Die Aussprache aus verchtoldr Anregung.
Tic „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin, also offenbar halbamtlich:
Nach den Erörterungen eines Telles der internationalen Preise konnte man den Andruck gewinnen, als ob bei den bevorstehenden Aussprachen gewissermaßen nach politischen Gru ppcn vorgegangen werde unb daß es sich darum handele, die Ansidüen und Interessen der einen dieser Gruppierungen zum Nachteile der anderen zur Geltung -u bringen. Wenn dieser Standpunkt irgendwo vorhairden wäre, möchten wir sehr wünschen, daß er so vollständig wie möglich verlassen würde. ES sollte sich umsoweniger darum handeln, den Interessen des Trci-» Hundes oder der Entente zum siege zu verhelfen, als widerstreitende Interessen in dieser Frage kaum vorhanden sind. Tenn das — man bad wohl hoffen — gemeinsame Ziel ist, bic orientalischen Angelegenheiten in Bahnen zu lenken, bie der gedeihlichen
setze- bestätigen sollte, daß eine Verletzung der rnghfdxn vertrag-rechte vorliegt, so würde England erneut Vorstellungen bei brr amerikanischen Regierung erheben und, kall- diese keine befriedigende Lösung der (trage bringen sollten, ich aur den schied sgerichtsver trag von 1 9 0 X be* rufen und verlangen, daß die ganze Streitfrage vor das Haager Schiedsgericht verwiesen werde. Tie ..Time-" weigert sich zu glauben, daß die vereinigten Staaten diese Forderung ablebnen könnten ..steine Nation und keine Regierung haben daS Prinzip des Schiedsgerichts so laut gepredigt, wie die amerikanische." Es sei kaum zu glauben, daß sie, nachdem sic e- anderen gepredigt, sich selbst in znnlschcr Weise weigern sollte, es anzunebmen. Eine solche Weigerung würde bei allen Nationen, die Selbstachtung besitzen, eine gewisse Abneigung hervornnen, mit einem s'.aale in Vertragsverhältnisse einzutreten, der sich das ausschließliche Recht Vorbehalt, bad Maß seiner Verpflichtungen clbcr zu interpretieren.
folgende Kaiserliche Botschaft:
Mir schmerzlichem Bebauern muß ich mit ber^ Kaiserin auf äritlidKn Rat auf bcnBesuchber Provinz s a ch- ,cn unb Merseburgs verzichten. Es wäre mir eine herzliche Zrcudc gewesen, anläßlich der Besichtigung ber wasfen- tud tigen Sohne meiner sächsischen Lande und der Altmark einige
Goethe unö Vie „Chymie".
Zu Goethes Todestag 128. August).
seit den Tagen, da er — wie in „Wahrheit unb Dichtung" zu lesen ist — „Mittelsalze" hervorzubringen unb Kieselsatt bar* zustellen versuchte, hat sich Goethe unermüblich mit ber Chemie beschäftigt. Aus Straßburg, wo er sich mehr mit Naturwnsen schäften als mit seinem Fachstudium befaßte, schrieb er an Fräulein von stleuenberg, die „Chymic" sei noch immer seine „heimliche Geliebte". In Weimer brachte ihn seine amtliche Tätigkeit viel in Berührung nut dem Berg- unb Hüttenwesen, unb hier wirb er auf bic Ehernie von neuem aufmerksam, sie ist — so heißt es in bcn Sprüchen in Prosa — „von ber ausgebreiletsten Anwenbung unb von dem grenzenlosesten Einsluß auss Leben": daneben wird sie ihm für seine mineralogischen unb optischen Studien von Bedeutung, aber auch für seine Dichtungen, wie sich am besten aus den „Wahlverwandtschaften" unb dem „Faust" erkennen laßt. Nun ist aber das selbustudiurn der Chemie mit großen Schwierigkeiten verbunden. Goethe sah sich daher nach Mannern um, die ihm die chemischen Erscheinungen durch Versuche erläutern konnten. Diese seine chemischen Berater unb Freunbe fand er in Weimar unb Jena; ihre Verbindung mit Goethe beschrieb vor einiger Zeit Julius schiff m der „Deutschen Rundschau".
