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30.5.1912 Erstes Blatt
 
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am

war

Was die Wahl re form betrifft, Fraktionen der Opposition

sprechen nicht den Tatsachen

Wir erhalten folgende Nachrichten:^ Fez von den Aufständischen erstürmt?

Varis. 28. Mai. Wie aus Madrid gemeldet wird.

Vertrag bezüglich gemeinschaftlicher Interessen abzuich' ics.cn" Teutfch.cn rn Taraudant sind nach derselben Cuclle ..sicher ui-i.r dem Schutze des Kaid Kappa

scheu Botschafter Freiherrn Marschall von Sie­be r st e i n in feierlicher Abschiedsaudienz und über­reichte ihm als Andenken eine Reihe von Geschenken, bar* unter sein Bild in kostbarem Rahmen. Ter Sultan drückll Freiherrn v. Marschall die Hoffnung aus, das; der Bot- schaster auch in London der Freund der Türkei bleiben werde.

Tie Leiche des russischen Botschafters Gra­fen von der Osten-Sacken wurde Mittwoch abend

Ausland.

Tie Herren der Berliner S t a d t v e r t r c t u n g > geführt von dem Oberbürgermeister, sind am Mittwoch zuin Besuche der Stadt Wien cingetroffcn. Am Wiener sJtorb weslbahnhof wurden sie von den Vertretern der Stadl unter Führung des Bürgermeisters empfangen. In seiner Begrüßungsrede führte Bürgermeister "Neumayr aus, die Wiener hätten den Moment des Besuches schon lange vo.i Herzen herbeigesehnt. Wien war von jeher bestrebt, mit der mächtigen Stadt Berlin in engere Fühlung zu treten, nicht aus kühler Berechnung, sondern von der Macht des Blutes getrieben. Tic Wiener Hirnen die Stadtverordneten nicht nur als Vertreter einer der

Deutsches Ueich.

DieSchlesische Volkszeitung" berichtet über das Be­find eil des Kardinals Kopp: Tie Reinigung d c Wundhöhle macht gute Fortschritte. Demcntsprcchrno i.r auch die langsam fortschreitende B e fj c r u n g a!l Allgemeinbefinden bemerkbar. Tie Pulsfrequenz beginnt sich etwas zu verringern.

Wie dem Wolffschen Bureau mitgetetlt wirb, hat Direktor Heilet von der G r a f e n st a d c n e r Fabrit sich im Interesse bcr Arbeiterschaft entschlossen, seine En 1 lassung einzureichen. Diese wurde von dem Aufsichts­rat der Gesellschaft genehmigt.

Wie dieBraunschweig ifche Landeszeitung" berichtet, hat der Kaiser dem Reichskanzler allster durch d.e Ordensauszeichnung auch durch ein Hand s ch r e i b e n einen Tank für die Durchbringung der Wehrvorlagen aus gesprochen und ihm ferner die unveränderte Fortdauer seines Vertrauens ausgcdrückt.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

r .......

Melines. 29. Mai. Feindliche Stämme griffen .....

26. Mai Tuars in der Nähe von Agourai und El Hajeb an; sie wurden unter Vertu st en zurückgeschlagen.

Schlimme Nachrichten aus Marotto.

Tie Franzosen haben sich mit einer argen Hiobspost abzufindeu. Aus Fez wird allerdings auf dem Wege über Maorid das Gerücht Verbreiter, die Berber hätten die scherifische Hauptstadt gestürmt und die sranzösische Besatzung mit dem Generalresidenten Liauten und dem Gcfandten Regnault nicdergemacht. Tas Gerücht lief am Tiensrag abend bereits in Paris um und die französische Regierung wußte ihm bis heute kein bestimmtes Dementi entgegenzusehen Es hiest nur, es feien keine neuen Nach richten cingetrosfen. Die letzte Meldung des Generals Miautet) war nun am 28. Mai abends in Fez aufgegeben worden, und über ihren Inhalt machte die französische Regierung nur dürstigc Mitteilungen. Das Telegramm gebe keine Information über das aus Madrid stammende Gerücht.

^Tic Lage ist also schlimm, sehr schlimm. Zum min­desten ist sicher, das; Fez stark gesährdct ist. Die Sladi wird von etwa 5000 Soldaten verteidigt, während sie von etwa 20000 Aufständischen belagert wirb.

Der neue Generalresibeni Lrauteh ist bekanntlich erst

2 er Prätendent und Deutschland.

