Ausgabe 
20.1.1912 Viertes Blatt
 
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162. Jahrgang

Viertes Blatt

Ar. \l

(fcfldietnt täglich mtt Ausnahme befl Sonntag».

die

Auch die Lebensgeister, Schaffensfreude und nehmungslust, werden sich dann bald wieder ein

außerstande sehen.

D'ePr bnv Hessn-Nassau ist an B völkerungszifter die kleinste der preußischen Provinzen. Keine andere Provinz hat zwei Uni­versitäten. Tie Provinzen Posen und Westpreußen haben keine, Westfalen keine vollständige. Und nun soll diese kleinste der preußischen Provinzen, Hessen-Nassau, neben seiner kurlfessischen Landes-Universität Marburg nach den Wünschen Frankfurts eine zweite Universität erhalten. Dazu ist nicht nur kein Bedürfnis vorhanden, sondern das in Marburg mit Mühe und finan­ziellen Opfern Geschaffene wird entwertet. Als vor anderthalb Jahren zum ersten Male in den Blättern von einer Frank- surter Universität gesprochen wurde, wOL im Briefkasten des Kladderadatsch", der sich bekanntlich der Druckfehler bemächtigt, folgende Zeitungsmcldung erwähnt:Marburg, den 20. Fe­bruar 1910. Soeben wird bekannt, daß der Plan besteht, hier eine neue Universität im Lause der nächsten Jahre aus eigenen Mitteln zu begründen." DerKladderadatsch" bemerkt hierzu:Warum denn eine neue Universität in Marburg be­gründen? Soviel wir wissen, ist die alte noch recht gut." Schreiber dieser Zeilen hat sich vor kurzem in Marburg durch eigene Anwesenheit davon überzeugen können, daß diese Bemerkung des ,Kladderadatsch" vollkommen zutrifft. Unter Dozenten, wie unter Studierenden der alten Universität Marburg herrscht ein so aus­gezeichnetes, frisches Streben, verbunden mit einer natürlichen, sni^mtischen Fröhlichkeit, daß es wahrhaft jammerschade wäre, der in io lebhaftem neuem Aufblühen begriffenen alten Uni­versität durch die Begründung der Universität Frankfurt, deren Bearündung ein unnatürliches Kunstprodukt wäre, ein Hindernis in den Weg zu stellen. Hoffen wir, daß cs dazu nicht kommen wird wünschen wir aber Frankfurt von Herzen eine medizinische Akademie und eine freie Volks-Universität zu seinem eignen Nutzen und zu seiner Ehre, und zum Wohle und zur Ehre Preußens und Deutschlands.

vüchertisch.

Staatsbürgerlich-politischer.

Man behauptet nicht zuviel, wenn man von einer staatsbürger­lichen Bewegung spricht, die seit ein paar Jahren von verschiedenen. Ausgangspunkten aus bei uns einzusetzen begonnen haoe. Man gründet Zeitschriften wie denStaatsbürger' und man veriucht, gute, aber allgemeinverständliche politische Bucher zu veroreuen.

Deitfctner KamillendlSNer- werden dem tAn-ieiger* viermal wöchentlich beigeleql, da- ^retsbloti für den Knie Siehrn" zweimal aochenllich. Dierondwlrttchasllicheo Lett» fragen* erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 20. Januar M2

Rokanonsdrua und Verlag der Brüdl'schen Universität? Buch» und Sreuidruckeret.

9L Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und T ruderet: Ccbul» straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: Anzeigers,eßen»

Einge-cinöt.

(Für Form ünd Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 19. Januar.

Die Akustik im Stadttheater.

