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9.4.1913 Zweites Blatt
 
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m. 82

Zweites Blatt

165. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieKiehener Zamrlienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..rlrelsblatt für den Kreis Giehsn" zweimal wöchentlich. TleLandwirtschaftlichen Zei!- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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General-Anzeiger für Oberheßen

Mittwoch, 9. April (9(3

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Blich- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redakti on:e^$$£l 12. Tel.-Adr.: AnzcigerÄreben.

Uns den Reichstagsausschüssen.

:: Berlin, 8. April.

Der Militär-Voranschlag im Biidgelausichuß.

'Ter Budgecausschuß begann heute die Beratung des Militär- Voranschlags. Ter Berichterstatter v o n P u t l i tz gab einen lieber» blick Aber die inr Voranschlag enthaltenen M e h r s o r d e r u n g c n, die man trennen müsse: in die Summen, die durch die im letzten Jahre beschlossene Heeresverstärlnng nötig geworden seien, weiter die, die die einfache Konsequenz dieser Beschlüsse bilden, und die neuen Mehrforderungen. Tie letzteren betragen ungefähr 7,6 Millionen Mark: es werde sich darum handeln, diese Forderungen besonders genau zu prüfen. Sie beziehen sich einmal auf die Er­höhung der Raufi'tterrationen im Betrage von 1,8 Millionen, aus verkehrstechnische Forderungen mit 3 Millionen mtb neue Stellen mit 3,8 Millionen Mark.

Beim Gehalts titel des Kriegsministers wünscht ein Zentrumsvertreter Erklärungen über den vielbesprochenen P ro­ses fall des Amtsrichters in Rybnick gegen den

Bez irksoffizi er Hauptmann Kam ml er, der im Urteil des Landgerichts in Ratibor als böswilliger Geistes- sckm-acher bezeichnet worden sei. Ter Kriegsminister ver­wies daraus, daß das Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Er werde deshalb sich nur teilweise über den Fall aussprechen können. Selbstverständlich würde die Militärverwaltung einen bösartiger geistesschwacher Offizier an dieser Stelle nicht länger belassen. Äber es liege keineswegs so, daß der Ausspruch des Gerichtsurteils mit Sieber beit den Tatsachen entspreche. Tenn die bisherige Untersuchung der Militärverwaltung habe keinerlei An­haltspunkte für die Richtigkeit dieser Behauptung ergeben. Haupt mann Kammler habe sich freiwillig fünf Wochen lang in der p s v ch o l o g i s ch e n Klinik in Breslau n u f g e h a l t e n, u n d d a s h i e r a u f g e f ä l lteUr teil sage, ) a ß die Untersuchung keine g e i st i g e n Defekte er­geben habe, die die Bezeichnung Schwachsinn oder- gar bösartiger Schwachsinn verdienen würde. Tas Urteil des Gerichts ft übe s i ch auf verschiedene Behauptungen, hie nicht in Üebcrcinftimmung mit den tatsächlichen Verhältnissen' stehen. So könne ins­besondere von häufigen und besonders strengen Bestrafungen durch Hauptmann Stammler keine Rede sein. Ausfallenderweise habe das Gericht nicht die dienstlichen Akten e i n g c f o r dert, bevor es ein Urteil über das dienstliche Verhalten des Offi­ziers gefällt habe. Hauptmann Stammler fei daher augenblicklich noch in dienstlichen Verhältnissen belassen, aber in Urlaub, bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen sei.

Von Vertretern der N a t i o n a l 1 i b e r al e n Partei und des Zentra m s werden tret, dieser Ausführungen Bedenken ge­äußert, ob dieser Offizier geeignet fei, gerade an 'der Stelle Tienst zu tun, wo der Verkehr mit Zivilisten im Mittelpunkt stehe. Es sollte mit bci'onbcrer Sorgfalt bei der Auswahl solcher Offiziere vorgegangen werden. Mit besonderer Schärfe griff ein Vertreter der Sozialdemokratie die Militärverwaltung an, von der es bekannt sei. daß sie regelmäßig Offiziere schüfe gegenüber dein Urteil bürgerlicher Gerichte, und der vorliegende Fall sei besonders kraß, da in dem Urteil auch als erwiesen angenommen sei, daß sowohl Hauptmann Stammler wie der Bezirkskommandeur wieder­holt die Unwahrheit gesagt haben. Tie Erklärung des Kriegs tninisters werde einen höchst peinlichen Eindruck Hervorrufen.

