Nr. 281 Zweiter Blatt I6J. Jahrgang
G^chetnt tigkich mtt Ausnahme de- Sonntag*.
Die „Gletznier LamttlenblStter" roerben bem ,ftn/<eiflere viermal wöchentlich beiQ*leflt, bai „Mreisblatt für bei Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dte „landwlrtschattllchea Seit- frage!** «Schemen monatlich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberheffen
Mittwoch, 2Y. November (9U
Rotattontbrurf und Verlag bet fltübHdiee UntPtrfuätl • Luch- und SteinbrndereL 8L San gl, Dieven.
Redaktion, (trpebthon and Truderet? 6cfnd» ftraBe 7. d rpetunon and Verlag; &L Rebafnonte-»^ 112, rel.-Lldc^ AnzeigerDte-en.
3u den Reichrtagswahlen.
Einem Wahlaufruf des Deutschen Krieger- bundes entnehmen wir folgende Stellen:
Tie Kriegervereine haben in ihren Ladungen festgelegt, bi6 politische unD rcligiöse (norteruntieH bei ihren Verhandlungen ausgeschlossen bleiben müssen. Anderseits ist ihre Grundlage dis Vekcnnmis zur Monarchie und zur Vaterlandsliebe. In den itciegeoKreinen bau anaj zu Wayizeitllt von oen Unten a)iebcu bet bürgerlichen nationalen Parteien und ihrer Vekunipsung unter einander keine Rede sein. Lagegen ist cs Pflicht dec Verbandsund Vereinsooritande, ihre Manie ruDen daraus tzinzuwei^en, daß lein Mitglied eines Kriegervercins einen Kandidaten wählen kann, der entweder das Teutiche Reich in seiner jetzigen Zusammen- icyung nicht anerlennt oder der em Feind der Monarchie und des vaterländischen Gedankens ist. helfen, die das ehemalige Königreich Hannover wieocrherstelien wollen, Gioßpvlen, die nach der Wiedetlmsrichtung des alten Polenreiches Ureben, insbesondere aber Sozialdemokraten, die (jefauuorenen Feinde des Kaisers, der Monarchie und des Vaierlatwes, dürfen daher unsere Kameraden nicht wählen; sie würden sich dadurch mit dem Gelöbnis in Wideripruch sehen, das sie beim Eintritt in ihren Stricgervercin abgelegt haben. Wer dies GelvL-tns nicht mehr halten will, von dem erwarten wir, dasz er als ehrlicher Mann aus seinem Kricgerverein ausscheide, denn seine Zugehörigkeit ist freiwillig, und wir halten niemanden, der sich nicht mehr zu unseren Grundsätzen beieunen will. Ties gilt sowohl bei den Hauptwahlen wie für die Stichwahlen! Auch bei den Stichwahlen ist die Wahl eines Sozialdemokraten, haniioverschen Welfen oder Gcoßpolen eine Unterstützung dieser Parteien und mit den Ladungen des Kriegervereinswchens unvereinbar. Wir bitten unsere Verbunds- und Veccinsvorstanbe, in vorstehn.oem Sinne tätig zu sein.
Äu8 dem NelchStaztwahlkreis Friedberg-Büdingen-Vilbel wird uns berichtet: Tie Ei n i g u n g s k an d i- datur Strack, die von den Naliouattibcralcn, dem Bund der Lanowirtc, den Deutsch-Sozialen uno Ehristlich-Lozialen flcineüi|ain ausgestellt worden ist, scheint in letzter Stunde zu scheitern, da die Na.ionaltiberalen um Bassermann ein Zusammengehen mit dem iLunb der Landwirte, den Deutsch)» und Christlich-Sozialen jetzt ablehnend gegeuüberstehcn. Demnächst wird eine gemeinsame Sitzung von Bertraucnsmänncrn der vier Parteien in Friedberg stattsinden, in der es sich entscheiden wird, oo die Äanbioatur des Amtsgerichlsrats Strack-Gießen als nationaler jtarielltanbibat aus recht erhalten wird oder nicht.
Zur Reichstagswahl m Mamj-Eppeaheim.
