Ausgabe 
14.1.1913 Drittes Blatt
 
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Hagen.' '(Unruhe urt Ztr.)' Die christlichen Arbeiterführer sind sa jetzt in einer ungemütlichen Situation. Was die Siebe des Staatssekretärs für die christlichen Gewerkschaften wert ist, das Laben Sie ja letzten Sonnabend im preußischen Landtag und dem Munde des preußischen Handelsministers gehört. Machen die Christlich-Sozialen mit ihren Forderungen Ernst, dann fliegen sie auf die Straße. Das ist dis Liebeserklärung. Ja, wenn sie Verräter sind zugunsten des Unternehmers gegen ihre Klassengenossen, dann häuft der Staatssekretär Lorbeer auf Lorbeer auf sie. (Lärm beim Ztr. Der Redner apostrophiert unter dem Beifall seiner Freunde dem Zentrumsabg. Coßmann.) Die bischoflst Deklamation der Eneyklika ist das Narkottum, das bei d^r Operation die Schmerzen mildert. Ich traue aber den katholischen Arbeitern das Verständnis zu, daß sie sich fragen, für wen die Eneyklika ist. Die katholischen Unternehmer, bte können nach der Eneyklika ruhig mit den Evangelischen, den Jüdischen, ja selbst mit den Freimaurern zusammen gegen die Arbeiter vergehen.

Tie liberale Preste hat geglaubt, daß bte letzte Rede des Staatssekretä's Delbrück eineVerbeugung vor dem Zen. trum gewesen sei und eine Empfehlung für die Nachfolge im Reichskanzleramt. Wer aber die Stellung der Regie­rung zur Arbeiterbewegung kennt, dem mußte diese Rede als ganz selbstverständlich erscheinen. Peinlich wäre die Situation für den Staatssekretär wohl nur geworden, wenn der Papst eine Ency° klika gegen die Unternehmer erlassen hätte. Aber das brauchte er nicht zu befürchten. Für bie Nichtbesitzenben hat man nur bie Bettelsuppen der christlichen Charitas. Die katholische Kirche "?ht uberaO auf feiten bec Ausbeuter. Wie So­zialdemokraten treiben Arbeiterpolitik um der Arbeiter willen. Deshalb begrüßen wir jede Organisation, die die Interessen der Arbeiter vertritt. Wir können warten, denn unser Reich ist nicht von heute, (Lebhafter Beifall bei den Soz.)

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Es lag nicht mehr in meiner Absicht, heute auf die Ausfüh­rungen des Vorredners im einzelnen einzugehen; ich hielt es sür richtig, darauf erst zu erwidern, wenn auch die anderen Parteien zu Worte gekommen sind. Ich möchte nur eins feststellen: Der Abgeordnete Fischer hat in seinen Ausführungen ein Votum, daS ich in meiner Eigenschaft als preußischer Staatsminister an das preußische Staatsministerium gerichtet habe, als Material benutzt, das nur durch einen groben Vertrauens bruch (Sehr richtig rechts, Unruhe und Lärm links) in seine Hände gelangt sein kann. Ich kann nur sagen, daß ich mich dagegen verwahren muß, baß Material, das in dieser Weise in die Hände des Reichs­tags gelangt ist, gegen die Regierung vertoendet wirb. Daß ich mich verwahren muß, liegt in Ihrem unb auch in unserem Interesse. Mit Rücksicht auf bie Achtung, bie wir vor Ihnen haben, unb wie Sie, wie wir hoffen, auch für uns haben. Wenn Sie das Material in dieser Weise beschaffen (Tie weiteren Worte des Staatssekretärs gehen in der brausenden Zu­stimmung der Rechten und der stürmischen Unruhe der Sozialdemo- kraten verloren.)^

Abg. Fischer (Soz.):'

