Ausgabe 
21.12.1912 Fünftes Blatt
 
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Ur. 301

Zünsler Blatt

162. Jahrgang

SktzWN Anzeiger

Erscheint Ül-llch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für OberWen

Tiefiie&tnet FanlllevblStter" werden dem ,91n;einev* viermal wöchentlich beigelegt, das KreisWott für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, Dezember 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« ftroBe 7. Expedition und Verlag: e^&51.

Redaklion.^^112. Tel.-Adr.: AnzcigerDießen.

Aus meinem albanischen Reisetagebuch.

Ein Ritt ins Innere des Landes.

Bon Ernst Bollbehr.

Ans der Dampferfahrt nach 'Korfu lernte ich den österreichischen Konsul von Durazzo, Baron Bvruemissa, kennen. Er lud midi ein, ihn einige Wochen in Durazzo zu besuchen, um mit ihm vereint eine Reise ins albanische Hinterland zu machen. Schon einige Tage nach meiner Ankunft in Durazzo wurde bei

^tgesetzt Um 3 Uhr in der sprühe standen wir auf: um 4 Uhr lvaren ttnr mit unserem Kawassen in einer grasten Segel« barke, die, da Windstille herrschte, lange Zeit durch Ruder voi wärts getrieben werden mustte. Wir genossm den Sonncnaus gang. Später wurde es sehr warm, doch zum Glück kam Wind auf, so das; wir schnelle Fahrt hatten und direkt auf Cap Cadonc zusteuern konnten. Delphine umspielten unser Schiff.

Um 12 Uhr legten wir an bem sehr malerischen Strande an Das aus Lelstn bestehende, steil zum User fallende Gebirge war grellfarbig, der Strand schlohweiß mit Tausenden angeschwemm­ten weißgewaschenen, viclgeästetcn Baumstämmen besät. Dazu das farbenprächtige Meer es war märchenhaft schön. Ans hem Cap befand sich ein Leuchtturm erster .Masse, ein Stück hoher Kultur mitten in einem unzivilisierten Laude. Tie Wärter, froh Menschen zu sehen, waren bereits am Strande, um uns beim Landen behilflich zu sein. Wir erkletterten Haus und Turm. Alles war sehr sauber; wir ttankcn Kaffee im Schatten des Hauses und genossen die schönste Aussicht, die man 'ich denken kann; mir Neapel könnte einen Vergleich damit aushaltcn. Alles Gebirge und Meer, zerfallene Festungswerke, von wildem Wein, Erdbeer- und Granatensträuchern und Farren überwuchert.

Am Meer entlang, den steilen Berg hinauf, ging es durch das von Mönckwn einstmals urbar gemachte Land zu einem alten zerfallenen Kapuzinerkloster mit einer Kirche, in der noch alte Fresken erhalten sind. Dann ging die Kavalkade am roman­tischen Strand entlang, wo die Berge steil ins Meer fallen, oft durch die Brandung, über Steine, Schiffswracks und liegende Riesenbäume hinüber, bis wir nach l/2 Stunden rechts abbogen und durch Wiesen, zuweilen auch kleine Flüsse durchwatend dem Gebirge zustrebtcn. Bon der Höhe war eine wundervolle Aus- sick)t aus die waldreiche wilde Ebene Albaniens und seine noch wilderen Gebirgsmassen. Die Abendsonne vergoldete alles in strahlendem Glanz und von ferne leuchtete das Meer.

Wir kamen burrf) kleine Dörfer, unser Grust wurde stets freundlich und ehrerbietig erwidert. Wassertragende Frauen kamen uns entgegen, wunderschöne 'Gestalten in hellen verwaschenen Gewändern, bat Kopf unter Tüchern verborgen. Ucberraschten wir Frauen, die nicht verschleiert waren, so stellten sie schnell Pen Wassertrog hin und zogen ihr Gewand vor das Gesicht, ohne zu bedenken, daß sie dadurch Pen Körper unseren Blicken Preis­gaben.

Die Häuser sind kleine aus Lehm ober Schilf erbaute Hütten, die nur je einen Raum für die Männer und die Weiber haben. Fenster oder dergleichen kennt man kaum. Wir kamen 'durch finsteren Wald und waren bei jeder Wegbiegung von neuem überrascht von der zu unseren Füßen sich erftretfenben gran­diosen Landschaft.

