Vüdgekaüss'Gusses bei. Der '.Abgeordnete Piöü führte aus, er habe mit seinem Verlangen, daß der Minister fint Budgetcrnsschuß erscheine, bezweckt, daß der Ausschuß bem Minister seine Besorgnis zum Ausdruck bringe, die er hinsichtlich der territorialen Kompensationen im Kongo hege. Die Abtretung dieses Gebietes und eines Teiks des nationalen Besitzstandes sei ein Akt von höchster Wichtigkeit, zumal er sich mitten im Frieden vollziehe. Die Frage berühre die nationale Würde, die Ehre und alle empfindlichen Gefühle des Patriotismus.
Der Mini st er des Aeußern antwortete, Piou beabsichtige nicht, der Regierung eine Frage zu stellen; wenn Piou eine Frage gestellt hätte, hätte er, der Minister, rund heraus erklärt, daß er sie nicht beantworten könne. Das Parlament gewährte der Regierung einen Kredit, und die Regierung sei zum Schweigen verpflichtet, das gerade im gegenwärtigen Augenblick so notwendig sei. Die Regierung fühle die ganze Schwere der Verantwortlichkeit, die auf ihr laste. Sie wird sich nicht erlauben, ein Wort laut werden zu lassen, das die Verhandlungen stören könnte. .Er bitte den Ausschuß, den Kredit, den ihm die Kammer gewährte, zu achten. Das, was Piou wolle, sei eine Kundgebung seitens des Ausschusses. Liege es in der Rolle und in der Befugnis des Budgetausschusses, in einer Frage der äußeren Politik eine solche Kundgebung zu unternehmen, wenn sie nicht den genauen Stand der Verhandlungen kennt? Ist es ganz sicher, daß diese Kundgebung, die anderswo, man weiß nicht wie, beurteilt wird, nicht eine ernste Lage schaffen würde? Der Ausschuß werde nicht in Unkenntnis der Dinge eine Kundgebung unternehmen wollen, die gefährlich sein könnte. In kurzem werde man dem Parlament sagen, was man Letan habe und tyerde dann über das 'vollendete Werk und die erzielten Ergebnisse urteilen. Im Vertrauen auf den Patriotismus des ganzen Budgetausschusses, wie aus den aller guten Franzosen, bitte er, der Minister, die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht noch zu vermehren.
Der „Temps" weiß zu melden, daß das Dokument über das Marokko-Abkommen sich aus vierzehn Artikeln zusammen- setzt und einer Einleitung, in der die beiden Kontrahenten ihre Prinzipien erklären, durch die sie sich während der ganzen Verhandlungen haben leiten lassen. In seinem politischen Teil sei der Vertrag so beschlossen, daß Frankreich fernerhin eine Durchquerung seiner Absichten nicht zu befürchten habe und d a ß e s ganz allein mit dem Sultan verhandeln werde, dessen politischer Ratgeber cs sein werde. Die ökonomischen Interessen aller Staaten seien garantiert. Wenn Frankreich jetzt endlich das Recht erhalten habe, Marokko zu tunifizieren, so werde es dafür auf alles verzichten, was die freie Konkurrenz aller anderen Handel treibenden Staaten stören könnte.
Die Erhöhung der Beamtengehälter in Oesterreich.
W i e n, 12. Olt. (Abgeordnetenhaus.) Eine Konferenz der Parteiobmänner beriet über die Anregung, die Regierungsvorlage betreffend die Erhöhung der Beamtengehälter ohne erste Lesung dem Ausschuß zuzuweisen. Die Ruthenen sprachen sich gegen die Zuweisung aus. Der Ministerpräsident plädierte für die rasche Erledigung der Vorlagen und erklärte: Wie verlaute, werde die von der Beamtenschaft geforderte Dienstpragmatik, welche sich gegenwärtig noch in der Ausarbeitung befinde, erst nach Erledigung der Beamtengehaltsvorlage einzubringen sein. In dem Augenblick der herrschenden Erregung und Agitation sei wohl kaum die Möglichkeit zu einer ruhigen Arbeit und zu einer nicht bloß für die Angestellten, sondern auch für den Staat so wichtigen Materie, wie es die Dienstpragmatik sei, vorhanden.
Aus Hessen.
Tie Landtagswahl in Giessen.