Die Aeußerulig des Staatssekretärs befremdet mich gar nicht. Der Vorwurf des Vertrauensbruchs trifft mich nicht. Ich weiß nicht von wem ich das Material habe (Lachen rechts), ich habe auch nichts dazu getan, es zu bekommen. Der Staatssekretär hätte recht mit seiner Verwahrung, tvenn sie nicht von einer Seite käme, die jährlich Tausende und Zehntausende benutzt, um solchen Ver- IcauenSbruch zu begehen. Wir können im Reichstage ebenso da­gegen Verwahrung einlegen, daß sie eine Geheimpolizei unb auB unseren Steuern Elemente besoldet, die in unseren eigenen Räu­men desVorwärts" solchen Mißbrauch treiben. Es ist deshalb von unser r Seite kein Mißbrauch, wenn von dort eine solche nichtswürdige Praxis nicht verurteilt wird. Sie werden deshalb entschuldigen, wenn ich nicht viel Wert auf Vie heutige Verwahrung lege. (Unruhe rechts, Beifall bei den Soz.),

Präsident Kaempf:

Sie dürfen gegen die Negierung nicht den Vorwurf erheben, daß sie eine nichtswürdige Praxis betreibt.

Dienstag 1 Uhr: Kurze Anfragen, Weiterberatung.

ßchluß gegen 6 Uhr.

Gedenket der hungernden Vögel!

Aur Stadt und Land«

Gießen, 14. Januar 1913.

** Ausz e ich uuiiflcn beim preußischen Ordens- s c ft. Es erhielten den Roten Adbi Orden 2. Klasse mit Eichen­laub die Generalmajoren Noel de ch e n, Kommandeur der Hess. .Fcldartilleriebrigade, F r a n t c, Kommandeur der 2. Hess. Ju- jauteric-Brigadc, unb von Rand n w, Kommandant von Darm­stadt; den Roten Adlcrorden 4. Klasse den ^aupt eu.cn Lcsz ner int 5. Hess. Infanterie-Regiment Ar. 168, K rüg von Nidda und von Liens er im Groß!.. Hess. Artilleriekorps, 1. Hess. Feldartillerie-Regiment Nr. 25, Oberstabsarzt Dr. Binder, Regimentsarzt des Leib-Dragoner,Regts. (2. Hess.) Nr. 24, Stabs­veterinär Dr. Jacob beim Leib-Trag.-Regt. <2. Hess.) Nr. 24, die Kriegsgerichtsräte B u x m ann und Dr. Heß bei der Hess.

Division; den Kronenorden S. Klasse Oberstleutnant z. D. Frei­herr Treulich von Buttlar-Braudenfels, Komman­deur des Landwehrbezirks II Darmstadt; den Kronenorden 4..Kl. Zeughauptmann Lempen beim Artilleriedevot in Mainz, dem Ober-Militär Intendantur-Sekretär Buggisch bei der Imen- bantur ber hessischen Division, den Oberzahlmeistern Block beim Inf.-Regt. Prinz Karl (4. Hess ) Nr. 118 unb Klein beimVcib- garbc-Jnf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115; das Kreuz des Allg. Ehren­zeichens; das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber der Vizewacht- meifter Mehring im Garde-Drag.-Regt. (1. Hess.) Nr. 23, bie Garbe-Sergeanten Knodt, Roth in ber Hess. Gardc-Unteroff.- Kornp., Unterzahlmeister Rein eck im Inf.-Regt. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118, Garn.-Verwalter Unterinsp. Frick, zugeteilt bem Garbe,Trag.-Regt. (1. Hess.) Nr. 23, Unterzahlmeister Lenz im Garbe-Trag.-Regt. (1. Hess.) Nr. 23, Sanitäts^Vizefelbwebel Horn im Leibgarde-Inf.-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, Sanitätsseldw. Schwinn am 2. Hess. Felbart.-Regt. Nr. 61, Feldwebel Krauß im Inf.-Regt. Prinz Karl <4. Hess.) Nr. 118, WachtmeisterD ecken- b a ch, Vizewachtmeister Koch im Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, Vizewachtmeister Kluska im 2. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61, die Unterzahlmeister Etling im Leib- gardc-Inf.-Negt. (1. Hess.) Nr. 115, 23 eit ft ein im 5. Hess. Inf.-Regt Nr. 168, Feldwebel Vogel im Inf.-Regt. Prinz Karl (4/ Hess.) Nr. 118.

