Aus Stadt und Land.
Gienen. 29. November 1911.
•* Tageskalender für Mittwoch, 29. November: Stadt- I h e a t e r: 2. Opern-VorsteUung des Darmstädter Hoftheaters: „Die lustigen Weiber von Windsor." Anfang 7 Uhr.
** Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem 1. Hauptsbaatskasfedirektor Dexheimer zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem König von Preußen verliehenen Roten Kreuz-Medaille 3. Klasse erteilt.
** Erledigte Oberlehrer stelle. Ostern 1912 ist eine Lehrerstelle an der höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz zu besetzen. Erforderliche Lehrbefähigungen: Mathematik, beschreibende Na urwisscn- schaften und, wenn möglich, Geographie oder Physik. Verheiratete Lehramtsassessoren oder jüngere verheiratete Oberlehrer wollen sich innerhalb 2 Wochen bei der Ministerial- abteilung für Schulangelegenheiten melden.
**ZuRegierungsbaumeistern sind ernannt worden die Regierungsbauführer Wilh. Haas aus Roßdorf und Theodor Wittich aus Tarmstedt.
** Der Kreistag des Kreises Gießen wird Anfang Dezember d. I. lagen, um den Voranschlag für daS kommende Jahr zu beraten.
** Mitteldeutscher Arbcitsnachweisver- band. Am Samstag, 2. Dezember, vormittags 10^4 Uhr, findet hier im Regierungsgebaude die zweite diesjährige Konferenz von Verwaltern und Leitern öffentlicher Arbeitsnachweise mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die neue Regelung auf Äm Gebiete der Wanderarmenfürsorge in Verbürdung mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis. Redner: Magistrats-Syndikus Langer-Frankfurt a. M. 2. Die Besonderheiten des städt. und ländlichen Arbeitsmarktes. Redner: Direktor Dr. Busch- Frankfurt a. M. 3. Die Mitwirkung der öffentlichen Arbeitsnachweise bei der Lehrstellenvermittlung. Redner: Bürgermeister Dr. Schmidt-Mainz und Geschäftsführer Tr. Schlotter-Frankfurt a. M. 4. Bericht über den 2. Ausbildungskursus für Leiter und Angestellte von öffentlichen Arbeitsnachweisen. 5. Aussprache. — Nachmittags ist Besichtigung des Städt. Arbeitsnachweises und der Herberge zur Heimat.
** Kraftwerk Wölfersheim. Offiziös wird gemeldet: Die „Franks. Ztg." bringt am 25. d. Mts. unter der Ueberschrift „Ern Elektrizitätsmonopol für das Großherzogtum Hessen" die Nachricht, daß zwischen dem hessischen Ministerium und der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft über die Verpachtung des auf Grube Ludwigshosfnung zu errichtenden Kraftwerkes verhandelt werde und auf diesem Wege voraussichtlich eine Monopolstellung der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft in Hessen entstehe. Diese Nach richt trifft nich t z u. Der wirkliche Sachverhalt ist folgender: Die beiden Kammern des Landtages haben bei Bewilligung der Mittel für die Neuanlagen auf .Grube Ludwigshoffnuna gewünscht, daß die Regierung versuchen solle, fiir den Betrieb des Unternehmens eine Gesellschaft zu bilden. Einige industrielle Firmen fragten inzwischen an, ob sie sich an dem Unternehmen beteiligen könnten. Die Rheinische Schuckert-Gesell- schaft gehört nicht zu diesen Firmen. Ueberdies erbaut der Staat nur das Kraftwerk. Die gesamten Fernlettungs- anlagen und Ortsnetze werden durch die Provinz Oberhessen errichtet; diese verteilt also den Strom an die einzelnen Abnehmer. Die Hauptteile des Kraftwerkes sind vom Staat bereits ausgeschrieben. Die Kesselanlage ist vergeben, auf Dampfturbinen und elektrische Maschinen wird demnächst der Zuschlag erfolgen. Auch die Provinz hat ihre Anlagen vor kurzem unter 13 Firmen aus g esch rieb en. Vorzugsrechte (Monopole) irgendeiner Firma aus dem Gebiete der Motorenlieferungen und Hausinstallationen sind bei dieser Sachlage ausgeschlossen.
