Zweites Blatt
Nr. KU
162. Jahrgang
Erlchetnl tlgnd) mit Ausnahme tze» Sonntag».
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Wir vertreten nur das
Di« Kommission will
bolunaSnrlaub für die älteren Arbeiter.
ie^r. 1883
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uns über
3n Jbrem Kopse muh auch wir durchaus an, der evangelischen wie der katholischen, cht, daß die edlen'und Deutscher Handel und Gewerbefleiß soll immer größeren Boden
uneigennützigen Missionare hier bcschimvst werden. (Lehh. Bei-
in den Kolonien finden.
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der BvbnunterbaltungS- Lobnerhöhung und Er
dulden!) Habe ich eine Anklage erhoben?
eS sonderbar aussehen! Wir dulden es nii
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(Eine Petition dcS Verbandes arbeitet in Elsaß-Lothringen fordert
Weiterberatung: Dienstag 1 Uhr.
Schluß 6K Uhr.
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und durch
für Süd- Etat für
Schwierig ist natürlich die Arbeitersrage. Die Neger wollen nicht gern arbeiten; die Erfahrungen der Vereinigten Staaten geben der Auffassung der sozialdemokratischen Fraktion nicht reckt; trotz aller Kulturbesirebungen bleiben sie auf der untersten Stufe. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß unsere Plantagenbesitzer die Arbeiter gut und billig erhalten, insbesondere durch gute Transportkontrakte. Dann wird Ostafrika einmal ein gutes Baumwollland werden. Die Verdienste der Missionen erkennen
kurz oder lang zu Konflikten mit England führen muß. Die Kolonien werden unsere Auswanderung nicht aufnehmen. Ebenso werden sie nickt unseren Bedarf an Rohbaumwolle decken können. Tie Eingeborenen wc.dcn lediglich von den Baumwoll- emfäufern übervorteilt, die mit großen Hoffnungen in Betrieb gesetzten Plantagen enttäuschten. Unter haltlosen Vorwänden I
Wasser-, Kredit- und Sckutztruppenrrage erst beim Etat Westafrika und die Rassen, und Mischehensrage beim Samoa besprochen werden.
Abg. Henke (Soz.):
Wir lehnen die ganze Kolonialpolitik ab, weil sie
Dienstag, 50. April 1912
HHaftenfbruef und vertag der Brübliche» UnnHtfuäK - Buch- und 6ieinbrudcttl R. Laag«. Gießen.
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Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« (träfet 7. Expedinon und Verlage 5L ReDaftiorce^lll Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Die „Stefeeaer LamiliendlStter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich deig-legl. das „Krelsbletl fflr de» Krell Stetzev" ,we,mal wöchentlich. Die „landwtrtfchaftltche» Seit- (regen“ erscheinen monatlich zweimal.
Unbedingt notwendig iss die Beseitigung der HauS - sklaverei. In Cftafrifa ist aus dem Gebiet der Sklaverei viel erreicht worden. 1891 ist der.Sklavenraub und Sklavenhandel verboten worden. Auch gegen die HauSsklaverei ist vielfach vor- gegangen. Alle na.-b 1905 geborenen ber von HauS» sklaven sind frei. Heute ist der Zeitpunkt gekommen, wo öcr Reichstag durch eine Resolution die gänzliche Abschaffung dieser HauSsklaverei in acht Jahren beschließen muß. Durch die Er. schlicßung deS Land.'S durch die Eisenbahnen ist dieses Institut ohnehin schon auf len Aussterbeetat gesetzt. Die Verwaltung hat em Interesse an der Abschaffung der HauSsklaverei, da drei Viertel aller Prozesse sich hiermit zu beschäftigen haben. Sklaverei darf nicht mit einem Male beseitigt werden, sondern eS müssen llebergangSbestimmnngen getrosfen werden. Jetzt dürfen HauSsklaven zwei Doge in der Wocke für sich arbeiten, in Zukunft müssen eS drei Tage sein usw. Vielleicht legt unS der Staatssekretär 1915/16 eine Denkschrift über die Vorarbeiten vor.
