Hr. 264 Erster Blatt 163. Jahrgang Montag, 10. November sys3
M Gießener Anzeiger ■
General-Anzeiger für Oberhesfen ßWZ
bis vormittags s Uhr^ HotatiortsörMd und Verl«? dtt SrStzl'sche« u«i».-vsch- ui» Steiitntfctei 8. lange. Heöaftion, Lrpkdition und Druckerei: Schulftrah- 7. H? B-ck.
Die heutige Nummer umfafct 12 Seiten.
Der sozialpolitische Anstatt.
Es ist wohl Zufall, hat aber seine symbolische Bedeutung, daß der nun bald beginnende Reichstag sich nach den vergangenen Wchrdcbatten, den Erörterungen nationaler, militärischer und auswärtiger Politik endlich auch einmal wieder der Sozialpolitik zuwendct. Schon gleich am Zweiten Tage wird voraussichtlich die Anfrage über die A r- beitslosigkeit verhandelt werden. Und wenn die Regierung mit den bürgerlichen Parteien des „sozialpolitischen Blocks" auch gewiß nicht dem Beschlüsse des Jenaer Sozial- demokratentagcs — durch eine sozialistische (Gesellschaftsordnung die Arbeitslosigkeit zu beseitigen! — bcitrctcn wird, weil unseren heutigen Arbeitslosen damit nicht im mindesten gedient wäre, so wird man doch gerne bereit sein, zu beraten und zu beschließen, was sich für die Arbeitslosen des Winters 1913/14 tun läßt.
Die Milliarden, die für Straßcnbautcn, Bahnbauten, Festungsbauten, städtische Parkanlagen, Wasserregulierungen ausgegeben werden müssen, können, wenn das Wetter nicht allzu schlecht wird, zu einem beträchtlichen Teile denen zufließen, die durch den Winter aus ihrer gewöhnlichen Arbeit gerissen werden. Man hat doch auch nachgerade in den amt- ltcheuB recnis disponi ren ge erntttnd man versieht sbesser als früher, die Nachfrage nach Wintcrarbeit dem Angebot der sozialen Not anzugleichen. Vielleicht versäumt man aud) nicht, die Vergebung der bewilligten militärischen Neubauten vor allem so einzurichten, daß der herrschenden Arbeitslosigkeit entgegengewirkt wird. Schon gibt es in Berlin mehr als 50000 Arbeitslose und auch die andern deutschen Großstädte haben bereits bedenkliche Ziffern angcmeldet.
Die eigentlich gesetzgeberische Frage, mit der sich, der Reichstag in diesem Winter befassen wird, ist eine einheitliche Regelung der Arbeitslosenversicherung wie man sie in England und Dänemark begonnen hat. Die englische Versicherung ist erst wenig mehr als ein Jahr alt: Arbeitgeber, Arbeiter und Staat zahlen Zwangsbciträge wie bet der Jnvaliditäts- und Altersversicherung; paritätische Arbeitsnachweise übernehmen die Ausführung unter Zuziehung der Gewerkschaften; einbezogen sind bisher die Bau- und Hafenarbeiter, die Maschinenbauer und Metallarbeiter. Ergebnisse oder irgendeine Uebersicht liegen noch nicht vor, und man kann der Regierung^keinen Vorwurf daraus machen, daß sie die Initiative zu einer Vorlage noch scheut. Das „Reichs-Arbeitsblatt" hat kürzlich die st ä d t i s ch c n Einrichtungen zur Arbeitsloscnfürsorge, insbesondere die nach Genter Muster aufgebauten zusammengestellt, dabei aber die reine Arbeitslosenunterstützung, auch wenn sie unabhängig von der Armenverwaltung und unter Mitwirkung der Gewerkschaften (z. B. Mainz, München) erfolgt, nicht berücksichtigt. Diese Vorarbeit wird als erste Unterlage für die Reichstagsverhandlungen dienen können.
Die sozialpolitische Arbeit des Reichstags wird in diesem Winter außer der Arbeitslosenfürsorge au-ch der Frage eines einheitlichen Arbeitsrechts gewidmet sein.
