Ausgabe 
9.4.1912 Erstes Blatt
 
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Bestbewährte Glühlampe 70 o Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910

Durch die Hlektrirltitewerke und Installation^ gcechalle zu bcxtehcn.

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, der Chef und senior des Gesamt-Dauses Savn. tc, ber 81 Jahre alt geworden ist, war erbliches

Ter Verstorbene, der 81 Jahre alt geworden in, roarmc- 1 Mitglied des Preußischen Herrenhauses und mit einer Prinzeinn zu Bentheim v rmähi.. Ter Ci e en>i'. " - minder, drei Söhne

2iuslan0.

Aus Rom wird gemeldet: Ter P a p st sah am ^»termontao bei einem Empfang uiigariicfrer P ^er ziemlidi niederaesa lagen Imb matt aus, jedoch ist kein Grund zu unmittelbarer Beiorgnir vorhanden. Ter Plan, b-n Vatikan mit V en e d i g t e le phonisch zu verbinocn, damit der Papst so die von ihm geschenkten Glocken am Einweihungstage des neuen Camvaml- hören rönne, ist enr Rat oer Aerzte aufgegeben worden, die ein- zu starke Gemütsbewegung des Papstes befürchten

Aus Konstantinopel verlautet gerüchtweise, daß der G r o ß w e s i r s a i d Pascha, der seit ungefähr drei Monaten Trant ist und nicht auf der Pforte erscheint, sondern die Angelegen beiten seines Ressorts zu Dause erledigt, die tatsächliche Leitung der Geschäfte nicht mehr übernehmen werde Die Jungt.irkev sollen Verhandlungen führen, um das Großwesirrat einer anderen Persönlichkeit anzuvertraucn. Es verlautet sogardaß mit Kiami Pascha Unterhandlungen gepflogen werden. Ter Wechsel im Großwesirrat soll nach Eröffnung des Parlaments erfolgen.

Wie aus Fez gemeldet wird, trifft der Sultan je? einigen Tagen eifrig Vorbereitungen zu seiner baldigen Abreise nach Rabat Er hat alle ihm persönlich gehörenden Gegen stände aus dem Machsen-Palast in seinen eigenen Überfüllen lassen: auch seine Frauen sind bereits übergesiedelt. Die Ab reise Mulan vafids dürfte in der zweiten Hälfte des April, un gesähr zu derselben Zeit wie die des Gesandten Regnault. statt- finden. Der Sultan beabsichtigt angeblich von Rabat nach Paris zu reisen, wo er An sang Juni eintrefsen dürfte.

Wie die Agenzia Stefani aus Adis Abeba meldet, hatte Kaiser Mcnelik in der letzten Zeit einen neuen faweren Anfall seines Leidens. Die Kaiserin T a i t u ist ebenfalls schlver erkrankt.

Rach Ti entfiner Nachrichten sind in S ch e n s i frem - denfeindlichc Unruhen ausgebrochen. Viele Mohamme­daner wurden ermordet.

= Frantenberg, ä. April. In 'JU t e n lot beim brannte nachts bas Gehöfte des Landwirts und Lieh-

gern zahlten, weil gute Rinder für den Metzger und für dessen Kundschaft vorteilhafter sind als Fleisch von Tieren, die noch nicht ausgereift und halb gemästet sind. Tas Vieh flammt auä i.cr Gegend von Kassel und war ursprünglich für den Kölner Markt bestimmt. r _ . 1 ~

** T i e Sonntagsfeuerwache ist seit dem 1. April wieder eingerichtet und in Notfällen durch telephonischen Anruf beim Polizeiaml zu rufen. Branddirektor Braubach hat mr die aus 6 Mann bestehende Sonntagsfeuerwache einen Kurven al-Ret- tungswagen Herstellen lassen, damit ihre Hilfe bei Bränden allen Anforderungen entsprechen kann. Der Wagen ist tn erster -.ime als Steigerwagen gedacht, mit Anstell-, Einsteck- und .ioan eitern oroic mit allen Geräten für eine Steigmannschafk ausgerüstet In ihm wird mitgesührt ein Sprungtuch, _ Selbitrettungs- und Traggurte, ferner ein Rauchschutzapparat für einen Feuerwehr­mann Der Rettungswagen führt ferner einen Kohlensäureapparat und 200 Meter Schlauchmaterial mit, daß direkt an die Wasser­leitung angelegt werden Fann, Für kleinere Zi.mnerbrände hat inan eine Krückensvritze nebst einem Wasserbehälter zur 93er» 'ügung, üm nicht bei einem Zimmerbrand, allzuviel Wasser tn das Gebäude gelangen zu lassen. Außerdem führt Irr Wagen Ver­bandszeug sowie eine Tragbahre mit, um Verlebte fortschanen zu können Jedenfalls ist dieser Universal-Rettunaswagen, der von Wagner Faber bergestellt ist, ein sehr praktisches Feuer­wehrgerüst, um so mehr, als er sehr leicht von der Brandwache fortbewegt werden kann.

