Ausgabe 
6.1.1912 Zweites Blatt
 
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Cheuffeurkurse.

aus von daß

für der

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Ms Stichwahltermiu

die Reichstagswahleu im Königreich Sachsen ist

Markte.

fe. Kraukfurt a. M., b. Ian. Heu- und Strohmarkt. Heute waren weder Heu noch Stroh angeiahren.

ihren Kandidaten

des Voltes durch die neuen Steuern. In freisinnigen Ver- sammlungen werde stets das WortFreiheit"' im Mund ge­führt, aber hinsichtlich des Wahlrechts habe der Freisinn vielfach versagt und habe da und dort Verschlechterungen eingeführt. ALg. Dr. Gutfleisch habe als Einziger im hessischen Landtag f ü r das Ausnahmegesetz gegen die Antisemiten gesprochen. Abg. Kohler sei Vorstandsmitglied des Bundes der Landwirte gewesen, er habe sich nicht gegen den Bund der Landwirte ge­wendet, sondern höchstens gegen einzelne Personen. Wenn Derr Erkelenz von der liberalen Einigung in innerem Wahlkreis ge­sprochen habe, so sei er anderer Ansicht. Die Wähler des Prof. Gisevins würden nie und nimmer für die fortschrittliche Kan­didatur stimmen. Tie vom Fortschritt ausgegebenen Siegesnach­richten würden sich am 12. Januar als trügerisch erweisen. (Lebhafter Beifall.)

Ein zweiter fortschrittlicher Redner.

Privatdozcnt Dr. Vogt führte aus, daß die sog. freisin­nigen VahlrechtSverschlechtcr aus den fortscli-rittlichen Organi­sationen ausgeschieden seien. Das hätte Dr. Werner sagen müssen. (T>r. Werner sagt, er habe dies nicht gewußt.) Von einem stu­dierten Mann rnüst'e man verlange, daß er sich informiere, ehe er solche. Dinge vorbringe. Bezüglich des Warenhauses des Bundes der Landwirte lyabc Herr Erkelenz nur darauf hingewiesen, wie heuchlerisch das Verhalten der Leute sei, die aus der einen Seile die Warenhäuser bekämpften , und auf der anderen Seite ein solches unterhalten. Es handle sich bei der Frage der Reichs- finanzrefvrm nicht darum, was dieser oder jener Abgeordnete einmal gesagt habe, sondern darum, daß bei den beschlossenen Steuergesetzen die einzige gerechte Steuer, die Erbschaftssteuer unter Mithilfe der wirtsclmstlichen Vereinigung abgelehnt worden sei. Darüber werde am 12 Januar Abrechnung gehalten nx'rbcn. Er wolle nicht reden über die naive Freude, mit der Dr. Werner über die wenigen Monate seiner Reiclistagstäligkeit hier berich- let habe, auch nicht davon, wie Dr. Werner so oft unfreiwillig den .'cuntor des Reichstages hervorgeruseu habe, er wolle nur darauf Hinweisen, daß Dr. Werner Antisemit habe. So wenig Mr. Werner draußen im Wahlkreis antisemitische Witze verschmähe.

20. Januar in Aussicht genommen.

TieTägliche Rundschau" meldet: Nachdem eine Reihe von Bundesstaaten als Termin für die Reichstagsstichmahlen

Aus dem Wahlkreis Gießen-Grnnberg-Nldda.

Vom liberalen Wahlausschuß werden tvir um Ver­öffentlichung folgender Erklärung ersucht:

