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Die ^Gtetzener Lamilienblätter" werden dem „Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für Öen Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Leit- fragen" erscheinen monatlich zweunal.
Internationaler Psychologentongretz.
= Berlin, 16. April. In der Aula der Berliner Universität trat heute der ö. Kongreß für experimentelld Psychologie zusammen, der aus ganz Europa sehr gut besucht ist. Professor Stumpf (Berlin) hieß die Erschienenen willkommen, worauf die Vertreter der einzelnen Behörden und Gruppen sprachen.
An die Begrüßung schloß sich die erste fachwissenschaftliche Sitzung an, in der u. a. Prof. Sommer (Gießen) über „die Kausalitätsvorstellung und ihre (Störungen" sprach.
Mit dem Kongreß ist auch eine Ausstellung des Instituts für angewandte Psychologie, sowie eine Ausstellung von Apparaten zur experimentellen Pädagogik verbunden. Zum Unterschied von Trüheren Ausstellungen ist diesmal das Prinzip betont, die Apparate vollständig funktionsbereit auszustellen.
wandern und Reisen.
** V. H.--C. Bei recht guter Beteiligung (etwa 60 Personen) unternahm am Sonntag der Vogelsberger Höhen-Club, Zweigveretn Gießen seine erste Wanderung im neuen Vereinsjahr nach den südwestlichen Längen des Vogelsberges, wohl dem lieblichsten Teile unseres heimatlichen Gebirges. Von Lungen führte der Marsch in etwa 3 Stunden auf guten, von frischgrünen Lärchen umsäumten Wegen zur Mittagsrast nach dem malerisch in einer Talsenkung gelegenen Dörfchen Einartshausen, das mit seinen echt oberhessischen Fachwerkshäusern und dem Kirchlein mit seinem schiesen Turm einen recht schmucken Eindruck machte. In den prächtigen Waldungen, die man durchwanderte, boten ab und zu Lichtungen reizende Ausblicke in die Täler und Schluchten, sowie auf die nächsten Lohen, namentlich auf das hochgelegene, einer Wartburg ähnliche Storni sels. lieber einen Höhenrücken hinweg ging es sodann nach dem Lorlosftälchen, wo das am Fuße der Kirchenruine des eiw- gegangenen Tories Ruthardshausen gelegene Jägerhaus noch
Standplatz:
Vor dem Bahnhof.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: dl.
Redaktion: 112. Teü-Adr.: AnzeigerGteßen.
Mittwoch, \I. April 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
mals zu kurzer Rast einlud. Dem plätschernden Bächlein entlang wanderte man hieraus dem idyllischen Tale auswärts dem Endziele Laubach zu, wo man im „Schützenhos" Aufenthalt nahm. Lier begrüßte nun der rührige Vorsitzende des dortigen Zwcigvereins, Lberlehrcr Weißbart, die auswärtigen lilub- genossen in herzlicher, humorvoller Weise, woraus der Schrift? sührer der Gteßener bestens dankte und sein „Frisch auf" dem guten Einvernehmen der beiden Bruderverctne wtdmete. Bei guter Verpflegung, bei Scherz und Gesang verblieben die meisten Teil neunter bis zum Abendzug, der sic über SOiücfc der Leimat wieder zuführte.
