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24.4.1912 Erstes Blatt
 
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Nr. 96

Ter ««ebener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich «tebenerZamilienblätlks uvennal ivörtientLKreis; blatt sürden Ureir«iehkn (Tiensr.ig und Freitag), zweimal monail. Land wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschliisfe: füi die Redaktion 112, Verlag n. Erpeditwn 51 Adresse 1üt Depeschen:

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Erster Blatt

162. Jahrgang

Mittwoch, 24- April «912

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotationsbrud und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vnch- und Zteindruckerel R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: 5chulstrahe 7.

Büdingen: Fernsprecher Nr. 209 Geschäftsstelle Bahnhofstraße I6a.

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Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Die Beratung der wehroorlagen.

Die Stimmung des Reichstags ist, trotz der Haltung der 110 Sozialdemokraten, einmütig für die Verstärkung der deutschen Wehrmacht; das bewies auch der zweite Tag der Beratung im Reichstag. Der konservative Redner Edler zu Putlip drückte der Regierung das Vertrauen aus, daß sie zum Ausbau von Heer und Flotte genug fordere mit) polemisierte gegen die Sozialdemokraten. Tabei leistete sich der Abg. Lcbebour den Zwischenruf, die Funker feien in die Kriege gezogen, um zu verdienen. Diese törichte Be­leidigung lverden auch diejenigen zurückweifen, die mit den Junkern und ihren Interessen nichts gemein haben; Herr Ledcbour ist eben ein Bramarbas des Radikalismus und liebt Kraftausdrücke. Das Haupiereignis der gestrigen Sitzung lvaren die Reden der liberalen Parteiführer. Bafscrmann spro/h ausgezeichnet. Er hielt sich nicht so ängstlich in den vier Wänden der engeren Häuslichkeit wie es der Reichskanzler getan hatte, sondern rückte ent- sckstcden mit großzügigen Gesichtspunkten heraus, indem er auf die Marotkolrife zurückgrisf, und unterzog eine Menge wichtiger Einzelfragen einer interessanlen Be­sprechung. Was der Reichskanzler in dem Zeitalter der Lustschissahrt an nützlichen Betrachtungen sorgsam im Busen verwahrte, das kündete der beredte Mund des nationallibe- ralcn Führers. Mit sehr guten und durchschlagenden Grün­den führte er der Regierung vor, daß der Steuer- und Teckungskurs auch nach einer andern Richtung gehen könne und stellte besondere Anträge in Aussicht. Die Schwenlung in der Haltung des Kanzlers seit der Eröffnung des Reichs­tags, worauf wir früher schon hingewiesen haben, zeigte Bassermann an den eigenen früheren Worten des Kanzlers. Er verwies auch auf das Satyrspiel, das sich nach der ent­scheidenden Bundesratssitzung abgespielt hat, ferner auf die vielen finanziellen Absichten, die der Reichstag sich früher rurechtgelegt hat, aus die Ermäßigung der Zucker- steuer, des Grundstückumsatzstempels, die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Reichsversicherungsordnung und manches andere. Wo bleibt die Deckung?, so fragte er und äußerte die Vermutung, daß nach des Staatssekretärs Tir- piü Ausführungen später noch Teckung für Materialreserve gesucht werden müsse. Seine Vergleiche mit ^Maßnahmen Frankreichs, die Warnung vor der lieber alt erung des deut­schen Ofsizierkorps waren recht eindrucksvoll. Dann nahm Bassermann die historischen Verdienste des Staatssekretärs v. Tirpitz gegen seine Angreifer in Schutz und zeigte, wie auch sozialdemokratischen Blättern das Anwachsen des fran­zösischen Chauvinismus nicht entgangen sei.

Ter Abgeordnete Dr. Müller-Meiningen, der die Ansichten der Fortschrittspartei darlcgte, stimmte er­freulicherweise den Wehrvorlagen gleichfalls zu und äußerte sogar noch besondere Wünsche und Besorgnisse, indem er yervorhob, daß bei der Ausrüstung unserer Wehrmacht das Beste gerade gut genug sei. Gegen die Teckungsvorschläge der Regierung wandte er sich noch schärfer als der Vor­redner. Innerhalb der alten Parteitradition warnte er vor der Bindung des Etatrechtes auf fünf Jahre und schüttelte die Regierung kräftig ob ihrer Inkonsequenz und Unzuverlässigkeit. Dagegen waren seine Ausführungen über die englischen Abrüstungsvorschläge ein bißchen unvoll­ständig, und bei der Verteilung der Vorwürfe gegen die Chauvinisten ließ er diejenigen in England und Frankreich entschieden zu kurz kommen. Mit Recht hat nach ihm der Redner der Reichspartci, Frhr. v. Gamp, ihm vorgehalten, toenn die deutsche Regierung gegenüber der englischen nicht Vorsicht walten lasse, würde diese ein Flottenabkommen vielleicht damit übergehen 'können, daß sie neue Schiffe