Nach einem drei Stunden dauernden, den Bergsirst entlang gehenden Ritt kamen wir an unseren Bestimmungsort, eine kleine gotische Kapelle, die auf hoher Bergspihe friedlich in der Abend­sonne lag. Am Himmel standen riesengroß ausgetürmte Wolken, die noch von der für uns unsichtbar gewordenen Sonne bestrahlt wurden. Ich konnte noch die Farben aus dem Papier festhalten und als liebe bleibende Erimierung ausbewahren. Mit der zunehmenden Dunkelheit leuchteten bald die Sterne belfer, das Leuchtfeuer am Cap Cadone blitzte aus, Glühkäfer spielten um un-s herum, das Meer, die unten liegenden Urwälder, die Dörfer, hüllten sich in tiefe Finsternis, in der das ganze eben noch so strahlende Bild verschwand.

Der kalte Föhn bläst vom Hochgebirge herüber und stürmt um die Heine Kapelle, die hier hoch oben auf einem Bergrücken steht. Das hohe Holzlreuz, tagsüber weit sichtbar, knackt in seinen Fugen, bietet aber trotzigen Widerstand. Eine Heine Lehm Hütte, dazu bestimmt, den alvanefischen Kapuzinern Schutz und Unter schlupf zu bieten, schaut eben noch sichtbar unter einer oft vom Blitz getroffenen Steineiche heraus. In dem verräucherten dunllen Raum dieser Hütte sitzen mein Reisegefährte und ich am Herd- seuer; ivir sind von vielen wildaussehenden Albanesen umgeben, die durch die um den Kovf gebundenen Tücher ein pbantasttscheS Aussehen haben. Ihre Revolver und die vielen Patronen, die sie wie einen Kranz um die Hüften tragen, haben sie nicht ab­gelegt. Sie Tauern um einen niedrigen Tisch und essen aus einer Schale ihre saure Milch. Schwach leuchten das Herdfeuer und die einzige Lellampe des Raumes. Unser Kawasse bereitet uns beit Tee und das Abendbrot. Nur leise wird die Unterhaltung gc führt, wobei der Kawasse den Dolmetsch spielt; doch aus einigen aufgefangenen Worten, die mir verstehen, hören wir, daß er Jagd Märchen von seinem Herrn erzählt. Er renommierte mit dem Baron, der dreimal dasselbe Lock) einer Karte zu schießen Der möge und noch nie ein Wild verfehlt habe. Tie gegenseitigen Gewehre werden gemustert und es wird nach bereit Preis gefragt: Was zwei Frauen kostet das Gewehr?" Es schließt sich eine Erörterung über di<: Preise der Frauen und Mädckien an: der hiesige Bischof habe den Preis eines Mädchens auf 100 Frs. be stimmt, doch Witwen seien billiger. Ein anderer erwidert, bei ihnen sei es umgekehrt, denn eine Witwe arbeite dock, mehr und fei schon dadurch preiswerter. Jetzt kam die Rede aul die Gast freundschaft. Der eine behauptete, seine Gemeinde täte das Rich­tige, indem sie dem angenehmen Gaste als bestes Gericht gc bratenen Kalbskops anbiete, ein anderer behauptete, der Schwanz sei das schmackhafteste. Einer lachte über den anderen, weil er Weib und Kinder zugleich mit sich essen lasse, während es sich doch allerorten zieme, daß zuerst die Manner ihr Mal entnahmen und den Frauen die Ueberreste überließen. Sie sprachen über das Schießen, über die Blutrache, sodann vernahmen wir zu unserer gc ringelt Freude, daß in dem Walde von Fncha, den mir im Nächsten Tage zu biirdireiten batten, sich Räuber aufhalten sollen. In einer Nacht seien 30 Sckiafe geraubt und die für einen fremden Herrn H*lz fällenden Arbeiter belästigt worben, so daß sie nicht weiter arbeiten wollten. _