Ter erste Chemiker, dem Goethe nahetrat, war Wilhelm Heinrich Sebastian Buchholz, Loiapotheker unb Bergrat zu Weimar. In ben Räumen feiner Apotheke war Goethe ost zu Gast, Denn hier wurde „jebe neue, vom Aus* unb Inland entdeckte, chemisch-physische Merkwürdigkeit" geprüft. Tie versuche der Brüder Montgolfier, die mit erhitzter Luft gefüllte Ballons steigen ließen, machte Buchholz nach, „aber', so schreibt Goethe an Knebel, „er peinigt vergebens die Lutte, die Kugeln wollen nicht steigen." Bon Anfang an gehörte Buchholz zu der von Goethe gegründeten Freitaggesellschaft, in deren erster Sitzung er einen Ervenmentalvortrag hielt. Ein „chemischer Gehllfe" des Hoi- avothekers, Friedrich August Göttlmg. brachte es, von Goethe gefordert, zum Professor in Jena. Sei ihm hat Goethe sogar sörm- lichen Unterricht genommen. Als er 1809 starb, schrieb Karl August fofort an Goethe: „Den an Götrltngs Stelle? Toch nur einen sehr Bedeutenden!" Man wählte Johann Woligang Töberetner, der sich damals zwar durch ausgezeichnete Beröffen:- lichungen bekannt gemacht hatte, aber keine Stellung sinden könnt-, weil er weder Gymnasial- noch Hochschulstudium durchgcmacht hatte. Bezeichnenderweise war das für Goethe und Karl August kern Hindernis. Zn eurer großen Anzahl von Einzelunrersuchuugcir
Die Erkrankung der Hailers.
Berlin, 26. Au st. Lberhofmarschall Graf Eulenburg teilt auf allerhöchsten Befehl folgenden Bericht über die Erkrankung des Kaisers mit:
Nachdem sich am Freitag, 23. August, morgens schon einige Steifigkeit der rechten Halsmuslulatur gezeigt hatte, machte sich am Vormittag unter Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl eine Anschwellung der rechten Hals feite bemerkbar. Bei der Untersuchung stellte sich eine Schwellung der rechten Gaumenmandel, Schwellung und große Schmerzhaftigkeit der rechtsseitigen Halsmuskulatur und eine Anschwellung der vor dem Kopfnicker gelegenen Drüsen heraus. Tas sehr erheblich gestörte Allgemeinbefinden hat sich inzwischen wieder behoben, die Fiebererscheinungen haben sich verloren und die Entzündung ist im Rückgang. Immerhin besteht iwch eine derartige Beivegungshemmung und Schmerzhaftigkeit der Halsmuskulatur, daß Se. Majestät doch gezwungen fiitb, von den für diese Woche geplanten Reisen, Paraden und dergleichen Abstand zu nehmen und sich noch einige Zeit völlige Schonung aufzucrlegen.
Auf ärztlichen Rat werden der Kaiser und die Kaiserin erst am Donnerstag abend die Reise von Wilhelmshaven nach Berlin a n t r e t e n.
Tic schweizerrciscdes Kaisers wird möglicherweise derart abgekürzt werden, daß der Besuch im Berner Oberland aufgegeben wird
Ter Ktovprinz al8 Stellvertreter in der Provinz Sachsen.