London, 29. Mai. Ter Korrespondent der Morning Post in Tanger, der häufig schwindelt, telegraphiert: Der Präten­dent Et So a i b a fei daraus bedacht, diplomatische Ver­bi n bungen mit Tcutichla n d anzuknüpfen undeinen

daselbst gestern abend das Gerücht verbreitet, dast Fez in die Hande der aufrührerischen »tarn m e gefallen und General Liauten und Gesandter Regnault und 1000 Soldaten niedergemacht worden feien. a.ies Ge­rücht scheint aber durchaus ersunden zu sem. Eme von der Agence Havas abgegebene Note erklärt, daß bis 2 Uhr heute

und bleiben, das ganze Volk durch die Schule über die Tuberkulose immer mehr und mehr aufzuktären.

bedeutendsten Städte der Welt und als Angehörige ein.'s Reiches, dessen Aufblühen den ganzen Erdkreis in Erstaune-.: setzt, willkommen, sondern insbesondere als liebe deutsche Blutsfreunde und Stammcsgenofscn Tie Rede klang^ nut einem dreifachen Hoch auf die Stadt Berlin, den Ober bürgermeister und die Stadtverordneten aus.

In der Sitzung des ungarischen Abgeord­netenhauses am Mittwoch wurde über den Gesetz­entwurf über die Armee-Reform, gegen welche die technische Obstruktion monatelang angekämpft hatte, in^cu Hauptaussprache verhandelt Es herrscht nunmehr die Hof- nung, daß die Wehrreform in normaler Verhandlung bis zu Ende beraten wird. Was m - L C'"L" so verhandeln die verschiedenen _ über einen einheitlichen Entwurf. Dieser wird sodann der Regierung mitgeteilt, um als Grundlage für die Ver­ständigung zwischen der Regierung unb der Opposition in dieser Frage zu dienen. Wie verlautet, ermäßigten Die Sozialistenführer ihre Ansprüche sehr und erklärten, sich mit der Vermehrung der Wählerzahl auf 2,4 Millionen begnügen zu nwllen, damit in der Wahlreform ein Ein- vernehmen mit der Regierung zustande tommt.

Der Sultan der Türkei empfing den scheidenden beul-

Eugen Bracht. Ter Landschaftsmaler Geh. Hofrat Professor Eugen Bracht in T r e s d en feier: am 3. Juni seinen 70. Geburlstag. Er ist am 3. Juni 1842 zu Morges am Genier 3t-c geboren, bezog 1859 die Kunstschule zu ftarldruhe, wo er unter I W. Schirmer arbeitete, ging 1861 nach Düsseldorf, wo er Schüler von Hans Gude war, doch gab er wegen eines Miß­erfolges 1864 die Malerlaufbahn auf, um Maur mann zu werden. Im Jahre 1875 kehrte er zur Maleret zurück, lebte einige Jahre in Karlsruhe und unternahm 1880 eine große Orient:eise, die ihm reiche Anregung verschaffte. 1882 wurde er als Lehrer für Landict ausrnaler.i an die Berliner Kunnakadernie berufen unb wirt: feit 1901 in gleicher Eigenfchaft an der Akademie der bildenden Künste zu Dresden. Prof. Ärackt ist Mitglied der vreußnchen und der baycrifchen Akademie der Künste. Tic Motive zu feinen Bildern entlehnte er anfangs der Lüneburger Hctde, später Syrien und Palästina; in den letzten Jahren malte er auch Landschaften nach Motiven aus der Mark Brandenburg. Als ein Meisterwerk darf wohl das 1889 ausgestellte GemäldeDas Gestade der Vergessenheit" angesehen ^werden, eine Berglandschaft, tcren gewaltige und imponierende Schönheit wohl geeignet iit, tic in der Bezeichnung angedeutete Vorstellung hervorzurufen. Ties Werk wurde durch die große goldene Meoatlle ausgezeichnet und ging in den Privatbesttz des Kaisers über.

