gegangen seien, fo werde dein Prvvinzialtag wahrscheinlich, ohne daß es erst einer Anregung bedürfe, ein weiteres Projekt vorgelegt werden. Obwohl er nicht Vertreter von Gießen sei, wolle er doch daraus aufmerksam machen, daß auch die Stabt Gießen kommen und einen Zuschuß verlangen könne. Daß dies nicht geschehe, beweise, daß man die Auffassung habe: Wir sind in eine Periode wirtschaftlicher Maßnahmen der Provinz gekommen, die sich stufenweise entwickeln.
Oberbürgermeister Mecum : Die Stadt Gießen denke sÄbstverständlich nicht daran, dem Werk Schwierigkeiten zu bereiten. Es sei angeregt worden, eine Resolution zu fassen. Er möchte bitten, davon abzusehen, denn es sei s. E. selbstverständlich, daß der Provinzial-Ausschuß demnächst weitere Schritte unternehme. Wenn eine Entschließung gefaßt werde, dann bitte er, den nördlichen Teil des Kreises Gießen mit einzubegreifen. In erster Limie bitte er aber von einer solchen abzusehen. Im übrigen habe sich gezeigt, daß die Strompreise eine fallende Tendenz l)ätten, dies liege ja auch im Interesse der Werke. Die vorgesehene Abschreibung sei nach seiner Ansicht zu gering. (Er führt hierfür ein Beispiel aus Schlesien an.) Trotzdem bitte er, der Vorlage zuzustimmen, selbst wenn ein Zuschuß von 60- oder 70 000 Mk. erforderlich sein sollte.
Oekonomiercrt Schade-Alsfeld: Er sei zunächst dankbar, daß alle Redner sich dafür ausgesprochen hätten, daß auch die anderen Teile der Provinz mit elektrischer Energie versorgt würden. Er sehe auch gar keinen Grund, iDarum man nicht einen Betrag von 50 000 Mk. bereits heute für diesen Zweck cinstellen solle. Tic Bewohner des nördlichen Teils blickten mit einem gewissen Neid auf die begünstigteren Kreise, weit diese auch mit der Wasserversorgung besser daran seien. Die Hoffnungen, die in den nördlichen Kreisen gehegt würden, seien sehr hohe. Deshalb sollte man beruhigend eingreifen. Dann würden auch die Vertreter dieser Kreise mit freudigem Herzen diesem Projekt zustimmen.
Forstmeister Dr. Weber-Ko nradsdvrf : Er möchte darauf Hinweisen, daß er es für keine gute Finanzpolitik halte, wenn die Ueberschüsse von Inheiden ganz verbraucht würden. Er stimme in dieser Beziehung Herrn Professor Biermcr zu und rechne mit Sicherheit darauf, daß, wie sich der Provinzialtag über die wirtschaftlichen Unternehmungen geeinigt habe, er sich auch auf der anderen Seite einigen werde, um genügende Vorsicht walten zu lassen. Es sei auch nach außen gut, wenn heute ein einstimmiger Beschluß gefaßt werde. In der Kammer habe man mit einer Opposition zu rechnen, die von der Privatindustrie ausgehe. Das sei ein gutes Zeichen. Wenn die Privatindustrie sich solche Mühe gebe, dann müsse doch etwas hinter der Brikett- fabrik stecken. Er hätte es lieber gesehen, wenn die Provinz alles allein gemacht hatte. Dazu sei aber immer noch Zeit. Daß der Provinzial-Ausschuß den übrigen
Die VeiMkiflilH des Kmde».
Von allen Krankheiten, die das Menschengeschlecht überfallen, sind am meisten verbreitet, die tückischsten und folgenschwersten, die Erkrankungen der Atmungsorgane.
