Ausgabe 
6.3.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafjt 14 Seiten.

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polis eine türkische Provinz bleibe.

Tic Antwort soll cnd-

gültig sein.

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Bolck (Dr. £>rb), Herr Rappeport (Dangel).

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Wissen

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München über Augs-

von morgen Tardanellen will wissen, Schritte der

t iufbiii. von Stetj

An der Aufführung waren beteiligt Herr B a k o f (Rektor', Frl. de la Chapellc Elisabeth'/, Frl. de Bruyn (Helene/, Herr Brachwitz (von Räcknitz , Frl. Schrnibt (Bettina), Herr

statt.

Es ist hiermit eine Leistung geschossen, die sich Leistungen Englands und Frankreichs roürbig an stellen kann.

Ein neuer italienischer Oberbefehlshaber zur See.

Rom, 5. März. (Agenzia Stefani) Ter Ministerrat be­schloß, dem Könige die Ernennung des Vizeadmirals F a r a v e l l i zum Oberbefehlshaber der vereinigten scestreitkräite vorzuschlagem

SerkinMünchen.

Im Jahrc 1850 mußte ein Reisender, der von nach Berlin fahren wollte, auf dem Umweg

steigung des Thüringer Waldes, die scharfen Kurven im Alt- mühltal, der Abstieg von München zum Tonautal, die engen Kurnen im Saaletal die virtuelle Länge um ein Bedeutendes heben. Die Züge werden mit einer Turchschniltsgei'chwin- digkeit von 100 Km in der Stunde geführt Sie haben in beiden Richningen nur in Nürnberg und Halle Ver- kehrsaufenthalte, außerdem ist je ein kurzer Betriebsausenihalt zum Ansetzen der Schiebelokomotive, und zwar auf der Fahrt nach Berlin in Rothenkirchen, auf der Rückfahrt in Probstzella, vorgesehen. Lokomotivwechsel findet n u r in Nürnberg und Halle

an die nächtliche Durchfahrt von Schiffen durch die untersagt ist. Das BlattTerdicman-i Hakikat" daß die Pforte in Beantwortung der sondierenden Mächte erklärte, daß sie, selbst wenn Italien einen

den besten die Seite

bürg, Hos, Leipzig, Halle Köthen, Magdeburg oder Köthen- Jüterbog nach Berlin reisen. Der schnellste Zug hierzu brauchte, so schreibt derInternationale Volkswirt", Berlin, 24 Stunben. Langsam wurden die Abkürzungsstrecken Jüterbog -Bitterfeld und MünchenIngolstadtTreuchtlingen ausgebaut, und in den 70er Jahren fuhr der schnellste Zug auf dieser Linie etwa 18 Stunden. 1885 wurde die erste namhafte, vom sächsischen Eisenbahnwesen sich unabhängig machende neue Verbindung bergejtcllt, und zwar BerlinProbstzellaBamberg München Die Schnellzugsverbin­dung sank auf 12 Stunden. Durch den Ucbergang der Bayerischen Oübahn an den Staat und ourck die Herstellung der Abkürzungs linie WiesauHos, wodurch der Umgang über österreichisches Gebiet Eger vermieden wurde, war indischen die Regensburger Linie in scharren Wettbewerb mit der BambergHofer und Probst zellaer getreten, und ein gegenseitiger Betrieb in der Herstel­lung schneller Verbinduiigcn zwiickren ben beiden Hauptstädten Deutschlands begann. Nichtsdestoweniger trat eine entschiedene Herabdrückung der Fahrzeit er ft ein, als die Internationale Schlafwagen gesell sck, oft den Nordsüdexpreß Milte der neunziger Jahre schui, der die Verbindung aut 10 Stunden herabdrückte. Das blieb das Marimum der Höchstgeschwindigkeit zwischen den bedien Städten, und erst die vor einigen Iabren begonnene Politik Preußens und Bayerns, scknellfabrende Schnell­züge einzuführen, bat jetzt einen gründlichen Wechsel oerbeigeführt. Am 1. Mai wird, wie schon gemrfbet, der schnellste deutsche Zug auf große Entfernungen zwischen Berlin und München fahren, und zwar in folgendem Fahrplanbild:

Ab Berlin 1.10, iHalle 3 Uhr, ab 3.04, in Nürnberg 7.37 an, ab 7.43, in .. (ünchen 10.08. Der Gegenzug verläßt München 8.10, in Nürnberg 10.25, hier 6 Minuten Aufent­halt, Halie 3.02, ab < in Berlin 4.56.

