Zünsler Blatt
Nr. 59
162. Jahrgang
Eichener Anzeiger
Erscheint tSgtich mit Ausnahme de» Sonntag».
General-Anzeiger für Oberheffen
Tvt ^Elktzener .framlllenblüthr werden dem .Anzeiger* oiermal wöchentlich deigelegt, da» „Krttsblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Tte „landwirtschaftlichen Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Eroedition und Tntcfereu Schul- strotze 7. Trved tion und Verlag: 51.
Redattlon.S^O 112. Tel.-Adr^ AnietgerDtetzen-
Samstag, 9. März 1912
Aotanonsdnick und Verlag her Brühl'schen Universität» • Buch» und S'etndruckerei.
9L Lange, Dietzen.
Mb. Deutscher Reichstag.
23. Sitzung, Freitag, den 8. März.
Die Erneuerung des PrflIIdlums.
Am Tische de» BundcSrat» einige Vertreter kleinerer Bundesstaaten; auf dem Platze de» Staatssekretärs Delbrück seine Mappe. Hau» und Tribünen sind dicht besetzt. Die Lribünen- lactcn waren schon seit Wochen vergriffen.
Der bisherige Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten und erteilt unter allseitiger Spannung da» Wort dem Abg. Dr. Spahn.
Abg. Lr. Spahn (Zentr.) teilt mit, daß die Budgetkom- Mission heute vormittag beschlossen hat, das P.cnum um Ueberweisung noch einiger weiterer Titel des PostetatS zu ersuchen. Der Präsident stellt die Zustimmung deS Hauses fest und übergibt sodann da» Präsidium dem ersten Vizepräsidenten.
Vizepräsident Scheibemann: Nach § 9 der Geschäftsordnung — soll ich ihn verlesen? (AllscitigcS: Nein!) — erfolgt der Namensaufruf. Gr beginnt mit dem Buchslaben 5k. (Viele Rufe: Mir welchem Buchstaben?) Mit St — Kamel! (Schallende, andauernde Heiterkeit.)
Die Schriftführer Abgg. Fischer (Soz.) und Belzer (Zentr.), vollziehen den Namensaufruf für die
Wahl des Prflildenfen.
”11 m 2 Uhr ist der Wahlakt beendet. Vizepräsident Scheidcmann verkündet da» Ergebnis:
Es sind abgegeben 8 8 3 gültige Stimmen. Dabo n haben erhalten
Dr. Kaempf 19 2,
Dr. Spahn 187,
Graf Schwerin. Löwitz 2,
Dr. v. Heydebrand 2,
Die absolute Mehrheit beträgt 192 Stimmen, danach i st Dr. Kacmvf genau mit der absoluten Mehrheit -um Präsidenten gewählt. Für Dr. Kaempf hatte die
gesamte Linke einschließlich der Sozialdemokraten, für Dr. Spahn pie gesamte Rechte mit dem Zentrum und den Polen gestimmt.
Dr. Kaempf war schon kurz vor der öffentlichen Feststellung seiner Dahl von seinen Parteifreunden beglückwünscht worden. Nunmehr ertönen von der Volkspartei vielfache Bravorufe. Vizepräsident Scheidcmann richtet an ihn die Frage, ob er die Wahl annehme. Unter großer Bewegung de» Hauses stei,< Dr. Kaempf die Stufen zum Prasidententische heran und erklärt: Meine Herren, ich nehme die Wahl an. (Lebhafter Beifall xmf der Linken.)
Präsident Dr. .Kaempf beauftragt nunmehr die Schriftführer mit dem Namensaufruf für die
Wahi des erifen Vizepresidenten.
Präsident Dr. Kaempf verkündet das Ergebnis:
Abgegeben sind 383 Stimmen, davon 25 ungültige; es bleiben kakso 358 gültige Stimmen. Die absolute Mehrheit ist 180,
Es haben erhalten:
D r. Paasche 197,
Scheidemann 155,
Dietrich (Kons.) 2, Dr. Frank (Soz.)' 1, Stadthagen (Soz) 1, Cohn (Soz.) 1, Tavidsohn (Soz.) 1.
Dr. Paasche (Statt.) ist also zum ersten Vizepräsidenten flt» wählt. Auf die Frage des Präsidenten, ob er die Wahl annehme, erklärt
Dr. Paasche: Ich nehme an. (Lebhafter Beifall links.)
Abg. Groeber (Zentr.) ersucht hierauf um das Wort zur Ge- schäftöordnung: Ich beantrage eine halbe Stunde Pause. (Lebhafter Widerspruch der Sozialdemokraten.)
Präsident Dr. Kaempf ersucht die erregte Versammlung Platz zu nehmen und läßt abstiminen. ES erheben sich für den An- trag Groeber die Rechte, das Zentrum und dann auch ein Teil der Nationalliberalen und DolkSpartei. Der Präsident stellt sest, daß dies die Mehrheit ist. Die Wahl deS zweiten Vize- Präsidenten wird also nach einer halben Stunde erfolgen.
Die fortschrittliche DolkSpartei hatte mit den Sozialdemo- kraten für Scheidcmann gestimmt, die mtbcrcn Parteien für Dr. Paajche.
Nach dcr Panse.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet um 3% Uhr die Sitzung von neuem. Inzwischen ist auch Staatssekretär Dr. Delbrück er- schienen. Der Namensaufruf für den zweiten Vizepräsidenten erfolgt.
Präsident Dr. Kaempf verkündet da» Ergebnis: Es sind ab. gegeben 378 Stimmzettel, davon ungültig 18; es bleiben also 360 gültige Stimmen. Tie absolute Mehrheit beträgt 181.
Es haben erhalten:
Dove (Vp.) 209 Stimmen. (Bewegung.) Scheidemann (Soz.) 147 Stimmen.
Graf Poiadowöky (Wild) 1 Stimme. (Heiterkeit links.)
Basfermann (Natl.) 1 Stimme. (Große Heiterkeit rechts.)
Dr. Müller-Meiningen (vp.) 1 Stimme. (Stürmische Heiterkeit rechts und im Zentrum.)
Davidsohn (Soz.) 1 Stimme. (Heiterkeit.)'
Für Scheidcmann hat mit den Sozialdemokraten auch die Bolkspaitei gestimmt; für Dove die Nationalliberalen, die Rechte und daS Zentrum; die Polen enthielten sich wie schon bei der Wahl deS ersten Vizepräsidenten dec Abstimmung.
Aus die Frage de» Präsidenten erklärt
Abg. Tove: Herr Präsident, ich nehme die Dahl an
Tie gesamte Linke bricht in stürmischen Beifall auö. Dove wird von den Nationalliberalen lebhaft beglückwünscht. Im Zentrum und bei der Rechten erhebt sich tosendes Gelächter. Zn dcr andauernden Bewegung deS Hauses macht
Präsident Dr. Kaempf den Vorschlag, in die sachliche Verhandlung nicht mehr einzutreten, sondern zu vertagen.
Dienstag, 1 Uhr: Etat des SleichSamtS des Innern, Schluß 414 Uhr.
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Der Vorstand,
Frauenbund d. Deutschen Kolonialgesellschaft
Abteilung Gießen.
Wir machen unsere Mitglieder auf den Dortrag des Herrn Hofrat Tr. Hagen, Frankfurt, aufmerksam, dec am 11. März, 8l/< Nhr, in der neuen Aula der Universität aus Veranlassung des Deutschen Frauenvcreinö vom Roten Ären; für die Kolonien über „Tie Stellung der Frauen bei den Eingeborenen unserer Lüdseckolonien"
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