Ausgabe 
19.7.1912 Erstes Blatt
 
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Deutsches Reich.

Balestrand, 18. Juli. Der Kaiser arbeitete heute früh allein und machte vormittags einen Spaziergang an Land. Am Nachmittag erfolgte die Fahrt mit demSleipner" nach Framnäs, wo im Jahre 1913 die Aufstellung der FrUhiofftatue Kattfindel.

München, 18. Juli. Die Kammer der Abgeordneten lehnte, nachdem der Finanzminister v. Breunig den Lotte rie- gesetzcntwurf nochmals vertreten hatte, mit großer Mehr­heit den Gesetzentwurf, betreffend den Beitritt Bayerns zur Lotterie- gemeinschaft mit Preußen, und den dazu gehörigen Staatsvertrag ab. Dagegen stimmten geschlossen das Zentrum und die Sozial- demolraten und außerdem ein Teil der Liberalen und Bauern- bündlcr. Mit großer Mehrheit stimmte dagegen das Daus dem Ausschußantrag zu, daß die Staatsregicrung dem gegenwärtig versammelten Landtag tunlichst bald eine Vorlage über die Ein­führung einer bayerischen Landesklassenlotterie zugchen lasse., ist für Löhnung, Proviant usw. bestimmt. Eine Erläuterung ist

tätige oder gemeinnützige Zwecke einen bestimmten Betrag des Erlöses zuwendet, schließt einKollektieren für andere" in sich und bedarf der erwähnten Genehmigung. Das Pu­blikum soll sich letztere stets vorzeigen lassen uüd^alls dieses verweigert wird oder sonstige Anstände sich ergeben, dem Polizeiamt sofort Mitteilung machen.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 18. Juli. Heute nachmittag gegen 6 Uhr wurde in der Lahn die verweste ungeklcidctc Leich e eines Mädchens im Alter von 1617 Jahren von zwei Schnlknaben aufgefunden. Die Schulknaben nahmen einen Kahn zur Hilfe unb brachten die Leiche an das Ufer. Es handelt sich um die Leiche der seit Januar vermißten Elisabeth Hofmann, deren Kleider damals zum Teil im Heßler ge­funden wurden.

- Großen-Linden, 18. Juli. Heute wurden die Arbeiten zur Wiederherstellung des ersten Pfarrhauses hier im Submissionswege vergeben. Im Durchschnitt blieben die Forberungen um 10 Prozent gegenüber dem Kosteuvoranschläg zurück, so daß die Ge- samtarbeit statt vorgesehenen 15 500 Mark etwa 14 000 Mark Kosten verursachen wird. Der Kirchenvorstand gab überall dem Wenigstnehmenden den Zuschlag.

Starkenburg und Rheinhessen.

a. Darmstadt, 18. Juli. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten, die letzte vor den Ferien, ent­hielt in der Hauptsache nur nebensächliche Punkte. Von weiterem Interesse war lediglich die Vorlage über Ver­träge zwischen der Stadt und oem Militärfiskus auf Aus­tausch von Grundbesitz, der Erbauung einer Gar­nisonkirche und einer Bataillonskaserne für das Infanterie-Regiment sowie auf Bebauung der Brei ten Allee. Die Verhandlungen, die sich aus Anlaß der 'Zerlegung des Hauptbahnhvfes notwendig machten, schweb­ten bereits seit dem Jahre 1907, sie scheiterten besonders wegen der hohen Entschädigungsforderungen des Fiskus für Abtretung des Exerzierplatzes an der Breiten Allee an die Stadt. Auf Grund eines besonderen Tauschvertrages wurde nunmehr vereinbart, daß die Stadt dem Militär- fiskus 44 950 qm vom Hopfengarten und 21371 qm Wald an der Westseite des Exerzierplatzes abtritt. Ferner über­nimmt die Stadt für den FiSkuS die Kosten des Bahngelän- deS von 6266qm an der Kreuzung der Eschollbrücker Straße imb der neuen Bahnlinie und des auf ihm befindlichen Schuppens. Dagegen tritt der Fiskus an die Stadt ab einen etwa 560 m langen und 67 m breiten Streifen des Exerzier­platzes längS der Breiten Allee zwischen der Anlage und dem Stirnweg. Auf der Fläche des Hopfengartens baut der Fiskus eine Kaserne für eine Maschincngewehrkompagnie, außerdem wird dort eine Kaserne für ein Infanterie- Bataillon erbaut und zwar von der Stadt; die Kaserne und Grundstücke iwerden <ut den FiSkuS gegen eine Jahresmiete von 4i/z Proz. des Grundstückwertes und in den ersten Jähren von 01/4 Proz., später von 5 Proz. der gesamten durch den Dau entstandenen Kosten solange vermietet, bis die Aufwendungen ver Stadt für di« Kaserne und dar ange­nommene GrundstückSwert, bei Anrechnung von 1 Proz. Tilgung, gedeckt sind. Dann sollen Kaserne und Grundstück in das Eigentum des MilitärfiSkus übergehen. Weiter erwirbt die Stadt den dem Militärfiskus gehörigen Marienplatz, baut auf ihm eine Garnisonkirche und ver­mietet sie gegen Zahlung von 5 Proz. der GeländeerwerbS- kosten und in den ersten Jahren 5V< Proz., später 5 Proz. aller durch den Dau entstandenen Kosten ebenfalls solange, bis die Aufwendungen der Stadt bei 1 Proz. Tilgung