** Wandervögel. Am 1. und 2. CftcrTeiertaa zogen mrch die Stadt Gießen viele Wandervögel, die alle nach Marburg wanderten. Es befanden sich unter den durch Gießen ziehenden Wandervögeln solche aus Berlin, Leipzig. Nürnberg, München, Jena usw', die den allergrößten Teil ihres Weges zu Fuß zu­rückgelegt hatten und auf dem Wanderwege wieder in die Heimat zurücktippeln.

D er Herr Förster In der Uniform eines preuß'- scheu Försters erschwindelte vor einigen Tagen hier ein Un­bekannter ein Fahrrad. Er bestellte em neues Rad, das inan ihm nach Garbenheim direkt ans der Fabrik znienden solle, lieh, sich dann ein anderes Rad, um angeblich eine Besorgung zu machen und verschwand damit spurlos. Seine .'lngaben über seine Person und Wohnort erwiesen sich als falsch.

Selb st Mordversuch. Gestern versuchte ein hier ansässiger junger Mann sich die Pulsader zu öffnen. Die Sache mißlang und der Lebensmüde wurde in die Klinik gebracht.

Landkreis Gießen.

X Grünberg, 7. April. Ter Besitzer der Grünberger Molkerei Hch. K. Zimmer von der Steinmühle hat sich gestern erschossen. Der gut situierte Mann hat anscheinend die Tat in geistiger Umnachtung begangen.

------ Utp h e, 7. April. Heule konnte durch das Kreisgesund­heitsamt Gießen die Erkrankung zweier polnischer Arbeiterinnen an Blattern in dem Arbeitergehöft des Hof gutes Utphe festgesiellt werden. Beide Mädchen stammen aus Russisch- Polen, waren seit dem 23. März erst zugereist, hatten al'o die Krankheit von dort eingeschleppt. Geimpft waren beide nicht. Das Gehöft wurde gesperrt, die beiden Erkrantten nach Gießen in die Isolierbaracke gebracht und alle fremd- ländischen Arbeiter und Arbeiterinnen mit Schußpockenlymphe iofort geimpft. Damit hofft man der Weiterverbreitung dieser bösartigen, bei uns infolge des Impfzwanges äußerlt seltenen und dann immer von außen eingeschleppten Seuche Herr zu werden. Ein Grund zur Beunruhigung der Be­völkerung liegt sonach nicht vor.

Kreis Alsfeld.

W. Elbenrod, 8. April. Einbrecher drangen hier in öcn Keller des Gastwirts Fischer, stahlen zwei Fässer Bier von 12 und 18 Liter und nahmen noch 10 Limonaden- und 5 Flaschen Selterswasser mit. Aus einem int Keller lagernden Oelfasse ent­fernten sie den Kralmen, waren jedoch so vernünftig, das Spund­loch mit einem Stück Holz zuzustopfen. In einem anderen Hause hießen sie 13 Hühner und eine Quantität Kartoffeln mitgehen. Die an den Türen befindlichen Schlösser fand man ersprengt vor. Es wurde sofort durch die Hunde des Wachtmeisters Glaub aus Grebenau und drei Gendarmen die Verfolgung der Diebe aufge­nommen. Leider verloren die Hunde im Walde infolge des ein­setzenden Regens die Spur. Offenbar hat man es wieder mit Zigeunern zu tun. Auch der Keller des Schulhauses wurde er­brochen, hier konnten die Diebe aber wegen der von innen verschlossenen Tür nicht in die Wohnung gelangen.

Kreis Lauterbach.

