Ausgabe 
22.5.1912 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Kt 119

162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint tl-ttch mtt Ausnahme id konntagK.

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General-Anzeiger für Oberheffen

ausgesetzt werden.

und

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25 000 Mark:

bis

P aHllSFenö8^ ivHci.citbc Bahn Herborn Beschossen ober Lohra geschehen

Wicfeen 28 732 31153 e

Gießen 28 910 31 056

Bedarf ausgiebigen

Tic richtigen, amUichen Zollen sind (vergleiche auch Ver- wallungsbericht der Stadl Wetzlar für die Jahre 1908 und 1910):

> ul Mti-k

. 3.75,2Ä,

Gießen

10 726 500 Stück

20 542 300 Mark 6 395100 Mark 1 431 020 Stück

Wr Neu- 0r einem

6.

40 000

7.

8.

9

1905 1910 Zunahme

Lotterie. Schon nächste Woche, am 31 ds. Mts, ffndet die Ziehung der beliebten Geldlotterie des Württ. Landesoereins vom Roten Kreuz statt, bei welcher Hauptgewinne von 40 000 Mark und 10 000 Mark zur Verlosung gelangen. In Anbetracht de? edlen Zwecks, dem diese Lotterie dienen soll, haben die Lose bisher einen sehr guten Absatz gesunden, umsomehr, als diese sebr gut eingeteilte und chancenreiche Lotterie 3011 Geldgewinne mit 80000 Mark ausweist, wobei ein Originallos nur 2 Mark kostet, 6 Lose 11 Mark, 11 Lose 20 Mark. Lose sind noch zu haben bei allen durch Plakate erkenntlichen Verkaufsstellen isiehe auch heu­tige Anzeige, sonne bei dem Generaldepot I Schw 1er: - n Stuttgart, Markt straft. w-il^e euch iur rührige <ftn-

haltung der Ziehung am 31. Mai jede Garantie übernimmt.

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2 421

8,42

ft«Oie-euer ZamillenblSUer- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich deigeleqr, da» KMisblotl fflr de, Kreil »letzen" zweimal wöchentlich. Dierandwirtlchastlichen Lett, fragen erscheinen monatlich zweimal.

Rebeftiarx, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Dxped.Non und Bettag: bL

Redokkiomr 11L. Tel.-AdruAnzngerGietzen.

die gcplmitc Bahn Don Batleilberg über Biedenkovs unb Gladenbach nach Gießen und nach Wetzlar zu führen.

M e c um.

Angcfügt ist dieser Eingabe nachstehende Mitteilung Handelskammer Gießen.

Gießen, den 4. Mai 1912.

An den Herrn Oberbürqernieislcr, Gießen.

Glas und Porzellan im Gewichte von 30 000 bis Kilogramm;

Schuhw aren im Werte von 600800 Mark: Pavierwaren im Gewichte von ca. 7500 Kilogramm. Kohlen und Briketts im Gewichte von ca. 600000

statt in die Höbe, stets zunickgegangen, so daß im Jahre 1909 nur noch 53 833 Tonnen befördert wurden

Wenn aber trotz der völlig unzulänglichen Verhältnisse auf dieser .nleinbadn ihr Berkebr immerhin noch so erheblich ist, so legt dies eben ein beredtes Zeugnis ab von dem vorliegenden großen Bedürfnis nach einer VoUbahnverbindung und für deren Ren­tabilität. Tie Verwaltung der Biebenoll'abn, der die Mängel ihres Unternehmens nicht unbetannt sein dürsten, läßt es an durch- grcisenden Verbesserungen, namentlich ancl, an der notwendigen fvortmbnntfl ihrer Linie nach Norden hin fehlen: sie besitzt zwar sen mehr als 10 Jahren die Konzession zum Deiverbau in der Richtung nach Bisdwffen, hat ober diese Verlängerung ihrer Linie bisler nicht ausgebaut und anscheinend auch gar nicht die Absrckt dazu. Tie Mängel dieser Bahn lassen sich vollständig mir durch einen Umbau in eine normalsvnrigc Bahn auf eigenem Balmkorp^e oder burd) den Ersatz durch eine solche Bahn beseitigen.

