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6.1.1912 Drittes Blatt
 
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Mundwasser

Drittes Blatt

Samstag, 6. Januar W2

Er. 5

162. Jahrgang

Gießener Anzeige r

Erscheint Et-sich mtt Au-nah nie bei 6ermtag&.

General-Anzeiger für Oberhejjen

Dre ^Gießener LamilienbiLtter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, dal Kretsblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Laadwirtichastltchev Leit« fragen" efichemen monathd) zweimal.

Redaktton, Eroedirron unb Druckerei: Schul- straße 7. Erved lion unb Verlag: e^e>5L Redaktion:e-E HL. Tcl.-Adru AnzelgerÄreben.

9ioianon4i>nid unb Verlag der Brübl'ichen Univerii.ätS - Bilch- uuo SteinbmdereL R. Lange, (Rieben.

Zurlrnden, damals Artilleriehauptmann, geriet bei

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, den 6. Jannar, Ubr, beiflamerci dao Wiutcrick - r, bittet um ick scheinen ; Ter Vorstand.

Kirche und Schule.

** Freie l a n des ki r ch l iche Vereinigung. Am 2. Januar tagte in Frankfurt die 6. ordentliche Mitglie­derversammlung der Freien landeskirchlichen Vereinigung für Hessen. Ten Vorsitz führte der 2. Vor­sitzende Telan Zaubitz von Bensheim. Ter Jahresbericht er wähnte besonders die Vortragstätigkeit der verschiedenen Orts­gruppen und die Entwicklung des mit den badischen Gesinnungs-

der Kapitulation Bazaines mit in Gefangenschaft und wurde nach Wiesbaden gebracht, wo man ihn auf Ehrenwort freilich. Seine Liebe zu Frankreich ließ ihm aber keine Ruhe, und eines Tages begab er sich zum Kommandanten, um diesem ohne weiteres zu erklären, er fei zwar jetzt durch sein Ehrenwort gebunden, nach Ablauf von 24 Stunden jedoch hielte er sich nicht mehr daran gebunden, wovon er den Kommandanten benachrich­tigen wolle. Natürlich wurden nun Sicherljeitsmaßreg^ln getroffen imb Zurlinden von Wie schaden nach der Festung Glogau gebracht. In einer Nacht glückte es ihm jedoch trot'.bcni, zu entweichen. Es war unmittelbar vor Weih­nachten. Zurlinden selbst hat später seine Reiseabenteuer während der Flucht erzählt. Tie Festung hatte er durch das Tor verlassen; dann fuhr er mit der Eisenbahn nach Berlin, von da weiter nach Frankfurt und Karlsruhe, be­gab sich hierauf nach Basel und suchte von da aus Frank­reich auf. Da er das Deutsche beherrschte wie ein Deut­scher, konnte er seine ganze lange Reise unangefochten zu- rückleaen.

Aehnlick wie der General Zurlinden machte es der General Saussier. Saus fier war gleichzeitig mit Zur­linden in Gefangenschaft geraten. Auch er erklärte dem Kommandanten von Köln, wo er untergebracht worden war, daß er sich fein Ehrenwort zurückerbäte, weil er alles dransetzen wolle, zu fliehen. Saussier wurde daraufhin weit ostwärts, nämlich nach Graudenz, gebracht. Je­doch auch ihm glückte die Flucht. Es scheint, als habe er in seinem Schlafraum im Bette eine Art Puppe hin- aelegt, die man für ihn selber hielt. So konnte er sich un­bemerkt innerhalb der Festung verstecken und dann die Nacht zur Flucht benutzen. In Gesellschaft eines Land-^ mannes, eines (Asässers, namens König, floh er ostwärts, überschritt die russische Grenze, verschaffte sich in Warschau Geld und suchte dann auf dem Umwege über Oesterreich und Italien sein Heimatland auf.

Noch bekannter ist die Flucht Paul Dsrvulödes, der in Breslau gefangen war. Es gelang ihm, in der Maske eines ^polnischen Juden auf der Eisenbahn nach Böhmen zu entkommen. Ten letzten Teil seiner Flucht vor der Grenze legte er zu Fuß zurück, und dabei soll er beinahe von einem Bauern verraten worden sein, der Verdacht schöpfte, weil er ihm ein überreichliches Trink­geld für seine Führerdienste gab. Dsroulsdes mußte des­wegen diesen Bauern mit Gewalt zwingen, ihn bis über die Grenze zu begleiten.

Die beiden ersten Fälle wenigstens sind allerdings ganz wesentlich anders als der jetzt so viel besprochene.

wie französische Gsfiziere aus deutschen Mungen e. twnchen.

