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24.10.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Stunde, eine

verkündet einen bulgarischen, serbischen oder montenegri­nischen Triumph. Von diesem kleinen Unterschied abgesehen, mel­den beide Depeschen die gleiche Waffentat; sic ereignete sich

man die zukünftigen Geschlechter in die Erörterung hereinzicht. Warum sollten wir für sie Unbequemlichkeiten ertragen? Haben die zukünftigen Geschlechter jemals für uns etwas getan?" Zum Schlüsse mögen aus Eirns' Sammlung ein paar treffliche Beispiele von derhopsenden Zunge" herausgegriffen werden, die von Red­nern der belgischen Wammer stammen.Tas Schwein schützen, heißt uns selbst schützen."Tas Dynamit bringt nicht nur Beamte um. sondern auch Unschuldige."Wenn nur jemandem einen Dorn aus brat Fuße ziehen, jo werfen wir jedesmal die Frage aus: was sollen mir an seine Stelle setzen?"

Sehr wahrscheinlich ist es dagegen^ daß bei den Mi- nisterberatungen das Verhältnis Oesterreich-Un­garns zu Rußland, welches ja den kritischen Punkt der Balkanfrage als Weltproblem darstellt, eingehend er- örtert wurde. Ist doch Italien hierbei angesichts seiner freundschaftlichen Beziehungen zu beiden Mächten ganz von selbst zur Vermittlerrolle berufen, die dadurch wesentlich erleichtert wird, daß in den BalKindingen zwischen Ruß­land und seinen beiden Ententegenosscn mindestens ebenso starke Meinungsverschiedenheiten bestehen als zwischen Ruß­land und Oesterreich-Ungarn. Denn wenn England mit Rußland darin übereinslimmt, daß es keine starke Türkei wünscht, jenes weil es die Schntzherrschast über Arabien und Südncrsien anstrebt, und dieses wegen der freien Tardanellendurchfahrt, so ist doch England schon mit Rück- icht aus seine Stellung im Mittelmeer ein entschiedener Gegner dieser Forderung, während Frankreich endlich als größter Gläubiger der 'Türkei an deren Erhaltung und Konsolidierung dringend interessiert ist.

Homer haben sich die Zeiten gewandelt . . . Wir stellten uns den Militärarzt gern vor, wie er auf einem friedlichen Schimmel hinter der Armee einherrirt. In einer Satteltasche trug er mir Medizinen, die heilten, und Messer, die schnitten, um zu retten. Nun sicht man ihn an der Spitze der Avantgarde auf wildern Kriegsroß wie der Sturmwind gegen den Feind stürzen und ringsumher die Phiolen ausstrenen, die Tod aussaen und Ver­derben bringen. Es wird Zeit, daß die Kriegsberichterstatter auf dem Kriegsschauplätze eintreffen, und es wird Zett, daß sie damit beginnen, zu berichten .

Redensarten, wie sie lauten müßten", schlägt das Windsor Magazine vor:3cf) hätte ja gewiß pünktlich zur Stelle sein können, aber es kam mir nicht so sehr darauf km." Entschuldigen Sie meine Handschritt nicht. Sie ist niemals besser als tn diesem Fall, und sie ist gewöhnlich schlechter." Meine Antwort auf Ihre Werbung, Alfred, ist: Ja. Es hat lange genug gedauert, bis es soweit gekommen ist, muß ich schon sagen."

den beide Depeschen die gleiche Wanenlal: |ic am gleichen Ort, am gleichen Tage, zur gleichen Truppe hat die Grenze überschritten, einen Ort erobert, drei­tausend Gefangene gemacht und dann einen Dankgottcsdiemt ab* gehalten. Aber schwierig ist die Bestimmung, in welcher Rich­tung welche Grenze überschritten wurde und ob man nach dem Kampfe zum Heiland oder zu Allah Tankgebete emporsandte. Dazu furchtbare Einzelheiten. Greife und Kinder rouroen massa­kriert, Frauen mißhandelt. Tie Sieger haben einem. Gesun­genen den Kops abgeschlagen, dem zweiten eine Hand abgeschnitten, den dritten aufgespicßt; was nebenbei die Mäßigung^beweist, da sie ja ebenso gut alles zugleich hätten tun können. Toch wie dem auch sei: Stambul entschleien die Grausamkeit der Bulgaren und Sofia enthüllt die Barbarei der Türken. Tie Tcpeschen- bureaus, denen ein boshafter Gott authentische Nachrichten vor- enthalt, nehmen in der Not der Verzweiflung diese unwahr­scheinlichsten Nachrichten auf, um auf jeden Preis das Publi­kum zu bedienen. Tenn das Publikum will Nachrichten haben und feien sie auch ungenau. Wir würden auch die Schilderung einer Seeschlacht lesen, bei der auf brat Skutarisee türkische Avisos von ben montenegrinischen Treabnoughts in bra Grund gebohrt wurden. Schon kommt aus Athen eine seltsame Botschast. Es geht das Gerücht, daß von Konstantinopel Aerzte abgereift sind, die in Phiolen Eholerabazillen, Pestbazillen und Tyvhus- bazttlen mitfülrren, um diese zfrankheiten im Heere der Achäer zu verbreiten. Wenn das geschieht, könnte die Türkei sich rühmen, eine wirklich moderne Kriegsführung eingeführt zu haben. Seit