Sehr bedenklich ist der gewaltige A l k o h o l k o n s u m in den Kolonien. Gegen den Biergenuß hätte ich nichts: jeden Tag ein Liter Bier ist fein Staatsverbrechen! Wenn die Schwärzen nichts anderes tränken als gutes deutsches Bier, so wäre das nicht gefährlich. Das gönne ich den Leuten da draußen gern! (Heiterkeit.) Herr Henke sieht nicht so aus, als ob er kein Bier trinkt. (Heiterkeit ) Das gilt für die weiße Bevölkerung. Gegen den Alkoholgenuß der Eingeborenen — in jeder Rorm — verlange ich allerdings das schärfste Vorgehen; das ist Gift. Auf der internationalen Alkoholkonferenz in Brüssel sollt? unsere Regierung eine große Erhöhung des Alkobolzolls in den Kolonien beantragen? das gleiche gi't für die Transportkosten inö Innere, die Einickränkung der Lizen-en. Früher leistete Portugal Oppo- lition, auch England; jetzt tun sie es nicht mehr; aber unfaßbar ist mir, daß es jetzt Frankreick tut — diese große Ration gegenüber uns barbariidien Dem scheu! Hoffentlich beantragt Frank- reich jetzt in Brüssel eine Verdreifachung deS Zolls, damit dieses Gerücht beseitigt wird. W'll Herr Solf seine Aiisgabe in unseren Schutzgebieten erfüllen, so muß er für Stärkung und Erziehung Ser Eingeborenen sorgen.
Akg. d. Döhlendorss-Kölpin (Kons.)'?
Herr v. Lindequist erklärte hier vor einem Jahre: In der Kolonialpolitik geht es vorwärts! Tas ist richtig, wir sind and) im vorigen Jahr» ein gut Stück vorwärts gekommen und ich ipre-che Herrn v. Lindegiiiit noch jetzt innere Anerkennung au-. (Beifall.) Die Basis unserer ganzen Kolonialwirtschast sind di' Zufuhrwege; da hat das Brückenunglück in Lome für das Schutzgebiet eine große Kalamität geschaffen. Der stetige Ausbau der Bahnen ist ein dringendes Erfordernis; sie sind dort draußen noch auf lange Jahr» hinaus Meliorationöbahnen; werbendes Kapital sollen sie später werden. Wohlwollende Be> Handlung berieninen, die etwas zu verfrachten haben.
Der Sitz des ober st en Kolonial,Gerichtshofs kann nut Berlin fein: unser orientalisches Seminar muß baldmöglichst zu einer AuSlandkakademie ausgestaltet werden, an der jeder, der im Ausland feinen Beruf sucht, sich auSbilden kann. Wir hoffen auf recht erhebliche Vermehrung der überseeischen Postämter. Die Produktion in den Schutzgebieten muß auf da- äußerste gefördert werden, ohne einseitige Begünstigung der Vlantagen- oder der Eingeborenenkultur; jede, wo sie am Platze ist. Dazu gehört eine in der Behandlung der Arbeiterfragen gc- schickte Verwaltung. Der Eingeborene ist das höchste Gut in der Kolonie, ihn darf man nicht schlecht, behandeln. Gewiß kann mal hier und da etwas passieren, aber man darf nicht verallgemeinern. Wir haben sehr tüchtige Kolonialbürger.
Abg. Frhr. v. Nichthosen (9?atL):
Für das ReichS-Kolonialgericht ist die Frage Berlin oder Hamburg ja heute nicht zu entscheiden: meine persönliche Svm- pathie geht nach Hamburg. Auch wenn wir spät gekommen sind, so ist es nötig, Bahnen zu bauen. Wir stehen in der Welt in einer viel schwierigeren Handelssituation als die anderen Kolo- nialftaaten und doch gehen die mit aller Kraft darauf aus, sich die Rohprodukte selbst zu schaffen. Auch wir müssen alle unsere Kraft daran setzen, einen Teil der Rohprodukte für unsere Industrie in unseren Schutzgebieten zu ziehen. Für die Baumwolle liegt eS sehr günstig.
Die Vögel öcs Aristophanes.
Zur Vorbereitung auf die am nächsten Freitag ftattfinbenbe Stubentcnaufführung her Vögel, sendet uns Prof. Tr. Körte folgenbc Einführung mit der Bitte um Aufnahme:
Am 3. Mai werben Gießener Studenten zur Feier bes 100jährigen Bestehens bes tlattisd)-phllologiichen Seminars bic Vögel des Aristophanes im hiesigen ^tabttheater aufführen. Ties Meisterwerk des attischen Komikers, bas den jungen Goethe zu einer freilich ziemlich malten Fortsetzung anregle, ist für ein modernes Publikum zwar leichter zu verstehen als alle anderen aristopha- Nischen Komödien, aber es wird doch den Theaterbesuchern nicht unlieb sein, vorher eine kurze Einführung zu lesen.
