Zweites Blatt
161. Jahrgang
Nr. 12
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag».
General-Anzeiger für Oberhefien
Tie „Gießener LamNIendlLtter" werden dem .Slmeiger' otermal wöchentlich beigelegl, da» „Kreisblati fir den Kreis •lefoen" jroeimal wöchenllich. Die .Landwirtschaftliche» leit» fragen“ erscheinen monatlich jroeunoL
Samstag, 25. März 19U
Rotattonlbrud und Verlast der Brükl'lchea Uawersiiät» • Buch- und dtembrudeccL R. Lange. Dieven.
Redaktion. Exvedition und Tnitferti: 6cbul- ftraBt 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion:«^ 112. teL-SlbuAnzeigerDieven.
Aus Öen Rcid)stagsaus(d)üficn.
:: Berlin, 24. März.
Der Abschluß der Ansschntzberatung über die ReichSverßcheruogSorbnung.
In einer nur zweistündigen Sitzung gelang es heute dem Reichsversicherungsausschub, den Rest des dritten Buches über die Gewerbeünsalloersicherung, landwirtschaftliche und Sceunsall- Versicherung, das vierte Buch über die Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung, das fünfte Buch über die Beziehungen der Versicherungsträger Zueinander und zu anderen Verpflichteten sowie das sechste unb letzte Buch über das Beri'ahren in der Ausgleichlesung zu erledigen. Durch die neuen Eini- gungsbeschlüsse wurden die Beschlülse zweiter Lesung nicht mehr wesentlich geändert. Damit ist brunmehr die ganze Reichsversicherungsordnung mit ihren 1754 Paragraphen im Ausschuß in drei Lesungen durchberaten. Die Lesung der Berichte soll möglichst noch vor den Osterferien stattsinden
Am 2. Mai beginnt nach dem Arbeitsplan des Aeltesten- rates die zweite Lesung des Gcsetzeswerkes in der Vollversammlung und soll in zweiter und dritter Lesung bis Pfingsten endgültig erledigt werden. In den weit überwiegenden Kreisen deZ Ausschusses teilt man die pessimistisclze Auffassung nicht, die Tr. Mugdan vor einigen Tagen in einer Auseinandersetzung mit dem Staatssekretär Tr. Delbrück äußerte. Man ist davon überzeugt, daß das Werk in der Hauptsache in der nunmehr vom Ausschuß beschlossenen Fassung bis Piingsten tatsächlich zur Verabschiedung gelangt.
NeichSeiienbahnen und Holonialhanshalt im BndgetanSschnß.
Vor Erledigung des Restes des Kolonialvoranschlags stand heute im Budgetausschuß der Voranschlag der Reichseisenbahnen zur Beratung Der Vorsitzende des Ausschusses Frhr. v. Gamp (Rp.) teilte mit, daß der A e l t e st e n r a t sich dahin verständigt habe, daß allgemeine Fragen aus der Besprechung mit Rücksicht aus die Geschäftslage auszuschciden seien.
Bei der Beratung des Voranschlags der Reichseisen- bahnen wirb die Einstellung von mehr Zehntonnen-Wa^cn im Interesse des gewerblichen Mittelstandes gewünscht. Ter Ver- kehrsministcr stellte eine eingehende Denkichriit über den gesamten Betrieb in Aussicht. Die Frage einer besseren Entlohnung der Arbeiter sei im Fluß. Zur Entlastung der Hauvtlinie Straßburg— Avrieourt wird ein Durchstich durch die Vogesen empfohlen. Ter Minister spricht sich ^egen diesen Plan aus und bemerkt u. a., bau die französische Regierung irgendeine Sympathie für diesen Plan nicht ausgesprochen habe. Tie Forderung für die Bahnlinie Zweibrücken—Wolmünster—Münztal wird genehmigt und der Voranschlag der Rcichseiscnbahnen erledigt.