Herr Pfarrer Schick von Queckborn beschwerte sich in einer von den vereinigten liberalen Parteien in Har­bach veranstalteten Wählerversammlung in der an den Vortrab des Herrn Münz sich anschließenden Aussprache über die unsachliche und unanständige Kampfesart der liberalen Parteien und führte den letzten Wochenbericht über die liberale Versammlungstätigkeit im Gieß. Anz. als Beispiel dieser unanständigen Kampfesart an. Seinem Auftrag, diese Beschwerde dem liberalen Wahlausschuß mit- zuteilen, hat Herr Münz entsprochen, doch kann der liberale Wahlausschuß durchaus nicht zugeben, daß in dem frag­lichen Wochenbericht etwas unsachliches oder unanständiges zu finden ist. Tie Behauptung, daß im Wahlkamps un­sachlich oder unanständig vorgegangen wird, wäre viel eher auf die von Anhängern der deutschsozialen Partei hierher übertragene Praxis der Saalabtreioung anzuwcnden. So wurde z. B. den Liberalen in Langgöns die Abhaltung einer Versammlung unmöglich gemacht mit der Begrün­dung, daß Herr Dr. Werner ja auch in Gießen keinen Saal bekäme. Was es mit dieser Behauptung auf sich hat, beweist die gestrige Versammlung im Kolosseum, in der Herr Dr. Werner unangefochten sprechen konnte. Auch der Ausspruch des Herrn Dr. Werner in einer Versammlung in Trais-Horloff, die Wahlmacher des Herrn Erkelenz seien alle mit Jordanwasser getauft, kann doch nicht gut als sachlich bezeichnet werden. Tie von mehreren deutsch-sozia­len Versammlungsrednern schon öftere (z. B. in Hungen, Mainzlar und Burkhardsfelden) versuchte Praxis, in libe­ralen Versammlungen noch nach den Schlußreden der Ein- beruser zu sprechen, ist ebenfalls nur als Gegenteil einer sachlichen und anständigen Kampfesweise zu bezeichnen.

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Aus der übrigen ReichStagswahlbewegung.

Friedberg-Büdingen.

4- Steinfurth, 4. Jan. Gestern fand eine von nationalliberaler Seite aus einberufene Wahlversamm­lung statt, welche unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Scriba zu Bad-Manheim tagte. Der Kandidat der nationalliberalen Partei, Landgerichtsrat Strack zu Gie­ßen, entwickelte in eingehender Weise sein Programm. Die Versammlung war sehr gut besucht, insbesondere hatten sich auch zahlreiche Parteifreunde aus Bad-Mauheim ein­gefunden. Der Vorsitzende dankte dem Redner für seine von hoher patriotischer Auffassung zeugenden Ausführungen und wies insbesondere auf den versöhnlichen Geist der Rede des Kandidaten hin. Kaufmann Ulrich aus Fried­berg brachte ein .Hoch auf den Kandidaten aus, in das die Versammlung einstimmte. An detnselben Tage fand in Wisselsheim eine Wählerversammlung, welche unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Köhler tagte, statt, die ebenfalls von nationalliberaler Seite einberufen war. Auch diese Versammlung war trotz der Nachmittagsstunde aus­gezeichnet besucht, und Landgerichtsrat Straa erntete für seine Ausführungen den Beifall der Versammlung.

Allerdings sei

Häuptel worden, nügend Geld in die Reichskasse brächten. Auf der an­deren Seite spreche man aber von der ungeheuren Belastung

Tie Behauptung, daß das Großkapital sich auf Grund der Straf­bestimmungen von der Erbschaftssteuer habe drücken können, sei sehr einfach, aber nicht richtig. Man habe doch eine Ver­mögenssteuer, die die Erbschaftssteuer kontrolliere und umgekehrt. Tr. Werner müsse die Polini des Bundes der Landwirte, qljo die Politik des Großgrundbesitzes, betreiben: wenn er es nicht tue, sei er die längste Zeit Abgeordneter gewesen. Bauernpolitik könne nur gegen den Großgrundbesitz betrieben werden, dazu sei Tr. Werner außerstande. Politik gegen den Großgrundbesitz.könne nur durch eine gute Bauernpolitik getrieben werden, wie lie die Liberalen wollen. Tamit werde auch eine gute Mittelstands­und Arbeiterpolitik getrieben. Ter Großgrundbesitz treibe nur eigene Interessenpolitik, das zeige sein Verhalten in der vreußt- scheu Wahlrechtsfrage, die eine deutsche Frage sei. Wenn die Befreiung des Bürgertums wirklich erfolgen tolle, io rnüne als Ziel die Zertrümmerung des schwarzblauen Blocks angestrebt wer' den. Gerade der Vorgänger Tr. Werners, Köhler, habe den Bund der Landwirte sehr ungünstig und scharf beurteilt: aber er habe sich dem Bund der Landwirte doch beugen münen. Tas werde auch Tr. Werner tun müssen. Wer das große Ziel der Bekämofung des Bundes der Landwirte unb des Großgrundbesitzes und ihrer schlechten Steuerpolitik im Auge habe. Müsse sich zu­sammenschließen, wie es hier die liberalen Parteien getan haben. Auch Tr. Werner werde nicht um die Entscheidung herumkommen, ob er für ober gegen ben schwarzblauen Block sei. Eine klare Entscheidung hierüber sei notwendig im allgemeinen Jntereste, int Interesse der nationalen Ehre und einer guten Auslandspolüik. Tie Entscheidung sei zu treffen im Interesse des Liberalismus und um der nationalen Ehre willen. (Langanhaltender stürmischer Beifall.)

