Ausgabe 
14.5.1913 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

Nr. UO

Mtttvsch, R- Mai $13

|65. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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lung dienen. Wo ein öffentlicher Nachweis nicht besteht, sind die Gewerkvereinsmitglieder verpflichtet, einen eigenen Arbeits­nachweis zu errichten."

Die Entschließung wurde angenommen.

schlosse statt. Der Großherzog und« der Prinzregent brachten Trinksprüche aus.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

d Brot und Backwaren

DieLietzener Famkliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ,.Krei$b!att für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- kragen" erscheinen monatlich zweimal.

M. uJö handgenaht, nenge» 9|1A tzt M. mH

wie durch den Nachweis. Der Verbandstag rät allen Mit­gliedern der Gewerkvereine, die Einführung von sogenannten paritätischen" Facharbeitsnachroeiseu in keiner Weise zu fördern, weil diese von den sozialdemokratischen Gewerkschaften als Kämvf- nlittel und zur Ausdehnung ihrer Macht benutzt werden. Ein Arbeitsnachweis darf nur einzig und allein der Arbeitsvermitt-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: e-^112. Tel.-Ad r.: Anzeiger G ießen.

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SamSta9' i 18 Mai

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Besuch öes Prinzregenten Ludwig von Bayern in Darmstadt.

bs. Darmstadt, 13. Mai.

Die Straßen der Stadt Darmstadt trugen heute ein festliches Gewand. Vom Bahnhose bis zum Residenzschlosse wehten die hessischen, bayerischen und deutschen Fahnen. Lange vor Eintreffen des Sonderznges, der 4.47 Uhr auf dein Bahnsteig einlaufen sollte, standen dichtgedrängt die Menschen in der langen Einzugsstraße. Vor dem Bahnhöfe hielt eine Schwadron der grünen Dragoner. Auf dem Bahnsteige selbst hatte eine Ehren ko mpag nie des Leibregi­ments Aufstellung genommen. Alle Zivil- nni> Militär­behörden waren vertreten. Kurz vor Eintreffen des Zuges erschienen der Großherzog, der bayerische Generalsuniform trug, und die Großherzogin mit großem Gefolge. Pünkt­lich um 4.47 Uhr lies der Zug ein. Der Prinzreaent, in großer Generalsnnifoi-m, entstieg als erster dem Wagen, vom Großherzog und der Großherzogin herzlich durch .Händedruck begrüßt. Die P r i n zr e g e n t i n folgte. Unter den Klängen der Nationalhymne schritten der Prinzregent und der Großherzog die Front der Ehrenkompagnie ab. Dann folgte Vorbeimarsch der Ehreniompagnie. In Gala­wagen mit Spitzenreitern und unter Borritt einer Abteilung Dragoner fuhren die Fürsten zum Resideuzschlvß. In einem zweiten Wagen folgte die Prinzregentin und die Groß­herzogin; eine weitere Abteilung der Dragoner bildete den Beschluß, Dann folgten in langer Reihe die Wagen des

Nolrtssche

Die Negierung und die Verabschiedung der Wehrvorlage.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Zwischen der Reichsregierung und Vertretern der Reichstagsfraktionen hatten in den letzten Tagen Be­sprechungen über die Beratung und Verabschiedung der Wehr- und Steuervortagen stattgefunden. In diesen Be­sprechungen hat die Regierung den Wunsch geäußert, die Wehrvorlage zunächst im Ausschuß zu verabschieden und erst nach Verabschiedung dieser Vorlagen in die Beratung der Deckungsvvr.lagen einzutreten, während der Ausschuß die Absicht hatte, nach der ersten Lesung der Wehrvorlage zu­nächst die erste Lesung der Deckungsvorlagen vorzunehmen. Die Regierung fürchtet mit Recht, daß durch diese Praxis die Verabschiedung der wichtigen Vorlagen sehr verzögert wird und die Wehrvorlage erst Ende Juni Gesetzeskraft erlangen kamt. Der Heeresverwaltung ist aber daran ge­legen, die Vorlage bis Anfang Juni verabschiedet zu sehen, damit die für den 1. Oktober 1913 geplanten Neueinstelluii- gen zu diesem Termine auch geschaffen werden können. Namentlich wegen der Neuordnung des Ersatzgeschäftes ist die baldige Erledigung der Vorlage notwendig. Der Aus­schuß wird sich bereits in der nächsten Woche mit dieser Anregung beschäftigen. Wahrscheinlich wird der Wunsch der Regierung Erfüllung finden, damit auch das Plenum des Reichstags sich mit der Wehrvorlage bald nach dem Widderzusammeutritt beschäftigen kann.

