändler, der Kgl. Sachs. 1 BaaBregicrung und der Stadtgemeinde Leipzig. Der Borsen- Ftena, der als großer buchhändlerischer Zentralvercin seinen Sitz j» Leipzig hat und die bedeutendsten Bumhandler Deutschlands, Meureich-Ungarns, der Schweiz und des übrigen Auslands um- 6. mrd das kommende Werk durch den ge,chaftsn.hreuden Aus- M, beit Verwaltungsrat und die Vauptversammlung des Borsen- ..mails, das Cantate der deutschen Buchhändler verwarten Abm midcil ersten beiden Organen werden dre Kgl. -nd)b Staats- ktrinq und die Stadtgemeinde Sitz und Stimme haben, da ie LKL9 reaelmäs igc Opfer bringen. Die Stadt stetste unentgelt- ii« ei nen ca 10 000 Quadratmeter großen Bauplatz tm Buchhand- Mientel lzwischcn dem neuen Johaiinissriedhos und der ^rcntzen- «EtirRraPc) mit den durch die Stratzenanlagen erwachsenen ilnfoiTiL ?.... ^twfünung Auf diesem Plan wird die neue Bucher-
3 Millionen Mark aus Mitteln i'ti sälichsischen Staats bewilligt wurden. Der Wert des oau)>la&e§ mi aut 500000 Mark geschätzt. Die gänze AAudung Grimd- thd, Bibliotdeks- und Verwaltungsgebäude und die Bibliotheks- Miclitunq gehen sofort" kosten- und lastenfrn in das unvcrauszer- Besitztum des .Börseuvsjteins über. Außerdem garantiert
falls genossenschaftlich organisieren will. Es ist bekannt, daß bis jetzt jeder Versuch nach dieser Richtung hin zu einem Fiasko geführt hat. Dadurch, daß man den Genossenschaften eine Kreditquelle und Geldausgleichsstelle unter staatlicher Aufsicht und Leitung gibt, wird der Genossenschaftsgedanke nicht nur nicht geschwächt, sondern, wie sich auch in Preußen gezeigt hat, gestärkt. Solche Schläge, wie sie die Genojsen- schaftsidee durch den Zusammenbruch des Haas-Jhrig'schen Konzerns erlebt hat, werden dann in Zukunft den Genossenschaften erspart bleiben. Es möchte schon fast als ein Rückfall in das alte, politisch und wirtschaftlich überwundene Manchestertum erscheinen, wenn in diesem Augenblick ein staatliches Eingreifen als dem Genossenschaftsgedanken zuwiderlaufend dargestellt wird.
Wir möchten glauben, daß für den in dem Antrag angeregten Gedanken auch engere hessische Erwägungen in Betracht kommen, indem die Geldausgwichungssteste bei überschüssigem Kapital die G eldv er wer tungs stelle im Lande läßt, und damit das Land an dem Geldüberfluß der Kasse wieder den Nutzen ziehen läßt. Welch allgemeines Befremden hatte es erregt, als man hörte, daß bei der Reichs- Angestellten-Versicherung nur eine Kasse in Berlin begründet würde, bei der jeder Prinzipal in Deutschland die Versicherungsbeiträge einzuliefern hat. Das in dieser Versicherung aufgehäufte Kapital wird schwerlich für Zwecke provinzieller Art nutzbar gemacht werden, das wird von den maßgebenden Persönlichkeiten an der Zentrale schon nicht zugegeben werden. Wie wohltätig wirkt das von der Jnvaliden-Versiche- rungsanstalt des Großherzogtums gesammelte Vermögen in sozialer und sonstiger Beziehung durch Hingabe billiger Darlehen für gemeinnützige Zwecke! Auch bei dieser Kasse svird das aus Hessen fließende Kapital unmittelbar für hessische Zwecke dienstbar gemacht.