Ter Stadt Gic|>n liegt es sern, eine Bahawe rinn düng zwisclren Battenberg, Biedeirkopf und Gladenbach nach B3etztar lyinicr treiben zu wollen. Sie darf aber angesichts der Wetzlarer Bestrebungen, weicht' ausgedehnte preußisclie und hessische Landesteile aus das

Empfindlichste zu schädigen geeignet sind, nicht länger schweigen rid;4ct daher an Euer Erzellenz die Bitte

Kilogramm:

10. Kies und Flußsand im Gewichte von ca. 100000 Küogramm:

11. Kurz-, Weiß- und Wollwaren im Werte von ca. 200 000 Mark:

12. Außerdem berichten der Eisengroßhandel, der Bau­materialienhandel, der Weinhandcl, der Handel in Manufaktur waren und Konfektion, die Eeifensabttkation, die Möbelfabrikation, daß sie rege Geschäftsbeziehungen mit dem Hinterlande unter­halten, ohne jedoch ziffernmäßige Angaben über die Höhe ihres Warenabsatzes zu machen.

Aus Grund vorstehender Ausführungen gestatten wir uns daher die Bitte auszusprechen, mit allen zu (Gebote stehenden Mitteln in dieser Angelegenheit die 3nt er elfen von Handel und Industrie der Stadt Gießen wahren zu wollen.

Die GroArtzogliche ^Handelskammer

Ter Vorsitzende: gez. S. Heichelheim.

Der Syndikus: gez. Dr. Zeidler.

Ein Kind, das bei reiner Milchernährung häufig an Berdauung ? ftörungen leibet, verträgt feine Wahrung besser mit einem Busatz vonÄufcfc" dieses altbewährte Nährmittel läßt die Milch in den Berdauungsorganen feiner gerinnen, macht sie dadurch leichter vcr baulich und erhöht außerdem noch ihren Gebalt an Nährstoffen, hv1-

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ler-Hantel

meter, von Waldgirmes ebendahin etwa 1* _ Kilometer: das sind Entfernur.gen, ivi? sie in jeder Mittelstadt vorkommen, odne das man deswegen in die vom Bahnlws enffernteren Stadtteile an einen zweiten Bahnhof dentt Bei der van besten vorgeicklag.-n n Linie können die Bewohner dieser Crte über Dorlar Hunenbad) die Kr> isst ad: Biedenkopf leicht crveichen Auf Grube Pt argen- stcrn desltömgen die Buderussckien Eisenwerke nach der Wetzlarer Angabe etwa 100 Arbeiter Für eine so geringe Arbeiterzabl wird man aber einer Eisenbahn nicht eine ungünstige Richtung geben und große Crte, wie Fellingshausen, Bieber, Rodbeim mit 3000 Einwohnern abseits liegen lassen. Ein Fracht verkehr ist von der Grube Morgenstern nicht zu erwarten: die BuderuSschen Eisen werke haben diese 3) ruhe erst vor kurzem durch eine Trahtseilbalm mit ihrem Werk m Weilar verbunden und befördern damit die goDoimcncn Erze nad; dem Werk in Wetzlar und Schlackensteine und Schlackensand zum Verbau der Stollen vom Werk nach der Grube. Tie geplante Bahn wird daran nichts ändern.

Während die von Wetzlar vorgeschlagene Linie von Königs­berg bis Wetzlar keine brachten bringt, werden durch eine Bahn über Bieber die bort liegenden massenlxtften Erze unb Kalksteine abbaunnrrbig. Wiederholte Versuche, die Bodenschätze bei Bieber tu heben, scheiterten bisher an den hoben Fradnen: die Biebertal bal,n genügt nicht, denn ihre kleinen Wagen sind unzureichend und ihre, an sich schon sehr hohen Frachtsätze werden wesentlich erhöht durch das erforderliche Umlaben in Abendstern Tie Bestrebungen der Herren Lanbräte von Wetzlar und Biedenkopf, die ländliche Bevölkerung ihrer .Kreise durch Beschaffung von Arbeitsgelegen­heit bodenständiger yi machen, werden am besten.erreicht, wenn die rcidKit Bodenschätze des Biebertals durch eine Bahn durch das Biebertal selbst über BieberRodheim abbauwürdig ge macht und damit lohnende Arbeit im eigenen Bezirke beschafft wird.