Was tric D e ck uugsvorlagen anbetrifft, so sind in hen Besprechungen die einzelnen Wünsche der Fraktionen betreffs der einzelnen Steuerprojekte eingehend besprochen worden, jo daß die Regierung die Stimmung der Fraktionen genauer flennt1. Die Fraktionen werden sich beim Zusammen­tritt des Plenums nochmals mit den Deckungsvorlagen auf ®runb der in den Pfüigstbesprechungen erzielten Ergebnisse beschäftigen, da der Ausschuß mit der Beratung der Steuer­vorlagen erst nach dem 26. Mai beginnen wird. Die Re­gierung scheint auch nicht ab,geneigt zu jein, eine Treu«» \\ !l 11 9 .?re.y D e chun g s v o r s ch l äg e vorzunehmen und sich zunächst mit der Verabschiedung des W e h r b e i t r a g s zufrieden zu geben, die Beratung der übrigen Deckun gsgesetze aber auf den .Herbst zu ver- s ch te bett , zumal der Reichstag im «Juni kaum Zeit finden py^fte, alle Vorlagen zu verabschieden. Irgendwelche Be­schlüsse liegen hier nicht vor, doch herrscht der Wunsch vor, die Wehrvorlage mit der Vorlage über den Wehrbeitrag bis zuiu Regierungsjubiläum verabschiedet zu sehen.

Ob das Plenum des Reichstags sich bald nach dem Wiederzufarnrnentritt am 26. d. M. vertagen wird, stebt

Beste J^gsqueiie ur FNien! ReellesGewich

verbandstag der Hirsch-Duncker'schen Gewettvereine.

X Berlin, 13. Mai.

Heute begannen die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine ihren 18. Verbandstag. Reichstagsabg. Wein hausen (Berlin) er­stattete den ersten Bericht überDas Koalitionsrecht -der Staats­arbeiter". Der Redner führte aus, daß neben der Masse der sogenannten freien Arbeiter das Heer der Staatsarbeiter mar­schiere, das sich von den Privatarbeitern wesentlich unterscheide. Als Arbeitgeber kommen hier das Reich, der Staat und die großen Stadtgemeinden in Betracht. Deren Arbeiter haben eine ge­sichertere Existenz als jene anderer Betriebe, weil ihre Arbeitgeber weniger der Konjunktur unterworfen sind und daher von der Konkurrenz unabhängiger sind. Die Arbeits- und sonstigen Ver­hältnisse dieser Arbeiter sind geregelt. Allerdings sehen die Leiter der Staatsbetriebe etwas ängstlich auf die Privatbetriebe hin aus Besorgnis, daß die Privatindustrie über die staatliche Konkurrenz klage. Das Arbeiterideal des Staatsarbeiters ist eine Art Beamten­ideal, der Staatsarbeiter sucht seine Stellung zu festigen, indem er sich dem Beamtenideal immer mehr zu nähern sucht. Das Koa­litionsrecht der Staatsarbeiter ist auch für diese ein unbedingt erwünschtes Recht. Gerade weil sie auf die Mitarbeit der Parla­mente angewiesen sind, müssen sie auch dafür sorgen, daß i(yre Stimme gehört wird, und deshalb müßten sie sich auch organi­sieren und Zusammenschließen. Die Zahl der organisierten Staats­arbeiter beträgt zusammen rund 272000, die Gesamtzahl der Staatsarbeiter aber 629 000. Unter den Staatsarbeitern sind mehr als 57 Prozent noch nicht organisiert. Die Organisation der Staatsarbeiter stößt auf große Schwierigkeiten. Die Staatsarbeiter haben freies Bersammlungs- und Vcreinsrccht, wenn sie aber davon Gebrauch machen wollen, äußern die Behörden allerlei Bedenken und verlangen, daß die Arbeiter nur in staatserhaltende Organisationen eintreten. Nachdem aber eine bestimmte Ab­grenzung für das Wortstaatserhaltend" unmöglich ist, verbieten die Behörden häufig auch das Kritisieren und Raisonnicren, wie die Vorgänge im Militärverband in München bciuiejeit l>aben. Infolge des Fehlens einer Fühlung zwischen den Leitern der Staatsbetriebe und den Arbeitern entstellen zahlreiche Mißver­ständnisse, da sich der Arbeiter meist, etwas dörber ausübenden pflegt als der Diplomat. In fast allen Staatsbetrieben herrscht noch immer eine gewisse Abneigung gegen die Organisation an fick, die man mit Mißtrauen betrachtet und das WortStreik" gilt vielen hohen Staatsbeamten heute noch als eine Art Re­volution. Nun ist usugeben, daß es Betriebe gibt, in welchen im Interesse der vaterläiidischen Sicherheit verlangt toerb-en muß, daß der Arbeiter sein Privatwohl hinter das öffentliche Wohl zurück- stellt: das wird aber nicht allein vom Arbeiter verlangt. Es muß zwischen gemeinnötigen und anderen Staatsbetrieben unter­schieden werden. In den ersteren verlangt es die Rücksicht auf das allgemeine Wohl, daß die Arbeiter auf die gemeinsame Ar­beitsniederlegung verzichten. Dafür müssen dem Arbeitern ent­sprechende Werte gegeben werden in Form von Mästen, nicht von Wohltaten. (Lebh^ Beifall.) Der Redner ging dann auf die verschiedenen Forderungen ein, die int Reichstag an die Staats­verwaltung gestellt wurden, so bezüglich der Tarifverträge, der Arbeiterausschi'ifse, der Bezahlung der Wochenfeiertage, Gewährung von Erholungsurlaub usw.