----- Friedberg, 16. April. Ter Taunusklub „W etter a u" (Sektionen Friedberg und Bad-Nauheim- und Zweig verein F r ie d b c r g — B a d-N a u h e i m des B.L--E. gibt seinen Wan verplan für die Zeit vom 1. April 1912 vis 31. März 1913 heraus. Es werden darnach die folgenden Wanderungen ausgeführt: 21. April: Friedberg Abfahrt 8.03 vorm. nach Gettenau—Bingenheim, Marsch nach dem Forsthaus, Georgen teich, Wannkopf, Geiß-Nidda, Salzhausen, Nidda (Marschzcit 572 Stunden); 12. Mai: Friedberg Abiahrt 7.12 norm, nach Lungen, Marsch nach Nieder-Bessingcn, Meilbach, Albach, Annerod, Lohe Warte, Forsthaus Lochwart, Schissenberg, Gießen (Marsch- zeit 6 Stunden); 9. Juni: Friedberg Abfahrt 5.37 vorm. nach Hanau—Aschafsenburg—Laufach, Marsch nach Rothenbuch, Weibersbrunn, Mespelbmnn, Heimbuchental (Marschzeit 5»/2 Stunden); 30. Juni: Friedberg Abfahrt 7.12 vorm. nach Bad- Nauheim, Marsch nach Ziegenberg, Forsthaus Hubertus, Hesselberg, Butzbach (Marschzeit o\2 Stunden); 10. und 11. Augu st (Vogelsberg): Friedberg Absahrt 1.14 nachm. nach Laubach-Wald, Marsch über Petershainer Hos, Kölzenhain nach Ulrichstein (lieber- nachten), Marsch über Totenküppel bei Meiches, Windhausen, Kestrich, Groß-Felda Ermenrdo, Niedcr-Gemündcn (Marschzeit 31/2 und 6 Stunden); 1. September: Friedberg ab 8.03 vorm. über Nidda nach Ranstadt, Marsch über Selters nach Büdingen zum deutschen Touristentag (Marschzeit 31/2 Stunden); 13. Oktober: Friedberg Absahrt 7.12 vorm. nach Butzbach, Marsch nach Ebersgöns, Ober-Cleen, Vollnkirchen, Volpertshausen, Stoppel- berg, Wetzlar (Marschzeit 51/» Stunden); 10. November: Friedberg bezw. Bad-Nauheim Abmarsch über Winterstein, Kapersburg, Lochmühlc, Saalburg, Herzberg, Tornholzhausen nach Homburg v. d. H. (Marschzeit 6 Stunden); 8. Dezember: Friedberg Absahrt 8.58 Dorrn, nach Bad-Nauheim, Marsch über Steinfurth, Münzenberg, Kloster Arnsburg, nach Lich (Marschzeit 5 Stunden); 5. Januar: Friedberg Absahrt 7.50 vorm. nach Friedrichsdorf, Marsch über Saalburg, Feldberg, Homburg v. d. H. (Marschzeit 7 Stunden); 9. Februar: Friedberg Absahrt 8.03 vorm. nach Salzhausen, Marsch nach Glaubzahl, Ulsa, Storn- sels, Hungen (MarschAeit 5 Stunden); 2. März 1913: Friedberg Absahrt 7.50 vorm. nach Vilbel-Nord, Marsch nach Bergen, Wilhelmsbad, Hanau zum Gegenbesuch des dortigen V. H.-C,°« Zwcigvercins (Marschzeit 5 Stunden).
Dritter Blatt 162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheßen
STbg. Schirmer (Zentr.)t'
Eine allzu weit gehende Zentralisation kann keinen großen Nutzen bringen. Das bayerische Reservat darf nicht angetastet werden. Eine Resolution wie die Nationalliberalen über die Dienst» und Ruhezeiten hätten wir auch eingebracht, wollten aber diese Frage beim Etat des Reichskanzlers anschneiden. Der Redner spricht eingehend hierüber im Sinne des Abg. Schwabach.
Abg. Dr. Haas-Karlsruhe (Dp.):
. Trotz aller Beschwerden muß man saaen, daß, wenn wir daS Reichseisenbahnamt, nicht hatten, es geschaffen werden mußte. Trotzdem hat eS seine Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, daß die deutschen Eisenbahnen im Interesse deS allgemeinen Verkehrs verwaltet werden, in der Praxis nicht erfüllen können. ES müßte doch so sein, daß ein Konkurrenzkampf zwischen deutschen Eisenbahnen überhaupt nicht geführt werden darf. Jedenfalls muß das Reichseisenbabnamt gegen den einzelstaatlichen Geist Front machen. Allen Bestrebungen mif Vercinheitlichkeit stehen wir sympathisch gegenüber. Der E isenbalijLto<L<Le.nb-L-icha n d hat sich vortrefflich bewährt.
Mb. Deutscher Reichstag.
88. Sitzung. Dienstag, den 16. Apri
8m Tische des BundeSratS: Wackerzapp.
