Ausgabe 
4.12.1913 Drittes Blatt
 
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'Tomicrötan, 4. Dc,cnibcr 1913

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Nr. 2S3

Erscheint tl-Nch mit Aufnahme de» Sonntag».

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Mb. Deutscher Reichstag

181. Sitzung,

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der strafte ioegzunchrnen.

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Um allem dic Krone aufzufetzen, wurde auch der Staat»- anwalt Tr. Älcmböbme verhaftet und erst wieder freigclaven, als er sich zu erkennen gab. Auck der AmtsgerichtS- rai Kalisch wurde von oem Leutnant verhaftet, und zwei andere LandgerickrSräte, die habet waren, erklärten, daß wenn man ihre Kollegen verhärte, ne sich selbst für verhaftet erklären, (Sturm. £>citer?cit) Alle Verhafteten wurden bann in ein Keller- ?o ch gesteckt, das ungefähr 20 Quadratmeter groß ist, keinen

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Sti'iirtionlbnitf und Verlag der Br üblichen Untversuäl» Buch- und etcmbnidectu 9L Lange, Diesten.

5Mtn tn,9tgtrv >»d die r 1913,

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den 3. Dezember 1918.

Redaktion, (Spedition und Druckerei: 6<bub ftra»e 7. Expedition und vertag- 5L Redaktion: < 112. leL-SlbuAnzetgerGtesten.

auch von den Altdeutschen. ---- .

durch die Errichtung einer militärischen Willkürherrschaft. (Leb-

ntbti tint »artasscn. önntn dm iren Ginne un- LogiS irübriAg Wknbung i letzten t Dienst- nrch 8uf-

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Giehener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Sberhefsen

vier Bajonette vor die Brust. ----

wird ohnmächtig und der Mann wird nach der «aiernc geschleppt und in den Pandurenkeller gesperrt. Ein Mann namen». Meier aus einem Nachbarorte wollte nach Hause gehen und wurde ebenfalls verhaftet. Seine Krau suchte mit 5 Kindern den Mann frei zu bekommen, vergeblich. Unter den Verhafteten de- fand sich ferner ein Student, der auf dem Wege nach dem Bahn- bof war, sogar ein kleiner Junge, der cm Heft bolen wollte. ,Lebb Hört! hört! und Heiterkeit.) Er war 9 Jahre alt, auch ihn hat man verhaftet. (Hört! hört!) Ein Mann namens Aron, der wegen Zahnschmerzen jum Arzt geben wollte, muhte eben­falls die Nacht in dem Keller zubringen. (Hort! hort!) Der Redakteur des .Zaberner Wochenblattes", eines konservativen QrganS, «Hört! hört! link») wurde ebenfalls ergriffen. «Ge­lächter.) In der nächsten Nummer feines Blattes schilderte er die VcrbaftungSszene und bemerkt dabei, dah er auf den Zu­spruch eines GendarmericwachtmcisterS wieder entlanen wurde, sein Glück sei es gewesen, dah der Leutnant mit feinem Sabel in diesem Moment anderSwo beschäftigt war, sonst ware_ er wahrscheinlich auch in den Keller gesperrt worden. Lebh. Hort'.

Generalmajor Schulz, der früher das Regiment kommandierte, cm Major au her Turnten und sonstige Beamte, sie leben auch im besten Einverständnis mit der Zivilbcbörde. Ueberbaupt haben von den 85 Offizieren des Regimentes nur der Cberft [ und vier (einer aOcrjünpftcn Offiziere die ganze Geschichte durch­geführt. 'Lebhaftes Hort! Hört!) Nicht cm einziger Oberleut­nant. kein Haupt mann oder Major, überhaupt die grohe Mehr­zahl der Unterleutnant» bat sich an der suche nicht beteiligt. «Hort! Hört?»