Unsere Gastfreunde bieten uns unaufhörlich Kapee an, wovon lie jede Tasse einzeln in einem 11 einen Töpfchen vor unseren Augen bereiten. Wenn sie uns etwas barrcidvii, legen sie'die Hand aufs Herz und mau muß ihre fcfbftgeicrtigten unb geleckten Zigaretten dmncTrmm. In einem Heinen s)icbcnraumc itelst unsere Lagerstätte, ?M!s rohen Brettern gezimmert: ent kleiner roher Brettertisch und ein Sttihl bilden das Gerät. Einige alte Kapuziiierkutten lind die Decken. An der Wand 'hängen einige kleine Deldruckbilder, die tran ben Leiden der ersten hiesigen Kapuziner durch die Alba- 'ttesen unb Türken erzählen. Auf dem einen sieht man einen Bischof, der in vollem Ornat an einen Baum gehängt wirb und tod? das Kreuz mit segnender Gebärde vor sich hält, bann z.u'K Kapuziner auf spitze Pfähle aufgespießt. Der eine, so heißt <: 'habe noch drei Tage lang gepredigt, obwoltz ihn die Pfahlivitzeu Ümrchbohrt hatten. Taten sind darunter gefegt und alles in die !Neuzeit übertragen. Die Männer nebenan unterhielten sich die ganze Nacht hindurch über das große Ereignis, daß zwei Fremde

. ei ihnen eingcEcbrt lvaren, was abgesehen von einigen Kapuzinerr. d:e auch Albanesen sind, nie vorgesommrn war. Dabei soll nta: . er SPizza, die äußerste Spitze des großen Ccfterrcicb, ftiv. tonnen.

Der grauende Morgen war Tür uns vom Ungeziefer geplagt müde, Menschen eine wahre Erlösung. Das selbst bereitete Früh itüd schmeckte herrlich, und dann ging*? zu Bserde in den sonnig?' Morgen hinaus. Allen, die mit uns am Herdsener gescs'c. atten^ reicht en wir unsere Hände, die einzelne von ihnen küßte- Eine Schar bis aut die Zähne bewaffneter Albanesen sckstoß fick uns an, um uns bis zu unserem nächsten Ausenthalt Sckmtz und Geleit zu geben. Wir hätten uns sonst wohl auch nicht znrech: gefunden. Gan.; gefährliche Pfade mußten eingeschlagen werden die für Fußgänger kaum passierbar waren. Die Pferde Ört­erten aber bei gelockertem Zügel sicheren Schrittes hinunter. Ich verglich unsere europäisckzen Pferde, denen kein schlechter Weg zugemutet wird, mit diesen oft edlen Tieren, die nrie die Ziegen klettern und so große Ausdauer zeigen, daß sie kaum von einem 9 stündig en Ritt ermüdet werden. Im Walde sahen mir oft Hammelherden Es war ein komisckwr Anblick, daß selbst bic Buben, die die Schafe hüteten, mit großen Feuersteinbüchsen über der Schulter, mit Pistolen unb Patronen ausgerüstet waren. Im friedlichen Gegensatz zu dieser kriegerischen Ausrüstung trugen manche einen Strickst rümpf in den Händen. Stundenlang ging? nun durch niedriges Gebüsch weiter; wir kamen an Wohnungen vorbei, deren Bewohner vom rauhen schneebedeckten Gebirge mit ihren Herden heruntergekommen waren, um Sckmtz und Futter für das Vieh zu finden. Mämier wie Leiber sahen gar wild aus in ihren Kleidern aus Ziegensellen. Wie bei den alten Ger­manen waren beim Eingang in die Hütten gebleichtoPferdeschidcl auf Pfählen aufgespießt. Sic sollen ein Schutz sein wider den bösen Geist.