Damit dürste ausreichend erwiesen sein, daß nad) der Lage von Gießen und Wetzlar im deutschen Eisenbahnnetz unb der viel größeren Rentabilität einer Linie durch das Biebertal die Bahn ihren natürlichen Anschluß im Süden nicht in Wetzlar, sondern in Gießen finden muß, wobei durch einen Anschluß an die Bahn LollarWetzlar den Interessen der Stadt Wetzlar und dem Fracht- verkehr nach dem Tilltal in vollem Umfang Rechnung getragen würde, ein Vorschlag, den bereits vor 30 Jahren der Verein für bergbatilid)e Interessen im Revier Wetzlar dem preußischen Ab georbnetenhause unterbreitete (vergleiche Seite 6 ber Wetzlarer Denkschrift).

Schließlid) sei es gestattet, einige Irrtümer der Wetzlarer Denkschrift vom April 1912 zu berichtigen.

Auf Seite 18 werden folgende Einmohwerzahlen angegeben:

vergleichen.

Der Postverkehr betrug im Jahre 1910:

Wetzlar

Briese, Postkarten usw. 3 588 000

Postanweisungsverkehr 6 633 800

Scheck unb lieberweisungsverkehr 2 756 300

Ferngespräche 457 950

und bet Umsatz der Reichsbank in demselben I

Wetzlar

11 517

12 871

11,750/0

^ßechsl»

Ihr gefälliges Schreiben vom 16. vorigen Monats bat uns zu einer Rundfrage bei den tu Betracht kommenden Firmen Anlaß gegeben, bereit Ergebnis sich im allgemeinen kurz bahin zu sammenfassen läßt:

Schon jetzt unterhalten Jnbustrie unb Handel der Stadt Gießen ausgedehnte HandelSbeziehungeit zu den von der projektierten, Bahn berührten Gegenden ber Kreise Wetzlar, Biedenkopf und Marburg. Der Warenabsatz, an rocld)cm der gesamte -öteßener Großhanbel beteiligt ist, würde zwei sei los noch größer sein, wenn die Ortschaften in jenen Gegenden nicht so schwer unb mit un verhältnismäßig Ipbcn Kosten zu erreidjen wären. Diese Schwierig Teilen würben mit einem Male durch die Erbauung einer Babu beseitigt werden und es kann nad) ber übereinstimmenden Ansicht der befragten Kreise kein Zweifel darüber beflehen, daß alsdann der seitherige Warenabsatz sich vervielfachen würde. Von nicht geringem Werte würde die projektierte Hinterlandbahn für die Gießener Zigarren-Jndusttie sein, da in den folgenden von brr Bahn berührten Orten Filialen von hiesigen Zigarrenfabriken bestehen: Heuchelheim, Rodheim, Fellingshausen, >bönigsberg, Crumbach, Erda, Altenvers unb Kirchners. Wohl kommt em Versand von fertigen Fabrikaten nach den genannten Orten nicht in Betracht, dagegen aber würde die Bahn zum Transport zwecks Versorgung der 5tlial betriebe mit Rohstoffen tRohtabake, Four- niere, Kistenteile, Kohlen, Torfstreu, Hafer, Baumaterialien usw 1 sowie für die Zurückholung der Halb- oder Ganzfabrikale von den Filialbetrieben nach dem Hauptbetrieb regelmäßig benutzt werden. Es würde also eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Waggon- ladungen und auch eine regelmäßige Stückgutverladung in Frage kommen. Von der Firma Rinn u. Cloos in Heuchelheim wird uns insbesondere mitgeteilt, daß sie bei Erbauung der Hinter- landbahn ihren umfangreichen Bahnversand von fertigen Fabrikaten von Heuchelheim aus bewerkstelligen könnte, was jetzt täglidi von Wichen aus geschielt!. Dieser Stückgutverfand allein würde täglich etwa 5070 Kisten im Gewichte von etwa 60 Zentner betragen. Ter Handel und die Jndusttie der Stadt Gießen haben also eilt sehr großes Interesse an der projektierten Hinterlandbahn: um« gelehrt haben auch die Bewohner jener Gegenden den dringenden Wunsch nad) einer Bahnverbindung mit Gießen, wie dies von einer ganzen Anzahl der beridstenden Firmen bestätigt wirb.

