Ausgabe 
14.5.1912 Drittes Blatt
 
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Dienstag, 14. Mai 1912

192. Jahrgang

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Christliches Walü: an der dicken Lii bei Bubenrod nachmittag* 3 U

Verschiedene Auspr Gesang- u. Posaune Jedermann ist freu einseladen.

Rodheim a. d. Bieber.

L A.: Vömel, Pfam

ich ebensowenig in mc-ncin seine Ehre nicht zu wahren der das OffizierkorpS dcS seiner Ehrcnauffassung von ES ist auch der Grundsatz.

Nr 113

Erschein» tiflltd) mtl Ausnahme de- Sonntag»

Am Himmklsobmti Tour nach bd

Francnbcrz.

Abiahrl 5» Uhr uorL nnd) 5reis a. b. Vbo Jindjjügler Xrcnpnnt- mittags in ülarbuni.

fiotaftongbnid und Verla- »ei «rllhl'lcher Unu>crfität4 Buch« und Sietnbrudctet Ä. 8 eng«. Dieben.

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Redaktien. Sxpedttton und Trutfcrer 6rtm,e fnafee 7. ExpedtNon und vertag. Rebaktion:e^S HL reU-^dr. Anje»ger»L-.ebe.r.

rahr«i2 sik *- LZ! in, Schar davlaS *

Einen Offizier, der imstande ist, btc frevelhafter Hand zu verletzen, werde Heere dulden wie einen Offizier, der iveiß". TaS iit die Grundlage, auf deutschen Heeres und der Marine in jeder stand und auch heute noch steht.

daß jeder mit seiner ganzen Person für seine Ehre emzustchcn bal. Tiefe jefarf ausgeprägte Ehrenauifassung des deutschen Lsfizicrs kann daö stellt niemand in Abrede zu schweren ethischen AionHiften sichren. Andererseits ist sic die Voraussetzung für die hoben Leistungen, die vom deutsche»» Offizier im Kriege alS Führer der wehrhaften Bevölkerung crivartet werden müssen.

Abg. Graf Westarp (Kons.):

NamenS meiner Freunde habe ich d i e E r k l ä r u n g a b- z u g c b c n , bah auch nach unserer Ansicht der Zwcikampi g e g e n das göttliche und menschliche Geictz v e r »t o ß t, und daß deshalb seine Beseitigung nach Möglichkeit zu erstreben ist. Beim Ergreifen der erforderlichen Maßnahmen ist zu berück« sichtigen, daß tatsächlich Fälle Vorkommen, in denen der einzelne L'fizicr in einem schweren Konflikt der Pflichten für feine Lor« mit feinem Leben eintrelcn zu müssen glaubt, Ter Reiolution zu 1> können wir nicht zustimmen, denn stc schafft stratrcchtlichc AuSnabmebestimmui'.flcii für Off-ziere und fuhrt Edrenilraten ein. während stc die Grünte gekränkter Ehre nicht genügend bc« rücksicistig» Tic .Resolution zu a stcbl wohl auf der Grundlage der Allcrböchstci» ziabincttSordcr von 18f»7 Wir können ihr aber aus grundsä".lichen »5rwagungcn nicht zustimmen, da unic'.eS Er, achtens lediglich der Kaiser als oberster Kriegsherr, der er auch bleiben soll, die erforderlichen Maßnahmen auSzufuhrcn hat. (Beifall rechts.)

Kriegsminister v. Heeringeu:

habe ich. nachgcivicsen.

ans-

Bieber- sie» unS oder um Turner-

Auch wir erkennen das Duell als ein dasselbe. (Lebhafte Zurufe links.)

In der Budgetkoinmission

Der Aba. Lcdebour hat den Träger der obersten Kommando- gcwalt und die königlichen Prinzen in einer Form mit der Tuen« frage in Verbindung zu bringen gewußt, die schon der Präsident geriigt hat. ^ch kann aber auch ineinerscitS nicht unterlasten, eine derartige Hereinziehung dcS allerhöchsten Kriegs­herrn aufs f ch ä r f st e z u r ü ck z u w e i s e n. (Beifall rechts Unruhe bei den Soz.; Zuruf: TaS ist Sackte deS Präsidenten.) Tie ehren,» r iliche Verordnung von 1874 sagt in ihrem Anfang, daß für die gesamten Tssizicrc deS HcereS die Ehre das höchste Kleinod bleiben muß. und am Schluß heißt cs: ' Ehre eines Kameraden mit