Tie am Son mag in '.'Jia inj aogcyaltcnc, sehr stark besuchte Versammlung des Veriraucnsmänner-AusschusseS der nalwiialliucralcn Partei des Reichsragswahitrci.es Mainz-Lppcnycim hat nach dem „Mainzer Tagest." be- schlost'cn, zur Rcichöiagswahl einen Jtdnbiua.en au.zustcllcn und Fühlung mit anderen Parteien zu suchen. Ferner wurde ans Beschluß der Versammlung briin La.tdcsvorstano der Partei die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung des Landes aus fchu lies beantragt, damit eine Klärung der verworrenen Verhältnisse in der Landespartei herbeigeführt werde.
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Zur Reichstagswahl richten die Vorstande der S y- noden Siegen und Wittgenstein einen Aufruf an die evangelischen Wähler, in dem es u. a. heißt:
„Gemäß einstimmigem Beschluß der Krcissynode liegen und in Uebereinftimniung mit dec Simode Wittgenstein richten wir angesichts dec bevorstehenden Reichstagswahl an die evangelischen Gemcindeglieder in allen Parteien die l-erzliche Bitte, die Wahlagitation nur mit sittlich einwandfreien Mitteln zu führen. Es ist nicht unsere Ausgabe, das größere und geringen Maß von Schuld dec Parteien in der Vergangenheit abzuwägen, aber je heftiger die Agitation diesmal zu werden droht, desto dringender müssen wir unseren Gemeindegliedern gegenüber betonen: Vergeßt nicht, bas; ihr auch dem pvtiti'cheu Gegner Achiung und Liebe schuldig seid! Laßt nicht Laß und Verbitlerung Plag
greifen! Nehmt es ernst mit dec Schonung des guten Namens auch des politisch Andersdenkenden!"
Eine Rede Posadowskik.
In Bielefeld hielt am Llensiag vor einer sehr besuchten Vollsocr,ammlung dec frühere S.aaiss.'li.
des Innern, ®ra s v. Po s a bows l; 8B c.
im Kreis Bielcfcld-Wiedenbrua für die kommenven Reichs tagswahlen als SanuncilanbiOat der Konservativen, des Zentrums, des Bundes der Landwirte und der National- liberalen auigeftellr worden i|t, feine erste Wahlrede. Ler Wahlkreis in gegenwärtig durch den Loziatoemolraten Lev er in g im Reichstag ver.re.en. Außer der Loztal- demotralie ist auch von oct Fortschrittlichen Voltspamei ein Gegenlandidat ausgestellt. Poiadowsti führte aus:
Ich bin Hierher gc....imcn, um ein: staatlich: Pflichl zu erfüllen. Tie uiiugiuij on vier Parteien auf einen Manoicaten hie.t ich für ein gmälm,.s poiitisu.es Ereignis, daß ich gmubte, einem lolaicn Ansinnen entsprechen zu nüiiun. Poja.owsii bringt dann zuiiachst seine tiluiiaifung uiucrcr auswärtigen Politik vor. er Halle bi: Kongoer w erbang ar rate ; iv eitel haste Errungenschaft. Ties Land bedeute leine^ Verstartung unserer wirtfchaiuich.n und politiichen Mach'. Ti: Marolla- Politik unser.r Regierung habe lange Zeit hi'wurch Unruh: und Sorge d:m Haitbel und Verkehr gebrach., o!,n: das; cs notwendig war. Da wir ja doch in Marokko nia?t» hüben ivollcn. Grat Poiadolvski hosst, dah Teunastaiid einmal Gcuici erwerben luirD, ma,t im Innern AfcckaS, soiiv.cn in Irimatischcr Lage, wo TeuiMn cm neues Latid gründen und Dann Tonische bleiben tonnten. Es ivarc dann für Großniächlc, Die ein großes, wachseudis, unter- nehmendes Volk wie das deutsche, an d:c krruor.alen Ausdehnung r.i erlräglichcu Ktimaten hindern wollten, ein ,o urworjiastiges Wagnis wie dcr Verschlug eines Sicherheitsventils an einer Tampimaschine. Pviaoow. st halt bie Fiitan-reform für ein sehr me,enttichco Verdienst. Tast Die Sojiatbemotratic jemals zur herrschenden Partei wird unD so ihre programmatischen Ziele verwi.ltichcn tuim.e, ict voitig uu:;,. i;ioiicn. Ti: >aoziald.mo- fratie tonne nur geistig uno sittlich übcriminbcn werden. Man müße hoffen, daß Die Arbeiter sich politisch und wirtichajtlich ab- klaren. Wer 'Liecht erringen wolle, müsse selbst Recht haben und vor allem Freiheit des Individuums.