Im besonderen gestatten wir uns die einzelnen Zweige von Handel und Industrie ber Stadt Gießen mit den von ihnen bisher nach dem Hinterlande abgelebten Gütermengen auszuführen. Wir bemerken aber hierzu, daß diese Angaben naturgemäß auf Vollständigkeit und absolute Genauigkeit keinen Ansprud) erheben können, da einmal nur ein Teil ber Firmen den Fragebogen beantwortet hat unb die gemachten Zahlenangaben nur auf Schätzungen beruhen. So wurden abgesetzt:

1. M atterial- und Farbwaren: von einer Firma wird der Wert ihres Warenabsatzes auf 60 00080 000 Mark pro Jahr geschätzt: von zwei anderen Firmen derselben Branche wird der Warenabsatz auf zirka 20 000 Kilogramm angegeben;

2. Kolonial waren im Werte von ca. 400000 Mark;

3. Mehl- und Futterartikel im Gewichte von zirka 500 000 Kilogramm:

4. Zementwaren im Gewichte von 175000 Kilogramm:

5. Haus- und Küchengeräte im Werte von 20000

Pb. Wct ;>*- **

Danach ist in der prozentualen Bevolkerungszunahme ein erheblicher Unterschied nicht vorhanden, während im absoluten Wachstum Gießen der Nachbarstadt Wetzlar bedeutend überlegen ist. Es wäre aber weit gefehlt, aus ber Zunahme Wetzlars in diesen 5 Jahren .Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, weil die BuderuSschen Eisenwerke im Laufe dieses Zeitraums ihre kauf 11 nische Abteilung unb den Hochofenbetrieb von Lollar nach Wetzlar verlegten unb .daher eine größere Zahl von Beamten, Werkmeistern usw. mit ihren Familien von Lollar nach Wetzlar übersiedelte.

Don den Gießener industriellen Werken, welche die Wetzlarer Denkschrift als unbedeutend hinzustellen sucht, seien hier nur genannt: Gießener Braunsteinbergwerk hauptsächlich Manganerze), Wertzeugmaschinenfabrik mit bedeutendem überseeischem Export, Eisengießerei, Kleineisenindustrie (Fittingsfabrik, Tampfziegelei unb Tonwarenfabrik, 26 Zigarren- und Tabakfabriken mit zahl­reichen Filialsabriken in den Kreisen Wetzlar unb Biedenkopf, Bierbrauereien, Preßhefosabrik, Gummiwarenfabrik, Zementwaren­fabriken, Lampensadrik und andere mehr.

Industrie und Baugewerbe beschästigen in Gießen mindestens ebensoviel Personen, wie in Wetzlar, unb die Gießener Jndusttie, die im letzten Jahrzehnt ganz bedeutend angewachsen ist, leidet empsinblid) unter zunehmendem '2lrbeitermangel und muß daher vielfach ausländische Arbeiter beschäftigen. Arbeitsgelegenheit für die Landbevölkerung der Kreise Wetzlar unb Biedenkopf wird zweifellos in viel größerem Umfang geschaffen durch eine Bahn nad) Wetzlar unb Gießen als durch eine solche nur nach Wetzlar.

