seid, in jeder Stunde das Leben für das Vaterland zu obrem. Ihr zöget fröhlich und vertrauensvoll von Haus und Hof auf das Feld der Ehre, entschlossen, kraftvoll allen Gefahren des Krieges zu trotzen. Biele Kameraden fielen jenseits der Donau unbarmherzig Krankheiten zum Opfer. Ihr schmerzlicher Verlust verwundete mein Herz tief. Nie werde ich^drie Beweis« der Liebe vergessen, mit dem Ihr mich aus beiden Ufern der Donau umgeben habt. An dem Tage, da die Armee unter meinen Augen zum zweiten Male über den mächtigen Strom setzte, fanden die begeisterten Rufe ein mächtiges Echo von den Karpathen bis zum Balkan. Mein Herz i|t mit tiefer Freude erfüllt. Heber alles Erwarten kamt Ihr bis zu den hohen bulgarischen Bergen. Euer Erscheinenerrang de nF r rech e n ohne Blutvergießen, unser Land ist um ein bedeutendes Gebiet, das unseren Glanz erstarken lassen soll, vergrößert und Rumäniens Ansehen in aller Augen gehoben worden. <;n der Erinnerung an die Taten werdet Ihr in Ehren aur der Brust das sichtbare Zeichen Eurer Tapferkeit tragen können und werdet demnächst zu Eurem Herd-zurückkehren können, mit hoher Befriedigung, eine Pflicht erfüllt und auf die stolzesten Seiten in den Blättern der Geschichte des Vaterlandes geschrieben zu haben. Laßt uns in Ehrfurcht neigen und heiße Dankgebete zum Allmächtigen emporsenden, der uns beschieden hat, so schö»e Tage zu erleben. Lassen wir unseren Nachfolgern Rumänien zurück, stärker denn je und vertrauender denn je in die Tapferkeit seiner Söhne. Von ganzem Herzen danke ich der teuren Armee, die ich immerdar mit väterlicher Liebe umgeben will.
König Karl und die Königin Elisabeth reisten nach Sinaja ab, um dort Sommeraufenthalt zu nehmen.
Eine rumänische Auszeichnung Poincarös.
Bukarest, 14. Aua. König Karl verlieh dem Präsidenten P o i n c a r o das Kolli e'rdesOrdensKartsl.
Deutscher Resch.
Die Reise des Kaisers nach Korfu.
Aus Korfu verlautet nach einem dem „Berliner Lokal- anzeiaer" zugehenden Privattelegramm, daß der Kaiser dort für den 14. September erwartet werde. Zwei Tage vorher werde der König der Hellenen mit der königlich griechischen Familie züm Besuch des Kaisers in Korfu eintreffen. Im Hasen soll den Kaiser der Kreuzer „Waweroff" an der Spitze eines griechischen Geschwaders begrüßen.
DerGroßherzog von Baden
hat aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers 21 gerichtlich — zum Teil wegen schwerer Verbrechen — zu Freiheitsstrafen verurteilten Personen teils durch völligen oder teilweisen Nachlaß, teils durch die Anordnung der vorzeitigen vorläufigen Entlassung eines Teiles ihrer Strafhaft Gnade erwiesen. Außerdem hat der Justizminister auf Grund der ihm übertragenen Begnadigungszuständigkeit aus dem gleichen Anlaß in 55 Fällen Gnadenakte verfügt.
Berufung im Krupp-Prozeß.
Die Blätter melden aus Berlin: Von seinem Recht der Berufung hat im Prozeß T i l i a n und Genossen auch der G e r i ch t s h e r r Gebrauch gemacht. Er ist mit dem Urteil gegen die Zeugleutnants Tilian, Schleuder und Hinst sowie 'gegen den Oberintendantursekretär Pfeiffer und d^n Feuerwerker Schmidt nicht einverstanden.
Eine Reichstagsersatzwahl.
Die Ersatzwahl für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Dr. Lender im achten Wahlkreis Baden-Rastatt i-st auf den 7. Oktober d. I. festgesetzt worden.
Bebels letzte Verfügung.
Bebels letzte Verfügung ist datiert vom 4. April d. I.
