Ausgabe 
11.7.1913 Erstes Blatt
 
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Wien, 10. Juli. Der Belgrader Korrespondent der Neuen Freien Presse" hotte eine Unterredung mit Pa--- schitsch, der zunächst erklärte, daß sich gegenwärtig kein einziger bulgarischer Soldat mehr auf serbi­schem Territorium und in den neueroberten Ge­bieten Gesinde. Wann und inwieweit Rumänien in den gegenwärtigen Krieg eingreifen werde, lasse sich heute nicht Voraussagen. Jedenfalls hänge dies von der nächsten Entwicklung der Kriegsoerhältnisse ab. Auf die Frage, in welcher Wers-e schließlich die Regelung der serbisch-bulga­rischen .Gegensätze zu erwarten sei, sagte Paschitsch, nachdem es zum Kriege gekommen und der Bündnisvertrag mit allen nachträglichen Konventionen gegenstandslos geworden sei, werde -der Frieden durch direkte Verhandlungen zwischen Serbien und Bulgarien hergestellt werden müssen. Jetzt sei es noch zu früh, vom Friedensschluß zu sprechen, es sei aber selbstverständlich, daß sich infolge der durch die Schuld Bulgariens verursachten Opfer an Gut und Blut auch die Ursprünglichen Grundlagen, auf welchen die Verständigung möglich gewesen wäre, verändert habe.

W. Belgrad, 10. Juli. Das Pressebureau meldet: Alle Angriffe der Bulgaren auf die serbisch-bulga­rische Grenze zwischen Zajetzar und Pirot sind voll­ständig abgeschlagen worden. Die Einnahme von Kujezevatz durch die Bulgaren war möglich, weil in der Stadt nur wenig Soldaten waren; als aber die Ver­stärkungen ankamen, - wurden die Bulgaren vollständig zurückgeschlagen. Es befindet sich jetzt kein bulgarischer Soldat mehr auf serbischem Boden.

Aus Rumänien.

London, 10. Juli. Reuter erfährt aus gut unter­richteten rumänischen Quellen, daß die Mobilmachung noch in dieser Woche durchgeführt sein lvird. Rumänien itnrnnt gegenüber f einet der kriegführenden Par­teien eine feindliche Haltung ein; es will aber keine Veränderung des Gl e i ch g e wi cht e s auf der Balkanhalbinsel zulassen, welche ihm selbst schaden könnte. Wenn Serbien ernstlich bedroht sein sollte, werde Rumänien -gezwungen sein, seine Truppen nach Bulgarien zu schicken; wenn dagegen Bulgarien bedroht sein sollte, werde Ru­mänien seinen Einfluß zugunsten Bulgariens ausüben. Außerdem will es sich eine strategisch vorteilhafte Grenze sichern zur Verteidigung seines Gebietes und um eine Revanchepolitik Bulgariens, falls etwa Rumänien ge­zwungen wäre, gegen Bulgarien vorzugehen, unmöglich oder wenigstens recht schwierig zu machen. Daher ist es wahrscheinlich, daß oie rumänischen Truppen bulgarisches Gebiet bis zu der Linie Turtukai (Tutarkan) an der Donau bis Baltschit am Schwarzen Meer besetzen wer­den, und daß der R e st s e i n e r Streikräfte zur Durch­führung seiner Politik, die Gefährdung des Gleichgewichts der 'Kräfte auf der Balkanhalbinsel durch eine Inter­vention zwischen den Kriegführenden zu ver- hind-eru, verwandt wird.

Wien, 10. Juli. Reich hier eingetr offenen Meldungen haben rumänische Truppen heute nachmittag 4 Uhr die bulgarische Grenze überschritten.

Bukarest, 10. Juli. Das Handelsministerium ver­öffentlicht folgende Mitteilung: Es liegt kein Grund vor für den Erlaß eines M o ra toviums , die Zahlungs­verpflichtungen der Mobilisierten werden jedoch hinaus­geschoben. Die Finanzlage des Landes ist derartig, daß sie allen zu erfüllenden Berpfliclstungen gewachsen ist, und dah-Anleihen nicht notwendig sind.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juli. Die.H o h e n z o l l e r n" Hütte eine sehr ruhige U aber fahrt. Die Temperatur ist winter­lich. öümcral v. Frentag hält heute vormittag seinen ersten Vortrag. An Bord ist alles wohl.