= Lauterbach, 8. April. Ter für die bessere Ausbildung und für die Fortbildung der Privatförster schon seit Jahren leb­haft und erfolgreich tätige Verein für P r i v a t f o r st b e a m t e Deutschlands hält vom 3. bis 29. Juni hier einen forst­lichen Lehrgang für Privatförster ab. Lauterbach ist der Sitz der Verwaltung der Freiherren Riedesel zu Eisenbach. Ter zugehörige Wald hat eine Flächengröße von 12 560 Hektar, stockt teils auf Basalt, teils auf Buntsandstein und besteht aus 60 Proz. Laubholz (meist Rotbuche), 21 Proz. Kiefern und 19 Proz. Fichte. Ter Forst ist den Teilnehmern an diesem Lehrgänge zu Unterrichtszwecken geöffnet. Ten Waldbegängen soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Tas Ziel der Wirtschafts­führung ist die Verbilligung der Produktionskosten und damit die Steigerung der Rein-Einnahme. Tie Leitung des Lehrganges liegt in der Hand des Freiherrlich Riedeselschen Forstrats Eule- selb. Tie übrigen Lehrkräfte sind aus dem Norden und Süden, aus dem Osten und Westen unseres Vaterlandes gewonnen. Da­durch ist Gewähr geleistet, daß die mannigfachen Erfahrungen auf dem Gebiete der Forstwirtschaft zum Vortrage kommen.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 8. April. Wie bestimmt verlautet, wird die Gro ß h e r z o g l ich e Familie im Sommer, nach der Rückkehr von Rußland, für längere Zeit im hiesigen Schlosse Aufenthalt nehmen.

--- Bad-Nauheim, 9 April. (Priv.-Tel.) Tie An­kunft der Deutschen Kaiserin erfolgt morgen. Mitt- woch, vormittag 8 15 Uhr.

Starkenburg und Rbeinbefseu.

rrn. Darmstadt, 8. April. Aufsehen erregt das Ver­schwinden des Zigarettenfabrikanten Jak. I a c o b s o h n , In­haber der Zigaretten- und HülsenfabrikGlobus" hier. I. stammt aus Russisch-Polen und kam vor etwa 3 Jahren hierher. I. soll seit langer Zeit dadurch erhebliche Steuerhinterziehungen begangen haben, daß er die Steuerbanderolen selbst anfertigen ließ.

Hessen-Nassau

[] M arburg, 8. April. Tie feit Jahren übliche Ver­teilung von Ostereiern an über 100 Kinder unbemittelter Ellern fand gestern nach beendigtem Gottesdienst in den Anlagen dcS Stadtparkes statt. Ter schönen Feier, bet der eine An­sprache gehalten und Österlicher gesungen wurden, sowie dem , Promenadenkonzert der Jägerkapclle, wohnte eine große Menschen- : 1 menge bei.

Wandern unö Keifen*

0 Marburg, 8. Avril. Die deutschen Wander­vögel in Marvurg. Marburgs Straßen und Gassen,hallen seit gestern wider vom Gesänge froher Wanderlieder, die. au5 iugendsrischen Kehlen kommend, durch eigenartige Manbolmen unb Harfenbegleitung erhöhten Reiz bekommen. In kurzen Unter- brcck ungen zieht eine Truppe Wandervögel nach der anderen, darunter auch viele Tarnen, aus allen Gauen Deutschlands, tn die Stadt ein um an dem Bundestag des deutschen Bundes für JngendwanderungenWandervögel" Dem Bundestag des Vereins ,.Al Wandervogel" und dem Vecbandstag des alle Wandervogel Verbände umschließenden Verbandes deutscher Wandervögel" teil zunehmeii. Man schätzt die Zahl der bereits hier eingetroffenen Wandervögel auf über 1000, ein großer Teil soll noch unterwegs ein und erst morgen hier anfommen. Heute nachmittag fgnd auf dem Marktplatze eine Begrüßungsfeier statt, wobei-Beigeord neter Schimpfs die fremden Gäste im Namen der Stadt will kommen hieß. Ein Massenchor der Wandervögel trug unter Musikbegleitung einige Wanderlieder vor Tie jungen Leute inb teils in der Stadt, teils in den umliegenden Orten einguartiert.

und eine Tochter. . _ .

X. Hanau, 7. Avril. Als gestern in T ar ber g ber Land­wirt Scherer mit seinem 17jährigen Sohn damit beschäftigt war, ein altes Wohngebäude abzubrechen, stürzte infolge eines heftigen Windstoßes eine Wand nach innen und erschlug den jungen Scherer. . t

X. Fulda, 7. April. Ein Automobils in dem sich ber Kreisboniteur Budde, die Frau und beiden Söhne des Kgl. Domönenpächters Oberamtmanns Klostermann der Domäne Jo­hannesberg bei Fulda befanden, geriet gestern nachmittag, als es auf der Straße einem entgegenkommenden Fuhrwerke ausweicken wollte, in den Chauffeegrabe'i, kippte nm und begrub die Insassen unter sich. Die Aniebörigen der Familie Sloiter­mann erlitten nur leichte Hautabschürfungen, Dagegen wurde der 46 Jahre alte, unverheiratete Budde derart schwer verletzt, daß er auf dem Transport zum Fuldaer Krankenhause starb.