Die Panamakanal-Zrage.

Washington, 18. Juli. Im Auftrag der britischen Re­gierung überreichte Botschaftsrat Mitchell-Jnnes dem Staatssekretär Knox den formellen P r 0 te st, gegen die Pan am akanalbill. Knox wird den Protest sofort Pran- dent Taft zugehen lassen, der ihn wahrscheinlich nach dem Kongreß mit einer besonderen Botschaft überweisen wird.

Im Senat wurde dre Beratting der Panamakanal­bill fortgesetzt. Senator Lodge sagte, er habe der Senats- kommission für auswärtige Angelegenheiten angehört, du über den Hayn-Pauncefote-Vertrag Bericht erstattet hat. Er sc: da­mals der Meinung gewesen, daß der Verttag den Vereinigten Staaten die Freiheit biete, ihren eigenen Handelsverkehr durch den Kanal zu regulieren und er sei auch heute noch der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten nicht unter den Natwnen einbegriffen seien, die nach dem Vertrag gleichmäßig zu behandeln waren. Er meinte, daß die Ueberweisung des Streitfalles an das Haager Schiedsgericht dadurch vermieden werden könnte, daß dre Regie­rung die Gebühren für die amerikanischen Schiffe zahle Wie die Entscheidung im Laag ausfallen würde, sei kaum zweifelhaft. Auf die Zwischenfrage eines Senators, ob Amerika verlieren würde, antwortete er: Ohne Frage.

N e w Y 0 r k, 18. Juli. Nach Blättermeldungen aus Washing­ton werden die Unionstaaten die kritische Auslegung des Hayn-Pauncefote-Vertrages annehmen, wonach amerikanische wie frentbe Schiffe die gleicl>en Gebühren zu zahlen haben. Die gestrige Verhandlung im Senat bewiese, daß dieser bald mit überwältigender Mehrheit für eine sttenge Be­obachtung des Vertrages ftimmte. t

Melbourne, 18. Juli. Das Abgeordnetenhaus nahm cinsttmmig den Antrag an, in welchem erklärt Wird, daß jedes System, wonach den amerikanischen Schiffen, die den Panamakanal berufen, eine Vergütung oder Ermäßigung ^gestanden wird, den australischen Interessen schädlich Jem würde. Premierminister Fisher erklärte im Laufe der Erörte­rung, er' hoffe, daß die Angelegenheit bald freundlich begeilegt werde.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 19. Juli 1912.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gcftrigc gut besuchte Sitzung unserer Stadtväter war in ihrem öffentlichen Teil die richtige Verwaltungs- sitzung, die ohne große Aufregung verlief. Nur die Vieh- mar'kt-Platzfrage erregte größeres Interesse und hatte auch eine Anzahl Zuschauer angelockt. Aber da von vorn­herein feststand, daß die Mehrheit sich für die Insel am Elektrizitätswerk entscheiden werde, verursachte der aus­giebige und sehr wortreiche Redekampf zwischeyInsu­lanern" undBergkraxlern", wie ein Mitglied der Ver­waltung die beiden Parteien nannte, keine große Auf­regung und auch die Andersdenkenden gaben zu, daß die Wahl der Insel eine befriedigende Lösung der Frage be­deuten würde. Mit besonderem Interesse wurde dabei die Mitteilung ausgenommen, daß Bestrebungen zur Schaffung eines ständigen Fettviehmarktplatzes im Gange seien. In der nichtöffentlichen Sitzung beschäftigte sich das Haus vorwiegend mit Bahnangelegenheiten. Zur H in t erl an db ahn f r a ae stimmte nran dem Abkommen mit dem Wetzlarer Bahnkomitee zu, nachdem die beider­seitigen Bahnwünsche in einem Ausschuß von 25 Personen gemeinsam betrieben werden sollen. Hoffentlich gelingt es den seck^s von Gießen zu stellenden Ausschußmitglie­dern, nicht allein die Interessen von Gießen zu wahren, sondern auch zum tatsächlichen Durchdrücken der Bahn­wünsche erfolgreich mitzuwirken. Der .Vertrag mit Wies eck wegen der Fortführung der elektrischen Straßen­bahn wurde nicht fertig, doch ist anzunehmen, daß eS gelingen wird, ein beide Seiten zufriedenstellendes lieber- einkoinmen abzuschließen.

* Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den Pfarrer Fritz Lahr zu Langd auf sein Nachsuchen zwecks Ucbcrnahme der zweiten Pfarrstelle an der Nicolaikirche zu Potsdam auS dem Dienst der hessischen evang. Landes­kirche entlassen.

Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den LehramtSasiessor Hch. Küßner zu Nidda zum Ober­lehrer und Rektor an der höheren Bürgerschule zu Nidda und den LehramtSasiessor Alb. Diem er zum WormS zum Ober­lehrer an der Oberrealschule zu WormS und den Lehramts- osiessor Hch. Mischler zu Alzey zum Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey ernannt.

gedeckt find. Der Oberbürgermeister wies darauf bm, daß das Reich bei Errichtung von militärischen Bauten bestimmte Grundsätze verfolge, so daß bl( Stadt vor gegebenen Verhältnissen gestanden habe. Die Steuerzahler werden durch den Vertrag in fei. ner Weise belastet, auch hat das Reich die Stadr in jeder Weise finanziell sicher gestellt. Außerdem Kar die Stadt die Interessen der einheimischen Unternehmer und deren Arbeiter bei Abschluß und Ausführung bet Bauverträge nach jeder Richtung gewahrt. Nach mehr- stündiger Besprechung, in der die meisten Redner unter wiederholtem Hinweis auf die wenigen Vorteile desGe­schäfts" sich zuletzt doch für daS Projekt aussprachen, und nachdem in einer geheimen Sitzung eingehend über die finanzielle Bewertung des Tausches verhandelt worden war, wurde die Vorlage angenommen. Sie bedarf nunmehr noch der Genehmigung des Kriegsministeriums.

n. Offenbach, 18. Juli. Die Stadtverord­netenversammlung nahm heute die Wahl eines u n besoldeten Beigeordneten vor. Oberbürgermeister Dr. Dullo empfahl die Wiederwahl Etßnerts (Sozdem.), die einstimmig erfolgen könne, zumal gegen seine sechsjährige Amtsführung nicht das geringste ein- zuwenden sei und Eißnert sich als ein tüchtiger Verwob tungSbeamter gezeigt habe. Die Wahl Eißnerts habe nichts mit Parteipolitik gemein. Vor sechs Jahren sei es wohl ein politischer Akt gewesen, heute aber bedeute seine 93 ie- derwahl lediglich eine Handlung int Interesse des Wohles der Stadt, um ihr einen tüchtigen Beamten zu erhalten. Die gleiche Ansicht vertrat Beig. Kappus, der an die bürgerlichen Stadtverordneten die Bitte richtete, einstim­mig für die Wahl Eißnerts einzutreten, zumal davon die Bestätigungsfrage abhängen werde. Bei einer Nichtbestäri- gung werde die Stadt gezwungen fein, einen weiteren be­soldeten Beigeordneten zu wählen. Es wurden 28 Stimm­zettel abgegeben. Davon entfielen 23 auf Eißnert, wäh­rend fünf unbeschrieben waren.

