Ausgabe 
11.5.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. Ul

Erscheint tlgnch mit Aufnahme »ei Eenntoflk

General-Anzeiger für Vberhesfen

n ausgestellt

Meteorologische Beobachtungen der Station Eietzen.

Wetter

Der Budget Ausschuß dcs Rcichstagcs führte

onnenschein

onnenfdjcin

20,8 C.

Amtlicher Teil.

8' hrlofei llinftänbcn ti i g ft u n

Li«Gießener Kamillen bl Stier- roerten oem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigdegt, bat Krdsbtoit für ben Kreb Gießen" zweimal wöcherülich. Die .Landwirtschaftlichen Lett- fro-ea" erscheinen menailicb iroeimat

bis 10. Mai , 10. ,

k den Absd'nitte ohne Widerspruch angenommen. A b g e l e h n t wird der Neubau eines '.'l r t i I t e r i e w a g e n h a u s e s für ! das Artillcriedepot in Köln. Der Berichterstatter stellt

test, das: vom nächsten Jahre an der außerordentliche Voranschlag bei der Heeresverwaltung verschwinden werde: man ist schrittweise vorgcgangen und diesmal gab es das letzte Extraordinär mm.

Aut Ersuchen eines Zcntrumsabgcordnetcn sichert der İricgsminister wohlwollende Prüfung eures etwaigen Ge- >uckes der Stadt Trier um Rückgäbe des als Kaserne benutzten alten kurfürstlichen Schlosses zu. Der ^ricgsminister ladet den Ausschuß zu einer Be­richtigung des Jüterboger Truppenübungs­platzes ein, wobei sich Gelegenheit geben würde, dem Ausschuß nachzuweiscn, wie unbegründet die in der Presse verbreiteten ungünstigen Meldungen über die Beschaffenheit des deutschen Är- liUerrematerials seien.

(rin volksparteiliches Mitglied wies auf Mißstände hin bei der Vergebung von dicnstcigcnen Wohnungen und Dienslgärten. Tie ersten würden vielfach viel zu billig vergeben und mit dem Ertrag der letzten handel getrieben. Tie Regierunasvertteter ver­weisen aut den die Regierung bindenden § 34 des Bcamtengesetzes. soweit Mißstände vorhanden seien, rocrbe von Fall zu Fall Ab­hilfe erfolgen.

hierauf folgt die Verhandlung über

die Duell-Entschließungen.

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Gerichtz^saaL.

Essen, 11. Mai. Ter Redakteur Beckmann von der Rheinisch-Westfälischen Zeitung wurde wegen Beleidigung des eng­lischen, wegen Spionage verurteilten Leutnants Brandon mit einer Geldstrafe von 80 Mark belegt, weil er behauptet hatte, der Leutnant habe bei einem mißglückten Fluchtversuch den Posten bestechen wollen.

Elbing, 11. Mai. Der ehemalige Reichslagsabgeordnete v. Oldeuburg-Janu schau wurde von dem Schöffengericht wegen Beleidigung des Geheimen 5tommerzienrates Ziehe von den Schichau Wcrlen zu 4 00 Marl Geldstrafe oer- «rttiU

Samstag, ((. Mai (9(7

Rotationsdruck und Verlag bet Brübt'schea Untperfititl - Buch- und 6tetnbni(fettl 8L Lang«, (Biegen.

* Landivirtschaftliche Studienreise. Wie schon seit Jahren, ucranftaltcl die Landivirtschaslslainincr auch in^ diescin Jahre eine lanbro. Studienreise. Nachdem die Studienreise, nach einer Gegend innerhalb Deutschlands im letzten Jahre mit 'Jin cf ficht ans die Maul- und Klauenseuche unterbleiben mußte, soll die Reise, wie schon früher bestimmt >var, nach Däne m art u n b 5 ü d s eh m e d e n geheii. An der Reise können Landwirte ans Hesseii teilnehmeu, und c5 ist ihnen Gelegenheit geboten, die auf! hohcr^Stule stehenden landwirtschaftlichen Verhältnisse in Dänemark und Sndschweden kennen zn lernen. Die Reise ermöglicht eingehende Studien über die Viehzucht-Verhältnisse in Dänemark, ebeliso über den Stand der Ackerkultur und speziell deö Pflanzenbaues m Däne­mark und Eüdschmedeii. Die LandwirtschastSkammer ist bereit, nähere Auskunft zu erteilen.