Fulda, 8. April. Den Höhepunkt des ernen für* hessischen Mu fikfcsteS unter Dem Protektorat der Land- qräfin von Hessen anläßlich des Diamantenen Jubiläums deS hiesigen OrotorienvereiuS ,G*ci(ia* am 11. und 12. Mai bildet die Aufsührung be§ Cratorium3Quo vadia im großen ?tadtfaal ?ldolf Müller-Frankfurt ivird den .PetriiS^, Lillmn Wiefeke-Berlin die ,£i)ciiad und Harzen-Berlin den .Prätorianerobersten" fingen. Zur Aufnahme eines Massen- choies haben auswärtige Gesangvereine, darunter einer auS Wien, ihr Erscheinen zugefaat.

zeit. - Diese Ehrungen sollen auch den Schäfern, denen das wert­volle Sachsvieh im größten Teil des Jahres bei Tag und bei Nackt anvertraut ist, zuteil werden, wälfrend die Hirten von Gänsen und Schweinen, die nur vorübergehend und nur am Tage ihreo Amtes walten, davon ausgeschlossen bleiben sollen. Auch den Wald und Feldsckin^en, die mit polizeilichen Befugnissen ausgestattet sind, können die Auszeichnungen für langjährige land- wirtschaftliche Dienste nicht verliehen werden. Nach einigen ge­schäftlichen Mitteilungen konnte der Vorsitzende die Versammlung schließen

** Tic Sckweinemärkte sind in Gießen von dem Kreis­amt unter gewissen Bedingungen wieder gestattet worden Ter erste Markt findet am 17. April statt. Arn gleichen Tage wird auch auf Oswaldsgarten Krämermarkt abgehalten. Tie Abhaltung der Rindviehmärkte ist ivegen der immer noch drohen­den Seuckxmgefahr bis auf weiteres noch ausgesetzt.

** V o r t r e f f l i ck e s M a st v i e h. Ein hiesiger Viehhändler hat am Samstag vor Ostern in unserem Scklachthos 14 Mast­rinder im Gewicht von 68 Zentnern eingestellt und an infere Metzger verkauft, wie sie in dieser Qualität äußerst selten hierher kommen. Tic Kernware erregte die Verwunderung ber Abnehmer, die dafür zwar einen hohen Preis anlegen mußten, diesen aber

Aus Sta&t und <£anfc«

Gießen, 9. April 1912.

♦♦Tie Dfterfeicrtagc brachten recht schönes Detter, das den Frühling wenigstens abnen ließ. In Feld und Wald beginnt es zu grünen und die bekannten Früh­jahrsblumen beleben das bis jetzt noch ziemlich eintönige Bild. Von den Waldl«'iumen steht bis jetzt nur die Birke in Blättern, während die Buchen zwar starke Knospenbil­dung zeigen, die Knospen aber noch nicht springen lassen. Dafür ist die Hessenluft noch zu frisch, aber bald wird sich auch in unseren Waldern alles, alles wenden. Tas begehrteste Blümlein ist immer noch der Waldmeister und Männlein und Weiblein sah man sich in den Wäldern des Hangelstein, an der Hvchwart, am Schiffenberg usw. eifrig bücken, um das würzige Pflänzchen zu sammeln, das nachher auf den verschiedenen Ausflugspunkten den Griindstock für eine Bowle nbgeben sollte. Die elektrische Straßenbahn machte gute Geschäfte, dagegen war die innere Stadt in den Nachmittagsstunden recht still und einsam, bis der Abend die Ausflügler in Scharen zurückbrachte. Wer die Ostertage in Rheinliessen und Starkenburg verbrachte, konnte wieder feststellen, daß die Natur dort bereits viel weiter vorgeschrilieii ist, als in Oberhessen. An der Bergstraße grünt alles und prangen die Bäume hn Blütenschmuck. Man konnte in den Gärten der bekannten Sommerfrischen im Freien sich zum Kaffee niederlassen. Abends wehte frei­lick) auch dort ein kräftigeres Lüftchen, das aber nicht einmal ohnmächtigen Schauer körnigen Eises" über die grünenden Felder wirft. Der Bahnverkehr gestaltete sich, entsprechend dem schönen Wetter, recht lebhaft.

