Vermittlung der Großmächte.
London- 2. Okt. Der türkische Botschafter ließ dem Staatssekretär Grey eine Mitteilung zukommen, die eine Vermittlung der Großmächte herbeizufüh-ren suche. Aehn- liche Schritte sollen in deren Hcntptstädten unternommen worden sein. — Wie das Reuter-Bureau erfährt, trat bei den Großmächten keine Aenderung in ihrer schon bekannt gegebenen Haltung strenger Neutralität ein. Die türkische Regierung sei in diesem Sirme verständigt worden.
*
Das Verhalten des türkischen Volkes.
Konstantinopel, 2. Okt. Infolge der strengen Vorsichtsmaßregeln ist bisher alles ruhig. Ein Vo lrs- Hausen versuchte die Fenster des geschlossenen italienischen Postamtes in Stambul einzuwerfen, wurde aber rasch zerstreut, Kavalleriepattouillen durchziehen die Stadt.
Der jungtürkische Kongreß.
S a l o n i k i, 2. Okt. Der j uu g t ür ki s ch e Ko u g r e ß wurde gestern eröffnet. Anwesend waren 50 Delegierte. Generalsekretär Hadjil Adil Bey wurde zum Vorsitzen^ den gewählt. Der Kongreß nahm den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Komitees im abgelaufenen Jahre entgegen, wobei die Beziehungen des Kom tees zur Partei dargelegt wurden. Sodann wurde die Frage aufgeworfen, ob der Kongreß in Anbetracht der Kriegslage überhaupt abaehalten oder vertagt werden solle. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Der Kongreß arbeitet hicriiber eine Proklamation aus.
Ruhe auf dem Balkan.
Athen, 2. Okt. (Agence d'Athönes.) Der türkische Geschäftsträger begab sich heute morgen zum Minister des Aeußern und erklärte im Auftrage des Großwesirs Said Pascha, daß Griechenland die Truppenbewegungen, die in der Nähe der Grenze stattfänden, nicht mit Mißtrauen zu verfolgen brauche, da diese Bewegungen ihren Grund lediglich in dem Kriegszustände mit Italien hätten. Die .Agence d'Athönes bemerkt dazu, diese Erklärungen erfolgten aus Gerüchte und Interviews über einen von der Türkei angeblich geplanten Einfalt in Thessalien und aus das Ultimatum, das die Türkei wegen! der kretischen Frage an Griechenland gerichtet haben soll. , Sie beweisen die völlige Grundlosigkeit dieser Veröffentlichungen und legen dar, daß die Türkei keineswegs daran dentt, ihre Beziehungen zu Griechenland zu stören.
Die Mohammedaner Indien?.
Kalkutta, 2. Okt. Eine Versammlung von Mohammedanern sandte an beit Unterstaatssekretär des Innern in Sim la eine Depesche, in der das Auswärtige Amt in London gebeten wird, Großbritannien möge als die größte Mohammedanermacht den Gang des italienischen Angriffes aufhalten. Eine andere Depesche bittet den .Großwesir, die Ehre des Islam zu verteidigen.
Der deutsche Handel mit der Türkei
hat int letzten Jahre eine bedeutende Zunahme erfahren, "er ist au Wett von 136,2 Millionen Matt im Jahre 1909 auf 182,4 Millionen Mark int Jahre 1910, also um 34 Prozent gestiegen. Der größte Teil hiervon entfällt in der Ausfuhr auf den Handel mit der europäischen und in der Einfuhr auf den Handel mit der asiatischen Türkei, während der Warenverkehr mit dem afttkanischen Teil der Türkei (Tripolis und Barka) wenig bedeutend ist. In den letzten zwei Jahren hat die Einfuhr Üirkischer Erzeugnisse nach Deutschland und die Ausfuhr deutscher Waren nach der Türkei betragen (Wett in Millionen Mark):
Türkei Einfuhr Ausfuhr
in Europa . . Asien . . Afrika . .