Hchchenfinow, 10. Juli. Der Reichskanzle r ,ist hier oft n getroffen.

jGaroelegen, 10. Juli. Bei der Reichstags­stichwahl im Wahlkreise Salzwedel-Gar del egen erhielt v. Kröcher (Kons.» 11100, Dr. Böhm (Bauernbund) 13803 Stimmen. Die Ergebnisse einiger kleiner Kreise stehen noch aus. Die Wahl Dr. Böhms gilt als sicher.

Freiburg i. Br., 10. Juli. Die Stadtverord­neten bewilligten heute 6 00 000 Mark für Kaser- nenbauten infolge der Verstärkung der Artillerie. Die Verzinsung ist auf 6»/0 bemessen. Weiter genehmigte die Versammlung die kostenfreie Hergabe des Geländes für eine Funkerkaserne.

Ausland.

Pisa, 10. Juli. Der König und die Königin sind von ihrer Reise nach Kiel und Stockholm wieder hier einge troffen.

London, 10. Juli. (Unterhaus.) Robert Harcourt (liberal) hatte angefragt, wie hoch Churchill zur Zeit seiner Erklärung im März die Zahl der österreichisch- ungarischen und der italienischen Dread­noughts annahm, welche in dem letzten Viertel des Jahres 1915 und in den ersten Dreivierteln des Jahtes 1916 fertig gestellt würden, ohne Rücksicht auf neuere Mel­dungen über weitere Bauten seitens Oesterreichs. Churchill erwiderte schriftlich, seiner Annahme liege das veröffent- lichte Programm zugrunde, das sechs italienische und vier österreichisch-ungarische Dreadnoughts aufführe.

Ceuta, 10. Juli. Gestern haben die Mauren die Spanier bei L a u r i e n t beschossen und einen Kor­poral sowie zwei Soldaten getötet. Die Spanier, die darauf einen Ausfall machten, wurden von einer großen Anzahi ?Rauren angegriffen. Schließlich sind die Mauren durch spanische Artillerie unter großen Verlusten zurück- getrieben worden. 15 Spanier sind kampfunfähig.

Peking, 10. Juli. Infolge der energischen Vorstellun­gen des russischen Gesandten, die durch Drohung militäri­scher Ztvcmgsmaßregeln unterstützt waren, hat China in vollem Maße alle von Rußland wegen der mannigfachen Drangsalierungen russischer Untertanen erhobenen Forderungen erfüllt und den Gouverneur von Tsitsi- kar abberufen. Die andern Schuldigen werden bestraft. Auf die energischen Vorstellungen des russischen Gesandten ist der Daotai' von Wang, dessen Teilnahme an dem Zwischen­fall von Tschira sich erwiesen hat, in den RuMtaud versetzt morden.

Paris, 10. Juli. Zu der Angelegenheit des Fremden­legionärs Hans Müller bringt derdRatin" eine offenbar auf Mitteilung des französischen Kriegsminisberrums be­ruhende Darstellung, wonach ein am 22t. Juli 1890 in Zürich geborener Hans M llller am 12. Septencher 1910 vom Kriegsgericht in Udschda wegen Desertion vor dem Feinde unh Verleitung mehrerer Kameraden zur Desertion auf Grund der Artikel 238 und 241 des Militär­strafgesetzbuches zum Tode verurteilt worden sei. Dieser Hans-Müller sei guch innerhaK, her vorschriftsmäßigen vier

UrteilsfälVung erschossen worden. Bon einer nirch den Präsidenten der Republik könne 'eine Rede gewesen sein, weil im Krieg und Fahnenflucht vor dem Feinde die Entschetz- düng des Kriegsgerichts unverzüglich vollstreckbar sei.

Au» Statt und Cattd«

Gießen, 11. Juli 1913.

* * Tageskalender für Freitag, 11. Juli. Alldeutscher Verband: Gerhart Hauptmanns Festspiel. Vortrag und Rezi­tation. Abends 8 Uhr in Steins Garten.

*

* Vom Großh. Hof. Die Großherzogin und die beiden Prinzen trafen am Donnerstag zum Besuche des Prinzenpaares Heinrich in Kiel ein.

