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In demselben Sinne schreibt die „Krcuzzeitung' o.:
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Die „Tägl. Rundschau" schreibt:
Dos Urteil des Oberkirchenrats gegen Traub wird m weilen skreisen wie eine grobe Ueberraschung wirken, aus die man nch ■ nicht gefaßt gemacht hatte. Denn Traub war eine Penonlichlett
Die „Kölnische Zeitung" bemerkt:
DaS ist ein Urteil von so außerordentlicher und überraschender Härte, bor> eS sicherlich die liberalen Kreise im Protestantismus zu dem stärksten Einspruch dcrausfordern wird. Tenn wenn auch nicht tue liberale Weltanschauung Traubs unter Anklage land, sonder,i nur sein sormales Verhalten, so war es doch eine liberale K r i t i k, die er an den kirchlichen Zustandeii und Einrichtungen üble, und aus seinem entschiedenen Liberalismus heraus gewann sic ihre schlagende Wucht und schneidende Schärte. Tas Urteil benn-ift, dasr die Leiter der preußischen Landeskirdne nicht mehr weitsterhig genug denken, um solche Kritik ertragen zu können, daß sie aus ibn vielmehr mit dem schwersten Strafmittel dreinschlagcn, das sie zur Verfügung haben. Sie werden dem liberalen Kritiker und weitberühmten Schriftsteller Traub damit den Mund nicht verbinden: aber sie haben eine Gemeinde um einen tüchtigen und beliebten Seelsorger ärmer gemacht und damit der )Urche ernsthaft geschadet, der sie zu bienen meinen.
Achnlich sprechen sich auch aitbcre nationallibcral? Blätter aus. So schreibt u. a. die „Mag beb. Ztg":
Wie unter diesen Umständen ein solches Urteil gesprochen werden konnte, bleibt vor der Hand wenig verständlich. Es must abgewartet werden, waS die Begründung selblt dazu zu sagen weist. Sollte es richtig sein — mir hoffen immer noch auf ein Dementi — so wird es dem Frieden innerhalb der evangelischen Landeskirche kaum dienlich fein: denn man wird die Empfindung nicht los, als ob die Gelegenheit benutz sei, um mit Hilfe eines Disziplinarverfahrens einen Geistlichen zu beseitigen, dem nicht mit dem Spruchkollegium beizukommen war.
In der „Voss. Ztg." schreibt ein cckangcl. Theologe:
Für das Urteil des Evangelischen Oberkirchenrats gegen den Pfarrer Traub gibt es nur eine Bezeichnung: Unerhört? Nicht einmal den Titel Pastor darf er mehr tragen. Mit Trunken holden und Ehebrechern ist er auf eine Stufe gestellt worden. Seine Kinder können von Oberkirchenrats wegen betteln gehen, wenn sie hungrig sind. Und das einem Manne, dessen pastoraler Amtsführung die erste Instanz, das Konsistorium in Breslau, ein geradezu glänzendes Zeugnis ausgefteUt hat! Wahrhaftig, man weist nickt: soll man meinen oder mit den Fäusten drein- fcklagen? Wir billigen nicht jedes Wort, das Traub gegen Kirchenbehörden und Synoden geredet ober geschrieben hat. Er mag in feiner Kritik manchmal daneben gegriffen haben. Aber wagt denn der Evangelische Lberkirchenrat im Ernst zu bestreiten, baß TraubS Kritik, auch die zu scharfe Kritik, ihren Grund in brennender Liebe zur Wahrheit und zur evangelischen Kirche hat? Wagt der Oberkircheiirat zu bestreiten, daß Traub gerade wie Iatho Tausende dem religiösen, dem Iird)lid)en Leden rnicder- geroonnen hat, die sonst der Kirche rettungslos verloren gegangen mären? Und solchen Mann stützt man aus der Kirche heraus? Und hundert Stümper, die mit ihrem vollkommenen Unverständnis für das, rnas cm moderner Mensch empfindet und verlangt, die Kirche in immer ärgeren Mißkredit brjpgen, duldet man oder zeichnet sie gar aus?