Boni Verein der fortschrittlichen Volkspartei in Gießen wird uns mitgeteilt:
In seiner Sitzung am Donnerstag hat unser Vorstand einstimmig den nachstehenden Beschluß gefaßt:
Obwohl die fortschrittliche Volkspartei in Gießen die stärkste Partei des Wahlkreises Gießen-Stadt ist, war sie im Interesse einer liberalen Einigung bereit, aus die Kandidatur Urstadt zu Gunsten des nationalliberalen Kandidaten Kliugspor zu verzichten. Als einigermaßen gleichwertige Gegenleistung halte sie die Unterstützung der fortschrittlichen Kandidatur Henrich in Darmstadt durch die dortige nationalliberale Partei gefordert. Die national- liberale Partei in Darmstadt hat diese Bedingung abgelehnt und, während am selben Abend in Frankfurt die Verhandlungen noch geführt wurden, den Regierungsrar Bastian vorbehaltlos und endgültig als Kandidaten aufgestellt. Ter Verein der fortschrittlichen Volkspartei in Gießen muß daher die Verhandlungen als gescheitert betrachten und wird sofort in die Agitation für. seine Kandidatur Urstadt cintreten.
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JmLandtagswahlkreisBüdingenhat Volks- schullehrer Heist aus Düdelsheim die ihm von der fortschrittlichen Bolkspartei angetragene Kandidatur endgültig angenommen.
Zu unserer Zusammen st ellung der Kandidaten für dieLandtagswahl wird uns geschrieben: ' Kandidaten des „Bauernbundes" gibt es nicht, wohl aber solche des B. d. L. Tie Herren Fenchel, D.-esch, Bahr, Leun sind Kandidaten der deutschsozialen bezw. christlich-sozialen Partei und werden vom Bund der Landwirte unterstützt. Alle von den vereinigten rechtsstehenden Gruppen aufgestellten Kandidaten werden sich im Falle ihrer Wahl der Fraktion der Hessischen Volkspartei (Hess. Bauernbund) im Landtag anschließen.
Aus Stadt und Land.
Gienen, 13. Oktober 1911.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
In der gestrigen Sitzung unseres Stadtparlaments war eine recht reichhaltige Tagesordnung zu erledigen, doch gaben die meisten Gegenstände keinen Anlaß zu Erörterungen. Wenn aber gesprochen wurde, geschah es meist um so ausgiebiger. So z. B. bei einem Baugefuch, das für die Marburger Straße den Bau eines einstöckigen Familienhauses mit sehr hohem Dach vorsah, während oie Bauordnung nur mehrstöckige Gebäude zuläßt. Bei der Abstimmung siegte schließlich die Richtung, die den Dispens versagte, um das Aussehen der dortigen Stadlgegcnd nicht zu beeinträchtigen. Aber auch die Mehrheit ließ keinen Zweifel darüber, daß sie bei einem abgeänderten Entwurf mit sich reden lassen werde. Sehr viel gesprochen wurde auch über die Frage, was mit der alten Klinik geschehen solle. .Namentlich die Gegner der Verlegung der Bürgermeisterei ritten mannhaft in die Schranken. Da
die Sache nicht aus der Tagesordnung irano, wurde kein Beschluß gefaßt. Es wurde aber allseitig gewünscht, daß die Angelegenheit eine der nächsten Sitzungen endgültig beschäftigen möge. Rascher gestalteten sich die Beratun- ;en über den Bau der G r o ß v ieh s ch la ch Lh all e, die ja nur eine Folge früherer Beschlüsse ist und deren Bau die Betriebsrechnung des städtischen Voranschlags nicht belastet. Auch die Mitteilung, daß Gießen als Beitrag zu den Grunderkoerbskosten der Bahn Lollar-Londorf rund 100 000 Mk. tzu bezahlen habe, ging rasch und schmerzlos an unseren Stadtvätern vorüber. Dre Summe, die )ie Landeshypothekenbank dem Bahnkonsortium vorgeschossen hat, soll in 28 Jahren getilgt werden. Es sei ärgerliches Geld, meinte der Vorsitzende, als eine lang- amere Tilgung vorgeschlagen wurde, und deshalb solle man die Tilgung so einrichten, daß man so rasch als möglich davonkomme. Der von dem kaufmännischen Verein weiblicher Angestellter gestellte Antrag auf Einführung des Fortbildungsschulzwanges für weibliche Angestellte im Handelsgewerbe fand auf Grund des Gutachtens der Handelskammer Annahme, trotzdem sich der Detaillistenverein dagegen ausgesprochen batte. Auch der deutschnationale Handlungsgehilfenverband ist gegen H Einführung des Zwanges in einer Eingabe eingetreten. Die Mitteilung, daß besonders im Seltersweg euie Anzahl Hausbesitzer der Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung Schwierigkeiten bereitet, rief in der Versammlung lebhaftes'Erstaunen hervor, da doch gerade den Anwohnern De* Seltersweges mit einer besseren Beleuchtung rn ge- schüftlicher Hinsicht sehr gedient ist.