£lf ..E,eßener L«»lllendtäNer" werden dem .Sinjtiger* oiermal wöchentlich beigelegl, bal ..KTttsblat» für den Kreis Eießen" zweimal wöchentlich. Die ..randwlrtschaMtchen 8tU» tragen" erscheinen monatlich jroetmaL

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Edi"ge"'< Porst-L

man hier gewaltsam ändern, so wurde OffizierkorpS den heftigsten

gen ausseh en. Ein jolchcr Eingriff wurde auch sür den ollcrhöck'sten Kriegsherrn unmöglich sein Auch mcht durch Aenderung der Gesetzgebung kann hier eine Aenderung Grimassen werden, dadurch würden die herrschenden Gegen,atze nur , noch verschärft werden. (Zuruf: Aber in England ist es doch möglich

(Sehr richtig! recht?.)

Ich habe in der Kominission darauf hingcwiesen. daß die' OffizierkorpS aller großen Armeen Europas mit allgemeiner Wehrpflicht aus derselben grundsätzlichen An­schauung stehen. Wenn auch Vergleiche zwischen zwei Armeen gewiß niemals ganz zutreffend sind, weil sie in ihrer Entwicklung und in den Eigentümlichkeiten ihrer Völker ganz verschieden sind so muß doch diese U. beceinstimmung einem objektiven Urteil zu denken geben. Jedenfalls ist der Vorwurf, daß das deutsche Offizierkorps mit seiner Grundauffassung eine vereinzelte Ausnahme bildet oder an -»Anschauungen festhält, di- nicht' in weiteren größeren Armeen leben, hinfällig.

Dazu kommt noch, daß daS ganze nicht jm wesentlichen eine Offiziersfrage ist, sondern daß weite Kreise der Bevölkerung auf derselben Grundlage stehen. Wer das ergründen will, darf dabei nicht in erster Linie mit theoretischen oder ]uru stjschen Gründen operieren. Tie Stellung zum Duell ist eine Gefühls fache allerpersönlich st er Art. Gewiß ist cs richtig, daß die Ehre, die ich im Herzen trage, mir niemand rauben kann. Aber man kann niemanden inS Herz sehen, und so edle Motive auch für eine Ablehnung eines Duells vorliegen mögen, äußerlich sichtbar sind sic nicht. (Sebr richtig! rechts. Widerspruch links.) Wer sich über diese äußerlichen Tinge im Bewußtfeni seines inneren Wertes hinwcgsctzt, läuft Gefahr, einer gewißen Nichtachtung, wenn auch nicht in greifbarer Form, zu begegnen. Tas trifft besonder? auf Offiziere zu. Wir nehmen keine beson. terc Ehre für uns in Anspruch. Tie Ehre deS Offiziers ist die« selbe wie die jedes Gentlemans. Aber wir sind schärfer gegen uns selbst. Tic Bchauptung, daß die Stellung deö Offiziers eine Art Ucberbebung gegenüber anderen Ständen wäre, ist gründ, falsch. Wenn wir ebenso wie die Acrzte, Kaufleute oder Richter von einer besonderen Standesehre sprechen, so meinen wir damit die unbedingte Pflicht, unsere besondere BerusSpflicht zu erfüllen. Beim Offizier kommt auch wesentlich in Betracht, daß eS sich bet Bewertung seiner Person nicht um ihn allein handelt, fondcrn bei der innigen Gemeinschaft des OffizierkorpS stets um den ganzen Stand. (Sehr richtig! rechts.) .