Tie fortschrittliche Volkspartei hat auf ihrem vorjährigen Mannheimer Parteitag die Schaffung des einheitlichen Arbeitsrechts aefordert. Auch die anderen bürgerlichen Parteien sind dem Problem energisch zu Leibe gerückt. .Es sollen alle die heute in den verschiedensten Gesetzen verstreuten Bestimmungen in ein einheitliches allgemeines Arbeitsrecht für Arbeiter und Angestellte jeder Art zu- sammengefaßt werden. Man erinnert sich wohl auch noch, daß der Juristentag in Wien einstimmig die Forderung nach Schaffung eines einheitlichen Angestelltenrechts erhöhen hat. Dieses allgemeine deutsche soziale Arbeits- und Angesbellterecht her jZulüuft wird ein gewichtiger Faktor für den Ausgleich der wirtschaftlichen Gegensätze zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sein können. Namentlich wird in ihm die Frage der Tarifverträge, die ja heute eine immer größere Bedeutung gefunden haben, eine gesetzliche Regelung erfahren müssen. Notwendig erscheint dabei auch die Reform des Gesinderechts; wir haben int Deutschen Reich heute eine Unzahl von Gesindeordnungen, die in ihren Bestimmungen außerordentlich voneinander abweichen.
Wenn man aber diese Forderung nach Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechtes in praktische Gesetzesvorfchläge um setz en wird, darf damit nicht etwa der Kvmpf der Arbeiter gegen die Arbeitgeber organisiert werden, sondern der Gesetzgeber hat lediglich eine formelle Rechtsordnung zum Schutze der Abhängigen geschaffen. Denn nur ein solches Gesetz kann dem sozialen Frieden förderlich sein. Gewiß werden sich noch Berge von Schwierigkeiten auf- türmen, bis man die Formel gefunden hat, die den Interessen der Arbeitnehmer nützt und denen der Arbeitgeber nicht widerstreitet. Aber wenn der Wille nach Verständigung auf beiden Seiten vorhanden ist, so wird sich auch ein Weg eröffnen. Daß der Wille vorhanden und bereits' praktisch geschult ist, beweisen die Tarifverträge in den verschiedensten Arbeits- und Industriezweigen. Tie soziale Verständigung und das neue Arbeitsrecht wird nicht nur den speziellen Interessenten, Arbeitern und Arbeitgebern nützen, sondern auch sicherlich dem Allgemeinwohle dienen.
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Gegendie Einführung einer Arb eitslosen-Ver- s i ch e r u n g auf öffentlich-rechtlicher Grundlage hat in Hannover die Drbeitsnachweiskonfercnz der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbande Protest erhoben.
In der einstimmig angenommenen Entschließung heißt e5: Die Unternehmerschaft muß. nachdem soeben erst die Reichsversicherungsordnung und bas Reichsgesey über die Angesteltenversicherung ihr namhafte Opfer auferlegt haben, die Uebernahme weiterer, aus einer Arbeitslosenversicherung ihr zugemuteten Lasten ablehnen. Die Konferenz warnt vor den Folgen, „die ans einer Ueberspannung des Versicherungsgedankens und einer immer weiter gehenden Verminderung der Selbstverantwortlichkeit sich ergeben". Sie wendet sich gegen das sogenannte Genter System, weil dieses eine einseitige Stellungnahme zugunsten brr der Drbeitaeberschaft feindlichen Kampfgewerkfchasten der Arbeiter bedeute. Aus diesem Grunde sei die Stellungnahme der bayerischen Staatsregierung zu bedauern, die mehrfach diese Versicherungseinrichtungen empfohlen und gefördert habe.
Deutsche» Uerch.
Die Deutsche Mittel st andsvcreinigung hielt in der Neuen Philharmonie in Berlin eine Protest- Versammlung ab, die gegen das Kartell des Reichsdeutschen Mittclstandsverbandes mit dem Zentralverband deutscher Industrieller und dem Bund der Landwirte auf dem Dritten rcichsdeutschcn Mittelstandstagc in Leipzig im August dieses Jahres Stellung nahm.
Amundsens Vorträge in Flensburg.
Wie das Wolff-Bureau erfährt, gestattete der Regierungspräsident von Schleswig den Gebrauch der norwegischen Sprache bei einem vom Polarforscher Roald A m u n d - s e n in Flensburg geplanten Vortrag auf eine Anweisung des Ministers des Innern.
Einweihung eines Heims für den Jungdeutschlandbund.
