Ausgabe 
20.3.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsahi 14 Seiten.

Der Abbruch der französisch-spanischen MaroNo- verhandlungen.

deutsch-französische Abkommen vom 4 November 1911 sichert Frankreich bekanntlich das Protektorat über Ma­rokko. Nun hat aber Frankreich in dem bekannten freund schaftsvertrage vom Oktober 1904 auf Verlangen Englands danien eine Einflußzone in Marokko zugostehen nnlssen, die nördlich vom Mittelländischen Meere und sud- lich vom Malujaflusse begrenzt ist. Und als Frankreich sich anschictte, das rhin von England zugestandene Marokko durch den Marsch nach F-ez in seine (bemalt zu bringen, war auch Spanien nicht müßig, sich der ihm gleichzeitig zugesicherten Ernflui'.zone durch Besetzung der wichtigsten Positionen zu bemächtigen. Nun besitzt zwar Frankreich das Protektorat über Marokko: es hat aber nur wenig Nutzen davon, wenn Spanien ihm nicht durch seine Einflußsphäre hindurch Wege rrach der^ Küste öffnet, und wenn es sich nicht dazu bereit erklärt, Frankreichs Protektorat über Marokko auch in seiner Einflußzone (mit Ausnahme natürlich der altspanischen Pre- srdios) in irgend einer Weise zum Ausdrilck zu bringen.

Es haben deshalb zwischen den Kabinetten von Paris und Madrid fast unmittelbar nach dem Abschluß des Ma rokkovertrages Verhandlungen stattgefunden, bei denen Spanien auf dem Inhalt des Vertrages von 1904 bestand, wahrend Frankreich behauptete, daß sich durch seinen Ver trag mit Deutschland die Sage völlig geändert habe, ihm also innerhalb der spanischen Zone gewisse Zugeständnisse gemacht werden müßten. Außerdem verlangte es von Spa­nien noch Gebietsabtretungen, sozusagen als Kompensation für das an Deutschland abgetretene Kongoland In Madrid wies man diese Forderungen in der Hauptsache zurück und konnte das insofern ohne Gefahr tun, als man England, das die Festsetzung einer so starken Macht wie Frankreich an der marokkanischen töt ft c in Rücksicht auf Gibraltar nicht dulden UriU, fyintcr sich wußte. Die Verhandlungen, die schon mehrmals im Sande zu verlaufen drohten, sind denn auch schließlich abgebrochen worden. Spanien hatte Frankreich an Gebietsabtretungen nur ein Stück Sandwüste geboten, aber nicht die ersehnte Mündung des Malujaflnsses (Cabo del Agna), nicht Tazza, Larrasch und Elksar, und war eben- fotoemg für die Anlage einer gemeinsamen Telögraphcn- strecke Tanger-Larrasch, wie für den Bau einer gemeinsamen Eisenbahnlinie Tanger-Fez zu haben, wenn hier auch nur die Quotenbeteiligung den Stein des Anstoßes gegeben haben mag. Die frrage der Vertretung des Sulians und damit ja eigentlich auch Frankreichs in der spanischen Einflußsphäre, die Frage der marokkanischen Staatsschuld und diejenige der Zollorganisation ist bei den Verhandlungen nur obenhin berührt worden. Was Spanien wirklich Frankreich ein» räumen wollte, waren bisher nur solgeckde Punkte: 1. Schlich­tung etwaiger Reklamationen durch ein internationales Schiedsgericht, 2. Allgemeines Schiedsgericht für alle mit dem künftigen Abkommen zusammenhängenden Fragen, 3. Vereinheitlichung der Zolltarife, 4. Verpflichtung Spa- niens, seine Rechte auf die Einflußzone an niemand abzu­treten und 5. Revision betreffend das Schutzverhältnis der Eingeborenen (Madrid 1885).

In Paris brauste man auf, nannte die Haltung Spa­niens Undankbarkeit und Frechheit eines zurückgebliebenen Volkes und ließ dieser Tage den französischen Botschafter in Madrid dem Minister des Auswärtigen Garcia Prieta gegenüber erklären, die französische Regierung sei über die Geringfügigkeit und Wertlosigkeit der Gegenleistungen (?) Spaniens erstaunt und würde daher auf dre spanischen An­

erbietungen die neben den oben angeführten sich auch auf die Bahn- und Telegraphenlinien (allerdings sehr zum Vorteil Spaniens) bezogen hatten Dorläufig nicht ant­worten, sondern sofort dre Organisierung des marokkanischen Protektorats in Angriff nehmen.

