161. Jahrgang
Drittes Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme be8 Sonntags.
ge-
VertrauenSver-
aus von iter,
Tie „Gießener $«ülicnblätterM werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblart für den Kreb Gießen" zweimal wöchentlich. Die ,,Landwirtschaftlichen Keil» fragen" erscheinen monatlich zwennal.
tonnen nur
mb. Deutscher Reichstag.
157. Sitzung. Dienstag. 28. März.
Am Tische des BundeSratS: Wermuth, Dr. v. Linde- ftnift. Breitenbach, Wackerzapp.
Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Minuten.
Der koloniale Dadifragsefaf
für 1910 wird in erster und zweiter und hierauf, da ein Wider -
Redaknon, Expedition und Druckerei: Schul- ftrafee 7. Expedition und Verlag:
Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
sckwerdc des sozialdemokratischen Redner-7 gewerksckaftkichcr Xatirr. Die Arbeiter sind vor der Zuschußkaffe des Transportarbeiter. Verbandes gewarnt worden, weil diese nicht die versichcrnngStechaisch erforderte Sicherheit besitzt.
Abfl. Wetzel (Nats>
Der Staatsbahn wagcnverband bat sehr günstige Resultate gezeitigt. Es muß genau darauf geachtet werden, das-, von der UmlcitungSmöglichkeit kein zu »ocitgehender Gebrauch gemacht wird. Wir wünschen ein RcichStarifamt und die 3d}affung eines GcneralgütertarifS. Tie Finanznot wird daö deutsche Volk dahin bringen, der Frage der Vereinheit« sichung des Eisenbahnwesens noch mehr als bisher näherzutreten. Welche Ersparnisse werden in Oesterreich jetzt gemacht, seit man durch Ankauf die Privatbahncn unter einen Hut gebracht hat. Solange keine Einheit aus dem Gebiete deö Eisenbahnwesens besteht. fehlt nach ein wesentliches Stuck an der Reichseinheit. Tie statistisch nachgewieiene TurchschnittsarbeitSzcit der Loka- motivbeamten geht über das Mast dessen hinaus, waS billigerweise von ihnen verlangt werden kann.
Abg. CnrstenS (Vp.)
Wir sind in vielem mit dem Eisenbahnminister durckmuS nicht einveritandcn. Ter llledner führt Beschwerde über Wogen- mangel im Bezirk Altona Gewiß, alle Schundliteratur muß von den Bahnhöfen herunter! Aber nun verfolgt man auch die ,staatsfeindliche und unsittliche" Presse. Hier liegen unsere Bedenken. Tie Verwaltung macht sich mit ihren Verboten geradezu lächerlich. Ten „SimplizissimuS" hat man als unsittlich verboten! Mir sind solche Satiren lieber als die offenen Nnwahrhciten gern i sie r anderer Blätter. CS ist unerhört, daß fidi der Eisenbah.i» mnnstcr anmaßt, erwachsenen Leuten vorzuschreiben, was sie zu lesen haben! 'Beifall links.) Wir erkennen an, daß die Verwal- lung für die Wunsche der Arbeiter Verständnis gezeigt bat. Frei- Ilch sind noch zahlreiche Mißstände vorhanden. Der Redner bringt Arbeiterwünsche vor.
Eisenbahnministor v.
Mittwoch, 29. März
Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universität« - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Giehener Anzeige
General-Anzeiger für Oberheften
sprach hiergegen nicht Erfolgt, auch in dritter Lesung nchmigt und verabschiedet.
Der Etat der Reichseilenbahnen.
Berichterstatter ist Abg. Schwabach (92atL).
Die Lobnverhältnisie der Rottenarbeiter .
lokal geregelt werden. Ter Abgeordnete Emmel schemt kein Verständnis zu haben für das hältnis zwischen der Verwaltung und den Arbertsrn. ES nehmen schon jetzt Beamte an den Versammlungen der Arbeiter teil. TaS wünschen die Arbeiter selbst, nur diejenigen nicht, die agitatorisch beeinflußt sind. Diesen werde ich grundsätzlich ent- gegentreten, wenn sie den Versuch machen, die Teilnahme der Beamten auszuschalten, und werde dann die fionfequeiuen ziehen, die ich ziehen muß. (Beifall rechts.) Diese Ausschaltung ist bisher nur von einer einzigen Stelle gefordert worden, und eS ist mir wähl bekannt, auf weffen Veranlasiung das geschah.