** Tageskalender für Freitag, 13. Okt. Stadt- t heu ter: „Nora". Anfang 8 Uhr.
Flottenverein: Lichtbilder vor trag von Kontre- adiniral z. D. R e ck e: Welche Bedeutung haben die Panzerkreuzer für die deutsche Flotte im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse? Abends 8'/, Uhr im Einhornsaal.
** T e u e r u n g lr n d Stadtverwaltung. In der nicht öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde Oberbürgermeister Mecum gefragt, was er gegen die Teuerung der Lebensmittel, besonders der Kartoffeln und Gemüse, zu tun gedenke. Es wurde von Stadtv. Eichenauer; daraus hingewiesen, daß auf unseren Wochenmärkten Preise verlangt werden, die es der Mehrheit der Bevölkerung unmöglich mache, Einkäufe zu machen. Der Oberbürgermeister erklärte, daß auch er die künstliche Preistreiberei bei den für die Bevölkerung notwendigen Lebensmitteln beobachtet habe. Es sei Tatsache, daß im allgemeinen die Ernte nicht so schlecht ausgefallen sei, um Preise zu rechtfertigen, wie sie die Produzenten auf den Märkten verlangen. Nach den Berichten oer Tagespresse seien die Preise für Kartoffeln und Gemüse anderwärts abgeschlagen, er habe bereits wegen des Bezugs von Kartoffeln und Gemüse Preise eingehvlt. Einen Antrag, Lebensmittel für unsere Bevölkerung zu billigeren Preisen als aus den Märkten zu beziehen, sei bisher nicht gestellt worden, um den Händlern keine Konkurrenz zu machen. Wenn aber die Marktpreise für den Kleinverkehr weiter eine Höhe behalten, die nicht im Verhältnis zu den Großhandelspreisen stehen, werde er im Interesse der Verbraucher in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten den Antrag stellen, Mittel bereitzustellen, um Lebensmittel, besonders Kartoffeln und Gemüse, auswärts anzukausen. Damit soll es der Bevölkerung möglich gemacht werden, ihren Bedarf decken zu könnew Es sei al;o jetzt an den Handelsleuten, die unsere Wochenmärkte besuchen, entweder zu angemessenen Preisen zu verkaufen oder den ungleichen Konkurreirz« kamps mit der Stadt auszunehmen.
* • Die Versorgung Oberhessens mit Elektrizität. Am Mittwoch fand auf der Provinzialdirektion unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. Usinger eine Vorbesprechung statt wegen eventueller Beteiligung der Kreise Alsfeld und Lauterbach an der geplanten Ueberland- zentrale Fulda, die ein Privatkonsortium gründen will, das zunächst die Versorgung der Kreise Melsungen, Rotenburg und Fulda mit .elektrischer Energie beabsichtigt. Der Besprechung wohnten u. a. die Kreisräte von Bechtold und Dr. Heinrichs, die Bürgermeister Stöpler-Lauterbach und Dr. Völsing-Alsfeld und Baurat Schöberl bei.
** Ortilgewerbeverein. Ter Vorstand beschloß am Mittwoch, auch für den kommenden Frühsommer einen Besuch der Edertalsperre ins Auge zu fassen. Tie Monatsversamm- lungen sollen am 1. Mittwoch eines jeden Monats während des Winters stattfinden. Neben gewerblichen Fragen werden Berichte über die neu-tn Verwaltungsgesetze usw. die Sitzungen einleiten. Einer Anregung der hiesigen Ortskrankenkasse soll Folge gegeben werden und demgemäß die Regierung in einer Eingabe ersucht werden, das für die Einziehung der Jnvaliden-Versicherungs- beiträge seither übliche Versahren nicht zu ändern.
** Stadttheater. Von Novitäten heiteren Genres hat die Direktion vorläufig in Aussicht genommen das Lustspiel „Die Ahnengaleri e*, das am 11. d. Mts. am Darmstädter Hoftheater mit schönem Erfolg aufgeführt wurde, und den Schwank „M eyerS*. In Vorbereitung stehen außerdem „Der Pfarrer von Kirchfeld* und „Jugend*. — Wie schon im Feuilleton des Gießener Anzeigers vom 7. Juli d. Js. eingehend motiviert worden ist, sollen sogenannte „Kammerspielabende* eingeführt werden, an denen literarisch interessante Bühnenwerke gegeben werden, die nach Fabel, Diktion oder Form nicht in den üblichen Rahmen der Borstellungenpassen. Der erste „Kammerspiel abend* — zu dem Gutscheine gelten — wird Wedekinds „Kammer- länger", Schönhcrrs „Bildschnitzer" und Ludwig Thomas neues Lustspiel „Lottchens Geburtstag* bringen.