Merseburg, 26. Aug. Ter Kronprinz und die Kronprinzessin soivie die anderen Prinzen des königlichen Hause- wurden bei der Fahrt zum Ständehaus von dem zahlreich herbeigeströmten Publikum mit patriotischen Kundgebungen empfangen. Im Ständehaus wurde der Hof von dein Oberhofmarschall zu Eulenburg und dem oausmarschall Freiherrn von Lyncker in den Saal geleitet. Beim Eintritt der Fürstlichkeiten spielte die Musik- lapelle des Anhaltischen Infanterieregiments Nr. 93 den Huldigungsinarfch von Grieg. Im Laufe des Mahles erhob sich der Kronprinz und verlas im Auftrage des Kaisers
Amerikanische Dertragstteue.
Wie ivenig den Amerikanern ein internationaler Ber- irag gilt, das hat die deutsche Handelspolitik im Lause . men Jahrzehnte wiederholt erfahren müssen bet größten Kaltblütigkeit setzen sich die amerikanische Regierung und DolkSvertretunst, wenn cs der Vorteil der Bereinigten Staaten erheischt, über die vertragsmäßig eingefangenen Verpflichtungen hinwea. DaS haben in jüngster Zeit Präsident, Senat mib Repräsentantenhaus wieder deutlich bewiesen bei dem Panamakanal-Gefeß Ein im Jahre 1901 zioischen Englatrd und den Vereinigten Staaten abgeschlossener Vertrag, der H ah -P au neefote Vertrag, legt den Vereinigten Staaten die Verpflichtung auf, den Kanal über die Landenge von Panama nach den leichen Bestimmungen zu neutralisieren, wie sie seinerzeit iir den Suezkanal vereinbart »vorden sind Der Kanal oll, so heißt eS ausdrücklich im Hah-Pauneefote-Bertrag, für ic Handels- und Kriegsschiffe aller Nationen frei und offen sein, und zwar auf vollkommen gleicher Grundlage, so daß in Bezug aus die Vcrkchrsbedingungen und Ver» 1 hrsadgaben oder in sonstiger Beziehung kein Unter» schied gemacht wird zugunsten irgend einer dieser Natio- ren, ihrer Bürger oder Untertanen. Nach dem klaren Wort- (aut wie auch nach der Vorgeschichte deS Hay-Pauneefote- Vertrags kann nicht der gerinaftc Zweifel darüber besehen, daß jede Vorzugsstellung der ainerikanischen Schiff- fahrt au s g e s ch l o s s e fi sein soll. Jetzt, kurz voie der Vollendung des Kanals, soll mut diese Abmachung kurze» band bcifeitc geschoben und in das Kanalgesetz die Bestini mutig auf genommen werden, daß amerikanische Lchtssc von den Gebühren befreit bleiben, die die Schiffe aller übrigen Nationen beim Befahren des Kanals zu entrichten haben. Gegen dieses Vorhaben hat natürlich die englische Regie r u n g, wenn auch etwas spät, Einspruch erhoben, aber daraus macht sich der amerikanische Kongreß nicht viel. DaS famose Shstem der amerika- Nischen Geietzgebuttgsmaschine, wonach jeder von der Union mit einein anderen Staat eingegangene Vertrag durch ein internes Gesetz aufgehoben weroen kann, hilft ihm über Hie Bedenken hinweg. Präsident Taft hat selbst erklärt, | |er Kanal sei mit amerikanischem Geld erbaut, fei amerika- I Lisch es Eigentum, und die Vereinigten Staaten hätten ||al)er auch das Recht, amerikanischen Schiffen eine Vorzugsstellung einzuräumen. Was nützen uff ter diesen Umständen Verträge mit Amerika? Daß durch - die geplante Gebuhrensreihcit für amerikanische Schisse die luropaischc Schiffahrt schwer geschädigt wird, ist keine rage. Deutsche wie englische Schisse werden — und das ist offenbar die Absicht der amerikanischen Gesetzgebung — allmählich von dem Verkehr mit dem ganzen Westen des emeritantschen Kontinents ausgeschlossen werden.
Englische Vorhaltungen.