** Der Konzertverein eröffnet die zweite Reibe seiner winterlichen Konzerte am Sonntag, 19 Januar, in der Aula mit einem K ü n st l e r a b e n d, ber vielen eine freubi>c Ueberraichitng bringen wird. In letzter Stunde ift ein Künstler gewonnen Worten, der bei unseren Musikfrennben von früher her in lieber Ermne» nng unb ungeteilter (Äunft fleht.Wenn man sich einen Pianisten vorstellt*, so äußerte stch jüngst ber Kritikei des WienerMer'ur" über ihn,ber bie Vorzüge aller anbcren lebenben Klavierspieler in sich nfleitt vereint, ober besser gesaut, bem keinerlei s bwache Seiten seiner Knnst nachaetvirfen merben können, betten kolossale Technik nicht burdt geringeres musikalisches 2lnsbriicksvermögen gleichsam wettgemacht wirb, besten Anschlag so singend ist, baß man meinen sollte, er müsse bie Force dieses Mannes bilden, besten Oktaven- und Terzenleichtigkeit so oder irdischen Plangelhastigkeit bar sind, daß mau wetten wollte, seine Kantilene könne nicht ebenso gepflegt fein, kurz, wenn man sich einen Virtuosen denkt, von dem fein üerr Kritiker, ja nicht einmal ein .Kollege sagen könnte, was er steh bester vollendeter wünschte, so hätte man mit ast dem feine abstrafte Idealfigur, fein theoretisches Phantom, sondern ein höchst lebent>e§, sogar Konzerte gebendes Wesen gezeichnet': nämlich Wilhelm Backhaus." Der Künstler fehu von einer Amerifareise zurück, auf welcher _ er die größten vianistiseben Triumphe der letzten Jahre erzielte. Die dortige Presse Hat ihn als den müßten Pianinen gefeiert, der in neuerer Zeit bem amerikanischen Publikum erschienen ist. Sie schätzt in ihm vor allem einen Künstler, ber an die Seele rührt, und sagte bei seinem Weggange:Hier ist einmal em Künstler, den man nur schweren Herzens wie einen lieb gewordenen Freund scheiden sieht." Auch anderwärts erfreut sich Backhaus gleicher Beliebtheit, wie ans bem Bericht der RigaerRundschau" vom 14. Dezember 1912 bervor- öeht, ber den Künstler alio begrüßt:Gestern gab es auch musikalisch ein unerwartetes Geschenk: einen Klavierabend von Wilhelm Backhaus 1 Ein Geschenk, das wie es sich für ein solches ziemt ohne alles geheime Mäkeln einzig mit aufrichtiger Erfrentheit entgegengenommen werden konnte." Auch für uns bedeutet das Auftreten des Künstlers eine musikalische Festgabe, da es nur einem Zufast zu verdanken ist, ihn für den 19. gewonnen zu Haben. Er war für diesen Tag bereits für Cambridge versagt, hat übe? zu gimften Gießens das donige Konzert abgesagt, wost'ir ihm sicherst b aste Musikfreunde zu Dank verbunden sind. Außer Herrn Backhaus wird eine jugendliche Geigerin, Fräulein Evangeliue A n t h o u y aus Loudon mitwirken, die im vergangenen Jahre in Darmstadt berechtigtes Aufsehen erregt .hat. Tie Begleitung hat Herr Professor Trautmann in zuvorkommender Weise wieder übernomn'ien.

Landkreis Gießen.

