Ausgabe 
16.12.1912 Erstes Blatt
 
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Wetteraussichten in Lessen Kit Dienstag, den 17. Dez. 1918: Wechselnd bewölkt, noch einzelne Regensälle, kühler, westliche Winde.

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Großschlächtcr Rußhag freigesvrockien

Mainz, 15. Dez. Nach dreitägiger Verhandlung wurde der Großschlächter Nußhag am Samstag abend um 12 Uhr von der Anklage des betrügerischen Bankrotts freigesprochen und sofort au« der Vast entlassen. Dem Freigesvrochenen wurde von einem zahlreichen Publikum vor dem Gerichtsgebäudc eine herzliche Kundgebung bereitet.

Kleine Cagerchronik.

In Paderborn wurde der Verwalter deS städtischen Stu- diensimdS roegen Unter^agung von 30000 Mark verhaftet.

An Bord des TorpedobootesO 8" explodierte auf der vieler Fohrdc ein L elrobr: von der Besatzung wurden ein Mann schwer und zwei Mann leicht verletzt: alle drei fanden im Garnisonlazarett Wik Ausnahme.

In der Nähe von Champerrv fuhr ein Automobil in eine von einer Uebung heimkehrende Tnippenabteilmig. Zehn Soldaten wurden verwundet, darunter mehrere sehr schwer. Ter Chauffeur des Automobils ist verhaftet worden.

Nach einer Plättermeldung wurde der Reimser Champagner- sabrikant und Rennstallbesitzer Walter de Mumm von einer Amerikanerin namens Barnes aus Eifersucht durch zwei Re- volverschüssc schwer verwundet. Frau Barnes, gegen die übrigens keinerlei Strasanzeige erstattet wurde, hat sich nach London geflüchtet.

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galjuaAÄiittm worden. Auch die lklärankagearbeiten von Bad- lUnrtxun unb rVncbberg sind wieder im Gange Tie Arbeits­losigkeit in der Stadt und der Umgegend macht 'ich in diesem DiEr besonders bemerkbar, da die Bautätigkeit fast vollsiändtg

m. Bad-Nauheim, 13. Dez. Der hiesige Spar- und Vorschuß-Verein, e. G. m. b. H., begeht im uüchtten Frühjahre sein oOjährigeS Jubiläum. In Aussicht genommen ist die Herausgabe einer Festschrift, ein allgemeiner Kommers der Bürgerschaft und ein Festesten für Mitglieder. Die gestrige Hauptversammlung stellte dem Vor­stand und Aussichtsrat unbeschränkte Mittel zur Abhaltung der Jubelfeier zur Verfügung, doch brauchen direkte VereinSmittel nicht in Anspruch genommen zu werden, da dem Verem für festliche Zwecke ein Fonds von 7000 Mk. zur Verfügung steht.

r. Reichelsheim, 15. Dez. Freitag, 12. Dezember, hielt Gartenmspektor John von Friedberg im Gasthauic zur Lilie einen Vortrag im lsiesigen Obstbauverein überSchädlinge des Obstbaues". Zur Berttlgung dieser Schädlinge empfahl er daS Anlegen von SVfcbg urtcIn. Der der Samstag abgchallcncn Treibjagd wurden von 25 Schützen 280 Hafen erlegt.

m. Ob er - Mörlen, 15. Dez. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Geibel mit 310 Stimmen wiedergewahlt. Sein Gegen- kandidat, Beigeordneter Born, erhielt 116 Stimmen. Auf Techniker Geck entfielen 70 Stimmen, zersplittert waren 21. Von 541 Wahlberechtigten machten 517 Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Wilb. Rndolph