London, 26. Aug. Die „Times" führt aus, daß der 1 £ e i t des Panamakanalgesctzes sowie der Botschaft und Memorandums des Präsidenten iwch nicht vorliegt, daß eter, wenn die telegraphischen Berichte nur einigermaßen lorrch jinb, bas Gesetz mit dem offenkundigen Sinn des Hay- ^aunces ote-Vertrages unvereinbar sei. .ter letzte Vorsälag des Präsidenten ict etwas Neues in der Geschick)! c des loollcrrcdjte. Tic amerikanische Regierung fordert den Kongreß ouf, zu bestätigen, daß die Regierung ein Gesetz, das der Kon- s Creü soeben angeiwmmcn hat, nicht als Verletzung von Vertrags. | urteil betrndiict. Der Präsident fordert damit ben Kongreß auf, sich zum Richter in eigener Sache zu machen, die zugleich die | eattc des Präsidenten ist. Tics Urteil wird aus niemand Em- I druck machen, der die Frage vom völkerrcchtlick)cn «tandpunkt laus betradnet. Tic „Times" erklärt, wenn der Teri des Ge-
hqgiene und Mode.
Hygiene und Mode, insbesondere Kleidcrmode, sind zwei der I grimmigsten Fciiide. Niemals, solange bic Mode die Well be iKrridji, bat sie sich nach Gesetzen der Gesundheit und des körper
V tlchcii Wohlbesifwens gerichtet, und in allen Ländern der Erde ,i gibt cs nod) heule modische GewohilhKten, die den hygienischen 1 Anforderungen zuwider laufen und dem menschlichen Körper J Iwang aiuun.
Wohl erleben sich schon in früheren Jahrhunderten Stimmen gegen die Modetorheiten. Spott und Satire wandten sich gegen ; Ne; bic Prediger eiferten von den Kanzeln dagegen unb die Be ,.ordcn erließen Kleidergefctze, die von Der Poliz« mit großer ctrenge gehandhabt wurden. Mer alle diefe aüuvenbungcn .md Verbote richteten sich nur gegen den Lupus und bic Ver l)tvcnbungsfuci i, die bic Ausfchrcitungen der Mode mit nck, brachten, unb hochstetts wurden fie nod) im Interefie des guten | C .fd-mackes und ber Sitte erlasse». Vom Stanbpunh der UOgtcnc J jus geschah in früheren Zetten noch wenig gegen die Verirrungen I ber Klcidcrmodc. Sic konnte ungehindert unb ungeschwaau burch I bie jeiiiDciligcn Gegenströmungen ihren HhabltdKii Einfluß am I etc menschliche Gesundheit von einem Jahrhundert auf bas anberc, I Lia in Misere hcmige Zeit, übertragen. Hier aber tritt ihr ein I mächtiger Feind entgegen: Dte Hygiene. Unaufhaltsam, zu gleicher I Seit mir beni mächtigen 2lufschwung der Narurwifsensämitcn ut I auch die Gesundhcitslchrc immer mehr in alle irr)d)cinungeii des I menschlichen Lebens cingcbrungcn unb har so auch bie Gegen- 1 iünbe ber Mobe, insbesonbere der ÄlcibermoiX, in den Bereich 1 ijtct Untersuchungen gezogen.