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Explosion auf einem Dampfer.

Kopenhagen, 10. Mai Aus dem DampferSnorre",, von Cbbc bei .ymrbnnfler mit Düngemittel nach Stettin, unterwegs, ist heute um 2 Uhr nachmittags vor Kulten eine Explosiv t, erfolgt Acht Mann, darunter der Kapi­tän, ertranken, fünf wurden gerettet und nach Kopen­hagen gebracht. Ter Tampscr b r a ch , bevor er versank, in .zwei Teile. Mehrere Leute der Besatzung wurden hoch unchergeschleudert und fielen ins Wasser zurück. Ucbcu die Ursache der Explosion erzählten die Ucberlcbenben: Der Steuermann hatte einige Natten bis unter das Teck verfolgt. Dabei entzündete er ein Streichholz, bas die bureb bie Düngemittel entwickelten Gase zur Explosion brachte Eine furchtbare Detonation erfolgte uttb das Schiff flog buchstäblich in bie Lust. Nach einer einzigen Minute waren von dem Schiff nur noch einige Balken sichtbar, bie auß dem Wasser umherschwammen.

RebaftUn, Expedition und Druckerei: Eckuk» straße 7. Expedition und Verlag: esst 6L Äeba!innrer® 112. Tel.-Lldr^AnzeigerEießen.

5s liegt vor die gestern mitgeteilte Entschließung des Zentrums, bie den Reichskanzler ersucht, alsbald Schritte zu tun, die geeignet sind, die Zweikämpfe zu besettigen, vor allem cber schleunigst zu veranlassen, daß namentlich Personen von r Gesinnung für einen Ehrenhandel unter allen _t ausscheiden, bau gegen die Beleidiger schleu­sst und scharf vorgegangen wird, daß Ehrenhändel erst nach erfolgten ehrengcrichtlick-en Verfahren zum Austrage öcorachk werden und daß die '..lblebnung eines Zweikampfes aus religiösen oder jj 111 i d; gerechtfertigten Beden- ! e n Tbensowenig wie Streitigkeiten dienstlicher oder 2 i v a t g e s ch ä f t l i ch e r Natur zum Gegenstand eines ehrcn- . letichtlichen Verfahrens gemacht worden.

Weiter hat die V o 11 s p a r t e i ein e Entschließung ein- I gebracht, die den Reichskau^ei ersucht, bie Mörderlichen Schritte

»*5 KM

zu tun, um dem gesetzwidrigen Duellwesen im .vccre dadurch ein Ende zu macken, daß außer der Reform der Ehrengericktsordnung noch eine^ A e n b e r u n g des MilitärstrafgesrtzbucheS in dem Sinne herbeigesülrt wird, bas; bei der 'lieft ratung des Zweikampfes und der Herausforderung zum Zweikamps auf bie Nebenstrafe der Entlassung aus dem Heere zu er­kennen ist.

Schließlich beantragt die Sozialdemokratie, ben Reichs­kanzler um die erforderlichen Schritte zu erfuchen, dem gefetz ividrigen Tuellwesen im Heer dadurch ein Ende zu machen, daß ein seder Offizier oder Militärbeamtcr, der zum Duell hcrausge fordert, oder eine Herausforderung annimmt, ober sonst an einem Duell mitwirkt, ober burch die Bedrohung mit Benackteiligungen irgend welcher Art einen Angehörigen des Heeres zum Tuest zu veranlassen sucht, aus dem Heeresvcrband entfernt werde.