* * Von Herrn Iustizrat Grünewald erhalten iuir folgende Zuschrift:
Ich bin von vielen Seiten gefragt worden, ob ich nicht auf die Tiraden des Herrn Rechtsanwalts Dr. Spohr in Nr. 238 Ihres Blattes erwidern wolle. Ich lehne dies hiermit öffentlich ab, weil es mir, nachdem ich durch das Vertrauen nieiiierKollegenzumVorstandsamteberufenbin, nicht passend erscheint, mit persönlichen Gegnern eine Zeitungspol emik über Angelegenheiten der Anwaltschaft zu führen, welche das. Publikum nicht interessieren und auch nichts angehen.
* * Unfall. Heute nacht fiel bei Zug 405 in der Nähe von Weilburg ein Soldat aus dem Zuge. Er wurde, am Kopfe schwer verletzt, aufgefunden und in Gießen dem wachhabenden Kommando übergeben, das die Ueberführung in das hiesige Lazarett veranlaßte. Der Verunglückte gehörte
einer Abteilung von Metz an, die in Göttingen einen Trans- port Rekruten abholen wollte. Die Verletzung scheint erfreulicherweise nicht lebensgefährlich zu sein.
* * Während der Dunkelheit haben die Hausbesitzer die Verpflichtung, ihre Treppen usw. zu beleuchten (s. amtl. Bekanntmachung).
Landkreis Gießen.
— Wieseck, 12. Okt. In der zwecks Einigung über den Milchpreis heute abend abgchaltenen Versammlung der vereinigten Landwirte Wiesecks, zu der auch die Milch Händl er eingeladcn, aber nicht erschienen waren, wurde folgender endgültige Beschuß gefaßt: ^Dcr Preis der Milch zur Abgabe an die Milchhändler wird auf 16^/z Pfg. für das Liter festgesetzt. Der Vorsitzende der Versammlung wird beauftragt, diesen Beschluß dem Vertreter der Milchhändler mit der Mitteilung zu eröffnen, daß, falls die Milchhändler mit diesem Preise sich bis morgen abend nicht einverstanden erklären, eine Milchverwertungsgenossenschaft gebildet wird, die dann die Milch für jeden Preis in die Stadt nach Gießen liefern würde."
---Saasen, 12. Okt. Ter Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen veranstaltete in unserem Felde eine praktische Vorführung landwirtschaftlicherAcker-, gerate. Zugegen waren Professor Gisevius, als Vertreter Der> Landwirtschaftskammer Landtagsabgeordneter Fenchel-Oberhörgern, und Landwirtschaftstechniker Kreuz-Gießen. Vorgeführt wurden' 2 Sämaschinen, 2 Pflüge, 3 verschiedene Arten Acker- und Saateggen. Eine Tüngerstreumaschine und ein Pflug konnten wegen zu spätem Eintreffens nicht vorgeführt roerben. Die Beteiligung an der Besichtigung aus den Nachbargemeinden war sehr stark, die Leistung sowie die Bauart und Konstruktion aller Geräte und Maschinen war sehr hervorragend. Die Vorführung hat gezeigt/ daß unter Benutzung erstklassiger Ackergeräte die Landwirtschaft noch viel erleichtert und gewinnbringender betrieben werden kann, denn in 2 Stunden war ein ziemlich großer Acker des Karl Schäfer vollständig und sauber bestellt.
x Grünberg, 12. Okt. Gestern abend entstand in der' Neustadt ein kleiner Brand. Es brannten zwei Häuschen ab, in denen fast nur Ortsarme wohnten. Tie 19 Köpfe starken Bewohner konnten ihre geringen Habseligkeiten fast alle retten und wurden im sogenannten städtischen Hospital (Armenhaus) untergebracht. Tie angrenzenden Gebäude wurden von der Feuerwehr geschützt. Ter Brand soll durch Kinder entstanden sein, die sich selbst überlassen waren und mit Streichhölzern gespielt hatten. . ,
Kreis Alsfeld.
e. Groß-Felda, 12. Okt. Ein hiesiger Waldarbeiter' fiel vor 14 Tagen beim Obstbrechen von der Leiter und zog sich dabei eine geringfügige Verletzung an der Hand zu. Die Wunde wurde wenig beachtet, ja der Mann ging Tag für Tag seiner gewohnten Arbeit nach. Am vergangenen Sonntag stellte sich Blutvergiftung mit Wundstarrkrampf ein. Der herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführung des Kranken in das Kreiskrankenhaus zu Alsfeld an, wo er nach drei Tagen verstarb. Die schwergeprüfte Familie wird umsomehr bedauert, als ihr hör' sieben Jahren ein hoffnungsvoller Sohn durch Genickstarre' entrissen wurde.
