Ausgabe 
29.4.1911 Viertes Blatt
 
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m. KM)

viertes Blatt

161. Jahrgang

Erscheint tli-lich mit Ausnahme des 6enntagl,

TieGießener FamilienblStter" werden dem .tiniriger* viermal wöchentlich beigelegt, da- Krtisblotl fir de» Krtis Gießen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Kett« frage»" erscheinen monatlich zweimal.

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhesien

Samstag, 29. April 19Y

Äetcttenttynitf und Verlag der vrühlAcheu UnwersuätS - vnch- und Steinern cfetei 9t Lange, Gießen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: 6dn* ftrah« 7. Expedition und Verlag: »L

Redaktion:«^ IIS. r«l.-AdruAnzeigerG»ene»

Dom Telegraphrnboten jum Minister.

£ London. 28. April.

Enthusiasmus ist ansteckend, und bei keinem Volke der Erde ist die Ansteckungsfähiqkeit höher ausgebildet als bei den Neuseeländern, schreibt der englische Schrift- steNcr William Maxwell. Als ich vor 10 Jahren in Neuseeland war, fährt er in dem in einer Londoner Tages­zeitung erschienenen Artikel fort, fiel es mir auf, lote groß der persönliche Einfluß des seinerzeitigen neusee­ländischen Premierministers, Mr. Richard Seddon, oder stönifl Dick, wie er im Volksmunde lakonisch genannt wurde, auf die breite Masse der Bevölkerung war. Fast drängt sich einem der Gedanke auf, daß etwas in der. Luft Neu­seelands liegen muß, daß diesen kräftigen Optimismus der Neuseeländer hervorruft. In dieser Annahme wird man wirklich bestärkt, wenn man die Persönlichkeit des Nachfolgers von König Tick, Sir Joseph Ward, in Betracht zieht. Sir Joseph weilt gegenwärtig als erster amtlicfjcr Gast der Kr önungsfestlichkeiten in Lon­don und steht demuach im Mittelpunkte des allgemeinen Interesses. Noch vor 10 Jahren war er die rechte Hand seines Vorgängers im Amte, und als er dieses antratz übernahm er nicht nur die amtlichen Funktionen als Nach­folger, sondern auch denselben unbändigen Optimismus und die Ueberredungsgabe seines Vorgängers.

Irländer und Schotten gelangen in den meisten Fällen zu Erfolgen, toenit sie in jugendlichen Jahren von der heimatlichen Scholle nach den Kolonien verpflanzt werden. 3o war auch Sir Joseph Ward als der Sohn irländischer Eltern in Australien geboren worden. Als der Junge drei Jahre alt war, ließen sich seine Eltern dauernd in Neuseeland nieder, so daß Sir Joseph gleich Gladstone Anspruch auf drei Nationalitäten erheben kann. Im zarten Atter von 12 Jahren widmete sich Joseph der Tätigkeit eines Telegraphen jun gen. Aber schon im 14. Le­bensjahre verfügte er über ein jährliches Einkommen von nahezu 3000 Mark, denn vom Telegraphenamt war er in einen Warenladen als Verkäufer übergesiedelt. Mit 17 Jahren kehrte er auch dieser Tätigkeit den Rücken und ging zur Eisenbahn über. Aber auch diese Tätigkeit gab er schon mit 21 Jahren auf, um auf eigene Faust ein Exportgeschäft zu errichten Mit 22 Jahren be­reits bekleidet er die stattliche Würde des Bürger­meisters von Campbelltown, welches Amt er in fünf aufeinanderfolgenden Jahren inne hatte. Mil seinem 30. Lebensjahr wurde er ins Parlam ent gesandt, und nach seclsS weiteren Jahren hatte er die Leitung jenes Post amtes in Händen, in welchem er als Telegraphenjunge feine Laufbahn begonnen patte. Als der Premier Mr. Richard Seddon im Jahre 1906 |turb, wurde Sir Joseph Ward zu seinem Nachfolger gewählt.