Ein früherer Cbcrit von Zabern bat sich gestern nodi im .8 Uhr-Abendblatt" in dieser Weise geändert. die Bevölkerung müsse nach ihrer Eigenart berüdfidmat werden, bann könne man ftbr gut mit ihr auSkommen. Nach dem Gefchehenen ici ihm die Erregiing in Zabern begreiflich. Bom nationalen Standpuiikt werde die Afiäre da» Dcutschium 'ckwer fchädigen. Eine Spannung «wischen Zivil und Militär habe früher nicht bestanden. So sagt der Cb.rit, und ich kann cd bestätigen, dah sie auch beute noch nicht besteht, ausgenommen bei vereinzelten Personen, die sie von Anfang an gewollt haben. Zuerst hörte man von den Vorgängen am Tonncu'iag. den «>. November. An bcmfclbcn Abend ereig­neten sich einige Kundgebungen, die sich am Are,tag wiederholten. 8m Samstag kam die Dieooltcaffärc. Die jungen Leutnants haben an diesem Tage bereit» provozierende Spazier­gänge durch die aufgeregte Volksmenge gemacht. Das find die Provokationei', von betten der Gemeinderat in fernen Telegrammen an den statt! alter unb den Reichskanzler, an den Reichstag und KriegSminiiter sprach. Sie begannen bereit» am dritten Tage der Affäre. (Hört! hört!)

Mittelstädte gefaxt haben Sic lautet:

Tie heute im LandeSgeläudc versammelten Bürgermeister bei Verbandes elfah-lothringifchcr Mittelstände in ihrer Eigcnfckatt al» deren gesetzliche Vertreter sprechen wegen der bedauerlichen vor. solle der letzten Zeit der Stadt Zabern unb ihrem Bürgermeister ihre Sympathie aus. Die Versammlung stellt fest, dah, abgesehen von kleinen Differenzen, wie sie in jeder anderen deutschen Garnisonsstadt Vorkommen können, bi» seht m sämtlichen elsah. lothringischen Garnisonstädtcn cm gutes, zum Teil sogar vorzüg­liches Einvernehmen zwischen Bürgerschaft unb Militär bestanden hat. (Hört! hört! unb lebhafte Zustimmung.) Aus den objektiven Ausführungen dcü anwesenden Vertreter» der Stadt Zabern geht hervor, dah die Erbitterung der Zaberner Bevölkerung sich an» sang» lediglich gegen einzelne Militärperfoncn richtete. Die ver. sammlung begreift, bah bic Zaberner Bevölkerung wie bic gesamte elsässische Bevölkerung durch den Ausdruck ..Wackes" ,n ber an- gewendeten Weise sich auf baü schwerste beleidigt suhlt. (Lebhafte Zustimmung bei den Elsässern.) ...

Sie bedauert, dah da» unbcgrciflicbc Zögern der militärischen Vorgesetzten die ruhige Entwickelung, den Ausgleich der Gegen­sätze- im Lande, auf lange Zeit hinaus beeinträchtigen wird und befürchtet, bah daü Staatsintercsse m unverantwortlich schwerer Weise geschädigt ist. (Seht richtig? links unb im gcntc.) Tie Versammlung ist der Ansicht, bah bic Bevölkerung für etwaige übertriebene Presscäuhcrungen unb Ausschreitungen einzelner nicht verantwortlich gemacht werden kann. S'e stellt feit, Daft seitens des Garnisonkommandos von Zabern schwere Eingriffe in bic Polizeigewalt des Bürgermeisters stattgefunben habe» (leb­hafte Zuftimmiing link» unb im Zentr) unter Verletzung de» Reichs- unb LanbeSreckst». bic ein Einschreiten des Miliwr» nur auf Ersuchen der Ortöpolizci oder deren vorgesetzter vthotben gestatten. Die Versammlung erwartet, dah der den eliassischen Bürgermeistern laut Ernennungsurkunde im Namen de« Kaiser» zugesicherte Schutz bei der Ausübung ihrer Defugnisse festen» der Militärbehörde respektiert wird." Unterzeichnet verband der clfafr lothringischen Mittelstände.

