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23.7.1912 Zweites Blatt
 
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162. Jahrgang

3weites Blatt

Hl 171

erscheint ISglich mit Ausnahme des Sonntag?.

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TieGiehener Kamittenblättrr" werden dem ^Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, da? .Kreisblatt fir den Kreis Sieben" zweimal ivöchentlich. Die ..rondwirtschaftllchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Eine Oririnalfliscb- rnchtgeachmack ietta, Ananas, r nach Bedarf berge- igefflgl. ,

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issener Qualität berzeu- bereit, irigiaal1 oeflaschen senden, »rt einsendet, und die , flaschen etc^ wekJ- : oder gleicbxeitig P* yS' n*i

Hundslage.

Am 24. Juli treten wir in die Zeit der fcuntetagc ein, die |Ürr die bcißcftcn des Jahres gelten und denen man auch heule nach mcliach nichts Gutes zutraut. Woher kommt der merk- Ii^rdige Name dieser Wochen, woher der Aberglaube au allerlei schlimme Ereignisse, der sich mit ihnen verbindet? xie Öunö$- ta.jc sind ein viel tausendjähriges Vermächtnis, da-- die atl> l- « n v t i i (b c Astronomie bis aus unsere Iagc_ vererbt Hat, bfiin der Siriuo, dieser Stern erster Gröftc im Lternbild des Gwfteii Bundes, den die Söhne des Pharao >sothis nannten, it-teile bei ihnen eine grafte Nolle. . .

Zunächst hatte in Aegvpteu als Jahresanfang der Beginn twr Nil Überschwemmungen gegolten, die mit ihrem fruchtbaren uft sür das ganze Land von größter wirtschaftlicher Bedeutung luuren und noch sind. Diese Zeit in der zweiten Hälfte des Juli sündigte sich nun astronomisch dadurch an, daft die -sonuc beim Herannahen dieser Periode mit dem Sirius gleichzeitig aut ging; Ly -)cr hellste Stern am ganzen Firmament war in der .Norgen- > mmerung zu sehen. Da die Aegypter den Sotbis wegen feines "trahlcnbcn Glanzes verehrten, so brachten lie bald bietenhelia- !i chen Ausgang ' des Sternes mit der Nilüberschwentmung in rge Beziehung. Er galt als ein Vorläufer des segensreichen hdiu- ipwmens der Wasser über das Land und wurde unter die wohl- tnienb'ii Götter versetzt. Ter Beginn des Jahres wurde gc)ctzlich yn gleiäxr Zeit mit dem Erscheinen des Sirius in der Morgen- Mmmcrnng an geordnet. Zunächst rechneten die Aegnpter ein reinfv Sonnenjahr mit 360 Tagen, aber bald merlten )ic, datz bsi dieser 'Jlnnahme sckwn nach wenigen Jahren der Beginn der ^Überschwemmung und der des gleichzeitigen Aufgangs des Sirius mit der Sonne sich sehr bedeutend gegen einander ver- iffcoben Wie die Mulhe berichtet, soll der Gott Thot der Mond- gjrttin Isis im Brettspiel fünf Tage abgewonnen haben, dieser dau Menschen zu den bisherigen 360 Tagen des Jahres als ^u- qoebe hinzuschenkte, so daft sie nun 365 Tage im Jahre bei atzen. Wer auch diese Tagezahl im Jahre bewirkte, wenn auch nicht to rcrsch, so dock allmählich eine Verschiebung des heliakmäien <ririu- ansganges gegen den Jabresamang: alle vier ^ahre betrug drese einen Jag, so daft also ent nach ie viermal 3bo oixr^l ibO lagen der gleichzeitige Ausgang des Sirius mit bet ^onnc nrit dem Jahresausgang zusammennel. Tiefe groRe Periode die die Aegnpter die Sotbis-Pertode nannten, ut em Bemas Mür das; dies? alten Astronomen die Taner eines wahres bereit- zur 365i , Tagen bestimmt hatten. Diese Zahl bildete dann ja bire Basis für den von Julius Cäsar eingeführten Julianochen Kalender, den auch wir noch benutzen. So stehen also die LdundS- toege, die von den Aeguptern als Jahresbeginn eingejuhrt wurden, miit unserer gegeniöärtigen Jahreseinteilung in enger Beziehung.