Gelegentlich der letzten Wohltätigkeitsvorstellung im Stadt­theater hat Ihr Herr Rezensent die Bemerkung gemacht, Herr Bayrhammer aus Frankfurt sei im ganzen Hause verständlich ge­wesen, obwohl doch so ost über die mangelhafte Akustik in uuserm Theater geklagt ivcrde. Ihr Rezensent hat hier einen Punkt be­rührt, der weitgehender Beachtung wert erscheint. Wenn die Be­sucher des Stadltheaters sich darüber beschweren, daß ihnen dieser oder jener Künstler nicht verständlich sei, so liegt das offenbar nicht au dem Haus, sondern an den Künstlern selbst, die mit der Kunst des Sprechens aus dem Kriegsiuß stehen. Ich glaube mich mit den meinen Theaterbesuchern einig zu wissen, wenn ich sage: Man wird auch mit einer minder stilgerechten und faltbaren Aus­stattung der Stücke vorlieb nehmen, wenn die Direktion auf die künstlerische Auswahl und Heranbildung ihres Personals mehr Rücksicht nehmen wollte. Z.

berufen sein sollen. ,, .. . «. -

Beginnen wir bei der einzelnen Betrachtung mit den Kranten- tzäusern Diese sind als solche für die Zwecke t>er wtadt begründet. Jede ohbcrc große Stadl hat mindestens ebenso gute Kranlen- jaufct, Hamburg und andere wohl noch bessere. Aber für die -ehr- twecke der Studierenden, für die Temonstralwnen dc» Kranlen- materials, für wissenschaftliche Forschung an den Krankhcttsiallen i-inb die Frankfurter Krankenhäuser bisher ganz und gar nicht em- ,erichtet. Es muß sehr fraglich erscheinen, ob die Gebäude, deren Einlage von vornherein aut ganz andere Zwecke zugeschnitten ist, nachträglich so umgeändert und erweitert werden können, das' 'ie jenen völlig anderen Zwecken geiuigen; ia: ivir wissen dirett aus dem Munde von rückhaltslos offenen Frankfurtern, daß dies m einigen Fällen unmöglich ist. , , ... ~

\ Tic Direktoren der Frankfurter Krankenhäuser find zum Teil ganz hervorragende Aerzte aus ihren Spezialgebieten. Wegen dieser ihrer ärztlichen und administrativen Tüchtigkeit ist seinerzeit die Berufung in ihre dirigierenden Stellen erfolgt. Ihre etwaigen Leistungen als Lehrer waren dafür ganz und gar nicht maßgebend. £<t ist allgemein bekannt, daß hervorragende Aerzte und 'Direktoren, gerade wenn sie sich als akademische Lehrer weniger bewahrt haben, in den Stellen als Direktoren der großen städtischen KFankeuhaufer gerne übergehen und in sie berufen werden. . ?luch aus die wisten- ichaftlichc ForsckplNgstätigkeit. die an der Universität aufs innigste »usammenhängt mit einer fruchtbaren Lehrtätiglcit für forlge- ichrittene Studierende, toird bei der Besetzung der ^iiettoren- itcllen an den städtischen Krankenhaus in mit Recbr nur unter» geordneter Wert gelegt. Dies gilt zweifellos auch für die Mehr -,ahl der Frankfurter K-rankenhausdircttoren, so hoch auch, wie oben gesagt, ihre Tüchtigkeit als Aerzte und als Direktoren zu

Spielplan der Gietzener Stadttheaterr.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Sonntag, den 21. Januar, nachmittags 31L Uhr, bei kleinen Preisen: .Das kleine Ehokoladenmädchen." Ende nach 6 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen, unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie ° Regiments :Bummelstudenten./' Ende IO Ilford Dienstag, den 23. Januar, abends 8 Uhr (14. Dienstags- Abonnement - Vorstellung):dans Connenstößers Völlemahr!.' (Neuheit!) Em heiteres Traumfpiel von Paul Apel. Ende 10 Uhr. Mittwoch, den 24. Januar, abends 7 Uhr (14. Mittwochs-Abonne- ment-Vorstellung»:Tie Hochzeit vonValeni." Ende gegen 9/. Uhr. Freitag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, bei Volkspreisen: Volks- Vorstellung: .Die Haubenlerche." Ende 10'/, Uhr. Samstag, den 97 Januar, abends 7/2 Uhr (außer Abonnement), bei gewöbn- Uchen Preisen, Gutscheine haben Gültigkeit: Jest-Vorstellnug «um Geburtslage Sr Majestät des Kaisers: Ouvertüre zur Oper ,Ray- mond" von A. Thomas. Ausgeführt von der Kapelle des hiesigen Jn'antene-Regimenls unter Leitung des Obermusikmeisleis Wilh. Löber Hieraus:(Solberg." Historisches Schauspiel m b Akten von Paul Hecke. Ende gegen 10'/, Uhr. Sonntag, den 28. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, bei kleinen Preisen:Bummelstudenten." Ende 6*/4 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen:Die Hochzeit von Valent." Ende 10!4 Ubr.

