Ausgabe 
9.4.1913 Erstes Blatt
 
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Wolter zur Vernehmung nach Straßburg bringen ?u müssen. An der Anstalt setzte man sich telephonisch mit her Staatsanwaltschaft in Verbindung. Daraufhin stellte es sich heraus, bafe die beiden Befreier einen Schwindel vorhatten. Die beiden Automobilisten entkamen. Schon vor einigen Wochen rar der Versuch g c m a d) t worden, Wolter aus dem Straßburger .Hospital zu befreien.

Letzte Nachrichten.

Neue Wirren in Marokko.

Paris, 9. April. Wie aus Casablanca gemeldet wird, versuchte der Prätendent Cl Hibn im gesamten Atlasaebiet Anhänger nm sich zu scharen, indem er aus den Märkten den Heiligen Krieg verkünden läßt. Der Käid der A n f l n s ist seinerseits bemüht, in der Gegend von Agadir eine Truppenabteiiung zu versainmeln. Nach einer Blättermeldung aus Tetua sollen die Kriids der Rif­stämme eine Abteilung aufgebracht haben, die Dank den Verstärkungen aus dem Innern an 20 000 Mann zählen soll. Die Truppe, die angeblich mit Mausergewchrcn ausgerüstet und mit reichlicher Munition versehen ist, plane einen nächtlichen Angriffauf Tetuan unb erforderlichen­falls eine Belagerung dieser Stadt. In Tetu.au liegen zwar über 7000 Mann spanischer Truppen, doch sei die Bevölkerung sehr beunruhigt, da sie befürchte, daß ein Teil der Eingeborenen im Augenblick eines Angriffs einen Aufstand anzetteln formte.

Versnrichtes.

Die Straßburger Schule des ö a n p t m a n it s von Köpenick.

Die Alarmierung der Straßburger Garnison durch den ehe- maliacn Iahlmeisteraspiranten Wolter sollte nicht der letzte Streich dieses in der Schule des Hauptmanns von Köpenick herausgebildeten Schwindlers sein. Gestern versuchten Freunde des in einer Irrenanstalt Untergebrachten, ihn mittels eines ge­fälschten Schreibens zn befreien, was ihnen aber doch nicht gelang. Ans S t r a ß b u r g , 9. ?lpril, wird uns gemeldet: In der Landes­irrenanstalt S t e p h a n s f e l d , wo der frühere Zahlmeister- aspirant Wolter wegen seiner Alarmierung der Straßburger Garnison zur Beobackchnng seines Geisteszustandes untergebracht ist, wurde der Versuch g cm a d) t, Wolle r z u b e fr eien. Ein Automobil fuhr vor der Anstalt vor, dem zwei Insassen ent­fliegen und ein gefälschtes Schreiben d er Straß­burger Staatsanwaltschaft vorwiesen. Sie gaben an.

Dtr Stallmannprozeß.

Berlin, ß. April.

Zu der heutigen Verhandlung war der Zeuge v. Dippe Wßchmals telegraphisch geladen ivorbcn, um Ansschl darüber üb geben, ob die Angabe des Angeklagten Niemela auf Wahrizeit beruhe, daß Dippe die Bekanntschaft zwischen Niemela und dem in diesem Prozeß mehrfad) genannten Falschspieler Tarliöre ver­mittelt habe. Der Zeuge Dippe tritt dieser Behauptung ent schieden entgegen. Staatsanwalt und Verteidigung verzich­teten nach gegenseitigem Uebercinkommen auf eine Reihe von Zeugen.

Nach einer kurzen Pause ergreift der Vertreter der Anklage Staatsanwaltschaftsrat Dr Weißmann das Wort zu seinem

Plaid oh er. "

Er nimmt zunächst 'darauf Bezug, daß die Verhandlnirg gegen den rumänischen Falschspieler Stephan Bujes bereits den Beweis gdiefert habe, daß Leutnant v. Dippe am 1. Juni 1910 im HotelFürstenhvf" zu Berlin um 80 000 Mark betrogen worden sei unb daß von einemSpielverlust" nicht die Rede ^sein könne. Der Beweis, daß von den Angeklagten in diesem Falle betrügerische Schiebungen vorgenommen wurden, sei allerdings nur sehr schwer zu führen. ...

Was zunächst den Angeklagten Stallmann anlange, w ser erwiesen, daß Stallmann fid) niemals bemüht habe, durch chr- fidk Arbeit auch nur einen Pfennig zu verdienen. Es ser eine unbestreitbare Tatsache, daß Stallmann falsch gesprelt habe; außer­dem liege fein eigenes Geständnis vor, daß er gewerbsmäßiger Spider sei. - Der Angeklagte Niemela, der einer achtbaren Familie entstamme, hat sich nachweisbar die zur Bestreitung seines luxuriösen Lebenswandels erforderlichen Mittel ausschließ­lich durch Spiel und ähnliche Machinationen erworben. Wie der Angeklagte Stallmann, so bat auch der Angeklagte Kramer selbst zugegeberr, ein gewerbsmäßiger Spieler zu sein.

Dre ganze Beweisführung griinbet sich, wie der Vertreter der Anklage weiter ausführt, lediglich auf einen Indizien­beweis. - Der Staatsanwalt ging dann des näheren auf den einzigen unter Anklage stehenden Fall Dippe ein und beantragte hierauf gegen Stallmann wegen Betruges zwei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten Unter­suchungshaft: gegen Niemela wegen Beihilfe zum Betrug drei Jahre ^Gefängnis und gegen K r a nie r wegen ver­suchter Erjwessung ebenfalls drei Jahre Gefängnis.