** Buchkunstausstellung. Man schreibt uns: Eine von der .Ferber sch en Universitätsbuchhandlung (C. Koch) veranstaltete Buchkunstausstellung lenkt seit einigen Tagen die Aufmerksamkeit aus sich. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß neuerdings auf die Ausstattung des Buches, die lange Zeit sehr vernachlässigt wurde, wieder mehr Wert gelegt wird. Ganz besonders sind es der Insel-Verlag, Georg Müller, Paul Ea, <irer,Hyperion-Verlag, Eugen Diederichs rc., die ihren Verlagswerken, außer einem guten Inhalt, noch ein schmuckes und künstlerisches Gewand aus den Weg mitgeben. Die genannte Buchhandlung hat keine Mühe und Kosten gescheut, durch eine sorgfältig getroffene Zusammenstellung das Gießener Pnblikuin mit der neueren Buchkunst bekannt zu machen. Niemand, der für das schöne Buch Interesse hat, lasse sich daher diese seltene und für Gießen erste Gelegenheit entgehen.
** Vom. Konzertverein wird uns geschrieben: Der prgendliche Geiger Jöska S r i g e t i aus Budapest, welcher bereits tm vorigen Jahre für ein Konzert in Aussicht genommen war, infolge einer großen Konzerttournee durch England jedoch in letzter Stunde ablagen mußte, entstammt der Schule Hubay's, «iS der eine Reihe hervorragender Geiger hervorgegangen ist. Trotz seiner Jugend — er zählt erst 19 Jahre (geb. 1892 in M^bst) — wird er m den Berichten aus Paris, Berlin, London, Wien, BMsel, Budapest u. a. stabten übereinstimmend als erst- uaftiger Nepresentant des Violinjpieles gepriesen. Die Pall Mall Gazetti nennt ihn „einen jugendlichen Joachim", das Echo de Paris im April 1911 „einen Künstler, dessen Virtuosität alle ^Schwierigkeiten mit ^endlichem Feuer überwindet, der immer Mit richtigem Empfinden das Muiikwerk vorträgt". In einem cttiC£L:U? P^^sbccheu, in Freiburg und Berlin errang er
.Erstlge.. 1906 spielte er mit 14 Jahren das Beethoven-
^Violinkonzert m der Berliner Philharmonie unter Joachims Zeitung. Jndesten ist er kein Wunderkind geblieben, sondern hat eifrig weiterstudiett, insbesondere das Fundament der ©eigen- > r<?£J!c'r Bachsche Werre, bekanntlich der Prüfstein für alle Geiger. In England ist der mgendliche Violinheld auf seinen Konzert- reisen Mit Bufom und Wühelm Backhaus enthusiastisch gefeiert worden. Was allen Hubay Schülern eigen ist, finden wir auch
^öigeti wieder, .verblüffende Fiugerleckstiik, elegante Bogen- Schönheit, des Tones, dabei feuriges, besitzt das Feuer eines Slaven und Leidsmchaft eines Romanen" schrieb die
5 »l Akgraph. Nach solch günstigen Berichten darf M bas Auftreten DieieS Geigentalents mit Recht gespannt SSonate betritt er den klassischen Boden, li Latos Symphonie espagnole wird er seine lauti leno und in äff''K^üich seine Technik dokumentieren können.
führt sich ven Walther Fischer, ein Schüler mi?d,S^rt5rieC RVV sicher hat hervorragende Solisten wie Burmester, Erika Wedekind, Ottilie Meüaer u in hm
Wiesbadener Zykluskonzerten begleitet und sich damit ihre ungeteilte Anerkennung errungen.