Mittags waren wir endlich in einem fast europäischen Stein- hause angetangt, bem Besitztum eines erbansässigen albanesischen Ebelmaunes. Nock) umgaben das niedrige Haus verwilderte Glartcnnnlagen. Ein Wachtturm mit Schießscharten und die großen eisernen Fenstertüren Heften darauf schließen, daß die Vorfahren des jetzigen, in Frankreich erzogenen Besitzers, harte Kämpfe um ihr Besitztum ausgefochten haben mochten. Jetzt war es an ehten Pächter vermietet, der uns ansrelle des abwefenden Haus­herrn begrünte und uns Gastfreunbfchaft anbot. Nach kurzer Rast ging es weiter, dem Flusse Arsen zu. Ein Einbaum biente als Fähre. Wem: bas Wasser zu hoch ist. «wird das Gepäck in den Kahn gebracht, das Pferd hinten angebunden, und bann erreicht man mit vielen Hindernissen das airdere Ufer. Wir zogen vor, hinburck^zusdtwimmeu, und gewandt erkletterten bie Pserbe die steilen Ufcrmänbc. Wieder tarn ein Urwald, der sich viele, viele Meilen weit erstreckte. Gestürzte Baumstämme, vom Regen und der Sonne gebleicht, von wilden Rosen umwuchert: andere Stämme sind in einen Sumpf gefallen und bilden gigantische Formationen. In der 9cähc der Behausungen gcivaljrt man Anzeichen von Kultur, denn Hunderten, ja Tausenden der großen Bäume ist die Rinde mit der Axt abgcljauem; die Baume sterben davon ab, später werden sie abgebrannt Sägen kennt man nickst und der Stamm füllt in Staub und Asche zusammen oder bleibt, als BaumleickL, um die I/mint gepflügt narb, stehen. Ein von Ochsen bespannter .Holzpflug lockert die Erbe, dann wird gesät und oft hundertfach geerntet. Der große Baunrfriedhof wird mit Zweigen umfriedigt, damit die wilden Pferde und die Schafe keinen Zugang haben, und bald entstehen grüne Saatfelder, während dickst daneben itnd) Urwald ist. Gespensterhaft heben sich die toten Bäume gegen den Horizont ab.

Dann auf sandiger Landstraße in scharfem Ritt Durazzo zu. Im Sck'ilf vor der Stadt hatten zwischen Straße und Meer herum-' ziehende Zigeuncr Hütten ausgeschlagen, unb um das Lagerfeuer saßen und standen düstere Gestalten. Als wir näher kamen, näherte sich uns ein junges Weib, nur noch mit Fetzen bekleidet. Der Kawasse gab ihr ein Alurosen. Vor uns gingen in schnellem Schritt, laut vor sich hinredend, ein anderes Ncädchen. Der Kawasse übersetzte uns folgende Worte:Zwei Beutel Gold bat mein Vater für dieses alte Weib iihre Mutter!' gegeben, und^jetzt schlägt sie mich, die Polizei werde ich holen. Sie lief der Stabt zu, dock; au>' den Binsen kam ihr Vater herbei, um sie einzufangen. Sie nahm schnell «einen Stein auf, wollte werfen. Bis der Vater sie packte und zurückführte. Nur das Gesicht unb das schwarze vorgueilende Haar verrieten, daß sie ein Weib war . . .

Nniveriitäts-Nachrichten.

Der ordentliche Professor der Mathematik an der Tech­nischen Hocksckmle in Karlsruhe, Geh. Hofrat Tr. Paul Stäckel, wurde an die Universität Heidelberg berufen.

Der Geheime Medizinalrat Prof. Tr. med. Emil Pon- f i cf, Direktor des pathologisckv-anatomischen Instituts an der Universität Breslau, tritt zum 1. April 1913 vom Lehramte zurück.

Gel cimrat Profes'är Dr. Phil. Hermann Suchier, Ver­treter der romanischen Philologie in der Halle scheu Philo­soph'schon Fakultät bat beim Kultusminister seine Emeritierung zu Eltern kommenden Jahres beantragt.

Vermischtes.

kl. Segeln 5 u Laude. China erfreut sich heute schon eines ganz beträchtlichen Eisenbahnnetzes, und jetzt, da mit der Reoublik das Moderne noch in erhöhtem Maße Eingang findet, kommen unter den Söhnen des himmlischen Reiches die modernen Verkehrs­mittel mehr und mehr in Gebrauch. Vlber dennoch sind in den meinen Landesteilen noch die gleichen Verkehrsmittel üblich, die vielleicht in China schon vor tausenden von Jahren gebräuchlich waren. ?ni Norden hat man z. B. ein höchst seltsames Veför- dernngSmittel. Es lind dreiräderige Wagen, auf denen Segel ge- svannt ünd, und die Geschwindigkeit soll bei gutem Rückenwinde trotz einer nicht unbeträchtlichen Ladung nicht selten 12 Km. in bet Stunde betragen.