Zwischenrufe.

Als Tr. W e r n e r das Wort zur Erwiderung nehmen wollte, ertönten lebhafte Schlußrufe. Er appellierte an das Anstands­gefühl und an den Liberalismus, von dem Herr Erkelenz eben noch gesprochen habe. Tie Zuhörer seien ja so anspruchslos, datz sie bei der nmvelsten Bemerkung des Herrn Erkelenz Bravo riefen (Lebhafte Schluß- und Pfuirufe).

Erst einem 'Appell des Privatdozenten Tr. Vogt an das Anstands- und Gerechtigkeitsgefühl der Versammlungsteilnehmer gelang es, Ruhe zu schaffen, worauf Tr. Werner den Ausdruck simpel" zurücknahm.

Tr. Werners Entgegnung.

den 2 2. Januar empfohlen hat, wird auch die preußi­sche Regierung demnächst in einem Erlaß den gleichen Tag zur Vornahme der Stichwahlen für die Reichstags­wahl empfehlen. Es ist anzunehmen, daß der 22. Januar in fast allen größeren Bundesstaaten der Termin der Stich­wahlen fein wird. Ter neue Reichstag dürfte zum 13. Febr. einberufen werden.

& , Rheinisches echmkum

Landesmissionsfest.

Der Gedanke, daß die Christenheit die Pflicht habe, an den Nichtchristen Mission zu treiben, ist zwar in der Bibel tausendfach begründet, und das erste Jahrhundert war ein Missionsjahrhundert ohnegleichen, aber in der Folgezeit hat der Religion Jesu Christi die Expansionskraft gefehlt, was zum Teil durch äußere Gründe Krieg, Unruhen und Unkultur in den christlichen Ländern, Mangel an Berührung mit außereuropäischen Völkern, Mangel an Mitteln bedingt war. Als der Missionsgedanle vor beinahe zweihundert Jahren man wird hier den frommen Grafen Zinzendorf nicht vergessen können wieder er­wachte, begegnete man ihm allerwärts mit Mißtrauen und schalt ihn als Torheit und Schwärmerei. Zudem war int 18. Jahrhundert durch Rousseau und die von ihm an­geregten Schriftsteller die Meinung verbreitet, daß die Wilden, die tm Urwald leben und nie mit Christentum und Kultur in Verbindung gekommen sind, die glücklichsten Men­schen unter der Sonne seien. In phantastischer Weise hat man damals das Leben dieser Naturkiuder ausgeschmückt: sie leben int Urwalde und auf einsamen Inseln im schatten blühender Bananen-, .Krokus- und Zitrvnenbäume unter einem ewig blauen Himmel, sie beten die Sonne oder die Erde an, sie verbringen ihre Tage in Frieden und paradiesischer Unschuld, bis die Europäer kommen und sie unglücklich machen. Tie Forschungsreisendeu des 19. Jahr­hunderts haben dieses Phantasiegemälde gründlich zerstört, sie haben auf ihren Reisen nichts gefunden, als arme, verkümmerte, durch Hungersnot, Seuchen und Uebcrschwem- mung geplagte Menschen, die das Leben des Nebenmenschen geringer achten als das Leben eines Tieres.