Leonardo als Herz-Anatom. Die schier unfaß- lichc Universalität Leonardo da Vincis wird besonders deutlich durch eine vor kurzem erschienene Veröffentlichung, die drei Pro- 'essoren der Universität Ehristiania, Vangenstein, Fonahn und Hopstock, herausgegebcn Haden. ES handelt sich um die anatomischen Manuskripte Leoitardos, die seine Forschungen über das Her; des Mcnsckeii enthalten. Ter erste Band umfaßt dreizehn Blätter, die Auszeicknirngen über das Herz unb seine Tätigkeit^ über das Diaphragma, den Durchlaß der Nahrung durch den Spctsekanal enthalten; her nächste Band soll dann namentlich weitere Studien über Anatomie und Physiologie des Herzens zum Gegenstand haben. Im Anschluß an diese Publikation hat der Grazer Professor Holl dem Sctöpfer der Mona Lisa eine bedeutende Stellung in der Erforschung des menschlichen Herzens angewiesen. Er weist nach, daß Leonardo die die ftammerlichrungen des Herzens durchsetzenden Muskclbalken entdeckt hat, unb möchte anregen, daß diese Mus-

vor wenigen Tagen in Fez eiiigctrofien; aber die An Ipracyen, die bei dieser Gelegenheit gewechselt wurden, haben anscheinend den Aufruhr geschürt. Sicher trägt dazu audi bas Verhalten Muleh Hasibs bei, ber seine Rücktriltsabsich ten in solcher Form Innbgab ober waren es die fran-öst. scheu Publizisten? bas; der Haß ber marokkanischen Stämme gegen Frankreich zu hellen Flammen geschürt würbe So klug sind die Marokkaner auch, bas; sie in der Versicherung Liauteys, er werbebei voller Achtung ber Machtbefugnisse des Sultans ihm bei ber Einführung eines Regimes der Ordnung unb ber Zivilisation seine Hilfe leihen", nur Hohn crblidicii Noch in derselben Nach« entstand ein Ausruhr in der Residenz; durch eine Bresche in der nordöstlichen Mauer brachen Berberhaufen ein, die von der schncllalarmicrten Garnison nur Schritt vor Schritt von einem Hans nach dem anderen und endlich zur Stadl hinausgedrängt werden konnten. Und nun kommen Tag für Tag die Meldungen von neuen Angriffen.

Der französische Ministerrat hat beschlossen, die tu Marokko stehenden Truppen vorläufig aus 4< OOU Mann zu erhöhen, und man betreibt die Nachfendungcn mit großer Eile. Wir Deutsche rönnen dem Laus dieser Dinge mit einer gewissen Ruhe und Genugtuung darüber, daß wir in Marolio nicht mehr so stark beteiligt sind, zuschauen Die Franzosen haben noch die größte Muhe, die Ernte des letzten Vertrages mit Deutschland heimzubringen. Viel leicht dauert die Sorge noch sehr lange, ziimat Die Einigung mit Spanien gleichfalls noch Schwierigkeiten macht Er­freulicherweise trifft cs nach berKöln. Ztg" nicht zu, daß ber Freilassung der marokkanischen Feldarbeiter auf der Renschhausenschen Farm eme Zahlung von Lösegelb vorausgegangen ist. Auch die Nachrichten über die Ge- sangenhaunng der Gebrüder Otto unb Robert Mannes- mann durch aufständisck)e Eingeborene im Lusgebiet ent-

Tuberkulose und 5chule.

In der 12. Versammlung des Deut schc n B e r ei ns f ü r Schulgesundheitspslege, die ui Gemein,chaft mit ber 4. Versammlung ber Schulärzte ^euftcklands im .»ngicmimen Institut in Berlin staUfand, wrack Wirk!. (Seb^Lbennebtynnlrat Prof. Tr. Kirchner, der Vorsitzende des a.eui,chm Vercw-.- sstr ^ckmlgesunbhciispslege, überTuber t u 1 o 1 e u n b o W u l e . Er gab einen Ucberbütf über die bret verichiebenen Bestrebungen der ^Tuberkulosebelänipfung: wissenichaitlich-biolognc^ Forschung unb die Serumtherapie, deren Erfinder Robert Koch war, ubtr gesetzgeberische Ntaßnahmen und die stiaruative ^r,or9c-f Land ber Statistik wies er naw, bar. un >>ahre von 10 000 Lebenden bei einer Gefamtsterbuchkeit von ^O rm ganzen 32 an Tuberkulose tierftorben unb, wahrend tm ^ahre 1910 la emir G^aÄerblichkeit von 160 auf 10 000 Lebende nur noch lo an NerLlose starben. Die Gesamtsterblichbit ut chw ungefähr um em ^ritteü die Zahl der Todesfälle infolge TuberkuIche um über die Hälfte vermindert worden ein Beweis lur die Erfolge der Tuberkulofebekämpfung.