Sir Joseph Ward hat nichts gegen einen Staatenbund aller britischen Kolonien mit dem Nttitterlande einzuwen den, jedoch will er dabei die volle Unabhängigkeit jeder einzelnen Kolonie gewahrt wissen. Dieses Streben nach Unabhängigkeit war stets das Leitmotiv in der Politik Neu- Seelands gewesen, demzufolge hat es schon vor Jahren nichts von einer Einverleibung mit Australien wissen wollen. Sir Joseph Ward hält ferner die Errichtung eines Reichsverteidigungs-Parlamentes für wün­schenswert, in welchem Großbritannien und die Uebersee- staaien auf der Basis der Bevölkerung vertreten sein sollen Es unterliege keinem Zweifel, daß das englische Parlament mit lokalen Fragen viel zu sehr in Anspruch genommen sei, um sich auch noch mit Reichsfragen beschäftigen zu können. Demzufolge sei die Errichtung eines Reichsparlament eine dringende Notwendigkeit.

Wandern und Reifen.

Friedberg, 27. April. Ter Taunusklub W e t t e r a u" (Sektionen Friedberg und Bad-Nauheim), der seine Hauvtvcrjammlnng dieses Jahr auf dein Johannisberg unter dem Vorsitz von Finanzrat yoos-Friedberg abhielt, gibt seinen Wander- plan für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 heraus.

Es merben die folgenden Wanderungen ausgeführt: 30. April: Friedberg, Abfahrt 7 Uhr 50 Min. norm. nach OberroSbach, Marsch nach der KaperSburg, (IranSberq, Marienkapclle, ForsthauS Winterstein, Bad - Nauheim. (Maftchzcil 6 Stunden, Führer Direktor Dörr-Friedberg»; 14. Mai: Friedberg, Abfahrt 9 Uhr 26 Min. vorm. nach Erbfladt-Kaichen, Marsch über die Naumburg nach Kloster Engeltal, Staubacher Kirche. Tort Familienfest. (Mzt. 3', Stunden, Führer Professor Kramer-Friedberg); 11. Juni: Friedberg, Abiahrt 5 Uhr 35 Min. vorm. nach Gelnhausen, Marsch nach Eidengefäß, Hufeisen, Hohenberg, Teufelsgrnnd, Michelbach, Alzenau. <Mzk. 6 Stunden, Führer Finanzrat Poos); 9. Juli: Friedberg, Abfahrt 5 Uhr 44 Min. norm, nach Hausen b. Usingen, Marsch nach Neuweilnau, Wottskippel, Finstertal, Mauloss, Schmitten, AnSpach. (Mzt. 5 Stunden, Führer Geometer Rttzert- Friedberg; 5. und 6. August (Hinterland): Friedberg, Abfahrt 1 Uhr 14 Min. nachin. nach Marburg, 'Marsch iiach Ellnhaufcn, Friedensdorf, Bahnfahrt nach Biedenkopf (Uebernachten!) Marsch nach der Sackpseist, Hatzfeld, Holzhacken, Battenberg, Ernsthausen (Mzt. 3*/2 und 6X Stunden, Führer Finanzrat Hoos)' 3. Sept.: Friedberg, Abfahrt 8 Uhr 3 Min. vorm. nach Nidda, Marsch über Michelnau, Breitenstein, Glashütten, Hirzenhain, Lißberg, Ortenberg, Nidda (Mzt. 7 Stunden, Führer Ponsekretär Hotz-Friedberg): 8. Oktober: Friedberg, Alsahrt 7 Uhr 30'Diin. vorm. nach Stockhausen, Marsch über den Heislerberger Hof, Tianaburg, Greifenstein, Edingen (Mzt. Stunden, Führer Geometer Ritzert); 5. No­vember : Friedberg, Abfahrt 8 Uhr 56 Min. vorm. nach Butzbach, Marsch über den Hesselberg, Maibach, Wernborn, Pfafsen-Wies- bach, Winterstein, Friedberg (Mzt. 6'/, Stunden, Führer Direktor Torr); 3. Dezember: Friedberg, Abfahrt 8 Uhr 56 Min. vorm. nach Langgöns, Marsch nach Grüningen, Dorfgill, Kloster Arns- burg, Muschenheim, Münzenberg, Melbach (Ätzt. 5 Stunden, Führer Lehrer. Oßwald-Bad-Nauheinij; 21. Januar 1912 : Fried­berg, Abfahn 7 Uhr 30 Min. vorm. nach Ober-Ursel, Marsch über die Hohemark, Weiße Ttouer, Fuchstanz, Feldberg, Sandplacken, Heidemauer, Saalburg, Friedrichsdorf (Atzt 6 Stunden, Führer Prof. Kramer); 18. Febr. 1912: Friedberg, Abfahrt 9 Uhr 26Min. vorm. iiach Assenheim, Marsch über Ilbenstadt, Rodheim v. d. H., Ober-Rosbach, Friedberg (Mzt. 4 Stunden, Führer Prof. Kramer); 18. März 1912: Friedberg, "Abfahrt 7 Uhr 51) Min. vorm. nach Homburg v. d. £>., Marsch über den Herzberg, Saudplacken, Fuchs­tanz, Altkönig, Falkensiein, Königstein, Ober-Ursel (Mzt. 7 Stunden, Führer Oberlehrer Fuldner-Bab-Nauheim). Eine lebhafte Aus- i pro die entspann sich auf der Hauptversammlung über das 93er- gältnis des Taunusklubs Wetterau als Zweigverein des 93. H.-E. Fünf Herren, die sich an allen Wanderungen des verflossenen Fahres beteiligten, erhielten WanderauSzeichnungen. Ter Verein zählt jetzt nahezu 350 Mitglieder, die sich auf Friedberg, Bad- Nauheim und einige gröbere Orte der Welterau verteilen.