Das würde natürlich ein Ultimatum an Spant en in schärfster Form bedeuten, wenn man nicht wüßte, daß Frankreich diese Sprache nur führt, um dem schon mit dem deutsch-französischen Abkommen unzufriedenen und über den Gang der Verhandlungen mit Spanien geradezu em­pörten französischen Volke eine Art Genugtuung zu geben, dem man immer vorgegaukelt hatte, der Verlust des Kongo- gebicteö würde durch die spanischen Kompensationen reich­lich gedeckt werden. An den Pyrenäen aber wird sich wegen der französisch-spanischen Marokkodifferenzen jedenfalls rein Krieg entzünden, da England beiden Mächten augenblick­lich ein sehr energisches Qüos ego zurufen würde. Die Organisation des französischen Marokloprotekwrats, bei der natürlich zunächst nur die französische Zone besetzt werden soll, dient selbstverständlich auch in erster Linie der De- rulstgung des französischen Volkes.Es geht vorwärts", so wird man sich sagen, und wenn man den Pariser Kolonial- schwärmet fragt:Auch hinsichtlich Spaniens?", so wird er unzweifelhaft in seinem kindlichen Optimismus antworten: Natürlich! Denn wenn Spanien sieht, daß wir unsere Zone besetzen, wird es gezwungen sein, das auch hinsichtlich Nordmarokkos zu tun, und dazu hat es kein Geld. Es wird und muß sich also mit uns verständigen."

Das ist natürlich in den Wind gesprochen. Denn einmal ist es bei dem Enthusiasmus der Spanier für die Marokko- Politik keineswegs sicher, daß sie nicht doch die Kosten der Besetzung auf sich nehmen, zweitens aber hätten sic auch dies nicht einmal nötig, sondern lönnten ruhig abwarten, ob Frankreich etwa Miene macht, sich mit Gewalt in den Besitz der von ihm verlangten Kompensationen zu setzen. Demi da würde England augenblicklich intervenieren, und dem müßte sich Frankreich in seinem eigensten Interesse fügen. Es bleibt dann eben alles, wie es jetzt ist, d. h. also: das ganze Marolkoprotektorat sinkt für Frankreich endgültig in seinem Werte, das französische Volk fühlt sich von feinen Maroklopolititern betrogen, und es können darüber leicht fdunere Erschütterungen das französische Staatswesen Heim­suchen.

Wie man hört, hofft man btnn auch in französischen Regierungskreisen, es würde sich nach der Rückkehr des spanischen Vttnisterpräsidenten Eanalejas nach Madrid schließlich doch noch eine Ausgleichsformel finden Nur ist diese Hoffnung gering. Wenn man liest, daß der Sultan Muley Hasid angesichts der Errichtung des französ:sck>en Protektorats plötzlick) regierungsmüde geworden sei, weil er nicht zu der Rolle des Bei von Tunis herabsinten will, und weiter hört, daß sich jetzt aus demselben Grunde marok­kanische Stämme zu regen beginnen, so geht daraus hervor, daß Frankreich noch viel Schwierigkeiten haben wird, ehe es die schon so wie so geschmälerte Marokkobeute wirklich einbringen kann.

Eine Anfrage im englischen Unterhause.

London, 19. Marz. Im Unterhaus erklärte in Erwiderung auf eine Anfrage Sir Edward Grey, die britische Regierung wolle an den Verhandlungen »wischen Frankreich und Marokko (soll wohl heißen Spanien) nicht teilnehmen. Es sei eine all­gemeine Regel, daß man gute Dien st e nicht an- biete, wenn sie nicht von beiden im Wider st reit befindlichen Parteien verlangt werden, und daß man sie nicht verweigere, wenn sie aus diese Weise verlangt würden. Er habe keinen Grund zu der Annahme, daß in diesem Fallä irgend eine Differenz entstehen könne. Chapple fragte an, ob England beabsichtige, alle Interessen in Marokko aufzugcben.

Erstes Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 20. März 1912

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Grey erroiberte: Unsere Stellung Marokko gegenüber ist gegel'.n durch die 'Abkommen, die dem Hause vorgelegen baden und durch die Mitteilungen, die dem Hause im letzten Jahre gemacht ivurden.