Präsident Dr. Kaemps eröffnet die Sitzung mit der Begrüßung der Abgeordneten zur ersten Sitzung nach den Osterferien und widmet den Toten deS englischen SchiffSunglückS Worte des Beileids:
Bevor ich in die Tagesordnung eintrete. glaube ich dem Schmerze darüber Ausdruck zu geben, daß ein großes SchiffSungluck Hunderte von Menschenleben, ja vielleicht mehr als tausend, verschlungen hat. Die „Titanic", die der eng- lischen Schiffahrtslinie White Star Line gehört, ist untergegan- gen und hat viele Menschenleben in seinem Schiffbruch mitgezogen. Wir sprechen unser schmerzlichstes Bedauern aus über das Unglück, das in erster Linie das englische Volk betroffen hat, in zweiter Linie alle die Nationen, die Angehörige bei dem Schiffbruch verloren haben; sind wir doch nicht sicher, daß nicht auch unser Volk unter diesem Unglück schwer zu leiden hat. Ich danke Ihnen für den Ausdruck Ihres Bedauerns und Ihres Schmerzes, den Sie dadurch bewiesen haben, daß Sie sich von Ihren Plätzen erhoben.
Der Etat für das Reichs« Effenbahnamf.
Abg. Ulrich (Soz.):
DaS Reichseisenbahnamt ist ein Amt ohne Amt. Diese Behörde kostet uns jährlich Hunderttausende, aber sie leistet nichts. Es fehlt ihr jede Initiative. Wir haben ja immer noch keine wirklichen Reichseisenbahnen. Wir befinden uns in einer großen Eiscnbahnmisere. Von einem nennenswerten Eingreifen des Amtes, ist aber nicht die Rede. ES hat völlig versagt, trotzdem marschiert der Reichseisenbahngedanke immer noch. Aber die preußischen Beamten haben kein yntereffe daran. Man holt für Preußen ganz unzulässige Vorteile heraus, indem man den großen Bruder Preußen einzeln den kleinen Staaten gegenüberstellt. Das Buch des Geheimrats Kirchhoff über die deutsche Eisenbahngemcinschaft will uns den Reichseisönbahn- gedanken verekeln. Aber selbst in Hessen fängt man jetzt an, den Eisenbahnvertrag mit Preußen für unglücklich zu halten. Hessen hat fast jeden Einfluß auf sein Eiienbahnwesen verloren. Die übrigen Kleinstaaten haben in dem hessischen Beispiel ein ganz dickes Haar gefunden. Jeder verkehrspolitische Einfluß geht an Preußen verloren. Wir Hessen sind cingeseift worden. Wir sollen barbiert werden, da merken wir, daß das Messer uns zu hart an die Kehle geht. Da schreien wir auf und bitten um ein bißchen Menschlichkeit! Wo bleibt da das Reichseisenbahnamt? Der Vertrag mit Preußen muß beseitigt werden. Sonst werden wir Hessen unsern chronischen Finanzdalles nicht los. Der Vertrag verstößt gegen die guten Sitten. Preußen betrachtet sich als Alleineigentumer der ganzen Eisenbahnanlagen und schließt in diesem Sinne alle Verträge. Wir verlangen nach wie vor die Uebernahme aller Eisenbahnen in Deutschland auf das Reich. Nur dieses kann eine allgemeine Tarifermäßigung bringen und die sverkehrSmisere beseitigen, im Interesse der Nation,
Abg. Schwabach (Natl.):
Singer hat sich im Gegensatz zu Herrn Ulrich entschieden gegen jede Verkümmerung des Reichseisenbahnamts ausgesprochen. Tie preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft steht mit diesem Etat nur in sehr losem Zusammenhang. (Sehr ndjtigl) Wie steht es mit einem internationalen Uebereinkommen über den Personen- und Gepäckverkehr, das der Präsident des Reichseisen. bahnamtS uns in Aussicht gestellt hat? Freilich, auch dabei darf eS nicht sein Bewenden haben: wünschenswert ist eine inter- nationale Zusammenfassung deS gesamten Verkehrs, einschließlich des Güterverkehrs; auch nach der materiellen Seite des Tarifwesens. In bezug auf die Erleichterung der Absertigungs- Vorschriften ist ein Entwurf den Interessenten übergeben worden, der in der Hauptsache mit den Zollplackereien aufräumt. Diese Erleichterungen sollten auch im internationalen Verkehr durchgeführt werden.