Auch von der elsah-lotbringifchen Vereinigung, bic sich zur Aufgabe macht, ein gute« Verhältnis zwilchen den beiden Testen der Bevölkerung hcrzuftcNcn, ist mir ein EntrustungStele- g r a m m zugegangen. Sie sehen, welch berechtigte Aufregung M Elsah-Lothringen herrscht. P'cr muffen schleunigst Mahnahmen getroffen werden, um die Bevölkerung zu beruhigen. Solche vor. fälle muffen unter allen Umständen vermieden werden, ober nicht na» dem R e z e z t der a l l d e u t f ch c n E h a u v i n, st e n, die bereit» in derKreuz-Zeitung", derDeutschen unb in der .Post" ihre Vorschläge gemacht haben. Tav sind Rezepte einer Gewaltpolitik unh de» schlimmsten Absolutismus. To» würbe 'n unserem freiheitlich gesinnten Lanbe nur doppelt ichäblich wirken. Be, un« ist keine Politik ber starken Hand am Platze, fonbern eine Politik drS Recht» unb der Gerechtigkeit. Be- fettigen Sie dic wahren Ursachen der Beunruhigungen un Lande, mn wird Ruhe unb Frieden .mb gute» Einvernehmen PvisA» ber Bevölkerung und dem Militär wieder zu hnben Tein. W,r verlangen nui eine gerechte Behandlung, Gcrccht' g . clt er­höht ein Volk. (Lebhafter Beifall links und im Zentrum.)

Abg. PeiroteS (Loz.)

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l Herren.

einmal auf b e Vorgänge im Zusammenhänge kurz zurückkom- men. Es mobilen eine ganze iNc.bc Militär», höhere und niedere altdeutsche Beamte, in Zabern unb leben im besten Einverständ m» mit bet c,nluim-.scken Bevölkerung, unter anderem cm

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linU4-be Mahregel, bic baS ganze Unheil von vornherein hätte verhüten können, ist unterblieben. , Die Trn^ nahmen ihren Lauf unb erst viel zu ,vat wurde die a b g c\d) wach t c o r. 1 gefunben, bah Leutnant von Fornner die Bedeutung dcS «torteS DackeS nicht bekannt gewesen fc:, und damit nur Radau- Ser gemeint waren. T.c Erklärung kam zu ipat und kon.ue daher nicht mehr zur Beruhigung beitragen. Ich mug noch

Am Sonntag, wenn Zabern Zuzug von auswärts erhält, und bic Bevölkerung durch Landpublikum erheblich verstärkt wird, war Leutnant von Forstner Offizier vom Dienst unb passierte mehr- mal» bic strafen ber Stadt. Sckl'ehlich halte er au seiner Be- berfung eine Patrouille mit geladenen Gewehren. E« ist selbswerständlich, bah ihm an biefem Tage einige Bcmcr- lungen nachgerufen wurden. Am Nachmittag diese» Sonntage« erging em anderer Regimentsbefehl, der sämtliche Offiziere unb Mannschaften in bic Kaserne beorderte. Die Patrouille wurde in alle Wirtsckwsten geschickt, um die Leute nach der Kaserne zu holen. Nur die vier Leutnants, diese vier Herren, die am Tage vorher die ganzen Reibungen herbeigeführt hatten, blieben auf der Strohe. Selbst damals konnte man noch alles gut machen, aber man wollte nicht. Die jungen Herren zogen durch die straften mit gelockertem Säbel unb einer groften Dogge, al» trenn sie nur einen Anlah suchen wollten. (Sehr richtig! unb Hört! Hört! links.) ,

Dann kam die Demission bce Oberst v. Neuster, von die,em Augenblick an herrschte Ruhe in ber stabt, alles atmete auf. Aber nach zwei Tagen war ber Herr Oberst schon rokber ba. Es hieh, ber Herr v. Deimling sei mit ihm in Berlin gewesen. DaS Hal auf die Bevölkerung leinen beruhigenden Eindruck gemacht. Ich will den G«.danken, die sie Bevölkerung dabei beschlickien haben.

hafte Zustimmung sink».)