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Gin Mann, bet von seinem Glauben sagt: „Das glaube ick? Vor mir liegt das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis. 3d> lehne dieses Bekenntnis der katholischen 9icid)ölird)c als mein vlaubensbelenntnis vollständig ab!" durfte nicht Pfarrer der Landeskirche blecken, die auf diesem Glaubensbekenntnis steht. Itaub ist sein Recht geschehen. Er hat erlangt, was er gewollt hat.
Die „P. o ft" schreibt:
Zrhr. v. hertling und der Staatsvcrtrag mit preuhen über die Nlassenlotterie.
Bekanntlich hatte die bayerische Kammer ber Abgeordneten ben Lotterievertrag mit Preußen abgelehnt unb ber Regierung eine eigene bayerische Klassenlotterie einzurichten empfohlen. Im Ausschuß ber Kammer der Reichsräte wurde jedoch ber Vertrag mit Preußen genehmigt. In ber Kammer ber Reichs rate selbst ist gestern ber Ministerpräsident Frhr. v. Hertling lebhaft für die Vorlage eingeiretcn und er hat badet sehr durchsichtig auf bte Erfüllung der bayerischen Jesu i t c nw ün s ch e angcspielt, die er sich als Gegenleistung denkt. Es wird uns berichtet:
München, 4. Sept. In ber heutigen Sitzung der Kammer ber Reichsräte führte Ministerpräsident Freiherr v. Hertling aus, er empfehle dringend die Annahme des Staatsvertrages mit Preußen über bie Ä I affen lotter ie auch aus politischen Gesichtspunkten.
Bayern nehme zurzeit im Reiche eine durchaus gute Stellung ein. Tie Beziehungen Bayerns zu den deutschen Buickesstaaten feien durchaus bciriedigend. Daß geraoe die Stellung Ban er ns im Bundesrat so ausgezeichnet sei, verdanke man grösttenteils ber langiährigen und ausgezeichneten Vertretung, welche Bayern im Bundesrat befifc. Wir dürfen, fuhr der Minister^fort, diese ausgezeichnete Stellung auch in keiner Weise aufs Spul setzen Daß Bayern un Reid- eine Sonderstellung einnimmt unb durch besondere Vorrechte vor aoberen Buickesstaaten ausgezeichnet ist, ocrbanlen mir Bismarck und rcdmen ihm das hoch an. Wir müssen aber aui-erorbenthd) tror|id;ng sein, und bicfe Stellung jU p<n übrigen Bundesstaaten mit größter Rücksicht auf bereu etroaige Empfindlichkeit ivahren. Es wäre nuchts gefährlicher, als wenn Bayern ui dieser Frage, die Bayern f e l b ft ange- r c g i und zu cingebenben Vcrhandlimgcn geführt hat, sich nachträglich auf die Seite stellen würde. Wer sich lelbst auf die Seite stellt, wird von anderen auf di.' Seite gelegt, ro o er die Unter ft Übung der anderen sehr notwendig hätte. Ter tut nicht gut, sich zu isolieren, oer wieder aur freunblidyc Unterstützung angewiesen ilL Wenn wir mit der größten Rücksicht aui die Enipsindlichkeit anderer Bundesstaaten unsere Stellung im Reich wahren roollcn, so brauchen wir nicht alles nachzuurachen, was von dem einen ober tuckeren Bundesstaat gemacht wird. Wenn wir aber selbst Per Handlungen angeregt haben, so müssen wir eine Verstimmung befürchten, wenn plötzlich diese Verhandlungen nicht zum Ziel führen. Ich bin der Meinung, daß preußenfreundliche Gesinnung mit lebhafter Betonung des bayerischen Lelbstgerühls und des bayerischen Patriotismus wohl vereinbar ist. Freiherr v. Hertling bat schließlich das Haus, dem Staatsoertrage zuzu« frimmen. .
darauf wurde bie Vorlage mit allen gegen brei stimmen angenommen. Tie anwesenben Prinzen stimmten für die Annahme.