Der Balkankrieg.

Man muß sich mit Neuigkeiten vom Kriegsschauplätze gedulden. Ist es am Ende nicht aufregend genug, Daß insgesamt wohl schon über Tausend Menschen in ben wenigen Tagen dahingerafft worden sind? Ein '.hatur* ercignis, das einen Maffenuntergang mit sich fuhrt, wird ungleich tiefer betrauert. Ein solches Unglück haben die Türken bei einem Militärtransport gehabt: ein Achsen­bruch forderte 200 Tote und 200 Schwerverletzte. Ern Lichtblick in die verhängnisvollen Ereignisse ist es, daß in Konstantinopel alle Fremden, obenan die Gesandtschaften, in Werken der Hilfsbereitschaft wetteifern. Nur zu bald wird es zu großen Schlachten kommen. Der Zironprinz von Griechenland hat in einer amtlichen Meldung sein siegreiches Vordringen und das Zurückweichen der Türken angezeigt. Im übrigen stockt die Berichterstattung. Die Entscheidung vor Adrianopel wird aber kaum noch lange hinausgcschoben werden können.

Pisa-Florenz, Dreibund und Balkan.

lieber die Min i st er z u s a m m e n n f t e in Pisa inb Florenz sind im wesentlichen nur Aeußerlichkeiten bekannt geworden, die freilich, wie die Verleihung des A-nmnziatenordens an den Grafen Berchtold, schon hin­reichend um den Besuch des österreichisch-ungarischen Mi- i jsters des Aeußern als weit mehr denn nur eine Antritts l ttite zu kennzeichnen. Es gefjört auch trotz des geheimnis- reiten Schleiers, mit dein die Offiziösen die Konferenzen tn P ja und Florenz umgeben, nicht viel Phantasie zu der Fest- s ellung, daß dort in erster Reihe von dem gesprochen wurde, wovon zurzeit alle Welt spricht, nämlich vom Balkan, s.reilich, wenn die Annahme auftaucht, daß bei den Be- lorechungcu znnschen dem Marquis diSanGiuliano i nd dem Grafen Berchtold unter Zuziehung des deut- jchen Botschafters in Rom v. Jagow eine diplomatische Vermittlung auf dem Balkan vereinbart worden sei, so

tfpvidit das den Tatsachen in keiner Weise, kann ihnen nicht entsprechen, da die kriegerische Situation trotz Iler mit Vorsicht aufzunehmenden Siegesmeldungen des ij in. b. s., des griechisch-montenegrinisch bulgarisch-serbi- sLen Vierbundes, noch lange nicht für eine Vermittlung rif ist.

Daß aber trotzdem die Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns und Italiens ein dringendes Interesse daran hatten, sich über die Lage am Balkan auszusprechen, sinn nicht Wunder nehmen, denn das ist schon dadurch be­

fugt, daß in dieser Beziehung zwischen den Heiden ver­bündeten Staaten zweifellos Differenzen bestehen und zwar in Bezug auf die Zukiinft Albaniens. Aber von östcrrei- «liisch ungarischer Seite ist ausdrücklich das unbedingte Fest­halten am Statusquo auf dem Balkan versichert worden, und auch Italien l>at jetzt, nach'der Besitzergreifnug Libyens, dessenfriedliche Durchdringung" freilich erst erfolgen soll, gleichfalls, schon aus Rücksicht auf die Araber in Tripolis, i ui Interesse daran, weitere Umwälzungen der Landkarte mif dem Balkan nach Möglichkeit zu verhindern. Aus bic feit Erwägungen heraus ist nicht daran zu zweifeln, daß in Pisa und Florenz eine Einigung über das albanische sroblem erfolgt ist, und es liegt umsomehr Grund zu dieser .'innahme vor,' da bic jüngste englisck>-französische Mittel- meerpolitik die Italiener hinreichend darüber aufgeklärt iiat, daß sie zur Behauptung ihrer Großmachtstellung Frankreich gegenüber auf eine Kooperation mit der öster­reichischen Flotte im Mittelmeer angewiesen sind.