von Kanada oder Australien bauen lasse. Außerdem würde die britische Regierung sich ja nicht nur nach Deutschland richten, sondern auch nach den übrigen Staaten. So ganz einfach ist die Abrüstungsfrage also nicht, das haben auch fortschrittliche Blätter entschieden betont, zum Beispiel die Voss. Ztg.", deren Ausführungen wir seinerzeit hier wieder- gegeben haben.

Herr Dr. MüNer-Meiningen rief zu Erwiderungen die Staatssekretäre Kühn und v. Tirpitz auf den Plan. Herr Kühn verteidigte sich gegen die sarkastischen Wendungen des fortschrittlichen Führers, und Herr v. Tirpitz legte sehr glaubhaft dar, daß das vielgenannte Prefsebureau des Reichsmarineamts nur aus drei aktiven Offizieren bestehe, die zu besonderer Agitation weder Zeit und Gelegenheit, noch besondere journalistische Befähigung hätten.

Die Rede des Reichskanzlers hat bei ihrem ruhigen, friedlichen Ton im Auslande natürlich kein be­sonderes Aussehen gemacht. Uneingeschränkte Zustimmung findet er in Wien, und im österreichischen Wehrausschuß hat der österreichische Ministerpräsident genau dieselben Argumente gebraucht wie Herr v. Bethmann-Hollweg. Tie Times" verfällt aber auch heute noch in die alten eng­lischen Verdrehungen und tut so, als könne sie den deut­schen Rcgierungsftandpunkt nicht begreifen. Natürlich, weil das englische Interesse es erfordert. Viel einsichts­voller ist derTemps", der bestätigt, daß Deutschland mit der Erhaltung seiner Schlagfertigkeit nur seine Pflicht tue:

Eine St mme au8 Frankreich.

In einer Erörterung der gestrigen Rede des Reichs­kanzlers schreibt derTemps" unter anderem:

Turch die neue Wehrvorlage gibt "Deutschland seinen Nachbarn kund, daß es die ihm durch seine Geburtsziffern zur Verfügung stehenden Hilfsquellen bis auf das Aeußerste ausnutzen will. Tamil macht Deutschland nur von seinem Recht Gebrauch und erfüllt nur seine Pflicht. Jedes Volk muß angesichts der Weltlage seine .Strafte auf eine mit seiner Bevölkerung und seinem ftrebit in Einklang stehenden Höhe bringen, weil, wie der Reichskanzler sagte, die Vorteile der militärischen Strait nicht nur im Striegc zum Ausdruck kommen, weil das Ansehen der Völker im Frieden nach ihrer Kriegstüchtigkeit bemessen wird. Unter diesen Verhältnissen muß jede Regierung den Rüstungen ihrer Nachbarn die größte Aufmerksamkeit schenken und womöglich gleichzukommen trachten, ohne sie zu kritisieren. In diesem Sinne sollte die öffentliche Meinung Frankreichs die deutsche Wehr- vorlage auffassen und sie kann dies um so leichter, als die Armee im Leben Frankreichs nunmehr den ihr gebührenden ersten Platz einnimmt. Alle Franzosen haben im Vorjahre die nationale Wahrheit begriffen, daß die brutale Kraft den einzigen Schutz der idealen Güter bildet.

Tas Echo brr Reichskanzlerrede in Wien

Wien, 23. April. In Besprechung der gestrigen Rede des Reichskanzlers schreibt dasF r e m d e n b l a t t" :