Einen Abschnitt aus einem ungeschriebenen Buche nennt derGaulois" rühmend eine lange Aufzählung von Seilen­stücken zu der Flucht Lux' aus der Festung Glotz. Aller­dings unterscheiden sich die Entweichungen anderer fran­zösischer Offiziere von der des Hauptmanns Lux wesentlich.

Am häufigsten bat sich natürlich wahrend des Dentsch-Franzöfischen Krieges ereignet, daß gefangene Offi­ziere aus der Gefangenschaft flohen. DerGaulois" weiß über 20 Namen zu nennen, denen dieses Wagestück glückte, und alle sind Männer, deren Namen in Frankreich guten Klang haben. Unter ganz besonderen Umständen glückte die Flucht dem bekannten General Zurlin

Frauen-Feuilleton.

Ein Heim für berufstätige Mädchen in St. Louis

Tie Bouung Wo mens Christian Association in St. Louis beginnt soeben mit dem Bau eines avoßen Beveinshauses, das ausschließlich den Interessen der beruflich tätigen weiblichen Per­sonen dienen soll. Das Gebäude wird fünf Stock hoch. Das Bordergefchoß mit hohen luftigen Räumen und großen Fenstern enthätt -Spielzimmer, Musikzimmer und ein Nvthospital. 'Ter Hintere Gebäudeteil enthält ein Schwimmbad. 'Das erste Stock- wert isr für Turnzwecke bestimmt. Hm zweiten Stockwerk befinden sich zwei Klubzimmer und der Spcifesaal für die Angestellten des Hauses, sowie die Bureaus für Sekretärinnen, Warte- und An- sprachräumc, das Zimmer des Direktors und eine Garderobe. Im dritten Stockwerk befinden sich Klubzimmer, Bureaus und ein Kon­ferenzzimmer für die Mitglieder, ferner die Klassenzimmer für die Unterrichtsabteilung der Anstalt. Im höheren Stockwerk befinden sich der Versammlungssaal mit einer großen Buhne und neun Klassenzimmer für Näharbeiten. Darüber sind im Mittelflügel 22 Schlafzimmer vorgesehen für Passanten (ein Wohnungsbeim rinzurichten, liegt nicht in der Absicht der Gesellschaft), ferner über dem Versammlungssaal Klassenzimmer für den Unterricht im Kochen unb Waschen, außerdem ein kleiner Speisesaal für Passanten, sowie für die Teilnehmerinnen an den Koch- und Daschkursen. Tas ganze oberste Stockwerk ist bestimmt für die Easetaria, einen Speise- >. Md Ruhesaal und die große Küche. Große Herde für Gas und elektrischen Betrieb, Tische mit Dvmpseinrichtung, Schüssel- wärmer und Kühlanlagen machen die Haupteinrichtung aus.

In 2t. Louis wirken schon eine ganze Anzahl von Vereinen für die Besserung der fiaiye der weiblichen Angestellten und Ar­beiterinnen. Diese waren seither gezwungen, in gemieteten Lokalen ihre Zusammenkünfte abzuhalten, wo für Unterrichtskurse und gesellige. Vereinigungen nur wenig geeignete Räume zur Ver­fügung stehen. Zn dem neuen Hause werden nun zahlreiche und zweckentsprechend? Klubräumc und Klassenzimmer geschaffen. Die dreizehn Sekretärinnen des neuen Hauses haben ein Programm für die Benutzung der Räume bet Tag und Llbend ausgearbeitet. Sind) ist eine Klasse aus Lehrerinnen und anderen tagsüber beruflich tätigen Damen gebildet unter der Bezeichnung Supperftlaß. Diese versammelt sich in jeder Woche einmal, um das Abendessen zu be­reiten. Der Preis für eine Lektion beträgt, 1 Mark. Tic Damen bringen die Bestandteile zum Mahle selbst mit und bereiten die Spei's unter Anleitung einer Hauswirtschaftslehrerin; sie setzen alsdann den Tisch sachgemäß in Ordnung und das Mahl, das sie daraus zu sich nehmen, schmeckt ihnen sicher besser, al» in jedem beliebigen Kvchhause. Eine andere Klasse ist die Dienstmädchen-