Aus Breslau wird gemeldet: Am gestrigen Sonntag nachmittag fand die feierliche Einweihung des vom Kaiser gestifteten Erholungs- und Uebernachtungsheims für den Jungdeutschlandbund auf dem Fort Spitzberg der Festung Silberberg statt. Anwesend waren Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen und Gemahlin, der Oberpräsident der Provinz Schlesien v. Günther, Generalsäldmarschall Freiherr v. d. Goltz, General der Kavallerie z. D. Freiherr b. Bissing, General der Infanterie z. B. v. Woprsch, Vertreter der Militär» und Zivilbehörden und Breslaus Mitglieder des Präsidiums des Jungdeutschlandbundes. Nachdem der evangelische und katholische >Ortsgeistliche kurze Ansprachen gehalten hatten, in denen sie auf die Bedeutung der Feier hinwiesen, hielt General Freiherr von Seckendorfs als Vorsitzender des Provinzialverbandes der Provinz Schlesien des Jungdeutschlandbundes eine Ansprache, in der er dem Kaiser für seine hochherzige Stiftung dankte. Zum Schluß richtete Freiherr v. d. Goch einige Worte an die Jugend.
. HuslaitO.
Ein Spion agepr ozeß in Wien.
Am Samstag vormittag fand im Garnisonsgericht in Wien die Verhandlung statt gegen Oberleutnant Zodomil 3 an b ric, der wegen Spionage in Kriegszeilen an* geklagt ist. Aus das Verbrechen steht die Todesstrafe. Das Urteil wird erst nach obergerichtlicher Bestätigung bekanntgegeben.
Eine italienische Kreuzfahrt nach der Levante.
In einer Meldung aus Rom wird angekündigt: Die erste Division des zweiten Geschwaders, welche die Schlachtschiffe „Regina", „Elena", „Napoli" und den ,.Roman" umfaßt und unter dem Kommando des Herzogs der Abruzzen steht, wird eine Kreuzfahrt nach der ßeüantf’ unternehmen und während der Fahrt einige Uebungez ausführen. Die Division wird sich etwa am 16. November bei der Insel Rhodos befinden.
Kapitän Scotts letzte »riese.
„Scotts letzte Expedition" ist der schlickte Titel der beiden Bände, die nun, von Leonard Huxley herausg-egeben, in London bei Smith Elder erschienen sind und neben den wissenschaftlichen Berichten und Aufzeichnungen Scotts und seiner Gefährten einen erschütternden und doch zugleich erhebenden Einblick in eine große menschliche Tragödie gewähren, die in der Geschichte als ein Epos modernen Heldentums fortleben wird. Man kennt bereits in großen Umrissen die Einzelheiten des äußeren Geschehens, große Teile aus den Tagebüchern ScottS wurden veröffentlicht, aber sie wirken beinahe nur wie ein Vor klang zu dem, was diese neue Publikation bringt, denn sie enthält jenseits der sachlichen Berichte und Aufzeichnungen auch die bisher unbekannten persönlichen Aeußcrungen Scotts: die letzten Briefe, die er an seine Frau, feine Mutter und feine Freunde richtete, al? die furchtbare Gewißheit gekommen war, daß der Tod feine Hand auf die kleine Schar erschöpfter Männer gelegt hatte und sie nicht mehr freigeben würde.
Schweigend und tapfer hatten Scott und seine Gefährten die niederschmetternde Enttäuschung überwunden, die ihrer im Augenblick des höchsten Triumphes harrte, die Tatsache, daß die Norweger ihnen znrorgekommcn warm, aber noch ahnten sie nicht, daß sie diese Heimsuchung auch noch mit ilyrem Leben zu bezahlen haben würden. Tie endlose Kette von Mißgeschicken, die die Schar überfiel von dem Augenblicke an, da sie vom Pole aus wieder den Weg nach Norden erkämpfte, sind durch die Tagebücher bekannt; Anfang März ist es bereits so weit, daß der Glaube an eine Heimkehr aufgegeben werden muß, einen Augenblick taucht bei der Gewißheit der unvermeidlithen Katastrophe sogar der Gedanke auf, das Schicksal zu beschleunigen und freiwillig dem Tode cntgegcnzugehen, aber der Wille, den Kelch bis zur Neige zu leeren, ist stärker als "diese Anwandlung einer trostlosen Stunde, und ivenn sie schon sterben müssen, dann wollen sie alle mit ihrem Tode, „ihren Landsleuten ein Beispiel geben", und zeigen, daß Männer „Entbehrungen