Line,^ahrt durch die Dardanellen.

Bon G. Kleibomer (Sonftantinoptf).

Ter Angriff der Italiener auf die Dardanellen verleiht fclgcnber Schilderung unseres Konstantinopeler Mitarbeiters von I ,-ijier Fahrt durch die Mceresstrafte und von einem Bciuch n der Stadt der Dardanellen ein aktuelles Interesse

Tie Schri'ttleitung.

Im Ägäischen Meer wehte ein scharfer, kalter Wind, der Lt j-t Sck-.'s ub. r Nacht stark zurückgehalien hatte und uns nötigte, huret den Ausbauten aui Deck Schutz zu wchcn Aber in Die « nute gehen wollte memano, denn wir nahten uns allmählich ic rardanellenslraiie, und schon sahen wir Klein-Aslens .vestland ufeffor Törpfeld machte uns aufmcrfiam, rote die fchneebebeckten iP1cn von Smncthrake links und die ebenfalls rociRen Hohen tc Jdagedirges rechts herübergriiftteii. sie begrenzen auch den I Vd, wenn man auf Trojas Hügel lieht, und der Tanger der M 3 us läftt aus jener dem Meere entsteigenden Hohe Poseidon hbcmicn, hier aber den gewaltigen Zeus, als hatte er die,es I Lbfd-ailöbilb selbst gesäumt. Und an den kleinen Inseln fuhren I Lj vorbei aus die der eilende Götterbote den beilügeltcn Futz sktzdr, ehe er das Festland betrat. .

Vom Schilfe aus sahen wir mehrere kegelförmige Hügel die I lt' anische Ebene zum Meere hin abgrenzen, Tumuli, Heldeu- i qtaber- zwei nahe beieinander liegende tragen bie stolzen Namen ..rab des Achilleus" undGrab des PatroNos". Es ist be- qtc'lich, daft iid) schon oft das Verlangen der Fotlcker geregt , i Rier einmal gründliche Ausgrabungen vorzunehmen: aber Di.- türkische Regierung verweigert streng die Erlaubnis dazu, jid) in der Nähe die Batterien von Murn-Male bcfinöcn. Ter Nam'' Ku. - Kale oder Kumkalessi ist in dielen Tagen Des türkisckf-italien.scheu Krieges häufig in den Zeitungen ge- i 'ilt svorden iAuch jetzt wieder ist von diesem Fort aus das Ker auf die herannahendeu Schiffe der Italiener zuerst auf* Pnommen worden. Die Sckristl.) Den meisten Lesern war das L. ! >vohl ganz neu; nur Wenige mögen geraubt haben bau Zh. ii die Gegend von Kum-Kalc schon tn der Schulzeit bekannt qtr.orbcn ist, allerdings unter einem anderen Namen. Bor fast liii«) Jahren kam auch eine Flotte durchs Ägäische Meer ne­id : ommen und nahte sich hier dem Festland. Zwar waren tue Zchjffc viel bescheidener als die feuer,peienden Eifenkolosfe der | 3,diener, aber die Helden, die dahergesegelt kamen, haben sich i i-ii vieltausendjährigen Nachruhm erworben; Ldysteus, Achst-

daH sie aus dem Sack eines Knochensammlers kämen. Ick habe auch nicht geglaubt, haft wirklich iemand das essen würde, bis ick's erlebte und an dem Gesicht des Käusers noch erkennen mußte, daft er einen Festsckmauft erstanden hatte. Nickt zu ver­gessen sind auch die Topfhändler, die allerlei buntbemalte lövie-- rcicn zum Kauf aiibotcn. Sie zeugten nicht von einem blühenden .Hiinftgeraerbc, diese Produkte standen im Werte auch hinter un­sererBauenikunst" weit zurück. Mer sie müssen erwähnt wer­den, denn nach ihnen hat die Stadt der Dardanellen ihren Namen; sie heißt auf türkischTschanak-K alessi , das

