Donnerstag, 7. November 1912
162. Jahrgang
Erstes Blatt
Giekener Anzeiger
viertel«
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9 c t n a i ret S: monatlich 7.) Vk Giert el- jäbrhd) Bit. 2.20. hurd) ?lbbole- il ZwklqsteÜen monatlich 6o "BL; durch
;äbrl. nuSldjL Benellg. ZeilvlvrrtS: total dii5innrt‘ SO B»enniq. Cheiredatleur; 91 Goetz. Verantwortlich für den polmichen Zeil: August Goetz, für ,‘tteutlle- ioiie, ,Bevini|cblc6* und .Merickussaai": R. 'Jlcu- taib, für ,Stabt und Land": ’S.J'cb; für den Anzeigenteil; £> Beck.
Nr. 263
Ter Gießen er Anzetgei erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: oiermal roöcbcntlich SleßenerFamiliendlättcr, zweimal loöcbcntl.KteiS: blatt fvrdenNreirSiehen (Xienetag und Freitag); zweimal monatl Landwirtschaftliche Seittraarn Fernsprech - Anschlüsse:
-MW General-Anzeiger für Gberhessen
fötn°bie,tz^°qe^nummer Rvtationzdrvck Mtö Verlag der vriihl'fchen Univ.-Vuch- und Steinöruderet K. Lange. lledattioy, lkrpedition und Druckerei: Zchuistratze 7. bi! vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschästrstclle vahndosstratze 16a.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten«
An der pKftcrfüftc.
Man schreibt uns aus kundigen Kollmialkreisen:
An der Pfefferküste Oberguineas, in der „freien" Negerrepublik Liberia sind höchstbedenkliche Unruhen aus- aebrochen. Mehrere Faktoreien, darunter deutsche, sind bedroht. Zum Schuhe unserer Landsleute hat die deutsche Regierung die Entsendung eines Kanonenbootes angeord- nct. Ein Hamburger Großhandels Haus erhielt unterdessen auch eine Depesche, monach die schwarzen Angestellten seiner Faktoreien ermordet wurden und die Europäer sich wahrscheinlich in Lebensgefahr befinden; die Regierungstruppen der Republik erwiesen sich zum Schutze der Weihen ungenügend.
Diese Hiobsbotschaften kommen auf direktem Wege aus Liberiens Hauptstadt Monrovia Hier zeigt sich bereits der Segen des neuen deutschen Kabelnetzes! Das Kabel nämlich, das durch die Deutsch-Südamerikanische Telegraphengesellschaft von Borkum nach Brasilien gelegt ist, wurde 1909 bis Santa Eruz auf Tenerifa eröffnet und erhielt von hier eine Abzweigung über Monrovia nach den deutschen Schuhgebieten in Westafrika. Zn absehbarer Zeit wird man dort wohl auch drahtlos telegraphieren, so daß bei Gefahr im Verzüge sehr rasch eingegriffen rver-- den kann. Leider ist für die Europäer in Oberguinea an diesem heißesten aller .Küstenstriche der Erde fast immer Gefahr im Verzüge. Von den 80 bis 90 Weißen in Liberien sind etwa 60 Deutsche. Es ist auch nicht das erste Mal, daß ein deutsches Kriegsschiff in den Gewässern dieses Staates zu tun hat, der einst aus einer Ansiedlung freigegebener nordamcrikanischer Sklaven hervorging. Ende Januar 1909 schoß das liberische Kanonenboot Lark auf sechs britische Schiffe und ein deutsches, weil sie innerhalb der Gebietsgewässer der Republik Signale, die wegen angeblichen Schmuggelverdachts gegeben worden seien, nicht beachtet hätten. Ein zweiter Zwischenfall ereignete sich am 23. und 24. Februar 1910 mit dem deutschen Kreuzer „Sperber vor Kap Palmas, der dem liberischen General Padmore Hilfe gegen die aufständischen Grebo angetragen hatte; die Ablehnung dieses Anerbietens wurde Ende März von englischen und französischen Blättern als eine deutsche Schlappe hingestellt, bis Anfang April die Aufklärung des Sachverhalts den Vorgang richtig stellte.