Arbeitskammern sollte em Ersatz in D>rektionSausschüsien oder zentralisierten Arbeiterausschüsien geschaffen werden.
Etsenbobnminister d. Breitenbach:
Die Zahl der ArbeiterauSschüsie hat sich erheblich vermehrt. Jetzt werden schon ArbeiterauSschüsie an Stellen errichtet, lvo nur 50 Arbeiter tätig sind. Auch daS Personal der BahnerhaltungS- arbeitet wird einbezoaen. Im Gebiet der preußischen und der Reichseisenbahnen wird jetzt eine Enquete über die L ohn- frage veranstaltet.
Ein Schlußantrag wird gegen die Linke angenommen.
Bei der Einzelbesprechung befürwortet
Abg. Emmel (Soz.) Petitionen von Beamten, die bei der Besoldungsreform nicht genügend berücksichtigt wurden. Die Alt. Pensionäre sollten den später Pensionierten gleichgestellt werden.
Abg. Hormann (Vp ) empfiehlt eine Petition der Lokomotiv- sübrer auf Herabsetzung der Dienstzeit und Besierstellung im Gehalt.
Eisenbahnminister v. Breitenbach:
Die Derhältnisie liegen nicht so ungünstig, wie sie immer geschildert werden. Nur 0,4 Prozent der Lokomotivführer haben eine längere Dienstzeit als 10 Stunden, während 50 Prozent 9—10 stunden, 38 Prozent 8—9 Stunden und 10 Prozent bis 8 Stunden Arbeitszeit hoben. Wir widmen diesem Dienstzwcig fortgesetzt unsere volle Aufmerksamkeit.
Abg. Emmel (Soz.) wendet sich gegen den Abg. Torsten? Er erimt rte an die Echiernacher Sprmgprozcssion: Ein Schritt vvrwärtz und zwei Schritt zurück! Die Reieböeisenbahnen müssen aus der Reibe der Musteranstalten gestrichen werden; denn sie nutzen die Rotlage der Arbeiter nach allen Richtungen au5. Tcn Arbeitern ist sozialdemokratische Lektüre verboten werden. (Präsident Graf S ch w e r i n - L ö w i tz: Sie dürfen hier nur über die Löhne sprechen.) Daö gehört hierher, wen ja die Arbeiter mit den Lohnen diese Lektüre bezahlen. (Reiter, reit.) Ist c3 wahr, daß ein Beamter erklärt hat, ein Diebnahl wäre Tange nicht so schlimm wie da? Lesen soziasbemokrati'cher Zeitungen? Ein solcher moralischer Tiefstand müßte den be. treffenden Mann unwürdig zum Beamten mcxcTien.
Abg Haust (Zentr.) fordert eine Revision der Lohnverhält- nisse der Nottenarbeiter.
Abg. Behrens (Wirtsch. Degg.):
Ter französische Gcneralstretk muß warnend wirken. DaS Streif reiht liegt nicht im Interesse deS Staates, end' nicht in dem Der Arbeiter. Alles andere sind bombastische Phrasen.
Minister v. Breitenbach:
Minister v. Breitenbach:
Wenn die Lage der Arbeiter wirklich so ungünstig wäre, wie sie Herr Bohle darstellt, bann wäre der Andrang nicht zu der- stehen. Trotz der aufsteigenden wirtschaftlichen .Konjunktur bat her Andrang nicht nachgelassen und wir haben nur einen Bruchteil einstellen können. Unsere Lohnstatistik beweist, daß die Ver- waltung der Reichseisenbahnen zu allen Zeiten bemüht gewesen ist. sich den Verhältnisse n deS Lohnmarktes an - z u p a s s e n und ihnen zu folgen. Tie Löhne sind ständig und beträchtlich gestiegen. Der Minister gibt eine Aufstellung, wonach die Lohnsteigerung seit 1006, einem Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs, bei den Vetriebsarbeitern 24,4, den Bahnunter- haltungdarbeitern 18,0 und den Werkstättenarbeitern 24,8 Proz. betragen hat; bei den Werkstättenarbeitern ist die Steigerung am stärksten, weil sie zumeist im Akkordlohn beschäftigt sind, ein Beweis, daß der Wunsch eines Teiles der Arbeiter nach Befeiti- gung de» Akkordsystems nicht in ihrem Jnteresie liegt. Ende des vergangenen .Kalenderjahres ist eine neue erhebliche Lohnsteige- ning erfolgt und die Reichsei scnbabnverwaltung wird auch weiter die Verhältnisse des Lohnmarktes dauernd kontrollieren.