Und lautet nach dem „Vorwärts":
Ich bestimme hiermit, daß nach meinem Tode die Einäscherung meines Leichriams vargenommen wird. Sterbe ich an einem Orte, an dem die Einäscherung einer Leiche nicht aestattet oder nicht möglich ist, so verfuge ich, daß mein Leichnam nach einem Orte transportiert wird, an dem eine Leichenverbrennung möglich ist. Diesen Ort zu bestimmen, überlasse ich meinen Angehörigen, nächst denen dem Parteivorstande der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ich 'bestimme ferner, daß meine Asche in einer Urne oder Kapsel nach Zürich übergeführt wird und dort neben der Aschenurne meiner verstorbenen Ehefrau auf dem Zentralfriedhos beigesetzt wird. August Bebel.
Wie die „Züricher Post" mitteilt, hat Bebel in seinem Testament seinen Freund Ullmann als Testamentsvollstrecker bezeichnet. Die deutsche sozialdemokratische Partei wird mit einem namhaften Betrage bedacht; außerdem ist ihr von einem bestimmten Zeitpunkt an das ausschließliche Verlagsrecht der von Bebel publizierten Werke übertrugen.
Chur, 14. Aug. Bebels Leiche wurde heute vormittag 11 Uhr von der Churer sozialdemokratischen Arbeiterschaft mit trauerumflorten Fahnen von der Friedhofskapelle nach 'dem Bahnhof geleitet. Dort hielt der Präsident der kantonalen sozialdemokratischen Partei Keller die Trauerrede. An dem feierlichen Akte beteiligten sich etwa 25'0 Personen. Kränze widmeten die sozialdemokratische Partei des Kantons Graubünden, die sozialdemokratische Stadtfraktion von Chur und die Churer Parteiorganisation. In Zürich traf der Zug
war. Am 15. Juli wollte man weiter ziehen, aber die Teilnehmer waren so erschöpft vor Hunger, Kälte und Feuchtigkeit, daß sie nicht vermochten, sich einen Weg durch den tiefen Schnee zu bahnen. Sie schlachteten den Hund, der ihnen auf dem ganzen Wege gefolgt war, Gchten sein Fleisch und waren gerade dabei, das Mahl zu beginnen, als sie ein Segelb-oo t auf dem Fjord, östlich von Prveven bemerkten. Durch Schüsse und Signale riefen sie das Bovt herbei. Es gehörte dem Pastor Chemnitz, der sich selbst in dem Boote befand und die sehr erschöpften Polarforscher nach Pröven brachte, ttw sie mit großer- Liebenswürdigkeit tron dem Leiter der Kolonie ausgenommen wurden und die nötige Pflege erhielten.
— Das Ende Von Wild-West. Buffalo Bills „Wild- West" und Pawnee Bills „Far East" werden, sorgsam katalogisiert und zum Berkaus ausgestellt, in diesen Tagen in Denver öffentlich versteigert: eine exotische Romantik, die auch bei uns vor Jahren begeisterte Ausnahme sand, wird damit zu Grabe getragen. 'Das gesck-ästliche Unternehmen, zu dem sich die beiden Bills zusammengetan hatten, ging seit einiger Zeit immer schlechter; die Vorführungen der längst verblaßten Wunder aus ehemals wilden Gegenden, die heute sehr zivilisiert sind, fanden feinen Anklang mehr, und so kommt denn nun ihre Habe unter den Hammer. In Amerika von heute gibt es keine Abenteurer und Glücksritter mehr in Leder Hosen unb mit Blockhäusern; sie tragen Gesellschaftsanzug und besuchen Klubs. Die Indianer erscheinen im Zylinder, sind gesittete Leute in bürgerlichen Berufen, und die Helden her Schauerromane, die einst im wilden Westen grausige und große Taten verrichteten, unterschlagen Millionen und haben ein Du^md Frauen. Die beiden Bills Ifattcn ihre Zeit nicht richtig erkannt; Re glaubten noch an den verschollenen Zauber der Prärie, und so ist es ihnen gegangen, wie es solchen Leuten geht: jsie machten Bankerott.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen - schast. Zum Direktor des Weimarer WuseumZ wurde 'Ar. Änhorr Wayer aus. Berlin gewLM
mit der Leiche Bebels kurz vor drei Uhr ein, erwartet von einigen Hundert Genossen mit den Fahnen der deutschen Sozialdemokraten, der Typographen, der Zimmerleute und Bäcker, der Holzarbeiter und des Grütli-Turnvereins. Die Leiche wurde vom Bahnhof nach dem Volkshause gebracht, wo sie im Bolkshaussaale aufgebahrt wurde.