Wir wissen nicht, ob sic inzwischen aufgehört hat, ober ob sic noch 'ortbesieht. Wenn sic aber auch aufgebort hat, so hat sic viel zu lange gedauert. (Sehr richtig! link».! E» wäre leicht gewesen, im Anfang durch geringes Entgegenkommen bic ganze Affäre au« der Welt zu schassen, (sehr richtig! link».) Al» bic Nachricht von ber Stempramic zum ersten Mal m ber Zeitung ftanb, ba muhten sich bic El so st Lothringer nalurgcmäft verletzt fühlen, (seht richtig! links) Man weift ganz genau im Elsah, dah cS in gewissen altdeutschen Streifen Mode geworden ist, die Elsaft- Lothringer al» solche mit den Dorten .Wade»" zu bezeichnen. Da« beweist mir auch ein Brief eine» altdeutschen Herrn, bet im Elsaft feinen Lebensabend verbringt unb e» bestreitet, dah der Au», druck nur auf Vagabunden angewandt werde, e» im Gegenteil bervorhebt, duft er gcwohnl^itSmähig von manchem Altdeutschen im sinne ber Geringschätzung der einheimischen Bevölkerung im Munde ges.ihrt werbe. Auch Herr Leutnant von Forstner musste sich über ben bclcibigcnbcn Ausdruck de» Wortes Wacke» klar sein, denn im 09. Regimen, besteht seit 1903,04 ein Regimentsbefehl, dc, der bamahge Cberft als einen bauernden erlassen bat. (Hört, hort!) Dieser RegimcntSbcsebl 'st m den späteren Jahren bc> jedem LolmimgSappell. also monatlich drei Mal. verlesen. (Zuruf heS Abg. Ledebour (soz.): Der St t i e g » m i n i ft c r weih nichts davon!) Er bat folgenden Wortlaut:

Eine t.4erichtSverhandlung gibt mir Veranlassung, baraur binzuwcifLN, dah bas Wort .WackeS" für Elfah-Lothringer eme Beleidigung bedeutet unb idi verbiete hiermit strengstens ben Gc- brauch desselben." Der Regimentsbefehl wurde seither allen neu in da» Regiment eintretenden Offizieren vorgelegt (Hort'. Hort!' unb trägt auch ben Vermerk:Kenntnis genommen, v. Forstner. (Hört! hört!) Es muhte mithin ber Leutnant v. Forstner über die Bedeutung dieses Wortes >m klaren sein, ober trotzdem hat er seine Rekruten täglich mit dem Worte DackeS" traktiert. (Hört! hört!) Er ist sogar soweit gegangen, daft er die Leute zu sich kommen lieh und sich die Meldung er­statten kleh: .Ick bin ein Wacke».' iPsui-Rufr.) DaS ist nicht dementiert worben, man bat nicht einmal versucht. eS zu dementieren. Dieser unerhörte Mihbrauck ber TiemtgeroalL tiefe H e r a bw ü rb i g u n g ber militärischen -i ' I 8' p I t n wird auch in ber alldeutschen Presse gebuhrenb beurteilt, rt'te Aufregung im Lanbe war erklärlich unb begreiflich unb e» Wäre bahcr Pflicht ber Militärdchörbe gewesen, b'er «u be­ruhigen. «her c» zeigte sich hier bic ganze Dcltsrcmbdhcit bic,cr ficrren. bie auch zum AuSbruck gekommen ist in ber Antwor. >es KriegSminister». bah er vier Jahre im Elsah tätig gcrocjcn, ba» Wort WackeS gehört, ihm aber bet sinn dcS Wortes un- bekannt gewesen sei. (Lachen und hört! bört!) xa» berocitt einmal wieder, das-, diese Herren im Elsah Fremde sind, dah sie n> :5 im elfaft gelernt haben. Da» gebt auch an» bem weiteren <XnbflH des genannten Briefe« hervor, in bem cS beiBi: Denn bi-ic Elemente in ber Ucderzabl sinb, so b'.lben sie em ßmbernt» für die Germanisierung Eli'ah-Lothringen». Ran verkennt die Tatsache, dah eine völkerassimilierung 'm wahrsten^sinne nur durch die Gewinnung ber Herzen erfolgt (Sehr richtig!