Die jetzigen Unrichen sind eine Folge der finanziellen Zerrüttung Liberias, das auf dem internationalen Markte keinen sonderlichen Kredit genießt und tuTsscn Budget sehr anfechtbar erscheint. An der Spitze des Negerstöates steht ein Präsident. Als Volksvertretung fungieren 13 auf zwei Jahre gewählte Repräsentanten und 8 auf vier Jahre gen-ählte Senatoren. Die Regierung wird besorgt von sechs Ministern. Der wachsende Fremdenhaß der Liberianer mag seinen tieferen Grund in den sog. „Grenzregulierungen" haben. 1907,08 wurde das Land im 9Lorden und Osten gegen französisches Gebiet hin begrenzt, richtiger: beschränkt, im vorigen Jahre 1911 gegen englisches (Gebiet. Ein großer Teil des llbe- rischcn Hinterlandes fiel schon dadurch an England, daß das Kaure-Labun-Gebiet von Sierra Leone aus besetzt wurde. Genährt und geschürt aber wird der Fremden- lPaß durch die wirtschastliä>e und politische Ablstingigkeit von Nordamerika, in die der schlecht geleitete Reger- ftaat immer mehr gerät. Als am 1. April 1910 bekannt wurde, daß wieder einmal ernste Unruhen ausgebrochen wären, erklärten am 26. Juli die Vereinigten Staaten,
Das normale Wetter im November.
Der Temperaturabfall geht im November langsamer als im Oktober vor sich. In den Tal lagen Süd- und Mitteldeutschlands sinkt die Tagendempcratur von 6—7° am 1. ds. Mts. aus rund 3" am 30.; der Rückgang der Temperatur betragt danach nur 3—4° gegen 6° im Oktober. Die mittleren Monatstempera- turen betragen in Frankfurt 4.6°, Karlsruhe 5.0°, München 2.1° Sähe Münchens 530 m , Straßburg i. E. 4.5°, Stuttgart 4 8°, mrg 3.5°, Berlin 4.0°, Wadren 5.8°, Hamburg 4.1°, Helgoland 5.7°, Königsberg 2.2. Aus den Höhen unserer Mittel- gebirge (über 900 mj sinkt die mittlere Novembertemperatur bereits unter den Gefrierpunkt. Feldberg (Taunus) hat noch 0.3 Wärme, während der Brocken pnd der Feldberg im Schwarzwald bereits 2—3" Kälte ausweisen. In Höhen von 3000 m um Hochgebirge) beträgt die Monats lern peratur des November bereits rund 8° Kälte. Auch im Flachlande kann der Monat schon winterliche Kältegrade im Gefolge haben. So wurden am 23. im Jahre 1858 in ganz Mittel- und Süddeutschland 14—15° Kalte beobachtet. Im Mittel bleibt jedoch die Nachttemperatur iwch 1—2° über dem Gefrierpunkt. Tic höchste Novemberwarme wurde nm 5. 1899 mit 19—20° beobachtet. Frosttage kommen tn nmerer Gegend im Durch'chnilit 8 mal vor. Tie größte^Anzahl der Frvst- tagc erreichte der November 1858 mit 23 -Lagen. Innerhalb des Großherzogtums Hessen betrug die Novembertemperatur während des Zeitraums von 1901—1910 in Daiwi- ftabt 4 4°, G'eßen 3.9°, Bad-Nauheim 3.4°, Mainz 4.8°, Offenbach 4 1°, Michelstadt 3.6°, Schotten 3.1°, Worms 4.1°, Alzey 3.9°. Tie mittlere Eintrittszeit des ersten Frostes fällt m Michelstadt auf den 16. Oktober, Schotten den 25., Bad-Naubeim den 30. Oktober, Gießen und Offenbach 3. November, Mainz und Worms den 4., Alzey den 5. und Darmstadt den 6. November. Bogels- berg und Odenwald werden erheblich früher vom Frost betroffen als die ytiebemngen Rhein Hessens und Starkenburgs.