Tie Vögel sind nicht eigentlich eine politische, sondern eine phantastisct)-märchenhafte Komödie, aber sie sind doch aus einer ganz bestimmten politischen» Situation und 5tinunuiig heraus- gewachsen. Im Fahre 415 halten die Athener eine glänzende flotte nach Sizilien geschickt und erhofften von dieser Expedition eine gewaltige Verstärkung ihrer Macht, Syrakus, die größte Stadt des gricchisck?en Westens, dachten sie zu erobern, ganz Sizilien wollten sie gewinnen, und noch weiter__ bis nad) Karthago flogen die kühnen Hoffnungen. Eine nervöse Unruhe, ein Taumel der Machtgier hatte das ganze Volk ergriffen, gespannt geartete man auf glanzende Siegesnachrichten aus dem fernen Sizilien. Daß wohl in manchen Herzen der bange Zweifel nicht zur Ruhe kam, ob die Macht des Staates auch zur Turch- iührung des großen Unternehmens ausreichen würde, erhöhte nur das Fieber der Erwartung. In dieser Zeit, bevor nad, wirklich besorgniserregende Nachrichten vom sizilischen Kriegsschauplatz ein- liefen, im Februar 414, brachte Aristophanes seine Vögel aut die Bühne, die den unruhigen Tatendrang des Volkes ins Morchew- hafte übersetzen. Zwei Athenern, Hoffegut und Ratefreund, ilt das Vaterland zu eng geworden, sie suchen eine glänzendere Heimat, ein Schlaraffenland, und den Weg dahin soll ihnen der Vogel Wiedehopf (bei Tropfen Kuckuck, zeigen. Auch er war ja einst ein Athener, der König Tercus, aber nach tragischen Schicksalen ist er von den Göttern in einen Wiedehop, ober meinethalben Kuckuck, seine Gattin Prokne in eine Nachtigall verwandelt worben. Wirklich gelingt es den Wanderern, in einsamem .Gebirge He Bohnung des Kuckucks zu finden, aber bie
Abg. Jckler
Herr Rupp hat alles Verdienst für den Elberfelder Verband in Anspruch genommen; angeblich soll nur dieser die Interessen der Eisenbahner wahraenommen haben. Wir haben schon Stan- deSarbeit geleistet, als der Elberfelder Verband noch gar nickt bestand. Herr Rupp bat eine unehrliche Kampfes« weife gezeigt. (Vizepräsident Dove rügt den Ausdruck.)
Abg. Mumm (Wirtsch. Dag.):
sie als Material überweisen. Die Sozialdemokraten beantragen Ueberweisung zur Berücksichtigung.
Der Hammelsprung ergibt die Beschlußunfähig- feit dcv HauseS. Mit Ja stimmen 84 Abgeordnete, mit Rein 97.
Vizepräsident Dove beraumt um 2% Uhr die nächste Sitzung auf 814 Uhr an: Kolonialetat.
Die zweite Sitzung.
Am Tische des BundeöratS: Dr. Solf.
Vizepräsident Dove eröffnet die Sitzung um 8 Uhr 16 Min.
Der Kolonlalefat
Beim Gehalt deS Staatssekretärs findet eine allgemeine Aussprache statt. Jedoch sollen die Tiamantenfraae, die
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. Ick bedauere, daß Herr Jckler hier^Gegensätze zwischen den berkt'icbcnen Verbänden konstruiert.
Wohl der Angestellten.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
fall.) Ter Redner fordert die Regelung des Familienreckts auf den Palau-Inseln. Jetzt ist dort ein Paradies für Suffragette S.
■ ■ 12.75 M.
. . 21.00 ,
. 25.50 .
TarLnn a'N^'
nahmen die Weißen den Schmarren ihre Deidegründe weg. Erst als Diamanten in Eüdnestafrika gefunden wurden, fing das Kapital an, sich für die Ko.onien zu interessieren; eS wurden dabei große Geschäfte gemacht. Seitdem wollen die interessierten Kapitalisten auch Eisenbahnen bauen. T.'r Tiamantabbau hat auch nachgelassen. Auch von der Landwirtschaft in Südtvestafrika laßt sich wenig Gute» sagen. Tie Arbeiterfrage ist in den deutschen Kolonien ganz besonders schwer zu lösen, jedenfalls müss-n die eingeborenen Arbeiter vor der Ausbeutung der Weißen geschützt werden und vor unmenschlicher Behandlung. Im all- gemeinen ist der Neger durchaus kein Faulpelz, nur kennt er nicht die Intensität unserer Arbeit, diese empfindet er wie eine Hölle.