Der Hälfet in der Schweiz.
Zurich, 4. Sept. Ter Kaiser begab sich heute vormittag um 6.25 Uhr im Spezialzuge ins Manövergelänbe unb tras turz vor 8 Uhr bei Kirchberg ein. Er suhr zunächst aus eine Anhöhe, von ber aus man einen oollstan-
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ja.IS loBt sich kaum leugnen, daß die meisten Mitglieder der leiideslird-e heute nicht mehr auf dem Standpunkt des Lberkirchen lates ftehen. Die evangelische Landeskirche geht also einer sehr jbmeren Krisis entgegen, wenn sie, wie bisher, den Kampf fort- s.tz:. Ties aber scheint uns im Interesse der Landeskirche bc-
tigen Ueberblicf über die Angriff:-dlbschliissc ber fünfter blauen Division genießt. Kurze Zeit nacfiljer unternahm der Kaiser in Begleitung von Bundesrat Hoffmann eine Automobitsahrl zur fünften Division, um beten Anstellung eingehend zu besichtigen.
Tie fünfte Division eröffnete den Angriff auf die roten Kolonnen um 8.30 Uhr durch ein lebhaftes F uer auf ihre ganie Angriffsfront. Uebrr nacht hatten ftch beide Kampflinten kni- (egraben, und die Truppen biwakierten in den Schützengräben. Der Angriff ist in ferner Gliederung und Durchführung mobl überbadu unb madit mihtärifd) einen sehr guten Eindruck. Nach einem heftigen Gegenangriff durch die roten Truppen mußten die blauen Truppen Citioil raumen und sich nadi Gäluvil uirüd.neben. Um 10.45 Ubr dauerte daS Gefecht auf der ganzen Linie nod) fort, ohne daß eine bemerkenswerte Aenderung i» dec Stellung der decken Parteien eingetreten wäre. Ter Kaiser ist nm 10 Uhr von der BeildstigungSfahrt der Stellung bet fünften Tivision aus die Anhöhe westlich von HäusligS zurück- gekehrt. Um 11.15 Uhr mar das Gefecht noch in vollem Gange.
Gegen '/,l2 Ubr gelang es der blauen Tivifion, die rott Tivifion im Zentrum zurückzudrängen. Die rote Division nahm vor 12 Uhr neuerdings Aufstellung bei Hohenbühl. DaS Gelecht näherte fid) um 12 Uhr ber Entscheidung.
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der Gegner lernen tonnte. Der Breslauer Dii^iplmarhos hatte tzüberdies anerkannt, es fei Traubs alleiniges Bestreben geroejen, »k-ssere Zustunde in der Landeskirche herbeizuiühren, lemem ^>cr [tuten hatten niemals unedle Motive zugrunde gelegen, er nur le in | Einer Gemeitcke mit treuem Fleiß und aufopfernder -tede, |em Ischarfes, rüc.'uchtslofes Vorgehen fei hauptsächlich erst im letzten tbchrc seit uem Falle Iatho hervorgetreten. Andencits Uetz »sich nid)t verkennen, daß Traub sich schwere Bloßen gegeben j litte, die denselben Gerichtshof veranlaßten, das Urteil der wtrai- 4 lerfecung über ihn auszufprechcn. Er hatte von einem Bcichlutz ji.t westfälifchen Provinzialfvnode zugunitcn des Piarrbeietzungs- Iteü'bcö ui der „Ehr. Freiheit" geäußert, so kläglich hätte er dn D^-roviiizialfynode doch nicht eingesckätzt. xraub hoi gerouic Bor I Inge jn dem Verfahren gegen Iatho als empörend unb_ ungc- I i.iid) bcicidnict, hat das Ztteuz in dem siegel des spruch- 1 - lcgiums wie auf dem Tisch des Oberkirchenrats iroitinert, von ■ biektivcr Heuchelei und religiösem Verbrechen goprodx’ii, den I tusdruck gottlos gebraucht und schließlich nicht vermieden, die ? Gauberfcit der behördlichen Akten unb die bona tckes des Spruch I HlcgiumS teils direkt, teils indirekt anzuzweifeln. 