Starkenburg und Rheinhessen.
w. Darmstadt, 12. Okt. Heute vormittag würden zwei neue Schulen eingeweiht, nämlich die neue höhere Mädchenschule, die den Namen Eleonorenschule und eine neue Volksschule, die den Namen Pestalozzrschule erhielt. Letztere ist eine Hilfsschule für schwach begabte Kinder. Bei der Einweihung der Eleonorenschule, der der Großherzog und die GrvK- herzogin beiwohnten, hielt Herr Oberbürgermeister Dr. G l ä s srir-z eine Ansprache, in der er einen kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte des Neubaues gab. Darauf hielt der Minister des Innern von Hombergk zu Vach eine Ansprache, in der er mitteilte, daß die Großherzogin als Protektorin der Schule genehmigt habe, daß diese den Namen Eleonorenschule erhalte. Sodann übergaH er dem neuernannten Direktor der Schule, Dr. Lucius, die neue Schule, mit dessen Ansprache .die Feier schloß. Der Kostenaufwand für die Schule, deren Bauzeit 2 Jahre betrug, beläuft sich auf 400 000 Mk. — Bei der Einweihung der Pestalozzischule hielt Oberbürgermeister Dr. G l ä s s i ng ebenfalls eine Ansprache, worauf der Kreisschulinspektor Professor Kössinger dem neuen Leiter der Anstalt, Oberlehrer Steinberger, die Schule übergab. Tie Koster! für den Neubau belaufen sich auf 172 000 Mk.
m. Offenbach, 13. Okt. lieber die Anstellung des Polizeiinspektors v. Sillich ist zwischen Stadt und Regierung eine Meinungsverschiedenheit entstanden, die in der versagten Bestätigung des Polizeiinspektors durch die Regierung ihre Ursache hat. Der Verfassungsausschuß hat jetzt beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen, an der Wahl des Polizeiinspektors v. Sillich aus Harburg festzuhalten. Der Gewählte soll darauf verwiesen werden, daß er nach der Beamtenordnung der Stadt Offenbach gegebenenfalls auch in ein anderes Amt eintreten muß. Die Regierung vertritt den Standpunkt, daß nach der beabsichtigten Verstaatlichung des Offenbacher Polizeiwesens als Leiter nur ein juristisch vorgebildeter Verwaltuugsbeamter in Betracht kommen kann. — Um die Nachtigallen möglichst wieder einheimisch machen zu können, sollen an den ruhigeren Plätzen des Stadtpart's und Friedhofes dichte Hecken und darin Nistkästen geschaffen werden.
Kreis Wetzlar.
— Krofdorf, 12. Okt. Am Sonntag, 15. Oktober, feiert die freireligiöse Gemeinde Krofdorf-Gleiberg ihr üOjähriges Bestehen in dem Saale des Ed. MooS hier. Vormittags 11 Uhr findet eine Festerbauung statt, in der Prediger Klauke aus Frankfurt spricht.
' ■ ■ । -———-SW,
Lristjchisfahrt.
Fernfahrt der „Schwaben".
Baden-Oos, 13. Okt, Die „Schwaben" ist heute früh 8.57 Uhr zu einer Fahrt nach Frankfurt und Düsseldorf aufgestiegen.
Unfälle.
Reims, 12. Okt. Der Flieger L e v a l ist bei einem Fluge über den Mllitärflugplatz aus 80 Meter Höhe abgestürzt. l£r erlitt einen Schädelbruch und einen Bruch der W i r b e l s ä u l e. Sern Zustand ist h o f f n u n g s l o s. — W dem Flugselde wurde gestern der Mechaniker Garde durch eine Luftschraube getroffen, die ihm das rechte Bein glatt abs ch nitt. — Aus Charleville wird der Absturz des belgischen Fliegers Horta gemeldet. Sein Zustand, ist hoffnungslos.
Gerichtssaal.
Leipzig, 12. Okt. Vor dem zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann der Prozeß gegen die
Bestbewährte
70% Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910 Durch die Elektrizitätswerke und Installation^ gen-hafte zu beziehen.
Auerdesellschaft, Berlin 0.17