* * Generalstabsreise. Nach den 1898 erlassenen neuen Bestimmungen über GeneralstabSreisen sollen alljähr­lich außer bei dem Großen Generalstabe bei zehn Armee­korps derartige Reisen stattfinden, davon bei einem ober zwei Korps eine Festungsgeneralstabsreise. Das 18. Armee­korps hat am 7. Juli eine Generalstabsreise angetreten, die in die bayerische Pfalz führt und bis zum 20. Juli dauert. Sie wird vom Korps-Generalstabschef, dem Württ. General­major v. Hofacker geleitet. Es nahmen daran teil: die Generalstabsoffiziere des ganzen Korpsbereiches und eine An­zahl aus dem Frontdienst dazu bestimmter Offiziere. Von unserem Regiment nehmen daran teil die Hauptleute Häb- ling von Lanzenauer und freiwillig Hauptmann ,Schwendy.

** Lehrerpersonalien, liebertragen wurde bent Schul­amtsaspiranten Martin Eisenhauer aus Brensbach eine Leh­rerstelle an der Gemeinbeschule zu Langstabt; dem Schulamtsaspi­ranten Heinrich Oßwald aus Lich, Kreis Gießen, eine Lehrer- telle an der Gemeindeschule zu Bad-Nauheim. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg auf die ertebigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rimhorn präsentierte Schul­amtsaspirant Friedrich K r a y e r aus Aspisheim für diese Stelle. ( < ** Eisenbahnpersonalien. Der Großherzvg hat den Regierungsbaumeister Wilhelm S ieb e n zu Saarbrücken zum Vov- tand eines Eisenbahnbetriebsamtes ;in der HessischPreußischen Eisenbahngemeinschaft ernannt.

** Auszahlung von Renten durch die Post. Die LandesversicherungsanstaltGroßh. Hessen" in Darmstadt bittet uns, ihre Rentenempfänger darauf aufmerksam zu machen, daß die zur Erhebung der Rente nötige Nummerkarte stets vom zuständigen Postamt auszufertigen ist einerlei, ob es sich um die -erstmalige ober die wiederholte Ausstellung einer solchen han­delt. Die Rentenempfänger tun jedenfalls gut daran, >venn sie die Nummerkarte nicht nur sorgfältig venoahren, sondern die Nummer ihrer Karte sich auch genau merken bezw. anderweit notieren, damit beim Verlust das zuständige Postamt nach An­gabe der Nummer die betreffende Stammkarte finden und die Erneuerung der Nummerkarte vornehmen kann.

*Blücher in Gießen", ein Festspiel von Ober­lehrer Dr. Strecker in Bad-Nauheim, soll im November im Stadttheater aufgeführt werden.

* * Der Todessturz im 3 irr tu §. Ein tollkühnes Sen­sationsstück im Zirkus Althoff ist der Sturz aus dem 6. Stock, das neueste und nervenerregendste Sck)ausp-iel, das auf artistischem Ge­biete geleistet wird und in den nächsten Tagen in dem hier gastieren­den großen Zirkus Althoff täglich feur Aufführung gelangt. Mi:. Gadbin II., ein junger Amerikaner, welcher diesen Sturz ausführt, vollführt nun diesen Todessturz schon seit beinahe vier Jahren, ohne dabei erhebliches (Unflatt Erlitten zu haben, außer einmal einen leichten Armbruch bei seinem ersten Auftreten in Deutschland während einer Borprobe. Den großartigen Sturz des Amerikaners muß man allerdings gesehen haben, um sich ein Urteil bilden zu können. Die Eröffnungs-B...stellung in Gießen findet am 14. Juli statt. Der Vorverkauf findet in den Zigarrengeschäften von Gustav Sonntag, Schulstraße, sowie in der Filiale, Seltersweg 58, zu Kassenpreisen statt. Das Unternehmen wird auf Oswaldsgarten Aufstellung nehmen.