Stadttbeater. Auf da? am nächsten Dienstag, 5. Dezember, slattfindende einmalige Gastspiel von Frau Charlotte Bosts vom Hoftheater in Dresden m «Mrs. Tot" sei hingewiesen. Die Vorstellung findet bei gewöhnlichen Preisen außer Abonnement statt, doch zahlen Abonnenten bei Abgabe des dritten Ermäßigungskupons nur kleine Preise. — Auf vielseitigen Wunsch wird Wildenbruchs »Haubenlerche^ in der nächsten Freitagsvorstellung nochmals gegeben; eine Wiederholung im Mittwochs-Abonnement findet nicht statt.
** Gauturnfest 1912 in Gießen. Am Sonntag fand in der Turnhalle des Turnvereins eine Zusammenkunft der geübteren Turner des Gaues statt. Vertreten waren: T. V. Gießen, M. T. V. Gießen, Wetzlar, Butzbach, T. V. Marburg, T. G. Marburg, A. T. V. Marburg, Schlitz, Lich, Nidda, mit zusammen 23 Turnern. Um 2 Uhr eröffnete Gauturnwart Will die Zusammenkunft mit Worten herzlicher Begrüßung. Er betonte, daß auf dem nächstjährigen Gauturnfest hier in Gießen, verbunden mit der 50jährigen Jubelfeier des Gaues, in turnerischer Beziehung viel zu leisten sei. Es wurden sodann die Freiübungen aus dem Uebungsstoff des Gaues für 1911/12 durchgeübt und hierauf in Drei Riegen angetreten. Als Vorturner der einzelnen Riegen waren bestimmt: am Reck Bender-Wetzlar, am Darren Textor-Mar- burg und am Pferd Bepler-Gießen. Durchgängig waren gute Leistungen zu sehen. Die Vorturner zeigten an den drei Geräten Uebungsstoff zur Vorbereitung für Gipfelübungen und manchem Turner wurde hierdurch neue Anregung gegeben. Ferner zeigte Bender-Wetzlar die Entwickelung und Durchführung von Gewandtheitsübungen, die großes Interesse fanden. Dem Schluß des Turnens um 5 Uhr folgte eine anregende Besprechung in der Restauration „Zum Augustiner". Es wurde beschlossen, noch zwei weitere Zusammenkünfte der geübteren Turner des Gaues abzuhatten und zwar die nächste Ende Januar in Wetzlar und die andere in Marburg. Hierbei soll auch das volkstümliche Turnen nach der neuen deutschen Wetturn- ordnung durchgenommen werden. Es wird sich dahin verständigt, zur nächstjährigen Jubelfeier je eine Riege am Reck und Pferd auszuarbeiten. Jeder daran beteiligte Turner hat drei Uebungen, die er flott und sicher ausführen kann, an den er,cen Gauturnwart einzureichen, der mit dem zweiten Gauturnwart Die Uebungen zu einer Gruppe zusammenstellt, um ein geregeltes Kürturnen zu erzielen. Auch an das deutsche Turnfest 1913 in Leipzig wurde gedacht und angeregt, von den geübteren Turnern des Gaues.eine Riege zujammenzustelten, die mit Ge- wandtheitsübungeu als Gauvorführuna daran teilnimmt. Um die Durchführung zu ermöglichen, soll bereits im.Dezember mit der Einübung begonnen werden. Mit einem kräftigen Gut Heil aus die deutsche Turnsache schloß Gauturnwart W. Will die Zu/ammenkunft.
** D i e Ren del er Bluttat, bei der Der Landwirt Gunderlach seine Angehörigen niederschoß, um dann sich selbst zu töten, wird noch ein Nachspiel vor der Straftammer in Gießen haben. Gegen den im September d. Js. verhafteten Weißbindermeister Hch. Müller von Niederdor- selden ist nach beendeter Voruntersuchung Anklage aus 8 139 d. Str.-G.-B. erhoben. Er ist angeklagt, daß er es unterlassen hat, obschon er von dem geplanten Mord gegen die Angehörigen seines Freundes Gunderlach zu einer Zeit Kenntnis hatte, wo dessen Tat noch verhindert werden konnte, davon den bedrohten Personen oder der zuständigen Behörde Mitteilung zu machen.