Dermifcbtes*

* Ein trübes Sittenbild entrollte die Llufklärung erites Raubes, der auf dem Flur des Hauses Triststraße 8 in Berlin verübt wurde Dort wurde ein junger Kaufmann, der die 18 Jahre alte Arbeiterin Margarete K. nach .Hause be­gleiten wollte, überfallen und seines Portemonnaies beraubL Als die Täter wurden zuerst der Aickettsbursche Max Alt - Huber und dann dessen Freund, der Fürsorgezögling Paul Pohl, der Anfang d. I. aus der Fürsorgeanstalt zu Lichtenberg cnttoidien war, ermittelt und festgenommen. Margarete K. hatte Althuber auf einem Tanzvergnügen kennen gelernt und sich von ihm ver­führen lasten.)on mit 17 Jahren wurde sie Mutter. Althuber versuchte nun lange Zeit vergälich, sie durch Drohungen zu einem schimpflichen Lebenswandel zu bewegen, um selbst faulenzen zu sännen. Endlich erreichte er durch Mißhandlungen sein Ziel. Ter junge Kaufmann war der erste Mann, dessen Begleitung die Unglückliche annahm. Althuber und Pohl, die sie nach Schönholz begleitet hatten, mar en aber damit noch nicht zufrieden. Sie eilten dem Paare voraus, lauerten ihm auf dem Hausflur aus und über­fielen und beraubten dort den Begleiter des Mädchens. Beide wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

* Eine merkwürdige Folge des Rummelsbur- ger Benzinbrandes. Eine rätselhafte Erscheinung ist bei vier Oberfeuerwehrmännern und Feuerwehrmännern der Ber­liner Feuerwehr beobachtet worden. Alle vier sind krästige und vollständig gesunde Mätmer. Kurz nach dem großen Benz in- tankbrand in Rimimdsburg verloren sie aber sämtliche Haare am Körper. Die Erkrankten wurden monatelang be­handelt, aber kein Erfolg eriidt. Jetzt nach vier Monaten wachsen den Feuerwehrmännern neue Haare; während aber die früheren Haare dunkel waren, sind diese schneeweiß. Eine Ansteckung liegt in diesem Falle nicht vor, denn die vier Patienten sind auf verschiedenen Wachen stationiert und kommen selten Zusammen.

(Eine Srtlärung der Baronin hanvel-Mazzetti.

Frl. Enrica v. Handd-Mazzetti hat an Julius Rodenberg, den .Herausgeb. der T. Rundsch., das folgende Schreiben gerichtet:

Steyr, 24. April 1911.

Hochverehrtester Herr! .

Mit großem Leidwesen sehe ich, wie mein Name dieser Lage in der Zettungspolemik um Dr. Schönherrs Drama wieder und wieder und oft in Verbindung mit sehr schiefen Behauptungen aut- tauchte Auf Ihre gütige Frage nach dem authentischen Lachver- verhalt erwidere ich kurz folgendes:

Ich habe niemals gegen Dr. Karl Schönherr einen Pla­giat v o r w il r f erhoben. Auf die ungemein zahlreichen Sin» tragen, die ans den verschiedenen ^Ausführungsorten an mich kamen, und darin mich Kenner des Stuckes und meiner Romane wegen der Aehnlichkeiten interpellierten, habe ich stets geantwortet, daß ick diese Aehnlickkeiten kenne, sie aber absolut nickt für Plagiate halte.*)

Ick betonte stets, daß das Schönste an Lchönherrs -i-tama das Heimatmotiv ist, das in den verschiedenen Bauerncharakteren in geistreichster Abwechselung durckgebildet erscheint. Auch an Tr. Pater Ezpeditus Schmidt schrieb ich in diesem Sinne. Zur Veröffentlichung war der Bries nicht bestimmt. Hätte ich ge­wußt, daß er zur Veröffentlichung gelangt, so hätte ich ihn sorgfältiger ausgestaltet. .....