Ferner bedeutet für den Offizier, von dem man seinem Beruf cntsvrechend erwarten kann, daß er bereit ist, jederzeit sein Leben einzusetzen, schon der leiseste Hauch der Unentschlossenheit den moralischen Tod nicht nur in den Augen seiner Kameraden, sondern auch seiner Untergebenen (Sehr richtig! rechts. Unruhe links und im Zentrum). Es ist durchaus unrichtig, daß der Offizier sich über Recht und Gesetz leicht hinwegsetzt. Er unterwirft sich vielmehr dem Gesetz, woblwistend, daß in dem Gcwistenskonflikt. in dem er sich befindet, nicht im mindesten unser Gesetzgeber daran schuld hat. der das Duell verbietet. Leben und Vermögen schützt, aber was ihm höher ftekst, die persönliche Ehre nicht in ausreichendem Maße schützen kann. (Hört! Hört! im Zentrum und links.) Wenn behauptet wird, daß die jetzt in der deutschen Armee herrschende Ansicht religiösen Offizieren daS Verweilen in derselben unmöglich macht, so trifft das nicht zu. In einer idealen christlichen Welt wird selbstverständlich kein Duell möglich sein. Aber wir leben nickt in einer idealen Welt. Wir fragen den Eintretenden nickt nach seiner Gesinnung, sondern vertrauen, daß er in der einen oder anderen Weise dafür sorgen wird, daß feine Ehre nicht zu Schaden kommt. An die weitaus größte Zahl der Offiziere wird die Frage eines Tuclls auck nicht berantreten. DieS wird bei einem Mann von ge- sestigter religiöser Auffassung viel weniger der Fall fein. Er wird es verstehen, nickt nur feine eigene Ehre hochzuhalten, fon« dcrn auch die Ehre anderer.

Tritt aber ohne Verschulden die Frage eines Zweikampfes unabweisbar an ihn herein, muß er sich in den schärfsten Wider- wruch zu den Grundanfckauungen feiner Standesgenosten setzen, so kann er als Ehrenmann und in Friedenaus u n seren Reiben ziehen. (Unruhe links.) Tas ist einer der schärfsten Konflikte, die in der Tuellsrage heute roch bestehen. Sw sind trotz des Falles Sambcth eine sehr große Seltenheit. (Widerspruck links.) Ick stelle nickt in Abrede, daß eine solche Erledigung von den Betroffenen als eine besondere Härte empfunden wird. Ein festes, einheitliches, in inniger Kamerad­schaftlichkeit lebendes OffizierkorpS wie da? deutsche, ist nickt zu denken, wenn zwei ganz verschiedene Grundansckauungen über die Bedeutung des Ebrenbegriffs herrschen. Ick kann ober nicht anerkennen, daß innerhalb des deutschen Offizicrkorp:- gegen­wärtig zwei verschiedene Anschauungen vorhanden sind. Wollte

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für ©berufen

Gröber bestätigt hat. diesem Wcgc wesentliche .... haben in dcr Einschränkung kampfeS. Tie Resolution dcr Budgctkommission knüpft hicran an. Dcr Abg. Gröber Hot in der Kommission wie auch heute hier im Plenum ihren Sinn so aufgefaßt, daß darin fein Ein­griff in die Kommandogcwalt liegt. Ich meine, die Resolution gibt lediglich Anregungen, in welcher Weise die Absichten der Allcrböä'stcn KabincttSorder von 1S97 noch bester durchgeführt werden können. Ich bin bereit, dafür einzutreten, daß diese An- regungen geprüft werden, und ich bin auch bereit, für eine solck)e Durchführung der Allerhöchsten Order einzutreten, wenn sich herausstellen sollte, daß sie an einzelnen Stellen noch keine ge- nügcndc Beachtung gesunden habe. Das h o ch g e i p a n n t e Ehrgefühl d c s OffizierkorpS (Lachen bei d Soz., Pfuirufe rechts) hat das deutsckie OffizierkorpS befähigt, daS deutsche Volk durch die großen Kriege dcS vorigen Jahrhundert» hindurchzubringen. (Lachen b. d. Soz.) Wer barm» gewaltsam rüttelt, zerbricht unter Umständen mehr, alS für das Wohl des Vaterlandes dienlich ist. (Beifall rechts.)

Donnerstag, 6;l Großnrch Liial

NlU^SrLL S lnahine irdl. cl

1 Ter ©ort«

Abg. Schiffer (Natl.):

Grundsätzlich sind wir alle einig. Ich bedauere aber die Resignation deS Kriegsministers und der Kon­servativen; schließlich müssen wir doch mehr auf Taten, alS auf Worte geben. (Sehr richtig!) Wir verlangen ein Vorgehen, das den energischen Willen zum Ausdruck bringt, die Hindernisse zu überwinden. Freilich hat daS Duellproblcm zwei Seiten, ver- schieden in ihrer Bedeutung, Tragweite und Schwicrigteu, neben der Behandlung dcr Duellanten die der Nichtduellantcn, und diese ist weit wichtiger, aber auch schwieriger. Bei der Behand­lung dcr Duellanten steht die Staatshoheit in Konflikt mit Traditionen, Anschauungen, Gewohnheiten. Indes diese AuS- einandcrsetzung zwischen Staats- und Rechtshoheit finden wir auch bei anderen Gelegenheiten.