Veränderungen in den höchsten Reichzärntern

Berlin, 20. März. (Drahtbericht.) In den Morgen- blättern tauchen sich widersprecksende Gerüchte über an­gebliche Veränderungen in den höchsten Reichs­ämtern auf. Nackchem gestern abend dieNationalzei tung" versichert hatte, die Stellung des Reichs- kanzlers sei erschüttert und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Kiderlen-Wächter werde bald gehen und durch den Botschafter in Washington Grafen von Ber n st or ff ersetzt werden, erklärt dieMorgenpost": An v. Kiderlens Stelle, der Nachfolger des Frhrn. v. Marschall in Konstantinopel wird, trete der Direktor der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt Wilhelm Frhr. v. Stunt m. Dagegen versichern derBerliner Lokalanzeiger" und das Berliner Tageblatt" v. .Aderlen habe seine Demission nicht gegeben und werde auch nicht zurücktreten. Wohl aber be­stehen nach demBerliner Tageblatt" zwischen Herrn von Tirpitz und den Marinekreisen einerseits und Herrn v. Beth- mann-Hollweg, Herrn v. Kiderlen-WLchler und der gesamten deutschen Diplomatie andererseits Unstimmigkeiten wegen der englischen Politik. Aussehen hat es auch erregt, daß der Kaiser sich am Dienstag bereits um 10 Uhr zum Staatssekretär des Reichsmarineantts begeben hat, und zwar, wie es heißt, unmittelbar, nack)dem er die Flottenrede Chur­chills gelesen. Nun feiert zwar Großadmiral v. Tirpitz seinen 63. Geburtstag, und der Kaiser pflegt seit Jahren seinem bewährten Mitarbeiter bei der Vergrößerung der deutschen Flotte am 19. März persönlich seine Glücknuinstt)? auszusprechen. Da aber politische Ueberraschungen und Sen - sationen an kein Datum gebunden sind, so ist es wohl deut­bar, ja, sogar wahrscheinlich, daß dieser kaiserliche Besuch gleichzeitig wichtigen Besprechungen gedient hat.

Dazu schreibt uns noch unser Berliner Mitarbeiter:

Seit Mitte voriger Woche spricht man in politischen Kreisen davon, daß die durch den Besuch tzaldanes in Berlin angeregten! deutsch-englischen Annüherungsverhandlunqen auf dem loten Punkt angelangt sind, und die Flottenrede des englischen Mannemmisters Winston Churchill enthält yim erstenmal das offene, unzweideutige Bekenntnis, daß die englische Flottenpvlitik sich ausschließlich oder doch in erster Linie gegen Deutsch­land richtet, oder daß sie sich weiiigstens den Ausbau der deutschen Flotte -um Maßltab ihrer Rüstungen nehme. Ist doch bei dem englisckfcn Flotteiretat mit seiner Reduktion um 300 000 L irgendwelche Vermehrung der deutschen Flotte, wie sie die neue Marinevorlage vorsieht, nickt berücksichtigt. Vielmehr droht Eng­land, wenn Deutschland sich jetzt nicht weiter mit dem Bau von 2 Dreadnoughts begnüge, sondern -. B. jährlich 3 auf Stapel lege, abweckfselnd 4 und 3 Dreadnoughts in den nächsten sechs Jahren zu bauen, um seinen bisherigen Flottenstundpunkt gegen­über Deutschland zu wahren.

Das ist deutlich gesprochen, und wir sind Herrn Churchill für seine Offenbarung dankbar. Denn ferne Rede dürste waln- scheinlich den Sieg des Reichsmarineamts über das Reichskanzlerpalais bedeuten und damit zu einer Ver­größerung unserer Flotte Anlaß geben, für welche die ictjigen Deckungsvorschläge nicht ausreichen.

DerBerliner Lokalanzeiger" erklärt in einem inspirier­ten Artikel, daß die Hinausschiebung der Kaiser-, reise lediglich durch die Ausstände und durch den Wunsch^ die Wehrvorlagen vor der Abreise spruchreif zu sehen, be-

8rühjahrzboen.

Gießen, 20. März.