Großh. Hess. Hoflieferant

Sten erbettel ermessen, was etite solche Firma eigentlich "beHhMen müßte

Wenn die Herren FiliajgeschästSinbaber sich am die hessische Regierung verlassen, daß diese ihnen ju Hilfe gegen die Stadt­verwaltung kommen sollte, so werden sie sich verrechnen. Das Gesetz ist nicht gemacht worden, nm es im Aktenschraal aus­zubeben, sondern zu benutzen Der Artikel 22 des e^Kmemde- umlagengesetzes, wonach nur 15 Prozent des Remgewirms genommen werden dürfen, bietet genügend Schutz gegen Er­drosselung der Filialgeschäfte ich persönlich halte 15 Prozent für viel zu niedrig und werde gerne mithelfen, um eine Grböhnng dieses Satzes herbeizuführcn Wenn die Herren den hessischen Finanzämtern 5 Proz Reingewinn vorrechnen wollen, mögen sic sich heute schon merken, das; ihnen die Handelskammern eine andere, richtigere Rechnung auimaclzen werden. Ich wiederhole nochmal-, daß die Herren durclZaus nichts verschenken, sondern durch einzelne Artikel den Schein der Billigkeit zu erwecken suchen

s ch i eb 11 n g in der Steuerkraft auch steuerlich zu fassen, begehen sie ein großes Unrecht gegen ihre eingesessenen gewerb­lichen Steuerzahler und halten sich eine SteuergueNe verschlossen, deren besondere Leistungsfähigkeit klar zutage liegt. ES wird an den Handelskammern sein, den gesetzgebenden Körperschaften lausend Material zur Beurteilung solcher wichtigen Fragen zu liefern Uns aber ist ein selbständiger Steuerzahler lieber wie 10 Filialen auswärtiger Geschäfte. E. Krumm.

Starkenburg und Rheinhessen.

5. Main», 15. Dez. Die noch junge Frau eines hiesigen Goldarbetters fofitc am Samstag abend bet einem Zahnarzt einer Zahnoperativn unterzogen werden. Sie begab sich mit ihrem Mann zu dem Zahnarzt und wurde von einem Arzte chloro­formiert. Es war schon jimt vierten Male, daß die junge Frau sich chloroformieren ließ. Der Arzt wendete sehr wenig Chloro­form an, nämlich 15 Gramm. Die Frau bekam infolge der großen Aufregung^ eine H«zlähnrung. Sofort wurden mehrere Aerzte

Letzte llncbricbtctt.

Ter Sultan und die Frieden?verhandlnnge«.

Konstantinopel, 15. Dez. Wie der Berichterstatter brt Matin^ meldet, hat der Sultan den türkischen Fricdensunttr- händlern gesagt:Ihr könnt in allen Dingen nachgiebig sein, aber ich will nicht, daß Adrianopel abge­treten wird, wo meine Vorfahren wohnten."

Die japanische Ministerpr'äfidentschaft.

Tokio, 15. Dez. Der Kaiser hat den Fürsten Katsura mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Truppenbewegungen in Marokko.

Tanger, 15. Dez. 600 Soldaten und eine Mvschinen- gewehrabteilung sind nach M 0 g a d 0 r abgegangen, um den Kamps gegen den Prätendenten El Hiba aufzunehmen. Sultan Muley Hafid ist am 13. "November in Marakesch angekommen.

Schiffsunfälle auf der Nordsee.

Bremerhaven, 15. Dez. Der gestrige Sturm hak aus der Nordsee zahlreiche Schiffs Unfälle verursacht. Beim LeuchtturmRoter Sand" ist ein Schiff in Not und in der Nähe ist ein zweimasüges Fahrzeug gesunken.

Ein Raubmord.

Mörs, 15'. Dez. Heute nacht wurde die Wittste Kreß erdrosselt und beraubt. Ueber den Täter wurde noch nichts ermittelt.

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5. Turnus.

Julius Schulze

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Hessen-Nassau.