Aus diesen Darlegungen erhellt zugleich, daß das 2iebeswerben der Tripelentente gerade jetzt ans italieni- fher Seite weniger aussichtsreich als je ist, und in der Tat Pird auch nirgends daran gezweifelt, daß die Dreibund 1 ertrüge, die bekanntlich zunächst bis zum 8. Juni 1914 . weit erlauf en, abermals, wenn auch mit einigen Abändo I ningen, verlängert werden dürften, wozu vor allem eine isierreichisch italienische Marinekonvention in Bezug au | inMittelmeer gehören dürste. Es ist möglich, ja wahr- cdeinlich, daß auch hiervon in Pisa und Florenz gesprock>en | vurde, dagegen ist die Frage der Dreibundverlängerung etbst noch keineswegs aktuell, da ja die Kündigung dieser Erträge erst am 8. Juni 1913 erfolgen könnte, während ie, salls das, wie anzunehinen, nicht geschieht, bis zum s. Juni 1920 weiterlausen würden.

Jin Jrrgartcn der Sprache.

Die Sprache ist zwar nicht, wie Talleyrand gesagt haben soll, ii nt Verbergen der Gedanken bestimmt, aber sie kann dazu dienen, jnb selbst bedeutende Tickter, Schriftsteller und andere hervor- :aqenbc Persönlichkeiten, die sonst als sprachgcwaltig gelten, )inb i in den Irrgarten her 5Drache geraten und haben Dinge ge

l, die als Widersinn ober grobe Schnitzer bezeichnet werden iiuiien Tie erheiternben Beispiele hierfür bilden ein wahres rchatzkastlein unfreiwilligen Humors.

Einer der fleißigsten Sammler auf diesem Gebiete, Albert Um, veröffentlicht im neuesten Hefte derRevue" seine jüngste ! ite aus diesem Irrgarten der Sprache, aus der ein paar iconders lustiger Stücke hcrausgegriffen zu werden verdienen. 25 a r c c n, der wohlbekannte Schriftsteller und Theaterkrilikcr, !ji fim i. B. in einer Besprechung folgendes geleistet:Eora Pearl ölte sich nie von ihren Pferden getrennt, die ihr tägliches Brot (deuteten, hätte der Gerichtsvollzieher sie ihr nicht vom Munde .ggcriffen." An anderer Stelle spricht Sarcey vonzwei parallelen, die sich in einem bestimmten Punkte schneiden", und tüte seiner Buhnenkritiken enthält den Satz: . . . dem Fräulein l könnte man im Gebrauche der Stimme eine etwas leichtere iiüiid wünschen." Teroulöde hat einmal in einer Rede geäußert: ,Man Haire mir schon gefügt. Sie hätten die Stimme nur zum Schreien, nicht aber zum Zuhören." Ter große Historiker Michelet lat in seinerGeschichte der Revolution" geschrieben:Tie Lcib- >arbeit halten weder F-euei wachen, noch verstanden sic sich ihrer ,u bedienen." Diese Geschichte der Revolution von Michelet ist Ibrigens besonders reich an den drolligsten Schnitzern. Ta wird jer Felsen kSabrera (eine der Balearen zu einer Antilleninsel i,.macht: man lieft:So wäre Frankreich in Ermattung des £ obed ober des Sieges, zum letztcnmale ganz und gar zusammen- ictommen, um sich die Hand zu schütteln."

Mehr solche Entgleisungen, als beim Kuhncbencn Wort kom r.i'n natürlich beim gesprochenen vor. Was Etm in Parlaments- reden und bei anderen Rednern vorgefunden hat, iit wohl auT dem ('».biete des unfreiwilligen Humors kaum zu übertreffen, -lic er­laubet haben einen Abgeordneten Boyle-Roche, der in ganz Eng­land wegen feiner Sprachschnitzer geradezu berühmt ist. Bonle l-üoche erklärte z. B. pathetisch:Ich gäbe bic halbe roasjagc dt? die ganze Verfassung, um ben Rest zu retten", ober:-Licker vlitische Abtrünnige, der sich selbst ben Rücken kehrt , ober. ,,^ie wllcn einen Sturm heraufbcichmören, aber ich werbe ibn tm ^ehnc zermalmen." Dieser Irlänber schrieb übrigens auch ber- .Leichen, zum Beispiel in einem Briese über ^ri|d)e Unruhen,: ,x5ic können sich unsere Lage vorstellen, wenn -Lic erfahren, baß ö während ich dies schreibe, in einer Hand ben xegen, tn ber eitbercn bic Pistole halte." Köstlich ist die Entgleisung des Histon- i lc-cs Viktor Fournel: ,Lch sehe nicht ein, meine Herren, warum