Ein fortschrittlicher Mgeordneter spricht dann auf Grund persönlicher Bekanntschaft sich) im wesentlichen zugunsten des angegriffenen Hauptmanns Stammler aus, der vor feinem Sturz vom Pferde allgenrein im Kreise seiner Kameraden und außerhalb sehr geschätzt gewesen und der auch nach diesem Unglücksfall zwar im Anfänge reizbar gewesen, aber kaum dienst unfähig wegen irgend eines geistigen Defekts geworden sei. Tas Urteil des Gerichts mache auch ihm einen eigen­tümlichen Eindruck, da das Gericht sich die notwendigen 11 n ter tagen nicht beschafft habe.

Ter Kr i e g s m i n i st e r betont, daß die Militärverwaltung bei der Auswahl der BezirlSoffiziere durchaus sorgfältig vorgehe. Sollte das Gerichtsverfahren endgültig ergeben, daß die Unwahr­haftigkeit der beiden genannten Offiziere nachgewiesen fei, so wäre es ganz selbstverständlich, daß, hieraus die schärfsten Kon st - auenzen gezogen würden: aber bis jetzt handele es sich bei diesen Behauptungen ausschließlich um unkontrollierbare Press en achruh- tcn. Er müsse sich also fein endgültiges Urteil Vorbehalten.

Im Anschluß an diesen Fall Stammler wurde

die all gemeine Stellung der Bezirksoffiziere sowie ihr Verhalten bei .K o n t r o l l v c r s a m m l u n g c n erörtert und darüber Klage geführt, daß es sich hier im wesentlichen um reine Versorgungsstellen bei höchst geringer Beschäftigung handele. Der Kriegsminister solle allen seinen Einfluß dahm aufbictcn, daß die Beschimpfung der Reservisten bet .Kontrollversammlungen am-

Darmstadt und der Flugsport.

Darmltadt, d. April.

Reben dem Bestreben Darmstadts, in künstlerischer Hinsicht vte erste Stadt Hessens zu sein, steht auch das Verlangen, tu sportlichen Dingen eine hervorragende Stellung tm lanbe et n zunehmen. Die Rähe von Frankfurt, Wiesbaden und Mannheim lassen es allerdings ausgeschlossen erscheinen, daß Darmstadt ie- maf* diesen Städten im Rennsport Konkurrenz machen wird. Auch der Radsport wird in Hessens Hauptstadt immer nur eine bescheidene Rolle spielen. Tie Freunde dieser Sportzweige werden allo nach wie vor außerhalb Darmstadts gehen müssen, wenn ne nach Objekten für ihre Begeisterung suchen. Der neue Golsklub wird auf das sportliche Leben bei Hauptstadt auch keinen großen Ein­fluß ausüben. ES ist ja wohl auch nur für einen kleinen und ganz ausgewählten Kreis bestimmt. .

Ist der Ehrgeiz Darmstadts tm Renn- und Radsport nur gering, so scheint es, als entwickle sich diese Stadt zu einem flugsportlichen Mittelpunkt, nicht nur für das Großherzogtum, sondern auch der ganzen Rhein- und Maingegend. A/te land­schaftlich so überaus günftige Lage der Stadt gestattet auch die Anlage großer Plätze für Flieger. Für die Entwicklung des Darmstädter Flugsportes ist es nicht allein von Bedeutung, datz die neue Webroorlage eine Militär-Fliegerstation hier ooriiebt; vor allem ist die Tätigkeit, die von privater Seite entfaltet wird, ausschlaggebend für das Interesse gemefen,J)G5 man jetzt dem Flugsport entgegenbringt. Ttese private Tätigkeit möge hier kurz erwähnt sein: .

Ausgehend von den Erfolgen derJla" in Frankfurt wurde 1909 ilt Darmstadt dieHessische Flugstudien-Gesellschaft" ge­gründet die aber im Gründungsjahr nur eine beschrankte Tätig­keit entfalten konnte. Ter Versuch, im Jahre 1910 cm Flug­fest -u veranstalten, mißlang. Erst im folgenden Jahre gluckte cv dem Überaus rührigen Verein, der seine Mitgliederzahl inzwischen stark erhöht hatte, daß Darmstadt dem Ersten Oberrheinischen Rundflug als Zwischenstation angegliedert wurde. Freckich kostete diese Auszeichnung dem Verein das nettf Summckten von o000 Mk., das erst durch eine Sammlung aufgebracht werden mußte Aber wohl ein seltenes Ereignis diese Sammlung ergab sogar noch einen Ueberschuß. . zz., . . .