Was ober die Behandlung der Nichtduellanten zu einem so eigenartigen und bedauerlichen Problem macht, daö ist, daß hier die Staatshoheit mit sich selbst in Konflikt konzmt, mit der Rechtshohcit in Gestalt der Kommandogewalt, daß die Kommandogewalt einen starken Druck, wenn nicht gat einen Zwang ausübt, daS, was das Recht verboten hat, zu^tun. DaS ist um so unerträglicher, als es eben ein und dieselbe Stelle ist, der Träger der Kr one, der in sich selbst diesen Konflikt zum Ausdruck zu bringen hat. Das rührt am letzten Ende an die Grundlagen des Rechtsstaates, in unserem Volke, das sehr emp­findlich ist in allen Fragen der Gerechtigkeit, rührt aber im Grunde auch an die Stellung b e S Monarchen selbst, der seine Autorität nut aufrecht erhalten kann durch eine reine, klare und zweifelsfreie Handhabung aller der Gewalten, die nun einmal in seiner Hand liegen. (Lebhafte Zustimmung links und im Zentr.) In diesem Widerspruch höchster Mächte, die in einer Hand liegen, liegt ein Zug von innerer Un« Wahrhaftigkeit (Sehr wahrl), wodurch unser öffentliches Leben vergiftet wirb.

Auch darin liegt die innere Unwahrhastigkeit, daß zahlreiche treffliche Männer in Ofsizierstellcn sind, die grundsätzlick daS Duell ablchnen, ganz abgesehen von Angehörigen der katholischen Kirche. Ter Kriegsminister sagt ja, daß an sie beim Eintritt in den Offizierstand gar nicht die Frage gerichtet wirb; heiß» das nicht: Die Augen zumachen vor den Tatsachen? (Sehr richtig!) Heißt daö nicht anerkennen, baß hier ein ge­sundes, richtiges, klares Verhältnis auck von den Gesichtspunkten aus, bie das Militär selbst aufstellt, nickt vorhanben ist? Mit diesem Zwiespalt muß aufgeräumt werben. ES handelt sich nicht mehr um bas Ob, sondern um daS Wie. Die Art und Weise, wie Herr ßebebour bie Person u e 6 Kaisers hereingczogen hat, ist ein wenig taugliches Mittel, irgenbroie praktisch voranzukommen. ?Sehr richtig!) Denig ge­eignet, den andern Faktor unfern Anschauungen willfährig zu machen, aber auch, weil cS unfern Empfindungen widerspricht, baß hier persönliche Motive für bie Stellung des Kaisers an- geführt werden, die sicherlich bei ihm niemals maßgebend gewesen sind. Aber ebenso wenig ist die Stellung deS Grafen Westarp zu billigen. Warum sollen wir nickt auch boS. woS wir denken, ruhig und ehrlich zum Ausdruck bringen? (Sebr richtig! links und im Zentr.) Damit erfüllen wir nicht nur unsere Pflicht unS. sondern auck dem Kaiser gegenüber. (Sehr richtig!) Bei einer anderen Gelegenheit war bie konservative Partei keineswegs so schücktern, als sie dem Monarchen gegenüber baS sagte, waS sie auf dem Herzen Hatte. (Sehr richtig! links.)

Ter Zwiespalt ist so stark, baß es auch in unseren Reihen nicht an Stimmen gefehlt hat, die verlangten, baß man unmittelbar bem Problem zu leibe gehe, unmittelbar eine Beseitigung besten, was jetzt im Gegensatz zum Recht burefj bie Militörgewalr und bie Kommandogewalt ausgeübt, forbern soll. (Hörll Hört!) Aber bie»er Weg bat nicht sehr viel Aussicht auf praktische Erfolge unb bat auch erhebliche innere Bedenken. Mik Lachen über bie inneren Momente im Offizierkorps f inmcgsi: geben, ist nicht nur wohlfeil, sondern auck c:n vollständig Minbe? V er kennen der Tatsachen, ^m Offizierkorps gilt als ein sehr

gewesen l) . »