^Und^auch das türkische Volksleben schaute ick hier zum ersten­mal. Vor allem war es natürlich die türkische Frau, die leben Europäer ihres Schleiers wegen so besonders reizt. Unter den vielen neuen Menschen, bie aufs Schiff gekommen waren, um nach der Hauptstadt zu fahren, waren auch Cfnsicre, die ihre Frauen mitgebracht hatten. Schnell waren durch necken Ecken auf dem Deck abgeteilt, hinter denen die grauen verscknvundcn waren. Ich suckle und fand auch einen Platz, von wo ich in das Lager hineinfchauen tonnte. Und ick iah auch eine ver­schleierte Fran. Es war aber eine alte Negerin, eine Wienerin, und unn war mein Interesse bedeutend abgebraucht. Das war mein erstes Zusammentreffen mit dem curovaiicben Ericnt. ge­wesen, und ob ick gleich bann Stammbul gesehen hatte mit 'einem bunten Leben, war mir doch dieser erste Eindruck frisch ge-

Dienstag, 25. juh 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversnäkS - Buch- und Cieinbruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckul- stratze 7. Expedition und Verlag: ^Möl.

Redaktion:e^zA l12. Tel.-Adr.: ^InzeigerGießen.

uns vorbei: türkische Bauern, drohend bewaffnet unb blühet- bonge Frauen, das Antlitz keusch vor den fremdeni Mannern verbergend, ritten auf trägen Eseln bahnt Auf ,d)langclnbcr Strafte kamen wir aur eine Höhe Da hielten wir unb fdjauten nock einmal zurück auf bad liebliche Bilb t*.cr.

bie Stadt und die grünen, reid)beroäncrtcn Lander, die ,o unranft aus ihrer türkischen Ruhe aufgeichreckt würben, als die Kanonen von Kum Male sprachen, unb die nun vielleicht m bicfen Tagen bcu Enticheibungslamvi des seltsamen Krieges leben weiden. Munt Aale, die Batterien nahe Troja, uni ernt Reif eitel, dem roir nun im fröhlichen Galopp entgegenritten!

In den letzten Tagen ist auf dem Nürnberger Fleifchmarkt eine ungeheure Preissteigerung eingetreten und es scheint, daft man sich sür die Speisung der 3b 000 Mann, bic m Nürnbergs Mauern erwartet werden, lehr anständig bezahlen lassen will. Mit dieser Ungeschicklichkeit wurden lieh aber Nürnbergs Würger ins eigene Fleisch schneiden: denn dann wäre die «stabt wohl zum kBtenmalc bet Frsipla» für biefe aeraatttoe beutWe MUonate Veranstaltung gcraoen unb Nürnberg, baa bum CvUiithen Uco unb bem deutschen Schrifttum so Diel verdankt wurde,durch fei t uurzsichtigkeit ganz unendlichen schaden auch an )einem von Tag^ zu Tag wachsenden Fremdenverkehr erleiden. Juzwnchen haben die maftgebenben Instanzen eingegriffen und es fleht »u hoffen, daft der 5chatten, der durch das Verhalten einiger ganz besonders gewerbstüchtiger Nürnberger zu fallen drohte, rechts- ieitlGinCcChübid)e Erinnerung an das erste deiltsck)e Sangerfest m Nürnberg im Jahre 1861 hat der Nürnberger Magistrat aus- maraben9 als er die damals benutzten Dekorationen zum grofsten wieder Herstellen und dort anbringen keß, rao sie vor nun­mehr 50 Jahren hingen. Als einziger der damals mit den Aus- schmückungsarbeiten betraut getoejenen Künstler lebt hier noch der Silbbauer unb Hauptlehrer an der Nürnberger Baugewerks- sclmle Tobias Weift und ihm hat man deshalb den Arcnvollen Auftrag gegeben, das Wohnhaus des oltbcvufjmtm BildgieMrS Teter Bischer neu zu schmücken. Auch Albrecht Durers Geburts­haus in der Winklrrstrafte und Willibald Pirckheimers Wohnhaus am Marktplatz wurden zu Ehr'n des SängerfeiteS auf das ickonste geschmückt und zwar durch Professor Wanderer Martin Beheims Hans hat der Maler Rudolf Gewler in Arbeit, wahrend die fest- lil" Ausschmückung des Hans Sachs-Hauses der Maler Glaud besorgt. Schlieftlich werden auch die Hauser von Veit Stoß und Adam Kraft eine würdige Ausschmückung durch 9?iirnbcrgcr_Mun|t- 1er erfahren Mit ganz besonderer Liebe i't vor allen Gingen der malerische Marktplatz geschmückt worden. Er wird in gerade^ verschwenderischer Weise in einen Garten umgewandelt, in dcsten Mitte die mächtige Rats- und Prestetnbune sich erhebt Die Hauptstraßen der Stadt, die Kaiser-, Karolinen- und Komgs- strafte, werden, getreu ihrem Charakter als Hauptverkehrsadern der Stadt, einen ganz besonders ffstlichen Schmuck bieten und neben Teppichen und Gemälden, ,zahnen und Blumenzier, er­freuen auch schöne grüne Laubengänge überall das Auge