Die Hessische Flugstudien-Gesellfchast batte durch diese Zwischenlandung erreicht, daß das Interesse der Masse an dem

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hört. Von anderer Seite wird auf die zweifellos in den letzten Jahren cingetrctcne Besserung verwiesen, auch das Ver­halten der Unteroffiziere aus den Kasernen- höfen sei im allgemeinen besser geworden. Ein Zentruinsmit- glied teilt mit, daß er als Verteidiger vor dein Kriegsgericht die allerbesten Erfahrungen gemacht habe und deshalb die ali­ck e m e i ii e n Angriffe gegen Kriegsgeri ch t ee nicht billigen könne, sowohl ivas die Schärfe der Strafe gegen höhere Offiziere wie die verständige Behandlung von Straffällen gegen gemeine Soldaten betrifft, könne er sich n r lobend äußern.

Es werden in der Erörterung weiter die Fälle, des F l ü g e l a d j u t a n t e n des Kaisers von S e n b e n sowie des bayerischen Oberst Hennings kurz berührt. Ter Kriegsminister erklärte zum Falle von Senden, ihm lägen die Akten noch nicht vor: was er bisher gehört habe, beziehe sich darauf, daß dieser Offizier keine Beleidigung gegen die betreffende Persön­lichkeit in dem Eisenbahncoupe aussprechen wollte, sondern daß sich der AusdruckSchweinerei" auf daS ganze Milieu bezogen habe. Eine Erörterung des Falles des £? b e t ft e n Henning s, der bekanntlich den Redakteur eines pfälzischen Blattes tätlich beleidigt hatte, lehnte der bayerische Militärvertreter aus ver- fassungsreckstlichen Gründen jede Erklärung ab: das gehöre vor den bayerischen Landtag.

Im Zusammenhang mit einem Fall in Württemberg, wo ein Soldat infolge falscher Behandlung gestorben sei, schnitt man wieder das Thema der S o l da t e n m i ß h a n d l n n g e n an, wobei von Zentrumsseite dem Bedauern darüber Ausdruck ge­geben wurde, daß speziell im letzten Jahre wieder eine Vermehrung dieser Fälle zu beobachten sei, nach dem erfreulichen Nachlassen in den vergangenen Jahren. Ter Kriegsminister be­streitet die Wiederzunahme und weist das durch Zahlen- material nach. Er versichert, daß die Verwaltung mit größter Energie vorgegangen sei, um die Zahl auf das denkbar niedrigste Maß herunterzubringen.

Tie Beratung wird morgen fortgesetzt.

Der WahlprHfnrigsansschnß verhandelte heute über eine grundsätzliche Frage, und zwar unter Zuziehung eines Regierungskommissars. E? handelt sich um die Entscheidung darüber, ob die in die Wählerliste ein­getragenen Wähler bei einer Nachwahl zur Ausübung des Wahlrechts auch bann berechtigt sinb, wenn sie i n z w i sch c n ihren Wohnsitz verlegt haben. Ter Ausschuß beschloß mit zwölf gegen zwei Stimmen, diese Frage, die aus Anlaß der Prüfung her Wahl des Abgeordneten b. Halem (Schweb > akut geworden ist, dem Plenum zur Entscheidung zu überlassen. Der Ausschuß für die Konkurrenzklausel der Handlungsgehilfen setzte heute die Beratung des Gesetzentwurfes in ihrer ersten Sitzung nach den Osterferien fort. Der £ 75 c des Handelsgesetz buch es wurde in die folgende Fassung gebracht:

Hat der Handlungsgehilfe für ven Fall, daß er die in der Vereinbarung übernommene Verpflichtung nicht erfüllt, eine Strafe versprochen, so kann der Prinzipal Ansprüche nur nach Maßgabe der Vorschriften des 8 340 des B. G. B. geltend machen., Tie Vorschriften des bürgerlichen Gesetzbuches über die Herabsetzung einer unverhältnismäßig hohen Vertragsstrafe bleiben unberührt."

preußische; Abgeordnetenhaus.

Berlin, 8. April.