Die barsche ThromeSe.
Karlsruhe, -8. L'luU. Tic Ltstndevcrsamm- lung wurde heute vormil.ag i _.12 Uhr vom Großherzog mit einer Thronrede eröffnet. Nachdem der Hochwa^cr- schaden und des Fehlherbstes des Jahres 1910, sowie der Ichweren Verheerungen durch das Unwetter im Tauber- grund in diesem Ick.ire gedacht ist, spricht die Thronrede der Epserwtltiglcit des Volles den Tank dcr Regierung aus. Tie langani altendc Dürre des letzten Herbstes habe einen erhebeichen Ausfall, insbesondere an Futtermitteln, Ä a 11 o ff ein zur Folge gc.abt und den Lebens mittelmarit ungünstig beeinflußt. Tic Regierung sei bestrebt gewesen, den «ich hieraus ergebenden Mißstanden entgegcnzuwirlen, insbesondere durch wcitergehendc Frachtermäßigungen und durch reichliche Gewährung von Darlehen. Auch dcr Bezug von .vartoficln, Gemüse und andereli Lebensmitteln wurde durch Frachtermäßigungen erleichtert. Tank der im Herbst eingetrercnen günstigen Witterung fei die Hoffnung begründe., daß die nachteiligen Folgen der Trockenheit des Sommers nicht in dem anfangs befürchteten Umfange cüureten werden.
Tie Finanzlage des Landes laßt den B.g'nn einer Besserung erlennen, insbe.onocre z.igen die Einnahmen der Betriebsverwaltung der Eisenbahnen einen er।reu» lichen Ausschw n n g. Ta jedoch einige Einna.)mczweige immer non) im Run gang begriffen )ino und die Staats» ».affe bei der Reichserv,chaftS,ieuer einen erheblichen Ausfall erleidet, so i,c auch weiterhin äußerste Vor.icht in der Finanzgebarung geboten, zumal die durch die Neuregelung der Beamten gehälter verur,achten Lasten ihren Höhepunlt noch nicht erreicht haben."
Trost tunlichster Beschrstninng dcr Anforderungen auf allen Gebieten der Staatstätiglcit ist e» nicht gelungen, das Gleichgewicht der Einna men und Ausgaben im StaatS- voranfdkag herzustellen. Um die Einnahmen wieder in gesunde und sichere Verhältnisse zurückzuführen, wird eine ErböhungderStuatsein nahmen durch Einführung dcr Ltaatsloiterie und Erhebung eütcr Zuschlags zur RcichSerbfchaftSsteuer vorgeschlagen.
Unter den von dcr Rcgierung zu unterbreitenden Gesetzesvorlagen steht an erster Stelle ein Gesetzentwurf, der die Wahlkreise für die fünf größten Städte des Landes abgrenzt. In Verbindung damit soll die Zahl der A b g e o r ö n c t c n dcr Zweiten Kammer auf 74 erhöht und der weitere Abgeordnete dcr Stadt Mann- heiri zugeteiit werden. Ter Gesetzentwurf wegen Abänderung des W a s j e r g e s e tz e s wird im weseinlicben unverändert den Landstundeii wieder zugchcn. Tic Einführung der R e i ch s v c r) i ch e r u n g s o r d n u n g erfordert eine Aendcrung dcr au, dem Gebiete der Arb.itcrver.icherung bc- stehenden landcsgcsetzlichcn Vorschriften Hierüber wird ein Gesetzentwurf vorgclegt, der eine Vereinfachung der Lrgani- sation vorichlägt, im übrigen aber den bestehenden Zustand tunlichst aufrcchlerhaltcn will. Zur Turchführung dcr reichsgesetzlich ncugcrcgclten Maß- und Gcwichlsordnung müssen st a a 11 i ch e Eichämter und Abfertigungs- D eil en errichtet werden, ruoiür die Mittel im Liaatsvor- anschlag zur Anforderung gelangen.