* * (& an turn f oft. Bei dem am Sonntag und Montag in Frankenberg abgehaltenen Gauturnfeste erhielt der Turn­verein von 18 4 6 folgende Preise: Oberstufe: 2. Preis Karl Loos mit 139 Punkten, Unter stufe: 2. Preis Franz Sauer mit 1462,3 Punkten; 19. Preis Karl Gering 1352/s Punk­ten ; 28. Preis Wilh. Blum 129^ P.; 32. Preis Herrn. Neuser 1272/g P.; 59. Preis I. Hari Hausen 122 P.; 63. Preis Gg. Hösmann 1204/6 P.; 67. Preis W. Schwarz 119 5/G P.; 68. Preis H. Jckler 1192/3 P.; 85. Preis K. Horeyseck U54/ß P.; 87. Preis W. Schneider 115 P.; 89. Preis Friedrich Bellos 114y2 P. Die Musterriege erhielt die Notesehr gut" mit 5?3A P. bei 60 erreichbaren.

Wegen Meineides wurde gestern ein junges Mädchen von hier verhaftet, daS unter Eid mehrere Studenten beschuldigt hatte, sich an ihm vergangen zu haben. Es soll sich einwandssrei herausgestellt haben, daß die Beschuldigung unwahr ist; im Gegenteil soll festgestellt sein, daß das Mädchen sich den jungen Leuten angeboten hat.

* Wieder ein Gefangenentransport ohne Wagen. Gestern nachmittag wurde ein junger Kaufmann von hier, der Hochstapelei besckmldigt ist und nach der Schweiz entflohen war, gegen 3 Uhr vom Bahnhof gefesselt durch die Straßen unserer Stadt nach dem Gerichtsgebäude geführt. Da der Wagen offenbar noch nicht ausgebessert ist, konnte der Anblick des gefesselten Menschen der Bevölkerung wahrscheinlich nicht erspart werden.

Landkreis Gießen.

Steinbach, 9. Juli. Ein Kriegs v eteran von 1870/1871, Herr Krämer, wurde heute unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Der Krieger verein erwies ihm die letzte Ehre und gab am Grabe drei Ehrensalven ab. Ter (Gesangverein Ger­mania, dessen Mitbegründer und Ehrenmitglied der Verstorbene war, fang das Grablied.

-r. Reiskirchen, 10. Juli. Das Ortsnetz für unsere el ektri s che Leitung ist nahezu fertiggestellt und man hat bereits mit dem Legen der Hausanschlüsse begonnen. Es sind bis jetzt etwa 50 Häuser angemeldet. Nächstens soll die Fern­leitung sertiggestellt werden, so daß die Leitung spätestens 1. Sep­tember in Betrieb genommen werden kann.

Kreis Büdingen.

h. Büdingen, 10. Juli. Vor etlichen Tagen fuhr eine hiesige Frau mit ihrer fünfjährigen Tochter nach Geln- l)ausen und vvn da nach Offenbach. Seit dieser Zeit fehlt jede Nachricht von beiden.

s. Wallernhausen, 10. Juli. Unsere auf den ersten Sonntag im Juli fallende Kirch weihe mußte verschoben lucrben, weil frier vor einiger Zeit leichte Fälle von Scharlach vorgekommen waren. Von zwei hiesigen Wirten wollte der eine nun nächsten Sonntag und der andere acht Tage später Kirchweihe halten. Da eine Einigung nicht erreicht wurde, be­schloß die Gemeindevertretung, in diesem Jahre die Kirch wei he ganz ausfallen zu lassen.

Kreis Schotten.

Ulfa, 10. Juli. Am nächsten Samstag findet frier Gemeinderatswahl statt. Die aus scheidenden Gemeuche- ratsmitglieder Lenz, Stoll und Zimmer werden wieder kandidieren, doch werden auch andere Burger vorgeschlagen, die sich ganz be­sonders um unseren Marktflecken dadurch verdient gemacht haben, -daß sie die Errichtung eines Gestüts hier zustande brachten.

Tage nach der dymteSicdl 1 im Falle einer

r. Kreis Friedberg.

L. Friebber g, 9. Juli. Ter heutige Wochenmarkt toar archerordenttich stark beschickt. Nick)it nur die gewöhn­lichen Gemüse, auch schöne Gurken und Blumenkohl, das Stück 50 bis 70 Pfg., standen zum Verkauf; Kartvffelnj kosteten das Pfund 6 Pfg., Kemerbsen 20 Pfg. das Pfund, Johannisbeeren 20 Pfg., Walderdbeeren 30 Pfg., Himbeeren 40 Pfg., Heidelbeeren der Schoppen 20 Pfg. Eier sind auf- geschlagen, das Stück wird mit 9 Pfg. bezahlt. Kirschen das Pfund 50 Pfg. Käse das Stück 6 Pfg.