Ettingshausen, 12. Jan. Gestern abend hielt der Gesangverein seine Ha u ptv er s a m in l un g ab. Für - den aus dein Vorstand ausgeschiedenen Darinhändler Johs. Opper IIP wurde Zimmermeister Heinrich Seipp I. gewählt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darm stadt, 12. Jan. Der 12anbe§verein vom Roten Kreuz hielt am Samstag nachmittag seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Ge° nerasteutnants z. D. Korwan ab. Zu Ehren der ver­storbenen Mitglieder Geh. Medizinalrat Dr. 9ceidbardt und Oberho'marschall v. Westerwester erhoben sich die Auweienden von den Silzen. Tie auSscheidendeu Vorstands- unb Aufsichtsrats- mitglieder Rittmeister Tiesieubach, Bürgermeister Müller und In­genieur "Müller wurden wieder, an Stelle von Westerwester wird Kammerherr v. Oettinger, für Kommerzienrat Hicklei "Minckterial- n.t Weber, für Ncidhardt Major "Maas neu gewählt. Auch der Vorsitzende Korivan wird durch Zuruf wieder gewählt. Tie Rech­nungen für 191011 wurden genehmigt. "Rach dem von dem Schatzmeister Hauptstaatsfassedirektor Dexheimer erstatteten RechniingLbericht haben sich die Einnahmen ans den Zweiovereinen nach dem neuen Voranschlag um Mf. 2600 erhöht. Tie Aus­gaben für die Sanitätsnu.nufchaften betragen "Mk. 2600, für bie Ausbildung der Pfleger innen M. 2500, für bie Ergänzung der Lagerbestände Mk. 0000, für Unterstützung von Invaliden Mark

Bei Nervosität (Neurasthenie) welches Kräftigungsmittel?

Dieser Frage müßte eigentlich die weitere iyrcige voraus-! gehen, ob es überhaupt Sinn hat, Neurasthenie, bei der1 es sich doch anscheinend mehr um Störungen rein seclisckfer Natur handelt, mit Nähr- und Kräftigungsmitteln beein­flussen zu wollen.

Neurasthenie heißt Nervenschwäche. Und zwar sind nicht nur ein paar Nerven schwach, sondern alle die unzähligen Nervenfäserchen und Nervenzellen, aus denen unser ganzes Nervensystem, mit Gehirn und Rückenmark sich zusammen setzt. Lediglich schwach, nicht ctlva^ zerstört oder in Un­ordnung geraten; beides würde unheilbare Geisteskrank­heit, Nervenlähmung zur Folge haben. Weshalb aber diese Schwäche?

Alle Teile des menschlichen Körpers, so auch Nerven­zellen uni) Fasern, müssen, um richtig funktionieren zu können, fortwährend Nahrung ausnehmen, sie verarbeiten,! und das Verbrauchte wieder avgeben. Aufnahme und Ab­gabe müssen sich die Wage halten. Sind die Einnahmen nicht genügend, oder die Ausgaben zu groß, so wird bald 1 aller Arbeitsstoff verbraucht. Die Leistung des betreffenden Teiles läßt nach, seine Kraft erlahmt. Die Neurasthenie beruht, wie wir jetzt wissen, auf solcher Störung im Stoff­wechsel der Nervensubstanzen, in ihremHaushalts- oder Bndgetgleick^ewicht."

Und zwar sind bei den Nervösen die Einnahmen ver­mindert. Bei Laien besteht allerdings meist d-ic entgegen­gesetzte Ansicht, wonach Nervöse Leute sind, deren Nerven sich infolge Ueberanstrengungverausgabt" haben. Man nennt die Neurasthenie die Kranklfeit der modernen Zeit, die in ihrer Hast immer höhere Anforderungen an das Nervensystem stellt und es vorzeitig erschöpft. Das trifft sicher teilweise zu, wenn auch nicht ausschließlich. Denn Neurasthenie gibt es, solange überhaupt Krankheiten und insbesondere 'erschöpfende, schwächende Krankheiten exi­stieren; solange der Mensch Hunger und Entbehrungen kennt. Wenn, wie kaum zu leugnen ist, unsere Zeit mehr|

Nervöse schafft, so sind die hohen Anstrengungen, die sie uns überhaupt zumutet, sicher nicht allein schuld. Denn nervcnmitnehmende Aufregungenftrieg, Pestilenz und böse Zeiten" boten frühere Jahrhunderte auch reichlich. An­gespannteste rastlose Nerventätigkeit, leisteten schon immer große Künstler, Gelehrte, Politiker, Feldherren und For­schungsreisende, ohne der Neurasthenie zu verfallen.

