162. Zahrgang
Zweites Blatt
Nr. 240
Erscheint »glich mit Ausnahme deS Sonntags.
Der Bunö der Landwirte zu den Teuerung?-
erforderlichen 20 000 Schwingungen in der Minute zu er*
warcnzcichenrechtlikhcn fragen, die bei der Stellungnahme zu dem wobt bald zur Beröffentlichung gelditgcnbcn Entwürfe eine» naicn Warcnzcid>cn^efctzcs zu lösen sein würden und erbat für den .Verband die Ermächtigung zur Einberufung einer imucr* ordentlichen Versanrmlung, sobald der Entwurf bekannt gegeben
vom deutschen Tabakverein.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Ten Versammlungen der Tabak-Berufsgenosscnschast und des Deutschen TabakvcrcinS, die hier stattgefunden haben, wurde in den beteiligten Kreisen diesmal mit besonderem Interesse entgegen gesehen, weil in der Leitung beider Körperschaften ein Wechsel
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* straße 7. Expedition und Verlag: e^ä)51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGieben.
Die „Lietzener Zamiliendlätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Leit' fra-en" erscheinen monatlich zwelmal.
Zreitag, H. Gttoder 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
— Von den Königlichen Museen in Berlin. Der Generaldirektor der Könialichen Museen in Berlin Wirklicher Geheimer Rai Tr. Bode ist auf seinen Wunsch vom 1. Oktober d. I. ab von der Stellung als Erster Di- rekior der Gemäldegalerie und der Sammlung christlicher Skulpturen entbunden worden. Die Leitung der Gemäldegalerie ist dem Tiretior Dr. Friedländer und die Leitung der Sammlung christlicher Skulpturen dem Direktor Professor Tr. Koetschau zunächst kommissarisch über- i ragen worden.
— Drahtlose Telegraphie ohne Funken. Der „UmsclMU" zufolge hat der Pariser Physiker B e t h e- n o d, ein Schüler Poineares, eine Erfindung gemacht, die die drahtlose Telegraphie ohne Funken ermöglichen dürfte. Tie Vorteile dieses Systems beständen darin, daß die verschiedenen Stationen einander rricht mehr behin- I derten und eine erhebliche Vermehrung der Geschwindigkeit I erzielt würde, so daß an 200 Worte in der Minute abge?
zeugen.
— Wallot-Gedächtnisscicr. Die von den Berliner Architektenkorporationen gemeinschaftlich*mit dem Verein Berliner Künstler vorbereitete Wallot-Gedächlnisseier wird, dem B. T. zufolge, am Sonntag, den 27. Oktober, in der >tnppelhaNe des Reichstagsgebäudes ftattftnden, deren Ausschmückung nach einem künstlerischen Gesamtentwurs des Architekten Arnold Hartmann» Grünewald erfolgen wird. Ten Mittelpunkt der Dekoration wird eine von Professor Tiez-Tresden modellierte Monumentalbüste Wallots bilden. Nach einer Begrüßungsansprache durch Ministe- rialdirektor Exzellenz L>inckeldeyn wird Professor Friedrich von Thiersch-München die GedääMisrede hallen. Hierauf werden je ein Vertreter der Künftlerschaft von Berlin, Dresden und Frankfurt a. M. sprechen, und zwar für Berlin, Baurat Wolffenstein, für Dresden Professor Gurlitt und für Frankfurt a. M. Baurat Reher. Ten Eingang und Schluß der Feier werden Vorträge des Berliner Leh-rergesangvereins bilden. Gleichzeitig wird in einem noch zu bestimmenden Raume im Reichstagsgebäude eine Ausstellung von Entwürfen, Plänen und Tarftellungen ausgeführter Bauten Wallots stattfinden. „
— Marlows „F a u stu s". Aus Tarrnstadt, 9. Oktober, wird uns geschrieben: Tie Freie Literarisch-Künstlerische Gesellschaft in Tarmstadt brackste heute im Saalbau die Marlowscho Fausttragödie zur Aufführung, der das Großherzogspaar und alles, was in Tarmstadt zur Gesellschaft gehört, beiwohnte. Der Abend war ein voller und wohlverdienter Erfolg. Tas Werk des englischen Dichters (1563—1593), der als der Vorläufer Shakespeares gilt, ist von außerordentlichem literaturhistorischem Interesse. Faust tritt hier vor allem als der Magier auf, der nach den Genüssen der Welt trachtet. An manchen Stellen, wie in der Szene, m der die sieben Todsünden auftreten, greift der Dichter in die Tiefe. Sonst aber steckt die Tragödie, wenn ihr in dieser Bearbeitung überhaupt dieser Name zukommt, ganz im Gewände der Zauberkomödien ihrer Entstehungszeit. Tie einzelnen Bilder sind lose, ohne eigentlichen inneren Zusammenhang aneinandergereiht. Tie aufführende Gesellschaft darf aber das Verdienst Tür sich in Anspruch nehmen, ein Werk der Weltliteratur dem Publikum bekannt gemacht zu haben, das ihm von den ständigen Bühnen nicht geboten wird. Tie Tarstellung durch Dilettanten war vorzüglich. Tie Spielleitung des Herrn Emanuel Stockhausen arbeitet mit den einfachsten Mitteln, also durchaus stilgerecht. Die Dekorationen, Masken und Kostüme, von Prof. Richard Luksch entworfen und von der Lessing-Gescllsckmft in Hamburg zur Verfügung gestellt, waren von hohmi künstlerischen Wert. Tas ausverkaufte Haus lohnte die Darsteller durch reichen Verfall.