** Aufschrift für Postsendungen nach fremden Ländern. Absender von Postsendungen nach Ländern, wo die deutsche Sprache wenig oder gar nicht gebräuchlich ist, z. B. nach Rußland, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Amerika, tun gut, zur Bezeichnung des Empfängers in der Aufschrift die Sprache des Bestimmungslandes oder eine andere dort bekannte Sprache anzuwenden, mindestens aber die Aufschrift in lateinischen Schriftzügen abzufasjen. Die Nichtbeachtung dieser Vorsichtsmaßregel tann, wie Die Erfahrung lehrt, Da in jenen Ländern deutsche Schriftzüge nicht bekannt sind, die Rücksendung oder wenigstens eine Verzögerung der Aushändigung an den Empfänger und damit für diesen sowie auch für den .Absender große Unannehmlichkeiten zur Folge haben.
Landkreis Gießen.
s. Lollar, 28. Nov. Im Bett erschossen hat sich gestern abend gegen 10 Uhr ein bei einem hiesigen Meister in Arbeit steyender Feilenhauergeselle. Das Motiv der Tat ist unbekannt. In einem hinterlassenen Brief hat er angegeben, was mit seinen Habseligkeiten geschehen soll.
O Lich, 28. Nov. Nachdem die Maul, und Klauenseuche schon über ein halbes Jahr in der Umgebung rundum verbreitet war, hat sie nun auch in unserer Stadl um sich gegriffen. Mehrere Gehöfte sind verseucht, besonders stark wütet sie auf dem Fürstlichen Hofgut, trotzdem von dec Gutsverwaltung gegen eine Einschleppung die weitgehendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen worden waren. Schon mehrere Stück ivertvolteS Vieh mußten von Frankfutter Metzgern an Ott und Stelle abgeschlachtet und nach Frankfurt transportiert werden. Die hiesigen Metzger schlachten teilweise außerhalb, da da3 Vieh lebend nicht eingeführt werden darf.
Kreis Büdingen.
H. Büdingen, 28. Nov. Herne sand eine Gemeinderatssitzung statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird beschlossen, daß die Arbeiten $ur Herstellung der unteren Beundehohl 0'og. Nosenkranzweg) der Firma Friedrich Zipf Söhne, Gelnhausen, auf Grund der in ihrem Angebot verzeichneten Einheitspreise Übertragen werden sollen. Ebenso wird das Brechen von Basaltsteinen zur Herstellung von Waldwegen dem Gg. Mörschel II. für den Kubikmeter 70 Pfg. Übergeben. Die Handwerker, die bei Erbauung des neuen Schulhauses Arbeiten aussuhrten, verlangen ihre seinerzeit gestellten Kautionen zurück, da die zwei- jahrige Garantiezeit aügelaufen ist. Auf Antrag des Gemeinderats Steil wird die Angelegenheit der Baukommission zur Regelung Überwiesen. Bei Den Verhandlungen über Aonahme des Gaswerks war von der Beleuchtungskommission festgestellt worden, daß von der Unternehmerfirma ein Ofen für die Gasmeisterwohnmig und eine Brimnenschale für den Brunnen im Hof noch zu liefern leien. Auch fehlt noch Die Anbringung einer Konsole und ein Oelfarbenanstrich in Der genannten Wohnung. Unter der Voraussetzung, daß die Lieferung dieser Gegenstände und die Fertigstellung der verttagsmäßigen Arbeiten erfolgt, wird das Gaswerk von Der Stadt endgültig übernommen. Tie Anleihen bei der Bezirks-
BeitbewShrtt
70 ‘/o Stromersparnis Grand Prix Brüssel 1910 Durch die Elektrizitätswerke und iMtaJlatlons- gescbäOe zu beziehen.