Ein Sozialdemokrat meint, das Zentrum habe mit seiner Entschließung den Boden seiner frü­heren Erklärungen verlassen. Seine Entfckstießung er­kenne geradezu das Tuest an.

Ter Vertreter des Zentrums weist diese Vorwürse zurück. Tas Zentritm halte durchaus an seinem grundsätzlichen Standpunkt fest. Es sei darum auch durchaus bereit, auch den in der volkSparteilichen Entschließung enthaltenen Gedanken mit zu unterstützen. Aber daneben handele es sich nock um die Aufsuchung eines praktischen Weges zur allmählichen Beseitigung des Duells, und in dieser Richtung wolle die Entschließung seiner Partei wirken.

Nachdem noch ein Wortführer der Bolkspartei gesprochen hatte, nahm

der Kriegsminister Frhr. v. £) erringen das Wort:

Man möge über das Duell denken wie man wist, sick dafür oder dagegen ausspreckwn, so dürfe man doch jedenfalls die Augen nicht vor dem p ra kti f chen Leben ver­schließen. Tie deutsche Heeresverwaltung nehme einen ähn­lichen Standpuntt ein wie die anderen Armeen großer Länder. Ter Kriegsminister macht Mitteilungen über bie einschlägigen Verhältnisse in den Armeen anderer Länder, die er vertraulich behandelt zu haben wünscht. Tic Entschließung der Sozialdemo (raten wäre ungerecht: es sei nicht angängig, bie ©trafen des Ärafgcsetzbliäies einseitig für die Angehörigen der '.'1 r m e c zu ncr|dürfen, während der Zivilbeamte ja seine Stel- lung beibehalteu würde Wenn eine solche Regelung erfolgen würde, ntüftle sie auf allen Gebieten erfolgen. Tie Ehrcngerickts- orbnung sei ein Armeebefehl, den der Kaiser kraft seiner K o ni m a n d o g e w a 11 erlassen habe. Wenn ein Druck in dieser Richtung ausgeübt werden sollte, so wäre das ein Eingriff in diese Kommandogewalt.

Gegenüber der Z e n t r u m S c n t s ch l i e ß u n g erklärte der Kriegsminister, er halte an [einer Stellung vom 30. 'April fest Er betone aber nochmals, daß er das Duell a l s ein Hebel a n s c h c, mit dem man nur unter ben gegebenen Ver­hältnissen rechnen müsse. T ie K a bi n e t t so r dr c sei ber einzige praktische Weg zur Besserung und sie habe auch tat)äd)lid) eine Verbesserung gebracht, wie die Statistik lehre. Tte Statistik ergebe, daß in den sieben Jahren vor Erlaß der Kabi- nettsordre auf 10 000 Personen des aktiven und des Beurlaubten- standcs 6,3 Proz. verurteilt wurden; nad) Erlaß der Kabinetts­ordre sei diese Ziffer auf 4,1 Personen gesunken und zwar für die Aktiven entsprechend auf 3,5, für die Beurlaubten auf 4,7. Tie Kabinettsordre habe also segensreich gewirkt und Sc. Ma­jestät der Kaiser sei dauernd bemüht, in dieser Richtung zu wirken. Zur allerhöchsten Entscheidung kommen bie Fälle nur, ivenn bie davon Betroffenen sich bei ber Ent- scheibung bes Ehrenrats nicht beruhigen, ober bei Generälen. In 71 Fällen sei dahin entschieden worden, daß die Betreffenden sich zu fügen hätten. Der Kaiser habe wiederholt in dieser Richtung eingegriffen. In einem Falle ist ein Offizier von ber Anschuldigung des Falschspiels frei> gesprochen worden, er fühlte sich aber geschnitten von ben an­deren Offizieren, es kam zu vier Herausforderungen, ber Kaiser habe aber entschieben, daß das sreisprechenbe Urteil volle (Genug­tuung einschließe, und es seien bie vier Duelle verhindert worden. Ein Offizier hatte die Frau eines anderen geküßt. Ter Ehren­rat habe einen Ausgleich als unmöglich bezeichnet, ein solcher sei aber doch erfolgt, und ber Kaiser habe sein Be­fremden über bas Verhalten bes Ehrenrats aus­gesprochen. Ter Kriegsminister tragt noch einige weitere Fälle ähnlichen Eingreifens bes Kaisers vor.