erdulden, einander helfen und den Tod mit nicht geringerer Festigkeit ertragen können als Menschen vergangener Zeitalter." Fast i|t es, als suchte Scott da- nicht mehr Vermeidliche zu einer Mission zu machen und während der letzten Tage, da die Kräfte dahinschwinden, die Leiden sich türmen und der letzte Funke Hoffnung endgültig begraben ist weilen seine Gedanken nicht mehr bei sich, sondern nut daheim bei alle jenen Menschen, die nun mit dem Tode ihrer Lieben einem Leben der Trauer entgegengehen. Er schreibt sogar "an die Menschen, die seinen Gefährten naheftelten, um ihnen Trost zu spenden. „Wenn dieser Brief Sie erreicht," schreibt er an Fra u Wilson, die Witwe seines Gefähtten Tr. Wilson, werden Bill und ick zusammen dahingegangen sein. Wir stehen diesem Augenblicke jetzt nahe gegenüber, und ich möchte Sie toiffen lassen, wie prachtvoll er bis zum Ende war — unerschöpflich fröhlich und bereit, lieb für andere zu opfern, nie fiel von ihm ein Wort des Vorwurfes für mich, unter dessen Führung tr in diese Not geriet. Er ist Gott fei Dank nicht,krank, wenigstens sind seine Leiden gering. Seine Äugen strahlen einen
blauen Hoffnungsschimmer, der uns ansrichtet, und sein Geist ist ruhig in dem Bewußtsein, sich selbst treu geblieben zu sein und seine Rolle in den Plänen des Allmächtigen erfüllt zu haben. Ich kann Ihnen feinen anderen Trost spenden, als Ihnen sagen, daß er starb, wie er lebte, als ein tapferer, ehrlicher Mann — al? der beste Kamerad und der standhafteste Freund. Mein ganzes Herz schlägt Ihnen in Mitgefühl entgegen."
Dann aber wendet sich Seott in einem letzten Briefe a n seinen Freund Sir I. M. Dcrrie, den Schriftsteller und Dramatiker, und die Schlichtheit, mit der er ihm seine letzten Sorgen enthüllt und anötrtraut, wirkt ergreifender als die lei- densckzaftlicksten Worte be§ vermöchten. „Wir sterben -- einem sehr unwittlichen Crt. Jtt der Hof nung. daß diese Bl.ief gefunden wird und in Deine Hände kommt, schreibe Uj xAr ein Llbschiedswort. Mein praktischer Wunsch ist, daß Tu meiner Witwe helfest, und meinem Jungen — Deinem Patensohn. Wir zeigen, daß Engländer noch tapfer sterben und es bis zum Ende durchkämpfen können . . . Ich glaube, das Land sollte jenen beistehen, die wir zurücklasscn. Ich hinterlasse mein armes Mädel und Deinen Patensohn. Wilson hinterläßt eine Witwe und auch Edgar Evans eine Witwe in bescheidenen Verhältnissen. Tue, was Tu kannst, um ihren Ansprüchen Geltung zu verschaffen. Leb wohl, ich habe keine Angst vor dem Ende, es tut nur weh, gar manche bescheidene Freude auszugeben, die ick mir auf unseren langen Märschen für die Zukunft ausgemalt hatte. Ich habe mich vielleicht nickt als ein großer Entdecker erwiesen, aber wir haben die größten Märsche gemackt, die je vollbracht wurden, und sind einem großen Erfolge sehr nahegekommen. Adieu, lieber Freund. Wir sind in einem verzweifelten Zustand, Füße erfroren usw. Keine Heizung und weit von jeder Nahrung, aber Deinem Herzen würde es wohl tun, wenn Tu in unser Zelt kommen könntest, um unsere Gesänge zu hören und unsere heiteren Gespräche . . . Später. Wir sind dem Ende sehr nahe, aber wir haben unseren guten Mut nicht verloren und wollen ihn bewahren. Vier Tage fang haben wir Sttirm in unserem Zelt und nirgends Nahrung oder Heizung. Wir wollten mit uns ein Ende machen, als die Tingc so lagen, aber wir haben beschlossen, auf unserem Wege eines natürlichen Todes zu sterben. Als ein sterbender Mann, lieber Freund: sei gut zu meiner Frau und meinem Kinde. Gib dem Jungen Gelegenheit, etwas im Leben zu leisten, falls der Staat das nicht tut. Es muß sicher ein guter Kern in ihm stecken ... Sn meinem Sieben begegnete ich nie einem Menschen, den ich mehr liebte und bewunderte als Dich, aber ich konnte Dir nie zeigen, wie viel mir Deine Freundschaft bedeutete, denn Tu hattest so viel zu geben und ich nichts."