Zur Charakteristik der Niederschlagsverhältnisse dienen folgende Mittelwerte des 9?oDembcr: München 49 mm, Straßburg 45, Stuttgart 47, Karlsruhe 49, Frankfurt 49, Hamburg 48, Berlin 43, Königsberg 54 mm. Erheblich größer sind die Niederschläge aus den Höhen der Mittelgebirge: Brocken 140, Feldberg (Taunus 82, Schneekovve 63 mm. Der Niederschlag fällt ment hier tn Lckmee- form. Auch der November kann große Gegensätze in seinen Niederschlagsverhältnissen ausweisen. 1867 fielen in vielen Gegenden nur 10—20 mm, während 1872 über 150 mm üieliad) beobachtet wurden. Der W etter char aller hängt eben ganz von der
daß sie über die Republik Liberia die Kontrolle auf finanziellem und militärischem Gebiete zu übernehmen ent- schloffen sei. Der Präsident sollte mit amerikanischen Fi- nanzleuten eine Anleihe in Höhe von über 113 Millionen Dollars abschließen. Das Abkommeti sollte Mitte dieses Jahres 1912 unterschrieben werden. Aber der 1. Juli kam und die Verlsandlungcn waren immer noch so ungeklärt wie vor Beginn. Vorgesck>lagen ist, daß die Zoll- einnahmeii als Unterpfand dienen und von je einem deutschen, englischen, sranzösischen und amerilanischen Vertrauensmann kontrolliert werden sollen. Diese weihen Kontrollbeamten halten sich bereits in Monrovia auf, bis jetzt ohne Tätigkeit. Die Engländer sind es ge- lvesen, die das Zustandekommen der Anleihe bis jetzt verhinderten, weil sie im Anschluß an eine frühere Anleihe die Kontrolle über die Zolleinnahmen beanspruchen und von keiner Seite ein gangbarer Weg gesunden wird, um iene alt.m Rechte in ein neues Ueber- einkommen überzuleiten. Die mißliche Folge für den Negerstaat aber ist, daß er kein Geld und somit auch nicht Machtmittel genug besitzt, um ein Mindestmaß von Ansehen aufrecht zu erlitten. Und so wendet sich das ganze „Temperament" der schwarzen Bevölkerung ungezügelt gegen die Fremden, die für die traurige Lage des Landes veranllvort- licht gemacht werden.
Traurig ist jedeitsalls die Lage der Firmen, die mit Liberia im Handelsverl)ältnis stehen und deren Angestellte jetzt einer gereizten und erbitterten Bevölkerung preisgegeben sind, wenn die militärische Hilfe nicht mehr rechtzeitig am Platze erscheint. Dem deutschen Handel dürfte jedenfalls, auch wenn jetzt im übrigen alles gut abgeht, der neue Zwiscltzmsall mit Liberia eine ernste Warnung sein.
Berlin, 6. Nov. Amtlichen Nachrichten zufolge sind an verschiedenen Orten der liberianischen Küste Unruhen unter den Eingeborenen ausgebrochen. Mehrere Faktoreien, darunter eine deutsche, sind bedroht. Wie wir hören, ist zum Schutze von Leben und E'.gentum der Reichsangehörigen die Entsen- dungdeszurzeitinDualastationiertenKanonen- b 0 01 e s „Panther"" in die Wege geleitet worben.__________
hangen und Bangen in Uonstanünopel.