werde. ..
Öerr Julius THorbecke (Manheim) beachtete weiter über die Schritte, die der Vorstand unternommen dal, um d i c st a t i - ft if dien Veröffentlichungen, die den Tabak betreffen, zu verbessern und mit den Bestimntungen des neuen Tabaksteuer gesetzes in Einklang zu bringen. Insbesondere sei auzultreben, daß die Berössentliclmngen über die Aiibaustäckic und den Ertrag des inländischen Tabakbaues so rechtzeitig ersct>einen, da); jtc von Handel und Fabrikation beim Einkauf benutzt werden können. Er weist auf die besondere Wichtigkeit frühzeitiger Veroftent' lichungen für die Tabakpslanzer hin. Der Vorstand wird er* sucht, im Sinne der Ausführungen und Vorschläge des Bericht- erstatters eine Eingabe an die mangebenden R ei ck>S stellen zu richten.
Schließlich legte noch Herr L. Hauck «Heilbronn, bieJJxeditc und Pflichten der Arbeitgeber aus dem neuen Gesetz über die Angestellten Persickieaing in einem interessanten Vortrag dar, besten Drucklegung die Versammlung wünschte.
Tie Genossenschastsversammlung der Tab a kberu ss genoss en schäft batte sich in der Haichtsache nut der Beschlußfassung über eilte neue Satzung und eine Wahlordnung aus der Grundlage der Verhältniswahl sowie über eine neue Dienstordnung für die Angestellten der Bernssgenossenschaft zu brid)äfhgcn. Tw vom Vorstand gemachten entspredienden Vorlagen, für die die Mnsterordmtngen des RcickrS Pcrsid-crungsamtcs zum Anlmlt gedient haben, sanden einstimmige Annahme. Audi wurden beträchtliche Erhöhungen der Gehälter her Genossensdiaftsbeamt^i in der Form der Gewährung von Wohimngsgeldern Mit rückwirkender Zkraft vom 1. Januar 1912 an beschlossen.
bevorstand. Ter langjährige, seitherige Vorsitzende des Vereins, j Gel-eimrat Collenbusch iTrosdcn) hatte nämlich wegen hoben 1 Alters und schlechter Gesnndlieit, unter glcid^ eiliger Anfgabe seiner ; Zigarrenfabrik, den Vorsitz niedergelegt. An seiner Stelle wurde 1 der seitherige Vorsitzende der Tabak Berussgeitossenfch«7t, Geh. Kommerzienrat Schmidt >Altenburg), gewählt und an dessen Stelle zum Berussgenossensd-aftsvorsieenden Kommerzienrat Fr. Leonhardi (Minden).