Hier ist aber der Punkt, wo Frankreichs nnd Deutschlands Interessen sich begegnen. Gerade diese Gegensätze innerhalb der Tripelentente und die Berüh­rungspunkte zwischen den Mächten des Dreibundes und jener Entente scheinen eine Bürgschaft dafür zu bieten, daß sich auch im wetteren Verlauf des Balkankrieges eine Möglichkeit zum Ausgleich der österreichifch-russiscksen Gegensätze finden wird. Damit werden aber auch alle Kom­binationen Istnfällig, die in unberechtigter Schwarzseherei aus den Art. 1 des Vertrages zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn Bezug nehmen, wonach beide Staaten verpflichtet sind,für den Fall, daß eines der Reiche von Rußland angegriffen wird, einander mit der gesamten Kriegsmacht beizusteheu und den Frieden nur gemeinsain und übereinsttmmeiid zu schließen". Zu irgend welchem Weltkriegsalarm liegt in der Tat kein Anlaß vor, und gerade die Furcht davor, daß der Balkanbrand sich bei der Uneinigkeit der Mächte leicht zu einem Weltbrand erweitern könnte, wird vielleicht das wirksamste Mittel sein, diesen Brand zu verhindern und die späterenAufräumungs­und Wiederherstellungsarbeiten, von denen Herr v. Kider- len-Wachter unlängst sprach, zu erleichtern.

DieAgenzia Stesani" meldet aus Florenz: Während seines Bcsnckts hatte Graf Berchtold lange Unterredunaen mit Marquis bi San Giulano über bic internationale Lage und vcttchiebene aktuelle Fragen. Selbstverstänblich bilbete bic Balkankrise einen wcumtlichen Teil ber Unterrcbungen. Mit Befriedigung wurde die vollständige Ucbcreinftimmung in den Aitiichten der italienischen und österreichisch-ungarischen Re­gierung über diesen Punkt sestgestellt. Tie beiden Staatsmänner waren darin einig, daß es zweckmäßig sei, sich in Fühlung mit­einander zu halten, um, gestützt auf die Bande des Bündnisses, das beide Regierungen und bic Regierung Berlins einige, unb unter Mithilfe bet anderen Mächte zur Wiederherstellung des allgemeinen Friedens beizutragen. Tie Harmonie, die niemals zwischen der italienischen und österreichisch-ungarischen Regierung zu bestehen aufhörte, zeigte sich wieder einmal im Laufe ber Unterrcbungen, bereu Ergebnisse bie enge Freunbschast zwischen den beiden Mächten nur werben verstärken können.

Florenz, 23. Okt. Graf und Gräfin Berchtold sind heute abend nach herzlicher Verabschiedung von dem Marguis di San Guiliano und dem Fürsten Scalea, die ihre Gäste nach dem Bahnhof begleitet hatten, abgereift.

ff. Die Aufdeckung einer Römerstadt in Eng­land. Tas wichtigste Ergebnis ber biesjährigen Arbeitsperiobe der Ausgrabungen in England ist bie Ausbeckung der Römerstabt E o r st o p i t u m in bet Mhe ber heutigen Stabt Gorbribgc, bic in der CVraffcfcaft Notthumberland unweit des Habrianswallcs liegt. Tiefe Ausgrabungen haben nämlich, wie Otto von Schlei nitz in ber Kunstchronik berichtet, sestgestellt, baß Eorftopitum nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich einer der wichtigsten Plätze im römischen England war. Tie Kasernen, Magazine, Vcrkaufsläden und fonftigen Fundstücke haben dafür bic bünbigften Beweise gegeben. Interessant ist besonders, daß dort eine ganz kosmopolitische Bevölkerung wohnte. Große Kauslcute aus der Levante haben hier im nebligen England Altäre mit griechischen Widmungen für den tyrifchm Herakles und bie phönizische Astarte errichtet, unb bic teutonische Arbeit kleinerer Funbstücke, wie Brosck^n und Schwettscheidra, beutet auf einen Hanbelsverkehr mit Zralraleuropa hin. Für das rege wirtschaftliche Leben in Eorstopilum zeugt endlich der gewaltige, hier gemachte Münz- funb. In einer Vase hat man über 1000 Bronze-, Silber- unb Goldmünzen entdeckt, die auch materiell einen sehr bedeutenden Wert barüellen. Aus den Funden geht hervor, baß der Platz bis 390 n. Ehr. bewohnt war, aber bereits 395 als verfallen zu be­trachten ist. , . . _ , v