Aus der türkischen Hauptstadt kommen recht verworrene Nachrichten. Einmal heißt es: die Stimmung ist wieder besser, neue Truppen sind angekommen und an die Front abgegangen, Brot ist endlich in ausreichender Menge beschafft worden, und Kiamil Pascha, an der Spitze der Regierung, rechnet jetzt wieder ernstlich mit einem Siege bei Tschataldfcha. Tann aber verlautet wieder das gerade Gegenteil: Der Kronprinz ist von der Front wieder in Konstantinopel eingetroffen, imb von einem aus der Schlachtreihe Zurückgekommenen wird berichtet, daß vor Tschataldscha garntchts, absolut garnichts, vorbereitet sei. Ein Glück für die Türken ist es vielleicht, daß infolge der Regengüsse die Wege aufgeweicht sind und die Bulgaren daher auf ihrem Bormarsche länger aufgehalten werdeit als sie es wünschen. Man kann den Konstantinopeler Berichterstattern nicht viel Vertrauen schenken; mancher mag aus Pflichtgefühl, mancher infolge natürlicher erlebter Schrecknisse phantasieren. So ist die Meldung vielleicht auch nur der bloßen Vorahnung eines solchen Kopfes entsprungen, daß der Sultan Mohammed V. seine Sachen schon gepackt habe, nm in Asien eine neue Residenz aufzuschlagen, wonach dann eine andere Nachricht, der Sultan habe dem unglücklichen Abdul Hamid großmütig den Aufenthalt in Konstantinopel gestattet und ihm ein schönes Schloß zum Wohnen überlasten, wie reiner Hohn aus- steht.
jeweiligen Lage der Tiefdruckgebiete ab, die sich im voraus nicht einmal annähernd beurteilen läßt.
Für Hessen hat das Großh. Hydographische Bureau in Darmstadt folgende Niederschlagsverteilung festgestellt (1901—1910): Worms 38, Oppenheim 39, Mainz 40, Alzev 37, Bingen 41, Gernsheim 38, Bensheim 55^ Groß- Gerau 41, Darmstadt 48, Beerfelden 109, Michelstadt 67, Offenbach 44, Schotten 68, Bad-Salzhausen 46, Grünberg 56, Lich 46, Bad-Nauheim 47, Friedberg 53, Herchenhain 97, Gedern 82, Vilbel 50, Gießen 41, Grebenhain 93, Herbstein 87, Alsfeld 47 mm. Die mittlere Zahl der Schneetage, die besonders für den Wintersportler Interesse hat, beträgt in den Niederungen etwa 1—2 Tage, steigt aber auf 10 Tage im hohen Vogelsberg und Odenwald an.
Eine Schneedecke tritt im Mittel nur an einem Novembertag an, soweit das Tiefland in Frage kommt. 1887 und 1902 hatten aber selbst Rhein- und Mainebene bis 6 Tage mit Schneedecke.
Ter Novemberhimmel ist ausgesprochen trüb; nutzer Dezember hat eine noch größere Bewölkung aufzuweisen. Tie mittlere Zahl der trüben Tage beträgt 15 und mehr, die der heiteren nur 3. Das Bewölkungsmittel ist rund 7 der zehnteiligen Bewölkungsskala.