** Das Bauhandwerk lag in den letzten Jahren bei uns ziemlich darnieder. Die Ursachen hierfür waren, daß es an größeren Staats- und Gemcindebauten ganz fehlte, und die pri vale Bautätigkeit sowie das Jmmobiliengeschäst durch Stempel gebühren und Steuern überbürdet ist und es schwer hält, zu er­träglichen Zinsen 2. Hypotheken zu bekommen. Im laufenden Jahre scheint für die Bauunternehmer wieder eine bessere Zeit zu beginnen, da Aussicht vorhanden ist, daß es wenigstens nicht an Beschäftigung fehlen wird. Sollen doch, wie man zuverlässig hört, die Ohren und die Hautklinik, das Lnpusheim, das Amts gerichtsgebäude, der Schlachthofsweiterbau. die Oberrealschule und das in Aussichi genommene Unfallkrankenhaus noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden. Außerdem ist an Privat­bauten kein Mangel, so daß für die Bauhandwerker und deren Arbeiter wieder bessere Zeiten in Aussicht zu stehen scheinen. Da anzunehmen ist, daß die Fertigstellung der in Angriff ge­nommenen großen öffentlichen Bauten vor Ende 1913 nicht er­folgen wird und bis dahin wieder neue Arbeiten wir erinnern nur au das Volksfckulgebäudc auf dem Seltersberg und den schon sagenhafi gewordenen Wasserturm an der Schönen Aussicht spruchreif geworden sind, kann mit einer lang anhaltenden Besse rung im Baugeschäft gerechnet werden.

** Tie Ausschußsitzung des landwirtschaft­lichen Prozinzialvereins sand am letzten Donnerstag hier im Hotel Viktoria statt. Zunächst wurden 25 neue Mit. qlicdcr ausgenommen, darunter wohl zum erstenmal ein akttver Offizier, der in Oberlfcssen begütert ist. Tie Prüfung ber Rechnung für 1910 wurde dem dazu bestellten Ausschuß über* wiesen Heber bett Voranschlag für 1912 würbe eifrig go sprockten und Vorschläge zur Verminberung einiger Posten in ben Ausgaben vorgescklagen, bic nach Möglichkeit in ber nächsten Zeit zur Ausführung kommen sollen Eine Neuwahl des Präsi­denten wurde bis zur Hauptversammlung im Tezember b. I. hinausgeschobeu. lieber bic Maßnahmen zur Ehrung lanb- wirtschaftlicher Dienstboten für längere Dienstzeit be- richlei ber Präsibent. Die Ausgaben von Medaillen für fünfzehn­jährige treue Arbeit in einer Arbeitsstelle, ober von Broschen an weibliche Bcbienslcte kann noch im April b. I. vor sich gehen, ebenso bie Ausgabe ber sehr gut gelungenen künstlerischen Diplome unter Glas unb Nahmen für 25jährige treue Diensd-

händlers Menkel nieder.

= Siebcnfoof, 8. April Auf Schloß Wittgenstein starb am Samstag ber Fürst Ludwig rn Sayn W i 11 g e n jt c_i n - Hohe n ft ein, ber Chef unb -senior des Gesamt-Haufcs )sayn.

Vermischtes.

* Eisenbahnunglück. Bei Eagecliff (Dur­ham) e n t g l e i st e n mehrere Wagen des E r p r e ß z u g e s. Ter Zug riß schließlich auseinander: die Lokomotive und einige Wagen fuhren weiter, währ'nd die en'g'eisten Wagen dickt t vor einem Abgrunde stehen blickten. Von den 150 Passagieren, die tüchtig durcheinandergeriittckt wurden, erlitt niemand erheblichen Schaden.