Nach einer lebhaften Aussprache wurde eine entsprechende Entschließung angenommen.

Das folgende Thema: Das Rechtsverhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern behandelte Gleichauf (Berlin;. Der Redner legte eine Reihe von Leitsätzen vor, in denen es u. a. heißt:

In allen Betrieben der Großindustrie hat das Arbeitsrecht eine Betriebs Vertretung vorzu sehen, die sich anpaßt großen, mittleren und kleineren Betrieben. Eine solche Betriebs- Vertretung besteht aus der Vertretung der Werkleitung, der Ange­stellten und der Arbeiter. Diese Betriebsvertretung hat mftzm sprechen: über die Grundsätze, nach denen Angestellte und Arbeiter angestellt und entlassen werden dürfest: über Gehalts- und Lohnfragen der Angestellten und Ar­beiter: über die Arbeitszeit, besonders über Nacht und Sonntagsarbeitszeit: über Urian Verteilung; übet Fest stelluug, Anwendung nab Verwendung von Ordnungs­strafen; über alle vorhandenem U n t e r st ü tz u n g s e i n r i ch - fungeit; über Beschwerden der Angestellten und Ar­beiter."

Zm Anschluß an den Vortrag Gleichaufs kam es zst einem Zwischenfall.

Der Vertreter des Reichsamts des Innern, Geh. Regierungsrat Siefart wendete sich gegen।eine Aenßernng des Vortragendem, daß die Regierung einen Unterschied in der Behandlung der Ar beitnehmer und Arbeitgeber mache, und befreidmctc diese als m a ß- l o s e Ucbertrcibung und ungerechten Vorwurf. Ebenso verwahrte er sich gegen die Behauptung, daß in Deutschland nicht das Recht, sondern das Faustrecht herrsche und daß bei Streiks Polizei und Militär sich in den Dienst der Unternehmer stellten, während die Regierung nichts tue, um die Sage der Ar beiter zu verbessern. Der Vertreter des Reichs« mts des Innern sprach die Erwartung aus, daß der Vorsitzende diese Angriffe rügen würde, widrigenfalls er selbst den Ver Handlungen nicht länger würde beiwohnen und audi seinem Chef nicht empfehlen könnte, einen Vertreter zu den Beratungett zu entsenden.

Der Vorsitzcnrde Hartmann erklärte, keine Veranlassung zu haben, den Vortragenden znrechtzuweisen; in der Versamm lang habe feder das Recht, frei von der Leber weg zu sprechen, und seine Meinung zu äußern.