2. ab dies alles i I ate fachliche sltüif weit überschritt unb geeignet war, bie Be- I örde in der öffentlichen Meinung herabzufctzen, stand außer I sweisel. Die Frage konnte nur fein, was in der Wagichale der I Berufungsinstanz fdimerer wiegen würde: der Gesamtemdruck von »Lraubs Perfönlickkcu und pastoralem Wirken ober bicjc lortgc- I itzten verunglimpfenden Angriffe auf die vorgeieyte Behörde, ■ ic nach außen hin ben Eindruck erwecken mutzten, als gehe es in I er evangelischen Landeskirche und ihren leitenden Korperichatten I tarntet unb brüber Der Cbcrfirdicnrat ist zu dem Erg^.dnn> Iroigt, Traub fei nickt länger zu ertragen, und bie Art femtö
Ergehens löse schließlich jede kirchliche Gemeinidiatt aut, einer ei ob der Lckeralismus oder die Crtbobo$ie am Ruder 1 er. Wie Dalautet, umfaßt die Begründung des Urteils wett über tuntztg •yoliofeuen, deren Veröffentlichung abzuwarten icm wird, ehe zu Für unb Wider endgültig Stellung genommen werden tann. eins ist gewiß, daß bte evangelische Kirche neuen heitigcn o-eböen entgegengeht, die wenig geeignet lind, ihre Kra t uno 4« Ansehen zu erhöhen. Indessen dart bock- auch nicht ubeneh^n I □erben, daß die Tienstenilassung Traub» un Untcrmiub fon > ^iackho lediglich bisziplinarcr Natur i|t und mit den glauben» | sichten Traubs in keiner Weise jn tun ha^
!winnc, beit; Tßcflcnfl* JE} ta|h Die er nlll. (Ättrns ie kleineren . ♦ bar auf Sm ISRMieti ■ 0 und Lme i f- >. bei allen Itnr Ancen
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Kirchberg, 4. Sept. Der Kaiser mit dem Bundes- iräsidcnten und dem gesamten Gesolge lckgaben sich von Wil mit dem Automobil nach Kirchberg. Hier hatte ich die rote Partei, die C>. Division, aus dem Hügel füblid» von Kirchberg im Halbkreis cingograben, wo die blaue 5. Tivifion von Silben erwartet wirb. Hier hielten auch Oberst Wille unb bie gesamte Manöverleitung sonne bie Tcmbcn Militärattachees. Von ber Höhe <ms bot sich bei hellem Sonnenschein ein klarer Blick ins Manöver- gelänbc. Man sah über grüne Hügel bis zu den Alpen mit bem Säntis im Hintergründe. Der Kaiser unternahm obann im Aittvmobil eine große Runbsahrt über Diels« wil, Fischingen unb Gähwil, wobei er den rechten Flügel! der roten Division unb ben linken Flügel ber blauen Division im Marsche sah. Ter dkaiser stieg untenvegs auch ans bem Automobil unb begab sich in bie Schützengräben, wo er bie Geivehre ber Leute in bie Hanb nahm unb bie Leute uner kannt ansprach. Tas Publikum war überall in großen Haufen Ijerbcigcftrönu un^ brachte bem Kaiser allenthalben herzliche Kunbaebungeu dar. Um 10 Uhr kehrte ber Kaiser zurück auf bie Höhe bei Kirchberg, beobachtete hier lange bie Entwickelung be» Gefechts unb unterhielt sich lange mit Oberst Wille unb darauf mit bem Bunbespräfibenten. Gegen Mittag horte man heftiges Gewehrfeuer. Die blaue Pattei stürmte nach einem großen Umgehungsmarsche ckie Höhen. — Der Kaiser trug bie Uniform der Garben schützen. Wie man hört, soll bies geschehen sein auS Erinnerung an bie Muenburger Jäger unb mit Rücksicht barauf, baß bie Schweizer ein Schützenvolk seien.