Auf der Tagesordnung des Tabakvereins standen »eben den fatzungsgemäßen Formalien eine Reihe von^das Tabakgewerbe an gehenden wichtigen Fragen. Okheimrat _S d) m i b t ^Altenburg fesselte die Anwesenden dtirck) sehr interessante Darlegung en über die Wirkung d e s W e r t z o l l s h st e m s aus die -t a b a f inbuftric. Seine Ausführungen lassen sich wie folgt zu sammeniassen: Tas in der Zahl der in der Tabakindustrie befdrip tigten Arbeiter ausgedrückte Besckästigungsmaß in den Jahren 1906 bis 1908 mit einer Steigerung um 19 100 Pollarbeiter ilt nicht die Folge von übermäßiger Fabrikation infolge der drohenden Zollerhöhung und deshalb beabsichtigten Vorversorgung nod) zu billigen Zollsätzen, sondern die imtürlidie Folge der damaligen allgemeinen wirtschaftlichen Hochkonjunktur gewesen. Die guten Wirtschaftsjahre 1888/1900 hatten eine Erhöl-ung der Arbeiter- zahl um 17 Proz., die Jahre 1895/97 um 10'F Proz. gc- brad;t; die Steigerung 1906 08 um 12 Proz. bleibt also nod) durchaus im Rahmen einer allgemeinen besonders günstigen Wirt- chaitskonjunklur. Ter Rückgang 1908 zu 1910 beträgt 9815 Pollarbeiter, dabei muß aber berücksichtigt werden, da); im ^ahre 1910 nicht bloß für den Verbrauck), sondern in erheblichm Maße zu einer Uebersüllung der Läger gearbeitet worden ist, und zwar um 5 Proz. der Iahresherstellung, so daß der Rückgang des Verbrauches auf über 10 Proz. zu schätzen ist. Ta die Zunahme deü Zigarettenkonsums hierin enthalten ist, so ist der Rückgang der anderen Zweige des Tabakgewerbes entsprechend höher. Aus den Kopf der Bevölkerung berechnet, ist die Minderung des 23cr= lrauches natürlich noch viel höher. Sie Steigerung deS Beschäl' tignngsgrades in der Tabakindustrie van Tiesitand zu Hochstand der allgemeinen Wirtsd;aftSkonjnnlrur 1892—1898 ging von 107 000 Vollarbeitern aus 138 163 —29 Proz., von 1900 bis 1908 von 137 190 auf 171 126 —25^Proz. Jrgendwelclw Wengen von aus Spekulation verzolltem Tabak aus den Jahren 1908 und 1909 waren 1910 sicherlich schon vollständig verarbeitet: die Menge der aus 1 Vollarbeiter entfalleirden verfügbaren Tabak menge "der einwandfreien Jahre 1902 bis 1904 betrug 6,3 Doppelzentner, ivährenb für das Jahr 1909 nur 6,08 Toppelzentner und für 1910 nur 5,57 Doppelzentner auf 1 Vollarbeiter kamen. Tie Verdien st verhält nisse in her Zigarrenindustrie sind sehr schlechte, hervorgerufen durch übermäßige Wettbewerbsüberbietung in Ucbcrlciftungen der Hersteller an die Kund- sckaft. And) das beweist, daß noch immer Ueberproduktion da ist, und lvenn erst ein wirklicher. Ausgleich zwisd^en Herstellungsmenge und Verbraud) erlangt ist, wird wieder eine Grundlage für normale Verdienstverhältnifse gegeben sein.
Herr Julius T horbecke (Mannheim) als Berichterstatter erinnert an den Beschluß des T. T. V., Produktionserhebungen für die Jahre 1908 und 1911 zu veranstalten, um aus einem Ver- gteid) der beiden Jahre einen Ueberblick über die durch das Tabaksteuergesetz bewirkten Verschiebungen im Tabakgewerbe zu gewinnen. Infolge der Kürze der Zeit sei cs nod) nicht möglich gewesen, für 1911 zu einer abschließenden Statistik zu gelangen; er könne deshalb nur einen allgemeinen Ueberblick geben und zwar nur über die Mengen des Denvenbeten Rohtabaks. Tiefe verarbeiteten Mengen seien absolut nm -ungefähr 6 Proz. zurückgegangen; wenn man aber die Bevölkerungszunahme berück- sichtige, dann ergebe sich ein Rückgang von ungefähr 8—10 Proz. Von den einzelnen Zweigen der Tabastabrilation habe nur die Zigarettenfabrikation in den Jahren 1908 b i s 1 19 11 zugenommen. Tic Herstellung von Zigaretten sei auSweislick) der Rrick)sstatistik von rund 6 Milliarden aus 9Vs Milliarden Stück gestiegen, also um in ehr als 50 Proz. Der Fakturenwert der h er gefiel It en Zigaretten sei sogar um 68 Proz. gestiegen und zwar von 77% Millionen Mark auf 130' - Millionen Mark. Tie Menge des hergestellten Rauchtabaks sei absolut um ungefähr 6—10 Proz. z u r ü ck g e g a n g e n , Kautabak und Schnupftabak hätten den Stand von 1908 behaupten können, bei Zigarren sei ein Rückgang von mindestens 10 Pro-, der Stückzahl cingetretcn. x
Syndikus I. S chl o ßm acher (Frankrnrt a. M.) orientierte sodann die Versammlung über die hauptsächlichstem, sckiwierigen
Deutscher Zugendgerichtstag.