ßum KapitelHöhere Lehranstalten" wurde heute die Bs- sprechung über allgemeine Schul- u nd Lehrer frag en fortgesetzt. Kultusminister v. Trott zu Solz stellte fest, daß sich die llcberfüllimg des Oberlehrerberufs 1912 besonders unangenehm (emerfbar gemacht habe, daß wir zurzeit 1550 anstellungsfähige .Kandidaten haben, von denen etwa 400 zur Anstellung kommen tonnen. Im nächsten Jahre werde sich die UebcrfüHung noch steigern. Das sind trübe Aussichten für die Anwärter. Man kann daher mit dem Minister nur wünschen, baß der Zudrang zu dem Beruf sich erheblich mindern möge. Tie gestern von dem ZentrnmSabgeordneten Heß ausgestellte Behauptung von der I m p a r i t ä t bei B e s e tz u n g der Stellen bezeichnet der Minister als durchaus unzutreffend, was das Zentrum aber höchst­wahrscheinlich nicht abhalten wird, dieses Steckenpferd weiter zu reiten.

Die Aussprache, der das Haus nicht gerade mit sonderlichem Interesse folgte, wurde schließlich durch einen Schlußantrag be­endigt, und es kam das nicht weniger mannigfaltige Kapitel Höhere Lehranstalten für ^>ie weibliche Jugend" an die Reihe. Der Abg. v. Goßler (Kons.) legte eine Lanze ein für die Privat sch ulen, gegen die die Gemeinden oft zu rigoros vorgehen, eine Meinung, der sich auch der Zentrninsabg. Tr. Kaufmann anschloß. Nachdenr sich dann 'noch die Abgeordneten F r o m m e (Natl.) und Ernst (Volkspck für die Weiterentwicklung

der höheren Mädchenschulen ausgesprochen hatten, vertagte sich das Haus.

*

Der Voranschlagsausschuß beriet _ das Eisenbahn- anleihegestz. lieber die für unsere Gegend besonders wichtigen Bahnen sei folgendes mitgeteilt:

Tie Nebenbahn H a i g e r G u st e r n h a i n wird von konser­vativer Seite mit dem Einwurf bekämpft, daß genügendes Inter­esse fair diese Bahn nicht vorhanden sei. Ter Ausschuß erklärte sich aber für den Bau. Weiter werden die Mittel für den Bau der Nebenbahn von Stockhausen nach B c i l st e i n bewilligt, ebenso die Kosten für den Bau eines dritten und vierten Gleises für die Linie Haiger Dillenburg. Die Kosten für den Bau von Verbinbungsbahneil bei Hanau-Ost und Gießen werden bewilligt.

Die hessischen Oberlehrer unö die resoMngsreform.

Ter Hessische Ober lehrerverein hat zur neuen Beamlenbesoldungsvorlage folgende Eingabe an das Groß- herzogliche Staarsmi nisteri nm und die beiden Kammern der L a n d st ä n d e gerichtet:

Wir bitten, endlich auch in Hessen, wie das fast in allen deutschen Bundesstaaten schon seit Jahren durchgeführt ist, die Oberlehrer in ihrenr Gehalt den richterlichen Beamten an den Amts­und Landgerichten, die. Direktoren der höheren Lehranstalten min­destens den Landgerichtsdirektoren gleick^ustellen.

Tiefe Bitte enthält eine von der gesamten Oberlehrerschaft Deutschlands schort seit Jahrzehnten vertretene grundsätzliche For­derung, bereit Vertretung der deutsche Oberlehrerstand als Ehrensa ch c ansieht.

Was die Gleichstellung der Oberlehrer mit den Amts- und Landrichtern betrifft, so beziehen wir uns im allgemeinen auf die Begründungen, die dafür in der Denkschrift des Verbandes akademisch gebildeter Lokalbeamten in Hessen über die neue Be- soloungsordnung vorgebracht sind.