Es ist bezeichnend, daß gerade das Frankfurter Blatt sich jetzt so sehr gegen jede staatliche Aufsicht im Genossene schastswesen ausspricht. Man versetze sich ein Jahr zurück, als der Zusammenbruch der Nieder-Modauer und Ernst- hofener Kasse und schließlich der Genossenschaftsbank die Gemüter in Hessen erregte. War man damals nicht auch in der Presse einmütig der Ansicht, daß dem Staat wegen mangelnder Aufsicht Vorwürfe zu machen seien? Damals konnte sich der Staat gegen diese Vorwürfe verteidigen mit dem Hinweis, daß ihm die dermalige Satzung der Genofsenschafts- f aff en irgend ein Recht der Aufsicht oder Kontrolle gar nicht gestattet hätten. Wenn jetzt durch die Landstände der Re- giernng geeignete Vorschläge zur Schaffung der Staatsaufsicht über die Sparpfennige der hessischen Landwirte unterbreitet werden, so kann und wird eine fürsorgliche Regierung die im Interesse des Landes gemachten Vyrschläge nicht kurz von der Hand weisen können!
munden gelten, ob während der Dauer der Regent- sch ast eine Verfassungsänderung zulässig ist oder nicht.")
Die Bayerische Staatszeitung fährt bann fort:
Schon zu Lebzeiten des Prinz-Regenten Luitpold war, insbesondere in der Kammer der Abgeordneten, angeregt worden, daß die Regentschaft aufhören und Prinz-Regent Luitpold König norden solle. Die Frage wurde zwar dadurch erledigt, baß der damalige Vorsitzende des Ministerrats im Landtage als allerhöchste Willensmeinung Seiner Königlichen Hoheit des Prinz- Regenten dessen Wunsch kundgab, es möge an den bestehenden Vcrl-ältnissen nichts geändert werden. Allein der Gedanke, daß Bayern wieder einen regierungsfähigen König erhalte, blieb in weiten Bevölkerungskreisen wach und war auch später wiederholt Gegenstand der Erörterung, lieber die Art und Meise, wie dies geschel-en könne, wurden verschiedene Ansichten geäußert. — Von einer Seite wurde insbesondere vorgcschlagen, die Vor m ü n d c r des Königs Otto sollten auf dieKrone verzichten. Von der anderen Seite wurde die Meinung vertreten, nach bayerischem Rechte sei die Regierungsfähigkeit Voraussetzung für die Thronsolgefähigkcit. Der Regent könne also bei der lange dauernden Regentschast den König für dauernd rcgie- rungsunfähig erNären und sich selbst ohne Mitwirkung des Landtags zum König proklamieren. — Als nach menschlicher Voraussicht mit dem nahen Tobe des Prinz-Regenten Luitpold gerechnet werden mußte, erachtete es die Staatsregieruug als ihre Aufgabe, zu prüfen, ob nicht gelegentlich des Wechsels in der Regentschaft die Frage der Beendigung der Regentschaft und die Her-' stellung des normalen Zustandes gelöst werden solle.
Der Ministerrat ersuchte daher den Justizminister, über die Frage ein Gutachten auszuarbeiten. Der Justizminister legte sodann das unten abgedruckte Gutachten des Ministerrats vor. Da von den in der Literatur besprochenen Wegen der der Pr o kl a- mation eine nicht unerhebliche Zahl von Anhängern hatte, befaßte sich das Gutachten zunächst mit diesem Wege. Es wies nach, daß dieser Weg ans rechtlichen und politischen Gründen ungangbar sei. Im zweiten Teile schlug das Gutachten dann den Weg vor, der nach Ansicht des I u st i z m i n i st e r i u m s rechtlich zulässig war. Das Gutachten war, wie bemerkt, nur für den Ministerrat bestimmt und fand die Billigung des Ministerrats. Nach dem Tode des Prinz-Regenten suchte die Staats- regientng mit dem Landtage über die Königsfrage Fühlung zu nehmen. Zu diesem Zwecke gab sie einigen Mitgliedern der Kammer der Reichsräte von dem Gutachten des Justizministeriums Kenntnis. Auch teilte sie einigen Mitgliedern der Kammer der Abgeordneten — und zwar selbstverständlich Mitgliedern aller Parteien — das Gutachten zur Information mit. Bei den De-' sprechungen in den Fraktionen wurde dabei zum Ausdruck gebracht, daß das Gutachten an sich nur für den Ministerrat bestimmt gewesen sei, jedoch die Billigung des M i - nisterrats gcfitnben habe unb daß, wenn es zu einer Vorlage an den Landtag käme, das Gutachten die Grundlage der Vorlage —• deren Entwurf übrigens im Justizministerium bereits ausgearbeitet wurde — bilden würde.