1909
1910
1909
1910
22,0
22,0
54,6
73,3
35,3
45,4
24,1
31,4
0,01
0 05
0,2
0,2
. Zusammen: 104,9
Zü bemerken ist, daß hierbei zur europäischen Türkei auch Krtta gerechnet ist und daß die afrikanische Türkei nicht Aegypten mit umfaßt, mit dem wir im letzten Jahre einen Warenaustausch von 128 Millionen Mark Wert gehabt haben. In Wirklichkeit ist wohl die deutsche Ausfuhr nach dem afrikanischen Gebiet der Dürkei etwas höher, als vorstehend auf Grund unserer Handelsstatistik nachgcwicsen, da ein Teil der für Barka und Tripolis bestimmten deutschen Waren zunächst nach außerdeutschen Häfen und von diesen erst nach Nordafrika geht. Tas gleiche trifft auch auf die Ausfuhr nach den übrigen Teilen der Türkei zu. Ter gesamte Außenhandel von Tripolis und Barka mag ungefähr 12 bis 14 Millionen Mark jährlich betragen, wovon . ettoa zwei Drittel auf die Einfuhr nach diesen Gebieten kommen. Am stärksten ist an diesem Handel Italien, beteiligt, dessen wirtschaftlicher Einfluß in Tttpolis dominiert. Im Jahre 1910 haben im Hafen von Tripolis 221 italienische Schiffe von zu- -sammen 268 000 Reg.-Tonnen verkehrt, dagegen nur 52 (46 000 Reg.-Tonnen) französische, 32 (42 500 Reg.-Tonnen) britische, .19 (24 200 Reg.-Tonnen) deutsche Schiffe.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. Oktober 1911.
** A u s dem Militär-Wochenblatt. Versetzt würden: Garnisons-Verwalter Inspektor Köhler in Höxter nach Worms als Vorstand. Sack in Hannover, Kerfes in Darmstadt, gegenseitig. Troeder, Rechnungsrat, Obcr-Jntendantur-Registtator von der Intendantur des 18. Armeekorps, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand. Versetzt zum 1. Januar 1912: Sobel, Obcr- Jntend.-Sekretär von der Intendantur des 18. Armeekorps zu der Intendantur des 5. Armeekorps; H artisch. Jntend.-Sekretär von der Intendantur des 16. Armeekorps zu der Intendantur des 18. Armeekorps. Berges, Jntend.-Registrator von der Jntend. des 10. Armeekorps zur Jntend. des 18. Armeekorps. Stade, Garn.-Verwalt. Oberinsp. in Worms, bei seinem Ausscheiden aus dem Dienst mit Pension der Charakter als Garn.- Verwalt.-Tirektor beigelegt.
**HandhabungdesbedingkenStrafaufschubs. Das hessische Ministerium der Justiz hat an sämtliche Justizbehörden ein Ausschreiben gerichtet, in dem es heißt: „Um den aus kriminellem Gebiete sich in hohem Maße bemerkbar machenden Alkoholmißbrauch wirksam bckämpsen zu können, ist cs notwendig, auch bei der Handhabung des bedingten Strafaufschubs diesem Punkte eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Denn man darf hoffen, daß mancher, den seine Neigung zum übermäßigen Mkoholgenusse mit dem Strafgesetz in Berührung gebracht hat, auf den Weg wirklicher Besserung gebracht werden kann, wenn ihm, sofern er im übrigen die Voraussetzungen einer bedingten Begnadigung erfüllt, Strafaufschub unter der Bedingung erteilt wird, daß er seinem Hange zum Trünke widersteht." Tas genannte Ministerium hat demgemäß bestimmt, daß die Strafvollstreckungsbehörden in allen Fällen, in denen sic über die Bewilligung eines bedingten Strafaufschubs zu berichten haben, sich darüber aussprechen müssen, ob die Straftat auf Unerfahrenheit, Verführung oder Trunkenheit beruht, und ob, wenn die Tat aus 'Trunkenheit zurückzuführen ist, Neigung zum übermäßigen Genuß alkoholischer Getränke bei dem Täter besteht, sowie ob und allenfalls welche Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Neigung geboten oder zweckmäßig erscheinen. Weiter ist, nach der „Därmst. Zeitung", angeordnet worden, daß zur guten Führung, die einen endgültigen Erlaß der Strafe zur Folge hat, auch gehört, daß der Täter sich nicht dem Trünke hingibt, und daß im Falle der Gewährung des bedingten Aufschubs mit Enthaltsomkeitsanweisiing 'dem Wäßigkeitsverein oder dem ionstigen, aus Bekämpfung des
Alloholismus gerichteten Vereine, der die Schutzaufsicht zu übernehmen bereit ist, Mitteilung von dem Strafaufschub und den Bedingungen, unter denen er gewährt ist, gemacht werden soll.