Ter Reichskanzler bewies in treffender Weise in seiner Rede, daß, je stärker die Rüstung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines Krieges ist. v. Bethmann will nicht baraitguicrcn, will nicht überreden, sondern Überzeugen, nicht durch Sensationen agitieren, sondern durch reale Tatsachen zu einer realen Beurteilung der Bedürfnisse des Reiches führen. Ter Friede ist tatsächlich nicht gefährdet, aber die Möglichkeit einer solchen Gefährdung ist noch nicht aus der Welt geschafft. Tie vom Reichskanzler in dieser Hinsicht aufgestellten Gesichtspunkte gelten nicht nur für Teutsch- land, sondern für alle Staaten. Liest man den ersten Teil der Rede des Reichskanzlers, wo er für die Notwendigkeit einer Ausgestaltung der Wehrmacht eintritt, so muß man fühlen, daß sie auch bei uns von unseren parlamentarischen Vertretungen gehalten werden könnte. Im öster­reichischen Abgeordnetenhause beginnt die Ausschußberatung der Wehrresorm. Turch einen glücklichen Zufall gibt da die Rede des Reichskanzlers aktuelle Argumente. Man wird sich über­zeugen können, daß die Gründe, welche für die Stärkung unserer Wehrmacht so oft ins Treffen geführt wurden, keineswegs eiiu

festige Meinungen, sondern allgemein gütige Tatsachen der Wirk­lichkeit sind.Wehe dem, dessen Rüstung lückenhaft i st", sollte auch die Warnung für uns fein, daß mir nicht noch länger unsere Wehrmacht im Zustande organisatorischer Stag­nation verharren lassen.

Tie österreichischen Wehrvorlagen.

Wien, 23. April. Der Wehrausschuß begann die Generaldebatte der W c hrv orl agen. Der Mi­nisterpräsident lvies auf die geänderte Lage in Ungarn hin, welche eine baldige Ueberwindung der den Wehrvor­lagen entgegenstehendeii Hemmungen gewärtigen lasse. Er führte aus, die Wehrreform soll die Bedürfnisse der mili­tärischen Machtstellung der Monarchie mit denjenigen der Bevölkerung in Einklang bringen. Die Notwendigkeit hierzu erwächst aus den maßgebenden Verhältnissen so or­ganisch und wird so allgemein anerkannt, daß es gar keinen Zweck hat, irgendwelche attuellen Momente der äußeren Politik ins Treffen zu führen und eine Jo weitgehende Reform unter dem TitelGelegenheitsmaßnahme" in die Wege zu leiten. Die auswärtige Lage bietet auch, wie ich mit Genugtuung konstatiere, keinerlei An­zeichen, daß unsere friedlichen Beziehungen zum Auslande gefährdet sind und wir in die Lage versetzt werden könnten, von den Verbesserungen unserer Wehrkraft Gebrauch zu machen. Immerhin läßt sich nicht verkennen, daß au verschiedenen Punlten der Erde mamiig- sach sich Zündstoff aufgehäust hat. Gerade die mili­tärischen Engagements, in denen sich zurzeit einzelne andere Staaten befinden, find ein schlagender Beweis, daß auch rein wirtschaftliche Interessen zu ihrer er­folgreichen Geltendmachung unter Umständen bei einer ent­sprechenden militärischen Machtentfattung nicht eintreten können. Ich will gewiß nicht schwarz malen. Es ist auch Gott sei Dank fein Grund dazu. Aber gerade dieser edle Gedanke, der in diesem Ausschüsse so überzeugte Anhänger besitzt, daß die friedliche Entwickelung der Völker von außen her nicht gestört werden soll, enthält meiner Meinung nach den mächtigsten Impuls, der gesunden Entwickelung der Wehrkraft unsere volle Aufmerksamkeit znzuwenden, damit sie auch Gewehr bei Fuß bcn vaterländischen Interessen einen sicheren Rückhalt zu bieten vermöge. In diesem Sinne bitte ich Sie, sich die eheste Erledigung der Ihnen ver­fassungsmäßig zukommenden Aufgabe angelegen fein zu lassen.

Der italienisch-türkische Krieg.

Tas ita ienische Geschwader.

Saloniki, 23. April. Die Kabelverbindung mit Chios, Tonedos, Rhodos und I m b r o s ist unterbrochen. Jmbros berichtet jedoch mittels Helio- araphen, daß 20 italienische Kriegsschiffe vor oer In s e l vorüberfuhre n in der Richtung auf die Dardanellen, lieber Hawala trifft die Meldung ein, daß vor Lemnos lebhafter Verkehr italienischer Kriegs- schiffe herrscht. Die Landung der Italiener ist aber noch nicht erfolgt.

Saloniki, 23. April. Sieben italienische Kriegsschiffe kreuzen beständig zwischen Enos und den Inseln Jmbros, Tenedos, Lemnos. Vor Chios liegen sieben Schiffe, wahrscheinlich Instruktionen abwartend. Ein aus neun Schiffen bestehendes italienisches Geschwader liegt vor Mudros auf Lemnos, wo zwei Transportschiffe mit Kohlen und anderen Vorräten eintrafen. Von den Befesti­gungen des großen Kaps Karaburun wird gemeldet, daß in der Ferne vier italienische Schiffe gesehen wurden und wieder verschwanden.