~ Frankfurt a. M., 10. Okt.
In der Akademie für Sozial- und Handelswissenschasten trat hier unter außerordentlich zahlreick;er Beteiligung des I>t- und Auslandes der dritte deutsche Jngendgcrichtstag zusammen. Ten Vorsitz führte der erste Staatsanwalt v. Rheden (FrankiniO.
Oberlandesgerichtspräsident Tr. Spahn eröffnete bte Tagung mit einer kurzen Ansprache, worauf nad) den üblichen Begrüßungen Professor Friedrick; Förster (Zürich) über das Thema „o t r a sc und Erziehung — Sühne und Besserung sprach Er stellte sich auf den Standpunkt, daß man zwar Stramiittcl und Strafvollzug pädagogisch verfeinern solle, die Strafe selbst aber nicht durch einen einfachen Verweis ersetzen dürfe. Erziehung sei gleichbedeutend mit Kamps gegen den Leichtsinn, und jebe Art von bebingtem Straferlaß förbere ben Leichtsinn. Die Iugenbrichter unb Iugenbpslcger konnten unter ben bestehenden Verhältnissen die Interessen der Jugend gor nicht anders wahren, als sie es getan haben. Das neu zu schaffende Jugendstrafrecht muß vor allem den Jugendlichen die heilsame Wirkung der Strafe sichern, ohne sie bürgerlich oder moralisck; zu gefährden oder zu ruinieren. Der Vortragende empfahl deshalb, die .Freiheitsstrafen der Jugendlichen teils mit pädagogisck) wirksamen Verschärfungen, teils mit besonderen Sicherungen gegen schädliche Einflüsse zu umgeben. Tie Erziehung zur Freiheit sollte bei der Fürsorgeerziehung möglichst im Auge behalten werden.
Der zweite Vortragende Professor Tr. Kriegsmann (Kiel) betonte, daß der Vorschlag, bei Vorliegen eines besonderen erziehlichen Bedürfnisses auf die Bestrafung des Jugendlichen, zu verzichten und sich mit der Anordnung ausgiebiger Maßnahmen zu begnügen, schwere Bedenken errege; denn seine Verwirklichung würde aus Kosten der Nichtverwahrlosten ein Privileg für die verwahrlosten Jugendlichen schassen. Bei geringer Verschuldung sollten statt der Strafe nur erziehliche Maßnahmen einzutreten haben. Tie Verbindung einer Schutzaufsicht ober erziehlicher Maßnahmen mit ber Strafaussetzung sei zu gewähren. Der Erzieh- ungsgebanke müsse int Rahmen der strafrechtlichen Reaktion selbst berücksichtigt werben. Außerordentliche Strafen seien für diejenigen Jugendlichen vorzubehalten, die sich schwerer Straftaten schuldig gemacht haben. Nur für den Fall, daß das System der unbedingten Verurteilung nicht angenommen werden sollte, könne trotz mancher Bedenken der Grundsatz „Erziehung an Stelle ber Strafe" zur legislativen Verwertung empfohlen werben.
In ber Aussprache traten Professor -W i 11 c r m o i c r, Ober-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
mahnahmen.