Darauf verließen die Regierungs vertret er den Saal.

Eine Entschließung, die Gleichauf vorgelegt hatte, wurde nach einer Aussprache angenommen.

lieberArbeitsnachweis und Arbeitslosen Versicherung" sprach der Verbandsabgeordnete Schumacher (Berlin!. Seine Aus­führungen gipfelten in nachstehender lEntschließung:

Der 18. Verbandstag der deutschen Gewerlvereiite fordert eine periodische Zählung de r Arbeitslosen durch das Reich; ferner erklärt er, daß die Unterstützung der Arbeits losen in erster Linie eine Aufgabe der Arbeiterberussvereine sei. Die. Gemeinden sollten es aber für ihre Pstich: halten, den ansässigen Arbeitslosen nackt einjähriger Ortsangehärigkeit einen Zuschuß M der Organisationsunterslützung zu zahlen. Dieser Zuschuß 'könnte in derselben Höhe den unorgamfierten Arbeits losen als Unterstützung gezahlt werden. Derselbe soll nicht als Armenunterstützung gelten. Weiter fordert der Verbandstag die gesetzliche Regelung des Arbeitsnachweises. Die Gemeinden von 10 000 und mehr Einwohnern sind zu verpstichten, äff ent liche Arbeitsnachweise einzurichten; kleinere Gemeinden können zu diesem Zweck zatsaiumengelegt werden. Dieser öffentliche Arbeitsnachweis ist völlig unbarteiifdji zu verwalten. Wo die Leitung paritätisch ans Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu sammengesetzt ist, sind Vertreter aller am Orte bestehenden 'Organisationen hinzuznziehen. Alle Arbeitslosen haben sich aus dem Arbeitsnachweis zu melden, desgleichen muß jebe: offene Stelle sofort mit geteilt werden. Auf Grund nach auswärts nach gewiesener Stellen hat die Eisenbahn gegen Vorlegung der Bescheinigungen über erfolgte Arbeitsvermittlung die Arbeitslosen für den Preis der Militär- laorrarten pn ine Station des neuen Arbeitsortes zu fahren.

Die Tätigkeit des ober der Arbeitsvermittler ist durch ein i Gefolges. Im Residenzschloß werden die Gäste Wohnung Regulativ zu regeln: letzteres darf keine Bestimmungen enthalten, nehmen. Um 1/28 Uhr fand große Galatafel wonach die Arbeitslosen keine andere Arbeit annehmen dürfen, schlosse statt. Der Großherzog und der Prinzr

lieber die deursch-sranzöskscheverftan^gungskonferenz

wird aus Bern ausführlich berichtet:

Tie deutsch-französische Verstäudiguugskonferenz wurde am Sonntag vormittag in der Aula der Berner Universität durch den Vorsitzenden des einbernfenden Ausschusses, Na­tionalrat Grimm, eröffnet. Den AusgangspunA der Kön- ferenz bildeten, erklärte er, die Rüstungsvorlagen in Deutsch­land und Frankreich, Ziel der Konferenz die Anbahnung einer friedlichen Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in der Frage des Wettrüstens. Weitere Be- grüfungsansprachen hielten Gotbat, Direktor des internatio­nalen Friedensbureaus, der sozialdemokratische Nationalrat Greulich, und im Namen der stadtbernischen Behörden der sozialdemokratische Nationalrat M u e l l e r. Im Namen der französischen Abordnung dankte der Senator D'Est0urnel les de C 0 n st an t, Vorsitzender der parla­mentarischen Schiedsgerichtsgruppe Frankreichs, für die Einberufung der Konferenz; im Namen der deutschen Abordnung sprach Reichstagsabgeordneter Bebel und wünschte der Konferenz gutes Gelingen. Nach ihm sprach kurz Reichstagsabgeordneter Haußmann, worauf die Sitzung zur Bestellung des Bureaus abgebrochen wurde. Schriftlich oder telegraphisch haben sich entschuldigt die Reichstagsabbeordneten Dr. v. Liszt, Friedrich v. Payer, Müller-Meiningen, Generalmajor Häusler, Südekum. Tie nationalliberale Gruppe des Reichstags erklärte in einem Schreiben, daß sie dem Bestreben nach einer deutsch-französischen Annäherung durchaus sympathisch gegcnüberstehe. Sympathielundgebungen liegen weiter vor von der parlamentarischen Arbeiterpartei Großbritanniens, der Wiener Friedensgesellschaft u. a.