Brausende Böenwolken eilten gestern durch Nord- und Mtttel- deutschland, von Schneefällen auf den Bergen und Graupel­schauern im Tieflande begleitet Es maren die bekannten April­böen, die sich zwischen Winter und Frühjahr einzustellen pflegen Die Erforschung des Luftmeeres hat uns den Aufbau dieser inter­essanten Wolkeiigebiete kennen gelehrt. Ganz anders wie dem Beobachter an der Erdoberfläche bietet sich dem Luftschiffer diese Wolke dar. Ms man noch nicht in der Lage war, in dem Lust- schist Wolkenstudien zu treiben, war der an die Erde gefesselte Beobachter leicht zu der Ansicht geneigt, die schwarz graue Unter- Üäche der Böenwolke für ihren Hauptbestandteil zu halten und mir eine geringe Höhenerstreckung anzunehmen. Daher auch die weit verbrestete Ansicht, man könne auf einem hohen Berge sich über dem Gewitter befinden: denn unsere Böenwolke ist identisch mit der Gewitterwolke. Zahlreiche Lustfahrer hat der Freiballon in die Nähe dieser gefährlichen Wolkenart getragen, so daß sie ihren Aufbau beobachten konnten. In rund V/s Kilometer beginnend, türmt sich die Böenwolke, ihre Form in gewissen Höhenickichlen wechselnd, bis 7 und 8 Kilometer auf, ja sie durchsetzt häufig das ganze Luftmeer, in dem sich das Wetter der Erde abspielt und das bei etwa 10 Kilometer Höbe eine obere Grenze be­sitzt. Die höheren Luftschichten oberhalb 10 000 Meter beteiligen sich nicht an den Vorgängen, die wir alsWetter" zu bezeichnen pflegen. Die Böenwvlke wird erzeugt durch einen heftigen, auf- steigenden Luftstrom: die hierdurch abgekühlte Lust verdichtet den unsichtbaren Wasserdampf zu Nebel, der von der Ferne gesehen, die Form eines gewaltigen Wolkenballen annimmt. In den höchsten Schichten bei 7 und 8 Kilometer erlahmt der aufsteigende Lufrstrom und die Wolke breitet sich seitlich aus. Nicht nur der unteren Begrenzungsfläche der Wolke entströmt der Niederschlag, sondern er nimmt auch innerhalb der Wolke seine Bahn.

Sehr häusig eilt der Gipfel der Wolke, da die Windgeschwindig­keit mit der Höhe zunimmt, der Basis voraus. Der aus dem Dolkenhaupt herabströmende Niederschlag erweckt bei dem Lun- I duffer, der die Wolke von der Seite sieht, den Eindruck eines Minden, kegelmäßigen Turmes. Es ist für den Luftschiffer außer­ordentlich gefährlich, innerhalb dieser Wolkenatt zu fahren, da heftige aufsteigende Luftströme den Freiballon gefährden. Ge- hetrnrat W i e t b c schildert eine Böenfahtt, die deshalb gut ver- liq, weil ein Wald den Fall des Ballons abfing.Ein Blick das Barometer überzeugte uns, daß wir 2000 Meter in die

Höhe geschnellt waren und uns inmitten eines undurchsichtigen, formlosen grauen Nebels fber Böenwolke) befanden, aus dem heftiger Regen und Hagel auf uns einstürmten Zugleich begann jenes unheimliche Sausen und Knirschen, welches Wirbelbewe­gungen in der Lust erzeugen und unter heftigem Donnerrollen, das von allen Seiten her ettckallte, gerieten wir in eine Trombe, die uns ergriff und die Gondel zuerst in schivache, dann in immer stärkere Pendelbewegungen versetzte. Zugleich sanken wir plötz­lich um 1000 Meter, wurden dann wieder in die Höhe gerissen und dieses Spiel wiederholte sich eine volle halbe Stunde lang: wobei der Hagel in großen Körnern uns von allen Seiten überschüttete, so daß der Boden des Korbes bald mit einer fast fußhohen Schickt von Wasser und Eiskörnern beberft war. Tie Schwankungen und Pendelungen des Ballons in den umgebenden, stürmisch erregten Luftmassen zu beschreiben, ist kaum möglich." Meist, wie auch gestern, beobackttt man unterhalb der Böens wolke einen als Bogen erscheinenden Wolkenwulst, der ein hell­graues Segment überspannt, das durch den Regenguß hervvrge- rufen wird, durch den hindurch man das Tageslicht von der anderen Dolkenseitc durchscheinen sieht. Tiefer Wulst nnrb durch einen Luftwirbel mit wagerechter Achse erzeugt, um die die Luft­massen rotieren. Auch diese Drrbelform ist der Luftfahrt sehr gefährlich. Das ZeppelinluftschiffDeutschland" geriet am 28. Juni 1910 im Teutoburger Walde in einen Böenwirbel mit horizontaler Achse und wurde erst in die ööfc gerissen, dann aber trotz Höhensteuer und Abgabe allen nerfügbaren Ballastes auf die Erde herabgeworfen. Auch hier bewahrte der Wald vor einer noch schwereren Katastrophe.