Der Redner äußert in diesen Richtungen im Interesse besonders der Exportindusirie verschiedene Wünsche, u. a. hinsichtlich der Verkürzung der Lieferfristen Verzicht auf die Nebengebühren. Sodann wird besonders dringend der angekündigte Gesetzentwurf über die Haftung für Eisenbahnfrachten vermißt. Heber die Frage der NeichSeisenbahngemeinschaft hat mein Frak- tionSgenosse Wetzel in früheren Jahren ja eingehend gesprochen. DaS Reichseisenbahnamt hat — ich betone das gegenüber den Korn- wetenzzweiseln — daS Aufsichtsrecht auch in dieser Beziehung, ein- (schließlich Bayerns. Der Redner begründet die Resolution der Nationalliberale n, die von den verbündeten Regie- Itungen eine Vorlage zur reichsgesetzlichen Regelung der Dien st. und Ruhezeit des deutscl'cn EisenbahnpersonalS verlangt. Auch für die Lokomotivführer ist es durchführbar, und im großen ganzen kommt es auf eine rein finanzielle Frage hinaus. Die Bereitstellung eines etwas größeren Personals wird aber finanziell vielleicht gerade eine Ersparnis bringen. Die Bedenken 'des Präsidenten des Reichseisenbahnamts gegen eine gesetzliche .Festlegung sind nicht begründet.
Gewiß, die Verwaltung muß einen gewissen Spielraum haben. Wer selbst im praktischen Eisenbahndienst gestanden hat und den Betriebsdienst kennt, weiß, daß nicht überall die gleichen Anforderungen gestellt werden können. Meine politischen Freunde be- dauern, daß die preußisch.hessische Gemeinschaft noch keine Schule gemacht hat; dadurch ist außerordentlich viel verloren gegangen. Ter Reichstag kann freilich nur das treibende Element sein; aber wir hoffen mit Exzellenz Kirchhoff, daß der Wille auch den Weg bringen wird, durch das Vorgehen der Einzel- staaten. Noch heute liegt die Möglichkeit einer 20proz. Umleitung bot, zum Nachteil des reisenden Publikums. In bezug auf die ßugleitung müßte der Einheitsgedanke unter den deutschen Staaten mehr zum Ausdruck kommen. Wir streben die B e. triebsmittelgemein schäft an, gestützt auf die Reichs- Verfassung; Bayern wird auf sein Reservat schließlich verzichten müssen. Möge es auch hier heißen: Preußen in Deutschland voran!
Ich bleibe bei der echtm Scotts Emulsion, denn mit dieser habe ich erreicht, was ich wollte, nämlich eine schnelle Kräftigung und Stärkung meines ^jährigen Sohnes Friedrich nach vorauSgegcmgener Krankheit, wählend eine zuerst angewendete, allerdings billigere Nachahmung Ihres Präparates keinen Erfolg herbeiführte. Mein Söhnchen hat
Scotts Emulsion sofort sehr gern genommen; dm Einfluß des Präparates tnrf den Appetit konnte man alsbald benterten, denn Friedrich zeigte viel mehr Lust zum Essm, sein Körpergewicht hat sich infolgedessen entsprechend vermehrt, auf seine Wangm ist die frische rosige Farbe zurückgekehrt, und er ist auf dem besten Wege, ein kräftiger Junge zu werdm. Auch schläft er nachts viel ruhiger.
(Bez.) Friedrich Schmidt, Wethenburg, Bay., Schrecken 153,11. Sept. 1910.
In der Wiebergenesungszeit ist es immer von Wichtigkeit, die Kraft des Körpers und dessen Ernährung durch stärkende Mittel zu fördern Zablloie Beifpiele, ähnlich dem obigen, haben bewiesen, daß Scotts Emuiswn hierzu eines der allergeeignetsten Mittel ist, die wir besttzen.