Es ist eben, wie wir wiederholen, diese Erkrankung eine Störung im Stoffwechselgleichgcwichr des Nervensystems. Dafür spricht auch, daß sie häufig im Gefolge aller zehren­den, das Körpergewicht herabsetzenden Leiden, so besonders aller Stoffwechsel und Berdauungstrankheiten auftritt. Magen- und Darmleidende werden schließlich alle mehr oder weniger nervös. Für den Arzt gilt es deshalb als Grundsatz, in jedem Falle von Neurasthenie auch den Er­nährungszustand zu beben. Dazu werden heutzutage zwcck- mäßig künstliche Nähr- und Kräftigungsmittel mit ver­wandt.

Mrn inöchte cs scheinen, als ob beim Neurastheniker gerade solche Mittel angebracht wären, die besonders Nerven ernähren können, lind eine eifrige Reklame empfiehlt dann auch in neuester Zeit Präparate, die sic alsKonzentrierte Nervennahrung" -bezeichnet, weil sie die angeblich wich­tigsten Bestandteile der Nerven enthalten. Aber die Wissenschaft kennt keine direkte Nerven- nahrung. Wie wäre es auch denkbar, ein so ungeheuer kompliziert, aus unendlich vielen, noch gänzlich unerforschten Stoffen zusammengesetztes Werk wie unser Nervensystem, erneuern, ernähren zu wollen, indem man ihm irgendeinen einzigen oder wenige seiner Bestandteile zuführl.

Es spielt aber für die Ernährung des tierischen wie auch des menschlichen Organismus bekanntlich das Eiweiß bezw. dessen Bausteine, die Hauptrolle. Deshalb werden auch die Eiweißkörper als Nährmittel für Nervöse von den Aerzten mit Vorliebe empfohlen. Besonders, wenn es sich um ein so reines und leicht verdauliches, weil bereits aufgeschlossenes Eiweiß handelt, wie es z. B. itt der Somatose gegeben ist.

Die Eiweißstoffe der Somatose sind schon auf eine höhere Berdauungsstufe übergeführt, so daß sie nicht, wie die üblichen Nährstoffe selbst, den ganzen Verdauungsprozeß

5000. Ter Voranschlag findet Genehmigung mit bem Rechte der gegenseitigen Ueberlragung einzelner Posten. Ten Jahresbericht erstattet ber Vorsitzende. Tie Zahl der Zweigvereine ist von 54 auf 59 gestiegen. Tie Zahl ber Schwestern ist auf 482 gestiegen, bie Zahl ber Helferinnen auf 153. lieber bie S a n i t ä t s f o l o n n en berichtet Generalarzt Tr. L i n b e m a n n, baß in Hessen jetzt 30 Kolonnen mit rund 1500 Mitgliedern bestehen. Neu würben solche im letzten Jahre m Ober-Ingelheim, Eberstadt und Erzhausen ge­gründet. Tie ständigen Rettungsmcmnschasten sind im letzten Jahre in 8 00 Fällen in Tätigfeit getreten. "An Jiwaliben-llnterstützungen wurden i. I. 1911 Mf. 1- 294, 1912 Alf. 11 200 ausbezahlt.

(ßcricbtsfaal.

w. Perlin, 13. Jan. Im Prozeß Sattler be­kundeten heute zwei Zeugen, sie hätten die Geschäfte Satt­lers für korrekt gehalten, da ihnen Rechtsanwalt Jaffe diese als korrekt 'bezeichnete. Der Vorsitzende' forderte daraufhin den "Rechtsanwalt Jaffe auf, die Ver­teidigung vorläufig niederzulegen, da er gleich nach der Pause als Zeuge vernommen werden solle.