Nach den Ausführungen des Abg. Gröber, so erflärt der Kriegsministcr weiter, sehe er in der Entschlie - ßung des Zentrums keinen Eingriff in die Kom - mandogcwalt. Sic gebe vielmehr nur eine An­regung zu weiterer Ar beit in der bisherigen Richtung. Er sei gerne bereit, diese Anregung ju prüfen und auf strengste Durchführung ber Kabinettsorbcr einzuwirken.

Hieraus nahm ein nationalliberales Mitglieb bas Wort und betonte, baß es sich weniger um die Frage ber Duellanten, als ber 'Nichtbuellanten hanbele. Tie Ent­schließungen der Volkspartei und ber Sozialdemokraten würden nad) den bisherigen Erfahrungen keine Beseitigung ber Tuelle bringen, da Strafverschärfungen sich immer als un­wirksam erwiesen haben. In einzelnen Fällen würde bas auch zu Ungerechtigkeiten führen. Der Konilitt zwischen dem Strafgesetzbuch und den tatsächlichen Verhältnissen in ber Armee müsse allerdings früher oder später gelöst roerbem Tas müsse aber so geschehen, daß baS Gefüge des Offizierkorps nicht gelodert werbe. Ter natumalliberale Redner erklärt, daß er zurzeit keinen Antrag stelle, sich einen solchen aber für bie Plenarberatung vorbehalte.

Nach weiteren Erörterungen würbe die Abstimmung auf morgen, Samstag, vertagt, da noch ein Konservativer längere Ausführungen in Aussicht stellte.

Tagegen würbe noch a b g e ft t m m t über bie Anträge zur Mannschaftslöhnung. Die Sozialdemo­kraten beantragen eine Erhöhung der in ber Vorlage xnrf 6 Pfennig bemessenen Zulage auf 10 Pfennig. Dieser Antrag wird gegen bie Stimmen ber Sozialbemokraten abgelehnt. Der Zentrums antrag, ber bie Löhnungserhöhung statt zum 1. 'April 1913 schon zum 1. Oktober 1912 in Kratt setzen will, dafür aber einige Löhnungszuschüsse bei technischen Truppen ufro. wegfallen lassen will, wird angenommen.

Märkte.

(öiefteu, II. Mai. M «rktb eri cht. °luf ( entlgent Worben« markte kostete^ '-cuttet das Pfund 1,301.40'Ulf., Hühnereier 13tüd 70 Pfg.. 2 Stück 00 Pfg., Enteneier 1 Sltick 10U Pfg., Gänseeie: 1 St. 20 Pf., Käse baS Stück 63 Pfg., Käsematte 2 Stück 56 Pig^ Tauben vr Pr. 0,801,00 Pik., kühner pr. St. 1,001,60 Nif., Hahnen pr. Stück 0,601,80 2Jif^ Eilten pr. St. 1,802,20 Mf., Gänse das Pfd. 0000 Psg^ Ochsen fleisch pr. Psd. 9098 Pfg., i Rindfleisch pr. Psnnd 9094 Psg., Kuhfleisch 80 Psg., . giveine» fleisch pr. Pfund 7090 Psg^ Kalbfleisch pr. Psd. 88''2 Pfg., HaulNlelfleisch pr. Pfd. 7090 Psg., Kartosteln vr. luu Kg. 9.50 bis 10.00 2)1t., Weißkraut das Stirck 15 bis 30 Psg^ Zivieoeln per Ztr. 12,0015,00 'J)lt 'Milch das l'itec 22 Psg., Vlepfcl per Ztr. 15 bis 20 Rif., Nüsse 100 Stück 5000 Psg., per Ztr. 0OOi ®lf Birnen das Pfund 2025 Psg. Marktzeit von 71 (lhr.

fc. Frankfurt a. M., (0. Mai. Heu- und S l r o l, in a r ft.. Angefahren wareil 14 Wagen Hell und 1 Wagen Stroh. Alan notierte: Heu 4.404.80 'Ulf., Stroh (Kornlangslroh) 2.900.00 Mk., Wirrslroh 0,000,00 2)lt. Aßes für 50 Kilo. Geschäft ruhig. Die Zufuhren waren aus den streifen Obcrtcuinu5, Hanau unb Dieburg.