Rom, 23. April. (Agenzia Stefani.) Eine Flotten­division unter dem Befehl des Admirals Presbitero hat die Insel Astropalia besetzt und dort eine Basis

$l?atefpearcs Totenmaske.

Weimar, 23. April.

Tie Jahresversammlung der Teutschen Shake- spcore-Gcscllschaft ist heute vormittag im hiesigen Arm- brustschützcnSaal zusammengetreten. Nach dem großen Festvor­trage des Professors Gregor Sarrazin 'Breslau) überShake­speare als Landmann" führte Dr. Wislicenus (Darmstadt) die Totenmaske Shakespeares, die in Mainz gesun­den worden ist, int Original vor.

Der Gelehrte hat im letzten Herbst auf einer englischen Studien­reise in Stratford on Avon die Maske mit der Grabesbüstc sorg­fältig verglichen und teilte henke unter gespanntester Kuhnert- samten des Auditoriums seine hochinteressanten Feststellungen mit. Ter Redner berichtete zunächst, daß die von ihm vorgeführte merkwürdige Reliquie von dem Maler Ludwig Becker, einem Bruder des Privatsekretärs des Prinzgemahls Albert von England, im Jahre 1849 in Mainz entdeckt worden ist, wo sie bet der Versteigerung der Kunst- und Raritätensammlung des Tomherrn Rcichsgrafen Franz v. K e s s c l st a 11 im Jahre 1842 von einem Trödler erworben worden war. Daß diese Vorgänge durchaus na­türliche sind, und daß es niemandem eingefallen war, auf die Totenmaske einen besonderen Wert zu legen, sei selbstverständlich, fra man früher Totenmasken gering schätzte. Die Mainzer Anti­quare haben die Maskewegen ihres melancholischen Aussehens" mäst kaufen wollen. Den Totenmasken Tantes, Raffaels, Beet­hovens und vieler anderen sei es ebenso ergangen. Tie Totenmaske Shakespeares sei in der Familie Becker verblieben.

_ Im Jahre 1875 sei im Shakespeare-Jahrbuch Schoafshausen Jüi" sie eingetreten und der amerikanische Maler P a a ß habe sie -durch eingehende Messungen mit Shakespeares Grabesbüstc zu ctratforb verglichen: der Maler sei zu der übrigens von einer qanzen Reihe von Autoritäten geteilten lieber»cugung gekommen, 1)0f> diese Grabesbüstc mit Benutzung eben dieser Totenmaske her- qeftellt sein müsse. Graf Kesselstatt habe in Mainz ein Palais .befenen, das bei der Beschießung von 1793 zerstört wurde. Ter Graf sei gegen Ende des Jahrhunderts u. a. nach England gereift, um dort für die beschädigten Sammlungen Einkäufe zu machen, ^.ort icheine er die Maske als Pendant zu einem Totenbildchen erworben zu haben, mit dem sie im Profil eine entfernte Aehw-

lichleit besitze. Tas Bildchen kaufte er alsShakespeare", es stellt aber J3en Jonson auf dem Totenbette bar, den Freund und Kollegen Shakespeares, der 1637 starb, welche Jahreszahl das Bildchen trägt, während in die Totenmaske in Settern aus jener Zeit die Jahreszahl von Shakespeares Tobe, 1616, eingeritzt ist. Tie Maske finde wegen ihres genialen Ausdruckes die Bewun­derung aller Kenner. Taß sie trotzdem noch nicht allgemein be­kannt sei, habe seinen Grund darin, daß die Shakespeare betref­fenden wissenschaftlichen Fragen im allgemeinen philologischer und literargeschichtlicher Natur sind, so baß bie Forscher sich nicht mit der Maske zu beschäftigen verstanden. Auch Kunsthistoriker, wie z. B. der Engländer Spielmann, verstehen es nicht, die Frage richtig anzugreifen: sie operierten mit Gutachten, Behaup­tungen und Gefühlen statt mit historischen Beweisen und finden den sicheren Weg der Wissenschaft nicht auf. So sei z. B. die Meinung laut geworden, Graf Kesselstatt könne Ende des 18. Jahrhunderts bie Maske in Englanb nicht gekauft haben, ohne daß der Verkäufer an bie Oeffentlichkeit appellierte. Gerabe bas Gegen­teil seither Fall, weil man Totenmasken mfieb, ba sie das ent­stellte Totengesicht mit all seinen traurigen Realitäten zeigten. Unb gar bas Jonson-Bilbchen mit ber Zahl 1637, bas von ber Maske begleitet würbe, habe man in Englanb als eine Fäl­schung gehalten. So sei die Maske ohne Aufsehen nach Teutsch- lanb gekommen. Taß bic Maske aber echt sei, beweise vor allem ihre Identität mit Shakespeares Grabesbüste in den Maßen.