Ter vergangene Oktober war, die letzten Monatstage ausgenommen, in ganz Deutschland zu kühl gegen das lang- ]übrige Mittel. Die kühlsten Perioden herrschten vom 29. September bis 5. Oktober und vom 6—12. ds. Mts. Die größten Temperaturdeprefsion hatte Trier mit 6.7° unter dem Mittel vom 6.—10. Oktober und 3.7° im Mittel des Monats Geringer war die Abweichung im mittleren Rhein- und Maingebiet mit — 2.9° in Frankfurt. Noch geringere Abweichungen hatte Nori)deutschland Berlin 2.6° zu kalt, und das Nordseegebiet 2.4° zu falt Bremen). Die mittleren Monatstemperaturen lagen in Sud 4. Mitteldeutschland bei 6—7° Wärme, Berlin batte 7.6° und nur im Osten sank die Monatstemveratur unter 6° (Königsberg rund 5°. Gelegentlich brachte nächtliche Wärmeausstrahlung schon erhebliche Frosttemperaturen. So wurden in Trier am 7. 6° Kälte beobachtet, desgleichen in Frankfurt Main und Süd - deutschland. Dagegen blieb der Osten des Reiches bis zum Monatsende von stärkerem Nachtfrost verschont, nur Königsberg meldete am 22. 5° Kälte, die noch wiederholt im Osten zur Beobachtung gelangten. Die Niederschlagsmengen sind sehr verschieden ausgefallen. Frankfurt hatte 113 mm Regen (normal 57 mm), Iroar also erheblich zu feucht. Kalsruhe und München mit 70
Tie Bulgaren haben ihr Hauptquartier geteilt imix scheinen kräftig auf der Verfolgung begriffen, n>obci man natürlich auch nicht allen Eigzellpriten unbedingt Glauben schenken darf. Sehr widerspruchsvoll sind heute die Meldungen der Serben. Die auf dem Umweg über Rom gemeldete Nachricht vom Falle Monastirs ist wohl verfrüht. Denn anbere Meldungen sprecksen nur von der Besetzung Prilcps und anderer nördlich von Monasrir gelegenen Orte.
Wir verzeichnen folgende Meldungen:
Die militärischen Aussichten der Türken.
Konstantinopel, 6. Nov. (Bon einem Privatkor- respondentcn.) Aus den Mittellungen der hierlser zurück- gekehrten Kriegskorrespondenlen und Militäraltachös läßt heute sich auch das Bild von dem Verlauf der Sclstacht bei L u c l e - B u r g a s - B i s a auf dem linken Flügel der Türken gewinnen, llebereinsrimmcnd wird angegeben, die türkischen Truppen kämpften mit großem Mut. Mahmud Mukhtar selbst nahm mit drei Bataillonen zwei bulgarische Batterien im Sturm. Erstz nachdem in der Nacht ein wolkenbruckstirtiges Gewitter niedergegangen war, rückten die türkischen Truppen/ die fast sechs Tage lang unter Brotmangel gelitten hatten, in Unordnung ab. Die bulgarischen Truppen stießen auch auf diesem Flügel nicht nach.
Es wird versichert, daß die Bulgaren wegen der vollkommen grundlosen Wege kaum vor. zweiWochen dieneue Verteidigungslinieder Türken werden angreifen können. Die Stellung? von Tschataldscha, wo sich eine größere Zahl neuen Divisionen befindet, sei unter den jetzigen Umständen taunti zu nehmen. Es komme nur darauf an,.daß die Verpflegung jetzt endlich durchgeführt werde. Daß dies jetzt geschehen wird, geht aus einer Tatsache hervor, die nicht telegraphiert werden darf.
Der Berichterstatter der „Franks. Ztg." meldet nochv aus Konstantinopel:
Die strategisch bedeutsame Tschataldschalinie ist zurl Stunde noch in der Hand der Türken. Dreißig frisches Bataillone sind zur Verstärkung dort eingerückt.^ Mit einiger Energie und etwas Zielbewußtsein müssen sie auch xhne die Mitwirkung Europas die sehr ermüdete bulgarische Armee; von der Einnahme Konstanttnopels abzuhalten im Stande sein-i Man glaubt, daß ihnen das auß gelingen wird. Es liegt int türkischen Charakter, oft erst im entscheidenden letzten Augenblick die Willenskrast zusammenzuraffen. Die Raison ö'ätrc der euro--. päischen Türkei war die Armee. Versagt sie vollends, so würde auch die europäische Intervention fruchtlos bleiben. Das türkische Hauptguartier befindet sich diesseits der Tschataldschalinie in Hademkoi.
