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Frankfurt a.M.
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Drittes Blatt
Nr. 236
161. Jahrgang
Eichener Anzeiger
drittem! KgNch mit Ausnahme be5 Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhessen
Die „Sietzener ZamHiendlStter- werden dem »Anzeiger* Dtermel wöchentlich beigelegt, da- „Krtisblott fit bev Kreis Oletzen" zweimal »Schenilich. Die „canb-irtschastlichen Selb fragen“ erscheinen mOnatlich zweimal.
Samstag, 7. Gttober 19U
Rotationsdruck und Verlag der Vrüblichen UntversuLtS - vuch- und 6telnbrudettL 0L Sengt, Sieben.
Redaktisn, Expedition tn* Druckerei: Schul- strabe 7. Expedition und Verleg: e*5L Redaktion: 112. L«l.-Adr» Anzeig erSießen.
wenn die teuchtseuer erlöschen.
Ter türkisch-italienische Krieg hat die Kriegführenden »u einer Maßregel von ungeheurer Tragweite veranlaßt: die Leuchtfeuer in allen fraglichen italienischen und türkischen Gewässern, selbst solche im Roten Meere sind aus - ge löscht. Nicht nur die Fahrzeuge der kriegführenden Parteien sind nun auf andere .Hilfsmittel zur Orientierung angewiesen, sondern die Schisse aller mittclmecrsahrenden Völker müssen unter dieser Maßregel leiden, die zum Teil die Schiffahrt lahmlegt.
Schon einmal hat das jetzige (Geschlecht erlebt, was es bedeutet, tonnt plötzlich die Küsten unbeleuchtet bleiben. TaS tour während des russisch japanischen Krieges, wo an den sibirischen und japanischen Küstenstrichen die Leucht feuer außer Dienst gestellt wurden. Jeder weiß wohl, wie weit die Schisse von Lcuchttürmen und anderen Feuerzeichen zur Orientierung abhängig sind und besonders, wie wichtig ie an gefährlichen Küstenstellen oder Felsen im Meere ind, wo sie als Warnungszeichen dienen, und so wird ich jeder von selbst die Frage vorlegnt, wie die Schisse zu verfahren haben, wenn sie der Leuchtfeuer cntraten müssen. Zur Orientierung auf See gibt es ja mancherlei Mittel. Gei Tage wie bet Nacht lassen die Gestirne — natürlich nur bei klarem Himmel — eine recht genaue Ortsbestimmung auf astronomischem Wege zu; bei Bewölkung aber bleibt, vbald das Land öder andere Marken auf See nicht zu chen find, eigentlich nur der Kompaß übrig, falls man ich nicht etwa auf drahtlose Telegraphie verlassen will, üc in der Tat zum Teil geeignet ist, eine Ortsbestimmung -u übermitteln. Sonst aber bleibt den Schiffen keine andere Wahl, als in der Nähe der Küsten zunächst die Geschwindig leit bedeutend zu verlangsamen und außerdem, sobald es nötig ist, durch fortwährende Lotungen die Tiefe des Fahrwassers festzustellen, um der Gefahr des Auflaufens zu entgehen.
Durch das Verlöschen der Leuchtfeuer ist also ein großer Teil der Mittelmeerschiffahrt in die Lage zurückversetzt, in der alle Schiffe in früheren Zeiten waren, wo man noch gar keine Leuchtfeuer oder mir sehr wenige hatte.
Tie Erfindung der Leuchtfeuer geht allerdings bis ins araue Altertum zurück; in der Lokalsaac von Hcro und Leander heißt es, daß Hero auf einem Turme die Feuer -eichen bewachte und das Verlöschen ihres Feuerzeichens wurde ihrem Geliebten Leander zum Verhängnis. Eins der sieben Weltwunder des Altertums, der Leuchtturm von Pharus, der kleinen Insel gegenüber von Alexandria, hat in einigen romanischen Sprachen den Namen für unsere Sezeichnuna „Leuchttürmc" geliefert. Dieser uralte Leuchtturm aus der Insel Pharus, den drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung Sostrates von Knidos errichtet hat, hatte die g-waltige Höhe von 135 Metern und war deswegen imstande, fein Licht auf eine Entfernung von über 22 Seemeilen auszusenden, falls man damals genügend starke Lichter gehabt hätte. Dieses Weltwunder wurde im Jahre 1302 durch ein Erdbeben vernichtet.