Lebendig begraben.

Verfügt die ärzttiche Wiffenschast über ein absolut sicheres Mittel, um unmittelbar nach dem Ableben eines Menschen mit vollkommener Gewißheit den Tod festzustellen? Ter stanzösische Prof. Dr. Thoinot hat am Tonnerslag in einer Vorlesung in der Sorbonne behauptet, daß dies keineswegs der Fall sei: ttotz der von zahllosen Aerzten mit Fleiß und Gründlichkeit ge­leisteten Arbeiten und Forschungen fei die Wissenschaft noch heute nicht imstande, uns ein unzweifelhaft sicheres Sympwm des Todes zu geben, der Scheintod und der Tod weisen in ihren Erschei­nungen so große und weitgehende Analogien auf, daß es nicht Möglich sei, mit unbedingter Sicherheit zu bchaupten, daß hier Tod und dott Scheintod vorliegt.

In der Tat ist die Geschichte der Medizin reich an Fällen- m denen ärztliche Todeserklärungen durch die Natur imberlegl norden sind, reich an Fällen, die sich keineswegs auf mittelalterliche Zeiten beschränken. Als man den Pariser Lttrchhos des Saints- Jnnocents verlegte, stellte der Dr. Thourtt, der die Aus­grabungen leitete, fest, daß eine Anzahl von Skeletten Körper­lagen aufweisen, die es als wahrscheinlich erscheinen lassen mußten datz die damals Beerdigten nur scheintot gewesen waren und erst im Grabe starben. Pros. Thoinot berichtete bann auch über den Fall des Generals D Orano, der jetzt ein Jahrhundert zurück- liegt Ter General wurde während des Rüchuges der Großen Armee in Rußland von einer Kugel getroffen. Man hielt ihn für tot. Ter Prinz Eugßne beauftragte seinen Adjutanten, den Kommandanten Tascher, den vermeintlichen Toten im Schnee ju begraben. Das geschah auch, aber nach der Beerdigung traf der Adjutant des Generals, der Hauptmann de La Berge ein und erklärte, er wolle den Körper seines Generals mit 'nach Frankreich nehmen und in französischer Erde bestatten. Der Lchnee wurde wieder aufgegraben, man legte den General auf einen Starren: nach einiger Zeit kehtte er wieder zum Leben ^iruck. Lpäter konnte er in Frankreich der Beerdigung des Kommandanten Tascher beiwohnen, der Bestattung jenes Mannes der ihn damals in Rußlands Schneewüste begraben hatte.

Auf der Tribüne des ftanzösischen Senats erklärte am 29. Fe­bruar 1866 der Kardinal Tonet:Im Jahre 1826 wurde ein junger Pnener in der Kirche während des Gottesdienstes beim Gingen ohnmächtig und fiel scheintot zu Boden. Ein Arzt wurde gerufen, untersuchte den jungen Geistlichen, erfiärte ihn für tot und schrieb den Totenschein. Der Bischof der Tiötzese, in der sich dies ereignete, sprach bei dem Totenantt bereits das de profund:-, man hatte dem Scheintoten die Maße zum Sarge genommen.'

JnQ9 sich ausmalen, welche schreckliche Angst der junge Geistliche durchleben mußte, der alle Geräusche der Vorbereitung zu seinem Begräbnisse genau hätte Plötzlich vernahm er auch dre stimme eines Jugendfreundes und der Klang dieser Stimme lieg ihn noch eine letzte verzweifelnde Willensanstrengung machen, ein Lebenszeichen zu geben. Er erwachte und am nächsten Tage bereits konnte er wieder in der Kirche sein Amt ausfüllen Und dieser junge Priester", so konnte der Kardinal Sonnet den ftanzösischen Senatoren sagen,steht jetzt hier vor Ihnen und bittet Sie, die Bestimmungen über die Todeserklärung zu revidieren."