Ausland«
''Die Verfolgung von sieben deütschen Matrosen in Norwegen.
Nach einer Mitteilung vom deutschen Konsulat in Bergen ist die gerichtliche Verfolgung gegen die sieben Deut- chen eingestellt, welche im Verdacht standen, durch Herabwälzen von Steinen den Tod eines jungen Mädchens in 'Aueland in Sognefjord verursacht zu haben. Die Deut- chen sind freigelassen worden.
Die Kämpfe im Somaliland.
Wie der englische Kolonialminister Hareourt im Unter- Hause mitteilte, erhielt er eine befriedigende Information bezüglich der Lage im Somaliland. Er könne aber aus militärischen Gründen Einzelheiten nicht veröffentlichen. England müsse seine Position an der Somaliküste aufrechterhalten, aber seine Politik müsse unverändert bleiben. Tie Thronrede, wodurch das Parlament vertagt wird, wird morgen mittag verlesen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. August 1913.
Eine Flucht aus dem ProvinziaLarresthaus.
In der Nacht zum Donnerstag ist aus dem hiesigen Provinzialarresthaus ein vielfach vorbestrafter Verbrecher entwichen, der inzwischen jedoch in Koblenz wieder eingefangen worden ist. Einer unserer Mitarbeiter hat dazu folgende Einzelheiten in Erfahrung gebracht: Am Donnerstag morgen, als die,Beamten des Provinzialarresthauses die Entdeckung machten, daß einer ihrer Villenbewohner das gastliche Dach in der Ost-Anlage heimlich in der dunkeln Nacht verlassen hatte, da waren sie ganz „platt". Ein Ausbruch aus der festen Hut ist schon seit 10 und längeren Jahren nicht dagewesen, und man konnte nicht begreifen, wie jemand ohne alle Werkzeuge die verschiedenen festen Schlösser geöffnet haben konnte und dann ohne alle Hilfsmittel über die hohe Mauer ins Freie gelangt sei. Die sofort eingeleitete gründliche Untersuchung ergab, daß der 44 Jahre alte Stephan Will von Bnrckhards, der wegen Einbruchsdiebstahl in Untersuchungshaft genommen war (er hatte in der Wolfstraße einen Einbruch verübt und dabei als alter Spezialist „in Fahrrädern" wieder einmal eine Fortbewe- gungsmaschine gestohlen), verschwunden war. Will ist ein äußerst ge- ährlicher Verbrecher: er wurde bereits mit 16 Jahren als rückfälliger Dieb abgeurteilt und hat seitdem über 30 kürzere und längere Vorstrafen erhalten, ohne daß man ihm seinen verbrecherischen Hang abgewöhnen konnte. Er hat eine förmliche Musterkarte von Straftaten verübt, sich dabei aber besonders auf 2 Spezialgebieten betätigt, nämlich als Einbrecher und als Fahrradmarder. Als Ausbrecher hat Will noch niemals gearbeitet, er hat aber an der Ost-Anlage gezeigt, daß er auch darin Meister ist. Die Zellen- tiir, hinter welcher der Verbrecher, anscheinend in aller Beschaulichkeit und Neue, verwahrt gewesen war, hat Will dadurch geöffnet, daß er auf äußerst geschickte Art, anscheinend mit einem selbstverfertigten Haken, die Feder des Schlosses gelockert und dann den Riegel zugedrückt hat. Die Beschädigung des festen Schlosses, und die Art, wie es geöffnet wurde, hätte einem Schlossergesellen bei der Meisterprüfung das Prädfkat vorzüglich eingetragen. Der Ausbrecher war nun auf dem Korridor vor den Zellen angelangt, er mußte aber, ehe er seinen Ausflug ins Freie weiter fortsetzen konnte, noch mehrere fest verwahrte und verschlossene Türen offnen. Wie er dies fertig gebracht hat, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Jedenfalls hat.sich Will hierzu eines Dietrichs oder Nachschlüssels bedient, er muß aber, ohne Geräusch verursacht zu haben, seine Flucht auf den Gefängnishof fortgesetzt haben, ohne daß die auch in der Nacht int Gebäude anwesenden Gefängnisbeamten von dem Tun und Treiben des Mannes etwas gehört oder wahrgenommen haben. Auf dem Hof angekommen, Ivar es dem gewandten Menschen ein Leichtes, die hohe Gejängnismauer zu übersteigen. Will hat dann das Haus in der Wolfstraße ausgesucht, in dem er bereits „gearbeitet" hatte und dort auf5 neue einen Diebstahl zu begehen versucht. Er wurde daran aber durch irgendeinen Umstand gehindert. Jedenfalls aber wartete er in dem Hause den Tagesanbruch ab, ehe er seinen Flug in die Freiheit weiter fortsetzte.