Im Altertum kann das Erlöschen der Feuer keine so große Rolle gespielt habnt, wie es heute der Fall ist, denn damals entfernte man sich, soweit es irgend anging, nicht gerne aus der Sehweite der Küsten, abgesehen davon, daß die Leuchtfeuer nicht allzu hell waren. Holz- und Köhlenbrände und Pechfackeln waren die ersten Lichtquellen der Leuchtfeuer, später kamen Lampen, die mit verschiedenen Oelen gespeist wurden, in Gebrauch, auch mit Gaslicht hat man erfolgreiche Versuche gemacht — noch heute haben Leuchtbojen Lichter, die mit Acetylen brennen — und die modernsten Leuchtfeuer haben elektrische Lampen von außcr- ordentlich großer Lichtstärke. Zur Zeit der französischen
Revolution brannte beispielsweise auf dem großen Leucht- türm von Le Havre ein offenes Holzfeuer. Solche offenen Feuer, einerlei, ob Holzbrändc, Kvhlenfeuer ober Pechfackeln, konnten natürlich leicht bei ungünstigem Wetter verlöscht werden, so das; die damit betriebenen Leuchttürme ihren Dienst nur unvollständig verrichten konnten. Schallsignale, wie sie heute zum Ersatz von Leuchtfeuern bei Nebel verwendet werden, kannte man früher auch schon. Kanonenschläge konnten auf weite Strecken die Schiffe war nen, sich der Schallquelle zu nähern, wenn sie natürlich auch nicht geeignet sind, genaue Angaben über das außer Dienst gestellte Leuchtfeuer zu übermitteln. Heutzutage ertönen die Schallsiguale, die von den Heulsirenen abgegeben werden, viele Kilometer weit über die See, so daß sie zum Teile das mangelnde Leuchtfeuer, dessen Licht bei Nebel nicht weit genug dringt, ersetzen können.
Es gibt einzelne Gegenden, wo die moderne Schiffahrt völlig lahm gelegt würde, wenn die Leuchtfeuer erlöftüten. In dem schwierigen Fahrwasser des englischen Kanals finden die Schiffe gegenwärtig bei Nacht ihren Weg, indem sie sich nach den vielen hunderten Leuchtfeuern richten, die auf der französischen wie auf der englischen Seite brennen. Die Leuchtfeuer sind, wie wolst allgemein bekannt ist, verschieden eingerichtet. Die Lichtstärke ist verschieden, es gibt ununterbrochen leuchtende beständige Feuer, Blinkfeuer, bei denen der Lichtschein in regelmäßigen Mständen aufleuchtet und unterbrochen wird, es gibt Drehfeuer, deren Strahlen unermüdlich die ganze Nacht hindurch ihre Kreise ziehen und farbige Lichter. Eines der bekanntesten deutschen Drehfeuer besinoet sich auf dem Leuchtturme von Helgoland, der fein Licht in drei gleichmäßig voneinander entfernten Strahlen aussendet. An den deutschen Küsten sind von Osten nach Westen wohl die bedeutendsten Leuchttürmc, die von Brüsterort, der Swinemünder, der Leuchtturm von Arkona und an ber Nordsee das ebengenannte Leuchtfeuer auf Helgoland, der gewaltige viereckige Leuchtturm von Neuwert und der seit 1885 in Betrieb genommene Notesandleuchtturm. Andere berühmte Leucht- türnte sind der von Eddystone, der mehrmals vom Unwetter vernichtet, immer aber wieder den stürmischen Fluten zum Trotz wieder errichtet worden ist, der von Eastbourne vor Plymouth, der auf ber Insel d'Ouessant. Der älteste der gegenwärtigen Leuchttürmc dürfte der von La (Sonnte fein, ber sogenannte Torre be Hercules, der über 1800 Jahre alt ist.