** Herbstsaat. Trotz aller Befürchtungen geht die Bestellung der Felder flott von statten. Die fortgesetzten Regenfälle begünstigen die Aussaat und auch die ausgetrockneten Klceäcker lassen sich gut umbrechen. Es ist eine Grundbedingung, daß die junge Saat gleichmäßig aufgcht und sich gegen die Unbilden des Winters gebührend bestockt. Im vorigen Herbst verursachte die Mäuseplage der sprossenden Saat nicht geringen Schaden.
•• Dienstju biläum. 30 Iabre ist am Samstag voriger Woche der Kanzleigehilfe Geilfuß am Landgericht tätig. Er sitzt heute noch an demselben Platz wie beim Dienstantritt.
** Prämmierte Hundezüch 1 er. Auf der am Sonntag in Fulda abgehalienen Hunde-Ausstellung, die mit vorzüglichem Material beschickt war, erhielten nachstehende Mitglieder des hiesigen Vereins „Huudcsport" für ihre ausgestellten Hunde Preise: Ernst Niemann für Boxer 3 zweite und 2 dritte. Hch. Kramer 6 erste und 1 Ehrenpreis. I. Hammermann 2 zweite und 1 dritten. Aug. Schwan für Schnauzer 2 erste, 2 Ehrenpreise und 2 dritte. Karl Volk für Dobermänner 5 erste und 2 zweite. Joh. Schäfer 2 zweite und 1 dritten. Ludw. Hanau für deutsche Doggen 2 erste und 1 dritten. Karl Hom- bcrger für deutsche Schäferhunde 1 zweiten und 1 dritten. Friede. Schreiner für Dachshlmd 2 erste und 1 Ehrenpreis, für Jagdhunde 2 erste und 2 zweite.
*• Einweihung. Arn Sonntag nachmittag wurde die von dem Bauunternehmer H. W. Rinn in der Ederstraße für die Neuapostolische Gemeinde erbaute Kapelle in Gegenwart zahlreicher fremder Gäste ihrer Bestimnnmg über- geben. Der einfache schmucke Barr enthält im Erdgeschoß eine Wohnung für den Prediger und darüber den Andachts- rarun, in dem rund 350 Personen Platz haben. Die Gemeinde besteht au§ 130 Mitgliedern.
** Eine „kleine" Hochzeit. In einem Wctterauer Torfe wurde vor einigen Tagen ein Hochzeitsfest gefeiert, das dort — die Leser werden, wenn sie die folgenden Zahlen vernehmen, staunen — noch nicht einmal zu den größeren derartigen Veranstaltungen zählt, sondern schon zu denen mittleren und kleineren Maßstabs gerechnet wird. Ter eigentlichen Hochzeit, zu der rund 250 Personen geladen waren, ging ein Schlachtfest voraus, das für Wurst- und Fleischvorräte zu sorgen hatte. Es wurden zwei Schweine geschlachtet. Man brauchte auf der Hochzeit 7 7 0 Würstchen, 370 Pfund Schweinefleisch, 230 Pfund Rindfleisch. Kuchen wurden 280 gebacken, wozu 18 Mesten Mehl nötig waren. Butter itnirben insgesamt 70 Pfund verarbeitet. Den Kasiee trug man in 50 Kannen auf. Zur Bereitung des Bratens waren 30 Pfannen in Tätigkeit. Daß dazu keine Küche des "Dorfes ausreichte, liegt auf der Hand. Man ging daher ins Gemeindebackhaus. Als Beispeise zum Braten gab es Kartosselsalat, der in einem großen Backtröge an gemacht werden mußte. Um den Hochzeitsgebern die Arbeit etwas zu erleichtern, mußten die Festgäste ihr Eßbesteck selbst von zu Hause mitbringen. Tas Hochzeitsgetränk wurde nach dem Ortsbrauche in Form von Bier verabreicht, wovon rund 6 Hektoliter verzapft wurden, abgesehen von dem Branntwein, der auf der ländlichen Hochzeit auch nie fehlen darf. Tas Fest, das zwei Tage in Anspruch nahm, machte auch wieder mit manchem schönen Hochzeitsbrauch bekannt, wie sie sich in der Gegend noch erhalten haben. Cs sei nur der eine erwähnt: Gegen Schluß des Festes wird plötzlich angeMndigt, die Köchin habe sich verbrannt. Jammernd und hinkend kommt sie darauf in den Saal. Man sammelt für sie und gibt ihr in dieser Form das wohlverdiente Trinkgeld. Rasch ist sie wieder genesen und begibt sich freudestrahlend von dannen. Auch von der alten Sitte, daß sich die Pärchen, die sich gern haben, während des Kaffees mit Zucker werfen, wird auf den Hochzeiten noch viel Gebrauch gemacht.