hfc. Auertexellechaft, Berlin 0.17
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Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 28. Nov. Ein Einbruchsdiebstahl wurde heute früh in der Villa des Hauptmanns a. D. v. Vers. wordt-Wallrabe in der Heinrichstraße 17 hier entdeckt. Der Be- wer befindet sich seit Monaten mit seiner Familie auf einer Reise in der Schweiz und Italien, während die von ihm allein bewohnte Villa leer steht und nur von Zeit zu Zeit kontrolliert wird. Als der damit Beauftragte heute früh nach dem Hause kam, entdeckte er, daß fremde Personen den Eingang gewaltsam geolfnet hatten und eingebrungen waren. Bei näherer Bcstch- tigung fand man nun in sämtlichen Räumen der Wohnung ein grenzenloses Durcheinander. Alle Behälter sind gewaltsam erbrochen und der Inhalt zum Teil über Den Booen zerstreut. Auch deuten viele Anzeichen darauf hin, daß die Diebe einige Zeit bort genächtigt haben. Was gestohlen ist. konnte noch nicht e gestellt werden, da dies nur die benachrichtigten Bewohner selbst feststellen können. *
m. Offenbach, 28. Nov. Die Stadt Offenbach gewährt auch in diesem Jahre eine Ehrengabe von 25 Ml. an die hier wohnhaften reichsdeutschen Kriegsteilnehmer von 1864, 1866 und 1870/71, die ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mk. haben oder aber bei einem höheren Einkommen in bedürftigen Verhältnissen leben.
Hessen-Nassau.
0 Marburg, 28. Nov. Die elektrische Straßen- bahn, die seit Sonntag in Betrieb ist, nahm heute mit einer Festfahrt der Spitzen der Behörden ihre regelmäßigen Fahrten mit 10 Minutenverkehr auf. Die beiden Wagen waren den ganzen Tag dicht besetzt. — Am Sonntag begingen die Eheleute DebuS in Damm da« Fest der g o l d e n e n Hochzeit. Ihnen wurde die Ehejubiläums- Medaille verliehen.
Frankenbach, 28. Nov. In den Waldungen am Dünsberg wurden diese Woche die ersten Christbäumcheu gehauen und verladen. Gemeinden und Private pflanzen immer mehr Fichtenbäumchen, zumal Ehristbäumchen ein Luchter Artikel find. In unserer Zeit der Teuerung sind uuch^sre eryebltch rm Prei,e gestiegen. Früher kostete dao Ltuck 12 bis lo Pfg., heute 2d big 30 Pfg.
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bei jeder Gelegenheit der Gemeinde hilfsbereit entgegengciüi.i» men seien. Der Gemeinderat erkennt dieses an und beschließt daß die Rückzahlung nur in schonendster Weise und im vollen Einverständnis der Kassen erfolgen solle.
= Lorbach, 28. Nov. Nächsten Donnerstag werden es 50 Jah r e sein, daß der Pächter Heinrich Kliu g anstelle seines verstorbenen Vaters den hiesigen fürstlichen Gutshof übernommen hat. Aus diesem Anlaß hat der Fürst zu Ysenburg-Büdingen seine sämtlichen Guts- Pachter ins Büdinger Schloß eingela en, woselbst mittags 1 Uhr zu Ehren des Jubilars ein Festessen stattsindet. Dieser Ehrung freut sich nicht nur die gesamte hiesige Einwohner- Ichatt, auch die der Umgegend nimmt aufrichtigen Anteil an der Freude. Denn selten ist es jemand vergönnt, sich so die allgemeine Liebe und Wertschätzung zu erwerben, wie Kling. Aufgewachsen in den einfachsten Verhältnissen, hat er stets ein mitfühlendes Herz und eine offene Hand für die Notleidenden gehabt, einerlei welcher Konfes-ion le zugehörten; und keiner hat in öO Jahren unbefriedigt den hiesigen Hof verlassen, wenn er dort um Hilfe nach- gesucht. Trotz des hohen Alters von 79 Jahren ist der Jubilar doch noch körperlich und geistig rüstig, so daß man ihn dieses Jahr während der Erntezeit noch Tag für Tag auf dem Gras- oder Getreidemäher ins Feld fahren sehen konnte.