Ter engere Vorstand des Bundes der Land- ; Wirte veröffentlicht in der „Deutschen Tagesztg" eine ‘ lange Erklärung, in der der Besorgnis Ausdruck gegeben nriro, die preußische Regierung habe sich durch die Agtta- ; lion wegen der Fleischteuerung auf andere Wege in der Zollpolitik drängen lafsen. Tie Erklärung, die nut der Hoffnung schließt, die Landwirte würden in dem ihnen aus- < gÄwäfsgten Kampfe siegen, lautet im Auszug wörtlich:
Wird die Aktion der preußischen Staatsreaierilng eine Mm- 1 berung der Fleischpreise herbcisührcn? Nein. Tasür wirb das Ausland und der Zwischenhandel, wie die Erfahrung lehrt, fchon sorgen, und so wird als einziger Erfolg eine schwere Schädigung der deutschen Landwirtschaft sich ergeben, unb zwar msbeionbere der kleinen und kleinsten Vichprobuzenten, welche unbestritten bei weitem die Hauptmasse bed_ beutschcn Viehes züchten und mästen. Zudein wirb eine verhängnisvolle M i n d c r u n g des Vertrauens bet beutschcn Landwirt, ck)oft zur Königlichen S t a a t s r e g i e r u n g die Folge fern. —
Tie schweren Schädigungen, die die an sich große Getreideernte durch die sckstcchte Witterung erlitten hat und eine anscheinend auskömmliche Kartosscl- und Rübenernte machen die Bersütterung des beschädigten Getreides notwendig, unb cm weiterer schwerer Schaben würbe ber beutschcn Lanbwirtschaft ent stehen, wenn eine Masseneinsuhr von Futtermitteln hcrvorgcrmcn loürbc. — Geschädigt würde hiermit aud) die Allgemeinheit, beim ob wir uns vom Auslanbe abhängig machen burd) bie vermehrte Einfuhr der Rohprobuktc, bie auch in Teutichlanb als Fmtcrmtttel erzeugt iverben, ober burd) bie Einfuhr bes verebelten Probuktcs, des Fleisches, kommt im Grunbc auf basselbc. heraus.
Welche stärkere Preisgabe bes Grenzsckiutzes gegen bie Gefahr ber Seudfcnciiischlcppung kann man sich denken, als die gewährten Einsuhrerlcichterungen, so insbesondere Rußlanb unb ben Balkan floaten gegenüber? Tie bieten Länbcrn gegenüber bestehenben Einfuhrbeschränkungen und -Verbote hatten ihren wesentlichen Grunb mit in ben veterinären unb sanitären Verhältnissen bie,er Staaten. Wirb biefer Grunb, der feit Jahren als zutressenb unb stichhaltig angesehen war, nun mit einem Male hinfällig burch die entfachte gewissenlose, bcmagogifdje und unwahrhaftige Agi tation in Wort unb Schrift? ,
Die amtliche „Nordd. Allgem. Ztg." wnst die Borwurfe des Bundes scharf zurück, indem sie u. a. schreibt:
Ter Bund ber Lanbwirtc veröffentlicht burd) seinen engeren Vorstand eine Erklärung über die Teuerungsmaßregcln, b \ c fick) weit von einer objektiven Beurteiluilg der Regierungsaktion entfernt. Zur Sadje bemerkt die Erklärung, bie Ursache ber Teuerung liege in ber fehlerhaften Organisation ber Vermittlung zwisdien Erzeugern unb Ver brauchern des Fleisches. Hier hätte bie Regierung einsetzen müssen. Dabei wird Derfduuicgcu, daß bie angekünbigten Erlcichterungcn des Vieh- unb Fleischimportes ausbrücklid) an Bcblngungen geknüpft Werden, die eine bessere Organisation ber Flcischversorgung bc- ttueden. Tic Erklärung unterläßt es aud), zu sagen, welche Bcsserungsvorsdiläge ber Buyb ber Saiib wirte selb st auf diesem Gebiete zu mad)en hätte. Statt dessen wird ber Regierung vorgeworfen, sie erwecke ben Anschein, daß ihre Maßnahmen burch bie Absicht veranlaßt seien, bem Geschrei der lanbivirtsd-aftsfeinblichen Temokratie nad-zugeben. Dar sich noch über hetzerische Agitation ber Gegner beklagen, wer mit solchcn Insinua 1 ionen arbcitet? Ein solcher Ton kann aud) nicht durch bie Annahme entschulbigt werben, daß bie Aktion der Regierung.eine Abwenbung von ber bisherigen Wirtsdfaftspolitik anzcige. Die Regierung bient burd) die Anerkennung ber burd) bie Fleischteuerung geschaffenen Belastung weiter Volkskreise unb burd) ben ernsten Versuch, ihr rntgegenzuwirken, der Sicherung der bestellenden Wirtsd-astspolitik beffer, als durch gleichgültige Untätigkeit.
Galerie der Moden.