Deshalb hat die Mission eine große Aufgabe; sie geht heutzutage Hand in Hand mit der Zkultur, um rohe, wilde Volksstämme zur Freiheit und Gesittung zu führen. Kein unbefangen Urteilender wird den Missionsarbeitern die Anerkennung versagen, daß sie bei ihrer Tätigkeit in viel­fach ungesundem Klima und unter unzähligen Entbehrungen von ehrlichem Idealismus getrieben werden, und jeder, der in der christlichen Religion die Krone und Blüte alles geistigen und sittlichen Lebens sieht, wird dieser Arbeit seine Geldbeiträge und, was mehr wert ist, sein Interesse zuwenden in der Ueberzeugung, daß von der Mission nicht nur die Volker, die sie christianisiert, Gewinn haben, sondern ebenso sehr die einheimische Christenheit, der aus per Be­tätigung des Mftsionssinnes j-ort und jort eine Fülle von Glaubenskraft und christlichem Idealismus zufließt.

H. B.

Z»m £anöesmi)fionsfefte.

Wenn man in den Chroniken und Kirchenbüchern einer Stadt oder einer Landgemeinde liest, so findet man eine große Anzahl von Familien verzeichnet, die völlig aus- estorben sind. Nur die Namen sind noch erhalten, und )ie kommen den Nachlebeiiden fremd mtd seltsam vor. So ist es auch mit dem Epiphanienfeste gegangen, das die Christenheit in den vier ersten Jahrhunderten ihres Be- tehens alljährlich am 6. Januar gefeiert hat und das dann rurch das Weihnachtsfest verdrängt worden ist. Man mag )as bedauern; denn das Epiphanienfest war mit vielen chonen, sinnvollen Zügen ausgestattet man denke nur an alles, was sich in der Volksdichtung, in der Volkse itte und in der Kunst an die biblische Erzählung von den )rei Weisen aus dem Morgenlande angeschlossen hat aber ändern kann man das nicht mehr. Wir feiern heutzutage )as Epiphanienfest, wenn der 6. Januar nicht auf einen Sonntag fällt, an dem nachfolgenden Sonntage, und zwar eiern wir es, weil mau in den drei Weisen oder Königen ne ersten Heiden sieht, die zu Jesus gekommen sind, als

Werner Breuer

Feinster Kaffee Zasatz.

Faorlk : C6ln Rodenkirchen.

so wenig versage sich das Zentralorgan der deutschFozialen Partei die Wachrusnug der niedrigsten Instinkte des Rassenhasses selbst bei den Kindern. Tr. Werner werde in einem Flugblatt als der allein zuverlässige nationale Kandidat hingestellt, während antisemitische Agitatoren und Zeitungen lick in durchaus un­gehörigen Ausfällen über die Person des Kaisers ergingen. Wenn das deutsche Kaisertum sich auf eine solche Leibgard' ocrlaneii müsse, bann könne man ruhig sagen:Ade deutsches Kaisertum." ^Stürmischer Beifall.) Der Redner wandte sich bann gegen die Art, wie Tr. Werner die Tatsache, bai? der fortschrittliche Kan­didat Berliner ist, in Vergleich gestellt habe mit dem Bezug der Postkarten des Bundes der Landwirte aus Amerika, xic ortschrittliche Volksvartei sei stolz darauf, einen liberalen Ar- beiterfanbibaten auigeftell zu haben und t:fie, da»; er sich bald ubg Erkelenz-Gießen nennen könne. Wenn Dr. Werner vielleicht nach­her ein freisinniges Sündenregister aufmadxn werde, w wolle er jetzt schon darauf Hinweisen, daß die wirtsch. Vgg. in der viel kür­zeren Zeit ihers Bestehens noch viel mehr Dummheiten gemacht habe, Auch in der wichtigsten nationalen Frage, in der Dezember Ab­stimmung des Jahres 1906 habe ein Mitglied der wirtschaftlichen Vereinigung versagt. Auch die Sozialdemokraten gehörten zum deutschen Volk unb man dürfe ihnen die nationale Gelinnung nicht absprechen. Wenn Dr. Werner die Bundestreue der Natio­nalliberalen bezweifle, so weise er diese Verdächtigung zurück Er hoffe, daß bas liberale Bündnis sich bewähren werde, unb bitte um die Unterstützung des nationalen freiheitlichen Arbeiter- kandidaten Anton Erkelenz. (Stürmischer Beifall.)

Tas Schlußwort Tr. Werner-.