Landwirtschaft.

* Wiesendüngung. In einer mittleren Ernte von etwa 30 Zentner (von 1 Morgen) Wiesenheu sind uiujcjäln 45 Pfd. Stick­stoff, 20 Pfund PhoSphvrfäure und 60 Pfund Kali enthalten Abgesehen vom Stickstoff, der wenigstens zum Teil aus der Lust entnommen wird und daher nur teilweise tbcr bei überwiegendem Vorhandensein von Klee- und Wickenarten gar nicht ersetzt zu werden braucht, sind zum Ersätze der entnommenen Nährstoffe 111/2 Zentner Thomasmehl und 45 Zentner Kainit'oder etwa li/2 Zentner lOprozeittiges Kalisalz notwendig. Bei größeren Ernten und da, wo die Wiese verbessert werden soll, ist dement­sprechend stärker zu düngen. Vor allem gebraucht die Wiese sehr viel Kali, waS noch vielfach, besonders auf nährstoffarmen Böden, nicht genügend beachtet wird. Ebenso ist auch eine Kalkdüngung alle paar Jahre auf den meisten Wiesen unerläßlich.__________

Sport.

Innsbruck, 13. Jan. Bei dem gestrigen Bobrennen in K i tz b u e h l um die M e i st e r s ch a f t T i r 0 l s stürzte der Bob Dr. R e t t i g s-München um. Tie Schwester Rettigs wurde schwer, die übrigen Fahrer leicht verletzt. Ter Bob eines Inns­brucker Herrn überfiihr zwei Knaben, einer erlitt einen Ober» schcnkelbruch.

Vermischter.

Große Wäsche in N 0 m. Italien gilt nicht gerade als Land der Reinlichkeit und seine Hauptstadt hat, in diesem Punkte nicht viel voraus, aber, waS Bett- und Leibwäsche anbelangt, ist der Römer peinlich sauber unb deswegen wird in Nom fleißig ge­waschen. Anders allerdings als in Teutschland, und die deutschen

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Hausfrauen würden mit dem Verfahren vielleicht nicht i mmer ein­verstanden fein. Wachstätte ift gewöhnlich der laufende Brunnen I (loutHiia) im £>ofe, bei bem sich zu diesem Zwecke ein mehr ober minder großes Steinbecken befinbet. Sie genügt, denn gekocht wirb bie Wäsche nicht. Zur großen Wäsche (bacato) wird zuerst durch Abkochen von Kohlenasche eine Art Lauge (lescivai her­gestellt, mit der man die zu reinigenben Geaen'iänbe bcbanbelL Tann werben diese in das Brunnenivasser getaucht und auf bem Rande des Beckens oder auch auf einem Brette mit der Faust ober, was ber Wäsche wenig bekömmlich ist, mit einem Steine ge­klopft. Schmierseife wird nur manchmal verwendet. Gemangelt wird die Wäsche nie, die Trehrolle ist unbekannt. Das Bügeln ober Plätten geschieht fast nie im Haufe, sondern wie bei uns in besonderen Plättinstituten, wo bie Plätterinnen (stiratrice) genau so hantieren, wie bei uns.

* Gefährliche Zeiten. Ein Fremder spazierte am letzten Sonntag abend nichtsahnend durch die Neuhauserstt'aße zu Münck-en. Plötzlich blieb er starr vor Schrecken stehen, gab seinem Begleiters einen Stoß in die Saite und wies auf eine lange Mcilschenmajse, die vom Bahnhof durchs Dor hereiuström te. Zitternd ob der cuieiieu Worte, horchte er:Ist der Landsturm schon mobil?" Der andere beruhigte ihn:Tas sind Schiläufer!"

* Kindermund. Ter vierjälMge Herbert fragt bei Tych: Mutter, wie ist das eigentlich mit dem Essen? Fällt das direkt in den Magen hinunter oder rodelt es hinunter?"

Getreidc-Wochcnbericht

b?T Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrals vom 7. bis 13. Januar 1913.