Tic Sterblichkeit an Tuberkulose ist aber trotz all« Fort­schritte noch viel zu groß, insbesondere beim weiblichen Deckst D bei der Iugeßd. Rund 60 000 Personen Herben iwck lohrUck in ä an Tuberkulose. Stadtschulrat Wimenaue n Mannheim hat durch Unter, uchungen 9^ ^chulrt^rn MtgesteUl, daß der Prozentsatz bei Knaben 4/, bei J?iabd-ut bl Ibetiagt. x\c Ticke/llilose ist aber nicht eine Schulkrankheit, wabern eme Fa­rn i l i e n k r an k h e i t und hier muß ber. ütin

Zahl der Kinder mit offener Tuberku o,e Ut n betJjwe Hein, die ber Kinder mit latenter <ubertuloie, bie ue non öii &iuk mitgebracht haben, dagegen groß. ^^end

Frage, was wir zu tun haben, um dte^uderku o,^ bet der Jugend zu bekämpfen. Wir müssen |te vor der Beruhig neu

Tuberkulosen behüten. Ein erfolgreicher Kamokit aber h er nur >u sichren unter Beobachtung der Anzeigepfl.ckt, wn ne da «-.scuchengese« forben. Lurch £>a-> ^mul- ,n

der Lage, Vorschriften zu erlagen ohne Vllft 0c. atktb » y

Der Vortragende empfiehlt Uatenuchung der Kinder vor dem Eintritt in die Schule, periodische llntenud)ung. Schulzeit unb Tuberfulinimpyungen. hähCT1" i'oroie eine

Einrichtung der Schulspeisung und ber ^ babcr, eim gründliche Zahnpflege, xa» wirftainlte Mmel wirb

kein nach ihm genannt werden. Sooann hebt er hervor, daß Leonardo ber Erste gewesen ist, der die Gehirnventrilel im allgemeinen richtig zur Darstellung gebracht hat.

Tie reformiertentanzenden Derwisch e". Aus Kairo wird uns geschrieben: Tie englische Okkupation, Du alle vanislainim'chen und fanatischen Bestrebungen des Islain in Aegypten mit Erfolg einzufchläfern weiß, hat auf diesem Wege einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Kürzlich gab nämlich ber oberste islamitische Geistliche in Kairo, Saied AlMed El Bekri, zusamiil.u mit den Oberhäuptern der verschiedenen Terwischorden K>gvp- tens einen Erlaß heraus, der die traditionellen Hebungen der heulenden und der tanzenden Terwischc modernisieren will. Es wurde beschlossen, künftighin alle überflüssigen Erregungen unb zwecklosen Beioegungen bei den Zeremoniell der Derwische av- zusck^iffen. Dieser Entschluß wurde dadurch motiviert, daß ourch diese religiösen HebungenSikr", ber europäische .--eschmeä ver­letzt und der Islam in den Augen der Ungläubigen h.rabgeroürbigt werde. Selbst die Wiederholung des NamensAllah", Der cm: so wichtige Rolle in Der islamitischen Anbetung spielt, ioll unter­drückt werden. Tie anglo-äguptlsche Regierung hat diesen neuen Ideen ein williges Ohr geliehen unb wird ein diesbezügliches Gesetz erlassen. Tiefer ganze Vorgang ist unerhört in ber bis herigen Geschichte des Islams.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Die 3. öffentliche Tagung deS Internationalen Vereins jur medizinische Psychologie und Psychotherapie wird am 8. und 9. September ui Zürich in unmittelbar. An- schluß an den Schweizer Psychiater tag unb Die Tagung der Inter­nationalen Liga gegen Epilepsie stattfinden. Dem o. Prss.'Er und Direktor der Augenklinik an der Budapester Universität Tr. med. Karl Hoor wurde bcr Adel mit dem Pradikalvon Horocz" verliehen. Tic Unioerinät Lemberg feierte am gestrigen Mittwoch ihr 2 0 O.j a l# r i g e £ Jubiläum, seit Der Gründung durch König Kasimir. In M u n ch e n wurde d.r zweite deutsche Kongreß für Krüopelsürsorge am g Aiittwcch durch den Prinzen Ludwig Ferdinand von Ba ,e n .. lich eröffnet. Tas russische Iuftizministerium fetzt.- c-.nen . sonderen Ausschuß em, der fich mit der Frage der K onv e n11 .i mu Deutschland zum schütze der Erzeugnisse von Li: ratuc- und Kunst beschäftigen ,oll. Auf der B o n n er Sternwarte find von Professor ft ü ft n e r an dem neuen Stern in d.i fton- frellation der Zwillinge dunkle Linien gefunbeit worden, die den radioaktiven Substanzen Uran unb Radium angehören.

früh im Ministerium des Aeußcrii keinerlei Nachricht über einen neuen Angri'f auf Fez eingetroffen fei.