Es ist also gelungen., die Entfernung von 657 Km. in 8 Stunden und 46 Minuten surückzulegen, trotzdem die Ueher-

bayerischen Akademie der Wissenschaften Tie Bürgervertretung in Roftock nahm einstimmig eine Vorlage des Rates an, nach der eine Lnftwarte, d. h. ein Observatorium zur Erforschung der höheren Luftschichten, gegründet werden soll Wie die Tribuna" aus Pompeji meldet, Haden die vor zwei Monaten begonnenen Ausgrabungen zur Entdeckung eines neuen wichtigen Teils in der vergrabenen Stadt geführt. Man hak auch In­schriften von großem Wert und reiche archaeologiscke Schätze gefunden. Gestern nachmittag wurde durch den König der Belgier in Brüssel eine Internationale Miniaturen- ausstellung eröffnet. Ter König von Sachsen, der > önig von Württemberg, der Großherzog von Hessen und viele privaten Persönlichkeu^n von D>eutschland haben aus ihren Samm­lungen wertvolle Stücke gesandt. Die Ausstellung hat fttro* speüiven Charakter.

Bayern- einzulrelen. Vor allem dürfe die Finanzhoheit der Einzelstaaten nicht gemindert und das Besteuerungsrccht tH*> Reiches nicht aus das Besteuerungsgebiet der Bundesstaaten aus- geiichnt werden. Die ungcminderle Finanzeinheit her Einzcl- fiaatcn sei schlechterdings erforderlich, weil ohne sie die Kultur-» aufgaben nicht erfüllt Werdern kömiten. Wie Krone und Rc- gieruitg bisher die Empfindungen und die Rechte der v r o - tcstantischen Bevölkerung gcadüct haben, so solle es bleiben.

Kurze Nachrichten aus Kun st und schäft. Der Vertreter der Nationalökonomie und Statistik an der Universität Straßburg i. Els. Tr ohil et jur. l> c. Georg Friedrich Knapp begeht am 7. März seinen 70. Ge­burtstag Geboren am 7 März 1842 zu Gießen, studierte er in München, Berlin und Göttingen, promovierte 186.5, mar bann im statistischen Seminar von E Engel in Berlin tätig, wurde 1867 Vorstand des Statistischen Bureaus der Stadt Leipzig und zwei Jahre später a o. Professor an der dortigen Uni­versität. 1874 kam Knapp als orbentlicber Professor nach Straß­burg. Er ist korrespondierendes Mitglied der preußischen unb

Angriff ouj die Dardanellen ober gar auf Konstantinopel unternehmen sollte, beit Frieden zurückweisen werde, der nur möglich sei, wenn Tri-

Die Sperrung der Tardanelleu.

Wien, 5. März. DieNeue Freie Presse" meldet auZ Konstantinopel: Die Pforte beschloß, die TarbaneHcn nachts z u sperren , um sich gegen einen italienischen lieber» fall zu schützen. Der Kriegs, der Marineminister unb bei Mi­nister des Innern hatten eine längere Besprechung über die zu ergreifenden weiteren Maßnahmen zur Verteidigung der Dar­danellen. Der Kriegsminister konferierte auch mit dem Minister

itr hübsch zu .Kreuze zu kriechen Hütte. Diese Anträge langten u. a. die Anberaumung der Landtagswahlen auf

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ben Sonntag, Trennung von Kirche und Staat, Zurück­ziehung des der sitrstlick)en Zivilliste bewilligten Zuschusses »an 32 000 Mk., bessere Besoldung aller Lehrer und Einfüh­rung der Vermögenssteuer. Das wäre, mit Ausnahme der Bertürzung der Zivilliste, in die der keineswegs reiche Fürst «Mnther unmöglich willigen konnte, auch vom liberalen Standpunkte aus zu billigen gewesen, wenn nicht die Sozial­demokraten und darin zeigt sich ihr ganzer Uebermiit der Regierung mit diesen Forderungen ein Ultimatum schärf­ster Form gestellt hätten. Erklärten sie doch, daß, falls ihre Forderungen von der Regierung zurückgewiesen wür­den, sie den Haushalt ablehnen und auf weitere Verhand­lungen nicht eingehen würden.

Staatsminister v. d. Recke beanttvortete diesen sozial­demokratischen Vorstoß zunächst damit, daß er seinerseits die Wiedereinbringung der Wahlresormvorlage vom Jahre 1910 ankündigte, die Anfang Dezember desselben Jahres gescheitert war, weil die damaligen sieben sozialdemokrati­schen Abgeordneten durch Verlassen des Saales das Haus beschlußunfähig machten. Er warf damit sozusagen ein "ornpeusationsobjekt in die Debatte des Tages, wenn er 'ich auch darüber klar sein mußte, daß die Sozialdemokratie m eine Reform, die den größten Teil der höchstbesteuerten (Wähler in die Kategorie der allgemeinen Wählerschaft ge- rjorjett und damit dort das bürgerlich Element wesentlich verstärkt hätte, niemals willigen würde und es also auch so zum Konflikt zwisck)en der Parlamentsmehrheit und der fürstlichen Regierung gekommen wäre.