«T'icic Anschauungen bestehen in unterem Off'.zicrkorps W»i feit über 100 Jahren. Eine solche Aendcrung enthalt aocr die in dcr Budgctkommission mitadcilte Resolution der !Bo!.3partci Tie dort verlangte Strafe gehört überhaupt nicht in dgS Mtlrtar- strasgcsetzbuck. Der § 112 dieses Gesetzbuches beschäftigt sich lediglich mit der HcrauSforderung der Vorgesehtcu auS dienst- !id?cn Gründen. Im »ihrigen untersteht der Cffmcr lediglich bem Jtei'-Mitiafgcicfcbucb. Das Rcichsslrafgcsctzbuck schert sämtliche Zweikampfe über einen Kamm. Eine solche gesetzliche Bcit'mmung würde sich dann lediglich als eine So n berge, etzgcbu n g gegen b c n Offizier darstellen, unb ich meine, gerade für diejenigen Herren, bie die Sonderstellung der Offiziere immer bekämpfen, müßte ein folckcr Weg ungangbar sein, »-sehr richtig! rechts. > Die Armee würde ein solches Vorgehen als eine ganz be­sondere Härte empfinden, zumal mit dcr Entlastung des Offiziers auch dcr Verlust der PensionSanfprücke verbunden ist. Rock l'dxkfer würde eine (old* Entlastung wirken, wenn sic als Ehrenstrafe angesehen würde. Man darf nickt die lrestehenden Verhältnisse unb bie praktischen Bedürfnisse außer acht glasten.

Hebel an, auch wir bekämpfen

Mb. Deutscher Reichstag.

61. Sitzung, Montag, den 18. Mai.

Am Tische dcS BundeSratS: v. Hceringen.

Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1% Uhr.

Die Duelirefoiufionen.

Tic beim Kapitel «Bekleidungsämter am Sonnabend ab­gebrochene Beratung dcs M i l i t ä r c t a t S wird heute zunaewt fortgesetzt mit der Benotung dcr Resolutionen üb C£ das Duellwcsen. Tie Budgctkommission hat die von den «ozial- bemofraten beantragte Resolution abgclehnt unb eine auS den Anträgen beS Zentrums unb der V o l k S p a r te» ko m - dinierte Resolution zum Beschluß erhoben. Lic lautet:

a) den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, al&alb Schritte zu tun, bie geeignet sind, die Zweikämpfe zu beseligen, ins- besondere dem Zwange zur Herausforderung zum Zwei kämpfe und zur Annahme eines solchen ent- gegenzurreten; . , ..

vor allem aber schleunigst zu veranlassen, daß die Sc- ftimmungen der Ordre vom 1. Ja n n a r 1 8 9 . über die Einschränkung unb Vermcibung der Zwctkamvie überall und in allen Teilen zur strengsten Durchführung gelangen, unb daß namentlich ..

Personen von ehrloser Gesinnung für einen Ehrenhandel unter allen Umständen auSsckeidcn

gegen die Beleidiger schleunigst und scharf borge­gangen wird, ,

Ehrenhändel erst nach erfolgtem ehrengerichtlichen verfahren zum AuStrage gebrockt werden.

die Ablehnung eines Zweikampfes aus r e l, g t o c n oder sittl-ck gerechtfertigten Bedenken eben- sowenig wie Streitigkeiten dienstlicher oder pribotgeschäftlicker Natur zum Gegenstand eine- ehrengerichtlichen Verfahrens gemacht werden.

(Soweit war c3 die Resolution deS Zentrums; daS folgende Ist der der Dolkspartci entnommene.)

b) dcn Herrn Reichskanzler zu ersuckcn, die erforderlichen Schritte zu tun, um dem gesetzwidrigen DiieNwe,cn im £*c<.r dadurch ein Ende zu machen, daß eine He n b e 5un« Je® Militär st rasgcsehh u cheS in bem einnc tobet geführt wird, daß bei der Bestrafung bcS Iweikampfes unb der Her­ausforderung zum Zweikampfe auf d'e Nebenfftrafe der Entlassung auS dem Heere zu erkennen ist.