Der Minister macht zu der Frage der Zehntonnen- wagen auf die grundsätzliche Bedeutung der Frage aufmerksam. Die Verwaltung ist genötigt, ihre Betriebskosten nach Möglichkeit herunterzubringen, weil die Kosten bei allen Verwaltungen in andauerndem Steigen sind. So sind die Personalausgaben seit 1891 um 210 Proz. gestiegen, die Verkehrseinnahmen nur um 122 Proz. Die Verwaltung muß daher alle technischen Fortschritte auSnutzen, auch in der Ausgestaltung deS Wagenparks im Hinblick auf die Erhöhung der Tragfähigkeit. Bisher ist eine Sttädi- gung der kleinen und mittleren Interessenten noch nicht ringe- treten; von den angeforberten Zehntonnenwagen konnten 94 Proz gestellt werden; die Verwaltung wird sich aber, im Hinblick auf Sie Zukunft, mit den im Wagenverband vereinigten anderen Eisenbahnverwaltungen die Frage prüfen und dem Hause eine Denk- schrift vorlegen. Dem Wunsch, daß den ArbeiterauSschüsien gebattet werde, in engere Verbindung miteinander zu treten, kann rocht nachgekommen werden. Das stände mit den Zwecken der ArbeiterauSschüsie im Widerspruch. Sie sollen die Wünsche der örtlich zusammengefaßten Arbeiterschaft vertreten, bei der man gemeinsame Interessen annehmen kann. ES ist nicht die Absn der Verwaltung gewesen, durch die A r b e i t e r a u S schü ss e die gesamte Arbeiterschaft zu organifieren. Der Minister äußert sich sodann zu den Arbeiterpensionskasien, durch die die Arbeiterschaft im allgemeinen den Unterbeamten etwa gleichge- stellt werde.
Zu den Verkehrswünschen erklärt der Minister, daß die Frage des Baues einer Pa r a Ilelbahn zur Haupt- bahn Straßbur g—59a f c l seit Jahren von der Verwaltung int Auge behalten wird. Die Ueberlastung der Hauptbahn wird ihn ja mit der Zeit dringlich machen. Wie die Linie laufen soll, steht noch nicht fest; angesichts der großen 5vauausgaben. die sonst noch bevorstehen, ist für die allernächsten Jahre mit der Ausführung dieses Projektes wohl kaum zu rechnen. Kommt eine Verständigung mit dem Schatzamt zustande, so soll im nächsten Jahr dem Reichstag der Bau einer Verbindungslmce Pirmasens—.Bitsch—Reichshofen vorgeschlagen werden. In weiteren Ausführungen antwortet der Minister auf eine Be.
Abg. Dr. Will (Els. Zentr.) wiederholt seine Forderung der Kommission nach Einstellung einer größeren Aiizal-l Zehntonnenwagen für Kohlen, Aufbesserung der GtredcnaÄc Eisenbahnhandwerker usw., Abschaffung des Akkordsystems in den Reparaturwerkstätten, Zulagen für Nacht- und SonntagS- arbeit, reichlicheren Urlaub und trägt weitere Arbeiter- und Be- amtenwünsche vor.
üBagcnparf entsprechend der Steigerung des Verkehrs auszugestalten. Es besteht in der Beziehung noch ein Manko, das in diesem und im nächsten Jahre aber ausgefüllt sein wird. Für die Löhne der Eisenbahnarbeiter kann nicht der orts- übliche Tagelohn als Gradmesier dienen. Wir bemessen die Löhne nach dem Bedürfnis jeder Station und eines größeren Bezirk», aber immer angepaßt den Bedürfnissen deS Ortes. In bezug auf bad Koalitionsrecht stehen wir nach wie vor auf dem Standpunkt, daß unsere Angestellten sich nicht koalieren dürfen zum Zwecke der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Sage.
Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.):
Ein Streikrecht können wir den Eisenbahnern nicht zu- gestehen. Sie sollen mir ein Vereinigungsrecht haben. Der Redner bringt Lohnwünsche vor und empfiehlt den Ausbau der Arbeiterausschüsie. Für die den Eisenbahnarbeitern nicht gewährten
Abg. Böhle (Soz.) befürwortet eine bessere Verbindung zwischen Straßburg und Basel über MargolSheim, Neu-Breisach und St. Ludwig, ferner einen Dogesendurchbruch, sowie eine Linie Pirmasens-Hagenau. Der Redner klagt über stiefmütterliche Behandlung der Stadt Straßburg, über die Beleuchtung der Bahnhöfe in Elsaß-Loth- ringen, die Verwendung von Viehwagen als Wagen vierter Klasse und erhebt sodann Forderungen betreffend die Lohn- und ArbeitS Verhältnisse bei den reichsländischen Bahnen. Ter Redner spricht u. a. gegen daS an Stelle des AkkordshstemS eingeführte Prämien- system bei den Güterbodenarbeitern und führt Beschwerde darüber, daß den Arbeitern von der Verwaltung Sudesi'ckriftcil deS ReichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokraten aufgc» drängt würden. (Vizepräsident Schultz erklärt diese Bemerkung für ungehörig.)
Für die einheitliche Gestaltung deS Eisenbahnwesens im ganzen Reiche ist in den letzten Jahren ganz Außerordentliche» geleistet worden. Außer dein Wagenverband sind Vereinbarungen unter sämtlichen deutschen Eisenbahnen über die Betriebsverwaltung des gesamten Güterverkehrs getroffen worden, wodurch schwere Mißbrauche bezüglich der Um- fabrung-'ii heie'ligt worden sind. Weiter haben wir in' vergangenen Jahre eine deutsche Eisenbahntarifgemeinschaft für alle Verhandliingen gegen-ree dem Auslande geschaffen. Es ist beute kaum noch eine Frage deS Eisenbahnwesens, die nicht innerhalb der deutschen Eisenbahnen einheitlich zu regeln verludst wird. Wir haben einen einheitlichen Signaldienst, einen einheitlichen Fahrdienst, einheitliche Beüuinnungen für die Konstruktion der Eisenbahnen, einen c nljcitliehen Gütertarif, einheitliche Tarifsätze mit geringen Ausnahmen. Die Einheitlichkeit der Gütertarife ist in ganz eminentem Maße durch die Wirksamkeit der ständigen Tarifkommission gesichert, die alle deutschen Eisenbahnen bertriti, die wiederum mit dem Ausschuß der deutschen Verkehrsinteressenten zusammenwirkt, in dem die gesamten Erwerbsgruppen unseres Reiches vereint sind. DaS Zusammenwirken aller dieser Organe hat es dahin gebracht, daß wir tatsächlich für ganz Deutschland nicht nur einen einheitlichen Gütertarif haben, sondern einheitliche Bestimmungen für den Güterverkehr, und daß die Fortbildung dieser Vorschriften im Sinne der gesamten deutschen Interessen gesichert ist. Mit den ge- samten deutschen Eisenbahnen wünsche ich, daß eine Reform der Fahrkarten st euer alsbald durchgeführt wird. Ausschließlich mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses haben wir davon abgesehen, jetzt mit einem Gesetzentwurf zu kommen. Ich glaube aber, in Aussicht stellen zu können, daß mit Beginn der nächsten Session dem Hause ein solcher Gesetzentwurf wegen Aenderung der Fahrkarten st euer und Beseitigung der Mißstände infolge dieser Steuer zugehen wird. Die Aus- gestaltung des deutschen Wagenparks liegt mir außerordentlich am Herzen. Sie ist eine der wesentlichsten Fragen für das gesamte wirtschaftliche Leben. Aber gerade in dem letzten Jahre waren die Leistungen auf diesem Gebiete ganz ungewöbn- lick'. Wir hatten eine Mehrgestellung pro Monat von 6 bis 12 Prozent. Zu Zeiten sind aber die Ansprüche so groß, daß die Verwaltung eben einfach nicht in der Lage ist, sie zu befriedigen. Tie hohen Anforderungen kamen infolge der ungewöhnlich großen Rüben- und Kartoffelernte. Aber wir müssen bestrebt fein, den
Abg. Hormann (Vv):
Ich bitte den Minister dringend, sich der Petitionen an- zunehmeu.