Die tanWagsauflöfiing in $d)roarjburq=Rubolfta6t

Bon dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt mit einen 89917 Einwohnern hat man eigentlich mit Ausnahme .er letzten Zeit nur selten etwas gehört Ruhig und Harm os fröhlich floß das Leben in diesem deutschen Kleinstaat ahin, das Verhältnis zwischen Fürst und Volk war das lenkbar patriarckgilischste, denn in diesem schönen Länd chen ist beinahe jeder hoffähig, der nur über einen Frack , verfügt Auch parlamentarische .Kämpfe gab es nicht, obwohl bas Fürstentum schon seit 60 Jahren eine konstitutionelle Verfassung sein eigen nennt, nach der der Landtag aus 16 Mitgliedern besteht, von denen 4 durch die Höchstbe­steuerten und 12 von den übrigen Wahlberechtigten in di­rekter unb geheimer Wstimmung gewählt werden.

Die Zetten mußten sich in dem Maße ändern, wie die Industrie in das stille und arme Ländchen ihren Einzug hielt. Heute ist es fast völlig industrialisiert, und der Land­tag, der schon vor 6 Jahren von der Sozialdemokratie be­herrscht und damals aufgelöst wurde, weil er dem Fürsten e-ünther die Erhöhung seiner Zivilliste (268000 Mk.s um ,32000 Mk. verweigerte, weist auf Grund der letzten Wahlen November 1911) 9 Sozialdemokraten und nur 7 Angelsörige her bürgerlichen Parteien auf. Die Geschichte dieses ersten deutschen Landtags, in dem die Sozialdemokratie die Mehr­heit hat, ist immerhin interessant aenug, um uns anläßlich seiner Auflösung!^ die am Montag erfolgte, einiges daraus ins Gedächtnis zurückzurufen. Er wurde am 23. Fe­bruar eröffnet, und die Sozialdemokratie hatte nichts Eili- t'cres zu tun, als über den Kopf der bürgerlichen Parteien inwcg, also entgegen jedem parlamentarisckien Brauch, das pvciköpfige Prästdinm mit den Genossen Winter und Hart­mann zu besetzen. Aber damit nicht genug: Sie brachte auch ichleunigst eine Reihe von Anträgen ein, die, wenn sie auch nicht sozialistische Programmpunlte direkt verkörperten, der Regierung doch hinlänglich zu Gemüte führen sollten, daß iie jetzt der Sozialdemokratie zu Willen zu sein und vor

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Dom italienilch-tüttischen tzriegrschauplatz.

Wieder ein Angriff der Türken und Aiaber.

Tripolis, 5. März Agenzia Stesani.) Gestern früh brach ein Bataillon, eine Abteilung Kavallerie unb eine Gruppe .Kamelreiter von Tripolis auf unb zog über Ain Zara gegen Birel Turf, um den Ort, der als Bir Redancenif bcjfidnict wirb, zu erkunben. Von hier au4 waren nämlich, wie man nnnahm, Gruppen von Türken unb Arabern ausgezogen, um Ain Zara nachts burch Schüsse zu beunruhigen unb Plünderer in die Oase von Tabjura zu entfenben. An dem Ort angekommen, ging von bem Bataillon eine in Reihen detachierte Kompagnie unb eine Kavallerieabteilung zum Schutz der rechten Flanke vor. Der Ort würbe jedoch verlassen gesunden, man fand aber Spuren eines kurz vorher verlassenen Lagers. Es war 11 Uhr vor­mittags, als plötzlich die ans dem rechten Flügel stehende Kompagnie von etwa dreihundert Arabern an­gegriffen wurde, die augenscheinlich beabsichtigten, die rechte Flanke des Bataillons zu umgehen, um den Rückzug nach Ain Zara abzuschneiben. Die Kompagnie nahm den Kampf sofort mit einem großen Feuer auf. Ta aber ber Feind ständig stärker wurde und seine Umgebungdbcroegung mit Nachdruck fortsetzte, gab der Befehlshaber des Bataillons den Kompagnien den Befehl, gegen die bedrohte rechte Flanke nacheinander auf­zumarschieren, um das Manöver des Feindes zu vereiteln unb die Verbindung mit Ain Zara aufrecht zu erhalten Ter Kampf dauerte b i s 5 U h r nachmittags, bis die Askari eine be­herrschende Stellung gesunden hatten, woraus sie sich ordnen und den Feind zum Rückzug zwingen konnten. Das Bataillon kehrte nachts nach Ain Zara und von da nach Tripolis zurück. Es führte neun Tote unb 28 Verwundete, die es während des Tages verloren hatte, mit sich, ebenso deren Massen und Munition. Die Verluste des Feindes betrugen über 100 Tote.