iDunfdxn von ihr, bah ähnliche Trage, wie sic ,ctzt in unserem Lande vassicrtcn, in Zukunft von un« fern gehalten werden. Wir stehen m Elfaft-Lothrmg.n auf einem Ziümmcrfclbe der Hoffnungen unb Erwartungen für bic weitere Ent- Wicklung unseres Lai-d.s. (Sehr richtig! links.) ES läht sich "ich! zugebeii, bah die Militärbchörben bas begangene Unrecht reicher gut gemacht haben. Weiter bat sich ergeben bic Ohnmacht bet Zwilvehörden. die nickt imstande waren, wegen unserer unvoll, kommen»n Verfassung unb ber Abhängigkeit von Berlin baS Lanb vor bieien Miftgrifsen zu fchützen. Der ganze Vorgang erinnert an ben Ai'Sfprnck jenes Adgeorbnctrn, ber von einem Leutnant -und zehn Mann ben Reichstag auseinander jagen wollte. (Sehr richtig! link» Lärm unb Lachen recht«.) Der Vorgang unb feine Folgeerscheinungen sinb eine« Kultur ft aaks» unwürdig. An» allen Kreisen der elsah-lothringischen Bevölkerung sind Proteste cingclauien, nicht nur von den Einheimischen, sondern Da» Recht ist mit Füften getreten

J Fuhboben. keine Lüftung unb keine Heizung hat Stürm. Un- ; ubc. Zurufe: Unerhört, i! a n b a 1 o c i lb Personen »arcn in b.esem Lock, sie bürsten nickt einmal au-trcte,^ unb muhten sich in einer Ecke be» Raume» auf halten, bi» ihnen Decken zum EinHüllen gebracht wurden. D<r Vertreter ter ZioilbeHörde begab sich sofort zum äderst, UNH die verhaftet gcreefcnen Amt», gcncbtiratc erfiärten sich bem Eiefetze gemäft zur Vernehmung bereit. Ader vergeblich, sie würben abgewicfcn. (stürm. Hört! Hört!) Txt Oberst erklärte den Vertretern der Zivilbehörbe unb bem Staatsanwalt, er habe nach niemanben au fragen, er hanble auf höheren ^kfcbl (Erneute EntrüsiungSrufe.' später würben bann die Verhafteten einzeln unter Bedeckung von v i e r Bajonetten zur Vernehmung gebracht. (Lebh. Hört! Härt!) Sämtliche Leute wurden dann toforl jre,gelassen. Am M'ttag wurde dem Cberft mitgcteilt, dah die Zivilbchörde un_(mber,tan6. ni3 mit dem Mmistcriiim in Strastburg ersuche, die solbatcn»on Trotzdem gingen am selben Abend

nicht weiter naebgehen. Aber das vertrauen zur Regierung ist sicherlich nickt gestärkt worden. Dann nahmen bie Tinge ih Fortgang. Nicht nur im elsast-lothringischen, ionbern auch in alt- bcutidKii Kreisen sind diese Tmge aufs schärfste gcinihbilligt wor- ben. Tic Bevölkerung in Elsah-Lothringen fühlt in ihrer über- wiegenden Mehrheit deutsch und lehnt jede gewaltsame Aenderung Dc6 jetzigen Zustandes bewuht ab. (Beifall.) Man hält cS aber nicht für unbedingt notwendig, daft ewig ein Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich bestellt. Man begrüftt alle-, was zu einer Annäherung der beiden Nationen fuhren kann unb lehnt alles ab, was Zwietracht unb Haft faen kann. sLcbh Beifall 1. ,