Die Bedeutung der Wetzlarer unb ber Gießener Industrie läßt sid) am besten nach dem Post- und Geldverkehr beider Städte

ügige Plan einer Eisenbahn von Battenberg über Biedenkopf f'labenbad' in der Richtung nad) Süden ernstlich ins Auge gefaßt ferben soll, so kann die Stabt Gießen das nur freudig begrüßen. Rn Blick aut die Eisendahnkartc lehrt aber tofort, datz biete Balm soll sie einige Bedeutung erlangen nicht nach Wetzlar, vnbern nad) Gießen geführt werden muß, um hier^ den Anschluß ibzr Frankfurt nach dein Süden zu erreidKir. -t-cr Personen- itti) Güterverkehr von dieser neuen Bahn nach Wetzlar und dem Mölltal läßt sick) damit leicht vereinigen, wenn sie m Abendstern kd-cr Kinzenbach oder an einer anderen geeigneten stelle mtt ten Bahn LollarWetzlar verbunden wird. -Labet dürfte auch fix erwägen sein, ob die Balpt zwischen Gladenbach unb Hohen- 'Klms nicht besser über 2lltenvers, Kirchners, Frankenbach unb i:cba zu führen ist: Roßbach, Niederweidsbach und Mudersbach taten bereits von Bischotten aus Verbindung mit Gladenbach rnv vermöge ber vorgesckrlagenen Bahn mit Buchen kopt, fhrenb die erstgenannten Crte nebst Umgegend mit>'"K bis ynOO Einwohnern nach dem Wetzlarer Vorschläge von der rdreis jajöt Biedenkopf ebenso abgeschnitten bleiben, wie bisher, -tie 8-<tzlarer Denkschrift schlägt vor, die Bahn von ^>ohen)olms Königsberg über Grube Morgenstern unb Rann heim nach -^'Bl ar ui: führen. Für diesen Vorschlag dürfte lediglich ber Wunick, di« Richtung nach Wetzlar zu gewinnen, maßgechend gerocicn lein, tmn sobald man was allein richtig ist über Bieber und Aosdheim geht, ist die Richtung nach Gießen gegeben.

Für die von Wetzlar gewünschte Linienführung wird geltend iinnad t die Berührun,: von RaunheimWaldgirmes unb ber ^trieb ber Grube M-ttgenstern. ')tun beträgt aber bie Ent- :rrmng ton Raurcheim nach dem .Bahnhof Dorlar etwa d Ktlo-

in Wetzlar 118 Millionen Mark in Gießen 293 Millionen Mark

Auf die Ueberlegenheit der Gießener Industrie gegenüber der Wetzlarer wirft die Tatsache ein grelles Streiflicht, daß laut Beschluß des ReichSbankdirektoriums die bisherige Gießener Reichs- banknebenstelle in nächster Zeit in eine Reichsbantstelle umgewandelt und die zur Zeit der Reickisbankstelle in Koblenz zugehörige Reichsbanknebenstelle in Wetzlar der neuen Reichsbankstelle in Gießen angegliedert wird.

Ebenso verfehlt ist der Hinweis auf die Marburger Universitäts­kliniken Seite 19 der Denkschrift). Man wird keinen Kranken und keinen Verletzten zuerst mit der Bahn nach Wetzlar schatten, dort umlaben unb nach Gießen fahren, hier nochmals umlaben ^zwischen Wetzlar und Marburg verkehrt kein durchgehender Zug, nur zwei Schnellzüge haben durchgehende Wagen) und dann endlich nach Marburg bringen, sondern man sucht die Klinik auf, die am schnellsten und beailemften erreichbar ist, und das ist und bleibt Gießen.

Die bereits bestehende Kleinbahnverbindung GießenBieber vermag nach dem übercinfnmmcnben Urteil aller Interessenten dem Verkehrsbedürinis in keiner Weise zu genügen. Der Zustand ber Betriebsmittel und ber gesamten Anlage ist so unzureichend, daß ber Personenverkehr in immer steigendem Maße breic Bahn meidet unb sich anbercr Verkehrsmittel (Fahrräder oder Kraft- fal)rzeuge bebient. Während im Jahre 1907 bte Biebertalbahn 279 130 Personen beförderte, ist diese Zahl stets iirrütfgegcmgcn unb betrug im Jahre 1910 .die Zahlen von 1911 sind nur noch nickt bekannt) nur noch 236 051 Personen, obgleich die stets wachsende Bevölkerung em Ansteigen dieser Ziffern bedingt hätte. Andererseits hindern die hohen Frachtsätze in Verbindung mit dem erforderlichen Umladen aller Güter beim Uebergang auf bie Staalsbahn jede gedeihliche Entwickelung des Handels und der Industrie dieser Gegend. Während die Biebertalbahn in 1903 75 720 Sonnen Güter und Vieh beförderte, ist der Güterverkehr