Als schwimmende Leuchttürme kann man die Feuerschiffe betrachten, rot gestrichene Fahrzeuge, die an bestimmten Stellen, hauptsächlich vor Flußmündungen, verankert sind und nachts durch ihre Feuersignale den Schiffen den Weg weisen. Bei solchen Feuerschiffen kommt es auch in Fric- dcnszeitcn vor, daß ihre Lichter verlöschen. Das geschieht dann, wenn sie wegen schweren Eisgangs, der ihr Leben gefährdet, vorübergehend eingezogen werden müssen. K. F.
Das Wetter der Großstädte.
Wenn auch alle Versuche des Menschen, das Wetter in bcilimmtcr Richtung zu beeinflussen, als mißglückt gelten können, io besteht doch ein sehr fühlbarer menschlicher Eingriff, ber, wenn auch unbeabsichtigt, dock, ganz empfindlich das Klima abändern kann. Das sind die Großstädte, die durch ihr ausgedehnte Äänsermeer in der mannigfachsten Weise auf das Klima einwirken. Zunachft sinkt infolge der Reibung der Luft an den hohen Häuser- bauten i ie allgemeine Windgeschwindigkeit, so daß mit zunehmender Lebammg die in gesundheitlicher Hinsicht sehr notwendige Durchlüftung der Großstädte gehindert wird. Das gilt besonders für die Straßen, die nicht in der Richtung des vorherrschenden Windes gelegen sind. Für die meisten deutschen Großstädte sind es die von Südwest nach Nordost laufenden Straßen- züge, die mit der vorherrschenden Windrichtung übercinstimmen
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und daher sehr gute VeMilation besitze Doch kommt c6 sehr auf die topographische Lage ber Stadt an. Täler können die Windrichtung sehr stark ablenken. So haben beispielsweise Kassel und Straßburg anstelle der normalen Südwestwinde vorherrschende Südwinde, in Straßburg fast ebenso häufig auch noch Nordwinde dem Rheintal entlang. - In zweiter Linie ist es die T e m pe ra t ur, die in einer Großstadt gegen die freie Umgebung sich ändert und merUich höher liegt Im Winter beträgt die Temperaturerhöhung durchschnittlich 1 Grad Celsius und wird von den Stadtbewohnern gewiß nicht unangenehm empfunden. Binders im Sommer, wo sich bei geringerer Luftbewcgung intensive Hitze einstellen kann, zumal der Temperaturüberschuß der Großstadt über die Umgebung im Sommer bis 4 Grad an Nachmittagen erreichen kann. Drittens dürfen die gewaltigen Staubmassen nicht außer acht gelassen werden, die eine Großstadt erzeugt intb die zu erhöhter Nebelbildung beitragen. Dieser Staub ist einmal auf die mechanische Zerkleinerung des Sttaßenbelags infolge des starken Verkehrs und dann auf die gewaltige Anzahl von Heizstellcir zurückzuführen, besonders in Fabrikstädten. Durchschnittlich kann mau im .Kubikmeter Stadtlust 5 Milligramm Stand erwarten.. Danach würde eine 1 Meter dicke Luftschicht über Groß-Berlin mehr als 300 Kilogramm Staub enthalten. Die Staubteilchen litten Ansatzkerne für die Feuchtigkeit, so daß in Großstädtim! die Nebelbildung verstärtt wird. Besonders störend wirken diese Nebel bekanntlich in London und erfordern eine ganz beträchtliche Mehrausgabe für Beleuchtungszweckc. Die im Großstadtnebel enthaltenen schwefligen Säuren zerfressen langsam alle Gegenstände, mit denen sie in Berührrmg kommen, wie Hausanstrich- Wandgemälde, Denkmäler u. a. Es toaren seinerzeit am Kölner Tom umfangreiche Ausbessenuigsarbeiten notwendig. Besonders leiden die in der Seeseite der vorl-errschenden Windrichtung gelegenen Stadtteile. Daher legt man Fabrikanlagen nach dem Norden und Nordosten der Großstädte und bevorzugt zum Wohnen die gesünderen, rauchfreieren westlichen und füblid)cn Stadtteile.