er die wichtigsten wissenschaftlichen Gruirdsätze m möglichster Klar ^it, und wenn nötig, sogar istüchternheit, seinen Schülern zur Erkenntnis bringt, wahrend eine übertriebene Eleganz desBor» krags oder der Demonstrationen sogar manchmal vom liebel sein lann. Noch viel wichtiger aber ist der Unterschied'm bezug aM die Lehrtätigkeit für die fortgeschrittenen ^rulncTentat. ie,e soll der Universitätslehrer in der Methodik eigener wissenschaftlicher Forschung ausbilden. Hiervon hat natürlich) von Amts wegen bei den Frankfurter Instituten gegenüber ihren Zuhörern, die un wesentlichen Laien sind, noch gar keine Rede lern tonnen.

Es ist im höchsten Grade bedauerlich, haß die <yranffurtcr medi­zinischen und naturwissenschaftlichen Institute und Dozenten, die ihre bisherigen Zwecke so ausgezeichnet erfüllen, zur Befriedigung Der Frankfurter sowohl, als auch zur Befriedigung der Z'rektoren und Dozenten selbst, nunmehr hineingezwängt und heraufgefckraubt werden sollen zur Erfüllung von Zielen, für die sie nicht gefchasien und nicht berufen sind. Unbefriedigthcit auf beiden Zeiten wird Die Folge sein: für die leitenden Persönlichkeiten die Leistung von Aufgaben, für die sie nicht berufen mären, für die Studierenden Die Erkenntnis, daß ihnen an Qualität nicht das geboten werden kann und das soll kein Vorwurf sein für die Dozenten, sondern mir ein Vorwurf für die Univerfitätsbestrebungen was uynen normalerweise im Universitätsunterricht geboten werden soll, -tenn Die Frankfurter Bürger werden mit Recht daran festhalten, daß ihre Krankenhäuser unb die naturwissenschaftliclfen Institute bC Seiickenberignums und des Physikalischen Vereins dasjenige für Stadt und Bürger leisten, zu dessen Erfüllung sie ihre eigenen Stif­tungen gemacht und ihre städtischen Mittel gewährt haben: Vor­treffliche Krankenhäuser für ihre Stadt und allgemeine Bildungs­

stätten für die Bürger selbst zu sein.

Man kann gewiß den Frankfurtern einen Stolz auf das, was ie bis jetzt geschaffen haben, als durchaus berechtigt anerkennen, und wenn sie eine richtige und sachgemäße Ausbreitung und Weiterbildung des Bestehenden wünschen, so gibt es auch die Mög­lichkeit, daß sie eine solche erlangen. Für bte Krankenhäuser liegt eine solche vor, in deren Ausbildung zu einer medizinischen Akademie, wie z. B. Köln und Düsseldorf eine solche besitzen. Der Zweck dieser medizinischen Akademien ist nickt die Unter- riditung von Studierenden, sondern die prattisckfe Weiterbildung von geprüften und approbierten Medizinern durch Assistenz in der Praxis, die Ausbildung von sogenannten Medizinalprakti­kanten.