Das Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha, dessen unvergeichcher Herzog Ernst II. den Anstoft sowohl zur Begründung des xeut- l'd'rtn Schützeubundes, wie des deutschen Sängerbundes im Iahte i 1861 gegeben hat, wird durch den jugendlichen Herzog Karl i Eduard vertreten, der am nädmen Samstag oer im JdiriilHra. r

lt:m, Llgameninon ... . ..

Die versteckten türkischen Besestigungen auf der fieinanatudKn 3ete unb ebem'olche auf bem thrakischeii Chersones, der euro- ucficken Seite, bcf)crrfd)cn wundervoll die Eintahrt in die Dar- |Mr ellcnftrafte. Es muß für eine gut ausgebildete Artillerie cm iu,i !ier Spaß sein, heraniiaheiiben Schiffen ein donnerndes Halt lunuieii zu können, mit dem sicheren Bewußtsein, die Bewlgiing bic ?t Aufforderung immer erzwingen zu können. Llcherhett bie: en diese modernen Befestigungen, aber schöner unb mal erstarr ioai bock das Mittelalter, bas uns dort am hnfen Utcr durch bie alten Festungstürme unb Mauern begrünt. Ist s die Ber- lU.aflciihcit, bic um diese mittelalterlichen Stätten eine solche nJlc von Romantik häuft, ober hat auch lckem in jener Zett, bc diese Bauwerke noch mobern waren, alles das bie Phantafie \t mächtig angeregt wie heute noch bie Reste? öci es mit bei Romantik unb bet Phantasie, wie es wolle, aber s ch o n irenen bi esc Bauten auch schon damals, denn auch zu jener Zeit Ict (inigten sie sich mit der umgebenden Landschaft zu bie)em

Der Tag des deutschen £ieöes.

Nürnberg, 22. Juli.

311 ben «Elichni. «ete*K<S kügetegUn sroei »mglick tz«- rischen Rcservatrechten, dem Postregal und der Banerifchen Miff täi Oberhoheit, gehört bekanntlich nock cin drittes, -war nicht gesetzlich festgelegtes, aber um io ciferfüchtigcr gelmtctco, das des La erifdien Bieres. Was Wunder, daft das 8. deutsche «anger- fest mit einer sehr ernsthaft gemeinten und noch ernsthafter durch- acfiibrten Bier probe begonnen wurde. Man hatte hierzu

?inen hohen Magistrat, sämtliche Ausschüsse für das «angcr- bundesfeft unb überhaupt alle maftgebenben Instanzen eingeladen und prüfte lange unb forgimn, mai btc v»er groften ^uereien Nürnbergs, bic Freiherrlich v. -Luchcndje, bas Brauhaus Nurn berg, fieberet und Reiff für bic Festtage jufammengebraut haben. Für bic festliche Stimmung sorgte eine fidele Oberlandler - riginal- kapellc, sowie bie Schützcntapcllc des benachbarten Furth. Um ater ben Spöttern bayerischer Bierehrffchkelt nicht gar zu viele .ln- grissspunkte zu bieten, hatte ber ^stausschust noch in letzter Lluiidc auf ben Festplatz noch eine vollkommen alkoholfreie Wirt-

teinoollen Bilde. .