Nach den Ausführungen des Staatsanwalts nahmen die Plaidovers der Verteidiger ihren Anfang. An erster Stelle sprach Rechtsanwalt Men er I., dessen Ausführun grn lediglich von allgemeinen Gesichtspunkten ausgingen. Die Plaidoyers werden morgen fortgesetzt.

* Gräßlicher T o d. Aus Memmingen, 7. April, wird geschrieben: In dem Dorfe Ferthofen hat sich ein furchtbarer Unglücksfall zugetragen, hinter dem man eine Böswilligkeit ver mutet. Eine Egge war mit den Stacheln nach oben aus die Dorf­straße gelegt. Der Oekonom Meridün stürzte in voriger Wacht in der Dunkelheit darüber und fiel so unglücklich, daß ihm ein Stadzel durch ein Auge drang und am Hinlerkopf wieder heraus­kam. So aufgespießt sand man den Unglücklichen heute früh tot auf.

* Zerstörte A l Pe u v e r c i ns h ü t t e. Schifahrer haben die Nachricht nad) Pontre> sina gebracht, daß die bekannte neue Bovalhü11e der Sektion Bernina des Schweizer Alpen­klubs von einer Lawine vollständig zerstört worden sei.

* Der RiesendampferImperuto r" wird am 21. April den Hamburger Hafen verlassen und nach seinem Liege­platz auf der Unterelbe ab gehen, um dort Kohlen und Proviant einzunehmen. Am 26. April soll eine Probefahrt von einem Tag unternommen werden.

* Eine ganze Familie irrsinnig geworden. Aus Sc. iSenth bei Bordeaux wird gemeldet: Tie Familie Gauthier, die aus n f'P e r so n e n besteht, wurde plötzlich vom Ver­folgungswahnsinn befallen. Ein Priester touroe von ihnen durch Stockschläge übel zugerichtet.

* Verschüttete Dörfer. Aus A t h en, 8. April, wird gemeldet: In der Nähe von Kalavrhta (Achaja-Peloponnes) sind durch eine Senkung des Bodens und einen Bergrutsch die Dörfer S k i v e n a und Triv los verschüttet worden; da sich die meisten Einwohner außerhalb der Dörfer befanden, wurden nur drei Frauen getötet.

* Wahlweiber mit der Kanone. In London er­schreckten am Dienstag morgen Suffragetten die Stadt, indem sie eine alte Kanone aus Sebastopol, die vor dem unteren Eingang vom Dudlephousc steht, abfeuerten. Auf der Kanone fand man die Inschrift: ,,Botes for warnen!" Die bedeutende Führerin der Frauenrechlsbewegr'.ng, Miß Annie Kenny, ist unter der Anklage der Aufreizung verhaftet worden.

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Wetteraussichten in Hessen für Donnerstag, ben 10. April 1913: Wolktg. incm trocken, intlber.

Der Welfen bes uck) in Homburg.

Homburg v. d H., 9. April. Morgen mittag treffen Her- zog unb Herzogin von Cumberland zusammen mit der Prinzessin von Braunschweig-Lüneburg und dem Prinzenpaar Max von Baden zum Besuch hier ein. Die Herrschaften tref­fen sich heute in Frankfurt a. M.

D i e Krankheit des Papstes.

Rom, 9. April. Die Krankheit des Papstes scheint eine heftige Nierenentzündung zu sein. Sollte diese noch nicht ganz feststehende Diagnose sick) bestätigen, so dürfte der Papst bet seiner geschwächten Konstitution nach ärztlichem Urteil nur noch kurze Frist am Leben bleiben können. Der Papst ist vollständig appetitlos und nimmt selbst Eier und Milch nur mit Widerwillen sich.

Ein Ober Präsidenten wechsel.

Posen, 9. April. Laut polnischen Blättern soll der Ober- präsident Dr. Schwarz ko pp seinen Abschied eingereicht haben. Sein Nachfolger dürste Unterstaatssekretär Wahn schaffe wer­ben. Dr. Schwarzkopp soll zurzeit krank unb bettlägerig fein.

San Vigo (Californien), 9. April. Ter amerikanische Leutnant C hantier wurde bei dem Sturz eines Wasserflut zeugs sofort getötet. Der Führer der Flugmaschine wurde sdtzver ver iefct.____________________

Künstlerische Fabrikarchitektur. Aus der Sil honette der Stadt Bremen ragt der hochcharaktervolle Bau, ben die Kaffe.-.Handels-Altiengesellscl-aft errichten ließ. Ter verblüffend frisd-e, ästhetisch und praktisch vollendete Ban ist in der Tat eine Sehenswürdigkeit der alten Hansaftabt, dessen Besichtigung allen Personen empfohlen fei, die fid; für künstlerisch Fabrik- ard)rieltur, vollkommene ted)nisck>e EiuridMngen und modernste kaufmännische Organifation interessieren. In dieser Fabrik wer­den die Kaffeebohnen von dem giftigen Bestandteil, dem Koffein befreit, ohne daß wertvolle Stoffe verloren gehen, noch fremde Stosse ausgenommen werden. Damit ist eine große Aufgabe der NahrungSmittelchemie gelöst und ein Kaffee geboten, der allen Anforderungen des verwöhntesten Geschmacks geredyt wird unb absolut keine schädlichen Nebenwiriüttgen ausübt. Alle Nervösen und Herzleibenden, überhaupt alle Personen, denen der Genuß des gewöhnlichen Kaffees bisher unzuträglich war, können zn dem allgemein beliebten, braunen Getränk znrückkehren, ivcnn sie Kaffee Hag, beit koffeinfreien Bohnenkaffee, verwenden.Lb^Vr.

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Gießen, den 8. April 1913.

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