Konstantinopel, 6. Nov. (7 Uhr abends.) Die, Regierung bereitet einen kräftigen Widerstand auf der Tschataldschalinie vor. Verstärkungenz werden abgesandt, um die Truppen zu. ermutigen. Dcn-^ selben Zweck verfolgt auch die Entsendung der Ulemas zur. Front. Dem „Al Emdar"" zufolge begann heute der 23or»] marsch der Armee. Eine amtliche Bestätigung liegt nicht: vor. ü
Nach einer Mitteilung der Pforte ist die Blockade- der butgarischen Häfen vorläufig aufgehoben; worden.
Der Sultan besuchte am Dienstag nachmittag die Verwundeten im Hospital Nischantasch und tröstete fic.i
Der Berliner ,Lok.-Anz." meldet aus Konstantinopel: Die Stimmung ist hier wieder zuversichtlicher. Neue Regimenter, die einen vorzüglichen Eindruck machen, treffen bezw. 65 mm, überschritten kaum den normalen Durchschnitt (74 unb 58 mm). Desgleichen hatte Metz nur 60, Berlin nur 38 mm Regen. Im übrigen Deutschland wurden folgende Niederschlagsmengen gemessen: Trier 68, Bremen 37, Königsberg 35, normal 63 mm. Faßt man alle Beobachtungen zu einem Gesamturteil zusammen, bann muß wegen seiner Niederschläge der Ottober im Durchschnitt des ganzen Reiches als normal bezeichnet werden. Nord und Ostdeutschland erhielten zu wenig, Mittel- und Süddeutschland teilweise zu viel Regen. Die Temperatur war aber überall untemormal.
Die allgemeine europäische Luftdruckverteilung hat im Oktober starke Aenderungen durchgemacht. Zu Beginn des Monats lagen intensive Sturmlwirbel im Norden. Am 3. aber bildete sich über dem westlichen Meere ein Hochdruckausläufer, der ostwärts wanderte und sich mit dem asiatisch- russischen Hochdruckgebiet vereinigte. Letzteres erreichte in den folgenden Tagen eine außerordentliche Ausdehnung und brachte Rußland die ersten stärkeren Fröste. Es hielt sich über dem östlichen Europa bis 3um 28., während in Westeuropa bald wieder Zyklonen auftauchten und Mitteleuropa Regen brachten. Dabei rief em kräftiger, weit nach Süden reichender Lustwirbel vom 28. ab in ganz Deutschland ungewöhnlich warme Südwinde hervor, so daß die Morgentemperaturen bis 10° anstiegen. Die Erwärmung erstreckte 'ich bis in große Höhen. So flieg selbst in 3000 Meter Höhe die Temperatur von 10° in den Tagen des 24.-26. Oktober bis 0° am 28. und 29. Oktober an. Die hohe Wärme hatte eine rasche Verlagerung der westtichen Luftwirbek nach Osten im Gefolge, so daß bereits am 1. November ein emp- iindlicher Temperaturrückgang eintrat, wobei die Südströmung nach Norden drehte. In verschiedenen Gegenden DeutscAands fällt am 2. November geringer Schnee.
Die augenblickliche Wetterlage mit tiefem Druck über Rußland, ist sehr stabil und läßt für die nächste Zeit rauhes Herbstwettev. mit gelegentlichen Regen oder Schneefällen, letzteren besonders; in unseren Gebirgen erwarten. Dr. A. Pepp 1 er.
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— Kurz e Nachrichten aus Kunst und Wissen-' schäft In München starb der Kumtmaler Karl Kunsts der mit großem Erfolg den bayerisch-volkstümlichen Plakatstil pflegte, im Alter von 28 Jahren. — Die 4 2. Versammlung der Südwestdeutschen Irrenärzte wird am 9. und 10. November in Straßburg im Hörsaal der psychiatrischen und Nerveullinik abgehallen.