Jml besonderen möchten wir nochmals darauf Hutweisen, daß die neue hessische Regierungsvorlage zwar eine Gleichstellung der Oberlehrer mit den Amts- r i ch t e r n , nicht aber mit den O b e r a m t s r i chte rn und Landrichtern vorsieht, und ausdrücklich be­tonen, daß wir und mit einer solchen teilweisen oder vielmehr nur scheinbaren Gleichstellung keineswegs zufrieden erklären können. In, den deulsck-en Bundesstaaten, in denen die Gleichstellung durchgeführt ist und das sind, wie gesagt, fast alle Bundesstaaten (Reich und Preußen. Sachsen, Württemberg, Bayern, Baden, Oldenburg, Braunschweig, Waldeck, Schaumburg-Lippe, Neuß j. und ä. Linie, Sck-warzburg-Sondershausen, Sachsen-Weimar, Hamburg, Lübeck), iiontutt es nicht vor, wie das nach der Vortage der Fall ifern würde, daß die Oberlehrer das Höchstgehalt der Oberamts- und Landrichter überhaupt nicht erreichen können. Wir bitten also unr­eine völlige Gleichstellung, d. h. um Gleichstellung der Ober­lehrer mit den Amts- und Landrickstern.

Eine solche ist nm' so mehr gerechtfertigt, als die Beförde­rung sm ö g l i chk ei t der Oberlehrer im Vergleich zu den Justizbeamten eine außerordentlich geringe ist. Selbst wenn die Gleichstellung nach unserer Bitte durchgeftihrl wäre, also die Oberamts- und Landrichterstellen nickst nie,'gehobene aufzufassen wären, was sie nach der Regierungsvorlage tatsäch­lich den unseren gegenüber sind, wäre die Beförderungsmöglich feit der Justizbeamten immer noch 2stimal so groß als die unsre. Außerdem fc-nnen die Justizbeamten in viel höhere Stellen vor- rüden als die Oberlehrer. In der Gehalisilasse 74, der höchsten, in der sich noch Beamte ans dem Oberlehrerstand besinden, sind 33 Justizbeamte, d. h. 14 Proz. von sämtlichen, dagegen nur 3 ehemalige Oberlehrer, d. h. 0,6 Proz. Also befinden sich in dieser Klasse über 20mal weniger Oberlehrer als Justiz­beamte. In den noch höheren Gehaltsklassen, in denen es feine ehemaligen Oberlehrer mehr gibt, befindet sich immer noch eine ganze Reihe Jnstizbeamten, nämlich 3 Proz.

Für die Direktoren der höheren Lehranstalten sind in der Regierungsvorlage drei Gehaltsklassen vorgesehene 1. Direktoren der Realschulen: 58007000 Mk.: 2. Tirettoren der Vollanstalien zu Laubach, Büdingen, Alsfeld und Heppenheim: 62007000 Mk.; 3. Direktoren der übrigen Vollanstalten: 6200 bis 7400 Mk.

Danach würde nicht einmal die höchste Klasse (3.) das Höchst' gehalt der Amts- und Landgerichtsdireltoren erreichen, für die 62007600 Mk. vorgesehen sind, und die übrigen Schuldirektoren würden nur die Höchstgehaltssätze der Oberamtsrichter und Land­richter erreichen. Die Oberamtsrichter würden sogar nod.n be­trächtlich besser gestellt sein, da sie eine Ticnstzulage von 300 Mark beziehen sollen. Ter Oberamtsrichter in Tannstadt II und die Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen in Darmstadt

Flugsport geweckt wurde. Dieses Interesse auch im Lause des Winters wachzuerhalten, war die Ausgabe einer Reihe von interessanten Vorträgen bekannter Flugsachleute.

Daß aber nur vereinte Kräfte stark machen, sahen auch die Leiter der Hessischen Flugstudien-Gesellschaft ein. Nachdem die Eintragung des Vereins vorgenommen war, konnte er im Herbst 1912 dem Deutschen Luftsahrer-Verbande beitreten. Auch sonst organisierte sich der Darmstädter Verein in größerem Stil.

Bereits im Februar 1912 trat der Mainzer Verein für Flug­wesen kjetzt Mainzer Verein für Luftfahrt an die Hessische Flug­studien-Gesellschaft mit dem Vorschläge heran, beide Vereine^zur Erhöhung ihres Einflusses im Luftfahrer-Berband und im Süd- westdeutschen Karteck zu einer Vereinigung zusammenzuschließen. Auch sollte versucht werden, den Großherzog zur Uebernahmc des Protektorats zu bewegen. Die Verbindung der beiden Vereine kam zustande. Und kurze Zeit darauf löste der Gießener Verein für Luftfahrt seine Verbindung mit Marburg und trat ebenfalls dem stunde bei. In Worms wurde dann auch ein Verein für Luftfahrt gegründet. Ter Großherzog übernahm nun über diese Vereinigung, die unter der BezeichnungGroßherzoglich Hessische Vereinigung für Luftfahrt" bekannt ist, das Protektorat. Ter Fürst entroarf selbst das Abzeichen, das er dem Bund verlieh.