Die Ausstellung „Ter Mensch" in Tarmnabt liefert zu dem Sampr gegen die Torheiten der Nkodc ein reichhaltiges Rüftzeug Die zeigt ut bildlichen unb plastischen Vorführungen des menidv lieben Körpers unb seiner einzelnen Teile, daß bie Mode tu vielen, mein sogar in ihren gebieterischen Forderungen unsere Gc- hunbbeit unb bie natürliche Enrwickctung unserer Korpenormen l^eeinrrächugt, unb bamit auch unferm, aus der Zeit ber Antike 'lammenden Ideal von der Schönheit des menschlichen Körper- .iu nahe tritt. Ter erste Grundsatz mbczug auf unsere Kleidung -outet: Ter Körper soll frei unb gelöst, nichr von ber .Hleibung ingecngt sein, Dänin er zu einer MsbtlDung höherer Voll -ommcnhcit fähig sei'. Teshalb verwirft Die Hygiene vor allem Korieil, diesen Manertanen, Der Den Körper entstellt unb me Unmenge ber ab'chculichlten Krankheiten auf dem Gewissen
Tage wieder unter brr arbeitsamen Bevölkerung Der Provinz Sackn'en ;u leben unb ihren würdigen Repräsentanien auf Infw- nid)cm Boden in Merseburg näbertreten tu können Eine taufend- jabrige Ermnrrunf deutscher Brrgangcnlxit knüpft fick) an diefa denkwürdige Stätte. Erst jüngst sind hier mtrber Baur e st e xutagc getreten, die unS von dem Wirken des ntterlickien, crltcn deutschen Kaisers Heinrich- l. Kunde gaben und dn Erinnerungen an die weihevollen Schicksale der einstigen faürvhdfcii ’Mall, des Lieblingsausentbalts der beutidxn Kaiser und fpäteren Residenz ber Herröge von Sachsen-Merseburg wecken. Nicht immer sind cs freundliche Bilbcr, bic aus Der Gesdncdie der einzelnen Teile, der jetzigen Provinz Sachsen, vor unsere Augen treten. Schwere S l ü r m c unb Kriegsnöte sind nn Laufe der Jahr- bunberte über diese Lande hinge logen, von bcn Zeiten an, wo da- Christentum hier Boden faßte bis zu den verl».rrcnden Plünderungen und Branbschatzitngcn dc- dreißigjährigen Krieges und den Jahren ber schwer auf den deutsch Landen lastenden Fremdherrschaft Vorüber sind, Gott sei e- gedankt, die Zeiten deutscher Zerrissenheit unb^ frembet Einmischu n g. In gcmcinsaiuer Abwehr üitßerer ^-einde fanden id) bic deutschen Stämme, unter Preußens Führung, mit blutigen Wahl statt zusammen unb schufen ein festgefügtes zu ifunbe unb Wasser wehrhaftes beutscheS Reich. Audi die Söhne Ihrer Provinz haben habet nut ihrem Herzblut ihre Treue besiegelt imb. mannbrät mitgewirkt, bas Fundament für einen gfnnben Anf- unb Ausbau des Deutschen Vaterlands zu schaffen. L«N in der Folge auch die Provinz einen Wohlstand ihrer Bevölkerung und eine ungeahnte Entwicklung erfahren hat, erfüllt mein lande-» väterliches Herz mit besonderer Freude. Mit Kops und Hand ist fleißig gearbeitet worden, bcn ©oben feiner reichen.
salzen iiitD Erzen zu erreichen unb bie gesegnete Fruchtbarkeit ihrer Felder und Men Dem Ganzen nutzbar zu machen. Tie vorbilbliche Arbeit ihrer Lanb wirte unb ihr unermüdliches Streben auf bic Vervollkommnung bc5 Be- iricbcs und der rationellen Verwertung der Bodenerzeugnisse haben an ber fetzigen Höhe her deutschen Landwirtschaft und ihrer Industrien einen erheblichen Anteil. Möge es der Provinz Sachsen bef(hieben fein, sich auch ferner nur allen Gebieten de- wirk id)aft:id)cn unb geistigen Lebens erfolgreich zu betätigen und in zu ftön hinter feinem anderen Teile
ber Monarchie -urückzustehen. — Mit diesem Wunsche cntbicta ich der Provinz meinen wärmsten lanbc8öäterlid>tn Gruß.
Wilhelm. R.