Die Kolonialpolitik ist aber lediglich ein Geschäft, wie alle Steuerungen dcS Imperialismus der nur die eine Lo'ung kennt: Geschäft ist Geschäft. ES kommt vor, daß die Neger über die vereinbarte Zeit von den Farmern fesigehaltcn werden. Wie dieser FreiheitSberaubuna gegenüber eingeschritten wird, erfahren wir nicht. Auch die Arbeitödauer ist viel >u lang. Wo bleibt da Ihr Christentum, wenn ein Mann wie Vizepräsident Dr. Paasche die Neger Arbeitstiere nennt? Sie sind entwicklungsfähig und sollten zur Kultur berangezog-n werden, io daß sie Bücher und Zeitungen lesen können. (Lacken.) Der Schwarze darf nicht unmenschlich, wie ein Vieh behandelt werden.
Die Missionen verursachen manche Konflikte. Ter Redner verweist auf die abfällige Kritik, die auch Dr. Rohrbach an der MissionSläiigkeit geübt hat. Die Weißen sollten endlich den Schwarzen ein gutes Beispiel geben. Aber was da in den Kolonien an Alkchol konsumiert wird, ist ganz ungeheuer. Das ist keine höhere Kultur, wenn man Eingeborene mit Schnaps vergiftet. Kapitalisten und Börsenjobber haben allein den Vorteil von der Kolonialpolitik. Wir lehnen sie ab.
Abg. Erzberger (Zentr.):
Der Vorredner lehnt die Kolonialprtttik völlig ab. Das nimmt sich sonderbar aus auö dem Munde des Vertreters der alten Hansestadt Bremen. (Zustimmung.) Wenn es nach H.-rrn Henke ginge, da würden wir keine Kolonien und keinen Staatssekretär haben. Soll sich Deutschland in ein Schneckenhaus zurückziehen? Jede Rede gegen die Kolonien kommt zu spät. (Sehr richtig!) Wir haben eben die Kolonien. Sie aber schließen die Leute aus Ihrer Partei, wenn sie vernünftig werden und für Kolonien ein treten, wie der frühere Genosse Hildebrand. (Lach.'n der Sog.) Sie widerlegen nichts, sie lachen immer nur. (Lachen der Soz.)
Immer dieses ftcreoHjpc Lachen! (Lärm der Soz.) Denn Sie sich nicht zu helfen wissen — in Versammlungen und im Reichstag — immer lachen Sie. (Lärm der Soz.) Sie lehnen alle Kolonien ab. Sie würden auch Indien, Eanada und Australien ablehnen, wenn ein günstiges Geschick uns diese Länder schenken würde. Das ist eine politische Rückständigkeit, wie man sie bei keiner anderen Partei findet. (Lebhafter Beifall, Lärm der Soz.) Gerade im Interesse der Arbeiter ist die Kolonialpolitik nötig. Herr Henke behauptet, Deutschland habe keine höhere Kultur nach Afrika gebracht. Ja, find denn Sklavenjagden und Menschenfresserei Ihr Ideal? Tie sind dock durch uns abgeschafft worden. Tie Entwicklung in Afrika ist sehr rasch vorwärts gegangen. Tas hat der größte Optimist nicht erwartet. Denken Sie nur an Ostafrika. Herr Henke will die Hüttensteuer abschaffen. Was wollen Sie dafür einführen? (Abg. Henke: Die Erbschaftssteuer!) Tie besieht ja schon in Cftafrifa! (Zuruf links: Sind Sie auch in Deutschland dafür?) Darüber habe ick Ihnen hier keine Aus- fünft zu gebenl (Lachen der Soz.) Notwendig ist eine dritte I n st a n z im Heimatlande für unsere Kolonialgerichte. Der Reichstag könnte das noch vor Pfingsten erledigen. Erforderlich ist auch die Regelung des Rechts der Ausweisung aus unseren Kolonien.