* Vomlustigcn John Bull Die großen Augen. Sic:Was für sckniue große Augen hat doch Ediths Mann!" Er:So? Davon habe ich noch nichts gemerkt. Tu bist gewiß mal dabei gewesen, wieder ihre Schueiderrcchnung bekam." Gut gezielt. Polizist:Wie haben Lies denn angestellt, das Sie gerade ins Fenster mit dem Stein getroffen haben?" Suffragette:Ganz e n fach ich habe nach der Mauer gezielt." Höchste Zeit. William Favershrnn nimmt sein Frühstück in einem Hotel und ärgert sich» dabei über einen anderen Gast, der mit dem Rücken zum Kamin steht, sich wärmt und ihm unausgesetzt beim Essen zusieht. Endlich hält er es nicht länger aus, klingelt und ruft-Kellner! drehen Sie doch den Herrn da mal rum. Auf der erneu Seite nmß er jetzt gar fein." Ei n Beitrag zur Völkerkunde. Wer zuletzt lacht ist ein Engländer. D i c Krisis kvm m t no cf. Stimme ldurchs Telephon': .Herr Dottor. unser Vabn hat einen Kaffeelöffel verschluckt; kommen Sie rasch." Arzt:Beruhigen Sie sich. Bis ich komme, besteht leine Lebensgesaln." - Das frische Ei. Mr. Nawed:Und der xiaufmann hatte die Stirn, dir zu sagen, dic'e Eier wären irisch?" Mrs. Newed:Ja, mein Teurer! Ich erlaubte mir aber chrn zu erwidern, sie Limen direkt aus dem Brutapparat."

MB ' 0 ! E«,

Börscn-Dochenbericht.

- Frankfurt a. M., 20. Dr^.

Sbn-ohl die voll tische Sikuatwn sich weiter gebessert hat, ameutlrch die Aeußmungen des russisckreit Minfsierpräsrdenten .-irren guten Eirchruck hinterließen und Hoffnung besteht, daß auf vt: Botichafier-Zvfammenkrmft für die Lösung der den Frieden int meisten ge-ährdenden Fragen eine Formel gefunden werden rh, die einen Ausgleich ermöglicht, will da- Goschift noti) immer sich nicht lebhafter gestalten. Es ist zwar eine Befestigung .-ingetreten, aber Spekulation und Kapitalisten beobachten große ueserve, weil sich eine völlige Klärung der politischen Lage nrdi lange l inziehen kann, unb mit Mckfickck auf die Gel dve r - hältnisse, die zur Vorsicht mahnen. Ueberall luwrscht amt' gesprochene Geldknapv! >t und die Besorgnis, daß sich die Ultimo* LTcntlienntg unter großen Schwierigleiten vollziehnr iverde, be­unruhigte Pie Börse in l oh em Grade Es stellte sich bald heraus, daß bie Barrien für die zurückgegangerren Engagements ausreichende Geldmittel zur Verfügung stellen werden, wenngleich die Geld­nehmer diesmal einer ftüarfen Prüfung uirterworwn werden. Die Gcldsorgert wurden dadurch versch.irft, daß mtm mit einer neuen Londoner Diskonterhöhung rechnen mußte. Als schließlich die Heraufsetzung der englischen Barrkrale unterblieb, atmete die Börse auL ivermgleich man sich sagen rmißte, daß dav Unkechlcibeu der Diskonterhöhung auf das Bestreben zurückzufülwen war, die Ner-- Dofität nickst noch mehr zu erhöherr. Die Reichybank will von einer Diskonterhöhung Msland nehmen, ein Vorhaben, das nur zu begrüften ist, denn eine Heraufsetzung würde die Unrnhe nur vermehren und zu weiteren Mhebuugrn bei den 'banken führen. Unter dem Drucke der Geldsorgen kam die Börse !mtm dazu, sich mit wirtschaftlichen Fra gen zu beschästigeri, immerhin erregten Meldungen Aussehen, wormch bei der letzten von der Eisenbahndiret'tion Berlin au5gcid)ri»btn»n Stadvisensubmission eine bekannte Berliner Firma Stabeisen zu einem Preise ange^* boten habe, der sich um etwa 7'» Mark srlr die Tonne unter dem Normalpreise bewegt. Man sah aber sehr bald ein, daß es sich hierbei um eine ErnzAerfcheinung handele. Da gleickrzeitig vorn englischm, belgischen und amerikanilcheu Eisemuarkt günfrige Be­richte Vorlagen, wurden diese Untcrbiehmgcn sehr schnell vergessen und M v n t a u rv e r t e 'tonnten nach Abschwächung auf Teckunw>^ unb Meinuugskäuse sich rvjeder befestigen. Kohlerraktterr Profi- ticricn besonders auch von der Erhöhung der Kohleuvreife in Ober - schlesierr. Vielsach ist man der Meinung, daß in bem Preisstande brr meisten Wertpapiere einem Rückgänge bei- Konjunktur doch schon Rechnung getragen sei und die Billigkeit einzelner Werte hat auch bei Privatkapitalistci: wieder etwas Kauflust geweckt, ffn- gesichts der großer! Urrficherheit und des Mangels an anregenden Einflüssen ist es erklärlich, daß sich der GeschäTtsumfang in engen Grenzen hielt und daß sdwu geringes Angebot ober mäßige Nach­frage genügen, um größere Kurssckrvarrdingen lp-rvvrxurufen. Pri- vat-Diskont 57/e Prozent.