(!) Mainz, 18. Juli. Im Prozeß Bernd-Schapiro- Hirsch hat heute Rechtsanwalt Dr. Bopp die Revision des Angeklagten beim Großh. Landgericht angebracht.

Hessen-Nassau.

--- Wilsbach, 19. Juli. Unser Pfarrer Ferd. Schneider wurde von der Kirchengerncinde Singhofen bei Nassau ge­wählt und wird am 1. August dahin übersiedeln.

Ausland.

London, 18. Juli. Heute ist der Ergänzungs­flottenetat veröffentlicht worden. Er gelangt am Montag im Unterhaus zur Besprechung. 99 000 Pfund Sterling sind darin für die Vermehrung des Mannschaftsbestandes enthalten. In Ergänzung des früheren Flottenetats sind Mehrausgaben vor­gesehen für Schiffsbauten 296 000, für Schiffsmaschinen 315 000, für Geschütze 54 000. für Munition und Torpedos 97 000, für Anschaffung von Luftschiffen 20000 Pfund Sterling. Ter Rest für Löhnung, Proviant usw. bestimmt. Eine Erläuterung ist dem Ergänzungsetat nicht angesügt, auch Angaben Über die Art der Ergänzungsbauten fehlen.

Lissabon, 18. Juli. Nach Blättermeldungen aus Braga sind dort mehrere Personen verhaftet worden, darunter drei Offiziere und mehrere Unteroffiziere der Garnison. Die kon- stttutionellen Garantien in Braga sind ausgehoben worden.

Die Laqe öes 2Irbeitsmarttes im Juni (912.

Tie BescAiftigung in der M c t al l i nd u st r ie war noch lebhaft. Bei der Arbeitsvermittlungsstelle in Frankfurt war bie Nachfrage nach Formern so stark, daß der Bedarf nicht gedeckt werden konnte. Ebenso konnten nicht genügend Kesselschmiede und Hufschmiede nachgewiesen werden. Der Lohn bei den Schmieden stieg um 2 Mark wöchentlich. Auch die Maschinenbranche madjtt größere Bestellungen. Zirka 90 Prozent der arbeitsuchenden Me­tallarbeiter konnten untergebracht werden. Tas Arbeitsamt Mainz verzeichnet einen weiteren Rückgang im Arbeitsangebot als in der Nachfrage und nur die Zahl der neu eingetragenen ortS- ansässigen Spengler hat sich beträchtlich erhöht. Offenbach be­richtet, daß die Lage der Maschinenittdustrie fortwährend gut sei. In Worms wurde ein geringes Anwachsen der Arbeitsuchenden festgestellt; die Stellenbesetzung gestaltete sich jedoch etwas gün- sttger. Dauschlosser konnten gut unlergebracht werden. Der größte Teil der arbeitsuchenden Maschinensckstosser bestand aus jüngeren Personen, während die Nachsrage sich auf ältere Maschinenschlosser erstreckte. Die offenen Stellen für Wagner konnten nur zua Teil besetzt werden. In Kassel legten in einer Wagenfabrik 25 Metallarbeiter wegen Lohndifferenzen bie Arbeit nieder. In te Portefeuille-Industrie ist eine Besserung emgetreta. Der Beschäftigungsgrad wird als ganz gut bezeichnet, doch ifo immer noch eine Anzahl Arbeitsuchender vorhanden.

In der Industrie der Holz- unb Schnitzstosfe war die Beschäftigungsmöglichkeit nach Mitteilung der Arbmlsvermitt- lungsstelle Frankfurt günsttg. Hauptsächlich wurden Schreiner auf Kundschaftsarbcit verlangt. Für Schreiner auf bessere Möbel war die Nachfrage gering. In Mainz war die Zahl der offenen Stellen erheblich geringer als im Vormonat. Ms Grnnd dieses Rückganges wird eine gesteigerte Inanspruchnahme des beson- deren Arbeitsnachweises der Arbeitgeber dieser Branche vermuret. Bei den Bildhauern war der Geschäftsgang gut, jedoch konnten Durchreisende in Mainz keine Arbcü erhalten. Der Holzarbeiter­verband in Darmstadt teilt mit, daß der Beschäftigungsgrad für Möbelschreiner gut war. Der Arbeitsnachweis der Holzarbeiter konnte erstklassige Arbeitskräfte, wie sie die Darmstädter Möbel­industrie braucht, immer erst nach erheblichen Benrühungen be­schaffen. In WormS scheint der Mangel an Möbclschreinern be­hoben zu sein; die offenen Stellen sind gegen Ende des Monats ganz erheblich zurückgegangen. In Gießen herrschte nach dem Bericht der Herberge zur Heimat Mangel an Schreinern. Der Bericht führt diesen Mangel teilweise auf die veränderten Ver­hältnisse der Wanderfürsorge zurück. In Worms haben 31 Küfer und Kellerarbeiter bei zwei Weingroßhandlungen wegen Lohn- difserenzcn die Arbeit niedergelegt; der Streck war am Ende deS Berichtsmonats noch nicht beendet.