Will ist gestern nachmittag, nach Mitteilung der Polizeibehörde, in K o b l e n z in demselben Augenblick festgenommen worden, wo er versuchte, feine „Spezialität" auszuüben: er wollte nämlich wieder einmal ein Fahrrad sich aneignen, welches unbenutzt auf der Straße stand. Hätte der freche und gemeingefährliche Mensch in Koblenz eine Flugmaschine unbenutzt angetroffen, er wäre wohl auf Nimmerwiedersehen verschwunden! Die Staatsanwaltschaft hat bereits heute einen Beamten nach Koblenz ent- sand, um den Ein- und Ausbrecher zu bitten, wieder nach Gießen zu kommen, wo man wegen des Urlaubs, den sich Will selbst genommen hat, noch ein Hühnchen mit ihm rupfen wird.
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** Die Bekämpfung der Reblaus in den Jahren 1911 und 1912. Im Groß Herzogtum Hessen wurden im Jahre 1911 1,956 Hektar reblausverseuchte Fläche vernichtet und dafür 9611 Mark Entschädigung gezahlt. Der Gesamtaufwand für die Bekämpfung des Schäd- lings ist mit 91416 Mark für 1911 in Rechnung gestellt. Im Jahre 1912 wurden die Rebläuse weiter verfolgt und in folgenden Gemarkungen festgestellt: Bingen an Gewann Oligberg an 64 kranken Stöcken, in Gumbsheim am Streilberg an 14, in Dromersheim an 53, in Büdesheim an 9, in Kempten an 10 und in Volxheim in der Nähe des alten Herdes an sieben tranken Stöcken. Für die Bekämpfung der Reblaus wurden int Jahre 1911 im gesamten, Reichsgebiet 1 0.54924 Mark aufgewandt, davon 167 892 Mark für Entschädigungen für die 273 982 Hektar große der Vernichtung anheimgefallene Weinbergsfläche. In den Jahren 1874 bis 1911 wurden im Reichsgebiet für die Bekämpfung des Schädlings insgesamt 22 352163 Mark verausgabt und in diesen Jahren 802,943 Hektar Weinbergsgelände wegen Verseuchung vernichtet.
’• Geflügelschau. Der Verband Oberhessischer Geflügelzuchtvereine hält seine diesjährige Provinzial- Geflü^elschau vom 25.—27. Oktober in Lauterbach ab.
Landkreis Gießen.
’4 Li ch, 14. Aug. Wie im vergangenen Jahr, so haben auch heuer die Landwirte wieder sehr unter der nassen Witterung bei der Ernte zu leiden. Besonders am Hafer macht sie sich empfindlich bemerkbar; er liegt massenhaft geschnitten an der „Brette" und kann, da die täglich eintretenden Regenschauer das Trocknen nicht ermöglichen, nicht gebunden und aufgestellt werden. Wenn das Wetter so noch einige Tage anhalten sollte, dann würde den Landwirten wie im Vorjahre durch das Auswachsen des Hafers wieder beträchtlicher Schaden entstehen — Die Dreschmaschinen sind seit mehreren Tagen schon fleißig an der Arbeit, so daß viele Aecker schon abgeräumt find — Die nasse Witterung dieses Jahres ist die Ursache davon, daß in manchen Lagen der Gemarkung die Kartoffelkrankheit auftritt und das frühzeitige Absterben der Kartoftelpflanzeu verursacht. Sonst sind die Aussichten für die Kartoffelernte recht gute. — Außerordentlich üppig steht der Graswuchs da. Die
Grummeternte wird an Quantität die der Vorjahre bei wette« übertreffen.