In dem letzten Briefe an feine alte Mutter schreibt Seott: „Ter Allmächtige ruft mich zu sich und ich suhle, wie das einen neuen furchtbaren Schlag zu all jenen schweren Heimsuchungen fügt, die hinter Dir liegen und Dein Leben begleiteten. Mich tröstet nur der Gedanke, daß ich in Frieden mit der Well und mit mir und ohne Furcht sterbe." Und dieser Gedanke, das Gefühl, daß das traurige Ende int tieferen Sinne doch nicht nutzlos bleiben kann, ist die Ueberzeug^ng, an der Scott sich immer
wieder aufrichtet und die ihm auch .Kraft verleiht, in seinen letzten Driesen an seine Frau nicht mit dem Schicksal zu hadern. „Letzten Endes haben wir unser Leben für unser Vaterland hingegeben. Ich erleide keine Schmerzen,sondern verlasse die Welt in den Sielen and in voller Gesundheit und Kraft. Wir haben beschlossen, uns nicht zu töten, sondern eS bis zum letzten Ende durchzukärnpsen, bis zum letzten Versuch, jenes Depot zu erreichen, aber jetzt ist dieser Kampf schmerzlos zu Ende. Welche Menge von Dingen und Geschickten hätte ich Tir von dieser Reise erzählen können. Wieviel besser war e5, als daheim in zu großer Beguemlichkeit dahin zu leben. Wieviel Geschichten für den Jungen! Aber wie frxb ist der Preis, den wir zu zahlen haben." Jwmer wieder fcfjrtn seine Gedanken zu seinem kleinen Jungen daheim: „Versuche den Jungen, wenn eS geht, für Naturgesckichte zu interessieren: das ist besser als spielen; in einigen SckmleN fördert man das jetzt. Ich weiß, daß Du ihn in freier Lust aufziehen wirst. Vor allem muß er sich und Tu ihn vor Indolenz hüten. Mache ihn zu einem tatkräftigen Mann. Ick mußte mich dazu zwingen tatkräftig zu sein, Du weißt eS — ich hatte immer eine Neigung zur Lässigkeit." Und dann fügt der Sterbende hinzu! „Ich lege Dir hier ein Zipfel des Union Jack bei, den ich am Pol hißte, dazu die schwarze Flagge Amundsens und andere Kleinigkeiten." — Acht Monate später fand man die irdischen Hüllen Seotts und seiner Gefährten und unter seinen 'Schultern, auf seinem letzten Lager, seine Notizbücher und diese Briefe. Tie Faksirnilis seiner letzten Eintragungen in das Notizbuch zeigen noch eine feste klare Schrift, nur die letzte Zeile verrat, daß die Erschöpfung Herr über die Willenskraft zu werden beginnt. „Sorgt um des Himmels Willen für unsere Angehörigen," waren die letzten Worte, die er noch zu schreiben vermochte.
Tem literarischen Vermächtnis ScottS ist es beschieden gewesen, bereits am Tage der Veröffentlichung in der Klasse derartiger Werke den Rekord eines Buchcrfolges aufzustttlen. Tie beiden großen Bände, die rund 1000 Seiten umfassen und 42 Schilling kosten, waren in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren gedruckt: und schon am Abend des ersten Tages waren alle Exemplarevergriffen. Tie Verleger erklärten einem Mitarbeiter des Taily Mail, daß es einstweilen nur möglich sein werde, täglich ungefähr 500 Exemplare auszuliescrn, da die Buchbinderei nicht mehr-leisten könne. Tie Besteller müßten also für die nächste Zeit Nachsicht üben. Tas Werk erschien am gleichen Tage auch in Amerika, eine deutsche Uebersetzung wird in den nächsten Tagen erscheinen und llebertragungen ins Französische, Spanische, Holländische und Schwedische sind bereits in Arbeit.
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— Eine neue Operette Don Paul Lrncke. Aus' Chemnitz wird uns geschrieben: Paul Lincke, der so erfolgreiche Komponist von „Grigri", hat, wie schon telegraphisch berichte^ eine Operette „E a s a n o v a" schreiben wollen, aber es iit mehr eine Oper daraus geworden, eine Spieloper, die einen vollen, durchschlagenden Erfolg erzielte. Casanova, der Held uniehger Liebesabenteuer, sitzt als Gefangener im Fort St. Andree bet