Kriegsnachrichten . .. Wir leien im Journal des Töbats:Tie bei den vett'chiedenen Balkanmächten aHrebitierten Kriegsbettchterstatter sind nun zu den Armeen zugelasfen. Bald werden wir vielleicht ett'ahrra, was sich im Osten zuträgt. Zur­zeit ist dies noch recht schwierig. Ja man wundert sich, baß in einer Zeit, da Wissenschaft und Technik alle Entfernungen über­winden unb in Sekundenschnelle Gedanken über Meere unb Berge senden, daß in Zeiten, da wir sofort den Sieg eines Boxers oder Rennpferdes erfahren, eine Woche dahingchen kann, ohne daß wir über gewisse Ereignisse am Balkan Gewisseres erfahren. Seit einer Woche findet der Leser,, ber voll Interesse seine Zeitting entfaltet, regelmäßig zwei höchst symmetrische Telegramme. Tas eine, aus türkischer Ouelle, proklamiert einen (Erfolg; bas andere, aus bulgarischer, serbischer ober montenegrinischer Ouelle,

Dom Kricqsfcbauplatt vor Adrianopel.

Die türkisck>en Blätter veröffeittlichen ein Telegrenmn aus Mrianopel mit Einzelheiten über den nachts amtlich gemeldeten Kampf zwischen den Flüssen Tun d ja und Maritza. Der Kampf soll bei Marasch, seck)s Kilometer westlich von Adrianopel stattgefunden und 9 Stunden ge­dauert haben. Die bulgarischen Streitkräfte beliefen /ich auf 30000 Mann. Die Bulgaren seien in der Rich^ hmq auf Karaaga unter Z u r ü ck l a ss u n g von tausen­den von Toten aeslüchtet. Die Blätter melden einen Sieg der Türken bei Kadinkoj, 2.> Kilo- meter nordwestlich von Adrianopel. Die Türken erbeuteten 11 Kanonen und nahmen einen bulgarischen Major und mehrere Soldaten gesangen. Weitere Kämpfe fanden bei Kiretschdschi, Haskoj, Ispinli, Tschali und 5lanak statt. Ueberall sollen die Bulgaren geschlagen worden sein.

Die amtliche Mitteilung über den Ausgang des großen Kampfes bei Adrianopel wird heute nachmittag erwartet.

Salonik, 23. Okt. Bon zuständiger Stelle wird versichert, daß bulgarische und türkische Truppenteile auch im S t r u m a t a l e bereits aufeinander stießen. Der Kampf nahm immer größere Dimensionen an, immer mehr Trup­pen griffen ein. Die Türken brachten den Vorstoß der Bulgaren zum Stillstand.

Konstantinopel, 23. Ott. (Amtliche Mel­dung.) Die türkischen Streitkräfte von Ama- ritza, welche zur Offensive übergegangen waren, trafen heute mittag östlich Dom Fluß Tundjaauf starke bul- g a r i s ch e A b t e i l u n a e n. Die Türken gingen zum An­griff vor. Es entwickelte sich eine heftige Schlacht, die für die türttsche Armee einen günstigen Verlauf nimmt. Die türkischen Streitkräfte im Westen stießen vor Kali- m a m e (?) ebenfalls auf bulgarische Truppen uitd nmrben mit ihnen in ein Gefecht verwickelt, das noch andauert. Die bulgariscltzNi Banden, die aus Bulgarien gekommen sind und denen sich ihre bulgarischen Landsleute von Kasa Os- manje angeschlossen haben, operieren in der Kasa Tjumai- bala in der Nähe des Defilös von Kresna. Sie griffen die dortigen ttirttschen Soldaten an. Tie Türketi antworteten mit einem heftigen Angriff und vernnchteten die ^Landen saft vollständig. Einigen Bulgaren ist es gelunlfen, in die Berge zu entfliehen. Die Banden steckten alle unzliegen- den Törfer in Brand.

Konstantinopel, 23. Ott. Authentische Meldun­gen bestätigen, daß die Türken im Kampf bei Maras ch in

Hr. 251 Erstes Blatt 162. Jahrgang Donnerstag, 24- ©ttobet 1912

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