In der Madrider Kammer erklärte Mimsterpra,ident C a n a l c i a s , er habe fein Telegramm erhalten, das das Ge- rück t bestätigte, daß die Eingeborenen Fez genommen, den Ge- sandten Regnault und andere Mitglieder der franzöfischen Mif- ton ermordet hätten

Paris, 29. Mai. Ter Minister des Aeutzern er­hielt bis heute mittag keine Bestätigung des neuen An­griffe-.- auf Fez. Tas letzte hierher gelangte Telegramm rührt von General Miauten her und ist in Fcz am 28. Mai abends 6 Uhr 30 Minuten auigegeben worden.

Paris, 29 Mai. Agence Havas » Das von General Livaiity gestern abend 7.30 Uhr aus Fez abgesandte Telegramm enthält keine Information, die über das aus M a d r i d st a m m e n d e G e r ü ck t über d i e N i e d e r m e tz e tun g d o n Europäern Aufklärung gibt. Livautey bcncbtetc von einer BcivegungunterdenTtämm e n, bic_c inen ne u en Angriff am F e z befürchten lasse, seitdem ist eine neue amiliche Meldung, die über einen erfolgten Angriff berichtet, nicht eingelaufen. i

Die Angriffe der Berber.

Fez, 29. Mai. In der Nacht zum 27. Mai kamen die Berber bis zu den Stadtmauern. Das G e w e h r f e u e r dauert an. Es ist unmöglich, die Stadt zu verlassen ober die Wälle zu betreten. Ein wirklich heftiger Angriff gegen die Stadt ist nicht veriucht worden. Die Stimmung ist ausgezeichnet General Liauten rief die Ulemas und Scheiks zusammen und zerstreute verschiedene über das Protektorat entstandene Miß­verständnisse.

Amtliche Beschwichtigung.

Paris, 29. Mai. Unter Hinweis am die gestrigen Alarm­nachrichten über die Ereignisse in Fez richtet dasJournal des Debals" m einem anscheinend offiziösen Artikel an die öffent­liche Meinung die nachdrückliche Aufforderung, fich über derartige tendenziöfe Nachrichten, welche wohl noch eine Zeitlang periodisch wicderkehren dürsten, nicht 8 u bej unruhige n und die Regierung, nicht jeden Augenblick zur Abfendung von Verstärkungen zu drängen. Man habe bereits 47 000 Mann in Marokko stehen, bic Ziffer dürfte nicht mehr wesentlich überschritten werden, da man fönst bic nationale Verteidigung des Mutterlandes gefährden könnte. 9iad) einer ebenfalls offiziösen Mitteilung beschloß die Regierung, orschungen nach dem Ursprung unb den Verbreitern bcr falschen Gerüchte anzustellen. Offiziös wird ferner gemeldet, General Lyautey kennzeichnete in seiner an den Minister des Acußeren gerichteten Depesche die Lage dahin, daß er im Feindes­land lagere und alle aus diesem Zustand erwachsenen Folgen und Verpflichtungen ins Auge fasse. Die französische Be­satzung v o n Fez, welche aus fünf Bataillonen, drei Artillene- und zwei Maschinengewehrabteilungen besteht, wurde durch ein aus Mckines eingetroffenes Bataillon Kolonialinfanterie, Sene- galsckutzcn und eine Maschineimewehrabteilung verstärkt. Ein weiteres Bataillon soll heute in Mekines eintreffen. Ferner stehen zur Verteidigung von Fez eine fliegende Truppe von^sechs Kom­panien, eine Gcbirgsbatteric und eine Schwadron Saharareiter zur Verfügung.

Ein französischer Erfolg am Muluya?

Paris, 29. Mat. Nach einer Meldung aus Udschda hat der Vorstoß der von dem General Alix befehligten Truppen auf die Marokkaner großen Eindruck gemacht. Etn Teil des Haurastammes hat sich bereits von den Beni-Uarain getrennt und Vertreter in das französische Lager entsandt, um Pardon zu erbitten und ihre Unterwerfung anzuküitdigcn.

Nr. 125 Erster Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 50. Mai 1912

MietzenerAiMger

General-Anzeiger für Gberhefsen EskS

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