Abg. Werner lRefp.) fordert eine einheitliche Regelung der Urlaubszeit des Lokomotivpersonals.
Abg. Göring (Zentr.) empfiehlt den Bau einer Bahn Pirmasens—Bitsch und bringt weitere Wünsche seines Wahlkreises auf bessere Verbindung mit dem Elsaß vor.
Minister v. Breitenbach: Die Pfalz wird schon feit Jahren mit neuen Linien nach dem Elsaß versorgt. Die Linie Pirmasens— Bitsch über Reichshofen ist sichergestellt.
Abg. Dr. Spahn junior-Warburg (Zentr.) betont die Not- ivenbigfeit der wirtschaftlichen Aufschließung des RcichSlandcs durch Eisenbahnverbindl«gen mit den übrigen Teilen des Reiches. Jetzt hat MannheimK)ie wirtschaftliche Führung, die eigentlich Straßburg zukommt.
Minister v. Breitenbach: Die Reichseisenbahnverwaltung vertritt ja ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen des Reich'- landes. Den schwierigen Verhältnissen der Stadt Straßburg soll bezüglich der Hafengebühren bei der Neuregelung der Tinge Rechnung getragen werden.
Abg. Gothein (93p.) spricht über den Weinbau im Elsaß und die Stagnation der französischen Bevölkerung. Wenn man Straß- bürg die wirtschaftliche Führung geben totU, so mußte man ja Mannheim depoffedieren. Dazu liegt keine Veranlassung vor.
Nach Tftünbiger Debatte wird dann noch weiter über die Verschiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse von Elsaß-Lothringen und Baden gesprochen und dann die Beratung geschlossen.
Mittwoch 1 Uhr: Reichsschatzamt.
Schluß nach 8 Uhr.
Luftschiffahrt.
Kiel, 27. Marz. Tie transatlantische Flug-Exveduion des Luftschiffes ,,S u d) a r d", welche für April in 2lussicht genommen loar, wurde bis zum Spätherbst verschoben. _ Obioobt alle Vorbereitungen tm großen und ganzen zum Abschluß gebracht fuu>, erfordert das Ausprobieren der notwendig gewordenen Umänderungen der ntaid'.inellat "Anlagen so viel Zeil, daß der Flug vor dem Auftreten der tropischen Stürme Westtndiens nicht mehr Üattfinben taiui. Nach Ausführung der Probcflügc in Kiel wtrd das Luftschiff für die Reise nach den Azoren in die Reihe gestellt.
Arbeiterbewegung.
X) a m b u r g , 27. roearz. eine vom rrrbeitgeberschutzverband der Holzindustrie und der Tischlerinnung von Hamburg, Alton a und Wandsbek emberufenc Versammlung aller Betriebe des Holzgewerbes beschloß, morgen in sämtlichen Betrieben bic dem Holzverbande angehörenden Arbeiter a u s z u sperren.
Getreide.-Wochen bericht
der Preisbek i.tschaftsrats
vom 21. bu' 27. März 1911.