Dazu sind die Frankfurter klinischen Anstalten und ihre Leiter vortrefflich geeignet. Und was die Ausgestaltung der natur nun en» 'chaftlichen Institute Frankfurts betrifft, so ist von Frankfurt st lost vor etwas mehr als einem Jahre eine ausgezeichnete Anregung ausgegangen: Bildung einer freien Bolksuniversität. Die Uni versity extension, die in England und Amerika fo ausgezeichnete Erfolge erzielt hat zum Wohle der Volksbildung und im Geiste einer Hebung der inneren Befriedigung auch der weniger be­mittelten Klassen, hat in Deutschland bisher nur noch geringe Betätigung gefunden. In Berlin bestehen in der Humboldt- Akademie, in der Urania und in ähnlichen Einrichtungen Verwirk­lichungen der Idee der Unioersity extension. Die bestehenden Universitäten selbst sind gänzlich außerstande, einer derartigen Aufgabe gerecht zu werden. Einerseits reichen die Gebäude und sachlichen Mittel an ihnen nicht zur Einrichtung von Volkshoch- djulfurien auch nur im entferntesten aus: es ift aber auch für die Kräfte Ser Dozenten unmöglich, neben ihrer Berufstätigkeit als Universitätslehrer, die auch mit einer gewissen wissenschaftlichen Forschungstätigkeit untrennbar verknüpft ist, neben dieser Tätigkeit noch eine regelmäßige populärwissenschaftlicke Tätigkeit auszuübeu. Wenn Frankfurt eine freie Volks-Universität begründen will, so vesitzt es dazu so ausgezeichnete Institute und Dozenten, wie vielleicht nur Hamburg in seinen ähnlichen Instituten. Die Er­füllung einer solchen Aufgabe wäre eine dem freien Bürger- innc bet Frankfurter ganz besonders würdige. Die Begründung einer freien Volks-Universität wäre eine Entlastung für die be­stehenden Universitäten, eine Gewissensentlastung durch die Er­füllung eines Bedürfnisses, dessen Berechtigung die bestehenden Universitäten anerkennen müssen, das aber zu erfüllen sie sich

Die Bqgiene der Zahnpflege. Eine wichtige Forderung der Volkshygiene ist, daß die Kenntnis von der Bedeutung einer geregelten Zahnpflege für die Gesundheit des ganzen Körpers eindringe in das Volk, und zwar durch die schule und durch das Heer Die Zahnkaries hat sich so erschreckend verbreitet, daß Gegenmaßregeln schon im Kindesalter dringend notwendig sind Denn schon wenige kariöse Zähne erschweren das Kauen, schädigen die Verdauung. Um dieser Krankheit Einhalt zu tun, muß man sich vor allem eines guten Zahnwassers und einer geeigneten Zahnbürste bedienen. Vorbildlich für die Zahnpflege [ft das Kosmoöont-Mundwasser der Kolberger Anstalten für Exteri- fultur nach Prof. Dr. med. Jul. Witzel.D'-n/i