Stan&csaintsnacbricbtcn»

(Nachträglich eingegangen.)

Heuchelheim.

Eheschließungen: Mai .>. Heinrich Neibel II., Lanb- wirt, mit Wilhelmine Volkmann.

Sterbefälle: Mai 7. Emilie Bebling, 1 Jahr alt.

Laudach.

Aufgebote: Mai 4. Wilhelm Silß, Schteibgehilfe, mit Auguste Hom, beibe in Laubad).

watzendorn-Lteinderg.

Eheschließungen: Mai 4. , WiUn'lm Schmitt, Bahn­arbeiter, mit Maria Jung, beibe in Steinberg.

Höchste Temperatur am 9.

Niebrigsle , 9.

Nieder)chlag: 0,0 mm.

Vie Erledigung der Militm Voranschlags und die Verständigung über dar Duell im Budgetausschuh. :: Berlin, 10. Mai.

Zweites Blatt (62. Jahrgang

Gießener Anzeiger

war wird aur der hessischen Beamtem besoldungrvorlage.

bs. Darmstadt, 10. Mai.

Nachdem alte Parteien an der Regierungsvorlage wenig ftxite Haare gelassen haben, entsteht bie Frage: Was wird nun aus der Vorlage? Wird sie in der Versenkung ver­schwinden und bie Beamtenschaft wieder auf die Zukunft vertröstet, bis die vom Staatsmimster versprochene neue Vorlage, die endlich eine organische Regelung bringen soll, eingebracht ist? Der Finanzausschuß, ber bereits am nach- sten Mittwoch in einer Sitzung mit der Regierung sich über diese Frage unterhalten wird, wird versuchen müssen, die Vorlage schmackhaft zu machen. Es unterliegt sowohl bei der Regierung wie auch bei dein Parlamente feinem Zweifel, daß die Ausbesserung der Beamtengehälter mit Wirkung vom 1. April 1912 bis zur endgültigen Neuregelung provi­sorisch vorgenommen werden mufft das kann aber eben nur prozeinual geschehen Der so viel besprochene Regie rungscnttüiirf wird trnfter im Finanzausschuß manche Aenbe- rung erfahren müssen. Vor allem sollen die Gemeinden und die Städte von neuen Lasten verschont bleiben. So- bann wird der geplante Urkunbenstempel ans Versicherungs­prämien feine Gegenliebe finden Durch die Befreiung ber Gemeinden und der Städte würde ein Betrag von etwa 500000 Mark auSfallcn; die Nichtbewilligung des Urfunben stempels verkürzt die Mittel um weitere 100 000 Mark, und endlich würde die geforderte Erhöhung der Lelfrer- gehälter von 11 auf 15 Prozent den Betrag von mehr als 270000 Mark erheischen. Aendert man also diese Punkte tm Sinne der Plenarberntuligen, so sieht sich der Finanz­ausschuß vor die schwere Aufgabe gestellt, Ersatzmittel für den Ausfall von etwa einer Million Mark zu fchaffen. Welcher Ausweg gewähli werden wird, läßt sich heute noch nicht Voraussagen. Selbst wenn man aus den Eisenbahn­überschüssen eine höhere Summe als Deckung nimmt und den Schuldentilgungssonds um diesen Betrag kürzt, so wird der Verlust nicht annähernd ersetzt. Eine Steuer» erhöhung ist deshalb nicht zu umgehen, vielleicht sogar eine vermehrte, als im Regierungsentwurf vom 1. Februar 1913 ab vorgesehen ist.