91ad) Verlesung der Botschaft erhob sich der Kronprinz: Meine Herren! Ich fordere Sie auf, in den Ruf emzustimmen: Tie Provinz Sachfeii Hurra, Hurta, Hurra! — Die Mufik spielte den Hohenfriedberaer Marsch., Hierauf brachte der Lberpräsident v. Heget oaS Kaiser- hoch aus, worauf die Musik die Nationalhymne spielte. Nach der Tafel hielten die königlichen Herrschaften Ecrclc ab. Während der ganzen 2$eit brachte die zahlreich vor Lern Ständehaus versammelte Menge Hochrufe aus und sang patriotische Lieder.
Abends 7 Uhr war königliche Tafel für die Provinz Sachsen im Ständehaus.
hal. Tas Korsen engt Die Brust em und schädigt Lungen, I Rückenmuskcln und Herz Aber es fuhrt auch zur Verlagerung der Eingeweide, bcctnträdjiigt Den Blutkrcislaus und schivädü bu allgemeine Leistungsfähigkeit. Tie Tarmnadter Msiiellung führt uns in einer Reihe von Modellen und Mbildungen alle diese Schäden anschaulich oor_ und stellt uns daneben die Gestalt einer Venus als wirkliches Schönheitsideal hin.
Ebenso wie das Korsett verwirft die Hygiene auch das Schlepp- Heid, das im Straßenstaub und -schmutz schleift und Hunderte von Ba.zillcn in Die Wohnung bringt. Sie verwirft ferner den hohen Kragen, der eine Stauung Der Blutzirkulanon verursacht und baburd) ungünstig auf Gehirn unb Auge cmroirlt. T»c Hygiene wcnbct sich aud) gegen bic steifen, luftdichten Hüte, die durch Truck unb Ucberhitzung sd>adigcndcu Einfluß auf die .Kopfhaut und auf das Haarwuchs rum ausüben. Sie wendet sich gegen die falschen Fußbckleidungcn.^die von der Mode verlangt werden: enge Strümjrc und spitze Schnabel schuhe mit hohen Absätzen. Sie wendet 'ich gegen schnürende Gürtel und enge Strumpsbändce und gegen viele andere Tinge, die uns die Mode aufgedrungen hat
Audi die«R a ssen hy g iene muß der Mode Feind sein. Tie modische Kleidung verdeckt mit großer Kunsn'criigkcü die Mängel des Körpers und erschwert ober verhinbert badurch bic Ausübung eines wichtigen sozialen Gebots: das der Zuchtwahl. Außerdem werden durch diese Vcrbeckungsmöglichkcitcn bie ein- meinen Individuen von ber Beseitigung ihrer körperlichen Fehler abgehallen, da sie sich stets damit beruhigen, daß kein Memch diese Mißbildungen sieht.
Ter Kamps gegen bic Mode, namentlich gegen bie weibliche Mode, ist schwer, er erscheint vielen als hoffnungslos unb Der» gcblich, aber ber Erfolg wird nicht ausbleiden, wenn die herrischen Gewalttaten, die die Mode gegen unsere Gesundheit verübt, einem großen Publikum in unnachsichtiger, zwingender Weise vor Augen geführt werden und dabei gezeigt wird, wie unsere Kleidung vom Siandpunki der Hygiene aus beschaffen fein muß. Tie Aus- stcllung „Ter ii't e n f d>" in Darmstadt hat das .große Verdienst, auch auf diesem Feld em großes anschauliches Material zu bringen unb so mitzuhclien an Dem Kamp- gegen bie Auswüchie b;r Mode. Sie hat eine besondere Gruppe Kleidung und Korpcr- pflege, in denen so lebciwig und «indringlich, wie wohl selten m einer Ausstellung, auf alles, was schädlich und gefährlich für bcn Körper ist, hingewiesen wird, daß wohl an keinem Be- judxr Die ernsten Mahnungen unbeachrer vorübergehen werden.
m. 201 Erstes Blatt 162. Jahrgang Dienstag, 27. August 19(2
Wietzener Anzeiger
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