Tie schweren Angriffe gegen die Missionen weise ich zurück. ES ist bedauerlich, daß er hier all den Unsinn vorgetragen bat, den Rohrbach geschrieben hat. (Beifall im Zentr.) Auf diesem Gebiete ist Rohrbach nach keiner Richtung hin Autorität. ES ist unerhört, daß hier Männer beschimpft werden, die opferwillig auf alle Errungenschaften der Kultur verzichten und ihr Leben den Schwarzen widmen. Diese Leute leisten mehr als je ein sozialdemokratischer Abgeordneter in seinem Leben leisten wird. (Beifall im Zentr.) Henkes Rede stach sehr sonderbar ab von den Reden der Abgeordneten Ledebour und N o S k e, die ousdrücklick anerkannt haben, daß die Missionare Kulturträger sind. (Hört? Hört! im Zentr.) Herr Henke hat nicht die Spur eines Beweises erbracht. Er behauptet etwas, und damit ist es aus. Auch Vielweiberei wird von den Missio- naren nickt geduldet. Das ist ganz ausgeschlossen! (Abg. Henke: ES ist dock wahr!) Wo sind Ihre Beweise? (Abg. Henke: Beweisen Sie es dock, daß die Misssonen eS nicht
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(Al >912
Mb. Deutscher Reichstag.
49. Sitzung, Montag, den 29. April.
Am Tische de» BundeSratS: v. Breitenbach, Dr. Solf.
Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. mit bet Mitteilung vorn Eingang eine» Gesetzentwurfes über den Zusammenstoß von Schissen.
Der Etat der Reichselfenbahnen.
Die Abstimmung über die Lobnzahlung an Dockenfeier- tagen, die am Sonnabend zur Feststellung der Beschluß Unfähigkeit des Hauses führte, wird in Hinblick auf die bei Beginn der Sitzung noch unzulängliche Besetzung deü HauseS erst am Schluffe der Beratung dieses Etats erfolgen.
Abg. Dr. Weill (Soz.)
tritt für die Forderungen her Schaffner ein mit einer Polemik gegen die Arbeitervertreter de» Zentrums, die den Sozialdemo traten das Recht absprechen, für die Arbeiter und Beamten der elsässischen Bahnen einzutreten; da» wird von diesen in einer Weise gewürdigt werden, die den Herren vom Zentrum nicht angenehm sein wird.
Abg. Schatz (Els., Zenfr.)
befürwortet eine Eingabe der Weichensteller.
Abg. Werner (Rfp.)
nimmt sich der Eisenbahnbureaubeamtcn im Elsaß an und spricht hernack über das Lohnshstem.
Mehrere der für andere öcamtenfategorien gemeldeten Redner sind nicht anwesend.
Abg. Rupp-Marburg (Wirtsch. Vgg.)
befürwortet die Resolution der wirtschaftlichen Vereinigung, die daS passive Wahlalter für die Arl'eiterauSfcküsse auf da? 25. Jahr herabgesetzt haben will und spricht über die Lohnverhältnisse der Eisenoahndindwerker und -arbeitet im Sinne der Wünsche des Elberfelder Verbandes.
Abg. Schwabach (9?atl)
fragt an, warum die für bedürftige Pensionäre niiSgeworsene Summe von 60 000 Mark nicht voll auCgcgebcn wird.
Geheimrat Fritsch
erwidert, daß doS Vorhandensein dieses Fonds in den beteiligten Kreisen noch sehr wenig bekannt sei und infolgedessen wenige Gesuche eintreffen. In letzter Zeit hat sich daS allerdings schon geändert.