Zu dem Kampfe bei Derna

am 3. März wird gemeldet, daß der Feind eine Front von über vier Kilometern entwickelte und Artillerie unb Maschinengewehre in Tätigkeit treten ließ. Im lebten Augen­blick ließen bie Türken alle Reserven am .Kampfe teilnehmen, die durch bie italienische Artillerie große Verluste erlitten. Unter beit Gesallenen befinben sich viele türkische O s s i z i e r e. Währenb deS Kampfes war bie Haltung der italienischen Trupp«» sehr gut.

M. 56 Erster Blatt 162. Jahrgang Mittwoch, 6. Mär; 1912

»GiehenerAnzeiger

»lrlfchastliche Seitfraden ~ " _ ▼W Chefredakteur: A Goetz.

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e»" General-Anzeiger für Gderheffen ZLsck-

J1!''*«'-'« Rotatlonsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.Guch: und Sleindruckerei R. fange. Rcdaltion. 4rpeöition und Druderet: SdjuIHrafte 7. dis vormittags 9 Uhr. vüdingen: Zernsprechkr Nr. 269 Hrschäflsstelle vahnhofstrahe I6ru Anzeigenteil: Beck.

Gieszener Stadttheatek.

Das Glück im Winkel.

Schauspiel von Hermann Sudermann.

Gießen, 6. März.

Die gestrige Aufführung von Sudermanns romanbastem Schau sielDas Glück im Winkel", in dem ber Dichter nach Steigers bvas boshaftem, berühmt geworbenem Ausspruchder Theater ^ui ber kleinen Leute einen rohen Junker zum^Verspeisen vvr- Mtf und einen waschkappigen Dulber vvn Schulmeister als ibefoen «rherrlickte '. hätte in ber seinen Turchbilbung, die man Uhr angebeiben ließ, auch hohen Anforderungen gerecht werben Jjtmen, wenn bie Mehrzal>l ber Darsteller sich verpflichtet gefühlt hätte, so deutlich zu sprechen, baß sie stets verständlich geweien bäten. In den Besprechungen und verschiedenen Eingesandts

Gießener Anzeigers ist schon häufig ans diesen Mißstand hin 'Ttoiefcn Wochen, ohne daß eine dauernde Ben'erung eingetreten , ^ärc, obwohl es bod) eine der selbstverständlich,len Pflichteir läntd ernsthaften Schauspielers ist, wenigstens deutlich zu frechen. Im weiteren ist es aber von dem tünttlernchen I «rnz abgesehen aucheine Frage der Höflichkeit und des igstes, in der ein Künstler doch eigentlich vorbildlich icin Witte. , vielleicht ist man gestern von der an sich berechtigten (rripngung :u.^gegangen, baß die Dichtung einen gebämpiten -ton erwrdere, Kj er wenn man schon in ber siebten Parkettreihe nur mit ceßter Anstrengung bie Worte verstehen konnte, die man kurz , vorher noch gelesen liat, dann muß man sich doch mgen, datz unvorbereitete Theaterbesucher, der das Stück vielleicht gar '<& kennt, von der ganzen Vorstellung nichts weiter mitnimmt erregte Nerven und eine gereizte Stimmung. Es in cniT? Hie zu bebauern, daß eine so gut vorbereitete und auch in

darstellerischen Leistungen durchaus erfreuliche unb rühmens- ^erte Auffühning durch die Bequemlichkeit unb NackUamgreit pnger Mitwirkenden einen so überaus unangenehmen vTinbrua Krterließ.