Nun waren wir endlich btc Sonne neigte sich schon |lmr zum Horizont nahe ber Stabt der Dardanellen. Ick haute mich, fic raicberzuschcn, denn mit bieser Einfahrt in bic T-urbancllcnftraftc verbanden sick mir starke Eindrücke, bic ich ti Jahr vorher hier empfangen hatte. Da legte auf ber «fahrt rach Konstantinopel bas Schiff hier eine gute Stunbc an, um bi( Pässe rcoibicrcn zu lassen Unb in bieicr »tunbe hatte sick ru-r ber erste Blick in ben Orient aufgetan. Zum erstenmal sah ich die Kaiks in bräitgcnber Jagb herankommen, um Menschen cn.5 fianb ober Hänblcr aufs «cknff zu bringen. Im Nn Hatte ficb das Teck in einen türkischen Basar verwanbclt. Au) bem S'^ben hatten sich bic Händler breit gemacht. £>icr hatte einer s,mae kleinen Töpfe mit Jacurt, der in ber Türkei wie in Gnechcn- jixrib so beliebten Sauermilch, ausgestellt; baneben hatte em anderer Hammel köpfe ausgelegt. Es sah entsetzlich aus S,c waren ji wohl ubergebraten, aber man hätte dock glauben mogen^

blieben in ber Erinnerung. . ,

Heute erlebten wir bm Anblick des bunten Lebens nickt, denn die Sonne sank, als wir Anker warfen. Umere. lern feit wurde ganz aut em Boot gerichtet, das btc deu'ckc Flagge gehiftt hatte. Sie war noch nagelneu, benn ber beut dK Bizekonsul, ber ba angefahren kam, war eben erst mit bicicn Amte betraut worden. Es war ein Grieche und er roolltu cd Uck nickt nehmen lassen, ben hier überall bekannten unb lehr ge­schätzten Professor Dorpsclb mit )einer jungen Neisegejellschaft zu begrüften unb uns bei den Paftsormalitäten nach Kräften ^Wir verteilten uns auf bic beiden vorhandenen Hotels. Wer ins alte kam, empfand cs als einen Vorzug, in dem Hause zu wohnen, in dem früher Schliemann abgcfticgcn war, und wer ins neue kam, freute sich eben darüber, daft er tn einem neuen Haute wohnte. Diesmal war allerdings die Freude ^utg begründet, benn auch das alte Hotel war tauber, ^n einer griechischen Gar^ I.iche nahmen wir dann gememfam das ^udc^sen ein. Es war uns alles neu, und darum machte un» das BnMitive Spatz.

Unb bann versuchten wir noch einmal. Entbcckutigen in der Stabt zu macken. Aber wers noch nickst kannte, ber lernte hier, was eine türkische Stadt nach Sonnenuntergang ist. Totenstt die ganze Stadt ; kein Mensch aui der «tratzc Kein Licht fallt aus den Fenstern, denn sie sind ja alle mit dichten bolzgtttern versehen. Nur eben liehen sich btc Hamer noch unter)djetben. Die meisten waren aus Holz gekraut; bazwtschcn einige neue aus roten Ziegelsteinen, unb manche zeigten auf steinernem Unter­bau hölzerne Etagen. Unb immer Erker, überall Srkcr. Eha raltcrifiifch dabei ist, daft sie.übereck zur Hausffont gebaut ffnd, luoburd) ein besserer Ucberblick über bic Strotze unb ein kla­reres Turchstreichen des Windes durch d.e Wohnungen ermöglicht wird, was im Sommer sehr angenehm in den Holzhaustrn fein