Auf dem Gebiete der Uniereichtsoerwaltung wird eine durchgreifende Reform der Fortbtldungs- schule vorbereitet, worüber den Ständen eine Tenkichrift unterbreitet wird. Tie Vereinfachung dcr Srgani- lation und des Verjährens dcr Staatsverwaltung ivird in einer Denkschrift besprochen, in welcher dic bis jetzt getrofjenen Maßnahmen dargelegt und weitere Vereinfachungen erörtert werden.
Aus Stadt und Land.
Gienen, 29. November 1911.
•• Eisenbahnpersonalien. Zum 16. Dezember werden versetzt der Güteroorslehcr Groth von hier nach Lacrnuadt, der Bahnhofsanfseher Becker von Weidenhausen nach Frohnhausen a. d. Lahn, der BahnhosSaufseher Fint von Frohnhausen a. d. Lahn nach AUcndorf a. d. Lumda, dcr BahnhosSaufseher Ni art in von LlUendorf a. d. Lumda als Elsenbahn-Untecassistent zur Güterabfertigung nach Gießen, der Elsenbahngehilfe Pfeifer von Gießen als BahnhosSaufseher nach Weidenhausen. Ernannt wurden die RcgicrungS- bauineister Essenberger in Ü'tamz und Klotz m Franl- surt a. Ütt. zu RegicmngS- und Bauräten. Emberufen wurde zur Beschäftigung im Staalselsenbahndienst der hessische Re- Ulerungsbaumeisier D res sei zum Eisenbahnzentcalamt in Berlin mit dem Wohnsitz in Dortmund. Der Fahrkaricn- auSgcbcr Maaß wurde von Fulda nach Dillenburg und der Lchaffncr Lchmidt von Niainz nach Hungen versetzt. Der Rcsecoe-Lokomotlvführer Schünemann in Bebra hat eine Belohnung erhallen, weil er durch rechtzeitiges Halten des Zuges 1225 das Uebcrfahren eines Knaben und einer Kuh verhütet hat; ferner hat der Streckenarbeiter Schol in Dillenburg für Entdeckung und Beseitigung einer BetciebSgefahr eine Belohnung erhallen.
•* Antialko hol bewe gung. Da die Vorlesungen über »AlkoholiSmuS und Anti-Alkoho l-Be- ivegung* auch von der Bürgerschaft besucht werden, so sei darauf hlngewlesen, daß die beiden nächsten Vorlesungen, in denen Proiessor Messer die Alkoholfrage vom ethischen und pädagogischen Gesichtspunkt auS behandeln wird, nicht
Giefzener Stadttheater.
Was ihr wollt.
Lustspiel von Shakespeare.
Gießen, 29. November.
Durch die Jahrhunderte hindurch vererbt sich dcr Schmerz dcr Menschheit, aber ewig und beständig wechselnd wie das Leben selbst ist die Lust, die daS Lachen erregt. Tie großen Tragiker aller Zeiten stehen uns heute noch nahe, aber ihre heiteren Brüdcr in Apoll haben kaum noch Fühlung mit unserer heutigen Welt. Ariost, Cervantes, sogar Moliere mit einigen seiner Werke haben — um von den älteren ganz zu schweigen — für uns schon viel von ihrem fröhlichen Glanz verloren, unD selcht dcr feuer.« hasten Muse Shakespeares neben nur größtenteils schon merklich kühl gegenüber. Aus dem lebendigen Leben find |ie in dos Rarilätenlabinctt der Literaturgeschichte übergeiiebeit. Nur Der Sommernachtstraum, der Kaufmann von Venedig und die Mrene aller, das tost licke Lustspiel Was ihr wollt haben nichts Don ihrem frischen Zauber eingebüßt und wirken heute noch wie damals.