Es ist vollkommen unrichtig, daß ich die Urheberin des -Streites bin, der fick um ,,Glaube und Heimat" und meine Romane ent» 'Donnen hat. Die Kontroversen in den Blättern und im Pu­blikum reichen m beit Anfang dieses Jahres zurück und hatten ihre Wiege in Süddeutschland und in der Schweiz. Die Stellung, die ich in der Sache einnahm, habe ich oben skizziert.

Ich habe niemals öffentlich ein Wott über diese Angelegen- beit gesprochen. Daß ich Pater Expeditus gegenüber die text­lichen Heimlichkeiten betonte, wird erklärlich, wenn man bedenkt, daß sehr viele behaupten, Tr. Schönherr habe meine Ideen aus­genommen. Ich habe dies immer entschieden verneint und ver­neine es auch heute. In meinen Romanen ringen zwei Glauben

*1 Die Augsburger Artikelserie, die Luzerner und andere Publika ionen in der Sache sind ohne jede Fühlungnahme mit wir selbständig erschienen, die erstere kam mir erst vor wenigen Tagen zu.

um den Sieg, in Dr. Schönherrs Drama ringt das .Heimat­gefühl mit dem Glauben.

In wenig geschmackvoller Weise werden Briefstellern aus einem nicht für die Oefsentlichkeit bestimmten Schreiben aus meiner Feder durch die Feuilletons getragen. Briefe an Freunde entspringen momentanen Stimmungen und reflektieren die Ge­schehnisse des Tages. Man müßte die Korrespondenz, die ich an diesem Tage aus einer Aufsührungsstadt erhielt, neben meinem Briese lesen, und man würde begreifen, daß mir^inige starke Worte in die Feder kamen. Den Dichter an seiner Thre gekränkt haben meine Worte wohl nie: dagegen habe ich in der Hitze des Kampfes manche bittere Kränkung zu hören bekommen, die, indem sie mir angetan war, an die unrechte Adresse ging.

In ausgezeichnetster Hochschätzung bin ich stets

Ihre ergebenste

Eurica Baronin Handd-Mazzetti."

Da die Dichterin hier selbst auf das entschiedenste verneint, daß Sckönherr ihreIdeen ausgenommen", und da hinreichend nachgewiesen ist, daß er auch ihre Worte nicht entlehnt hat, so ist diese Streitfrage, die im Grunde nur für den Pater Expeditus Schmidt eine Streitfrage war, endgültig erledigt.

Zur Erforschung der Krebskrankheit soll eine Stillung ins Leben gerufen weiden, die den Namen des ver­storbenen Berliner Klinikers Ernst von Leyden führen wird. Ter deutsche Hauplausschuß zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit erläßt zu diesem Zweck einen Aufruf. Geheimrat von Lenden bat sich in den letzten Jahren seines Lebens vor­wiegend mit dem Krebsvroblem beschäftigt und das dem Ber­liner Eharttekrankenham'e ungegliederte Institut für Krebs­forschung auch nach seinem Ausscheiden aus der flinischen Tätigkeit

Im Lauch st ädter Goethe-Theater sand dieser Tage, dem B. L. A. zufolge, die erste Tekoratwnsprobe für die am 23. Juni beginnenden Festaufführungen von HolbergsEras­mus Montanus" und KleistsZerbrochener Krug" statt. Ter Spielleiter, Hofrat Tr. Paul Schlenther, war anwesend mit Dr. Max Krüger vom Stadttheater in Münster, um die erste,i Vor­bereitungen zu treffen.

* Geistige Zollschranken im geeinten Deutsch­land. TerPad. Ztg." wird folgendes berichtet: Ein junger Lehrer aus dem Herzogtum Gotha, der bereits fest an-

vörsen Wochenbericht.