Die Mckverh 1 ebeutung, die man dem die Niluberickivem mung verkündeten Sirius in ber OTorgcnbämmerung Mif^ncb, ' ianb aber nicht ihre Ausbehnung auf bie ganze Zeit Mit bem fruchtbaren Wasser kam nämlich zugleich bic Zeit ber groften Hitzen, ber gefährlichen Krankheiten, ber jchdmmcn Eptbcmicn ! unb bcs großen Sterbens. Giftige Miasmen Iticgcn au^ bem zurückbleibenben Schlamm des Flusfes, und nach dem Legen kam das Elend, für das man nun ebenfalls den Lothms verant­wortlich macktc. Tie Griechen, die dem HutidsgetNrn den Namen Sirius gaben, übernahmen diesen Glauben an bie unbeilbrtngenbc Macht des Sternes Sie sahen in ihm einen sagenhaiten Hund ber UntcriDclt, ber von den Gättcrn an das Firmament verletzt iei, hielten ihn für bas Sinnbilb bcs Hunbes, ben Jupiter bem -lotcn- riebter Minos sckstnkte, ber ihn wieder an btc Proons rocitergab. Ptolcmäus gibt ihm eine feuerrotliche Farbe, und man op,erte zu Beginn dieser Periode einen rot eit Hund, um das ichltmme Hundgcstim zu versöhnen und günstig zu )hmmcn. Nach den Angaben von Hippokrates und Pliniusbeginnt an bem Tage wo ber Hundsstern sich erhebt, das Meer zu kochen, der Wein wirb schleckst, die Huiide bekommen bic Tollwut btc Valle: öcr* gröfterte sich unb wird gereizt alle Tterc veriallcn iit ^chLan= heit unb Trübsinn; bie Krankheiten, bic btcic Periode am häu­figsten heiworru'l, sind die heißen und andauernden fieber, die -Darmkatarrhe unb bic Tobsuckstsamällc , (tpr

Bei ber ungeheuren Auiornat, bic Hippokrates im Mittelalter besaß, ist es kein Wunder, baft die Vorstellungen von der Gcrahr- lickkeit der Hundstage noch bis in die neueren Seiten hinein be­stehen blieben Nack alten Rezeptbüchern und arztltckcn Ratgebern muß man in dieser Zeit besonders vorsichtig lein, nd) tüchtig vir Ader lassen, nicht baden, wenig enen, nicht zuvrel nftlaten ufro. Letzte Rcflerc solcher abergläubischen ^deen ,md ja auch noch in unserer Gegenwart wirksam.

*

UnDctöfftntliditcBriefcnapoIeons an deutsche Dürften.

Am 1 April 1810 sand Napoleons Ziviltrauung mit der Erzherzogin Marie Luise von Oesterreich statt; am 2. April folgte bann die nrcklickst Feier, unb am 5. 'Xonl zog sich das Paariur die Flitterwochen in das Schloß von Eompiogne.zuruck --elbst- verständlich beeilte sick ganz Europa, bem Kaiser feine Huldigung banubringen Unb Napoleon geruhte, bie Glückraunfckichreiben be- Fürsten unb Städte in vielen Fällen eigenhändig zu beant­worten Wie aber Edouard Gachot im neuesten Hefte derOum- zaine" aussührt, ist feine Antwort verschiedentlich anders ausge­fallen. als er zunächst beabsichtigte

Der Brief an den König von Preutzen, ber vom 22. April 1810 datiert ist, lautete nach Gachot ursprünglich rote folgt: ,Mein Herr Bruder! Ich war davon überzeugt, daft bie

cft recöyntrcien

7^/--

Kolosse«

SW

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhchen

Einen einsamen Griechen trafen roir auf ber Strafte. Mit unseren juiammengetragenen Sprachkenntnis)en fragten ihn aus, wohin man hier denn des Abends gehen könne, verwies uns in ein Kaffeehaus. Aber als roir da cmgctrctcn waren, erschraken roir vor unfern eignen stimmen, so ruhig war c>3 dort Rings an den Wänden hin hockten bic Türken auf ben langen Bänken. Hatten sic vorher vielleicht miteinanber acDlaubcrt, so waren sie über bie ungewohnten Ginbringlmgc wdcnsalls starr. Nur hin und roieber horte man die Blaien in einer Wasser-Pfeife glucksen, ober der Wirt ging an den großen siohlentellcr, der mitten im Lokal stand, und holte eine glühende Kohle für seine Pfeife. Wir tranken möglichst ichnell unfern heißen, schwarzen Kaffee unb verlietzen das Lokal, weil biete Stille sich uns auf bic Nerven legte. Tas also war bas Nachtleben einer wirklichen türkischen Stabt.

