Ausgabe 
17.5.1912 Drittes Blatt
 
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Nr N5

tfrldietn! tflflüA mit BuSnabme be6 6ormtagl.

General-Anzeiger für Oberhesfen

Die ^Oteßener Samilicnblättef1 werden dem .Anzeiger" dermal wöchentlich beigelegl. da» Kretsblati für ötn Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die£anöa>lrl|$afUid?en SeU* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Drittes Blatt (62. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Zreitag, 17. Mai 1912

RotattonSdrucr' rmd Vertag der Brudt'fchen UnwersitatS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, (Stegen.

Redaktion, Expedition und Tnickeret: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaflion:e-^SllLTel.-Adr.:A,ize,gerDießen.

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Mb. Deutscher Rekchstaq.

63. Sitzung, Mittw och, den 15. Mai.

Am Tische des DundcSratcS: Tirpitz.

Präsident 2r. Kaeinpf eröffnet die Siyung um 1 Uot 15 Min. und führt ou6: S. M. t> c r Sl ö n \ fl Friedrich von D ä nemark ist auf tcu Hebern Boden infolge eines Herzschlages plötzlich aus dem Leben geschieden. Der bcuiidx Reickstag spricht der benodibarten dänischen Nation sein herzliches Bedauern und sein aufrichtiges Mitgefühl hiermit auö sDaS Haus hatte sich während der Ansprache von den Sitzen erhoben.)

Der HlarineefaL

Abg. Vogtherr (So;.)

bringt Qkfdfevcrben -der Nordseefischer vor, die durch die Schieß­übungen geschädigt werden. Ter Redner weist darauf hin, daß daS Torpedoboot 25, daS nach Danzig beordert ist, den Aron- Prinzen auf seinen Vergnügungsfahrten begleitet hat. Ist baS auch militärischer Tienst?

Abg. Struve (Vp.):

Die dienstlichen Anforderungen, die schon hoch genug sind, sind fortgesetzt gestiegen und steigen immer noch. Tic Unterlunft auf den Schiffen läßt viel zu wünschen übrig. In der Kommission ist davon die Rede gewesen, das; der Stand der Marinr - Ingenieure allmählich gehoben werden soll, lieber diele Te- batten sind sehr eingehende Berichte in der Presse erschienen, darunter auch wörtlich ein Schreiben eines Chefingenieurs, in dem eS heißt, daß die Ingenieure dem Treiben des Abg. Struve durchaus fernslönden. Ich freu? mich, hier sagen zu können: bad stimmt, ich habe niemals in irgendeiner Weise mich mit aktiven Marineingenieuren über diese Tinge eingelassen, weil ich dazu viel zu hoch von der notwendigen Manneszucht denke. Aber das WortTreiben" w'is.' ich zurück. Marineoffiziere sind sonst höfliche wohlerzogene Leute. ES iit aber ungewöbn. lieb, daß ein anaegri'fener M i n i st c r sich in der Weise auf eine Eingabe (eines Untergebenen beruft Stach unterer Mei­nung muh noch mehr für die Marineingenieure geschehen, daS einseitige UnterordnungSverhältniS unter die Seeoffiziere muß aufhören. Drinaend nötig ist eine bessere Ausbildung der Marine- tngcnicure .

Staatssekretär b. Tirpitz:

Dem Abg. Dogiherr mochte ich erwidern, daß wir die Ver­pflichtung haben, daS Cchießfeld bei unsren Hebungen abzusperren. Die Absperrungen werden möglichst so getroffen, daß sie die Fischer nicht schädigen. Ander« Maßnahmen dienen auch zur Er­leichterung der Fischerei. Dem Abg. Struve möchte ick meinen Dank dafür auSsvrechen, daß er die Arbeit der Marine anerkannt hat. Ick kann meinerseits bestätigen, daß die Größe der Arbeit in den letzten Jahren noch gestiegen ist. Tie Regelung der Ortszulagen ist auf Veranlassung deS ReichSschatzamtes er­folgt, da? eine Einheitlichkeit für alle ReichSressortS einführen wollte. Für eine bessere Ausbildung der Marinc- Ingen,eure bin gerade ich von Anfang an tätig gewesen und habe auch dafür gesorgt, daß sie in eine höhere Rangklasse gekommen sind. Wenn die Ingenieure sich an mich gewendet und mich gebeten haben, auszusprechen, daß sie nicht einverstanden seien mit der Art und Weise, wie ihre Interessen vom

Abg. Struve teilweise vertreten worden sind, so ist da? auf ihren eigenen Antrieb bin geschehen. Sw ersehen daraus, daß unser Offizierkorvö zu mir Vertrauen bat.

Der Herr Abgeordnete wird wohl ersehen haben, daß seine Angaben wirklich der Verwaltung nickt ganz gereckt werden. Aen- derungen haben wir nur mit einer gewissen Vorsicht getragen, und das werden S>» unS nidit erdenken können. Wir müficn eben (5rfa( runflrn abwarten. Tie Sirafgewalt an Bord bat eigentlich nur der .Kommandant; der erste Offizier, selbst wenn er Fregatten­kapitän ist, bat nur etwa die Strafgewalt eines Kompogi-iecheiS. Tie vorhandenen Organisationen wollen wir allmählich fester ge­stalten, ein gewaltsames Eingreifen vermeiden. Ter Bor'ck'ag des Abg. Struve, die Ingenieuraspiranten auf älteren Schiffen au'zubildcn, ist undurchführbar, weil wir ja gerade Wert baraui legen müssen, sie mit unserem neuesten Material bekannt zu machen, mit dem sie nachher zu arbeiten haben. Ich danke dem Abg. Struve, daß er unseren Hntcrfccboctcn ein gutes Zeugnis aus­gestellt hat. Ich habe bedauert, daß gerade in letzter Zeit in der Presse unsere Unterseeboote einer nicht zutreffenden, ungerechten Kritik unterzogen worden sind. Wir haben daS Lickt nickt zu scheuen. (Beifall.)