Die festere Stimmung, die in der Vortvocke durch die zeitweise bessere Nattfrage Westeuropa-- ijern ärgern feit wurde, hielt nur kurze Zeit an. Mit dein Rachlassen der ftaufluft wurde die «altung wieder matt und die Exportländer ermäßigten ihre Forderungen. Rur Südrußland blieb fest, da dort neuerdings Frost- loetter cingerrcten ist, das Besorgnisse wegen der Saaten Erweckt und die Eröffnung der Schiffahrt im Asow und auf den Flüssen hinausfchiebt. Auch in Deutschland hat das Wetter wieder einen rauben, teilweise winterlichen Eharakter angenommen und es .wird mehrseitig berichtet, daß die zum Teil ziemlich scharfen
Nachtfröste der letzten Zeil das Aussehen der Felder ungünstig beeinflusst haben. Für Weizen beratenen ermäßigte 2luslands- fordemngen. umfangreich.' Weltvcrschiifungen sowie dos Anwachsen der schwimmenden Weizenflotte auch hier eine Abscl)wächung der Tenden;. zumal Atzzug nach der Küste fehlt und die Mühlen bei nnbcfrietngenöem Mehlabsatz wenig aufnabmetähig sind. Wenn bic Preise trotzdem nur wenig nachgaben, w war dtes einerseits dem mässigen Znlandsangebol, andererteits dem Einfluß der kalten Witterung zuzuschreiben. Auch im Lieferungsgeschäft waren Abgeber aus letzterem Grunde vorsichtiger, und da sich für Mai mehrfach Tectungsbegehr zeigte, blicu der Verlust für diesen Termin auf li . Mark beschränkt, während Juli um 2 Mark tm Preise nachgab'. Roggen schloß sich der schwächeren Stimmung des Weizenmarktes gleichfalls an, trotzdem das Jnlandsangebot eher nachgelassen hat. Dabei geht andauernd Materrat zu Futter- zwecten nach dein Auslande, namentlich Stettin soll wieder manche Ladung erworben haben Hier war Roggen selbst wesentlich unter Mainotiz schwer zu verkaufen, so daß die Besitzer von Ladungen mehrfach Lieferungsabgaben vernahmen, wodurch der Maipreis um 1 ■ i herabgcDriuft wurde. Für Hafer sind die Forderungen bei mäF.igem Angebot fest geblieben und auch Rußland hielt seine Preise aufrecht. Wäl)rend im Inlande, namentlich für feine Qualitäten, teilweise bessere Preise zu erzielen waren, gestaltete sich das Geschätt in '-ö er Lin inettec schlevpend. Gesucht waren meist nur geringe Qualitäten, mittlere und bessere Ware blieb vernachlässigt. Gerste behielt angesichts der russischen Frostmeldungen und anbauemöen Begehrs für greifbare Ware feite Haltung. Tagegen fehlt für Mais t eg litte Kauflust, zumal über die Qualität von Mixed wieder mehrfach geklagt wird.
Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am lebten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, rote 'olgt:
Weizen
Roggen
Haier
Königsberg
203 (- )
147 (- '/,)
160 (- )
Tanztg
197 (- )
149 (— )
loo (— )
Stettin
192 (- )
147 (- )
154 (- )
Posen
196 (4- 1)
144 (+ 1)
J56 i— )
Breslau
192 (+ 1)
144 (- j
155 i- )
Bersin
196 (— 1)
1471/, (- )
174 (— )
Magdeburg
194 (+ 1)
149 (+ 1)
172 (- )
Halle
192 (- )
150 (- )
168 (— 2)
Leipzig
195 (- )
151 (- )
170 (- )
Dresden
195 (- 1)
148 (- 1)
164 (- )
Rostock
186 (- )
146 (4- 2)
153 (4- 1)
Hamburg
199 (- )
155 (— )
175 (- )
Haimover
196 (- ,
154 (- )
178 (- )
Düsseldorf
196 (— 2)
155 (- )
154 (— I)
Frankfurt a.M.
202'/, (-!*/,)
160 (- 1*/,)
175 (4- 5)
Biannheim
207*;, (- )
162*/, (- )
172'/, (- )
Straßburg
205 (— )
167*;, (- )
170 (- )
Alünchen
218 (— )
178 (- )
180 (- )
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 201.50 (— 1.50), Budapest April 197.9U (— 1.90); Paris März 216.95 (— 3.05), Liverpool Mai 150.20 (— 3.10), Chicago Mai 136.65 (— 4.05). Roggen: Bersin Mai 154L5 (— 1.75). Hafer: Bersin 'JJiai 155.75 (— 1.75) Dck.
Kranken
Kindermehl
kost.
Hervorragend bewährte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an
Verdauungsstörung.