** Neue Briefmarken. Mit dem ersten Oktober haben die Reichspostverwaltung sowie Bahern je eine neue 60-Pfg.-Marke verausgabt. Mit Schaffung dieses neuen Wertzeichens ist ein-'i” dringenden Bedürfnis der Handelswelt Rechnung getragen. E wurde nämlich besonders von Versandgeschälten, die hauptsächlim d-Kilogramm-Postpalete mit Nachnahme verenden, ein solches Wertzeichen schon immer schmerzlich vermißt.
Landkreis Gicstcn.
l. Großen-Lin den, 1. Okt. Im Monat September wurden im V o l k s b a d abgegeben: 83 Wannen- und 357 Brausebäder.
0 Sief), 1. Oktober. Täglich werden hier von Frankfurter Händlern noch Zwetschen verladen und auf den Frankfurter und Kölner Markt versandt. Der Preis des Zentners beträgt 6,50 Mark. — Der Vogelsberger Höhen- ktub, desien letzte Wanderung nach dein Dünsberg wegen des Besuchs „des Hanauer V. H. C." ausfallen wußte, hat nun für die nächste Zeit eine Tour nach Glaubzahl und Salzhausen vorgesehen.
Kreis Büdingen.
— Rinderbügen, 2. Okt. Auf dem Rinderbüger Hof kam es gestern zwischen den ausländischen Arbeitern zu Ausschreitungen, nachdem ein Gelage veranstaltet worden war. Tie Leute gingen auch gegen den Verwalter, der Ruhe bot, los, so daß von der Herrschaft von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. Dabei wurde ein Arbeiter gefährlich am Kopfe verwundet und mußte in das Hospital nach Gütungen verbracht werden. Auch die Gendarmerie von Büdingen mußte eingreifen. Tie Ausländer reiften heute ab.
Kreis Lauterbach.
i. Lanzenhain, 1. Okt. Unsere kleine Kirche, die schon in einem aus der ehemaligen Lauterbacher Totenkirche stammenden, von Bildhauer Tr. Dan. Greiner restaurierten hölzernen Kruzifixüs edelster Holzschnitzarbeit ein seltenes Kleinod besitzt, hat eine neue Sehenswürdigkeit erhalten in vier herrlichen Glerchnisgestalten, die der genannte vielseitig begabte Künstler in diesen Tagen uns auf die Kanzel gemalt hat und die heute vor festlich versammelter Gemeinde enthüllt wurden. „Mir nach! spricht Christus, unser Held", „Lasset die Kindlein zu mir kommen!", „Kommet zu mir, ich will euch erquicken!" und „Ich bin der gute Hirte", so künden uns schlichte Unterschriften den Sinn der Gleichnisgcstalten; aber auch ohne diese Unterschriften läßt jedes dieser in den strengen Formen kirchlicher Kunst, aber doch io, frei und lebendig und farbenfreudig gehaltenen Bilder eine besoirdere Seite aus der Lebensstimmung des Heilands im Herzen des Beschauers wiederklingen. Zeigt das erste uns Jesus als den Helden im Reiche der Wahrheit, so zeigen die drei andern ihn als König im Reich der Liebe, und alle harmonisch vereint lassen das Bild des Sohnes vom Vater voll Gnade und Wahrheit in unserer Seele lebendig werden, in einer so herzgewinnenden Weise, wie es nur ertiter, gotterleuchteter Kunst gegeben ist. Es war der erste Versuch Tr. Greiners auf dem Gebiete der Kirchenmalerei. Aber der erste mit einem Herzen voll warmer Heilandliebe gemachte Versuch wurde ein Meisterwerk, das die vorher vom Künstler eingereichten Entwürfe alle in den Schatten stellte. Mögen diesem Meisterwerl bald andere folgen zur Zierde unsrer hessischen Kirchen, zur Ehre unsres Heilandes und zur Erbauung unserer Gemeinden!
Kreis Friedberg.
L. Fried berg, 2. Okt. Wegen der Maul- und Klauenseuche in der Umgegend konnte in diesem Jahre nur
ein Bicymarlt nut Veichrünkung abgehalten werden. Unser Herbstpferdemarkt, der auf den 24. und 25. Oktober fällt, wird dagegen wahrscheinlich gehalten werden dürfen. Die Stadtverwaltung hat Schritte getan, daß der Markt gehalten werden kann. Es ist beabsichtigt, neue Pferdeställe zu erbauen, und die Räume auf den seitherigen Pferdcställen zu einem städtischen Museum herzurichteu.
