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Samstag. 20. 2Ipril (912
Zweites Blatt
162. Jahrgang
Nr. 93
Eichener Anzeiger
Erfchetnl tlssNch mtt Aufnahme ert Sonntag».
General-Anzeiger für Oberhetzen
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Die „Wietzener Samllienblätter* »erden dem .Anzeiger* etcrmal rpödjentltd) betgdegl, daß „Krtlsblah für den Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Die „Lanbwirtjchofllichen Lett« freien" erscheinen nwnatltd) zweimal.
Webaftten. Expedition und Druderet: Schul» ftraße 7 ExpedlNon und Verlag 61 RetiQfnoiue^l 12. TeU-Adr^ ArbergertKletzen.
Pantz eine Anfrage an den Ministerpräsidenten, in der angefragt wird, ob oas Auswärtige Amt von der italienischen Operation gegen dicDarda nellen vor her Kenntnis hatte, wie sich das Auswärtige Amt zu dieser Handlungsweise zu stellen und was es zu tun getankt, um die dadurch heraufbeschworentn Gefahren vom Reiche rechtzeitig und wirksam abzuwehren.
iie römilfüe Presse.
Rom, 19. April. Tic Blätter heben hervor, das; die angekündigte Aktion gestern stattfand, obschon die Bestätigung aussteht. Der Eindruck ist sehr lebhaft und günstig. „Messagero" sagt:
Italien beantwortete das Non possumus der türkischen Thron rede mit einer eindrucksvollen Manifestation in den türkischen Gewässern. Italien wollte unmittelbar die unversöhnliche Thron rede des Sultans beantworten, um Europa zu zeigen, daß der Kalif nicht nur in Libyen die Souveränität nicht schützen kann, sondern sogar an der Küste des europäischen und des asiatisckrcn Reiches erschüttert ist.
„Popolo Romano" schreibt:
Man wird nidjt sagen können, daß Italien nicht alle Rück sichten auf den Sultan und die Mächte geiwmmen habe, bevor es zu dieser äußersten Maßnal/me griff.
Rom, 19. April. Die Zeitungen veröffentlichen Extraausgaben über das Bombardement. Die „Tribuna" schreibt, daß gegenüber der Parade, die die Jungtürken im Parlament in Szene gesetzt haben, Italien nicht nur seine Rechtsintcressen wahre, sondern für die höchsten materiellen und moralischen Interessen Europas handelte, bas schwerlich dulden könne, daß der Krieg, der die Folge des Starrsinns des kleinen jung- türkischen Komitees ist, fortfahre, die Lage int Mittelmeer unabsehbar zu verwirren. „Giornale d'Jtalia" bemerkt, die Agcnce Stefani-Depesche, die die gestern durchgeführte Aktion der italienischen Flotte Flottendemonstration nannte, scheine die Mutmaßung zu bestätigen, daß die Dardanellen nicht forciert, sondern nur die Eingangspforte zum Goldenen Horn zerstört worden sei.
Die „Tribuna" schreibt zu der Darstellung der Agenzia Stefani über die Flottenkundgebung in den Dardanellen:
Der erste Eindruck, den man auf Grund der heute früh erhaltenen Nachrichten empfing, war der, daß die Flotte die Dardanellen zu forcieren begann, bod; der Zweck des Vorgehens der Flotte war nid# dieser und konnte es nicht sein, hatte vielmehr andere Ziele politischer und militärischer Art, die vollständig erreicht sind. In politischer Beziehung war cs notwendig, in greifbarer Weise die Dementi zu unterstützen, die unsere Regierung bereits gemacht hatte, daß unsere Freiheit in gewissen Meeren, besonders im aegäischen Meer begrenzt sei. Unsere gestrige Aktion bewies, daß dies nicht wahr ist, daß die Türkei auf ihrem Kissen n id)t sanft schläft. Was wir gestern nicht getan, können wir morgen tun, wenn es uns als notwendig erscheinen sollte. Unter den Lügen, die die Türkei unter ihrer Bevölkerung verbreitete, war auch die, daß unsere Flotte nicht wagen würde, sich im aegäischen Meere zu zeigen. Wir haben das Gegenteil bewiesen, während die Türkei ihre Prahlerei, das; sie ihre Kriegsschiffe aus ihren Zustuchtshäscn auslaufcn lassen würde, nicht wahr machte. Auch mit Rücksicht auf den Krieg in Libyen war es geboten zu zeigen, daß man dem von den türkischen Küsten getriebenen Waffenschmuggel an diesen Küsten selbst und an ihren Ursprungsorten beikommen und gleichzeitig dort den Türken empfindlichen Kriegsschaden zufügen konnte. Alles das sollte den Iungtürken gezeigt werden, um zu beweisen, daß sie über kein anderes wirksames Mittel verfügten, als über die Sperrung der Meerenge für den Welthandel. Das haben wir für den Augenblick nicht gewollt. Infolgedessen wird sich das italienische Geschwader von denPforten Kon- stantinopels zurück ziehen, denen allerdings nicht für immer, sondern nur zeitweilig Lebewohl gesagt werden wird.