Fried der g, 10. Juli. Der Anzug unseres neuen Bataillons ist auf den 26. September festgesetzt.

r. Bad-Nauheim, 10. Juli. Mit großer Genugtuung wird es begrüßt, daß unsere Ortskrankenkasse nach einer Enii- scheidung des Ministeriums als besondere Ortskrankenkasse neben der Kreiskrankenkasse bestehen bleibt. Ein an das Oberversicherungsl- amt in dieser Sache gerichtetes Gesuch war abschlägig beschieden, doch ließ sich der Vorstand der Kasse durch diesen Bescheid nicht einschüchtern, sondern verfolgte die Sache bis in die höchste In­stanz, unt das Bestehen der Kasse, die über ein Vermögen von nahezu Fünfzigtausend Mark verfügt, zu sichern. Im heutigen vierten Sinfonie-Konzert brachte Professor Minder- stein dieSaftige Ouvertüre" von Felix Weingartner zum ersten- mal zur Aufführung. Die Musik, die Weingartner in diesem Werk bietet, wirkt durchweg heiter und frisch. Selbst einige Anläufe zum Dramatischen nimmt man gerne mit in den Kauf, da alles von einem überlegenen Aufbau des musikalischen Grundgedankens auS- geht. Geradezu entzückende Aufgaben haben die Flöten zu lösen, die gewissermaßen das heitere Element in dieser Tondichtung ver­treten. Die Neuheit wurde mit starkem einheitlichem Beifall des gut besetzten Saales aufgenontinen. Den Anfang des Programms bildete die Sinfonie Nr. 1 Bmiioll von Brahms, den Schluß machte die ungarische Rhapsodie Nr. 3 Dton Liszt. Zwischen diesen Num­mern spielte Herr Reyl, der sich unserem Saal-Konzert-Publi­kum zum erstenmal vorstellte, die Serenade Nr. 3 von R. Volk- ntann für Violoncello. Der turige Künstler errang sich durch sein ansprechendes Spiel lebhaften Beifall. Das Konzert stand unter Leitung von Prof. Wind er stein. In dem am nächsten Don­nerstag stattfindenden Künstler-Konzert wirken mit die Kon­zertsängerin Frau Wocke-Dowerk- Köln und Fräul. Irma S e y d e l, Violinvirtuosin aus Boston. Heute ist der langjährige treue Kurgast, der Afrikaforscher Reichskomimissar Carl Peters zu längerem Kuraufenthalt hier eingetroffen.

L. Bad-Nanheim, 10. Jnli. Ein Kranker stürzte sich gestern im hiesigen Kranken Hanse aus dem 1. Stock. Ohne eigentliche Verletzungen kam er zur Erde.

l. Rendel i. d. Wetterau, 10. Juli. Mit einem Ge­schäftsverlust von 4165 Mk. hat die hiesige Spar>- und Leihkasse abgeschlossen. Auch ist die Mitglieder- zahl vvn 135 auf 118 zurückgegangen. Der Gesamtumsatz der Kasse beträgt 830 370 Mk.

L. Ober-Rosbach, 10. Inti. Die Feld- und Wald­gemarkungen der beiden Gemeinden Rosbach waren seither vereinigt. Endlich ist es gelungen, wozu man schon einmal' vor 40 Jahren den Anfang machte, eine Trenmmg herbei- zuführen.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M_, 10. Juli. Eine schwere Gasexplo­sion ereignete sich in der Mädchenmittelschule in öcr Wilhelm- straße, die zurzeit ausgebessert wird. Bei dem Absuchen der Gasrohrleitungen kam der 19jährige Spengler Hch. Schröder aus dem Biergrund mit einer Lampe einer schadhaften Stelle zu nahe, das ausströmende Gas explodierte und der Spengler wurde durch die Stichflammen am Kopfe unö an den Händen erheblich verbrannt. Ter ihm bei der Arbeit behilflich gewesene Lehrling kam mit geringeren Verletzungen davon. Ter seit Montag vermißte 60jährige Privatier Christian Lindenberger aus dem Starken­burgring 1 wurde int Sachsenhäuser Walde erschossen aufgefunben. sDer Grund zur Tat bildet ein langjähriges Nervenleiden.