Tas Ergebnis der Untersuchung hat ber Reimer in einer demnächst erscheinenben Schrift in Wort unb Bilb niebergelegt.

Das historische Museum der Pfalz in Speier hat zu seinem bisherigen reichen Bestand airsehnlichen neuen Zu- wachs erhalten. Abgesehen von den Ältsveierer Eskorialkopien des saliMn Kaiserhauses (1043) sind dem B. T. zufolge neu aus­gestellt : die zwölf Apostel nebst Madonna, Freskomalerei aus Speier von 1265, das Bilbnis eines unbekannten Künstlers des kurpfälzischen Rates Knebel v. Katzenelnbogen von 1609, Gol­gatha, Miniaturmalerei des Johann Satob Besserer von Speier, 1637, eine Landschaft des Speierer Malers Brinkmann, ersten Galeriebirektors von Mannheim, um 1740, gestiftet von Dr. Fr. Bassermann-Jordan, eine herrliche Radierung von Joh. R u l a n d aus Speier, bie letzten Reste des Reichskammergerichts in Speier um 1810, ein Oelgemälde von Joh. Bern atz aus

München, geb. 1802 zu Speier, Ephesus, gemalt um 1840, endlich das große sechsteilige Oelgemälde von dem aus Ludwigshafen ge­bürtigen Professor Julius Exter in München: Jubilate.

ff. Eine L e uchtboje, die durch das Sonnenlicht ausgelöscht wird. In Leuchtbojen und auf Leucht türm en ohne Bemannung brennen die Lichter Tag und Nacht, und nur in längeren Abständen ist es nötig, daß die Gasvorräte oder bas Calcium Carbid ersetzt oder bie elektrischen Anlagen nachgesehen werben. Ein Amerikaner hat nun, wie die in Chicago erscheinende Populär Electricsty" mitteilt, eine Leuchtboje erfunden, die selbst tätig dafür sorgt, daß sie nur während der Dunkelheit brenni. Die Lösung bet. Aufgabe ist überraschend einfach. Ter Erfinder bedient sich dabei her bekannten Eigenschcht des Elementes Selen, je nackt ber^ Beleuchtung verschieden große Leitfähigkeit für den elektrischen Strom zu haben. In der Leuchtboje ist eine Batterie angebracht, in deren Stromkreis eine Selenzelle eingeschaltet ist. Während der Dunkelheit, also nachts oder an .sehr trüben Tagen, findet der Strom in ber Selenzelle ein unüberwindliches Hindernis, sobald die Sonne aber die Selenzelle beleuchtet, wird sie gut leitend, und nun kann der elektrische Strom der Batterie einen Hebel auslösen, ber bie Gaszufuhr der Seudjtboje absperrt oder den elektrischen Strom für bie GlMampe ausschallet. Sobald es wieder dunkel wird, tritt genau das ErLzegengesctzte ein.

Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen­schaft. In Stuttgart ist in einer Versammlung aur bem Rathause bic enbgültige ©rünbung bes Vereins Deutsches Symphoniehaus formell vollzogen worben. Ter Verein hat feinen Sitz in Stuttgart. Erster Vorsitzender wurde Erzelleu. Intendant Baron v. Pudlitz. In einer demnächst einzuberuienden Mitgliederversammlung soll ein größerer Ausschuß eingelebt unb auch ber Ort bestimmt werben, ber für bie Erbauung bes 3t)nv phoniehauses in Betracht kommt. In V e n e b i g ist am Tiens tag die internationale Kunstausstellung eröffnet wor­den. Zugegen waren u. a. der Herzog von Genua als Vertret r bes Königs, ber Unterrichtsminister, bie Staatssekretäre des Aus­wärtigen unb ber Justiz, bas bidiomatische Korps, bic Behörbeu unb die Notabeln. Bürgermeister Graf G r i m a n i unb Minister Crebaro hielten mit großem Beifall aufgenomnicne Reben. Tie Ausstellung ist Prächtig gelungen.