X Bad-Nauheim, 2. Okt. Trotz des wenig günstigen Wetters hatte die Bad-Nauheimer Kirmes, gestern und heute wieder seine übliche Anziehungskraft ausgeübt und zahlreiche Besucher angelockt, besonders von Friedberg Auf dem Iux- platz, der sich in der Altstadt auf dem Markt besindet, herrschte an beiden Tagen buntes Leben und Treiben.
Starkenburg und Nheinhessen.
he. Darmstadt, 2. Okt. Zu Ehren des bisherigen Polizeivorstands, Negierungsrat Tr. Kranzbühler, der mit dem heutigen Tage sein neues Amt als Kreisrat in Schotten antritt, fand gestern mittag im Polizeiamtsgebäude eine Abschiedsfeier statt, an der sämtliche Polizeikommissare und Polizeiwachtmeister, sowie Schutzmannsabordnungen, Vertreter der Feuerwehr, der Sanitätskolonne usw. teilnahmen. Im Namen sämtlicher Beamten sprach Polizeiamtmann Lauteschläger dem Scheidenden Dank aus für das allen stets entgegengebrachte Wohlwollen: ferner dankte namens der Feuerwehr Branddirektor Fischer und namens der Sanitätskolonne Oberleutnant a. D. Lotheißen. Dr. Kranzbühler entgegnete mit herzlichen Dcmkeswotten. Wenn er Erfolge erzielt habe, so danke er dies der verständnisvollen Mitwirkung seiner Beamten.
rm. Waldmichelbach, 2. Oktober. Eingestellt wurde gestern das von den Gebrüdern de Wendel in Hayingen im Elsaß hier betriebene Manganerzbergwerk, da die Schürfung sich nicht mehr lohnte.
Sturm und Hochflut aus der Schelde.
Während der letzten Stürme auf der östlichen Schelde haben 80 Fahrzeuge Schiffbruch gelitten, 40 davon sind gesunken. Eine große Anzahl Personen sind um- ge/omnten. Wir haben weiter folgende Nachrichten erhalten:
Antwerpen, 2 Okt. Infolge des mit der Hochflut verbundenen Sturmes ist die Schelde über die User getreten. Eine Anzahl Schlippen steht unter Wasser. Der Schaden ist bc- demend. Mehrere Leichterschiffe sind gesunken. Ztvei Personen sollen ertrunken sein. Der Straßen bahn verkehr ist säst ganz ll n t e r b r o ch e n.
Alltwerven, 2. Okt. Ter Dampfer „Eduard D o w s o n" ist auf der Schelde gestrandet und in Brand geraten. Fünf Di a n n werden vermißt, ein sechster ist tot, ein siebenter liegt im Sterben. Im ganzen sind 80 Fahrzeuge verunglückt, 40 davon gingen unter.
Bruinisse, 2. Okt. Eine ganze Fischerboots-Flottille ist verschwunden. Die Schelde führt zahlreiche Leichen mit sich. Ter Schaden ist außerordentlich bedeutend.
Getreide-Wochenbericht
der Preisberi s olle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 26. September bis 2. Oktober 1911.
Klammern ()
Roggen
(+
(4-
(+
(+
1)
1)
)
(-
)
(+
(-
)
(4- 2)
170
171
(+ (-
)
)
1)
178
173
196
197
200
202
175
192
195
185
184
195
200
195
)
)
2)
(- ( +
) )
2) 2) 1)
)
3)
1)
1)
2)
1)
1)
202 ( - 2)
199 (-81/.)
27,) b)
1)
177
173
179
181
186
190
191
175
182
178 190
187 19-,V,
195
212
200
200
202
204
195
204
199
208
207
220 222'/,
236
Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Rollock Hamburg Hannover Düsseldorf Köln Mannheim Straßburg fDiündien
(- ) (4-1)
(- 1)
Hafer 176 (- 2) 178 (+ 3) 181 (- )
(- ) (- 1) (- 2) (- 3) (- ) (-27-) (4- n
201.75 (— 4.25). Dez. 209.25 (— 3.00); Budapest Okt. 200.80 (+ 0.55); Liverpool Dezbr. 168.80 (— 0.0j); Paris Oktober 203.15 (-s- o.40); Chicago Dez. 151.60 (— 1.65). Roggen: Berlin Okt. 179.50 (- 4.50), Dez. 187.75 (— 2.25). Hafer: Berlin Okt. 180.00 (— 2.00). Futtergersle: cif Hamburg Sept. 133.25 (4- 3.75), Rov. 134.50 (+ 0.75), Dez. 135.50 (+ 1.00). Mais: Mired Tez.-März 127.50 (— 0.50), Donau Sept. 130.50 (— 1.00), Odessa schivim. 130.00 (- 1.00) »
20) (— 199 (- 204 (+
(-f- Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Okt.