Tie Italiener an der Küste Klemafieas.
Konstantinopel, 19. Apri!. Nack) Meldungen aus türkischer Quelle begannen die Italiener heute morgen die Beschießung von Atwali in Kleinasien, Lesbes gegenüber.
Franzöfische Preffestimmen.
In den französischen Blättern hat man offenbar bereits Kenntnis von dem sich anbahnenden Bündnis Italiens mit Rußland gehabt. Alle Pariser Blätter geben der Befürchtung Ausdruck, daß der Angriff der italienischen Flotte gegen die Dardanellen ernste politische Folgen haben könne. „Journal des Debats" schreibt:
Wenn die Türkei nur die Italiener vor sich hätte, dann würde der Einschüchterungsversuch wohl unwirksam bleiben, aber Italien kommt der sehr nackstuückliche diplomatische Beistand Rußlands zu gute. Die russische Regierung geht aus Gründen, deren Darlegung etwas heikler Natur wären, diplomatisch mit Italien Hand in Hand. Ja, man kann sogar einen Augenblick glauben, daß Rußland aus seiner Neutralität heraustreten und eine Flottenkundgebung am Bosporuseingang unternehmen könnte. Wir möchten im Interesse unserer Freunde und des gesamten Friedens ein baldiges Ende des Konflikts wünschen, bei welchem ein zufälliges Ereignis einen allgemeinen Brand anstiften könnte. Wir glauben aufrichtig, daß ein versöhnliches Vorgehen den Interessen Italiens mehr nützen würde als die Eröffnung einer neuen Kriegsphase.
Der „Temps" schreibt:
Niemand freut sich über die italienisch-russische Intimität mehr als Frankreich, aber um wirffam zu sein, braucht diese Intimität nicht bis zu einer „friedlichen Flottendemonstration" Rußlands zu gehen, welche nichts anderes als ein kriegerisches Unternehmen wäre.
„Siecke" sagt:
Man kann nicht oft genug wiederholen, daß jede diplomatische oder maritime Offensive, welche Italien und Rußland gemeinsam im Orient ergreifen sollten, nur dazu dient, Oesterreich und Deutschland zu Herren der Situation zu machen: Oesterreich, welches bewiesen hat, daß es Italien Einhalt gebieten kann und Deutschland, welches bewiesen hat, daß es Rußland Eml-att zu gebieten weiß____________________________
Au» Stadt und Land.
G letzen, 20. April 1912.
** Gerichtspersonatien. Ter Großherzog hat den Aktuariatsassislenten bei dem Amtsgericht Gernsheim, Joh. Hep- per t zum Aktuar bei dem Amtsgericht Langen ernannt. Ernannt wurden der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Gießen Karl Lang zum Aktuariatsassistcnten bei dem Amtsgericht Groß- Gerau, der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Mainz Karl A l l e u d ö r f e r zum Aktuariatsassistenten bei bem Amtsgericht Gießen, der Aktuariatsassistent bei bem Amtsgericht Fürth Adam Krichbaum zum Aktuariatsassistenten bei bem Amtsgericht Langen, bet Aktuariatsassistent bei bem Amtsgericht Offenbach
f Preisliste.
Man verlange]
Antomnbilvertreter: V. 11h. Hamel Gießen, Bleichstr. 7
Fahrradyprtretpr: Adam Kircher Gießen, BMi-hstr 15
MotorMä£en Fahrräder --
Ludwig Kratz zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Fürth, der Aktuariatsassistent bei bem Amtsgericht Langen Wild. N c f f zum Aktuariatsassistenten bei bem Amtsgericht Lauterbach und der Aktuariatsassistent bei dem Amtsgericht Lauterbach Fricdr Babel zum Aktuariatsassistenten bei bem Amtsgericht Offenbach.