.Sehr wüm'chenswert märe es gewesen, wenn nian die ^trche Pause zwisckien den ersten und zweiten Autzug gelegt hatte, fie wegen des Szenenwechsels viel eh.', am Platz geweien i ^re. So, wie es gestern gehandhabt wurde, hatte man zwei IMie Pausen zu Überstehen,

des Aeußern. Es verlautet, daß die Regierung auch Verleidi- gungsmahnahmen Tür Smyrna unb die Inseln des Archipels ins 2luge saßt. Die Pforte teilt amtlich mit, baß

Herr v d. Recke scheint es aber doch für angebracht ge­halten zu haben, nod) einmal mit der sozialdemokratischen Mehrheit zu verhandeln, weil er sich von der Auflösung des Landtags und von dem Ergebnis der Ncuivahlen schwer­lich eine andere Zusammensetzung versprechen konnte. Und die fozüildemokratische Partei scheint diesen Versöhnungsverhandlungen um so geneigter ge­wesen zu sein, als die beabsichtigte Herabminderung der ZimNiste des Fürsten, der die Sympathien aller Be­völkerungsschichten genießt, einen Sturm der Etttrttstttng hervorgerufen hat. Ist doch Fürst Günther für fürstliche Verhältnisse so arm, daß die größeren Hofsestlichkeiten auf Kosten seiner Schwiegermutter, der Prinzessin Adolf von Schönburg-Waldenburg, ausgerichtet werden müssen. Die AuSgleick)Svcrhandlungen haben denn auch am 26. Februar int Schwurgerichtssaale deS Justizgebäudes zu Rudolstadt, wo der Landtag seine Sitzungen abhält (! !), stattgefunden. Cs schien sich auch ein Vergleich anbahnen zu sollen, da die Sozialdemolratie auf die Herabsetzung der Zivilliste ver­zichtete und die Vermögenssteuer vertagen wollte, wäh­rend die Regierung bereit war, eine Vorlage über bie Trennung von ztzircye und Staat einzubringen und bei der Wahlreform von den 763 Höchstbesteuerten nur 263 in die allgemeine Wählerklasse abzuschieben. Aber die Bermitte- lungsverhandlungen haben doch nicht zu dem erwünschten Ziele gefüh-rt.

Es scheint das daran gelegen zu haben, daß die Re­gierung hinsichtlich des Inhalts der Vorlage über die Tren­nung von Kirche und Staat keine der Parlamentsmehrheit genügende Erllärunyen abgeben konnte, die Wahlreform auch in ihrer abgeänberten Form der Sozialdemokratie unairnehmbar schien und sich die Regierung hinsichtlich der beiden anderen Reformen (Erhöhung der Lehrergehälter und Vermögenssteuer) spröde verhielt. So trat die Sozial­demokratie auf ihren alten StandpunktVerweigerung des Etats" zurück, der Konflikt war gegeben, und der fürstlichen Regierung blieb nichts anderes übrig, als den Landtag, nachdem er die Vorlage betr. Abänderung des Wahlgesetzes abaelehnt hatte, aufzulösen. Ob sie bei den Neuwahlen auf ihre Rechnung kommt, ist natürlich sehr die Frage. Dafür spricht mir die Popularität des Fürsten Güntyer unb der llebermut, den die Sozialdemokratie zunächst zur Schau trug.

Das Programm des Ministeriums hertiing.

München, 5. März. In der heutigen Sitzung der Kammer ber VCbgeorbncten gab Ministerpräfibent Freiherr von H e r t l i n g im Namen dos Gesamtministeriums eine Er­klärung ab, in ber er betonte, baß bas Ministerium kein par­lamentarisches sei unb auch nicht als ein Ucbergang zum parla­mentarischen System bezeichnet werben könne. Er und die an­deren Minister gehörten keiner politischen Partei an. lieber bie Stellung zu ben Patteien führte ber Minister aus, daß es ein n normaler Zu stand sei, wenn Regierung und Par­lamentsmehrheit sich feindlich gegenüberftänben, wodurch der ge­deihliche Fortgang und der leichte Gaira der Verwaltung ge­hemmt würden. Die Regierung müsse eine Mehrheit im Parlament haben und es müsse auch trotz der durch den Wahlkampf hervorgerusenen Erbitterung möglich sein, sich zu positiver Arbeit zusammenzufinden. Das neue Ministerium sei homogen und im Parlament werde ein einheitlicher Wille in Erscheinung treten. Vor allem sei die Autorität des Staates bodnuhalten und zu stützen im Sinne der geschicht­lich gewordenen und allein berechtigten, verfassungsmäßig gestützten Monarchie. Den Parteien werde das Ministerium kein Hinder­nis entgegensetzen, solange sie auf dem Boden der Verfassung ständen. Ferner betonte der Minister, daß die christliche Re l i g i o n bescknitzt und erhalten werden unb die Gruirdlage des gesamten Erziehungswesens bilden solle. Bezüglich der Stellung Bayerns im Reiche und zum Reicks werde er wie sein Vorgänger es als seine Pstickt erachten, den Reichsgedanken in Bayern zu hegen unb zu krustigen unb im Bimbesrate für bie Rechte