Aber selbst in biefem Augenblick, wo eS noch möglich war, gegen ben Herrn fieu'nant eine Untersuchung zu eröffnen, be- Itanb bic ganze Weisheit ber SZ11 i t ä r b c h ü r b c barin, bah sie nach bem Staatsanwalt rief. (Zuruf (in»: Der war boch auch verlmstct! Grohe Heiterkeit.) Ter Leutnant blieb ba, er, ber Urheber ber ganzen Sacke, nachbem er sich noch burck ein Mihgcsckick im Manöver lächerlich gemacht hatte. (Hört. Hörtü So ist bem Volke zum Bewuhtfcin gekommen, baft unsere Geschicke letzten Enbe« von Leuten beeinflußt werben, bic un» nicht verstehen wollen, bic IrcnnungSroänbc aufriditen. «Sehr richtig!« In biqen Tagen sinb ungeheure GefühlSwcnc m Elsaft Lothringen verloren gegangen. (Zustimmung linkSst Zu- ich, hat man sogar Leute verhaftet, weil sic gelacht haben. (Lebh. Hort! Hort! link».) , . ,

Ich war am Sonnabend) selbst m Zabern unb habe mit einigen Verhafteten gesprochen. Sic sind zum Teil m t t Kolbenstoßen zur Wache geschoben unb unmenschlich be- hanbclt worben. Da war ein schrcincrmeiftcr Levy. Er horte ba» Trommeln auf bem Scklohplatz unb glaubte, c« brenne. Er lief hinunter, unb reic er vor bic Tür trat, sollte er verhaftet werben. Er sprang in» Hau» zurück unb vier Musketiere mit aufgepilanziem Seitengewehr verfolgten ihn bis in den tritt.n Stock hinaus. (Hort! hört! unb Lachen.) Seine alte 78«ahr»ge Mutter tritt ben Solbaten entgegen. Sie halten ihr aber bic iLcbh. Hört! hört!) Die jvrau

Patrouillen burch die stabt. (Hört! Hört!)

Am Sonnabend abend ist der Leutnant Schadt, wel ein kleiner Junge gelacht batte, mit einigen Soldaten in eine Woh­nung ciiigedruiigcn, um ben Jungen zu verhaften. Er hat also Hausfriedensbruch begangen. Das Verhalten de« Militär« verftoht gegen die klaren Vorschriften der Garnisonbienstordnung. vor allem wird darin brftimmi. haft verhaftete Zivilper- fonen sofort einem Zivilrichter zur Vernehmung Porgcfubrt werden müssen. Ta« ist nicht geschehe, T>e Herren vom Mil,- tär Dürfen sich nicht wundern, wenn über ihr Verbauen gelacht worden 'st. Was soll man denn ander» tun, wenn man sicht. Wie sich der Lcutnani v. Forstner beim eintauf von Schoko- lade und Zigarren von vier Bajonetten be­gleiten läht. (Sehr richtig! link».« llebngcnt ist feinem der Verhafteten nachgewiesen, daft er gel.icht oder beleidigende Zurufe getan habe. Nur kleine Jungen sind ev gewesen, die gelackt haben, und da sagt man, die Zivilbchörde habe ihre Pflicht nicht getan unb habe da» Offizierskorps nicht vor Beleidigungen geschützt. Den Herren vom Militär scheint d,e Empkindung dafür zu fehlen. Wie lächerlich es ist. wenn man ilcincn Kindern mit dem Säbel in der Hand na*-ft. Gestern noch bat sich Dann Der traurige Vorfall in Det.wciler »ugeiragen, wo em lahmer Schuster Bcrrounbct würbe. Bei solchen Vorkomm­nissen ist es kein Wunber. wenn aus bem ganzen Lanbe heran« Prolestkunbgchungen einlaufen. Ich will hier nur folgende Resolution verlesen, bic bie Bürgermeister ber elsah-lothringischen