Hessen-Nassau.

w Frankfurt, 10. Juli. In der vergangenen Na3)t stürzte der ledige 36 Jahre alte Agent Konrady aus dem dritten Stockwerke seiner Wohnung auf den zementierten Hof herab. Hausbewohner ihn auffanden, gab er zwar noch schivache Lebenszeichen von sich, starb jedoch bald daraus in­folge eines Schädelbruches, den er bei dem Sturze davon­getragen hatte. Da sonst kein Grund zlt der Tat vorzuliegen scheint, nimmt man an, daß er an§ Unvorsichtigkeit aus dem Fenster gestürzt ist.

h. Frankfurt«. M., 10. Juli. Ter neue dbahn - Hof. Innerhalb dreier Monate wurde heute ein zweiter neuer Bahnhof Großfrankfurts, der Südbahnhvf, eingeweiht unö dem Betriebe übergeben. In knapp 16 Monaten wurde öcr technisch sehr schwierige Bau des Bahnhofs unter einem Kosten- auswande von 2 500 000 Mk. ausgeführt. Seine 'Inbetriebnahme bebautet aber nicht nur für den Hauptbahnhof eine Entlastung, sondern auch für den Fernverkehr von Nord- und Süddeutsch» land eine wesentliche Verbesserung, indem nach Fertigstellung der llmgehungsbahn bei Elm die Züge ohne weiteres von Hanau über Franffurt-Ost nach Frankfurt-Süd geführt werden und vmt biet nach Darmstadt, Mainz usw. Für den Frankfurter Fernverkehr wird demnach der neue Bahnhof eine außerordentlich wichtig« Rolle spielen, die der des Hauptbafrnfross wenig nachsteht.

fr. Frankfurt a. M 10. Juli. Im Bahnpostamt versuchte heute nachmittag ein stellenloser Kaufmann einem Lehrling einen Tausendmarkschein zu entreißen. Ter junge« Mann wehrte sich aber tapfer, so daß der Bursche zu fliehen versuchte. Er wurde von Postbeamten festgenommen.

fc. Wallmerod, 10. Juli. Der älteste Veteran Nassaus, August Müller, der den Feldzug gegen Däne­mark 1848/49 im nassauischen Kontingent mitgemacht hat, ist, 87 Jahre alt, hier gestorben.

w. Fulba, 10. Juli. Auf Wunsch des Kardinal^Fürst- bischofs Dr. v. Kopp findet die preußische Bischofs- konferenz erst am 19. August statt.

Universitäts-Nachrichtei».

Der ordentliche Professor der semitischen Philologie an der Universität Straßburg i. E., Dr. Phil. Enno Litt mann, hat den Ruf nach Bonn als Nachfolger des verstorbenen Geh. Rats. Prof. Prym angenommen. Prof. Littmann ist am 16. September 1875 zu Oldenburg geboren.

Der Vertreter der Religionsgeschichte und Religions­philosophie in der Berliner theologischen Fakultät Dr. theol. et Phil. Edvard Lehm ann hat einen Ruf nach Lund (Schweden) erhalten und angenommen. Prof. Leh­mann ist 1862 zu Kopenhagen geboren.

Aus Frankfurt a. M. wird uns gemeldet: Ende des Sommersemefters wird von der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M. unter Führung von Dozenten der Technik und der Volkswirtschaftslehre eine zwölstägige Exkursion in das rbeinisch-westfälisch? Industriege­biet sowie nach Holland und Belgien unternommen werden, bet der zahlreiche Fabrikbetriebe, ferner die Urstalsperre sowie die Hasenaplagen von Duisburg-Ruhrort, Amsterdam und Rotter­dam besichtigt werden sollen. Den Mschluß wird der Besuch der Weltausstellung in Gent bilden.

Sport-

23 i 6m a r 10. Juli. Verspätet cingegangen.) Am ver­gangenen Sonntag feierte der Radfahrcr-Vereinöermania" zu Wißmar, Mitglied des D. R.-B, sein lOjähriges Sttftungs- fetz« verbunden mit SLandartenweihe. Das Fest verlies in jeder