Zum Schlüsse sei darauf hingewiesen, daß man infolge der großstädtischen elektrffchen Hochspannungsleitungen und besonders des dichten Telephonnetzes eine Abnahnre der Stärke der Gewitter und der Anzahl der Blitzschläge vermutet. Einwandfrei nachgewiesen wird dies erst dann werden können, toertn die Telephonleitungen in Erdkabel verwandelt worden sind, wozu man neuerdings in Großstädten übergeht.
Behauptung:
Scotts Emulsion ist die erste seit Jahrzehnten in der ganzen Welt bekannte und beliebte Lebertran- Emulsion.
< Beweis:
Scotts Emulsion wurde im Jahre 1876 eingeführt und ist seither in ; Tausenden von Familien ein Hausmittel geworden. Keine andere Leber-
Nur echt mit dieser ,
-ab‘mb®a?aK trän-Emulsion blickt auf solche Erfolge ' ir(?ennSebrtal)miiT zurück, durum verlange und kaufe man
nur die echte Seotts Emulsion.
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1.
i’j parterre,
Frauen-Feuilleton.
htsanff altes Nr. 769 v.
3cbstunde
Wie die Damen die Füße halten sollen.
Ter kurze Frauenrock, dem die Mode heute zur Herrschaft verhalfen und dem sie noch ein langes Leben zu verheißen l'chemt, lenkt die Aufmerksamkeit aus die unschöne Fußhaltung, £ die die sitzenden Damen häufig einnehmen und die der länge Ziock früher dem Auge verbarg. Man braucht die weiblichen Passagiere int Eiseirbahn- oder Straßenbahnwagen nur einmal daraufhin, zu beobachten, um sich zu überzeugen, wie wenig , Rücksicht 'sie in dieser Beziehung auf ästhetische Forderungen nehmen.
In Würdigung dieser Unzuträglichkeit hat sich in England ir: Interesse der Wahrung des werblichen Schönheitskultus eine Liga gebildet, die in Wort und Schrift gegen die Sünden, bereit iü die tfüfee der Damen heutzutage schuldig machen, zu Felde steht. Ein Vorttagszyllus, zu dem sich mehrere auf dem Felde weiblicher Schönlieitspftege erprobte Spezialitäten verbunden haben, oll dem Zwecke dienen, durch Beleuchtung der Mißstände und "5eschmacksverirrungen der verschiedenen schlechten Fußhaltungen • iic Damen zur Einsicht zu bekehren.
Verurteilt wird zunächst aus vielen Gründen die beliebte Kreuzstellung der Füße, vor allem deshalb, weil sie nur zu leicht die Form der Schuhe verunstaltet und überdies auch die lJinie der Beine in der Höhe des Knies unvorteilhaft präsentiert. Ebenso streng verworfen wird auch die Manier, die Füße, cuf dem Hacken ruhend, aufrecht zu stellen, was, abgesehen davon, saß es geschmackswidrig ist, auch der ganzen Person einen Stich ins Ungenierte gibt Einfach gräßlich ist die Unart, die Sohle les einen Fußes auf das Vorderteil des anderen zu stützen, kenn sie läßt nicht nur die Haltung der ganzen Figur unschön erscheinen, sondern gibt der Dame auch einen Ausdruck von Ab cespanntheit und Lässigkeit, der ihr wahrlich nicht gut stehl ‘Jbjuratcn ist ferner von jener Pose, die den einen Fuß vor bett anderen stellt, als wollte die sitzende Tarne vorwärtsschreiten. Gie hat den Fehler, den vorgestellten Fuß größer und breiter cis beit anderen erscheinen zu lassen und macht deshalb einen in.id)örten Eiitdruck. Oft sehen sich die Damen auch angesichts f W. ihre Figur zu hohe .Sitzgelegenheiten in die Zwangslage versetzt, um die Füße auf den Boden stellen zu können, eine trrnübenbe und unnatürliche Wrperstellung einzunehmen. In freiem Falle raten die Wahrer des weiblichen Schönheitsideals, fr- Füße bei hochgestellter Ferse auf den Zehen ruhen zu lassen.