Die bayerische Königsfrage.
München, 13. Okt. Die „Bayerische Staatszeitung" veröffentlicht in ihrer heutigen Nummer die nachstehende Erklärung zu dem in der Presse besprochenen Gutachten in der Königsfrage, das zugleich den Wortlaut bekanntgibt:
In mehreren Zeitungen wurden in den jüngsten Tagen Auszüge aus dem Gutachten über bie Beenbigung ber Regentschaft veröffentlicht. Die Staatsregierung sieht sich mit Rücksicht hieraus veranlaßt, das Gutachten hiermit im Wortlaute zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
(Anmerkung der Redaktion: Das Gutachten umfaßt viele Zeitungsspalten; es kommt zu folgendem Schlüsse: .Es kann sich nur darum handeln, den Weg der Gesetzgebung zu beschreiten und dafür die angemessene Form zu finden. Dabei kann, nachdem während^ t(er Regentschaft schon mehrfache Verfassungsänderungen vorgenommen worben .sind, der Zweifel als über» die Stadt einen jährlichen Zuschuß von 115 000 Märk und der Staat eine jährliche Unterstützung von 85 000 Mark. Mit diesem jährlichen Unterhaltungsfonds von 200000 Mark sind schon umfassende Sammlungen zu errichten, da außerdem das Interesse ganz Deutschlands durch private Schenkungen bewiesen wurde.
Schon vor 40 Jahren ist der Traum einer möglichst lückenlosen Natioualbibliothek von führenden Geistern Deutschlands geträumt worden. Der preußische Ministerialdirektor Althoff sah wohl als erster hier ein erstrebenswertes Ziel. Dann brachte der Abgeordnete Dr. Eöuard Brockhaus-Leipzig 1874 bei der Beratung des Preßgesetzes den Plan mit beredtem Worte zur Sprache. Erst vor zwei Jahren aber erweckte der Dresdner Verlagsbuchhändler Dr. Erich Ehlermann den im Lauf der Jahre in allen weiter- schlummernden, aber nie ruhenden Wunsch zu neuer Debatte. Durch Oie unermüdliche Förderung des Leipziger Oberbürgermeisters Dr. Dittrich, durch die Energie des ersten Vorstehers des Börsenvereins, Kommerzienrat Karl Siggesmund-Berlin, durch das Interesse des Deutschen Verlegervereins kam die deutsche Nationalbibliothek zustande. Leider hat man die Musikalien ausgeschlossen. Die Väter des jungen Unternehmens sollten sich bod) fragen, ob man nicht auch Euterpen einen fruchtbaren Altar errichten forte, ber ber Nachwelt viel Segen stiften würbe!
Wie bcm auch werben möge: wir brauchen nicht mehr eifersüchtig gen Paris zu schauen, nach der sranzösischen National- bibliothek mit ihren 2V» Millionen Bänden, oder nach dem Britischen Museum in London mit seinen IV2 Millionen Bänden, oder nach der Kongreßbücherei Washingtons, wo in 700000 Bänden die schriftliche Kultur des jungen Amerika konserviert ist. Und vielleicht wird sich auch nock> einmal der Brüßler Traum verwirklichen, eine einheitliche internationale Bibliographie mit Hilfe der Kataloge der Nationalbibliotheken herzustellen, ein Kompendium, das etwa 12 Millionen Nummern ausführen dürfte — aber, Gott geb's, daß ick) dies Buch niemals zu lesen brauche! P. K.
*
— M i t der Frage, ob eine Universität in Dresden errichtet werden soll, haben sick) die „Dresdener Neuesten Nachr." an eine Reihe maßgebender Persönlichkeiten gewandt. Exzellenz Harnack hat u. a. geantwortet: „Ich halte eine neue Universität für nötig; denn die bestehenden Univerfitäten sind zwar nicht in allen, aber dock; in zahlreichen Disziplinen überfüllt. Dresden ist ber geeignete Ort, neben anderen Orten, die auch geeignet sind." — Exzellenz Haeckel sagt: „Die Gründung mehrerer neuer Universitäten in Deutschland (Frankfurt a. M., Dresden, Danzig?) erscheint besonders deshalb wünschenswert, weil die abnorme Ueberfürtung der größten Universitäten (Berlin, Leip-
Deut?cbss Reich»
Der jungliberale Vertretertag und die Welsenfrage.