Handel.

* Konkurse in Hess en. lieber den Nachlaß des in Jugenheim verlebten Landwirts Johann Heinrich Schäfer II. wurde am 6. Dez. das Konkursverfahren eröffnet, da der Nachlaß überschuldet ist. Burearworsteher Streuber in Wörrstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs sordernngen sind bi? zum 26. Dez. bei dem Amtsgericht Wörrstadt anzumelden. lieber das Vermögen deS ant 5. Sept zu Schotten verstorbenen Heinemann Stern von Hungen wurde am 11. Dez. da? ZlonkurSver^ahren eröffnet. Privatier Verkett tu Hungen wurde zum Kvukursperwalter ernannt. KonknrSlorderungcn sind bis zum 1. Jan. bei dem Amtsgericht Hungen anzumelden. lieber das Vermögen des Zimmermanns Alois Koch zn K l e i n - K r o tz e n b u r g ivuroe am 13. Dez. da? Konkurs­verfahren eröffnet. Rechtsanwalt Lob zn Seligenstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSfordernngen sind bis zum 7. Januar bei dem ?!mtsgericht Seligenstadt anznmelden. lieber das Vermögen des Heinrich Ludwig KrebS, Fahrrad- händlcr zn S ch w a b e n h c i m a. S., wurde am 21. Nov. das Konkursversabren eröfinet, da der Schuldner die Konkurserösfinnig beantragt bat unb seine Zahlungsunfähigkeit gerichtsbekanut ifl. Rechtsanwalt Reidel in Sber-Jngelheiin wurde zum Konkurs­verwalter ernannt. KonkurSiorberiingen sind bis zum 29. Januar bei dein Amtsgericht Ober-Jngelheirn anzumelden.

Märkte.

" Gießen, 20. Tez. Viehmarkt. Bei bem am 17. unb 18. Dezember abgehaltenen Markte waren 602 Stück Rinboieh unb 7 7 Schweine auigetrieben. Ter nächste Markt findet voraussichtlich am 7. unb 8. Januar statt.

The nach- A arTI Sonntag, 22. Dez. 1912,

stellenden «blv von 12 Uhr inttcaff'« bis 12 > hr nachts nur für dringend« Fälle sicher anzntreffen: D

Dr. Steinreich. Ncnen Baue 25.

Dr. Stnlil, Süd-Anlage 7.

_ H_____!__________». -L-----LLJ,

Meteorologische Seobnchtnngen der Station Gietzen.

Für dringende Fälle ist Sonntag, den 22. Dezember, sicher anzntreffen:/Jt

1 Reinewald, Frankfurter Strasse 10, tiüillllZilZil Fernsprecher 763.

Dez. 1912

Barometer aus 0° reduziert

Temperatur der Luft

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Relative Feuchtigkeit

Wind­richtung

Windstärke

Grad ba BcwvUiuiig tu Jehnlrl der llchld

Wetter

20 2:1

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21. 7 "

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2

10

Höchste Temperatur am 19. bis 20. Dezember = -f- 3,9° C.

Riebrrgste , 19. w 20. , = 1,6 U.

Rieberfchlag: 0,0 mm.

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