Unter lebhaften Schlußrufen begann Dr. Werner sein Schlußwort, das zum großen Teil in dem Lärm des Fortgehens verloren ging. Er wandte sich unter Berufung auf das Reichs- tagsprotokoll gegen die Behauptung, daß er sich lächerlich ge­macht habe. Tie freisinnigen Wahlrechtsfreunde üi Lübeck, Preußen usw. seien nicht aus der Partei entfernt worden. Xie wirtschaftliche Vereinigung habe in ihrer Mehrheit für die Erb- chaftssteuer gestimmt. Dr. Vogt habe der wirtschaftlichen Ver­einigung an allem Möglichen Schuld gegeben, selbst am Sturz des Fürsten Bülow, der sich doch selbst gestürzt habe. Wenn er über feine Tätigkeit berichtet habe, fo foajx.' er doch Bericht über seine Tätigkeit erstatten müssen. Schließlich wandte ich der Redner gegen den Vorwurf der Judenlwtze, es gebe n ben freisinnigen Kreisen viel größere Antisemiten als in einer Partei. Wenn von Anhängern seiner Partei Handlungen >es Kaisers kritisiert worden seien, so sei dies richtig. Sie faßten eben die Mannentreue nicht byzantinisch auf, während Herr Erke­lenz den Kaiser in seinen verfassungsmäßigen Rechten kürzen wolle. Die Bundestreue der Nationalliberalen gegenüber dem Fortschritt habe er nicht bezweifelt, sondern nur die Ansicht ausgesprochen, daß die Wähler von Prof.^ Gisevins teilweise ihn wählen würden, wie sie es im vorigen Jahr in der Stichwahl getan hätten. Der fortschrittliche Redner habe weit zurückgehen müssen, bis er untergeordnete Personen der deutschsozialen Partei gesunden habe, die mit den Sozialdemokraten Verhandlungen wegen Wahlhilfe geführt hätten. Die nationale Gesinnung der Fortschrittler sei bekannt, sie endige im roten Stimmzettel. (Lebh. Beifall bei ben noch anwesenden Anhängern der Kandidatur Werner.)