Aus Leipzig wird uns berichtet:
In seinen Schlußverhandlungen beschäftigte sich der Jungliberale Parteitag weiterhin mit der Welsenfrage. Hierzu brachte der Jungliberale Verein Tübingen folgende Entschließung ein, die angenommen wurde:
„Ter Vertretertag erwartet mit allen Deutschen, denen Ruhe und Frieden des Vaterlandes am Herzen liegen, daß der Bunde s r a t bei der durch die Schuld der Welsenpartei herbeigesühr- ten Lage seine Zustimmung zur Thronbesteigung des Prinzen Ernst August nicht erteilt, ehe dessen ausdrückliche Anerkennung der bestehenden territorialen Verhältnisse im Reiche für sick) und seine Rechtsnachfolger vorliegt."
zig, München) zu den schädlidfften Uebelständen führt (besonders im medizinischen und naturwissenschaftlichen Studium!)." — Major Dr. v. Parseval schreibt: „Soviel mir bekannt ist, besteht zurzeit in Deutschland eine Ueberproduktion von akademisch gebildeten Leuten, und diese bewirkt auf allen Gebieten einen Preisdruck der gebildeten Arbeitskraft. Es erscheint daher nicht zweckmäßig, den Anreiz zum Studium noch zu vermehren." — Gras Posa- dowsky betont: „Ich halte die Begründung einer Universität in Dresden zu einer Zeit, wo bie akademischen Berufe an einer vom sozialen Standpunkte höchst bedauerlickfen Ueberfürtung leiden, nicht für nützlich. Die Begründung einer Hochschule muß dem Gesamt- bebarf unseres Volkes an Männern gelehrter Bildung entsprechen. Dieser Bedarf ist bei uns schon Überreichlid) gedeckt. Mehr akademisch gebildete Männer heranzuziehen, als unser Land wirtschaftlich und geistig nutzbringend verwenden kann, halte ich für eine grausame Verschwendung wertvoller Volkskraft." — Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Eulenburg iBerlin) sagt: „Eine neue Universität halte ick) nicht für nötig. Gegebenenfalls würde Dresden vermöge der großen Vorzüge seiner Lage, seiner angenehmen kommunalen und gesellschaftlichen Verhältnisse, seiner schon bestehenden wissenschaftlichen Einrichtungen zweifellos ein geeigneter Ort sein." — Nach Ansicht von Prof. Simmel besteht „keinerlei Bedürfnis nad) einer neuen deutsdien Universität". — Geheimrat v. Liszt erklärt: „Ohne genaue Kenntnis der lokalen Verhältnisse ist eine bestimmte Stellungnahme nicht möglich. Grundsätzlich mürbe ich bie Gründung einer Universität in Dresden mit großer Freude begrüßen." — Prof. Dr. Anschütz antwortet u. a.: ^,Für nötig halte ich die Vermehrung der Zahl unserer Landesuniversitäten nicht . . . „Notig" sind auch die Universitäten Hamburg und Frankftirt a. M. nicht. Aber anderseits kann auch eine neue Universität nichts schaden, vorausgesetzt, daß sie an den richtigen Ort kommt und genügend simdiert ist."
— Frankfurter Theatersorgen. Die bereinigten Stadttheater, Opernhaus unb Schauspielhaus in Frankfurt a. M. haben in zehn Monaten ihres gegenwärtigen Geschäftsjahres einen Fehlbetrag von 487 003 Mark erreicht, davon 295 372 Mark bei der Oper, 103 133 Mark beim Schauspielhaus unb 87 497 Mk. insgemein. Das sind bereits 16 000 Mark mehr als im ganzen Jahr 1912 zusammen.
— Die Robelheimer Polizei als Zensor. Ans Röbel heim, 13. Okt., wird gemeldet: Die Polizei verbot gestern abend die von der „Freien Volksbühne" zu Frankfurt hier geplante Ausführung des Dramas „Die im Sd-atten leben" von Rosenow.