* Ter neue Leipziger H a u p t b a h n h o f, der größte Bahnhof Eurovas, wird am 1. Mai d. I in seiner westlichen, preußischen Hälfte in Betrieb genommen. Von diesem Tage ab werden, so wird uns aus Leipzig geschrieben, die aus ber Rich­tung Thüringen kommenden Züge auf ben neuen Bahnhof geführt. Am 20. September erfolgt die Verlegung des Verkehrs aus der Richtung Halle vom Berliner Bahnhof auf den neuen Haupt­bahnhof unb am 1. Oktober 1912 werden die Züge aus ber Richtung Berlin vom Bäuerischen Bahnhof unb Berliner Bahnhof, sowie ber Schnell- unb Eilzugsverkehr aus ber Richtung Hof vom Bäuerischen Bahnhof auf ben neuen Bahnhof überführt. Am 1. Februar 1913 wirb dann ber Dresbener Verkehr vom jetzigen Dresbcner Bahnhof auf ben Hauptbahnhof verlegt, so daß bis zur Eröffnung ber Internationalen Bauausstellung Leipzig 1913 der gesamte dem künftigen Leipziger Hauptbahnhose zufallcnbe Eisenbahnverkehr sich auf der preußischen Hälfte des Hauptbahn- Hofes abwickelt.

* Tie Sterblichkeit ber Gastwirte. Ter franzö­sische Mcbiziner Tr. Louis Jacguet veröffentlicht in der Presse ntebicalc bic Ergebnisse interessanter Forschungen, bie angestellt wurden, um den Zusammenhang zwiscl>en Beruf unb Sterblich­keit zu ergrünben. Tas Hauptaugenmerk bcs Forschrs war dabei auf den Stand gerichtet, der Alkohol aussckenkt und verkauft, also auf bic Gastwirte. Tas Ergebnis ber vergleichenben Untersuch­ungen ist bie interessante Feststellung, baß in allen Säubern die Gastwirte unb Besiper von Branntweinschenken eine ungleich größere Sterblichkeit aufweisen, als die Allgemeinheit. Währenb beispiels­weise in Paris die Sterblichkeit der Männer zwischen 30 unb 49 Jahren 36,1 für das Tausend beträgt, erreicht sic unter den Gastwirten nicht weniger als 46,9. Und ähnlich liegen die Ver­hältnisse in der Schweiz: hier ist die Sterblichkeit der Männer in dem angegebenen Aller 25,8 von tausend, die ber Gastwirte aber 42,59. Das reichste unb vollstänbigste statistische Material liefert Englanb, wo seit 1860 bic Todesursachen^gcnau registriert werben. Tie englische Statistik berecknet bic Sterblichkeitsziffer in anberer Form unb kalkuliert bie Zahl der Männer zwischen 25 und 65 Jahren, bic erforderlich wäre, um in einem Jahre 1000 Todesfälle aufzuweifen. Da zeigt fick nun, baß in der Periode 18801882 auf 64 000 erwachsene Männer 1000 Todes­fälle entfallen, während zur gleichen Zeit 64 000 (Gastwirte nicht weniger als 1521 Todesfälle mi verzeichnen haben würden. 1890 bis 1892 ergaben 41 000 Männer 1000 Todesfälle, während 11000 Gastwirte 1642 Todesfälle zu verzeichnen hätten Und von 19001902 verschiebt sich die Zahl noch weiter zu ungunften der Gastwirte: während auf 71000 Bürger 1000 Stet befällt entfallen, würden im gleichen Zeitraum 71000 englische Gast­wirre mit 1669 Todesfällen zu rechnen haben.

Kleine Cagerchronik.

In Schleiz c r s ch o ß sich ber Schuler ber vierten Seminar- klasse G o e v e I aus Gera, weil er die -Reife für bie dritte Klasse nicht erlangt hatte. In Kassel erhängte sich ein 1 Ojähx. Sohn eines Eisenbahnbeamten weil er nicht versetzt worden war.

In Köln versuchte der Reisende K u 1 m a n n mit seinem 10jährigen Töchterchen auf den Trierer-Saarbrückener Zug »u springen als dieser sich bereits in Bewegung gesetzt hatte. Beide gerieten unter die Räder und wurden tödlich verletzt.

Am Sonntag abend 8,15 Uhr fuhr im Bahnhof Ehres­hoven der Sonntagszug 1462 statt am Bahnhof zu halten, auf einen in Verlängerung des Einfahrgleises stehenden Prellbock rociter. Hierbei entgleisten bic Lokomotive unb zwei Personenwagen. Der Lokomotivführer wurde getötet, Reisende Hieben unverletzt

Raymond Ea 11 emin, einer ber Uomplizen ber Automobil- banbiten Bonnot unb G a r n i er, ist im neunten Arronbissemenl von P ar i s verhaftet worben.

Präsident Falliöres hat bic beiben zum Tode ver­urteilten Verbrecher A n b r ä unb Nutze! begnabigt, die

«/OSRAM

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