Man gehl dann zum Voranschlag für Reu-Guinea über. Aus Antrag deS Berichterstatters wird von einer Besprechung des nunmehr niedergeworsenen Aufstandes auf P o n a p e abgesehen. Die Anforderung neuer Beamten wird angesichts her äußerst geringen weißen Bevölkerungszunahme bc- mängelt. Ter Staatssekretär betont die Zunahme der Plantagen- Wiru'chasl und die Rotwendigkeil, dem häufig zu Dienstreisen genötigten Gouverneur einen älteren Stellvertreter zu geben. Es wirb gewünscht, daß für.bic Zukunft größere Beträge zur Erforschung des Landes eingestellt werden. Weiter wird auf den drückenden Ausfuhrzoll ans Kopra hingeiviesen und seine Aufhebung verlangt. Der Staatssekretär teilt mit, daß ein Wirt- fchastsplan nach Maßgabe der Verhältnisse in Rachbargebietcn ausgestellt wird, die Schwierigkeit liege in den Arbeitsverhält-
' Tann wird der Voranschlag für Samoa beraten. Das Verhältnis des Gouverneurs zu den Pflanzern wird eingehend erörtert und der Voranschlag für Samoa erledigt. Ebenso der Kolonial-Voranschlag im ganzen.
Montag: Auswärtiges Amt und Rest des Gesamtetats.
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Der Schiffahrt?abqaben-Au?flhuß
erledigte heute den 8 3 der Vorlage. Dabei wurde unter dem heftigen Widerspruch der preußischen Finanzvcrwaltung einstimmig beschlossen, daß die Unterhaltungskosten für die bereitsbestehendenAnlagennichtauSdenSchiff- s a h r t s a b g a b e n bestritten werden sollen.
Konfcrenj öer hessischen Bernrozrfsbetriebskiter.
Gießen, 24. Marz.
Bei prächtigem Frühlingswetter kamen am 21. b. Mts. die Betriebsleiter der hessischen Bergwerke in Trais-Horloff zusammen, um zunächst ber Einladung der Provinzialdirektion folgend, das Wasserwerk Inheiden zu besichtigen, das dort nach emsiger Winterarbeit seiner Vollendung entgegengeht. An Ort und Stelle gab zunächst Lundesgeologe Bergrat Dr. Schottler einen Ueberblitf über die geologischen Verhältnisse dieses merkwürdigen G.bictes, insbesondere über Temperatur und chemische Beschassenh it des Wassers, sowie über seine mutmaßliche Herkunft. Tie Fülle des aus einem geöffneten Bohrbrunnen überströmenden Wassers machte auf die Beschauer einen mächtigen Eindruck. Im Anschluß an die geologischen Erläuterungen gab Oberingenieur M ü l l e r die Beschreibung des technischen Teiles der Anlage und führte die Besucher mit dankenswerter Gründlich- keil durch alle Teile des umfangreichen Werkes. Besonderes Interesse fanden die Dampfturbinen und die zahlreichen Sicherlwits vorkehrungen gegen alle möglichen Zufälligkeiten, die den Betrieb künftig etwa stören könnten.
Sodann folgten die Teilnehmer einer Einladung der Gewerkschaft Friedrich zur Besichtigung ihrer Versuchsanlage zur Saugluftförderung von trockener Braunkohle (System Hartmann). Hierbei wird die getrocknete Kohle mittels eines Luststromes in eine Rohrleitung gesaugt und auf 'beträchtliche Höhe transportiert, wo sie in besonderen Enlladevorrichtungen wieder aus dem Luftstrom abgeschieden wird. Ter Bergwcrks- direklor Schiffmann und der Vertreter der ausführenden Maschinenfabrik H a r tm a n n - Offenbach gaben die näheren Erläuterungen zn diesem aussichtsreichen Verfahren, das einen erheblichen technischen Fortschritt in der Ausgestaltung ber Briketl- fabrikalion barstellt, und mit dessen Erprobung die Gewerkschaft Friedrich bahitbrechend vorangegangen ist. _ Die ganze Anlage sand daher mit Recht das leblwfteste Interesse der versammelten Fachmänner. Endlich führte Direktor Schiffmann noch cina Hol; Hackmaschine im Betriebe vor, die das aus der Grube zurück- kommende zerbrochene Zimmerungsholz zu Brennholzspänen ver arbeitet und so wenigstens noch einen Teil des durch den Gebirgsdruck unter der Erde zerstörten Holzwertes wiederzugewinnen gestattet.