Ist es schon eine außerordentliche Schwierigkeit, bei dem nach der Reyierungsvorlage und von den Parteien gewünschten Provisorium genügende Deckung zu schaffen, so erhöhen sich diese noch in bedeutendem Maße bei einer organischen Regelung der Beamtengehälter. Erfordert die prozentuale Erhöhung etwa 2i2 Millionen Mait, so sind zur organifd)n Neuregelung in ehr als 4 Millionen M a r f erforderlich. Von fortschrittlichei Seite wurde an­geregt, bereits int Ausschuß eine organische Regelung vor­zubereiten. Diesen Gedanken wird man aber fallen lassen müssen, da dem Finanzausschuß unmöglich alle die Unter­lagen zugängig gemacht werden können, über die die Re gierung leicht verfügt. Unterorganischer Regelung" ist doch vor allein einmal eine vollständig neue Klassifizie­rung der Beamtenschaft zu verstehen. Viele Beamte find im Laufe der letzten Jahre in Stellungen gerückt, die wesent­lich erhöhte Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stellen und demeulfprechend auch anders bezahlt werden müssen. Auch sind teilweise ganz neue Funktionen in die Erscheinung getreten, für die es an einer Klassifizierung überhaupt noch fehlt.

Die Aufgabe des Finanzausfchuffes ist es jetzt, die gegebene Vorlage in ein Provisorium für kurze Zeit um zuarbeiten und dafür zu sorgen, daß die neuen Deckungs­mittel eine Mehrheit im Plenum finden.

Bekanntmachung.

Arn Samstag, ben 18. Mai b. Js., nackrnittags 3 Uhr finbet z u L i ch im Ga st Haus zum Löwen unsere biesjährige orbentliche Generalversammlung statt.

Tagesorbnung:

1. Geschäftsbericht 1911.

2. Rechnung 1911.

3. Voranschlag 1912.

4. Errichtung einer Kälbervermittlungsstelle

5. Herausgabe eines Merkblattes für bie Jungviehaufzuckt.

6. Bestimmungen über bie Revision ber Herbbuchttere.

7. Bestimmungen über bie Jungviehaufnahmen oes Landwirt- srhattskammer-Ausschusses.

8. Kreis tierschau in Gießen.

9. Vereinbarung über bie Durchführung ber Faselmärktt (städtische Prämiierungsmärkte-.

10. Zuchtoiehmärkte undJhiftionen in 1912/13.

11. Aufnahme von Veretnsmitgliebem

12. Verschiedenes.

Zur Teilnahme werden eingelabcn bie Borstanbsmitglieber, bie Vorsitzenden der Ortszuchtvereme, bie Bezirksvertreter uno Vereinsmitglieber, sowie bie Freunbe unb sonstigen Interessenten unserer Zuchtbesttebungen, ferner auch die Großh. Bürgerulelü,r derjenigen Gemeinden, welche korporative Mitglieder sind.

Ein recht zahlreicher Besuch ist erwünscht.

Zugleich werden alle Bürgermeistereien der Lanbgemeinc n des Kreises, insbesondere diejenigen, in deren Gemeinden Mit­glieder unseres Vereins wohnhaft find, erfucht, voruehenoe Betann^ machung in ortsüblicher Weife veröffentlichen zu iahen.

Gießen, 10. Mai 1912.

Der Direktor des Kreisrinberzuchtvereins Gießen ' Simmenlnf . r

heute bie Beratung bes Voranschlags bes Reichsheeres zu Enbe. ff Tie Besch lußfaffung schloß sich burchauS ben Anträgen bes Bericht- M erftaiters Erzberger an. Nadi Dcrtraulidxn Mitteilungen über I Waffenbefckasfung für bie Felb unb Fußartillerie, sowie ilbcr bie I Entwicklung der Fuittentelegraphie im Heer wurden bie entsprecheu-

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Mai

1912

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