** Lehrerpersonalien. Ernannt würbe ber Lehrer an ber Gcmeindeschule zu 2 lamm beim, Hch. Kreutzer, zum Lehrer an der Schillerschule zu Friedberg unter Belassung in ber Kategorie der Volksschullehrer. — Uebertragcn wurde dem Lehrer Karl H e n i n g ,;u Erbach eine Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Lützel-Wiebelsbach: dem Schulamtsaspiranten Friedr. Keller aus Tarsberg chie Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Ippesheim. — In den Ruhestand versetzt mürbe ber Lehrer an ber Gemeinbeschule zu Flensungen Karl B c ck e r auf sein Nachsuchen: ferner ber Lehrer an der Gemeindeschule zu Schadenbach, Abam Volk, auf sein Nachsuchen.
•• iHeg terungSb a um enter. Ernannt wurde der RegierungSbausührer Paul Lang auS Mainz zum Negier- ungSbauuieister.
"Vom Kolosseum wird uns qefdirieben: Von heute ab wartet das „B o h S m e - E n s e m b l e", dessen bisherige Dar- bietungen den denkbar günstigsten Anklang sanden, mit neuem, brillantem Schlager-Revertoir ans. Das pauptuigslück der folgenden Abende wird die neu einstndierte Vaudeville-Burleske „D e v Liebhaber im Korbe" fein, ein Stück voll übersvrudelnden Humors und mit einschmeichelnder, melodiöser Mnsik Tie Hauptrollen spielen die Damen Mihi Kügler, Bertha Reh- bura, sowie die Herren Max Pilzner, Sascha Eck;neider, welcher zugleich die Regie führt, und Herr Lndwi g Werner. Viel Heiterkeit wird Herr Cchlegelnülch, der beliebte Humorist, in der Burleske erregen, in der er sich dem Publikum als Damendarsieller vorstellen wird. Tie musikalische Leitung hat wieder Direktor Max Kurz mne. Alles in allem ein Programm, das dem abgelaufonen in keiner Weife nachstehen wird.
Landkreis Gießen.
°m. Hungen, 19. April. Vergangene Nacht wurden einer hiesigen Wäscherin mehrere wertvolle Wäsche» stücke, die sie für ihre Kundschaft gewaschen und zur Bleiche über Nacht auf dem sog. Mühlberg liegen gelassen hatte, gestohlen. Da von dem Täter jede Spur fehlte, wandte man sich an den Besitzer eines Polizeihundes ans Butzbach. Dieser traf am Nachmittag mit seinem Hunde „Flock" ein und nachdem das Tier an einem noch vorhandenen Wäschestück Witterung genommen hatte, verfolgte es die Spur und lief in ein nicht weit von der Bleiche be- legenes Wohnhaus. Dort holte der kluge Hund int Keller unter einem Haufen Briketts die gestohlenen Wäschestücke heraus.
Märkte.
(hießen, 20. April. Marktbericht. Auk heutigem B'ocben» markte kostete: Butter das Pfund 1,40—1.45 Mk^ Hühnereier l Stück 7—0 Bfo.. 2 Stück 15 Psg., Enteneier 1 Stück 10—0 Psg., Gänferier 1 St. 20 Pf., Käse das Stück 6—8 Psg^ Kasematte 2 Stück 5—6 Pkg., Tauben pr Br. 0,80—1,00 2J1L, Hühner pr. St. 1,00—1,60 Act., Halmen vr. Stück 0,80—1,80 Mk^ Enten pr. St. 1,80-2,20 Alk., (ftänse das Psd. 75—80 Psg* Ochseusleisch pr. Psd. 90—98 b’g„ Rindfleisch pr. Pfund 90—94 Psg., Kuhfleisch 80 Psg^ Schweiue- fleifd) pr. Pfund 70—90 Psg^ Kalbfleisch pr. Psd. 92—96 1-fq, Hammelfleisch pr. Pkd. 70—90 Psg., Kartoffeln pr. luO Kg. 9.50 bis 10.00 Alk., Weißkraut das Stück 15 bis 30 Psg^ Zwiebeln per Qtr. 12,00—15,00 Alk« Milch das Liter 22 Pig., Aep'el per Ztr. 15 bis 20 Mk„ Nüsse 100 Stück 50—00 Psg., per Ztr. 0—Oq 'SIL, Birnen das Pfund 20—25 Vfg. Alarktzeit von 7—1 tthr.
fc. Frankfurt a. M., 20. April. H e u- und St roh markt. Angefahren waren 9 Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 4.40—4.70 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 2.80—0.00 Alk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. ßfofdfoft mittelmäßig. Tie Zufuhren waren aus Lberhessen, den Kreisen Dieburg und Hanau.