Als korrekte Fußhaltung kann nach ihrer Ausführung nur Die Pose der auf gleichem Höhenniveau mit den Hacken ver- r.mten und nach vom leicht auseinandergehenden Füße gelten, fre nicht nur graziös wirkt, sondern die den Damen auch ge= pinttet, Knöcheln und Seinen die einzig angemessene Stellung $ IH geben, eine Stellung, die ber ganzen Pnson ein Gepräge
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von Vornehmheit und schicklicher Zurückhaltung aufbrüeft, wie cs auf andere Weise nicht erreicht werden kann.
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Sonderheiten der Herbftmode.
In ber Tommenben Zeit scheint bie Schleppe eine besondere Rolle spielen zu sollen. Es ist aber nicht die gewöhnliche Schleppe, wie man sie früher kannte, sondern eine ziemlich verrückte Abart. Die moderne Schleppe endet wie ein Fischschwanz, andere Schleppen wieder laufen in eine scharfe Spitze aus, wieder andere sind Toppelschleppen, zu denen zwei verschiedene Stoffe verwendet worden sind. Man stellt zu solchen Toppelschleppen z. B. Pelz und Spitze zusammen. Tie allgegenwärtigen Fransen finden zur Einfassung von Schleppen ebenfalls reichhaltige Verwendung. Einige der neuen Schleppen sind mit Perlenornamenten gerafft und verbreitern sich dann wieder, so daß fächerförmige Wirkungen erzielt werden.
Tie Vorliebe, deren sich Straußenfedern erfreuen, zeigt sich in der häufigen Anwendung, die sie beim modernen Fächer finden. Gegenwärttg gelten eigentlich nur zwei Arten des Fächers als schick, nämlich Straußensederfächer und Spitzenfächer. Zur Fassung ber Federfächer wählt man gegenwärttg mit Vorliebe Muschelschalen, und zwar besonders gerne eine gelbe japanische Muschel.
Vom Hutkapitel, daß ja eine eigene Welt für sich bildet, fei für dies Mal nur soviel erwähnt, daß sich neben allen Rivalinnen der Sammethut in vollster Gunst behauptet. Mindestens ein Sammethut großen Formats gehört zum unvermeidlichen Huttnventare der Modedame; eine der neuesten Formen nennt sich der Zelthut; es ist ein verhältnismäßig niedriger, maßvoll mit Blumen geschmückter Hut, von dessen Rändern auf allen Seiten dichte Sammetfransen herabhangen, so daß der Kopf wie von einem Zelte bedeckt erscheint. Zu den vielen Garnierungen der neuen Hüte tritt eine weitere Neuheit: künstliche Blumen, ja ganze Blumensträuße, die nicht aus Stoffen her- gestellt, sondern aus Sttaußenfedern gefertigt sind. Mit Straußenfedern lassen sich besonders Georginen täuschend ähnlich nach- ahmen.
Was die Handschuhe angeht, so bleiben die gchwedischen Handschuhe höchste Mode, sogar, wovon man früher Abstand nahm, in Weiß.