begründet die sozialdemokratische Interpellation. E» wäre besser, wenn der deutsche Re ckSiag sich nicht fo oft mit den Zuüanden in Elsah-Lothringen zu beschastigen hatte. Wir hosten, da^ durch diese Besprechungen wenigsten« die Akte der Willkür, bet Militär­diktatur, de , ' äbelrasselnden Militarismus au,, hören unb w,r wieder z" gerechten Zustanbcn kommen. Die Be. bauptung, cS banbele sich um ein nationalistische» Komplott, ist falsch. Richtig ist vielmehr, bah bic el,aft.lothriu- gjschc Bevölkerung ein System nicht liebt, bas solche Bluten zeitigt, wie die Geschichte mit dem Hauptmann von Köpenick und die Alarmierung eines ganzen Ärrneekorp« ohne Grund. Wenn Zabern der Mittelpunkt ber jetzigen Ereignisse nt, so ist e« ba«, trotzdem eS bic beutsch-freundlichste stadt in Elsas--Lothringen ist. (Höri! £rön'.- -^°n in rranzonscher Zeit hat sie ihre Deutsch-Freunblichkeit bewiesen.

rung von Zabern nicht fo harmlos, fo hatte ne ft4 daS meten Ä. nötig'.) Hi« ha, sich

. höchsten Höhe feines Kulturnweaus gcieigt Sereebtigt hinb 6 a i rL elfaß-lothringischen Bevölkerung, wenn sie «agt.

Hm Tische be» Bunde»'ak»: v. Bcthmann Hollweg, Delbrück, v. Iaqtw, v. Falken Hayn, LiSco, Kroctke. Mandel.

Da» Hau» und Vie Tribünen sind voll besetzt.

Präsident Dr. Äermpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Rin

Die Interpellationen übet Zabern.

E» liegen drei Interpellationen vor.

Xie Interpellat.on der Fortschrittlichen Volk»- Partei lautet:

Ist der Reichskanzlei bereit, Auskunft zu geben über die durch die Presse befanni gewordenen Aeuhcrungen eine» Offizier» in Zabern und bic dadurch veranlahten weiteren Vorgänge?

Die sozialdemukratifche Interpellation hat folgenden Dortl.iut:

Was gedenkt der Reichskanzler gegenüber dem Verhalten bet Leutnants in ber Garnison Zabern zu tun. Der bic elsah- lothringische Bevöltcrung schwer bdcibiqt und ferner Aeuftc- ruujen getan hat, bic geegnet sind, unsere Beziehungen zu Frankreich zu becinträdNig'n Y

Schließlich liegt noch folgende Interpellation der Elsässer vor-

Wa« gedenkt her Reichskanzler zu tun. um bic elsah- lothringischen SolDaien unb bie Bevölkerung Elsaft-LothringenS vor Beleidigungen zu schützen, toie sie sich ein Offizier des In- fanteric-Regimenl) Ni. W in Zabern ihnen gegenüber bat zu schulden kommen lassen? Hält bei Re ckskanzler bie Strafe, bic Über diesen Offizier verhängt worden ist. für eine Sühne, die ge­eignet qt, der Wiederholung folckcr Fälle vorzubeugen t

Die syeflrfiiibuiiflrn.

Abg Siöfcr (23p.) hegrkinbet die Interpellation der Fortfchrittlichen BolkSparici. Reich- hdi sput kommt unsere Interpellation zur Verhandlung. Wir