Bahnverbindung Biedenfops-GIadenbach-Giehen (Wetzlar).

Nachstehend geben wir die Eingabe der Stadt Gießen an -das preußische Eisenbahnministerium wegen der Hinter- Ianbbal,u wieder. Die Eingabe gibt die Gründe, die für die Führuilg ber Bahn nach Gießen sprechen, in aus­gezeichneter Weise wieder Wenn für die Führung der Sahn sachliche (4riinbe ausschlaggebend sind, wird wohl Gießen ihr Ausgangspuntt werden müssen.

Gießen, den 14. Mai 1912.

Ew. Exzellenz beehre id) mich, gemäß einstimmig gefaßtem Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Gießen folgendes vorzutragen:

Tie wirtsdumliche Erschließung des Kreises Biedenkopf, nament­lich des Bieber , des Salzdöde- und des Verstales erfordert schon seit langer Zeit eine diese Gebiete berührende leiftungdfäinge Eisenbahnverbindung. Tie feit Jahren fortgesetzten emsigen Be ßrebungen der dortigen Einwohnersdxlft um Erlangung einer solchen haben aber bisher zu keinem Ergebnis geführt Während die Bevölkerung dieser Gegenden infolge ihrer vielseitigen nach stießen ziehenden Interessen ihren wittschaftlid)en Mittelvuntt in stießen bat unb demgemäß einmütig eine Bahnverbindung nut stießen wünscht, streben Kreis und Stadtvenvaltting Wetzlar eine (rinfüljning ber Bahn in Wetzlar an. Die beteiligten Gern ein ben laben in verschiedenen, außerordentlich zahlreich besuchten öffent- l.chen Versammlung bargetan, daß sie keine Eisenbahn 11 ad) Wetz Irr, sondern eine sold)e nad) Gießen als ihrem wirtschaft- pchcn Zentrum wünschen, und daß sie einer Einmüttdung der Vahn in Wetzlar nur dann zustimmen können, wenn spätestims -le i ch z e i t i g eine solche Bahnverbindung nach Gießen geschaffen irirh Die in ber Wetzlarer Denkschrift vom April 1912, Seite 8, ermähnte Jnteressentenversammlung in Hohensolms am 26. Ja tuar 1911 veranlaßte sofort eine Protestversammlung, die am 1. Februar 1911 in Rodßrim a. d. Bieber stattfand, von etwa 400 Personen aus den interessierten Crtcn besucht war und ein fimmiq beschloß, im Gegensatz zu der Versammlung in Hol/ensolmS, t ue Eisenbahn nach Gießen anzustr.-ben. Tie Herren Lanbräte der beteiligten preußischen Kreise Biedenkopf, Marburg unb Wetzlar erkannten die Berechtigung dieses Verlangens an, wünschten aber »ns Zweck mäßigte i tsg runden, die Stadt Gießen möge mit ihrem Bauvorhaben so lange nrückhalten, bis die von ihnen gewünschte staatliche Rebenbahn 'Wetzlar Biedenkopf gesichert fei, oder weitere torbereitende Schritte nur im Hinblick auf das Zustandekommen bitfer Strecke unternehmen: dagegen sollten die beteiligten drei DrrumfdKn Kreise der Forderung der Stadt Gießen auf eine frrbinbung mit einem itr geeignet erscheinenden Punkte der Bahn VetzlarBiedenlopf keine Hindernisse bereiten, vielmehr mög­lichste Förderung zuwenden. Die Herren Lanbräte unb ich Der- urebeten, borbebaltlid) der Zustimmung der zuständigen Mrper- >chaften ein Abkoinmen in diesem Sinne zu treffen.