Kreis Schotten.
a Schotten, 17. April. Den letzten Schneefall hat sich die hiesige Brauerei zu nutze gemacht, indem sie in der Nähe des LudwigSbrunnenS zum alsbaldigen Verbrauch mehrere schwere Wagenladungen holen ließ, um die Eisbestänbe zu schonen.
~ Hochwaldhausen, 19. April. Wie bereits gemeldet, soll im Oberwald in der Nähe von Hochwaldhausen eine Höhere Prioatschule errichtet werden. Da jedoch die Erbauung dieser Schule, die den Namen Dürerschule führen wird, längere Zeit in Anspruch nehmen wird, ist beabsichtigt, auf zirka drei Jahre ein Provisorium zu erbauen, daS an die Kreisstraße Ilbeshausen—Lanzenhain zu stehen kommt und in etwa zwei Monaten fertig sein soll, damit noch in diesem Sommer die Schule, von der man sich günstige Ergebnisse verspricht, eröffnet iverden kann. Das provisorische Gebäude wird auS einem Holzbau mit Tuffsteinausmauerung bestehen und etwa 17 000 Mk. inkl. Bauplatz kosten. Der eigentliche SchulhauSbau soll in etwa drei Jahren bezogen werden und kommt ungefähr 20 Minuten von Hochwaldhausen entfernt auf fiskalisches Gelände zu stehen.
Kreis Friedberg.
x Bad-Nauheim, 19. April. Heute mittag besuchte Prinz Adalbert von Preußen, im Automobil von Frankfurt kommend, die Kaiserin im Sanatorium Grödel. Die Abfahrt des Prinzen erfolgte kurz nach 5 Uhr. Im Laufe dieser Woche waren Professor Groedel und Frau und Bürgermeister Dr. Kayser von der Kaiserin zur Tafel eingeladen. Täglich unternimmt die Kaiserin Ausfahrten nach der Umgebung, besonders nach den nahen Wäldern, dem Frauen- und Hochwald, wo sie dann in Begleitung, ihrer Hofdame spazieren geht. Heute morgen besuchte das Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise" zum dritten male während seiner Anwesenheit in Frankfurt unseren Badeort. Es kreuzte längere Zeit über der Stadt.
Dom italienisch-türlischen Kriegsschauplatz.
Ein Bericht des italienischen GeschwaderchefS.
Rom, 19. April. (Agencia Stefani.) Aus dem amt lichen Bericht des Kommandanten des italienisck)en 'Geschwaders, der bei der Regierung eingetroffen ist, ßrfjt hervor, daß das Geschwader die Fahrt durch das Aegäffchc Meer mit großer Schnelligkeit ausgeführt hat. Die Operationen des Geschwaders hatten nicht den Zweck, dic Dardanellen anzugreifen oder zu forcieren oder Truppen auszuschiffen. Denn man hatte für diese Zwecke gar keine Truppen an Bord. In der Nacht vom 17. zum 18. wurde das Kabel zwischen Jmbres und den Dardanellen und zwei Kabel von Lemncs durchsd)nitten. Ein Teil des Geschwaders erhielt den Befehl, sich vor die Dardanellen zu begeben, da man hoffte, hierdurch die ottomanische Flotte zur Ausfahrt und zum Angriff zu veranlassen. Während die italienischen Schiffe vor den Dardanellen kreuzten, erschien ein türkischer Torpedojäger in der Einfahrt, gegen den unsere Flottenabteilung vorging. Zu gleicher Zett eröffneten zwei Küstenforts aus großer Entfernung das Feuer gegen sie. Dieses zwang unsere Schiffe, das Feuer zu erwidern und etwazwei Stunden lang wurden dieäußerenFestungswerkebombardiert, während der türkische Torpedobootszerstörer schleunigst wieder in der Meerenge vcrsd)wand. Auf unserer Seite sind keine Verluste. Die Flotten abteilung erreichte ihr Ziel und trat die Rückreise nach Italien an.
Der Bericht des Gesd)waderkommandanten im südlichen (Aegäischen Meer ist nod) nicht eingetrofsen.