Gnblid) sei noch ein Wort über bie letzte Regenschirm- mobe gesagt. .Ter mobeme, elegante Regenschirm nähert sich dem Jneroyable-Sttle der Tirektoriumszeit. Er hat einen auffallend langen Stock und wird von einem pilzartigen Knopfe aus Silber, Gold oder Plattn gekrönt. Auch birnenförmige Knöpfe aus Quarz, Kristall oder Jet werden angewandt. Tie Knöpfe sind oft hohl gearbeitet, sind auf leichten Truck zu öffnen und enthalten einen feinen Geldbehälter. K, F.
C. K. Die neuen Gesetze des Ballsaals. Der große Pariser Tanzlehrerkongreß, an dem alle französischen Meister der Tanzkunst und auch eine stattliche Zahl ausländischen: Tanz- meister teilnahmen, ist nun zu Ende, die Gesetze des Ballsaals sind für den kommenden Winter festgestellt, und sie bilden im Wesentlichen eine Bestätigung der Beschlüsse, die auch die deutschen Tanzmeister bei ihren jüngsten Beratungen gefaßt haben. Alle Tänze mit Rumpsbewetzungen, alle Schiebetänze und Apachenreigen werden in der nun beginnenden Zeit der großen Bälle verpönt sein. Tas Streben geht auf eine Vereinfachung der Tanzsormen unb berührt sich hier mit ben Neigungen der guten Gesellschaft, die schon in ber vergangenen Saison damit begonnen hat, alle übertriebenen Tanz weisen zu beseitigen. Ten Gavotten, Sarabanden und den noch kürzlich so beliebten Nachahmungen bäuerischer Tänze folgte der Walzer, ihm der Boston, und in dieser Tanz zeit werden voraussichtlich argentinische Tänze im Vordergrund stehen. Tie Tanzmeister gehen bei ihren vorsichtigen Reformversuchen von der Anschauung aus, daß leichte und einfache Bewegungen schöner und besser bewälttgt werden, als fduvierige Tanzsormen. Und dies spricht in der $at für die argentinischen Tänze, die alle verwickelten Gliederbewegungen ausschließen und in ihrer graziösen Einfachheft den Tümern die beste Gelegenheit bieten, im wogenden Reigen Anmut und Grazie zu entfalten. Jedenfalls bieten sich auch jenen Tänzern Gelegenheit zum Tanze, die bisher in Rundtänzen nicht erfolgreich waren. Auffallerrd groß war die Zahl der deutschen Tanzlehrer^ die an dem Pariser Kongreß teilnahmen, und mit lebhafter Befriedigung begrüßten die französischen Kollegen die Rede eines Berliner Tanzmeisters, der großmütig die Pariser Gesellschaft von dem Verdachte freisprach, eine besondere Vorliebe für Apachentänze zu entwickeln.
kf. Tas „singende fcauö" von Jehpvre. In der indischen Stadt Jeppore steht ein mehrstöckiges ©ebäube, bas nicht nur wegen seiner seltsamen Architektur von vielen Fremden und Einheimischen bewundert wird, sondern durch eine ganz geheimnisvolle Fähigkeit die Aufmerksamkeit erregt: bei einer bestimmten Windrichtung singt das Haus und gibt ftötenähnliche Töne von fick). Man hat sich lange darüber ben Kopf zerbrochen, wie biefe Töne zustande kämen und hat zunächst angenommen, die vielen Nischen der Vorderwand beroirften dies. Ein amerikanischer Ingenieur, der jüngst in Jeypore war, glaubt nun des Rätsels Lomng gesunden zu haben: als Baustoff ist ein sehr poröser und leichter Ltem verwendet; die vielen Rohren, die das Ge- Item durchziehen, wirken bei bestimmten Windrichtungen wie wirkliche Flöten, und bie Anordnung in den Nischen mag die Ton- roirfung noch verstärken Die Eingeborenen allerdings bleib« dabei, der Gesang des Hauses sei übernatürlichen Ursprungs