Kreis Lauterbach.
Nösberts, 28. Nov. Aehnlich wie vor Jahresfnst in einigen Orten des Kreises Alsfeld, so ist vor einigen Tagen in dem zur hiesigen Bürgermeisterei gehörigen Orte W e i d m o o s eine ganze Familie infolge Genusses von Mus an Vergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Das Mus war in irdenen Töpfen ausbewahrt, deren Glasur wohl Blei an das säurebildende Mus absetzte und so eine Bleivergiftung herbei- führte. Die aus fünf Köpfen bestehende Familie ist glücklicher- weise außer Lebensgesahr. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, derartige dtahrungsmittel in irdenen Töpfen aufzubewahren, man soll dazu nur Gefäße von Glas, Porzellan oder Stein- gut verwenden. Die Bleikrankheit kann unter Umständen, ab- gelegen von den großen Schmerzen, langes Siechtum, Bliichheit und einen qualvollen Tod zur Folge haben.
Kreis Frievderg.
— Bad-Nauh eim, 2(. Nov. Am Sonntag fand hier die zweite B ez i r ks f e ch t er st un d e des 3. B e- zirksmittelrheinischerFechtriegen statt. Kreis- fechlwart St aß er- Hanau leitete das Fechten. Beim Mannschaftsfechten siegte die Fechtriege des Turnvereins Gießen 1846 und tritt somit rm Frühjahr 1912 bei Der Kreisfechterstunde in Worms mit der siegenden Mann,chast des 1. und 2. Bezirks in engeren Wettbewerb um Die Kreismeisterschaft Des Mittelrhein. Im allgemeinen wurde in den Vereinen ein sicheres Vorwärtsschreiten Der Fecht- riegen festgestellt.
L. Bad-Nauheim, 28. Nov. Nächsten Donnerstag, 30. d. Mts., werden es hundert Jahre, daß dec erste Arzt, der sich im Dorfe Nauheim niederließ, und der spätere erste Badearzt unserer jetzigen Badestadt Dr. Bo de geboren wurde. Damals stand em Badehaus, das spatere alte Kur- Haus dahier, in dem sich acht Badezellen und einige Logier- zimmer befanden. Als Nauheim sich entwickelte und zur Stadt erklärt wurde, wurde Tr. Bode von der damaligen kurhessischen Negierung zum Badearzt ernannt. 1866 wurde Nauheim dem Großherzogtum Hessen einoerleibt und der Geheime Rat Dr. Bode NtUglled der Badelommission. Dr. Bode hat dann in Wort und Tat für Bad-Nauheim gewirkt. "Nächsten Donnerstag werden die Stadtverwaltung und der Aerzteverein Bad-9tauheuns Kränze auf fernem Grabe niederlegen.
Noten
k; Mo
Gerichtssaal.
uiC& Kriegsgericht. In dieser Woche
verhandelte em KriegSgerlcht tu der neuen Kaserne über zivei packe. Unser Bericksterstatler kann über die Beryandlungen nichts berichten, weil der Zufaminemrilt des (Berichts nicht in dem dazu bestimmten öffentlichen Aushang bekannt gegeben war.
J? c^^rfonn' 28. Nov. Ter Gefangnisgehllse Metzger !>rpKen ^"^"ELbefr^ , Buchung und wegen dreier Ser brechen gegen die Sittlichkeit zu fünf Jahren drei Mo sÄEN Zuchthaus, sowie zu 10 Jahren Ehrverlust und fern
Verfahrens verurteilt worden. Drei Monate werden o! durch die Untersuchung verbüßt erachtet. Metzger ist der Geiängni gehilse, der zweimal dem Schiemangk (alias Graf Pass
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