Im Hohenzollern-Kunstgewerbehaus hat man den Ber Tinern eine Modenübersicht der letzten zwei Jahrhunderte aufgebaut. Modebilder berühmter Zeichner, wie Gavarni einer war, erzählen von der Sorgfalt, die man den Figuren einst in den Journalen widmete. Wußte man doch, daß sie einen Platz auf dem Putzrisch und im Boudoir jeder Frau von Welt edyidten, daß schöne Damen mit Wichtigkeit darüber sprechen würden und daß man auch seine sonsriae Weisheit, mit der man später im Salon glänzte, aus ihnen schöpfen wollte. So sind dieser Ausstellung die Modezeitungen des 18. Jahrhunderts, sowohl deut schen wie sranzösisck)en Ursprungs, ein wichtiger Bestandteil geworden. s)?eben dem „Magazin des Modes", neben Girardins epochemackfender Zeitschrift „La Mode" und der ,,Wiener Zeitschrift", in der Professor F-ranz Stoeber zum zeichnenden Apostel der launenhaften Modegöttin wurde, spiegeln die Bildnisse bekannter Künstlerinnen, der Jenny Lind, der Sonntag, der Pauline Viardot, den Zeitgeschmack wieder. Dann bat man aus Truhen und Schränken Erb stücke verschollener Zeiten hervorgeholt. Am besten kommen dabei die Llhufrauen aus dem Anfang des 18. Jahrhuirderts fort, an deren Rokokogewändern man für großblumigen Brokat und leuchtenden Atlas eine leise Zärtlichkeit empfinden kann. Auch die Urgroßmütter dürfen mit ihrem Geschmack noch gelten, wenn sie schon mit ihren Falbeln und Bändern, mit Spitzen und Blümchen, ein bißchen überzierlich und kleinlich wirken. Aber die §eit, da die Großmütter junge Frauen waren, wurde für die Mode blamabel: man kann sich schwer etwas Geistloseres in Form und Farbe vorstellen, als die Kleider, die in der Ausstellung die Jahre um 1870 darstellen Da wird der Blick aufgehellt, wenn er Hu den heutigen Modeschöpfungen vernünftiger Art hin- .iibcrgkitet, bei denen man deutlich das Bestreben merken kann, sowohl durch Güte ber Stoffe und des Ausputzes zu wirken, wie durch bie Eigenart der Farbenzusammen- fiellungen und der Form. Daß dabei der kunstgewerbliche Einschlag wieder bedeutender wird, ist selbstverständlich. Alle möglichen Techniken, Batik, viel Stickerei, Kniipf- lürbeit und Metall werden zu Hilfe genommen
Aber auch außerhalb der Kleidung spielt das Kunft- igewerbe in der Mode eine große Rolle Gehört doch das Boudoir mit all seinem tändelnden Wirrwarr von schmeichelnder Weichheit und verwirrendem Luxus ebenso zu einer
Modedame, wie ihr Gewand. Und da wird sie mit ‘ gefallen auf manches sehen, was die Räume im Hohen-, zollern-Kunsbgewerbehaus bergen. Die Berliner Kgl. Por- zellanmanufakmr, die Kgl. Kopenhagener, die Nymphenburger Porzellanmanufaktur, Rosenthal & Eo., sandten ihre Erzeugnisse: Einzelfiguren und Gruppen, meist in bunter Unterglasurtechnit. Neben ihnen sieht man alte Meißener Stücke, die mit ihrer Tarstellung eine Karikatur auf die Modetorheiten bestimmter Epock)en wurden, so den Haarkünstler der stiokokozeit, der auf einer Leiter stehend, seiner Dame den Aufbau künsllicher Locken ordnen muß. Auch die Kostümgruppchen für die Vitrine darf man nicht vergessen, und die phantastischen, kleinen Geschöpfchen, die Lotte Pritzel aus Wack)s formt und mit zarten Kleidchen belangt. Sie gehören trotz ihrer Perversität, zum Reizvollsten, was man in der Kleinplastik seit langem sah. Wenn man unter den vielen Dingen in der Ausstellung nach solchen sucht, die auf männlidje Besitzer rechnen, wird man wenig finden. Ein von Krotowsky arrangierter „Trousfeau des Herrn" versteckt sich scheu zwischen seidenen Franen- lleidern und Reiherhüten, und überwältigend ist nur eine Kravattensammlung, bie man als Thema mit unerschöpflichen Variationen ohne Uebertreibung bezeichnen Tann. Lonft befiehlc ber Mode bes mobernen Mannes bie Konvention und — ber Schneiber. Bei den Frauen ist es eben bie Laune unb ost'— bie Schneiberin.
Wohl-1 geben werben könnten. Außerbem könnte burch bie Er- when-stfinbung bas brahtlose Fernsprechen verwirklicht werben, ba man mit Bethenobs System in ber Lage sei, die hierfür