Tas seit einigen Tagen herrschende Frostwetter war bisher I nur im Westen und Süden des Reiches 'von Schneefällen begleitet, [ so daß Besorgnisse für die ohnehin schwach in den Winter gc- I fommenen Saaten bestehen. Auch sonst fehlte es in der Berichts- I woche nicht an befestigenden Anregungen. Die westeuropäischen I Verbraucher, die im Hinblick auf die große Welternte bisher nm I für den unmittelliarcn Bedarf gesorgt hatten, sahen sich in il)rer Erwartungen insofern enttäuscht, als bie unter günstigen Verhält- I nissen cingebrachte La Plata-Ernte noch keinerlei Truck auf die Preise ausgcübt hat. Vielmehr ist durch die in der letzten Wockie erzielte Einigung in der Kontraktfrage das Geschäft mit argen­tinischem Weizen leblwfter in Gang gekommen, wobei die Ex­porteure sich die Gelegenheit, höhere Preise durchzusetzen, nicht

48 664 772 655 47 54 71 759 H

228 379 565 78

20116 33 31 98 842 2 2228 3k 222 40 427 556 315 655 2 5065 1 698 813 952 21

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76172 442 73 i

80173 253 82473 gi3 47 , 68 8 4392 506 892 86043 84 197 468 523 58

89026 54 5,

80170 385

624 2- 905 921 626 66 1100] öl 208 25 99 524 X.

689 67O 798

3*8 476 771 800

I durchlaufen müssen. Der meist geschwächte Verdauungs» , apparat bei Nervösen braucht zu ihrer Verwertung deshalb ! viel weniger Arbeit, als wenn man ihm unverändertes j Eiweiß anbietet, wie es in den gewohnten Speisen (Fleisch, 1 Eier usw.) enthalten ist.

Dre Somatose besitzt außerdem noch die sehr wertttollc i Eigenschaft, die Absonderung der wichtigen Verdauungssästc zu verbessern und überhaupt den ganzen Verdauungs­apparat zu einer erhöhten, gewissermaßen neubelebten Tätigkeit anzuregen. Damit verbunden ist eine natürliche ! Wiedererweckung und Steigerung des Appetits, der als ! unentbehrliches Gewürz zu jedem Mahle gehört.

Mit den bisherigen Ausführungen soll freilich nicht i gesagt sein, daß Nervosität nichts weiter als eine bloße Er­nährungsstörung sei; ein enger Zusammenhang zwischen , beiden ist aber oft nachweisbar Tie auch vielen Laicn bekannte Tatsache, daß heftige seelische Erregungen, be- i sonders Verdruß und Aerger,sich auf den Magen schlagen", wie man landläufig zu sagen pflegt, bestätigt unsere These.

Wenn hier nun von der Somatose als von einem für Nervöse besonders geeigneten Stärkungs- und Kräftigunys- mittel gcsprock)en wird, so würde es nicht genügen, dies allein auf rein theoretische Behauptungen und Vermutungen : zu stützen Auch die Präzis, die immer noch das ausschlag- ! gebende Urteil spricht, hat den äußerst günstigen Einfluß der Somatose bei Nervösen vicltausendsach bestätigt. Wer die ausgezeichnete Wirkung dieses Mittels selbst einmal I erprobt hat, wird nicht unterlassen, bei allen Störungen imHaushaltsgleick>gewicht" der Nerven, die sich in vor- , gerückten Jahren besonders oft bemerkbar machen, immer wieder feine Zuflucht zur Somatose zu nehmen.

Man verlange die Somatose in der nächsten Apotheke oder Drogerie. Außer der bewährten Pulverform ist die neue flüssige Somatose durch ihre beqüeme Gebrauchsweise be­sonders praktisch und beliebt. Sie ttnrd in zwei Geschmacks­artensüß" (mit Himbeergeschmack) undherb" (mit Suppenkräutergeschmack) verkauft. Preis der Original- I flasche M. 2.50. ' C31/u.

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