Der jüngste und großartigste Versuch dieser Art ist von baft Verleger Engen DiedericksinJena unternommen morbeit Gerade in der Wendung dieses bisher wesentlich änhetifck^ und religiös gerichteten Verlags liegt sicherlich etwas Tnvick,e> ^.lede- richs bat die Absicht,den zerstreuten politifckwn Jntellryenzen (an denen ist bei uns fein Mangel) ein Zentrum, cmcn Knftckli sationapunkt zu bieten, damit in dieser Arbeit bei völliger tvrci- fjcit der Ideen) ein Zusammenhang komme, und ihnen zugleich einen Leserkreis zu sckiaffen", damit es nickst mehr vorkomme, ivas vis jetzt fast die Regel war, daß selbft ausgezeichnete wolttifche Autoren nur schwer Verleger fanden, weilPolitik nickt ging . Ter Jenenser Verlag tritt mit zwei Unternehmungen aui: einer Politischen Bibli 01he k", die aus 3-Mark-Banden be­steht, und einer SammlungS taatsbürgerlicke <v l u g * frfiriften", die GO Pfg. bis 1 Mark kosten. Xie t\-lug Kirnt leit gehen alle vom Aktuellen aus. Eine gewisse Einseitigkeit des politischen Standpunktes ist nicht zu vermeiden, ja sie ist zu ivünschen Der Verlag scheint sie glücklich ausgsinchen zu wollen, indem er neben Liberalen, Konservative und Sozialisten zu Wort lommeu läßt. Da stehen neben Pottlwff Bernstein und Hilde­brand, daneben Rade unb Fel den, der Bremerradikale' Pfarrer, Da zeigt Herbert v. Berger eine Schrift überKonservative Kräfte' an Als 6. Heft derStaatsbürgerlich»^ Flugschriften' crimcuif von Dr. I. Riesser, dem Präsidenten des .Hansabuickes,Der Hansabund" noch vor den Stichwahlen. Als nächster Äanb oerPolitischen Bibliothek" erscheint Ende Januar I. R. Mac Donald,Sozialismus und Regierung", ein Buck, das durch die Beziehungen MacTonalds zum deutschen Kaiser und die darin ausgesprockwne Bejahung des modernen Klassenstaates Tur die Weiterentwicklung des Revisionismus besonders aktuell ist.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhetzen

In der Genesungszeit 1 ist die zweckmäßige Ernährung von höch­stem Werte. Unterstützt man sie durch eine Kur mit Scotts Emulsion, so wird sie noch besser ausqenützt, und

Körperkräfte heben sich schneller und sicherer.

bewerten ist. . . .., . ... . P

Eine Sonderstellung unter den medtziNttchen Instituten rank- furts nimmt das FöniglidK Institut für expermrentelle Therapie ' rin Unter Leitung Paul Ehrlichs genießt es eine allbekannte Weltberühmtheit als Forsckmngsstätte ersten Ranges. Weiin dte Stadt Franksurt dieses ausgezeichnete Institut ihrer geplaMen Universität einverleiben will, um ihr medizinsick-wifsenschaftltchen Glanz zu verleihen, so muß sie zuvor dieses Jnftitut vom Staate erwerben Aber auch dann würde die Stadt damit iwck fein Lehrinstitut besitzen, sondern ein Forschungsinstintt, auf das vor­läufig jedoch noch der preußische Staat, nicht die ötabt, ollen Grund hat, stolz zu sein.

Die natitnvissensckaftlichen Institute des eeimenbergtaniimS unb des Physikalischen Vereins sind begründet worden von Vereint nungcit Frankfurter Bürger, die für die Fortschritte der Natur­wissenschaften ein hervorragendes Interesse hatten, t^te wünschten über dieselben durch Vorträge und Demonstrationen auf dem Laufenden erhalten zu werden und auch selbft in den Laboratorien Gelegenheit zu finden, die Kenntnis neu erfundener dlpparate sich aus eigener Anschauung zu erwerben. Auf diesen Zweck sind die vortrefflichen Schausammluiigen und thcaterähnlickten dorsale der Frankfurter Institute zugeicknitlen. Das Besrieben der frank­furter Bürger, daß Durch diese Einrickstungen feine BeNiedigung findet, ist im höchsten Maße anzuerkennen: aber die Aufgaben, welche von naturwissenschaftlickfen Universitäts-Instituten ersiilll werden sollen, sind ganz andere. An den Univerfiläten ivird auf elegante und schöne Demonitrattonsversuche, die das xsittercj 1 c auch des Laien zu packen verstehen, roeilig Wert gelegt, xa für besitzen aber die Universitäten Lehr sammlungen naturrovicii sckaftlicker Cbjeftc und sie besitzen Apparate, und Einrichtungen, Die in einer zwar weniger eleganten, aber strenger wtsiemcköst­lichen Weise die BeschäftiMng mit den betr. Gebieten ermöglichen.