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genossen seit einem Jahr gemeinsam herausgea ebenen Organs, ixrr Schriftleiter desselben, Pfarrer Marx in Walldorf, gab ein Bild der hessischen Mitarbeit. Tas bewegte Jahr des Gießener Fcckultätsftreftes und des Falles Jatho hat die Notwendigkeit deS Zusammenschlusses eines kampfbereiten kirdsticken Liberalismus aufs neue gezeigt. Ten Rechenschaftsbericht erstattete Pfarrer Scriba von Groß-Ger in. Die Einnahmen betrugen 2193,67 Mark, die Ausgaben 2191,11 Mark. Nach Besprechung von Jahresbericht und Rechnung, und naclst-em der seitherige Vorstand wicdergewählt worden >var, schloß sich eine ösfenllickie Versammlung an, die vorzüglich besucht war. In ihr sprach der Frankfurt ei Pfarrer Lic. Zurhellen über:Die religiöse Krisis der Gegenw art". Er legte die Wurzeln der gegenroärtigen Krisis bloß, die bis in die ReformationSzeit zunickfiegen. In großen Zügen zeigte der Redner, wie die beiden Größen Religion und Wissenschaft sich voneinander emanzipi.rt und dann dock immer wieder berührt und befruchtet haben. Ter alle festen Maßstäbe auflösende Relativismus fordert dock) immer wieder das Absolute nicht nur als Idee, sondern als Macht. Er wird gefunden im eigenen Gewissen und in den großen Persönlichkeiten der Geschichte Derart, daß der Mensch in seiner Religion verbunden ist mit der Geschichte, gebunden nur an sein eigenes Gewissen. Der einzige Feind der Religion, der überwunden werden muß, ist der praktische Materialismus. Zu den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners gaben wertvolle Ergänzungen Lic. Fucks, Professor D. E ck, Schuhmacher Heller und Frau Dr. (Sb ft ein. Auch wurden Wünsche für die weitere Gestaltung der Vortragstätigkeit dem Vorstand auSgffprochen. Im Anschluß an die Versammlung traten Misiionsjrcunde zusammen und be* schlossen die Gründung eines Landesverbandes des Allgemeinen evangelisch-protestantischen Misswnsvereins für Hessen. Als vor­läufiger Vorsitzender wurde Pfarrer Lehn in Offenbach, als Bei­sitzer Pfarrer Hanack-Bürgel und Pfarrer Weber-Langen gewählt.

Die Toten im Jahre XV

(Nachtrag.)

Dezember 22. Estr ada, Präsident von Ekuador, f Guayaquil.

Diplomaten.

Dezember 29. Graf v. Schlitz genannt v. Goertz, deut­scher Geschäftsträger in Christiania, t Ehristiania.

Heer und Marine.

Dtzember 27. Gustav Ger lach, preuß. Generalmajor a. T., t Darmstadt, 84 I.

Dichter und Schriftsteller.

Dezember 19. John Bigelow, amer. Schriftsteller, r Neu- York, 94 I. 19. .Hugo Lubliner, Lustspieldichter, f Berlin, 65 Jahre.

Verschiedene.

D-ezember 8. Ruth Br 6 , Vorkämpferin in der Mutterschutz- bewegung, t Hcrisck-dorf bei Hirschberg, 50 I.

Dörfen-Wochcnberichl.

= Frankfurt a. M., 5. Jan.

Die ersten Tage des neuen Jahres haben dec Börse eine Fortsetzung der Hausse geb rackst. Die zuversichtlichen Aeußcrungen der verschiedenen Handelslammern und ande c. ka f- männischen Korpora.ionen über die Entwicklung der inoustr^eck' n Konjunktur scheinen viel beobachtet worden zu sein. Nich. attffn das Privatpublikum zeigte größere Kauflust, auch die beruiliche Spekulation beteiligte fick) wieder lebhafter am Geschä t (Siuige Anregung gab dabei auch die festere Haltung der Auslamsm^rck , insbesondere die gebesser.e Disposftion dec Neuyorl'ec B. rse. Be­sonders angenehm berührt wurde die Börse and) dadurch, daß man Geldmarkt nach Erledigung Iber Ultimoansprüche eine Er­leichterung eingetreten ist. Tie Rffchsbanc ist zwar zum Jahr s- schluß ganz enorm in Ansprud) genommen worden, die In­anspruchnahme blieb indessen wider Erwarten gegen das Vor­jahr zurück und es besteh nunmehr auch die Hoffnung, daß bald reichliche Rückflüsse ein setzen wcrdm, da ein großer Teil der bei der Bank «eingereichten Wechsel kurzfristig und der offene Geldmarkt beweglich geblieben ist. Immerhin sockte man sich durch die jetzige Erleichterung nicht täuschen lassen, denn angesichts der großen Ansprüche von Handel, Industrie und Börse, sowie der Anforderungen, die sei.ens der Staaten und verschiedenen Banken jetzt an den Geldmarkt herantreten, wird man auf eine baldige Ermäßigung der Zinssätze kaum "rechnen können. Jin Mi telpunkl des Interesses standen, wie seither. Montan Papiere, in denen sich die zuversichtliche Beurteilung per Wirtschaftslage kurs-