Durch diese Neuorganisation und die Zugehörigkeit derGroß- lserzoglich Hessischen Vereinigung für Suftfaljrt" zum Deutschen Luftfahrerverbande war es möglich, im größeren Stile zu ar­beiten. d^och in lebhafter Erinnerung ist der außerordentliche Erfolg, dcn der Oberrheinijche Rundflug 1912 für Tannstadt bedeutete. Die (Siiiniiabmen an Eintrittsgeldern übertrafen alle Erwartungen. Staatliche, städtische und Militärbehörden stellten sich in den Dienst der neuen Hessischen Vereinigung. Damals landete auch ein Zeppelin-Luftschiff zum ersten Male in Darm­stadt.

An dem diesjährigen Rundflug wird sich weder Darmstadt iwch Mainz noch Frankfurt beteiligen. Dagegen wurde beim Kartell um Berücksichtigung des Gießener Vereins gebeten, was auch zugesagt wurde. «So wird Gießen, wie bereits mehrfach er­wähnt, am Pfingstsonntag eine Zwischenlandung erhalten und damit zum crftcnmall an einem Rundflug beteiligt fein.

Neben der Hessischen Flugstudien-Gesellschaft besteht in Darm­stadt noch ein Verein, der sichDarmstädter Flugsport-Bereini-

gung" nennt. Dieser Vereinigung gehören zum größten Teil jüngere Freunde des Flugsportes an, Studenten, Schüler höherer Lehranstalten uflv. Mit welcher Begeisterung sich unsere Jugend dem modmnsten Sport, der doch nicht ohne Gefahren ist, hin- gibt, geht daraus hervor, daß die Flugsport-Vereinigung andauernd Osteitversuche unternimmt. Unter Leitung eines Herrn stud Watzinger wurden auf der Wasserkuppe in der Röhn im vorigen Sommer solche Gleitversuche in größerem Maßstabe abgehalten. Darunter war ein Gleitflug von über 600 Meter Länge, also der größte, der bis heute in Deutschland ausgeführt wurde.

Um diese Versuche weiter auszubauen, u. a. auch unter Verwendung von Motoren, wandte sich die Flugsport-Vereinigung an die Flugstudien-Gesellschaft um Beihilfe. Tie Flugstudien- Gesellschaft erklärte sich bereit, finanzielle Unterstützung zu ge­währen. Sämtliche Mitglieder der Bereinigung traten nun der Studien-Gesellschaft als außerordentliche Mitglieder bei. Man wird nun einen besonderen Sportausschuß schaffen, und allmählich wird dann die Flugsport-Bereinigung in der Flugstudicn-Gesell- schaft aufgeben.

Ta in diesem Sommer, wie gesagt, Darmstadt sich nicht am Rundflug beteiligen wird, soll eine Ausstellung von Modellen und Gleitflugapparaten veranstaltet werden, zu der die Vor­arbeiten bereits im vollsten Gange sind.

Wesentlich andere Pläne sollet! tm Jahre 1914 verwirklicht werden. Wie bekannt, werden im nächsten Jahre in Darmstadt zrvei große Ausstellungen (eine Gewerbeausstellung und eineretro­spektive Ausstellung" im Ausstellungsgebäude^ stattfinden, zu der ein starker Zuzug erwartet wird. Die Hess. Flugstadien Gesellschaft trägt sich nun mit der Absicht, das Kartell zu veranlassen, Darmstadt beim Rtindfluge 1914 zu einer Etappe zu machen. Weiler sind in Gemeinschaft mit den anderen hessischen Vereinen große flug- sportliche Veranstaltungen beabsichtigt, deren Einzelheiten na­türlich noch nicht festliegen.

Berücksichtigt man noch, daß die Technische Hochschule einen eigenen Lehrstuhl für Flugtechnik errichtet bat, und daß weiter eine Opel-Stiftung für Versuche auf diesem Gebiete besteht, so darf man mit Recht sagen, daß für Darmstadt alle Aussicht vor- handelt ist, ein Zentralpunkt für das Flugwesen Südwestdeutsch- lands zu werden. B. 8.