Alfl. Fr.;bcrger (Zenlr.) fordert die Berücksichtigung d:r süddeutschen Industrie und Land- mirtfdjaft bei der Vergebung von Lieferungen. Tic Reform deS Verkaufs der Altmaterialien sollte rascher durchgesübrt werden. Es darf nickt geduldet werben, daß das Kieler OffizierSlasino einen ausgedehnten Weinhandel treibt. Für die Marineingenieure ist ungeheuer viel geschehen. Sie werden viel besser bezahlt, als in d.w Privatiuvustrie. Eine Strafgewalt steht ihnen nicht zu. Für die Arbeiter könnte dc: Sommerurlaub gewährt werden. Im übrigen haben wir Vertrauen zur Marineverwaltung, daß sie ordentlich wirtschaftet.

Vizeadmiral Capelle:

Tie besondere Berück-'ick'igung SiiddeiitschlandS verträgt sich eigentlich nickt mit dem Begriff der allgemeinen Submissionen, mit denen wir günstige Grf ah cungen gewacht haben. Beim Be­zug von Kleidungsstücken wird Süddeutschland sehr berücksichtigt. Tie Beschwerden über den Weinhandel mit Privaten haben sich als unzutreffend ertoieien.

Abfl. Hofs (iBp.V verweist au* die Notlage, in die tue Stadt Kiel durch die Ver­legung deS GeickwaderS nach Wilhelmshaven geraten ist und bringt Befckwerden von Fisckiern der Kieler Föhrde vor. Auf unsere Marine-Ingenieure können wir stolz sein. Sie leiden schwer unter der unverdienten Zurücksetzung gegenüber den See­offizieren.

Abfl. Vvflthcrr (Soz.) erklärt wie in der Kommission, daß die Sozialdemokraten die Strafgcwalt der Ingcnsturc oblebnen, da eine Zentralisation viel humaner sei. Tcr Redner bringt zur Sprache, daß die Vereinigung der Großbck d'.cr einen Unternehmer, der der Marine Offerte machte, aufforb. rt sj.» rurück'.uziehen ober die Preise auf die von der Vereinigung festgesetzten zu erhöhen. Er nennt das eine Ervresscrpolitik. Wie bat der Großhändlerverband die Offerte erfahren?

Abg. Dr, Strube (Vp.)k , Die Rede ErzbergerS sollte auf den Schiffen angeschlagen lueiben, damit dje Ingenieure wißen, wie er über sie denkt.

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Abfl. AHIlwrn ( führt Beschwerde über die Konkurrenz, die die Berka - ' n

brr Werft in Wilhelmshaven dem Mittelstand oereiien. ...an w,ll mit diesen »DohlfahrtSeinrichtungen? die Sozialdemokraten bclaiupfcn. machst aber Tausende nationalgesinnter Leute dadurch sozialdemokratisch.

Abg. Arzberger (Zenir.) stellt fest, daß auch die Volkspartei leine Ctrafgewalt fiir die Ingenieure haben will, daß also Dr. Struve mit seiner Meinung allein steht.

Tamit schließt die allgemeine Aussprache. Im einzelnen wünsckt Abg. Werner (Rfp.) für die Jnteudanturs.lretäre Galauniform.

Vize-Admiral bapclle

erklärt, daß dieser Dunsck nicht erfüllt werden könne.

Eine Resolution der Bud^etkommission. die di- Hebung der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Teckofsiziere fordert, wird angenommen.

Abg. Brandes (Soz.):

Tie Marincverlualtung sollte die Lieferungen nur an Firmen vergeben, die wenigstens die bescheidensten Forderungen der Ar­beiter erfüllen. Ter Redner kritisiert die Arb.-itSverhältinss- bei der Firma Krupp und auf der Cchichauwerft.

Staatssekretär v. Tirpitt

erklärt, daß er bei einem Besuch der Kruppschen Anlagen einen ganz anderen Eindruck empfangen habe als der Vorredner. ?luf der Schichauwerft hat sich die Leitung mit den Arbeitern ge­einigt.

Abg. Albrecht (Soz.) bemangest, daß die BekleiduugSärntcr ton Wilhelmshaven und Kiel ihre Arbeiten durch Heimarbeiterinnen ausführen lasten.

Vize-Admiral Kapelle weist darauf hin, daß dieses System geradezu eine Wohlfahrts- cinridjtung sei.

Abg. Dr. Struve (Vp.) bestätigt das.

Eine Resolution der Budgetkommission fordert, daß bei den Wahlen zur BetrisbSkrankeukasse und zu den ArbciterauSscküsten die Verhältniswahl eingeführt wird.

Auf Beschwerden deS Abg. Brandes (Soz.) über die Ar- beitSverhältniffc auf den Werften erwidert

Geheimer Admiralitäte-rat HarmS, daß dic Lohnpolitik der Verwaltung sich nach den Wünschen bc8 Reichstags richtet. Die Löhne sind in der Regel höher, al5 die der Vriv-ttindustrie am Orte. Eine Verlängerung des Urlaubs und die Bezahlung der Wochenfeiertage würde erhebliche Kosten fordern.

Der Marine-Etat wird genehmigt, ebenso nach unwesentlichen Erörterungen der Etat für Kiautschou.

Freitag 1 Uhr: Etat deS Reichskanzlers.

Schluß nach 8 Uhr.

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