-1. Muschenheim, 14. Aug. Zum Beigeordneten wurde gestern Gastwirt Qtto Roth einstimmig gewählt.
Kreis Büdingen.
o. Kohden, 14. Aug. Die gestern verunglückte Frau Wilhelmine Merz von hier, von deren Sturz in die Scheuer wir kurz berichteten, ist heute schon ihren schweren 93 er< letzungen erlegen. Sie versah selbständig ihre Landwirtschaft und verrichtete oft wie ein Mann die schwersten landwirtschaftlichen Arbeiten. Das Mitleid mit den beiden hinterlassenen Töchtern ist allgemein.
Kreis Alsfeld.
A Altenburg, 14. Aug. Der Schwalmtal-Sängerbund hat beschlossen, sein BundcSfest 1914 in Allenburg abzuhalten.
Kreis Lauterbach.
~ Stockhausen, 14. Aug. Der Landwirtschaftskamm er-Ausschuß für Oberhessen beabsichtigt, bei genügender Beteiligung am 26., 27. und 28. August d. Js. durch den Obstbautechniker Koch in Alsfeld einen Obst- und Gemüseverwertungskursus für Frauen und Mädchen abhalten zu lassen. Dabei wird Gelegenheit gegeben, alle Konservierungsarten, wie die Bereitung von Gelee, Marmelade, Essig- und Tunstfrüchten u. dergl., kennen zu lernen. Der Kursus ist für die Teilnehmerinnen unentgeltlich.
Kreis Friedberg.
w. Bad-Nauheim, 14. Aug. Die Saison befinoct sich jetzt aufibrer Höhe. Trotz der anhaltend kalten Witterung in den letzten Wochen ist der Zugang der Kurgäste ein äußerst lebhafter. Die Frequenz betrug am 10. August 27 204 Personen. Die Kriegswirren auf dem Balkan hatten bisher auf Kurgäste aus dem Osten Europas naturgemäß etwas zurückhaltend gewirkt. Seit der Kriegsentfpannung ist der tägliche Zugang aus dem Osten, namentlich aus Rumänien und Serbien, lebendig. Als alter Stammgast des Bades kam zuerst der ehemalige Ministerpräsident Nov ako vi t sch aus Belgrad, Führer der, serbischen FriÄ>ens- delegierten; der rumänische Reichsgerichtspräsidcnt Julian und der Justizminister Gianni aus Bukarest; Gouverneur H avari P a s cha mit Gefolge aus Kairo; der bekannte österreichische Großindustrielle lund Reichsrat der Krone von Schneller aus Wien, der in Bad-Nauheim eine Billa besitzt; Minister Graf Witte mit feinem Neffen Narischlin und Gefolge. Ebenso weilt zum zweitenmal im Bad. Seine Hoheit der MaharadjavvnPudu- kota, dessen indische Herrschaft 3000 Quadratkilometer umfaßt. Mitglieder der Fürstenhäuser von Mecklenburg-Slrelitz und Sachsen-Weimar zählten bis vor kurzem auch zu den Besuchern des Bades. Nächst Rußland und Nordamerika, welche beiden Staaten wie alljährlich zahlreich vertreten sind, sind ganj besonders Gäste aus Brasilien, Argentinien und Havanna ein- getroffen. Jeder Tag bringt neuen Zuwachs dieser überseeischen Familien, welche meistens mit zahlreicher Dienerschaft und Begleitung eintreffen. — Dem Hockey-Turnier zwischen Frankfurter Turnverein und dem die deutsche Meisterschaft besitzenden Hockeyklub in Hannover, von Ausländern sehr stark besucht, folgte ein Golf-Turnier, das einen sehr erfreulichen Verlauf nahm und von Zuschauern gut besucht war, ein Zeichen, daß dieses Spiel sich immer mehr bei uns ein bürgert. Es kam bann ein großes Schau- unb Wettschwimmen im Teichhaussee, veranstaltet vom 1. Frankfurter Schwimmklub, dem Magdeburger Schwimmklub Hellas und dem Cercle de Natcttion in Brüssel. Sehr viel Beifall fand auch ein vom Nauheimer Turnverein arrangiertes „De u t s ch es T urn en" im Konzerthaus. Ein Allgemeines 5tägiges Tennisturnier unter dem Protektorat Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin von Hessen fStibei vom 20. August ab statt. Zahlreich waren auch die künsllerischeu Genüsse der letzten Zeit: Wilhelm Backhaus, Pros. Henri M a r- te an , Joan b c Man 6 n , Walter Kirchhoff, Ellen Beck entzückten ihre Hörer unb in ber letzten Woche errang Mag - g i c Teyte, Primabonna der Komischen Oper Paris, im französischen Schäferspiel Zeichen Beifall.