Aus der Industrie der NahrungS- und Genuß- mittel berichtet der Tabakarbeiterverband in Gießen, daß der Beschäftigungsgrad in der Tabakindustrie derselbe wie im Vor­monat war. Als gut könne er noch nicht bezeichnet werden. ES kommt noch hinzu, daß in der jetzigen Zeit ein großer Teil der Tabakarbeiterinnen in ihren Heimatsorten in der Landwirt- Beschäftigung finden und erst im Herbst wieder in die Zigarren­fabriken zurückkehren, eine Erscheinung, die in Gießen alljährlich zu beobachten ist. In Mainz hat sich die Arbeitsgelegenheit für Weinküser verschlechtert. Im Bekleidungsgewerbe war bei der Arbeitsvermittlungch'telle Frankfurt die Vermittlung still. In Mainz wurden Schneider weniger, Schuhmacher mehr gesucht. In Offenbach war der Beschäftigungsgrad in den Schuh­fabriken mäßig. In Worms war es im Schneidergewerbe ivieder lebhaft; bei bett Schuhmachern ist die Zahl der Arbeitsuchenden etwas gestiegen. t .

Im Baugewerbe war der Geschäftsgang tm allgemeinen rege. Tie ArbeitSvcrmittlungSstelle jrantrurt teilt mit, dah eine starke Nachfrage nach Zimmerleuten war und alle Bewerber untergebrachl werden konnten. Auch für Glaser und Steinmetzen war Arbeitsgelegenheil vorhanden. Die Vermittlung von Maurern war infolge des üblichen Umschauenö bet den Baustellen (fr gering. Für Bauschreiner war etwaS mehr Arbeitsgelegenheit vorhanden als im Vormonat. In Mainz herrschte gesteigerte Nach­frage nach Maurern. Malern unb Anstreichern, Glasern und Tacv- deckcrn, geringere Nacktsrage nach Zimmerleuten. In Kassel bat die Bautätigkeit eine merroare Steigerung erfahren, so daß eine lebhaftere Nachfrage nach tüchtigen Bau- und Erdarbeitern mar. In Darmstadt war nacy dem Bericht des HolzarbeiterverbandeS die Arbeitsmöglichkeit für Bauschreiner beschränkt. MS Grund wird die Fertigstellung des Bahnhofes unb ber Stand der Bauten angegeben, in denen mit den Schreinerarbeiten noch nicht be­gonnen werden konnte. Die Datckumme alter im Juni genehmigten Bauten betrug rund 400 000 Mk. In Offenbach war die Ban- tätig leit ziemlich schwache In Worms waren Zimmerleute sehr gesucht, auch für Tüncher und Anstreicher war reichlich Arbeits­gelegenheit vorhanden. In Gießen herrschte Mangel an ' Zimmerleuten. In Oberkaynstein war die Bautätigkeit im letzten Vierteljahr ruhig. In Wetzlar war durch bauliche Vergrößerun- der Fabriken der BeschästtgungSgrad gut. In Bad Wildlingen, war die Bautätigkeit rege, so daß stets Maurer eingestellt mürben. In der Edertalsperre sind über 1000 Personen beschäftigt, aller­dings meistens Ausländer, jedoch auch auS Wildungen eine größere Anzahl. In Witzenhausen ist mit dem Bau einer Eisenbahn von Walburg nach Eichenberg begonnen worden. Im graphischen [ Gewerbe war nach dem Bericht des Buchdruckerverbandes M

erfiart man, daß die russische Regierung Frankreich von einem derartigen Vorhaben niemals die geringste Kennt- -rris gemacht habe. Wie könnte man annehmen, daß Ruß­land gerade jetzt vor der Petersburger Reife Poincarss das verbündete Frankreich in vollständiger Unkenntnis über ein so nnchtiges Ereignis gelassen hätte.