freifinniger Seite vielfach be die neuen Steuern nicht ge

Tr. W e r n e r führte bann aus, daß auch Herr Erkelenz man­ches nicht erwähnt habe, so z. B. seine Stellung zur Monarchie. Herr Erkelenz bezeichne in einer Schrift als das Ziel der Ent­wickelung die Demokratie, also ein Kaisertum ton nur dekorativer Beleuchtung. Herr Erkelenz habe nicht davon gesprochen, daß dec Freisinn der ViSmarckschen SchutzpoUtik die größten Schwierig­keiten gemacht habe, er habe sich allerdings nach und nach bekehrt. In Dbcrht'h'cn gehe der Grundbesitz sortgesetzt zurück und der Bauernbesitz nehme zu. Seine (Redner) Partei habe teilte Groß­grundbesitzer in ihren Reihen, während die freisinnige Partei t;ren mehrere habe, lieber die Branntweinliebesgabe habe Herr Ertelenz Ausführungen gemacht, die bewiesen, daß er sich klüger dünke, als die süddeutschen Finanzminister und die süddeutschen Branntweinbrenner. Wenn behauptet werde, daß die deutschsoziale Pari,! leine MitlelstandSpolitik getrieben habe, so sei dies un­richtig, wie aus Aeußerungen einer Reihe von Mittelstandszeitungen hervorgehe. Tie Gefährlichkeit der Konsumvereinsbewegung, die von der .vamburger Großeinkaufsaenossenschast ausgehe, beruhe daraus, daß sie nicht bloß Kolonialwaren verkaufe, sondern auch Bäckereien usw. ins Leben riefe. Daß die deutschsoziale Partei konservative und O r . s grundbeiitzerpou.u treibe, ici unrichtig, das beweise ihre Haltung bei der reick-ständigen Verfassungs- und Wahlrechtsfrage. Ter Bauernbesitz wachse in Deutschland und der Großgrundbesitz gehe zurück. Bauernpolitik sei zuerst von Preußen betrieben worden, durch das Rentengutsgesetz von 1890. Seine Partei sei durchrus für eine gesunde Landarbeiter- und Bauernpvlckik. Tie Liberalen hätten Jahre lang mit den Kon­servativen m dem Bülowblock zusammen gesessen und habe 10 Jahre lang Geschäfte mit dem Zentrum gemacht. Auch die Sozialdemo- traien und die freisinnige Partei seien vielfach mit den Konser­vativen bei Wahlen zusammengegangen. Im Parlament seien die Fortschrittler vielfach mit dem Zentrum jufammengegangen und eine Partei, die einen Kopsch zu den ihrigen zähle, habe alle Ursache, vor dem sogenannten schwarzblauen Block ruhig zu fein. Wenn die liberalen Geschäfte mit dem Zentrum machten, sollten sie es auch der wirtschaftlichen Vereinigung nicht übel nehmen, wenn sie mit dem Zentrum gute WirtschaftSgesetze zugunsten des Mittelstandes mache. Auch die Liberalen seien bereit gewesen, 400 Millionen indirekte Steuern zu bewilligen, die Freisinnigen seien zu allen Zeiten Gegner einer Besteuerung des mobilen Kapitals gewesen. Vermögens und Einkommensteuer wurden in Deutschland von den Einzelstaaten erhoben unb gerade in Hessen seien die direkten Stenern hoch genug. Es sei niemals von fort­schrittlicher Seite bisjctzt gesagt worden, daß sich der geforderte Abbau der Zölle nur auf die Jndustriezölle beziehen solle. Tie Freisinnigen seien im innersten ihres Herzens auch heute nach Freihändler. Tie wenigen bestehenden Futtermittelzölle seien ge­rade im Interesse der kleinen Viehzüchter eingeführt worden. Ter Hansabiind sei von zahlreichen Mittelstandsvereinigungen abge­lehnt worden, hauptsächlich wegen ferner sozialdemokratischen Ten­denzen. Tie bei der Teuerung eingeführten Frachtermäßigungen seien hanptsächli chvom Großhandel geschluckt worden. Was die Postkarten des Bundes der Landwirte anbelange, so habe der Fort­schritt keine Ursache, sich darüber anfzuhalten, denn er trete ja tür den Exporthandel ein. Ter Bund der Landwirte habe seine Postkarten aus Amerika bezogen und die fortschrittliche Volkspartei Berlin. (Stürmisches Gelöstster.

Das Versprechen!

Als der Hans nahm einst die Grethel

Frag er ob ihr Herz auch edel, Ob sie ihm wollt* stets mit Freuten Seinen Lieblingstrank bereiten?

Ja mein Herz ist gut und edel, H Hans umarmend, rief die Grethel

Stets mitWerner Breuer fein Wird Dein KaSee schmackhaft sein.

Die Wirren tn Persien.

Peking, 5. Jan. Konfnlardevcschen aus Tschungkiny besagen, daß der größte Aufruhr in Tsch eng t u (szetichuan» herrscht. Ter Vizckönig Tschacrfcng flüchtete in j)amen; er wurde dort am 20 Dezember gefangen genommen und hin­ge r i ch t e t. Ein ähnliches Schicksal traf den faifertigen General Tien. 140 Ausländer verließen gestern Tfckungkmg.

Dcittfcbc Kolonien.

Eine dentsch'belstllche Handllsqesellfchaft.

Unter der Firma Societö Commcrciale Belgo- Allemande du Congo (Societe anonpin/ wurde tn Brustel eine belgische Aktiengesellschaft mit einem Kapital von Francs 2 000 000 mit dem Sitz in Brüssel errichtet. Bon dem Kapttal wurden Francs 1000 000 bei der Gründung vollgezahlt, aus ben Rest der (Anzahlung 25 Prozent geleistet. An der Gründung sind beteiligt u. a. die Deutsche Bank, die Teutich-r,st a s r i k a n i >' ch e G e s c l l s ch a f t in Berlin, die Firma C. '-Boer mann in Hamburg und die Banane bCutremcr unb Compagnie du Congo vour le Commcrce et l'Jndustrie in Brüssel. Die Gesell­schaft hat insbesondere den Zweck, im belgischen Kong o und in den angrenzenden Kolonien Handel zu tr c i b e n unter Uebcrnahme und Fortführung der Geschäfte der Firma Walther Karl, die die Hauptniederlassung in Matadt am Kongo besitzt. ___________________