In ber anschließenden Konferenz berichtete Bergassessor S ch c e r e r über den Jahresbericht der Bergbehörden für 1910. Es sei daraus hier nur wiedergegeben, daß die Marktlage für den Braunkohlenbergbau ungünstig, für den Erzbergbau aber besser als im Vorjahre war. Dementsprechend ist die Arbeiter zähl und der Produktionswert gestiegen, ebenso die Sr^nc. Einem Produktionswert von 41 _• Millionen Mark steht an Töhnen um' müßigen Baraufwenduwgen Tur Die Arbeiter ber Bergwerke und Salmen die Suurme von etwa 2Vs Millionen Mark gegenüber,
so daß also 55 Prozent des Bruttoertrags aus dem hessischen Bergbau direkt unb bar den dabei beschäftigten Arbeitern zugeflossen sind. Tie Anzahl der Leute betrug 2177 — Zum Schluß referierte Bergrat Köbrich über das Reichsgesctz betr. Die Besteuerung des Wertzuwachses, mit besonderer Berückfich- tigung ber Gesichtspunkte, bie den Wertzuwachs bei der Ver- äußerung von Berqwerlcxigentum betreffen. — Die nächste Konferenz wird Anfang Juni, abermals in Oberhessen tagen.
21 ns Stadt itno
Gießen, 25. März 1911.
L. ü. Lande? Universität. Dem am 1. April in den Ruhestand tretenden Geh. üofrat Prof. Dr. Pasch ist bas Komlmkreuz 2. Maste des PdilwpSordenS verliehen ivorden. Im Auftrage des Herrn Ministers des Innern wirb bic Auszeichnung Geh. Rat Pasch heute mittag durch den stellvertretenden Kanzler Geh. Jnstizrat Dr. Bierman n in Anwesenheit des Dekan? und der dienstältesten Mitglieder ber philosophischen Fakultät überreicht.
** Die Hauptversammlung des Verschöne- runasvereins, die am Donnerstag abend im Cafe Ebel stattfand, war nur schwach besucht. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß der Verein 310 Mitglieder zählt und über rund 2600 Mk. Kapital verfügt. In der Versammlung wurde darüber Klage geführt, daß daS Eigentum des Vereins, das unter dem Schutze des Publikums und der Allgemeinheit zur Benutzung steht, häufig in rohester Weise beschädigt wird. Die Zerstörungswut — nicht etwa halbwüchsiger Buben — erwachsener Personen, die sich mt den Ruhebänken und der dem Verein gehö-ntden Schutzhütte am Gleiberger Wea vergreifen, sei ganz unbegreiflich. Ebenso sei es zu tadeln, daß im Walde in der Nähe der Ruhebänke Papiere, in denen Eßwaren eingewickelt waren, htn- gcworfcn werden, oder gar Flaschen zerschlagen werden, io daß die Scherben auf dem Waldbodcn zerstreut Herumliegen. Die Aufsichtsbeamten der Forslbehörde sind neuerdings angewiesen, diesem Unfug entschieden entgegen zu treten. Auch will man versuchen, an vielbesuchten Punkten des Waldes Papierkörbe aufzustellen, die ebenfalls dem Schutze des Publikums empfohlen werden sollen. Die Versammlung beschloß, dafür einzutreten, daß spätestens anfangs Herbst entweder vom alten Feldweg oder vom Schissenberger Weg ausgehend über die Wiesen nach dem Nizza ein Promenadenweg angelegt wird, der durch den Waid hinter der Irrenanstalt in den Alten Schissenberger Weg einmündet. Tie Stadt hat sich bereit erklärt, den Weg anzulegen, dessen Bepflanzung mit Bäumen bis zum Wald der Verschönerungsverein übernimmt. Ferner wurde Beschluß gefaßt, die Schutzhütte am Gleiberger Weg abzubrechen und im Stadtwald an einem von der Stadt zu schassenden neuen Weg (Ecke der 5. Schneise und Butterweg wieder aufzustellen. Ferner wurden die Mittel bewilligt, damit von den dem Verein gehörenden 74 Ruhebänken die Hälfte in diesem, der Rest im nächsten Jahre neu gestrichen werden können. Tie Bänke sollen mit weißer Farbe als Eigentum des Verschönerungsvereins und der fortlaufenden Nummer gezeichnet werden.