Dem hiesigen ,,New York Herakd" stnrd aus Tokio gemeldet, daß nach dem eben unterzeichneten russtsch-qa- panischen Abkommen Japan feine volle Autorität über die Sud Mandschurei bewahre, während dre Prärogative Rußlands sich auf die Mongolei erstrecke. England habe zu dem Aokommen seine Zustimmung gegeben, wofür es freie Hand in Tibet erhalten habe.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Muth auS Gimbsheim eine Lehrer- tefle an der Gemeindeschnle zu Ober-Roden. Erledigt mb eine mit einem evang. Lehrer zu besetzcnbe Lehrerstelle n Pfeddersheim, eine mit einer fall). Lehrerin zu be- etzende Schulsielle in Bretzenheim, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Hack er 8 darf. Mit ihr ist Organisten- und Vorlefedienst verbunden. Sie hat Orts­zulage.

"Neuer Kammerherr. Ter Großberzog hat den Hofjunker Ernst von Küchler, Kais. Vizekonsul in Warschau, zum Kammerjunker ernannt.

" Silberne Hochzeit begehen morgen Ferdinand Sturm und dessen Ehefrali Hermme, geb. Petri.

** Da§ sechste Abonnementskonzert, daS letzte in diesem Sommer, fand gestern abend unter Mit­wirkung des Herrn G. Dietzel vom Frankfurter Palmen­garten-Orchester statt, der für den erkrankten Pofaunen- nrtuofen Weschke aus Berlin eingetreten war. Der Künstler handhabte sein Instrument mit verblüffender Sicherheit und entwickelte eine vorzügliche Technik, die von gutem Geschmack geschult ist. Außer einer wirkungsvollen eigenen Komposition, die recht reizvoll war, brachte er noch einige andere Stücke, von beneit namentlich die Arie der Rosine aus der Oper Der Barbier von Sevilla lebhaften Anklang fand. Einer Voranzeige auf dem Spielzeltei zufolge veranstaltet die Kapelle im Winter 1912/13 Zwei oder drei Sinfonie-Konzerte, unter Mitwirkung erstklassiger Künstler bei ganz niedrigem Abonnementspreis. Tas erste Konzert findet anfangs November statt.

"Der Schiklub Wintersport Gießen (Gieße­ner Schiktub) beschloß in seiner am Mittwoch abgehaltenen Dorstandssitzung, vorläufig von einem Beitritt zu dem Verband mitteldeutscher Schivereine abzusehen, da die im Vogelsberg noch zu erledigenden Arbeiten alle Kräfte be­anspruchen. Der Bau des großen, . dicht bei den Klub­häusern gelegenen Sprunghügels, dessen Errichtung durch das Einschreiten deS Großherzogs ermöglicht wurde, soll so beschleunigt werden, daß er zu Beginn oes Winters fertig­gestellt ist. Die Wintermarkierung, durch Stangen und rote Blechwimpel, die sich seither recht gut bewährte, wird im kommenden Herbst erneuert und weiter aus geb aut wer­den. Anfangs November findet ein großes Winterfest in Gießen statt. Während der Weihnachtsferien soll ein Schi­kursus auf dem HökstrodSkopf, Ende Januar der im ver­gangenen Jahre wegen der ungünstigen Witterung aus­gefallene 2. Hessische Schiwettlauf aus dem Hoherodskopf stattfinden, zu dem der Großherzog das Protektorat über­nommen hat.

** Zum Schütze b c5 Publikums vor Betrü­gereien wird darauf hingowiesen, daß jeder, der in hiesiger Stadt Gaben für wohltätige Zwecke sammeln kollektieren will, bie schriftliche, mit bem Amts siegel versehene Genehmigung be5 Großh. Krers- crmts ober Großy. Polizeiamts Gießen mit sich führen muß. Aus bieser läßt sich ersehen, für welchen Zeitraum bie Erlaubnis erteilt ist. Auch ber Verkauf von Bildern unb Büchern durch Reisende im Auftrag einer Buchhanblung unter Vorlage des Empfehlungsschreibens eines Vereins usw., dem die Buckchandlung für wohl-