Die Gefahr ist besonders deshalb so groß, weil diese Art der Erkrankungen zuerst sehr vernachlässigt wird. Mit „ein bißchen H u st e n" fängt es an, oft nach einer „einfachen Erkältung", noch öfter nach einer Influenza. Wer achtet auf ein „bißchen Husten!" Dann wird der Schlaf schlechter: man wacht auf, ohne ausgeruht zu sein, wie gelähmt, man wirft Schleim aus, erst nur morgens, dann den ganzen Tag über, der Kopf ist benommen, der Appetit schlecht, die Gesichtsfarbe wird fahl, das Auge krankhaft glänzend, man fühlt sich unfähig zur Arbeit, hat Atembeschwerden, Stiche in der Brust, man ist betrübt bis zur Verzweiflung — und erfährt dann schließlich, daß man an einer schon weit fortgeschrittenen Erkrankung der Atmungsorgane leidet, die den ganzen Körper schon stark in Mitleidenschaft gezogen hat.
Nun wird alles mögliche getan, um der Krankheit Einhalt zu gebieten, Geld spielt keine Rolle mehr, es wird alles probiert — meist mit sehr zweifelhaftem Erfolge!
Teilen der Provinz ebenfalls Rechnung tragen werde, das dürfe man ganz gewiß erwarten und er könne heute schon sagen, daß in dem Maße, wie die Beträge für Wölfersheim frei würden, sie den übrigen Teilen zur Verfügung gestellt werden sollten.
Landtagsabgeordneter Brauer: Er habe die feste Gewißheit, daß der Provinzial-Ausschuß vollständig loyal verfalxren werde. Er bitte, die folgende Entschließung einstimmig anzunehmen:
Der Provinzialtag beschließt, den Provinzial- Ausschuß zu ermächtigen, für den übrigen Teil der Provinz Oberhessen ebenfalls ftnanzielle Unterstützung zu beantragen, wenn von dort aus der Wunsch nach Versorgung mit elektrischer Energie der Provinzialverwaltung unterbreitet wird.
Brauer. Neeb. Koch XIV.
Mühlenbesitzer Falck-Friedberg verweist aus das Beispiel des Kreises Gießen, der die Quellen von Inheiden abgetreten habe, weil es der Allgemeinheit zugute komme. Der Antrag des Herrn Schade gehe viel zu weit. Mit dem Elektrizitätswerk mache man in finanzieller Hinsicht einen Sprung ins Dunkle. Wenn man wirklich ernstlich ein Freund der Sache sei, dann müsse man dem Projekt einfach zustimmen.
Justizrat Rabenau-Büdingen: Es gehe nicht, den Wünschen der Antragsteller zu entsprechen. Man brauche keinen Beschluß darüber, daß man Den Kreisen Alsfeld und Lauterbach helfen wolle. Das sei Vertrauenssache. Sowie die Provinz die erste Mark von Inheiden auf der Hand habe, werde sie der Versorgung dieser Kreise nähertreten. Vielleicht genüge es ja den Antragstellern, wenn ihre Meinung im Protokoll ausdrücklich niedergelegt werde.
Nachdem der Vorsitzende den Antrag nochmals verlesen hat, werden die verschiedenen Widersprüche dagegen fallen gelassen.
Hierauf wird der Antrag des Provinzial- Ausschusses e i n st i m m i g angenommen. Danach sind die mit dem Staat, den Eisenwerken Buderus zu Hirzenhain und der Stadt Friedberg geschlossenen Verträge genehmigt. Die Provinz ist ermächtigt, 1. zur Bestreitung der Anlagekosten ein Kapital von 2800 000 Mk. aufzunehmen, das mit höchstens 4 Prozent zu verzinsen und mit mindestens 1 Prozent vom 6. Betriebsjahr ab zu tilgen ist, und 2. alles zum Bau und zur Ausführung der Anlagen Erforderliche zu veranlassen.
Weiter wird sodann der Antrag Brauer u. Gen. ein stimmig angenommen.