Fraucnfelb, 4. Sept. Der Kaiser traf mit Gefolge unb den übrigen Persönlichkeiten um 1.43 Uhr auf der Schaffhauser Jttingcn, einem ehemaligen Kloster, ent, das jetzt un Besitz bes Obersten Fehr ist. Dieser empfing die Gäste am Portal unb führte sie burch die giäuine, bie wertvolle Antiquitäten enthalten. Der Limch wurde im ehemaligen Refektorium ^eingenommen. Um 3,15 Uhr erfolgte die Abfahtt der Automobile nad) Frauenfeld. Von bort begab sich ber Kaiser mit bem Zuge nach Zürich.
Zürich, 4. Sept. Der Kaiser ist um 4.22 Uhr mit seiner Begleitung in Zürich eingetroffen unb würbe von einer großen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Der Kaiser fuhr im Automobil nach ber Villa Rietberg. Das Wetter ist anbauernb prächtig.
Zürich, 4. Sept. Beim heutigen Abenbefs ber Villa Rietberg nahmen 19 Personen teil, den Herren bes kaiserlichen Gefolges auch bie zum persönlichen Tienst bes Kaisers kommanbierten schweizerisck-en Offiziere unb Oberst Wille. Als Taselschmuck bienten alte silberne Becher unb getriebene Schalen unb Golb- schmicdcarbttlen aus bem 16. unb 17. Iahrhunbett, bie aus dem Familienbesitz bes Hauses stammen.
Zur Verurteilung Traubs.
Die Ausstoßung beS Pfarrers Traub an5 feinem Pre- 16iflcrbcruf Ijat nicht nur überall übcrrafrfKnb gewirkt, fon* I bem im größten Teil bes protestantischen Lagers leb- $ haften Wiberspruch geuwckt. Ueberall loirb bte Meinung w liuit, baß bie evangelische Kirche bamit schiperen inneren Krisen entgegengesiihtt werbe. Nur einige otthoboxe Blätter wie bie „Kreuzztg." unb ber „Reichsbvte" billigen , ba5 Urteil. Tie „Tägl. Nunbsch." äußert xurüdfialtcnb, bie schweren Angriffe Traubs auf seine vorgesetzte Bchörbe * seien mit in Betracht zu zielten. OKwiß, niemand wirb biefer torgesetzten Behörbe bas Recht nehmen wollen, einen v Untergebenen, ber ihr mit belcibigenbcn Wenbungen j- opponierte, zu strafen. Aber es herrsdit eben ber Einbruck vor, baß man ben libcralcnPrebiaerkos fein wollte. V Nenn man feine Persönlichkeit, sein Wissen unb Können I jo hoch einschätzte, konnte man es bei einem scharfen Ver- wcis ober Strafanbrohung bewcnben lassen. Staatsmän- ‘ nische Nirchenlenker hätten biejenige Form gefunben, bie jur Traub eine Strafe bebrütete unb auch von seinen streunbcn als gerechtfertigt angesehen werben mußte. ES wird nun nicht viel nützen, baß Die Kirchenbehörbe sich auf ihren Schein Herust; man wirb ihr eben vorhalten, das; sie bie liberale Geistlichkeit habe treffen unb ein- ichiichtern wollen. Da bie Angelegenheit noch viele Folgen nach sich ziehen wirb, ist eine Zufammenstcllung ber wich- tieften Presfcäußerungen wohl angebracht:
Der „Reichsbvte bemerkt:
Man muß sagen, daß bas Urteil bem Empfinden unb ber Erwartung der bekenntnistreuen Kreise entfpridjt. Anders konnte uyü Durfte cs nicht ausfallen, denn eine Strafversetzung hatte keinen Sinn, llebriflcnd bandelte es sich um ein Urteil ber Oberkirdxw bchörbe und nicht des Spruchkollegiums: denn daß der Fall vom Cbcdirdicnrat dem Spruchkollcgium übergeben wäre, darüber ilt bisher nichts bekannt geworden.