** Tas Examen als Handarbeitslehrerinnen haben an der Aliceschule Hierselbst 15 junge Mädchen bestanden. Darunter befanden sich außer aus Oberbessen solche aus Rheinhessen, Baden, Nassau und Westfalen.
** Billiges Rassegeflügel z u Zucht zwecken war gestern bei der Versteigerung, die der Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen uno Umgebung c. V. 1897 vornehmen ließ, zu haben. Nutzrassen in Hühnern, Stämme von einem Hahn und einem Huhn gingen zwischen 5.50 bis 7 Mk. fort. Auf Wassergeflügel, Toulouser Gänse und Rouen-Enten wurden so geringe Gebote abgegeben, daß der Zuschlag nicht erteilt wurde: der Verein will die Tiere freihändig verkaufen oder sie als Zuchtstämme behalten.
** Es i st erreicht. Tie K r a ch e b u r g in der Neustadt ist von Schreinermeister Schön für 18000 Mk. an die Stadt verkauft worden. Es handelt sich nun nur notch darum, das halbe Haus des Metzgermeisters Schneider zu erwerben, das im Flächeninhalt ebenso groß ist, als die Kracheburg und die skandalösen Zustände an dieser Stelle der Neustadt können beseitigt werden.
Landkreis Gießen.
△ Klein-Linden, 24. März. Gemeinde und ftriegerocrein wollen eine Ehrentafel für die Kriegsteilnehmer der Feldzuge 1866 und 1870/71 in der Kirche errichten. Von den 26 von hier gebürtigen lind zugezogenen Veteranen find noch 13 am Leben. Die Ehrentafel wirb voraussichtlich gelegentlich der Friedensfeier am 10. Mai emgeweiht.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 24. März. Nachdem bereits heute früh mehrere junge Burschen, die zur Aushebung gewesen waren, wegen ruheitörenden Lärms verhaftet werden mußten, kam e? gegen mittag am Wehrdaer Weg abermals zu schweren Ausschreitungen. Etwa 15 — 20 Burschen widersetzten nch den einschreitenden Polizeibeamten und wurden gegen sie >ogar tätlich.
(ficrtcbtsfaaL
Diebstahl unb Hexenglaube.
Schlett st adt, 24. Marz. Einer Frau waren verschiedentlich Gelbbeträge gestohlen worden. Sie klagte ihr Leid einer Nachbarin, einer Wäscherin, die behauptete, dabei müsse eine Hexe ihre Hand im Spiele haben. Sie riet ber Frau, das Gelb an einen anberen Ort zu legen, nämlich unter die Matratze. Aber auch da verschwand ein Geldstück nach dem andern. Wieder auf den Rat der getreuen Nachbarin wurden bie Münzen nun in geweihtes Salz gelegt, aber ebenfalls ohne Erfolg, bie Tieb- •äble dauerten an. Der Rest des Gelbes würbe nun neben eine Ehristusstatuette gelegt, die sich unter einem Glassturz befand, aber das Geld verschwand zusehends weiter. Tie Frau war fest davon überzeugt, daß bei den Diebstählen Hexerei im Spiele sei. Sie beschloß daher, sich eine geweihte Kerze zu besorgen, am damit gegen die Hexe anzukämpsen. Als sie mit ihrem An- iegen zum Ortspfarrer kam, ließ sich der zunächst einmal er- ählen, was ue mit der geweihten Kerze anfangen wolle. Als die Frau nun mst ihrer Hexengeschichte fertig war, belehrte sie
der Geistliche, daß er solchem Aberglauben keinen Vorschub leisten dürfe. Zugleich machte er die Frau daraus aufmerksam, baß wahrscheinlich ihre getreue Nachbarin selbst bic Diebin sein werde. Tas bestätigte sich denn auch, sie wurde durch Bcwcisausnahmo überführt und erhielt für bic acht verschiedenen Diebstähle drei Vkonatc Gefängnis.