Scotts Emulsion wird von un8 ausschließlich im grohm verkauft, und zwar nie lose nach Bcwichl obtr Matz, sondern nur in versiegelten Original flaschen in Karton mu unserer Schutzmarke (Fischer mit dem Dorsch). Scott & Bowne, ®. m. 6. 6., Franlsurt a. M. „
Bestandteile; Feinster Medizinal-Lebertran 160,0, Prima Glyzerin 60/), unter- pbosphorigsaurei Malt 4,3, unlerphocvdoriglaures Natron 2,0, pulv. Xragani SP, feinster arab. Gummi Pulv. 2,0, Wasser lit-.o, Alkohol HA Hierzu aromatische Emulsion mit Zimt-, Mandel- und Gcmltherraöl jt 2 Trapsen.
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auf diesem Wege sollte fortgeschritten werden. Für den Verkehr genügen zwei Klassen. Reichseisenbahnen über das ganze Reich werden wir nicht mehr bekommen können, dagegen ließe sich eine ReichSeisenbahngemeinschaft durchführen. Der Redner verlangt ein Einschreiten deS ReichseisenbahnamteS hinsichtlich der bei verschiedenen Eisenbahnverwaltungen bestehenden Be- ftimmungen über die Arbeitszeit, Ruhetage, Erholungsurlaub usw.
Präsident des Reichseifenbahnamts Wackerzapp:
Es ist zuzugeben, daß das Amt nicht die Bedeutung erlangt hat, die man von ihm ursprünglich erwartet hat. Daran ist der geringe Personalbestand deS Amtes schuld. Trotzdem ist die Tätigkeit des Amtes doch erheblich umfangreicher, als nach außen hin in Erscheinung tritt.
So ist es auch mit seiner Tätigkeit in dem sogenannten internationalen Verkehr, den gemeinsamen Betriebseinrichtungen, die daS Reichseifenbahnan-t geschaffen hat, sie treten nach außen wenig in Erscheinung. Seine Anregungen und Aufgaben werden schließlich nur bekannt durch die ausführenden Erlasse der einzel- staatlichen Verwaltungen. Dazu gehören u. a. die gemeinsame Verwaltungs- und Betriebsordnungen, die Bestimmungen über Ruhezeiten. Sie beruhen auch auf Vorarbeiten, die das Reichs« eisenbahnamt ausgeführt hat. Dank ihnen ist das wichtigste Ziel, eine gewisse Einheitlichkeit in den meisten deutschen Staaten erzielt worden. Es ist aber auch nicht zu vergessen, daß wir neben den Staatsbahnen noch mehr als 90 P r i v a t b a h n e n mit über 4000 Kilometer Streckenlänge in Deutschland haben, von den Kleinbahnen ganz abgesehen.
Die Entwicklung des Eisenbahnwesens machte eine Fortbildung des Eisenbahndienstes und unausgesetzte Acnderungen der Eisenbahnordnungen nötig. Eine volle Betriebsgemeinschaft wäre gewiß wünschenswert. Es stehen ihr heute aber außer anderen, nicht bloß verfassungsrechtliche Bedenken, sondern auch die Entwicklung entgegen. Ter preußisch-hessische Eisenbahnvertrag hat sich für Heyen durchaus nicht nachteilig erwiesen. Der Vorwurf der Illoyalität, der gegen Preußen erhoben wurde, ist geradezu haltlos. Hinsichtlich der Zollgepäckabfertigung ist in Bern ein vorläufiges Uebereinkommen geschaffen worden. Die betreffenden Vorichristen werden auf einzelnen Stationen schon gehandhabt, werd" itC bewähren, würden sie allgemein in Kraft gesetzt
Die Frage einer Verkürzung der Lieferungsfrist ist geprüft und verneint worden. (Hört! Hört!) Eine Ermäßigung der Nebengebühren wird erwogen. Ein Entwurf über d i e Ha f- t u n g d e r Eisenbahnen liegt den Bundesregierungen vor. Die Ruhezeit und Dienstzeit der Beamten und Arbeiter bedarf keiner reichsgesetzlichen Regelung. Ein reichsgesetzliches Vorgehen in dieser Beziehung liegt weder int Interesse der Betriebssicher- heit, noch der Beamten. . Ich habe schon im vorigen Jahre nach- gewiesen, daß es unrichtig ist, daß die Leute überanstrengt sind, und daß die Betriebssicherheit dadurch gefährdet ist. Es liegt leine Belastung vor. Nun weist man auf Petitionen und Aeuße- rungen der Beamten hin. Solche Erklärungen der Beamten sind mit Vorsicht aufzunehmen, weil sie einseitig sind. Von einer Ueberburbung ist keine Rede.