Boller Saft und Blut wanderten auch gestern die heiteren Nenaissaneemenfchen über umere Bühne und trieben übermütige Üurzweil in ihrer süßen Liebeskomödie: Was ihr wollt. Noch einmal leuchtet und flirrt es wie Helles, ausgelasienes ^afchingstreiben aus des Tichtcrs Hirn, nock einmal waitdclt es an sonnigen Gestaden voll llebcrmut und Lebenslust, dann nimmt der Poel Abschied von ieiner Jugend, und das Regenlied des Narren ist Der luftige Abschiedsgruß. Tarnach hat der große Brite keinen Narrewkreich mehr gemacht. Nur wie ein stickern Hingt feine Lebensfreude ans Den fckweren Falten feiner späteren Werke.
Tie gestrige Ausführung, Dic von Herrn Tirektor Stein- 9 o _e 11 e r aufs glücklichste eingerichtet war, halle es vorzüglich verstanden. Den übermütigen, taschingsmäßigeu Grundton anzu- 'chlageu und den ganten Abend üoer treuliai festzuhaltcn. Man hatte die klugen Buhnenanweifuiigen des Herzogs von Mei- ickngen zugrunde gelegt und so Die Fülle der Verwandlungen auf n«c einzige beimrdnh. Tadurch war es bann auch möglich ge- >verben, dem Bühnenbild eine ganz beionbere Beachtung zu er» ’-eiien unD ein sehr schönes, farbenvolles Land chaftsbilb 1 -rzurichteti. Mit dieser äußeren Gestaltung hielt Die innere, vcn eütigen kleinen Verschleooungeu abgesehen, gleichen schritt: das Tempo war erireuenber Lebendigkeit. Auch Die ivaselnen Rollen waren gut beseht. Fräulein Böhm war eine muntere, jchalliiasl lillre Viola, Die sim auch in Der Hosenrolle tabellcS bewegte. Herr Gühne spielte Den eingebildeten Mal- t>ßlw, dcr fast ui Hochachtung vor sich seckst erflirot, mit glücklicher
Mischung von Hochmut und Tummheit — und sehr geschmackvoll. Herr Norden war als Tobias ein vorzüglio ec Fakstai- in Tuodezausgabc, der sich ebensogut auis Trinteu wie au s Dieben verstaub. Ein in seiner Trot.e.hastigkeit übcrwält.gend komischer Anbrcas war Herr Hilbert, famos in jeder Bewegung unb jebem zon. Herr Grosser spielte b:n Narr mit emaunlicher Fixigkeit und bot schon burc? Die überrasa^nde Schnelligkeit seiner Rebe, die doch fein Wort verschluckte, eine beachtenswerte Leistung. Fräulein Hoerrnann war eine liebenswerte Lliva, schien ab.r etwas unpäßlich zu sein. Herr Goll soielte den Herzog mit sanstem, weichlichem Schmeiaatlton, der vorzüglich vaßte Denig ansprechend war Herr R a p p e p o r t, dcr oft in ein geschmackloses Leiern versällt, durch seine Svrachbehandlung. Solck ein Gcbudel mag wohl hin unb wieder in einem modernen Salonstück passen, war hier aber ganz unb gar nicht am Plage. Ein sehr nettes Kammcrmäbcken war Fräulein Jüngling Herr Volck gestaltete seine kurzen Auitritte sehr einorucksooll. Tie beiden G:- richtsdiener zeigten sich etwas wenig gewandt.
Alles in allem lieferte die Vorstellung nneber den B.'weis, daß die Direktion eifrig bestrebt ist, uns gute Stücke in guter Tarstellnng zu bieten. N.
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Typhusimpsung.
Tas französische ÄriegSmininerium hat vor einiger Zeit wegen der zahlreichen Falle von Unterleibstyphus, unter denen die norbasritarnschcn MoLcnialtruppen zu leioen hatten, einen Ausschuß von Aerzten mit einer genauen Erhebung über den Typhus und seine Behandlung betraut, und deren Ergebnis ist tüngft in der Acadämie de Mcdieine zur Verhandlung gelangt. Tas Ergebnis dieser Erhebung ist, wie Professor Lanbouza aus- führt, daß man in bei Impfung ein sehr brauchbares Mittel gegen ben Tvphus hat. Tte^entcn Ver-uche über Impsungeii gegen ben Tyvhus haben in Frankreick Ehantemei'se unb Vidal, in Teutsckland Pfeiffer und Atolle, in England Wright ausgeführt, und die Ergcbnifie aller dreier Forschungen sind in ben beutscken, französischen unb englischen Kolonien bereit» an- gercenbet worben.