Orte, die er ihnen als Ziel ihrer Auswanderung vorschlägt, finden nicht ihren Beifall. Ta kommt Ratefreund auf den schönen Gedanken, das Leben der Vögel biete ja alles Wünschenswerte, sie sind bie Herren der Lust, mitten zwischen Erde und Himmel, wenn man das Luftreich mit Mauern befestigt, werden die Vögel Menschen und Göttern überlegen sein. Tie Menschen können sie durch die Tröstung, alle Ernten fortzufressen und durch die Verheißung alles Ungeziefer wcgzufangeu, zur Anerkennung der Oberherrschaft zwingen, und die Götter werden sich schon lügen müssen, wenn bie Vögel künftig nicht mehr die Lpserdüste von der Erde zum Himmel durch ihr Luftreich hindurchpassieren lassen. Ter Kuckuck nimmt den genialen Plan mit Begeisterung auf, aber die anderen Vögel, die er in einem höchst anmutigen Lockltede herbciruit, sind zunächst sehr ergrimmt über das Eindringen zweier Menschen, ihrer Erbfeinde, in das Vogelreich Mit Schnäbeln unb Klauen gehen sie ben unerwünschten Gasten zu Leibe, aber endlich gelingt es Ratefreund, sich bei ihnen Gehör zu vcv- fdjaffen unb sie von ber Vortresslichkeit seiner Idee zu überzeugen. Ter Bau der Vogelstadt wird beschlossen und mit wunderbarer Schnelligkeit begonnen. Noch ist Ratefreund, dem inzwischen Flügel gewachsen sind, mit dem Einweihungsopser für das neue ,,Wolkenkuckucksheim" beschäftigt, da kommen schon zudringliche Menschen, die von der neuen Gründung Nutzen ziehen wollen, ein Dichter, der sie besingt, ein Prophet, der Orakelsprüche kündet, ein Mathematiker, der sie vermessen, ein attischer Kommissar, der sie regieren, ein Gesetzhändler, ber neue Gesetze anbringen will, — mit fünfer Zunge unb ltatschcnber Peitsche muß Ratefreunb sie oerjagen. Kaum bat ein Bote bie glückliche Vollenbung des Mauerbaus geschildert, da meldet ein Wächter, eine Gottheit sei in die Vogelstaot heimlich eingedrungen, und bald erscheint sic, es ist Zns, bic Götterbotin, die sich bei den Menschen über das Ausbleiben ber Cöierbüfte beschweren soll, liebel wird ihr von Ratefreunb unb feinen Vögeln mitgefpielt, beschämt muß sie entfliehen. Nun kündet ein Herolb ber Menschen bereit freubige Unterwerfung unter bic Vogelherrschaft an, wie alles Neue, ist sie den Völkern höchst irillfommcn, schon naht sich Der eine und andere, um selbst beflügelt zu werden. Aber aucki die Götter können nicht widerstehen, der alte Menschenfreund Prometheus kommt heimlich vom Himme. herab, verrät, wie ar? der Hunger bereits die Himml'>^'n onalt, unb rät dem £S Ml*
IANESI-'-»,.
,utek°"mDer Senior:
von Zeus das Königszepter unb bie Hand seiner schönen Tochter Basileia (K'önigsherrschaft) fordern. Und so geschieht es, die drei Göttergesanbten Poseidon, Herakles und ein Bai-barengott, lassen sich durch das Angebot eines guten Frühstücks übertölpeln, Ratefreund holt sich die himmlische Braut, und cin~ jubelnbei Hochzeitszug schließt das witz- und lebensprühende Stück. Es war das letztemal, daß die Athener sich ganz ungetrübten Herzens beim Feste des Gottes der bionysisd)en Lust überlassen tonnten, im folgenden Fahre verwundete die iurd)tbare sizilische Katastrophe dte Macht Athens bis ins Mark und zwei Jahre narb der Aufführung ber Vögel liefe Aristophanes' genialer Rivale Eupotis am Twnysosfest bie großen Athener ber Vorzeit aus bem Hades ÖerauTneigen, um der gesunkenen Vaterstadt Rettung zu bringen.
Nun noch einige Worte zur hiesigen Aufführung. Eine Einteilung in Akte ist der aristopstanifcken Komödie fremd, wir sind mit ber Dreiteilung ben Bedürfnissen des modernen Theaters entgegengekommen. Audi in Tekoration und Kostümen haben wir keineswegs archäologische Treue erstrebt, sondern uns bemüht, mit ben Mitteln der heutigen Bühne zu wirken. Was für ein modernes Publikum unverständlich und uninteressant ist, vor allen' die Fülle der persönlichen Anspielungen, die Tür Die Athener einen besonderen Ren ausmachten, wurde größtenteils gestrichen, au.r die Ehorlieder, für die uns ja die antike Musik fehlt, sind stark gekürzt worden. Nur eine Hauptleistung des Ehors, die Parabase, die sich hier mehr als in anderen aristophaniid,en Komödien der Handlung einfügt, haben wir nicht anzutastcn gewagt; sie hat ihren Platz am Beginn des zweiten Aktes unb wird teilweise zu der originellen Musik eines Münchener Philologer Tr. Meyer-G'schrey*rezitiert.
Es hat bedeutender Lp-er — namentlich die Anfertigung bit zahlreichen Vogelkostüme in Anlehnung an Vorbilder Münchener Künstlertheaters war recht kostspielig — unb vor allem ber freudigen Hingabe aller Mitwirkcnbuti bedurft, um oies att.sche Märchenspiel auf der Gießener Bühne lebendig zu machen, möge nun bas Gießener Publikum die jungen Künstler, bie bei der Direktion des Staottheatcrs das liebevollste Entgegenkommen faiu den, durch ein volles Haus belohnen.
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