Tie gesundheitlichen Verhältnisse des Perso. nal§ sinb durchaus normal. Turch eine Verkürzung der Dienst- bauer würbe keine Besserung erzielt werben. Eine gesetzliche Regelung wäre durchaus nicht zweckmäßig. In der Schweiz ist man nut der gesetzlichen Regelung gar nicht zufrieden. Man verlangte dort nicht nur eine mildere Handhabung des Gesetzes, sondern auch die Zulassung kleiner Ueberschreitungen. Wenn die Schweiz die gesetzliche Regelung nicht hätte, so würde sie sie nicht ' mehr einfuhren. Die Zahl der Betriebsunfälle ist seitdem in der Schweiz gestiegen, auf_ den deutschen Bahnen sind sie aber zurückgegangen. (Hört! Hört!) Härten bei den Vorschriften werden geprüft und beseitigt. Es sind im Frühjahr jetzt Erleichterungen zugunsten des Personals getroffen worden. Wenn die Arbeitszeit der Beamten nur um eine Stunde täglich verkürzt würde, so würde das jährlich 45 Millionen Kosten verursachen.
Men Bestrebuiigen auf Förderung des EinheitS- gedankens bringen wir lebhaftes Interesse entgegen. Aber es darf nicht außer acht gelassen werden, baß es eine weitgehende Einheitlichkeit im deutschen Eisenbahnwesen bereits gibt. Gewiß gibt es noch wichtige Gebiete die noch nicht einheitlich sinb. Aber es hanbelt sich dabei meist nicht um allgemeine Verkehrsinteressen, sondern um wirtschaftliche Sondervorteile. Tie Frage bei der Vereinheitlichung des Eisenbahnwesens ist immer: Welche Hoheits- rechte sollen die einzelnen Bundesstaaten aufgeben, die ihnen durch die R.'ichsverfassung gewährleistet worden sind? Tie Lösung ter Frage durch ein Eisenbahnparlament, ein Gedanke, der auf Bismarck zurückgeht, ist augenblicklich absolut unmöglich und bei der Stimmung in den Bundesstaaten undurchführbar. Von der Annahme der Resolution ist ein praktischer Erfolg nicht zu erhoffen.
Abg. Dr. Will Schlcttstadt (Elsässer):
Die Dienstzeiten bei den Eisenbahnen sind vielfach viel zu lang. Tas Personal, besonders die Lokomotivführer, werden infolgedessen zu schnell verbraucht. Bei den Ueberschüssen, die die Eisenbahnen erzielen, könnten sie mehr für ihre Leute tun.
Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.):
Die Bestimmung daß höhere Beamte den Lokomotivführer praktisch bei feiner Arbeit beaufsichtigen können, wie das bei Hofzügen der Fall ist, kann, ohne der Sache zu schaden, aufgehoben werden. Tie Erwägungen über eine reichsgesetzliche Regelung der Arbeitszeit wird hoffentlich bald abgeschlossen; die bisherige Regelung ist nicht sehr gängig für das Personal. Eine Elektrisierung der Staatsbahnen darf nur erfolgen, wenn die Interessen der Landesverteidigung nicht barunter leiben. Bei elektrischen Staatsbetrieben würde man wohl verlangen, baß auch b i e Elektrizitäisarbeiter — wie bie Eisenbahnarbeiter — auf ihr Koalitionsrecht verzichten. Diese Frage muß erst geklärt werden, ehe man zum elektrischen Betrieb übergeht. Wie stellt sich bie Verwaltung dazu?
DaS HauS vertagt sich.
Weiterberatung: Mittwoch 1 Uhr, nachher Justizetat.
Schluß 6% Uhr,