D Marburg, 15. Dez. 1912 brachte der Verkauf des Gemeindeobstes im Kreise MaiLurg einen bedeutend höheren Ertrag wie in den Vorjahiren. Im ganzen wurden eingenommen 22 794,05 Mark, davon entfallen 2100 Mark auf die Stadt Marburg, 563,60 Mark auff die Stadt Wetter und 2674,90 Mark auf das kleine Dörfchen Bauerbach, das wie immer an der Spitze sttht. Im Vorjahr brachte der Verkauf des Gemeindeobstes im ganzen 17 495,35 Mark ein, davon entfielen auf die Stadt Mar­burg 885 Mark, auf die Stadt Wetter 1684 Mark und auf Steuer= bach 1713,80 Mark.

w. Fulda, 14. DkH. Der Kreistag hat heute bei der endgültigen Wahl sich nicht entschließen können, den Herrn von Dvernberg zum Landrat des Kreises Fulda zu wählen.

tn. Wi esbaden, 15. Dez. Das vierte Krema­torium in Preußen, das erste, das die landespolizeiliche Genehmigung erhiÄt, wurde heute mittag auf dem Süd­friedhof dem Betrieb übergehen. Der Vorsitzende des Feuerbestattunasvereins Sanitätsrat Pröbsting hielt eine lAnfPrache, an die sich ein Orgelkonzert in der Trauerhalle und eine Besichtigung der technischen Anlagen schlossen. Ueber fünfhundert Personen nahmen an der Feier teil.

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Lirrgesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen- 15. Dez.

Zur Filiaksteuerfrage.

Die Herren Schade & Füllgrabe teilen in einem Ein­gesandt in Ihrer gesch. Zeitung Nr. 294, 4. Blatt, mit, daß sie gegen den Stadtverordnetenbeschluß betr. Filialsteucr Ein­spruch erhoben hätten und zwar wegen eines Gutachtens der Handelskammer, das den Herren nicht gefällt. Mit dem Gutachten der Handelskammer hat der Beschluß der Stadtverord­neten nur losen Zusammenhang. Die Filialgeschäfte hatten in einer Eingabe an die Stadtverwaltung sich so als eine Art neuer Menschenfreunde aufgespiclt,die eigentlich nur Geschäfte trieben, um ihren Mitmenschen billige Lebensmittel zu verschossen". Diese Ueberlreibungen auf das richtige Maß zurückzusühren, war einfach Pflicht der Handelskammer. Was sic behauptet hat, wird be­wiesen. und ich füge hinzu, daß cs bei Warenhäusern und Filial- geschässen zu den jedem denkenden Menschen längst bekannten Kniffen gehört, durch Verschleudern einzelner Artikel wie Zucker, Nübol usw. den Anschein der Billigkeit zu er­wecken und daß im übrigen die Preise eben sind wie überall.

Die Stadtverordneten haben nur insoiveit ein Interesse an diesen Geschäftspraktiken, als sie mitbesttmmend für die Höhe der Steuer sind Ausschlaggebend für ihre Stellung ist die Sorge um die finanziellen Interessen der Stadt: sie können und dürfen nicht ruhig zusehen, wie die St euer kraft aller Gewerbetreibenden von einigen Großkapitalisten zerstört bezw. herabgemindert wird, ohne an Ersatz zu denken. Dieser Ersatz ist selbstredend bei denen zu holen, die die Geschäfte machen: wer an hundert Plätzen das Geschäft an sich reißen will, soll nicht allein die volle Steuer des einzelnen Platzes bezahlen, sondern die Gerechtigkeit gebietet, jede Filiale progressiv besonders zu treffen. Wer viel hat, von dem muß viel genommen werden. Wenn die Filialgeschäfte in einem Eingesandt im Gießener Anzeiger jeden mit Klage be­drohen, der sagt, daß sie in Hessen feine Steuer bezahlen, so sage ich heute: Wenn ein Geschäft in Gießen mit 300 000 Mark Umsatz letztes Jahr an die Stadt 3 7 2 Mark Steuer bezahlt hat, so ist dies feine Steuer, sondern ein Bettelpfennig, ein Almosen. Alle kleinen Gewerbetreibenden mögen an ihrem

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