Ter Impfstoff, ber baber venvcnbet wirb, wirb aus Tvohus- bazlllen gewonnen, bie burch Wärme abgetötet finb. Anfangs rief bie Fmvfung unangenehme Nebenerscheinungen, Sü'merzen oder auck Fieber hervor: gegenwärtig jeboch sind bieie liebel» stände völlig behoben. Bei den Imvuto'ien, die der Engländer Wnght hergestellt hat, ist die Wirkung recht günstig: muer 283ö Geimpften kamen 0,95 v. H. Ercranlungsiällc vor, und bie 5tcrbliajfeu betrug 0,20 c. H. gegcituae: 2,05 o. H. Er- trantungefallen bei Nichtgrimpften uiw einer Sterblia)seit von Q,34. Tanach ist Die Ericuntungshäu,igteit sowie Die Lterblichkell
am Typhus ungefähr auf die Hälfte der früheren Zahlen pc- fünfen. Seitdem bie Engländer Impfungen in den Kolonien gegen den Typhus bei ihren Truppen vornehmen, ist die Lterb- llchkeit stetig gesunken; im testen Jahre sind z. B. nur noch 47 Todesfälle vorgelommen. Aehnlicke gute Erfolge sind in Temschland und den Vereinigten Staaten erreicht worden. Tie Aeabemie bc Mebieine konnte im ganzen 216 000 llngeimpfte und 28 000 Geimpfte in den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen. Unter den Nichtgeimpften war die Sterblichkeit 3,9 mal so groß wie bei ben Geimpften. Der erste Impfstos', ber hergestellt war, litt an Dem Mangel, Daß nach feiner Anwendung bie Geimpften zunächst noch nicht gegen bie Erkrankung geschützt, sondern gerade besonders empiängllch für Typhus waren, bei den neuen Hmvf- stonen tritt die Wirkung sofort ein, so daß man bei Truppen in Kolonien bie Impfung an Ert unb Stelle vornehmen kann.
Ein vesonbers großes Beobacktungsmaterial stammt aus ben Vereinigten Staaten, wo ber Militärarzt Foster gute Angaben über die JSirfung. ber Impfung gefummelt hat. In ben Vereinigten Staaten steht die Imvfulig gegen den Tvphus in einem io guten Rufe, daß nch in manchen Regimetttern 98 v. H. aller Mannfchaften freiwlllig zur Impfung gemeldet haben. Tie Offiziere unb ihre Angehörigen lassen sich auch gegen Tyvhus impfen, unb im ganzen finb im vergangenen Jahre im amerikanischen Heere 14 000 Impfungen vorgenommen worben.
Tas Gnbetgebnis über Die Notwenbigkeit bet Impfung ist nach Ansicht Der Acabemie be Mebicinc, baß für Gruppen in ben Kolonien bie Impfung unbebingt nötig ist, wahrcub bie Aus- behnung auf anbere Stäube überflüssig erscheint. K. F.
hk. Aer ztliche Kreditbank. Ter „Klin.-theropeut. Locken>'ckr." zufolge regt die nicderösterreichifche Äerztekammer die Grunoung einer ärztlichen ycrebitbanf an, welche oen Zweck haben soll, Aerzten unb ärztlichen Xorooraticnen eine sichere rtav lalsanlage unb billige Tarieren zu bieten. Tie Gelbmittcl sollen burch Ausgabe von verzinslich?n Anteckscheinen beschosst werben, zu bereu Zeichnung Aerzte unb ärztliche ?lorporatioiku berechtigt sind.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wtssen- 'chuii. Tie ^tao:v:rwairung von Köln hat iick entichlo''en- die berühmte Sammlung von Gemälden Leib! e , v im B'sis de» Geheimen Hoirats r ceger m Berlin ist uno 'in Köln einige Monate ausgestellt war, anjutnufen, angeblich für ein1' Million — Ter 200,ähr,g: Geburtstag Lomonossows, ^es Vaters der rum-die.i V : .' ur, "t in ganz Rv'I .nd sestlich begangen worben.