Auf Ö Uhr abends war eine Vollversammlung der Konferenz angesetzt, nachdem nachmittags Sitzungen der nationalen Ausschüsse getagt hatten. Tie Vollversamm­lung könnte indes erst um 7 Uhr eröffnet werden und bildete zugleich die letzte Versammlung der Konferenz. Tas mit D'Estournelles de Constant und Haase-Berlin als Präsi­denten gebildete Bureau könnte mitteilen, daß sich die natio­nalen Ausschüsse auf eine Kundgebung geeinigt haben, um deren einstimmige Annahme ohne Aussprache' das Bureau ersuche. Tie Kundgebung lautet:

Die erste Konferenz der deutschen und französischen Parlamen­tarier, versammelt zu Bern am 11. Mai 1913, wendet sich mit aller Entschlossenheit gegen die verwerflichen chauvini - st i s ch e u Hetzereien jeder Art und gegen die sträflichen Treibereien, die auf bewen Seiten der Grenze den gesunden. Sinn uno bic_ Liebe der Völker zum Vaterland irreznführen drohen. Sie weiß und verkündet, daß die beiden Völker in ihrer Ungeheuern Mehrheit den Frieden,wollen. Sie verpflichtet sich, unverzüglich daran zu arbeiten, daß Mißverständnisse zerstreut und Konflikte vermieden werden. _ Sie dankt von 5)erzen der vom Volk erwählten Vertretung E l s a ß - L 0 t h v i n g e n s , daß sie mit ihren lwch- herzigen Erklärungen die Annäherung beider Länder zu einer werklräftigen Gemeinschaft erleichtert hat. Sie lädt ihre Mit­glieder dringend ein,'auf die Regierungen der Großmächte hin- zulvirken, daß sie eine Beschränkung der Ausgaben für Heer und Flotte herbeiführen. Die Konferenz tritt warm ein für den Dom Staatssekretär der Vereinigten Staaten, Bryan, in der Schiedsgerichtsfrage gemachten Vorschlag. Sie fordert demgemäß, daß Konflikte, die zwischen beiden Staaten entstehen könnten, und die auf diplomatischem Wege nicht zu schlichten sein sollten, dem Haager Schiedsgericht unterbreitet werden. Sie zählt auf ihre Mitglieder, daß sie in diesem Sinne eine tatkräftige und nachhaltige Wirksamkeit entfalten werden. Sie ist überzeugt, daß die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich auch die Verständigung zwischen den (tzroßmächtegruppeu erleichtern und damit die Grundlage für einen dauernden Frieden schaffen lvird. Sie beschließt, daß ihr Präsidium sich als st ä n b i g e s K 0 m i t e c konstituiert, mit dem Recht zur beiderseitigen Kooption. Sie gibt dem Komitee zugleich den Auftrag, neue Konferenzen periodisch oder je nach den Umständen unverzüglich einzuberusen.

Diese Kundgebuttg wurde einstimmig und mit begeister­ten Rufen: pour la paix, pour la sohdarite internationale von der Konferenz angenommen. Damit war die erste deutsch-französische Verständi-gungslönferenz beendet. Nach der endgültigen Feststellung haben 33 deutsche NeichstagS- abgeordnete, davon 10 bürgerliche, und 164 Abgeordnete der französischen Kammer, sowie 21 französische Senatoren an der Konferenz teilgenommcu.

Edelweiss

(it5rirkun$ '

Morgen vormittag 10 Uhr wird sich der Prinzregent mit dem Großherzvg und dem Gefolge nach Offenbach begeben, um die technischen Lehranstalten dortselbst zu be- sichtigeu.