klasse, die D-onnerstagnachmittags zusammen kommt. Tas Honorar wird meistens von den Herrschaften bezahlt. Eine dritte Klasse ist die der Verlobten, die beizeiten lernen wollen, einen Haushalt gut zu führen. Ein anderer Lehr gegenständ ist Nähen und Putz­machen. In dieser Klasse befinden sich nicht nur beruflich tätige Mädchen, sondern auch manche Haustöchter. Letztere benutzen nicht selten auch den Unterricht, der in Vokal- und Instrumental­musik, sowie in fremden Sprachen erteilt wird.

In der UnterrichtStcilnahme von Mädchen und jungen Damen aus bessergestellten Familien liegt ein großer sozialer Vorteil, indem diese Kreise die soziale Arbeit kennen unb schätzen lernen und sich dann oft tätig darin erweisen. Ta die Stundengelder sehr niedrig angefetzt werden, so ist es natürlich, daß die Gesell­schaft zulegen muß. Die besten Lehrer in St. Louis beteiligen sich an der Erteilung des Unterrichtes. In dem neuen Hause sollen demnächst auch Mädchen, die die Schule verlassen, zu Köchinnen, Haushälterinnen usw. herangebildet werden. Ferner wird die Gesellschaft sich mit der Ausbildung von Pflegerinnen befassen, die nicht nur die Kranken versorgen, sondern daneben sich auch deS Haushaltes annehmen. Sie sollen besonders ärmeren Familien zu Hilfe kommen, die nicht in der Lage sind, professionelle Krankenpflegerinnen zu bezahlen. Infolge der vielen Anfragen nach geschultem und brauchbarem Personal hat sich bei der Gesell­schaft eine sehr rege Stellenvermittelung entwickelt, die allerlei Arten von Stellungen umfaßt. Zwei Komitees arbeiten hier Hand in Hand, das eine durch Aufsuchen von Arbeitsgelegenheiten für ungelernte Arbeiterinnen, das andere für Stellungen, wozu be­stimmte Vorbildung erforderlich ist. Mitglied der Gesellschaft können alle weiblichen Personen werden, die ihren Unterhalt selbst verdienen müssen mit einem Monatsbeitrag von 25 Cts. gleich 1 Mark. Es sind nun auch die Verkäuferinnen, Kassiererinnen usw. in besonderen Klubs gesammelt. In letzteren besteht eine eigen­artige, aber nachahmungswerte Einrichtung, das sogenannte Litt le Sistermvvement, eine Art Jugendfürsorge-Bewegung. Hierdurch wird eines der jungen Lehrmädchen in die besondere Obhut einer der älteren Verkäuferinnen gegeben, die über jenes zu wachen hat, eine Aufgabe, die von außerordentlich wohltätigem, moralischem Einfluß sich erwiesen hat. Mit dem Einzug in das neue Riesen - Vereinshaus, das möglichst bald fcrtiggefteHt werden soll, wird jeder Zweig der bisherigen Tätigkeit der Pouung Domen's Christian Association neues Leben entwickeln und reicher aufblühen. Da sämtliche Komitees nur von Damen gebildet sind, fo ist dieses Unternehmen ein kräftiger Beweis für die Leistungsfähigkeit, die Tatkraft und den Mut der amerikanischm Frauen, denen man die Anerkennung für ihre Leistungen nicht versagen kann.