letzten Markttag in Mark pro 1000 k» je nach Qualität, wobei das Mehr.( + ) beziv. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in beigefügt ist, ime folgt: Weizen
Der Getreidehandel bekundete in der abgelaufenen Berichtswoche überwiegend matte Haltung. Tie durch die Feldbestellung bedingte Verminderung des landwirtschaftlichen Angebots blieb ohne Einfluß, da sich angesichts reichlicher Versorgung der zweiten Hand allgemein große Zurückhaltung kundgibt und die bevorstehenden Andienungen einen Druck auf die Stimmung ausübcn. Dazu kommt, daß man in Handelskreiscn mit der Möglichkeit einer Erschwerung der Ausfuhr rechnet und deshalb mit weiteren Exportgeschäften zögert, trotzdem es an Nachfrage für deutschen Roggen namentlich seitens Nordrußlands nicht fehlt. Infolge der verminderten Nachfrage der Küste wendet sich das Angebot in stärkerem Maße nach Berlin, aber ebenso wie in bet Provinz zeigen sich die Mühlen auch hier augenblicklich wenig aufnahmefähig, und auch der Mangel an Speicherraum sowie der unbefric- bigenbe Mehlabsatz tragen bazu bei, bie Unternehmungslust einzuschränken. Für bie schwache Haltung bes Weizenmarktes sprach neben bem schwierigen Warengeschäft noch ber Umstcmb mit, daß Argentinien, helfen Weizcnanbau eine Zunahme von ca. 10 Proz. gegenüber bem Vorjahre ausweist, bereits als Verkäufer für Ab- . Dung neuer Ernte auftritt, womit teilweise auch die schwächere . enbertj der amerikanischen Börsen zusammenzuhängen schien. Von' dem italienisch-türkischen Konflikt gingen für den Getreidehandeb feine sonderlich befestigenden Anregungen aus, immerhin erscheint, eine Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs keineswegs ausgeschlosien, so daß sich Abgeber zuletzt etwas vorsichtiger verhielten. Im Gegensatz zu Brotgetreide war die Stimmung für Hafer ziemlich gut behauptet, und wenn der Handel bei den hohen Forderungen' ber Provinz auch sehr vorsichtig kaufte, so mußten im Bebarfs- falle bo ch höhere Preise bewilligt werben. Das Angebot ist recht knapp, unb Norbrußlanb hält feine Forberungen aufrecht. Futtergersle war vorubergehenb billiger, zum Schluß aber auf Deckungen wieber befestigt, ba sich einzelne Exporteure ihren Lieferungsverpflichtungen zu entziehen suchen. Mais hat seinen Preis- staub bei kleinem Geschäft kaum üeränbert.
Es stellten sich die Preise für in ländisches Getreide am
Vermischtes.
K.-K. Tie Lebensdauer der Bakterien. Daß Bakterien außerordentlich lebensfähig sind, geht wieder aus einem kürzlich von Buffon veröffentlichten Versuch hervor, über den die bekannte Zettfchnft für praktische Arbeit auf bem Gebiet der Naturwissenschaften „Mikrokosmos" (Stuttgart, Franckh'sche Vcr- lagshanblung) berichtet. Busson nahm vor 63/4 Jahren ein kleines Glasröhrchen mit destilliertem Wasser unb übertrug hernach mit der Platinöse Bacterium cöli, den bekannten Tarmbewohner, aus einer Kultur auf Agar, unter möglichster Vermeidung einer Ueber- tragung von Nährboden. Testilliertes Wasser wirkt aus bie meisten Bakterien entwicklungshemmend bezw. abtötend, ba ihm jebe Spur von Nährwert abgeht. Bei Bussous Versuch waren aber die Bakteriell nach 63/4 Jahren noch lebendig. Sie hatten sich in dem Glasröbrchen sogar erheblich vermehtt, obwohl ihnen nicht die