Ter Not gehorchenb, unterwarfen wir uns der gcimtben tür­kischen Sitte, die Nacht zum Schlafen zu gebrauchen, .bis uns zu früher Morgenstunde bas Pferbegetrappel auf der Straße weckte. Schnell machte jeder Toilette und suchte auf die Ltratze zu kommen, um das beste Pferd zu erhalten Und dann gings hinaus ins Land'. Auf der Strafte zogen Kamelkarawanen an

Neuigkeit Meiner Vermählung mit der Erz^rzogin Marie Luise von Oesterreich bei Eurer Majestät bie gleiche Freude erwecken würde, bic ich über ein derartiges Erergms «mvnnde welches ür meine Familie sowohl Ime das Gluck meiner Volker höchst bedeulungsvoll ist. Ter Glückwunsch, den Sie M>r ber diejer Gelegenheit in dem Briese barbrachten, nut denen Ucbergabe Sie ben Marschall Grasen von Kalckrenth beauftragten, bat Mich tief gerührt. Und gleichfalls hat mich bic Art, wie sich bioer rourbige unb ehrenwerte General ber Aufgabe entledigte, die Eure Majestät ihm gestellt hatten, großen Eindruck gemacht. Eure Majestät konnten niemanden wählen, der Mir angenehmer gcracien roarc, unb es bat Mir zur Freude gereicht, dem General perfonlich meine Ächtung auszufprechen. Ferner habe Ich. Mich 'bm gegenüber über die Wertsckfätzung ausgefprochen, die ich den Verstcherungeir beimesse, bic Eure Majestät Mir über Ihre Absichten und Ihre Geiühle bat zuteil werden lassen. Ich itociflc nicht, daß der Gesandte Eurer Majestät einen genauen Bericht über die Gmp- iinbungen geben wirb, bie ich für Eure Majestät dege, und be» sonbers ben W»nscheii Ausbruck verleihen wirb, die Mich fur Eurer Majestät persönliches Wohlergehen beseelen. Ltets roeroe Ich aufs Neue erfreut sein, die Gelegenheit wahrzunehmen, meiner stctcii aufrichtigen Hochachtung mid völligen Freund)chait zu versickjern, mit ber ich bin. Mein Herr Bruder, Eurer Maje­stät guter Bruder/'

E« scheint, traft Napoleon, nachdem er seine Unterschrift unter diesen Bnef gesetzt hatte, doch Bedenken darüber aufftiegen, ob ber Ton nicht zu vertraulich sei. Kurz unb gut, ben ersten Absatz hat er kurzerhanb durckjgestrichen, und dem Nest gab er eine kühlere Fassung

Auch den Hansestädten sandte Napoleon eigenhändige Z-ankes- sckreiben, bei dem Entwurf unb Original jedoch übercinstimmen, wie Gachot scstgcstcllt hat, ben übrigen bcutufcn Furften fast durchweg gleichlautenbe Briese, bic im allgemeineii recht, herzlich gehalten sinb. Nur bem König von Württemberg schrieb rr besonbers. Aber auch hier stimmt ber Entwurf , ben Gachot veröffentlicht, nicht mit dem Lriginal überem, das der König von Württemberg tatsächlich erhielt. Das von Napoleon an­fangs aufgesetzte Schreiben lautet: ...Mein Herr Bruder? Der Graf von Taube hat mir den Brief überreicht, den Eure Mafestat an Mick gerichtet haben, um mir ?u meiner Vermahlung Ihren Glückwunsch auszusprecken. Stets lese Ich nut neuem Vergnügen bie Frcunosckraftsbczeigungen, die Eure Majestät an Mich richten; aber Eure Majestät mögen überzeugt sein, datz biege Freund)chcnts- bcu'igunqen Mir bei feiner anderen Gelegenheit angenehmer ge­wesen sind. Ick hatte schon Gelegenheit, Eurer Majestät Mitteilen zu können, daft Eurer Majestät Gesandter sich Meine Achtung durch ; bie Art, wie er verschiedene Aufträge erledigt hat, die ihm

: für Meinen Hof erteilten, erworben hat. Ich zweifle mcht, baß

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