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mäßig am stärksten auszuprägen pflegt. Reue Kauflust zeigte sich namentlich für schlesische und Lothringer Werke. D.' m bnachen Preiserhöhungen, die in letzter Zeit in Oberschlesien für die Werks- und Lagerpreise beschlossen worden sind, haben in Sve- kulationskreilen zu der Annahme geführt, daß für 1012 wesentlich erhöhte Tividendenerträgnisse der schlesischen Ei enwerle zu er­warten seien, und da die Kurse dieser Gruppe bisher nur wenig von der Börsenhaussc profitiert batten, so fanden vielfach Tausch- Operationen von rheinisch-westfälischen gegen schlesische Werte statt. Neben Laurahütte wurden auch Caro-Hegenscheidt^u. Oberbedarf zu steigenden Kursen aus dem Markt genommen, e hr fest lagen Gelsenkirchener, für die sich kapitalkräftige Jndustriekreise fort­gesetzt interessieren; and) Tcutsch-Lurmiburger und Aumetz-Friede. Harpener Bergbau schlossen sich später der Bewegung an, da die Ansicht vorherrschte, daß bei den wieder anigrnommenen Behandlungen zwisclnm Fiskus und Kohlensyndikak eine rafd>c Einigung erfolgen werde. Tie Börse rechnet in diesem Falle bestimmt mit einer Erhöhung der Kohlen preise. G fördert wurde die mlnfligc Strömung am Montaninarkte schließlich noch durch die Streikbewegung im belgischen Kohlenrevier. In anderen I n- dustriepapieren war dos Gefdmft auch wieder etwas leb­hafter, .;umal die durch tic Dioidendenabtrennuna er olglen Kurs­abschläge verschied ner Werte Anregung boten. Begünstigt waren namentlich Elektriziicftswerte, die '?lftien chemischer Fabriftm und Zementwerte. And' Maschinenfabrilaltien tvnrdcn 1 bhaiter um- gesetzt. Bankaktien waren gleichfalls befestigt, namentlich Deutsche Banken, Dresdener und Htndels.rnt.ile. Bon Bahnen lagen Uur Schantung schwacher. Schiffahrtsaktien waren zunächst weiter gefragt unb höher, später ging jedoch ein Teil der Avancen öuf Realisationen verloren. Heimische und irembe Fonds sinb wenig verändert, nur Türken und Türkenlose waren gebessert. Privat-Diskonto 3^', Prozent

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Kostbare Schirmgriffe.

Der Griff des Sonnen- u. des Regenschirms spielt bei der Toilette einer eleganten strau eine besondere Rolle, und in seiner Auswahl offtnbart sich nicht selten der wirkliche Geschmack seiner schönen DeNtzcrin. Seit dem ersten Auftauchen des Schirmes in Europa bat die Form und der Schmuck des Griffes eine Bedeutung erlangt, bie gerade in vergangenen Zeiten weit über die Grenzen einfacher Zweckmäßigkeit hinausging. Goldschmiede und Juweliere bemühten nch.i ttn den Schmuck des Knaufes, und nicht selten enthielt das ftinstpolle Gebilde dann auch seine Keinen Geheimnisse, die dio Besitzerin des Schirmes klug zu benutzen wußte. Katharina II. foH an ihrem Sonnenschirm einen Griff besessen haben., der ein kunstvolles Geheimfach enthielt, das die Größe eines Fingerwigels hatte. Nur Gregor Orlow wuicke von dem Geheimnis des Schirm- grifteS, dessen Verfertiger ein Gefangener war. In diesem Geheim- fad) wurden Zettelchen aufbewahrt, und ans diese Weise korrespon­dierte die russische Kaiserin hinter dem Rucken ihres Gemahls mit ihrem Geliebten Gregor Orlow.

Einen nicht weniger kunstvollen Sckstrmgriff besaß Maria Kavoline v-on Oesterreich, die spätere Gemahlin Ferdinands I von Sizilien. Zu ihrem Geburtstage erhielt sie einst non einem Prinzen einen Schirm, an dem das Kostbarste der Griff mar Dwser bestand nämlich aus einer sehr seltenen Seemnschel, die der betretende Prinz selbst gefunden batte. Sie war in Goldblech gcraU, unb wenn man die in der Muschel angebrachre kleine Tür öffnete, so erblickte man ein eingraviertes Bild, das sehr klein und tenned) beutlirfr zu erkennen, war. Es stellte ein Schiff dar, das eben ans hohe See fuhr. Am wrfr r n Kiel stand ein Abentcuerer, der, mtt dem Hute schwenkend, Abschied v*jn den heimischen Gestaden nahm. 4,ic Margitise von Pompadour besaß einen sehr werwollen «Lchirmgriff, den ihr der König verehrt hatte. Er stellte eine wunderbar aus Holz geschnitzte Kralle eines Älplers dar, die einen großen Türkis umklammerte, aus dem der König eine Widmung hatte eingraoieren lassen. Auch heute wird gelegentlich von aller­hand Extravaganzen auf diesem Gebiete berichtet. Rudnard Kip­ling erhielt, wie erzählt wird, von einem indischen Fürsten einen aus Goldblech gearbeiteten und mit Rubinen und Am e! host en ver­sierten Gegenstand, der früher von einer indischen Fürstin zur Aufbewahrung ihrer wohlriechenden, teuren Salben verwendet wurde. Der englische Dichter kannte wohl den Wert des Kunst­werkes, doch wußte er nicht recht, was er mit ihm anrangen sollte, und so ließ er ihn schließlich zu einem Schirmgriff für seine Gattch umarbeiten.