--- F-r a n l f u r t a. M., 28. April Nachdem die Ultimo* regulterung beendet ist, hat sich die Grundstimmung wieder besesttgt, wenngleich der Zug der Unsicherlieit nodi keineswegs gewichen ist. Die vorliegenden Momente waren nickt dazu anx getan, dem Verkehr eine einheitliche fliidjtung zu geben irrihi schon aus diesem Grunde wird die Spekulation bei ihren Be* trachtungen immer wieder auf die .Hauptfrage hingelenkt, ob dir Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse den! jetzigen Kursstand noch weiter rechtfertigen wird. In dieser yint sicht kommt in Frage, ob die Ge ldverbältnisse in der zweiten Hälfte des Jahres sich so gestalten werden, daß bi< wettgehenden Kredite, die das Effekteng.'sckäft in Anspruch nimmt, aufrecht erhalten werden können. Bisher liegen ja di? Ver« hältnisse des internationalen Geldmarktes ziemlich günsttg E4l kommt besonders in Betracht, daß in den Bereinigten Staa< ten infolge der wirtschaftspolitischen Verschiebungen die Unter« nehmungslust stark darniederliegt und infolgedessen Amerika n(4 Geldgeber aufgetreten ist. Es wird sich nun darum handeln, ob die fremden Gelder auch über den .Halbjahresschluß hinaus! noch hier bleiben roerben. Da die Entscheidungen in den Trust« Prozessen sich noch bis zum Herbst verschieben können, ist von Amerika ein plötzlicher Umschwung in den Witlschastsverhältnisscn nickt zu ermatten. Von Bedeutung wird der Ausfall ber hei< mttschen Ernte sein. Die letzten Saatenstandsberichte von Preußen und Teutschlmid haben leider nicht günstig gelautet. Immerhin ist bis zur Einte die Möglichkeit gegeben, daß bis jetzigen Schäden zum Teil wieder ausgemerzt werden. Die Um sicherheit in Bezug auf die Entwicklung der heimischen Wirl^ schastsverhältnisse konnte auch dadurch nicht verwischt werden- daß die Einnahmen der Eisenbahnen aus dem Gütern verkehr im März größere Mehreinnahmen gesägt haben und über die Geschäftslage der großen gemischten Montanwerke, bei sonders des Phönix, günftige Ziffern verbreitet wurden. Diä Börse konnte sich dem Gefühle nicht entheben, daß die Eirn Wirkungen der Verb and s fr agen, die in der Montan« Industrie zu lösen sind, ihren Einfluß stärker geltend machen. Die Klagen, die darüber von oberschlesischen Werken geführt morden! sind, haben eine weitere Bestätigung darin gefunden, daß nu3 Oberschlesien Berichte über Betriebseinschränkungen und Feier« schichten entlaufen. Besonders beachtet wurde auch der vom Gtet ncralbfreftor der Buderusschen Eisenwerke in der Generalversamm­lung gemachte Hinweis, daß durch ine Erweiterung ber großen Werke die Produkttonsfähigkeit so zugenommen hat, daß dadurch eine weitere Besserung der Marktlage hinangehalten wird, und dem entspricht auch, daß das Frühiahrsgeschäft keine Belebung brachte. Unter der Einwirkung widerstreitender Einflüsse bot ber M o nt anmarkt kein einlxniliches Bild, vorwiegend blieben aber Kursrückgänge, nur Aumetz-Friede hielten fick besser auf die Dividendentai,e von 12 Prozent Von anderen Industrien papieren waren Brauereiaktien etivas begünstigt, auch Zucker- fabrifeit, einzelne Maschinenfabrikaktien und Juteatticu auf die Erhöhung der Jutepreise. Ehemische Werte lagen meist schwächer, nur Scheideanstalt waren stärker gefragt und höher. Elektrizi^ tätswerte schwächer, auch Gummipeter gedrückt. Banken gaben meist etwas nach. Von Bahnen waren Anatolier und Schani tangbahn begünstigt, letztere auf die Dividendenerhöhung auf 6> - Prozent. S chis f a h r ts a k l i e n matter. Heimische F o nds gut behauptet. Bon fremden Renten Mertkaner gedrückt. Privat-» diskonto 3 Prozent.

< 1 . i" 11.