Jnzwisd)en fand am 17. März b. I. wiederum eine Vcr sommlung in Rodheim statt, bie gegen die beabsichtigte cinsettige Linienführung nad) Wetzlar lebhaft Einspruch erhob, und die Zertteter einer größeren Zahl preußischer Orte rickcheten an Ew, ftzellenz eine Eingabe, in bei gebeten wirb, bie Bahn nicht nur nad) Wetzlar, sonbern aud) nad) Gießen zu führen. Mit Rücksicht aus die "id>)ucbenbcn Verl-andlungen mit den drei preußischen .'kreisen hat die Stadt Gießen sich weder an dieser Versammlung, noch an der Eingabe beteiligt.

Bevor die oben ermähnten Einigungsverhandlungen zum Ab ichluß kamen, haben aber nunmehr Vertreter der Stadt Wetzlar khicr Exzellenz eine Denkschrift vom April 1912 überreiche» lassen, n Der unter einseitiger Betonung der Interessen Wetzlars und nie Hintantsetzen aller gegenteiligen Interessen eine Bahn^nack Hfttzlar ohne Verbindung mit Gietzen angeftrebt wird. Die Stadl ifuf.eit ist daher gezwungen, ihre bisherige Zurückhaltung wsziigeben und an Euer Exzellenz bie dringende Bitte zu ridnen:

bei einem etwaigen Bahn bin nicht nur die Interessen der Stadt Wetzlar, sondern auch die des preußischen Bieber talS und der Stadt Gießen zu berücksichtigen".

Das gesamte durch die Bahn wirlsdwftlich zu erschließende Mebiet, das zum großen Teil bis 1866 au di politisch zu Hessen irbörte, gehört nnrtfdraftlid) zu Gießen: die politisd^ Grenze rot im vorliegenden Fall keinerlei Bedeutung. Der Eisenbahn hwlenpunkt Gießen mit seinen großen Märkten unb seinem son <hgeit bedeutenden Handelsverkehr, den zahlreichen Universitäts- llmifen, Schulen, Fabriken, Bergwerken, der Garnison des In­fanterie Regiments Nr. 116 usw. ist der Platz, den die Bevölkerung Ixt hier in Frage kommenden Orte behufs Erlangung von Ardeiis Ijclegciihcit, Ankauf von Lebensmitteln und sonstiger Verbrauck)s- IGegenstände, sowie zum Absatz der eigenen Erzeugnisse, namentlid) |Xt Landwirtsd'ast, aussud)en will und muß. Gießen mit seinen ablrcidcn Groß uiw .Kleinhandelsgeschäften bietet hierfür eine Inei bessere unb günftigcrc Oklegcnlx-it, als bie kleineren Nach- barftäbte. Der Gießener Großhandel, namentlid) in Getreide-, Jutter und Düngemitteln, landwittschafttichen Maschinen, Ko- 'onialivaren unb Baumaterialien beherrsdck das ganze,^hier in rlcage kommende Gebiet (vergleiche auch das anliegende Schreiben xt Hand.lsftimmer Gießen vom 4. Mai 1912t, unb ben Gießener schulen Universität, Gnmncffium, Realgvmnasium, Cberrcalidmlc, bobere lunb erweiterte Mäbd-enschule) kann Wetzlar außer 1 einem iebrericminar unb einer höheren Mädd)enschule ähnliche? nicht

i kur Seile stellen. , t .

Die Stadt Gießen bat |id) zunachü darauf beichrankt, eine y nöglickch billige Bahnverbindung in ber Richtung nach Gladenbach > nrnmpt ; mkriud eu zu lassen Das kann leicht durch einen Anschluß an

1P 'Hel.enbe Bahn Herborn Gl oalgern in

B clK'ffcn ober Lohra geschehen Wenn itatt dessen der groß

Wetzlar

1905 12 276

1910 ___13 387

Bimahmc Personen 1111

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Mittwoch, 22. Mai 1912

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