Nachdem noch verschiedene Mitteilungen erfolgt und von Oberingenieur Müller Bericht über den derzeitigen Stand der Arbeiten des Wasserwerks Inheiden erstattet worden ist, wird der Proviitziallag vom Vorsitzenden mit Worten des Dankes an die Versammlung geschlossen.
Denn um Erkrankungen der Atmungsorgane — Ka- tarrhe,Keuchhusten,Asthma,Jnfluenza,Lun- genleiden — in einer der Heilung günstigen Weise zu beeinflussen, gibt es eigentlich nur ein Mittel, die Einatmung dünner, sehr sauerstoffreicher Luft, wie das am besten und natürlichsten geschieht, wenn sich der Kranke in einem Luftkurorte wie z. B. Davos aufyält!
Aber leider — wie wenige können es sich gönnen, Monate lang ober überhaupt einmal in Davos zu leben!
Da hat man zu Sauerstoff-Inhalationen gegriffen, unb aus eisernen Flaschen bem in eine Saug-Maske gesteckten. Patienten Sauerstoff zugesührt. Das Verfahren ist um» stänblich, teuer unb eine große Quälerei für den Kranken, aber man hat zweifellos Erfolge gehabt.
Jetzt aber ist es gelungen, aktive Sauerstoff-Inhalationen zu bewerkstelligen ohne Stahlflasche, ohne Maske, überhaupt ohne jeden Apparat, ohne weiteres auf billigste Weise durch die ganz neuen D r. Schleimers a r o m a t i s ch e n K a t a l - S a u e r st o f f -- Inhalationen (patentamtlich geschützt und Schutzrechte in allen Kulturstaaten), bei denen der Sauerstoff activ in statu nascendi (im Moment des Freiwerdens) eingeatmet wird.
Die Versuche haben ergeben, daß die feuchte, heiße Inhalation von aktivem Sauerstoff in statu nascendi, der Salzteilchen, Menthol und Teilchen ozoni-
Markte.
F.C. Wiesbaden. Viebhol-Marktbericht vom 27. März, Austrieb: Rinder 77 (Ochsen 55, Kühe 22, Bullen 00), Kälber 2Q Schale 2R, Schweine 326.
Tendenz: Rinder, Kälber, Schale und Schweine lebhaft.
Preis Durch» pro 100 Pfd. schnülsnrei; Erbend» 5<t>l«4t. pro 100 tzsur»!> qruidit l-wen». -Mart,
Ochsen. von-btSvon-bis
Pollfleischige, ausqemästete, höchsten
Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 48—51 87—91 49 89
Junge, fleischige, nicht ausgemäsle und
ältere ausgeinästete...... 44—46 80—85 45 82
llngejochte.......... 50—52 90—95 51 92
Bullen.
Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten
Schlachtwertes........ 43—45 78—82 44 80
Vollfleljchige, jüngere......39—42 67—76 40 71
, Färsen, Kühe.
Bollsleischige ausgeinästete Färsen höchst.
Schlachtwertes........ 46—50 84—87 48 86
Bollfleijchlge ausgemäslete Kühe höchst.
Schlachtivertes bis zu 7 Jahren. . 40—45 77—82 42 79
'keltere ausgeinästete Kühe und wenig
gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 35—39 70—75 37 73
Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 30—34 66—68 32 67
Kälber.
Feinste Mastkälber....... 64-66 106-110 65 103
Mittlere Mast- und beste Saugkälber . 60—63 100-105 61 103
Schweine.
Vollfleischige Schweine Ins zu 2 Zentner
Lebendgewicht........ 47—49 61—63 48 62
Bollsleischige Schweine über 2 Zentner
Lebendgewicht........ 47—49 61—63 48 62
Bollsleischige Schweine über 2'/, Zentner
Lebendgewicht........ 45—46 58—60 45 59
Fleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht .......... 47—48 60—62 47 61
Ueberftaub: Rinder geringer Ueberstand, Kälber, Schafe und Schweine anLverkaust.
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Gießen, den 23. März 1911.
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