— Heft XIV der „Entscheidungen höherer Gerichtshöfe in hessischen S t c u cr f a d>e n" gesammelt von Gcheimerat Tr. Becker in Tarmstabt, Verlag I. Diemcr in Mainz, Preis 3 Mark, ist ioeben erschienen. Das Heft enthält n. a.3 Wann liegt eine strafbare Nachlässigkeit im Sinne des Art. 40 des Einkommensteuergesetzes vor. — Mietverluste, die im Lause des Steueriahres eintreten. — Ein Besckmnwdcgrund, der nicht innerhalb der in Art. 32 des Einkommensteuergesetzes bestimmten Frist zum Gegenstand der Beschwerde gemackst wurde, iß un» berücksichtigt zu lassen. — Was ist unter „Fcilbicten vvn W. ren", ,,Aussuch<n von Warenbestellungen", und „Anbieten gewerbüchev Leistungen" zu verstehen. — Ter Begriff des Wohnsitzes im Sinne des Zivilrechtes ist verschieden von dem des steuerrechrlickum Wolm- sitzes. — Die Steuerhi'Ucrzichung muß im Falle des Art. 42 des Einkommensteuergesetzes nicht ohne Zutun der Erben durch die Steuerbehörde entdeckt worden sein. — Formelle Erfordernisse der Beschwerde. - Auch der Vorsitzende der Veratüagungs- lomntission ist berechtigt, zur Abgabe einer Einkommcnsteuer- crflärimg unter Androhung ber Rechlsnachteile bes Art. 26 deS Einkommensteuergesetzes anszusordern. — Tie Veranlagung zur Gewerbesteuer hat auf den Grundlagen des Gewerbesteuergesetzes vom 8. Juli 1884 zu erfolgen. — Zur Frage des fteucrlid>cnl Wohnsitzes. — Sind die Königl. Prcuß. Lotterieeinnehmer in Hessen gewerbesteuerpslichtig.
Dürfen Wochenbericht.
— Frankfurt a. M., 24. März.
Wenngleich weiteres Eittlastungsbedürsnis der Spekrtlation sich geltend machte, war die Grundstimmung voriviegend fest. Als besonders wirksam für die gute Haltung ermeßen sich zahlreick>e Fusionsgerüchte, günstige Dividendensck)ätzungeit, bessere Bericksta aus der Zement-, der Woll-, und ber Jute-Industrie, sowie vvnr tucftlid/en Roheisenmarkt. Es heißt, daß das Roheisenwerk Straft für eine Erhöhung der Preise beim Skindikat plädiere und atrt Stabeisenmarkt zu den geworfenen Preisen von den Werken keine Verläufe mehr abgeschlosien würden. Auch erhält sich das Gerücht, daß der Phönix im Iamrar und Februar 35°/o Mehrgewinn erzielt habe und die Äumetz-Friede-Gesellschaft ihre Dividende wesentlich erhöhen werde. Jttfolge dieser Meldungen wird die Kauslust int Publilum immer wieder geschürt und so lange die Banken die Mittel hierzu leihen, wird das wilde Treiben weiter geben. Aber es kann nicht genug betont werden, daß die restlose Kapitalisierung der hohen Erträgnisse in den Kursen Gefahren in sich birgt. Daß trotz der Steigerungen am Kasso-Jndustrieaktienmarkte doch auch Anlagcwertc gekauft werden, beweist die Regsamkeit, die nach Auszahlung der Zinsen der Hypothelenbanken für 3Vs unb 3°oige deutsche Fonds s.'ch einstellte, und das zeigen weiter; der sensatwnelle Erfolg der neuen Türkenanleihe und die günstigen Ergebnifse der Emissionm am Stadtanleihemarkt. 