Die türkischen Blätter erklären allgemein, das Bombardement der Dardanellen werde die Türkei nicht einsck)üchtern und an der Antwort auf den Schritt der Mächte nichts ändern. „Jeni Gaze tta" sagt: Entweder wird der Feind aus Tripolis verjagt, oder alle Ottomanen werden dem Beispiel der Kämpfer von Tripolis, bis zum letzten Blutstropfen auszuharren, nad)ahmen. „Tanin" schreibt: Alle Ottomanen sind entschlossen, auch nicht einen Zoll breit von Tripolis abzutreten.
Ausweisung der Italiener.
Konstantinopel, 19. April. Der Grotzwesir beauftragte gestern abend den Minister des Innern, die in Konstantinopel ansässigen Italiener binnen 48 Stunden auszuweisen. Tie Bevölkerung nahm die Nachricht von dem Bombardement gleichmütig auf und hielt musterhaft Ordnung. In Gallipoli und in anderen Küstenstädten rief das Bombardement panikartige Szenen hervor. Viele Bewohner flüchteten landeinwärts.
K o u st a n t i n o p e l, 19. April. Der Minifterrat hat heute über die Ausweisung der Italiener beraten und, wie es heißt, beschlossen, diese Maßnahme bis zu einem neuen Bombardement aufzuschieben. Abends war das Gerücht verbreitet, daß die Italiener 'Matri an der anatolischen Küste bombardiert hätten, ohne jedoch Schaden anzurichten.
Ein italienisches Schiff beschädigt?
Rom, 19. Llpril. (Agenzia Stefani.) Tie Nachricht, baß bei der Flottenmanifestation im Aegäischen Meer ein italienisches Schiff beschädigt worden sei, wird amtlich aufs schärfste dementiert.
hm türkisches Küstenkanouenboot veisenlt.
Konstantinopel, 19. April. Dem Kriegsministerium zugeqangene Meldungen berichten, daß ein kleines türkisches Küjten-Kanonenboot während des Bombardements von Samos von der Besatzung versenkt wurde, um es nidit in die Hände der Italiener fallen zu lassen. Mannschaft und Geschütze wurden an Land gebracht. Nach dem Bombardement begab fid) die Flotte in den Golf von Xeros.
Aeiitze' ungen des türkischen Krtegsmtnisters.
Wien, 19. April. Der Kriegsminister Mahmud Schefket Pascha teilte dem Konstantinopeler Korrespondenten der „Neuen Freien Presse" mit, wir wünschen nichts sehnlicher, als daß die feindliche Flotte eine Forcierung der Meerenge versuche. Die klägli che Beschießung des schwachen Außenforts am Eingang der Dardanellen wird nur voü der Beschießung von -samoÄ übertroffen, wo nur eine türkische Kompanie stand. Gegen eine Landung auf der Halbinsel Gallipa l i sind im Ueberflußi Truppen vorhanden.
Ein italienisch-russisches Bündnis.
Paris, 19. April. Das „Journal des Debats" veröffentlicht in fetten Lettern folgende aus Wien datierte Meldung: Nach eifrigen Verhandlungen zwischen Rom und Petersburg ist der Abschluß eines italienisch-russischen Abkommens int Zuge, durch welches Italien der russischen Politik auf dem Balkan, insbesondere bezüglich Mazedonien und Albanien, seine Unterstützung zusichert. Dafür würde sich Rußland ver- !pflichten, unverzüglick) die Souveränität Italiens über Tri- politanien und der Cyrenaika anzuerkennen und diese Anerkennung durch eine Flottendemonstration am Eingang des Bosporus untersttitzen.
Dem „Temps" wird demgegenüber aus Petersburg »gemeldet: Der angebliche Plan einer russisck)en Flotten- demonstration in den türkischen Gewässern wird hier als i wenig wahrscheinlick) angesehen. Eine Demonstration im »Schwarzen Meere hätte wenig oder gar keine Wirkung und -eine friedliche Demonstration vor Konstantinopel ist unmöglich, da man den stark befestigten Bosporus durchbrechen und die russische Regierung demgemäß die Feindseligkeiten eröffnen müßte. Nienrand glaubt hier daran, daß ldie russische ^Regierung die Absicht habe, bei ihrer Jnterventton so weit zu gehen .
Eine Anfrage im österreichischen Abgeordnetenhaus.
Wien, 19. April. In der heuttgen Sitzung des Ab- grordnetenhauses überreichte der Abgeordnete
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