Auch hier sind die vorstehenden sachliche Erforderniste mast­gebend gewesen bei der Berufung der jetzt in Frankfurt vorhaiidenen naturwissenschaftlichen Dozenten des Senckenbergianums und dec- Physikalischen Vereins. Es ist in einer von den betr Kuratorien wiederholt ausdrücklich bekannten Tendenz bet der Berutung der naturwissenschaftlichen Dozenten vor allein auf die Gabe eines aemeinverständlichen Vortrages und auf die Kunst packender und schöner Demonstrationen Wert gelegt werden, ^it diesem Sinne, wenn auch im einzelnen aus anderen Gründen, als bei den medi­zinischen, sind vielfach an die Frankfurter nalurwissenfchaftlichen Institute Universitäts-^Dozenten berufen worden, die gerade dte für Frankfurt gewünschten Begabungen und Befähigungen in her- hervorragendem Maße besaßen. Damit ist aber keineswegs ge­sagt, daß sie auch die für einen U n i vers ita t s - Lehrer Wick- tigsten Bedingungen ebenso erfüllen. Denn für einen Unwerfitats- lehrer der Naturwissenschaften kommt es vor allem darauf an, dast

Vie Zranlfurter Un'vrifltät.

ES ist zwar in den letzten Tagen durch die Blatter die Notiz gegangen, daß die geplante Frankfurter Universität auf den vor» teschlagenen Grundlagen vom Kultusministerium abgelehnt worden .ei. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß Herr Dbcrbürgenneiner 'ldickes, der bekanntlich der Urheber des ganzen Planes ist (ver­gleiche die von ihn! selbst verfaßte Notiz im Zeitgenonenlerllon ,.Wer ist's?"> nicht auch seine Stadtverordneten Tür den gänzlich t eränberten Plan zu gewinnen versuchen roirb,_obroobl die uriprüng '.ichen LZünsche der Stifter und Förderen: der städtischen UntX-crfitat 'Frankfurt dann gar nicht mehr in Erfüllung gehen werden. Es crfdieint deshalb wohl angebracht, bei Zeiten aufmerksam zu macken auf neue Bedenlen gegen den Frankfurter Univerniatsplan, die kürzlich von der Magdeburger Zeitung gebracht wurden.

Seitdem vor anderthalb Jahren der Dl«u der Begründung jiner Frankfurter Universität zuerst an die Leifeiitlichkeit trat, find Lon verschiedenen Seiten sehr geivichtige. Gründe gegen dielen ?lan geltcnb gemacht worden. Trotzdem fehlen unter den borge krachten Gründen tüxf) noch einige sehr wesentliche, bic rechtzeitig roch hervorgehvben werden sollcii.

Die stolze Frankfurter StadtverlValtung, an ihrer Spitze der Herr Oberbürgermeister-, betont immer wieder, es sei in den mebi-- inischen und naturwissensckwftlichen Instituten ber itabttmKn Krankenhäuser, des Senckenbergianums und des Physikalifchen Ver- nnd bereits alles wesentliche in diesen Gebieten an sachluvm ^inrichtungeii und Dozenten für eine Universität vorhanden, -öci oberflächlicher Betrachtung könnte dies als zutrefiend erfchemen, Sei genauerer Betrachtung aber stellt sich heraus, daß dies nur zu- hrifft, wenn man. die Institute und Dozenten nach den Fachern, >ie sie vertreten, abzählt, ohne zu bedeuten, zu welchein Zwecke >ic Institute seinerzeit begründet wurden und nach welchen Ge ichts- yunften die Ernennung ilwer Leiter seinerzeit ersolgt ist, im Gegen­sitz zu dein Zweck und denjenigen Zieleii, welche sie in Zukunft ils Universitäts>Jnstitute dezw. Universitäts--Lvzenten zu erfutien

muster und n S|.;

fabnk G. m. v. n.»

RheinischesoonnI!«,'

echnikum Bingen«

Cheuffwurkurse.