9luch die russischen, chinesisckren und mexikanischen Anleihen, die unter ber politischen Lage gelitten hatten, haben bie Kursverluste meist eingeholt unb man erwartet, daß ber neue Kuponstermin den Anleihemarkt weiter besi-uchten wirb. Bankaktien lagen ruhig, doch teilweise fester, ebenso Bahnen, von denen Oesterreicknichv Staatsbahn l°u anzogen. Von Amerikanern standen die im freien Verkehr gehandelten Eairada Pacific im Vordergründe. Obschon sich nichts von den Gerüchten bestätigt hat, mit denen Stimmustg gemacht wurde, und der Berliner Markt stark verkaufte, wird alles Material von Neuyork zu steigeirden Kursen ausgenommen. Man spricht von einer Einführung der Aktien in Paris. Von Schiffahrtsäkticn sind Lloyd weiter abgeschwächt. Am K o l o n i a l m a r k t hat die Erklärung der Otavi-Gesellschaft über bic vvraussich-tliclie Tivibende bie Baissebewegung zum Stillstand gebracht. Rückläufe in Otavi und South Westafrika Shares gaben dem Markt ein festes Gepräge. Von Montanpapieren sinh Hüttenakticn 1—21/»0/» gebessert, Kohlenaktien lagen schwächer, da der Absatz sich vermindert hat. Von anderen Industrie- papieren haben einzelne ansehnliche ^.Kurssteigerungen erfahren- so gewannen Bürgerbrauerei unb Heidelberger Zement je 6°/o, Illtircher Mühlenwerke 6a/4°/o. Gritzner Maschinen 8%, Akkumulatoren Berlin und Wacker Zelluloid je 8>/s0,o, Seilindustrie Wolff imd Fahrzeug Eisenach je 9°/o. Kurseinbußen bis 5% sind vielfach zu verzeichnen. Vorr den im freien Verkehr gehandeltem, Aktien konnten sich Benz und Daimler-Motoren weiter besestigeiu Die Gelbverhältnisse sind durchaus befriedigend, so daß der Vierteljahresschluß kein erschwerendes Moment bebautet. Täg-, liches Geld stellt sich auf 3°/o. Prioat-Diskonto 33/8o/o.
- ------- - - - - - — । —
Stan-esaiiltsiiachrichtett.
(Nachträglich cingegungcn.)
He'«chek*"ini.
Aufgebote: März 17. Militäranwärter Wilhelm ©er- nanbt II. mit Helene Hofmann, beide von Heuchelheim.
Geborene: März 14. Dem Landwirt Albert Kreiling eine Tochter, Luise Emilie. — Dem Glasermeister Friedrich Wilhelm Rinn ein Sohn, Paul.
Gestorbene: März 22. Elisabethe Sack, geb. Rinn, 78 Jahre alt.
£onborf.
Eheschließungen: Mär- 5. Georg Emil Karl Hermann Jäger, Gärtner, in Londorf mit Lina Peter in Weitersl-ain.
Geborene: März 5. Dem Schreibgchifen Johannes Olemotz ein Sohn, Georg. — 14. Dem Schneider Heinrich Otter- dein eine Tochter.
Gestorbene: März 20. Heinrich Aumann, 5 Jahre alt. — 24. Friederike Hasselbach, geb. Wißner, 73 Jahre alt.
Lang-Gönz.
Aufgebote: März 20. Wilhelm Schaub, Maurer, in Lang-Göns mit Christina Zimmermann in Lützellinden. — 22. Heinrich Boller, Schlossermeister, mit Emma Elise Schimpf, beide in Lang-Göns.
Eheschließungen: März 19. Wilhelm Schmidt, Landwirt, mit Maria Rompf, beide in Lang-Göns.
Geborene: März 17. Dem Hilssweichensteller Wilhelm; Rudolph eine Tochter, Katharina Maria.
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