Zur Pflege des Haares

wird neuerdings das irachstehend verzeichnete Rezept empfohten^ da es sich vortrefflich zur Förderung des Haarwuchses, zur 23e* seitigung der Kopfschuppen und damit zur Vorbeugung her Kahb* köpfigkeit eigne.

1 Gramm kristaUisiertes Menthol wird zunächst in 85 Gramm Bay-Rnm aufgelöst, alsdann füge man 30 Gramm Livula do < omposee hinzu und falls man einen Wohlgeruch gern hat ein Teeloffelchen voll eines besseren Parfüms. ha18/«

Das Ganze wird tüchtig durcheinandergeschüttelt und ist dann nach etwa halbstündigem Stehen gebrauchsfertig. Die Anwew« düng geschieht durch leichtes Einreiben in die Kopfhaut, morgens und abends.

Ta vielleicht andere Leser dieses Rezept gerne auch örebiereu möchten, sei hier noch erwähnt, daß dasselbe von jedem Apotheke^ ober Drogisten nach obigen Angaben leicht zusammengestelkt wer-, den kann. Bei Verwendung der richtigen Bestandteile in den genannten Quantitäten sollte die Mischung von klarer, goldgelber bis lichtbrauner Farbe sein und ihr Herstellungspreis ungefähr 3 Mark betragen.

gestellt war, hatte sich um eine preußische Volksschule lehr er ft eile beworben und habet den Wunsch geäußert, daß die staatliche, in Gotha abgelegte Prüfung ihm ungerechnet^ und er van ber Wiederholung der zweiten Prüfung in Preußen entbunden werden möchte. Jetzt ist dem Lehrer von der föniqL Regierung in Erfurt folgender Bescheid zugegangen:Wir müssen es ablehnen, das beigefügte Gesuch um Befreiung von der Ab-< legung der zweiten Lehrerprüfung in Preußen weiterzugeben/ da der Minister der geistlichen, Unterrichts und Medizinal- angelegenhetten erst kürzlich entschiedeii hat, daß für den Fall' des liebertrittd eines Lehrers in den preußischen Schuldienst die Ablegung der zwetten Lehrerprüfung vor einer preußischen Prü- fungslommttsion nach den geltenden Bestimmungen nicht er­lassen werden fänn." Daß im Zeitalter des Prosessvren.- austausches deutsche Staatsregierungen Sperrmaßregeln gegen das Eindringen von Volksscknllehrern treffen, die in einem anderen deutschen Staate vvrgebübei sind, dürfte dem gewöhnlichen Menschenverstände ebenso unzweckmäßig, wie befremdlich erscheinen, Kaiser Wilhelm und der Wahlkampf in Niederösterreich Aus Wien wird der Nat 3ifl- folgendes ergötzliche Geschichtchen geschrieben: Als Kaiser Wilhelm im Vor-i jahre im Wiener Rar Hause weilte, mürbe ihm auch ein Ehren-, trunf gereicht, ein Pokal echten niederösterreichischrn Weines aus der Gegend von Haugsdorf. Sehr lobend hat sich Kaiser Wilhelm damals über den gebotenen Wein ausgesprochen und der Wiener. Bürgermeister versicherte, daß der Wein wohl zum besten gehöre. Das alles war so selbswersi-rndlich, daß damals niemand daran, dachte, der Ehrentrunk, der Dem dHitschen Kaiser gebotm wurde, werbe später noch eine Rolle in einem politischen Wahl­kampfe spielen. Das kam so. Das Landtagsmandat Mödling, Gumpoldskirchen, Perchtoldsdorf in Niederösterreich war durch ben Tod des Abgeordneten frei geworden und es entt'pann sich ein lebhafter Kampf zwischen den Ehttstlichsozialen, die das Man­dat besessen hatten, und den Teuttchnattonaten. Einen Großteil' ber Wähler bilden die Weinbauern, unter denen bi? von Gum- poldskirckien u. Percktoldsdors besonders stolz aur ihre Erzeugnisse sind Um diese zu gewinnen, wiesen die Teiitschnattonalen darauf hm, daß der christlichso . . I Bürgermeister oem o-mttchrn Kaiser als besten Tropfen des Landes einen Haugsdorfer und keinen Gumvoldsttrchner Wein, wie es >ich gebührt hätte, krs-i denzen ließ. Tie Weinehre der Gumpoldskirchner war bei der richtigen Falte gepackt, sie gingen hin und wählten Deutsch- national _______ __j_,