TaZ Nachtfest auf dem Züricher See.
Zürich, 4. Sept. Ein wunderbarer Abend, wie ge< macht für ein Nachtscst, wölbte sich, über Zürich. Schon von 6 Uhr ab wälzen sich die Menschenmengen gegen beit 3cc. Tic Passage der Brücke war schon nach 7 Uhr nicht mehr möglich. Tie Zahl der Zuschauer stieg bis zum Einbruch der Nacht auf Hundetttaufende an. Der Kaiser trat auf dem Schiff „Stabt Zurich" gegen 7>/r Uhr bie Seefahrt an, bie ihn ungefähr brcioicrtel Stunde wett auf bte Höhe bes Sees führte. >rurz vor V,9 Uhr kehrte bas Kaiscrfchiff gegen bie Stabt zurück. Schon feit 8 Uhr füllten hunderte, zum Teil überaus prächtig beleuchtete Boote bas Seebecken. Puntt V-9 Uhr gab eine Signalbombe bas Zeichen für ben Beginn ber Beleuchtung, bie mit großer Regelmäßigkeit ein« setzte und ein Bilb von unbeschreiblicher Pracht bot. Um 8 Uhr 40 Minuten begann bas Feuerwerk, bas genau eine Viertelstunde bauerte. Unter ben Beifallsrufen ber Menge folgte ein Bilb bem anberen, bis um 8 Uhr 45 Minuten ein Ricsenbukett, bestehens aus breitaufenb Raketen, Granaten, Kobolbbatterien unb vielen Polyp-Bomben bas Feuer becnbctc. Es herrschte eine enthusiastische Stimmung. Ter Kaiser landete kurz nachher zur Rückkehr in die Villa Rietberg Auf bem SchiN „Stabt Zürich" waren mit dem Kaiser- und dem Bunbespräfibenten außer* dem bas Gefolge bes Kaisers an Dorb, SHtglieber ber Regierung des -cantons Zurich unb ber Stabt Zurich, bie Vertreter der Stabt Zürich in ber Lunoesveriammlung uno anbcrc Ehrengäste. Währenb ber Fahrt an ben mannigfach beleuchteten Ufern bes Sees entlang zogen ber Kaijer uno ber Bunbcspräsckent zahlreiche anwesende ins Gespräch. Tie Siusikkapelle oes Schütze.nbataillons Ar.
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Ht. 209 Erstes Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 5. September 1912
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Die „Kreuz-Zeitung" begrüßt baS Urteil „im Interesse der iDiiigclifd)cn LandeskirdK" mit Freuden. Ob diese Freude gerade Oi Inicreste der Landeskirche berechtigt ist, möchten wir doch sehr Woeiseln. Es läßt fid) gewiß nicht leugnen, daß bic coaiige- jjchc Landeskirche einen Pfarrer wie Traub, der ihre Grund« epten nicht anerkennt, in ihren Reihen nicht zu dulden braucht. l--.ni, aber folgerichtig der Kamps fortgesetzt würde und nicht nur 1 die Pfarrer, sondern auch alle Mitglieder, die md)t aut dem lofiüvcn Boden der Landeskirche stehen, aus ihr ausgeschlolien rx rbcii sollen, dann würde dieses eine Schwächung der Landes- I utie herbeiführen, die mit ihrem Zerfall al S all g cme 1 n e 1 andcskirche wohl gleich bedeuiend wäre. Man mag