Ludwigshafen, 13. Mai. Nach Der Begrüßung im festlich geschmückten Stadthaussaale, wo der Prinzregent eine Reihe Ordensauszeichnungen persönlich verteilte, sand eine Nheinfahrt statt zur Besichtigung der Hasenanlagen. Eine ungeheure Menschenmenge, die auf dem Rheinufer wie auf den am Ufer liegenden Schilfen Ausstellung genommen statte, brachte den Herrschaften lebhafte Kunogeoungen dar. Unter Böller­schüssen und den Klängen der Miusittapellet: ging die Fahrt auf. deut FestjchiffKaiserin Friedrich", welches von einer flnzostl dicht besetzter Boote begleitet war, zunächst stromaufwärts und dann sttomabwärts zur Landungsstelle zurück. Stad) einer Besichtigung des Betriebes der Ludwigshafener Walzmühle erfolgte um 12 Uhr 30 Minuten unter Böllerschüssen und Glockengeläut die Abfahrt vom Bahnhof nach Speyer. Nach ihrer Ankunft in Speyer begaben sich die Herrschaften in das Regierungspräsidialgebäude, um beim Regierungspräsident das Frühstück eintzunelMen. Der Prinzregent überreichte dem Regierungspräsidenten ein Hand­schreiben, in dem er den Pfälzern für die herzliche Ausnahme, die Beweise der Liebe, Treue uitö Anhänglichkeit feinen herzlichen Dank ausfp-richt. Vom Regierungsgebäude folgte sodann die Fahrt zum Bahnhof, von wo um 3,08 Uhr die Fahrt nach Darm­stadt angetreten wurde.

Prinz Karl von Rumänien beim Kenig von Ztaiien.

Rom, 12. Mai. Heute abend fand zu Estren des Prinzen Carl von Rumänien Hoftafel statt, an der u. a. Würdenttägern der MinisterpÄisidettt und der! Minister des Aenßern teilnahnrcn. Der König brachte folgenden Trinkspruch aus:

Königliche 5)oheit! Mit lebhaftem Vergnügen begrüße ich Ew. Königliche Hoheit als Gast Italiens und meinen Gast in Rom, aus dem die edle rumänische Nation ihren ruhmreichen Ursprung genommen, von dem sie ihr charakteristisches Gepräge und ihre hohe Mission der Zioilisatioil empfangen hat. Se. Majestät König Carl, welcher die Geschicke Rumäniens mit so hoher Weisheit feitet, bereitete mir durch den Besuch Ew. Königl. Hoheit eine große Freude, entsprechend den engen Banden des Gefühl u'.ld des Interesses, welche beide Völler vereinen und an denen sich die Politik beider Regierungen begeistert. Mit diesen Gefühlen erhebe ich das Glas auf Se. Majestät den König Carl, auf Ihre Majestät die Königin, die ganze königliche Familie und trinfe auf die Wohlfahrt Rumäniens!

Prinz Carl enviderte:

Sire! Jiief bewegt durch die freundlichen Wotte Eiv. Majestät bitte ich Sie, meinen ehrerbietigsten Dank für den so wohl­wollenden Empfang entgegensuncfymen, den Ew. Majestät mir zu bereiten geruhte. Ich werde mich beeilen, meinem geliebten Oheim die so schmeichelhaften Worte Ew. Majestät zu übermitteln und werde ihm von den unzähligen Aufmerksamkeiten berichten, mit denen mich Ew. Majestät zu "überhäufen beliebte, und ebenso von den Gefühlen Ew. Majestät, die so voller Freundschaft für Rumänien sind. Ich wüßte nicht hinreichend auszudrücken, wie mein Herz von Dankbarkeit für Ew. Majestät erfüllt ist. Die Zeichen hohen Wohlwollens und äußerster Güte, die Ew. Majestät gegeben haben, werden niemals aus meinem Gedächtnis verwiesen. Mein erster Besuch in diesem wundervollen Lande wird mir die angenehmste Erinnerung meiner Jugend bleiben. Durchdrungen von den Gefühlen treuer Anhänglichkeit an Ew. Majestät, bitte ich Cw. Majestät mir zu gestatten, mein Glas zu erheben auf Ew. Majestät kostbare Gemudheit, ebenso auf die Gesundheit der Königin und der ganzen königlichen Familie, sowie Em. Majestät gleichzeitig der unwandelbaren Freundschaft zu versichern, toeld>e der König, mein Oheim, für Ew. Majestät hegt. Es leben die Majestäten, es lebe Italien!

Ter König verlieh dem P rin zett Carl von Rumänien den Annunziatenorden.