Abg. Lcdebour (Soz.):

Nach bem E n t r ü st u n g 8 st u r in, der beim Zentrum seinerzeit losgebrochen war, hofften wir, daß cv auch 'n der Kom Mission tandbalten würde. Aber wenn cB im Plenum toic bw Sronbuna des Meeres tobte, so hörte man tn bet Stommiiuon E dos Gesäusel eines sanften Windes. DerKriegsministcr is. von seinem Standpunkt nicht um Haaresbreite ön/n^ewichen Wer das Duell anerkennt, handelt gegen daS Stra gefehbuck.steht auf einer sehr niedrigen Stufe der Moral. Aus o e r a m c t miebhalten Stufe der Moral steht aber unbebingt, w<w für sich fctbft und für feine Familie das Duell ablecinen^wurb

«Ta Inhaber der Kommanbogcwalt zum ^L.ucu zwingt (Präsident Dr Kaemps erfud)t ben Ncdiwr. dw Person des Inhabers dcr Kommandogcwalt au 8 der Debatte z lassen.). Würde einmal em Prinz niedergeknallt, so käme sehr hnfb auB Sanssouci eine Kabine^tsorder, die daS Duell verbietet.

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Ä ) _ ®et StieRSminifter, dcr ja jchl w,°dcr h,°r » unb können ^a« ist gerade unerhört. ES ist höchste Zeit, baß die Art an denUstbaum des D u e l l 8 gelegt wird, und daß man alei6acilia bie 6anäc SBereibigunnSjtrafgefebgebun« ba^.n äStett nut bi- iüctleumbung unb bet lail.chc SInflt.fr strafbar bleiben.

Abg. Gröber (Zentr.):

Will man wirklich einen Erfolg erreichen, so darf man Nicht so vorgehen wie Herr Ledclwur unb nicht gegen eine Partei pole mificrcn, fonbern möglichst e'nmutig den ^en. ES gil ,

bie 8-otberungen von Recht. Gesetz und Vernunf d'irchzusehen unb den falschen Ehrbegriff rm DN'z'erstanb zu beseitigen unb in dcn Volkskreisen, bte ihm nachaf sen. (-e fall.) Gelingt cS, beim OffizierkorpS m .b,c,cr.

Achtung vor dem Strafgesetz durckzusetzen, dann werden auch die akademischen Kreise usw. folgen. Wenn men untet ^r Augen mit Offizieren spricht, bekommt man zum Teil reckt vernünftige Ansicktcn über die Torheit deS ganze "Duell-wa n g e S Die Offiziere sind dazu da, ihr Leben für baS daterland emzu »'eben aber nicht für persönliche Streitigkeiten. (Sehr richtig!) Der '.K r i c g 8 m i n i st e r bat in der Dubgetkommiffioii eine Erklärung abgegeben, die von bockster Bedeutung ist und dw ich den Präsidenten bitte, bem Protokoll ber öffentlichen Rcickv- tagssitzung cinzuverleiben. Der Redner berheft ftc u. a. h t der KriegSminffter da erklärt: ..Trotzdem sehe Mick ich den ^we" kampf als ein liebel an unb werde mit allen Mitteln für leine Bescitiaung eintreten, wie cs meine Pflicht als Krieg.m,nister n Ihn mit Gewalt zu beseitigen, ist aber ^nicht möglich, die Aller- höchste Order von 1897 weist ben Weg.

$Ber Redner verweist auf England, wo _ba8 SDueQ ganz aus der Armee versckwunden ist. Die ,rrage muy kuh. und ruhig behandelt werden. Der Entriistungssturm hier im Hause war der Ausdruck der ersten Empörung. Wenn man aber ^n ge etz.' gebetiich vorgehen will, dann kann man nickt nut Sntnntung und Empörung kommen, bann soll man nickt a u f 4_t Mh platten und Pultdcckel Ios,ckl°gcn w.e mancke Redner. (Heiterkeit.) Die Resolution bedeutet keine..-wegS eine Anerkennung des Tuen5. Personen von etooicr Gennnung muffen ohne weiteres aussckciden. 6« darf {<Jn- bciroacnc Ehegatte sich zur Reparierung icincr t-bre d e m L be brechet als Scheibe hinstcllt. (Sehr richtig! 'M 8-ntr.) ^ietzt werden in aehäniger Weise mit der größten ^o-dcit und Raffiniertheit gerade Personen beleidigt, von denen 've'b. daß sie aus religiöser und sittlicher Ueberzeugung das zueü a^ lehnen. Das n? aufhören. Dem Duell wurde- ein,'<bncllcs Ende bereitet werden wenn der datier endl.ck da--- von ^cr großen Mehrheit deS Volkes erwünschte Verbot auSiprechen wur.c. (Lebh. Bcisall.)

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Voranzeige.

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