h Bad Nauheim, 14. August. Einem hier zur Kur weilenden Ausländer wurden aus seinem Hotelzimmer Juwelen im Werte von mehr als 5000 Mark und 325 Mark bares Geld gestohlen. Ferner erbeutete der Dieb einen Kreditbrief über 5000 Dollar und erhob von der Summe bei der Frankfurter Effekten- und Wechselbank noch am gleichen Tage 1500 Dollar. In Verdacht steht ein Franzose im Alter von etwa 30 Jahren.
h. Dortelweil, 14. Aug. Eine wackere Tat vollbrachte gestern die 20jährige Tochter Grete des Gastwirtes Vömel. Sie sprang einem vierjährigen Jungen, der in die Nidder gefallen war, nach und hielt ihn unter größter Lebensgefahr so lange über Wasser, bis aus dem Dorfe Hilfe herbeikam und beide den Fluten entriß.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 14. Aug. Eine Gedenktafel wurde dem bekannten Odenwalddichter Lehrer Karl Schäfer in Darmstadt durch Freunde und Verehrer an seinem Geb^rrts- hause in Brensbach i. Od. errichtet. Schäfer hat sich durch herrliche Romane und prachtvolle Gedichte um den Odenwald unsterblich gemacht.
in. Offenbach, 15. Aug. Erhebliche Unterschlagungen und Fälschungen hat sich der Kaufwann Michael Dörr aus der Bettinasiraße, der in einer hiesigen Drogerie als Reisender beschäftigt war, zu Schulden kommen lassen. Er ha§ auf den Namen seiner Firma eine Anzahl Quittungen gefälscht und Geschäftsausstände in Höhe von über 1100 Mk. einkassiert und für sich verwendet. — Im Main ertränkt hat sich der Arbeiter Franz Wohlfahrt. Er war in letzter Zeit dem Trünke ergeben und nachdem er dieserhalb. von seinen Angehörigen zur Rede gestellt worden war, hatte er sich von Hause-entfernt und in den Main gestürzt, wo er am Donnerstag in der Nähe der Uebersähre als Leiche gelandet wurde.
d. Aus dem Rh einguu , 15. Aug. Seit einiger Zeit zeigen sich an den Stöcken, die farbige Trauben bringen, bereits leichte Färbungen, ebenso auch an den Spalieren der Mauern und Gärten reife weiße Trauben. Ein besonderes Zeichen ist dies allerdings nicht, denn stets um diese Zeit pflegen Trauben früher reif zu werden: es hängt dies eben ganz mit der besonderen Lage zusammen. Die Rieslingtrauben stehen noch am besteck, während die Oesterreicher zu wünschen übrig lassen.
Hessen-Nassau.
Böhl, 14. Aug. ®.ne viertel Stunde tron hier, rechts ber Straße nach Asel, entsteht zurzeit bas jüngste 'Dorf Deutschlaubs, Neu-Asel. Bis jetzt sind 6 Hofretteu erbaut worden, wettere Neubauten stehen bevor. Auch ein Gutshof soll am Ortsausgang nach Vöhl noch bieses Jahr begonnen werden. Die Pläne zu den schmucken Gebäuden hat Architekt Dr. Meyer-Hannover entworfen, die Bauausführung liegt in den Händen der Firma Bauch und Kleine (Korbach). Die Unwesen ähneln in ihrer Gliederung den Vogelsberger Bauern Hoheit en, es befinden sich Wohnhaus, Stallungen und Scheune unter einem Dach, so daß der Besitzer aus seinem Haus direkt den Stall und die Scheune betreten kann. Zwei der Fachwerkhäuser sind mit Sprüchen versehen, am einen steht „Deutsches Haus und deutsches .Land schütze Gott mit starker


